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Full text of "Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung"

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THE  J.  PAUL  GETTY  MUSEUM  LIBRARY 


ANNALEN  DES  VEREINS 


FÜR 


NASSAÜISCHE  ALTERTUMSKUNDE 


UND 


GESCHICHTSFOESCHUNCt. 


////  ^//. 


ANNALEN  DES  VEREINS 


FÜR 


NASSAÜISCHE  ALTERTÜMSKUNDE 


UND 


GESCHICHTSFORSCHUNG. 


O  (?     ^  Pf 


ACHTUNDZWANZIGSTER  BAND. 
18  9  6. 


MIT  ZWEI  LITHOORAPHIERTEN  TAFELN. 


WIESBADEN. 

VERLAG  VON  RÜD.  BECHTOLD  &  COMP. 

1896. 


Inlialts-Verzeichnis 

des   achtundz w^anzigsten    Bandes. 


Seite 
I.  Die   Herren   von   Beilstein   und   Greifenstein.     Von    Dr.    W.   Sauer.     Mit 

einer  Stammtafel  und  einer  Siejjeltafel  (I) 1 

II.  Kleine  Beiträge  zur  Genealogie  des  Hauses  Nassau.    Von  Dr.  W.  Sauer         53 

III.  Regierungspräsident   Karl  von   Ibell    über   die   preussische  Politik   in 

den  Jahren  1830  und  1831.     Von  Dr.  C.  Spielmann 61 

IV.  Das  Schloss  zu  Heftrich.     Von  Dr.  W.  Sauer 96 

V.  Nassauische  Studenten  auf  Universitäten  des  Mittelalters.  Von  Fr.  Otto         97 

VI.  Die  "Wiesbadener  Theaterfrage  im  Jeilire  1848.     Von   Dr.  A.    Schroeter       155 

VII.  Römische  Münzen  aus  Wiesbaden  und  Umgegend  im  Altertums-Museum 

zu  Wiesbaden.     Von  Dr.  E.  Ritterling      .     . 181 

VIII.  Zwei   Gesamtfunde   römischer   Münzen   aus  Heddemheim  im  Museum 

zu  Wiesbaden.     Von  Dr.  F.  Qu; Hing 245 

IX.  Die  Pyxis   des  Wiesbadener   Altertums-Museums.     Von   Otto   Donner-         ' 
von  Richter.     Mit  einer  Tafel  (II) 287 

X.  Zwei  Eberbacher  Inschriften.     Von  Fr.  Otto 296 

XI.  Das  Recht  des  Bannes  Maxsain,  saec.  XIII.     Von  Dr.  W.  Sauer    .     .     .       299 

XII.  Zur  Gefässkunde  der  vorrömischen,  römischen  und  fränkischen  Zeit  in 

den  Rheinlanden.     Von  Dr.  Adalbert  Schroeter 301 

XIII.  Nachträge   zu   der   Abhandlung:    .,Die  Herren  von  Beilstein  und  Greifenstein'', 

S.  1  ff.     Von   Dr.  W.  Sauer 303 

XIV.  Vereins-Nachrichten. 

Jahresbericht  des  Sekretärs  (vom  1.  April  1895  bis  zum  31.  März  1896)   .     .       305. 

Darin  Vorträge  innerhalb  des  Gesamtvereins: 

1.  Vortrag.  Florschütz:  Bericht  über  die  Generalversammlung  der 
deutschen  Altertumsvereine  in  Konstanz,  S.  309;  Ritterling:  Hügel- 
gräber von  Langenhain,  S.  310.  —  2.  Vortrag.  Pallat:  Die  im 
Altertums-Museura  befindlichen  griechischen  und  italischen  Thongefässe, 
S.  312.  —  3.  Vortrag.  Ruppel:  Vorgeschichte  der  "Indogermanen, 
S.  313.  —  4.  Vortrag.  Schroeter:  Die  Wiesbadener  Theaterfrage 
im  Jahre  1848,  S.  315.  —  S.Vortrag.  Lohr:  Römische  Bewaffnung, 
S.  316.  —  6.  Vortrag.  Tallat:  Aufnahme  der  Reliefs  der  Marc-Aurcl- 
Säule,  S.  317;  Otto:  Eberbacher  Inschriften,  S.  319.  —  7.  Vortrag. 
Fischbach:  Lorelei-  und  Loren- Mythen  und  Sagen,  S.  319.  —  8.  Vor- 
trag. Stern:  Totenkultus  der  Egypter,  S.  321.  —  9.  Vortrag,  l'allat: 
Auffindung  des  homerischen  Troja,  S.  322. 


VI 


Seite 
Vorträge  der  Historischen  Sektion: 

I.Vortrag.  Meinardua:  Die  von  Lehmann  in  Göttingen  aufgestellte 
und  begründete  Auffassung  vom  Ursprung  des  Tjähr.  Kriegs,  S.  323. 
—  2.  Vortrag.  Panzer:  Über  den  Schmalkaldischen  Krieg  im  Jahre 
1546,8.324.  —  S.Vortrag.  Grimm:  Geschichte  und  Bedeutung  des 
Benediktinerklosters  Bleidenstatt,  S.  325.  —  4.  Vortrag.  Sauer: 
Adel  in  den  Herrschaften  Wiesbaden  und  Idstein,  S.  326.  —  5.  Vor- 
trag. Kolb:  Geschichte  des  Herzogl.  Xassauischen  Offizierkorps  (18U3 
bis  1S66),  S.  330.  —  6.  Vortrag.  Otto:  Besuch  der  Universität 
Bologna  durch  Scholaren  aus  dem  Gebiete  des  vormaligen  Herzogtums 
Nassau,  S.  336.  —  7.  Vortrag.  Grimm:  Laien-Send,  S.  337.  — 
8.  Vortrag.  Otto:  1.  Über  verschiedene  Persönlichkeiten  aus  Nassau 
am  Ende  des  Mittelalters;  2.  Bericht  des  Freiherrn  L.  v.  Low  über 
seinen  Besuch  bei  Goethe,  8.  338.  —  9,  Vortrag.  Kolb:  Hundert 
Grabdenkmäler  und  Epitaphien  nassauischer  Grafen  und  Fürsten  in 
Wort  und  Bild,  S.  338.  —  10.  Vortrag.  Otto:  1.  Gelieimschreiber 
Karl  V.  Alexander  v.  Schweis's  aus  Herborn;  2.  Das  Buch  des  Wilh. 
Triphyllodacnus;  3.  Erklärungen  der  Namen  „Seeroben,  Kohlkorb  und 
Leberbcrg"',  S.  340.  —  11.  Vortrag.  Meinardus:  Wallenstein  als 
Landesfürst,  S.  341. 
Jahresbericht  des  Konservators  (vom    1.  Januar  1895  bis  31.  März  1896) .     .       343 


Sendungen,  die  für  den  Verein  bestimmt  sind,  beliebe  man  an  den  Verein,   nicht  an  ein 
einzelnes  Mitglied  des  Vorstandes  zu  adressieren. 


DRÜCK  VON  RUD.  BKCHTOf-D  4  COMP..  WIKSBADEX. 

BLLHüRl  CKERKI   i   UTHOGR.   ANSTALT. 


Die  Herren  von  Beilstein  und  Greifenstein. 


Von 


Dr.  W.  Sausr^ 

Küaig'l.  Archivrat  und  Staauarchivar  zu  Wiesbaden. 

Nebst  einer  Stammtafel  und  einer  Siegeltafel  (Tafel  I). 


Südwestlich  vou  Dillenburg  und  Herborn,  am  rechten  Ufer  der  Dill,  im 
Gebiete  des  in  die  Dill  mündenden  Rehbachs  und  der  in  die  Lahn  gehenden 
Ulm,  dann  herübergehend  auf  das  linke  Ufer  der  Dill  liegen,  ursprünglich  ein 
o-pschlossenes  Ganze  bildend,  die  Herrschaften  Beilstein  und  Greifenstein; 
in  ihrem  vollen  ursprünglichen  Bestände  waren  sie  wohl  nicht  die  unbedeutend- 
sten unseres  Heimatlandes.  Nicht  vollständig  ist  die  Herrschaft  Greifenstein 
später  dem  Hause  Nassau  eigen  geworden ;  ein  Teil  derselben  war  dem  Hause 
Solms  frühzeitig  zugefallen.  So  liegt  von  den  Hauptorten  der  Herrschaft,  den 
Burgen  Beilstein  und  Greifenstein,  nur  erstere  innerhalb  der  Grenzen  des 
vormaligen  Herzogtums  Nassau,  während  der  nahe  benachbarte  Greifensteia 
selbst  frühzeitig  in  den  Besitz  eines  anderen  benachbarten  Dynastengeschlechts, 
der  Grafen  von  Solms,  gelangte. 

Die  Nachrichten  über  das  Geschlecht,  welches  ursprünglich  auf  jenen 
Burgen  sass  und  von  diesen  seine  Geschlechtsnamen  führte,  sind  dürftig;  das- 
selbe ist  in  der  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  ausgestorben.  Durch  Vererbung 
teils  in  weiblicher  Linie  gelangte  die  Herrschaft  Greifenstein,  von  welcher  das 
Haus  Nassau  damals  schon  Stücke  an  sich  riss,  an  die  edlen  Geschlechter  der 
Vögte  von  Hachenburg  und  der  von  Isenburg-Limburg. 

Es  soll  nicht  der  Zweck  dieser  kleinen  Untersuchung  sein,  eine  möglichst 
erschöpfende  Geschichte  des  Hauses  Greifenstein  und  seines  Gebiets  zu  geben. 
Vielmehr  sollen  nur  die  verschiedenen  unter  sich  in  verwandtschaftlicher  Be- 
ziehung stehenden  Häuser,  welche  nacheinander  durch  Vererbung  in  den  Be- 
sitz von  Greifenstein  gelangten,  ermittelt  und  innerhalb  derselben  die  einzelnen 
Glieder  bis  zum  Erlöschen  des  Hauses,  soweit  dies  nach  dem  vorhandenen 
urkundlichen  Material  noch  möglich  ist,  festgestellt  werden.  Den  Gegenstand 
der  Untersuchung  bildet  demnach  die  Geschichte 
L  der  alten  Herren  von  Beilstein, 

IL  der  Herren  von  Greifeustein,  und  zwar, 

1 


a)  des  alten  Hauses  Greifenstein, 

b)  des  Hauses  Hachenburg-Greifenstein  mit  der  Fortsetzung  Sayn- 
Greifenstein, 

c)  des  Hauses  Iseuburg-Limburg-Greifenstein. 

in.  Die  Beilagen  behandeln  einige  aus  dem  Hause  hervorgegangene 
Nebengeschlechter,  die  Vögte  von  Hachenburg  und  die  aus  dem 
Stamme  der  Walpoden  von  der  Neuerburg  hervorgegangenen  Ge- 
schlechter. 

I.    Die  alten  Herren  von  Beilstein. 

Wie  bereits  bemerkt,  liegt  die  Burg  Beilstein,  der  Sitz  dieses  Geschlechts, 
südwestlich  von  Dilleuburg,  in  geringer  Entfernung  westlich  von  der  Burg 
Greifenstein.')  Dass  das  Geschlecht,  welches  sich  nach  der  Burg  auf  diesem 
Berge  nannte,  als  dem  Ministerialenstande  angehörig  betrachtet  wurde,  hat 
wohl  Arnoldi  verschuldet;  ihm  folgte  Wenck  in  dieser  ihn  irreführenden 
Angabe.  Indessen  hat  Vogel  die  dynastische  Qualität  des  Geschlechts  er- 
kannt.^) 

Wäre  die  Überlieferung,  dass  die  Herren  von  Beilstein  zu  den  edlen 
Geschlechtern  zählten,  nicht  noch  in  viel  späterer  Zeit  lebendig  gewesen,  so 
würde  das  Haus  Nassau-Ddlenburg  im  14.  Jahrhundert  schwerlich  dazu  ge- 
kommen sein,  bei  Einrichtung  der  Verwaltung  der  damals  erworbenen,  früher 
jenem  Geschlechte  gehörigen  Ortschaften  den  Namen  in  der  Herrschaft  Beil- 
stein wieder  aufleben  zu  lassen. 

In  der  Zeugenreihe  der  Stiftungsurkunde  des  Klosters  Schiffeuberg  1129 
erscheint  Kraft  von  Beilstein  unter  den  Edlen  als  der  letzte,  hinter  Hartrad 
von  Merenberg,  ebenso  wie  in  der  Zeugenreihe  des  Vertrags  von  1226,  Feb- 
ruar 24  Rudolf  von  Beilstein  nach  dem  Rheiugrafen  und  vor  dem  dem  Stande 
der  Edlen  angehörigen  Petrus  de  Derne,  wodurch  er  bestimmt  als  Nobilis  er- 
wiesen wird.^)  Diese  Feststellung  ist  von  Bedeutung  für  die  Geschichte  des 
Geschlechts. 

Über  die  ältere  Geschichte  der  Herren  von  Beilstein  wissen  wir  nichts. 
Namentlich  in  Bezug  auf  den  Ursprung  desselben  müssen  wir  uns  auf  eine 
Vermutung  beschränken,    deren  Begründung  im  folgenden  versucht  werden  soll. 

Von  dem  Geschlecbte  der  Herren  von  Beilstein  kennen  wir 

1.  Krafto  I. 

als  ältestes,   von  1129 — 1141   nachweisbares  Glied,    den  wir  Krafto  I.  nennen 
wollen,   aus  zwei  urkundlichen  Erwähnungen. 


')  Über  die  Burgen  vergl.  Lotz,  Baudenkmäler,  S.  22.  —  -')  Miscell.  S.  208,  wo  ein  in 
den  Jahren  l.'iHO  — 1460  auftretendes  Ministeriulengeschleclit  nachgewiesen;  dieses  Geschlecht 
führte  einen  Kranich  im  Wappen.  Wenck,  Hess.  Landesgeschichte  III,  2S8,  2S9;  Vogel, 
Beschreibung  S.  727,  —  Hingegen  sieht  wieder  Conriidy,  Annal.  XXVI,  S.  12:J  Note  4;  127 
Note  :{  das  Uesclilecht  als  dem  niederen  Adel  angehürig  an.  —  •';  Schannat,  Hist.  Worniat.  II, 
106;  Oudenus  III,  1U47. 


Als  Zeuge  erscheint  derselbe  in  der  Stiftungsurkuude  des  Klosters  Scliiffen- 
berg  1129  und  ebouso  1141  bei  einer  Schenkung  für  dasselbe  Kloster.*)  In 
ersterer  l'rkiinde  steht  er  unter  den  Edlen.    Weiteres  über  ihn  ist  nicht  bekannt. 

2.   Krafto  IL,  1195—1229 

ist  Bürge  des  Grafen  Walram  von  Nassau  in  dessen  Vertrage  mit  dem  Bistum 
Worms  vom  6.  Xoveniber  llOö.^)  Wir  künneu  ihn  ebenso  wie  Krafto  I.  als 
zu  dem  Stande  der  Nobiles  zugehörig  betrachten;  es  liegt  kein  Grund  vor 
ihn  mit  Conrady")   für  uiederadelig   und  als  Burgmann  zu  Nassau  anzusehen. 

Aus  einer  undatierten  Aufzeichnung  erfahren  wir,  dass  dieser  Krafto  mit 
seiner  Tochter  Irmengard  dem  neugegründeten  Kloster  Beselich  eine  Kornrente 
aus  seinem  Gute  in  Wilre,  Oberweier  bei  Iladamar,  geschenkt  hatte,  die  er 
später  mit  der  gleichen  Prästation  aus  einem  Gute  zu  Yinstere,  Finstern- 
Eschenau  bei  Runkel,  welches  ihm  Yulpert  von  Amelberg  verpfändet  hatte, 
vertauschte.') 

Das  Geschlecht  war  somit  auch  bei  Hadamar  und  Runkel  begütert. 

Krafto  n.  machte  die  Schenkung  an  das  Kloster  cum  Jilia  siia  Innen- 
r/arfh",  es  lässt  sich  vermuten,  dass  diese  Schenkung  die  Aussteuer  der  Irm- 
gard bei  ihrem  Eintritte  in  das  Kloster  war.  Wann  diese  Schenkung  bezw. 
der  Umtausch  derselben  erfolgte,  lässt  sich  nicht  feststellen ;  vermutlich  gegen 
Ende  des  Lebens  Krafto  11.  Dieser  wird  urkundlich  zuletzt  1229  erwähnt  als 
Zeuge  in  dem  Erbvergleiche  der  Grafen  Hermann  und  Philipp  von  Virneburg; 
hier  folgt  er  in  der  Reihenfolge  der  Zeugen  auf  die  Grafen  von  Solms.*) 

Gegen  1230  mag  Krafto  U.  gestorben  sein,  von  ihm  und  seiner  Tochter, 
sowie  von  Sühnen  desselben  ist  weiter  nichts  bekannt;  wir  können  annehmen, 
dass  dieser  Zweig  des  Geschlechts  mit  ihm  erlosch, 

3.   Krafto  IIL,  1234. 

Fraglich  bleibt  es,  ob  wir  einen  ungenannten  Ritter  Krafto,  der  im  Jahre 
1234  im  Begriffe,  terram  sancfam  visltare,  dem  Kloster  Seligenstatt  eine  Mühle 
bei  W^iliuowe,  Altweilnau,  schenkt'),  als  Krafto  III.  dem  Geschlechte  zuzählen 
können,  wenn  auch  manches  hierfür  zu  sprechen  scheint.  Beziehungen  zum 
Kloster  Seligenstatt  unterhielten  später  noch  die  Herren  von  Greifenstein,  welche 
wir  als  Stammesgenossen  und  Erben  des  alten  Hauses  Beilstein  anzusehen 
haben. 

Gehörte  dieser  miles  Krafto  dem  Geschlechte  Beilstein  an,  so  ist  er  doch 
nicht  als  ein  und  dieselbe  Person  mit  Krafto  II.  zu  betrachten. 


*)  Oudenus  III,  1047,  1051.  —  ^)  Schannat,  Ilist.  Worraat.  Urk.  Xo.  9.-),  S.  88; 
Kremer,  Orig.  Nass.  11,  209;  Schliephake  I,  468  mit  falscher  Datumsauflösung  Novem- 
ber 13;  Boo3,  Urkundeiibuch  von  Worms  I,  No.  96;  vergl.  Conrady,  Annal.  XXVI,  123. 
—  ")  Oonrady,  Annal.  XXVI,  123  Note  4;  127  Note  3.  —  ')  Ungedruckte  Urkunde,  vergl. 
Vogel,  S.  753,  794.  —  *)  Günther,  Cod.  dipl.  II,  Xo.  69;  Mittelrh.  Urk.-Buch  II,  No.  382; 
Mittclrh.   Rogg.   II,  No.   lOlO.    —  «)  Ungodruckte  Urkunde,  vergl.  Vogel  S.  S34. 

i* 


Krafto  ni.  nennt  in  der  eben  angezogenen  Urkunde  von  1234  den  von 
Cranixperc  seinen  avunculus;  dies  kann  rücksichtlich  des  Alters  auf  Krafto  11, 
nicht  mehr  bezogen  werden. 

Weitere  Nachrichten  über  diesen  Krafto  sind  nicht  bekannt;  er  wird  jen- 
seits des  Meeres  das  Geschick  so  manches  seiner  Standesgenossen  geteilt  haben. 

4.   Rudolf,  1226, 

ist  der  letzte,  der  uns  mit  dem  Xamen  von  Beilstein  begegnet. 

Über  seine  Abstammung  ist  nichts  bekannt.  Ihn  als  Sohn  Krafto  IT. 
anzusehen,  ist  bedenklich,  da  wir  urkundlich  nur  dessen  Tochter  Irmgard  kennen. 
Es  kann  daher  vermutet  werden,  dass  er  der  Sohn  eines  unbekannten  Bruders 
Krafto  IL  und  vielleicht  Bruder  des  eben  besprochenen  Krafto  III.  war. 

Urkundlich  genannt  wird  er  einmal,  als  Bürge  in  dem  Vertrage  des 
Bischofs  Heinrich  von  Worms  mit  Ilartrad  von  Merenberg  vom  24.  Februar 
1226  wegen  des  pagus  Nentherode,  in  welchem  sein  Stammsitz  Beilstein  lag; 
Hartrad  von  Merenberg  wurde  durch  diesen  Vertrag  Lehnsmann  des  Bischofs 
wegen  jenes  Teiles  der  Burg  zu  Merenberg  —  quam  a  Budolfo  de  Bilstein 
olini  conqxi  rare  rat  J°)  Rudolf  von  Beilstein  war  somit  in  früheren  Jahren  Mit- 
herr auf  der  Burg  Merenberg  gewesen,  deren  alleiniger  Herr  Ilartrad  von 
Merenberg  durch  Ankauf  des  Besitzes  jenes  wurde.  Vermutlich  wird  bei  Ge- 
legenheit des  vor  1226  erfolgten  Verkaufes  dieses  Ganerbenteils  alles,  was 
Rudolf  sonst  an  Gütern  und  Rechten  in  der  Herrschaft  Merenberg  besass,  an 
Ilartrad  übergegangen  sein. 

Mit  dem  Vorgesagten  erschöpft  sich,  was  wir  an  sicheren  Nachrichten 
über  das  Geschlecht  von  Beilstein  haben.  Alle  weiteren  Fragen,  namentlich 
aber  die  nich  dem  Ursprünge  dos  Geschlechts,  können  nur  durch  Vermutungen 
beantwortet  werden.  Bezüglich  des  Ursprungs  des  Geschlechts  soll  eine  solche 
Vermutung  im  nachfolgenden  aufgestellt  werden,  wenn  auch  im  allgemeinen 
das  Bedenkliche  eines  Versuchs,  dunkle  genealogische  Fragen  auf  einem  solchen 
Wege  zu  lösen,  nicht  verkannt  werden  soll,  Jedeuftills  aber  soll  dieser  Ver- 
such nicht  weiter  gehen,  wie  die  als  unzweifelhaft  sicher  erkannten  Verhältnisse 
es  gestatten.  Die  älteren  Genealogen,  welche  sich  mit  der  Abstammung  der 
edlen  Geschlechter  im  Niederlahugau  beschäftigten,  sind  samt  und  sonders  durch 
die  irreleitende  Absicht,  diese  Geschlechter  um  jeden  Preis  in  die  Geschlechts- 
tafel des  edlen  salischen  Grafenhauses  einzufügen,  weit  über  die  Grenzen  des 
Erlaubten  geführt  worden.  Besser  ist  es,  wir  begnügen  uns  mit  dem  wenigen, 
was  wir  sicher  wissen. 

Es  ist  zunächst  zu  beachten,  dass  das  Geschlecht  nicht,  wie  angenommen 

wurde,  dem  nieileren  Adel  angehört,   sondern  vielmehr  dem  Stande  der  Edlen. 

•     Der  Besitz  desselben,    für  den  wir  auch    den  Namen  Herrschaft  Beilstein 

einführen  wollen,    lag    in  jenem    östlichen  Teile   des  Niederlahngaues,    der  993 

bis   1008  unter  einem  Grafen  Gerlach  stand.")    Der  Hauptort  dieses  Teils  des 


"')  Sohannat,  Hist.  Worm.it.  II,  HO.  -   ")  Krenier,  Orig.  Na.s3.  II,  97  ff.;  Stumpf, 
^0.    12.50,   124.J,  14yO. 


XieJerlahugaues  war  NanthorisroJe,  Xeutercd;  diese  Abteilung  des  Gaues  bil- 
dete später  den  Uutergau  Nenterode,  den  Kaienborger  Cent,  den  Nassau  später 
als  seine  Herrschaft  Beilstein  organisierte.  Durch  königliche  Schenkung  kam 
Nenterod  in  den  Besitz  der  Bischöfe  von  Wornis,  welche  mit  der  Vogtei  über 
den  Gau  die  Herren  von  Merenberg  belehnten.  Die  Hörigen  im  Kalenberger 
Cent  waren  fast  sämtlich  Eigentum  des  Bischofs  von  Worms;  was  ausserdem 
an  nennenswertem  Grundbesitz  und  Eigentum  vorhanden  war,  gehörte  den 
Herren  von  Beilsteiu.  Diesen  Beilsteioer  Besitz  schied  nur  der  Kalenberger 
Cent,  jener  schmale  Streifen  Wormser  Gebiets,  der  unter  der  Vogtei  der  Moren- 
berger  stand,  von  dem  Boden  der  engeren  Herrschaft  dieses  letzteren  Geschlechts, 
die  möglicherweise  erst  von  jenem  Wormser  Gebiete  abgezweigt  war. 

Sollte  die  Annahme  zu  gewagt  sein,  dass  die  benachbarten  Herren  von 
Beilstein   und  von  Merenberg  Zweige  eines    und  desselben  Geschlechts  waren? 

Mit  einer  solchen  Vermutung  gehen  wir  einen  Schritt  weiter  wie  der 
vorsichtige  Vogel,  der  sich  auf  die  Bemerkung  beschränkt''),  dass  „die  Herren 
von  Beilstein,  welche  sich  den  Dynasten  anreihten,  mit  den  von  Merenberg  in 
Verbindung  standen".  Vogel  hat  mit  diesen  etwas  unbestimmten  Worten 
gewiss  nur  seine  Ansicht,  dass  beide  Geschlechter  eines  Stammes  seien,  an- 
deuten wollen;   Gründe  hierfür  gab  er  nicht  an. 

Über  den  Ursprung  der  Herren  von  Merenberg  wissen  wir  nichts,  über 
ihre  ältere  Geschichte  wenig.  Um  den  dunklen  Ursprung  aufzuklären,  haben 
ältere  Genealogen  sieh  in  Hypothesen  ergangen,  denen  jedoch  jede  urkundliche 
Grundlage  fehlt.  Manchen  Anklang  fand  die  von  Kremer'^)  und  Wenck  ver- 
tretene Ansicht,  dass  Hartrad,  der  Sohn  des  1032  genannten  Grafen  Adelbert 
und  Bruder  des  Erzbischofs  Bardo  von  Mainz,  der  Ahnherr  des  Geschlechts 
sei,  das  Kremer  seiner  Neigung  entsprechend  auch  an  das  salische  Haus  an- 
hängen wollte.  Indessen  haben  Vogel  und  Stein  längst  mit  Recht  betont, 
dass  eine  Verbindung  dieses  Hartrad  mit  dem  ältesten  urkundhch  feststehenden 
Merenberg  nicht  nachweisbar  ist.'*)  Die  Hypothese  ist  hiermit  beseitigt;  be- 
züglich des  Ursprungs  des  Hauses  Merenberg  kommen  wir  nicht  über  Hartrad  I., 
der  urkundlich  1129  zuerst  bezeugt  ist'^),  hinaus.  Das  Jahr  1129  ist  dasselbe, 
in  welchem  auch  der  älteste  Herr  auf  dem  Beilstein,  Kraft,  zuerst  erwähnt  wird. 

Grössere  Macht  und  Bedeutung  wie  die  von  Beilstein,  mit  welchen  sie 
gleichzeitig  zuerst  auftreten,  haben  die  von  Merenberg  anfänglich  nicht  gehabt. 
Ihre  kleine  Herrschaft  war  zum  grössten  Teile  Lehen  von  Diez  oder  Worms. 
xVuf  die  Lage  der  beiden  benachbarten  Herrschaften  im  östlichen  Teile  des 
Nicderlahngaues  ist  bereits  hingewiesen. 

Ausser  diesem  können  wir  in  zwei  Fällen  gemeinschaftlichen  Besitz  der 
Herren  von  Beilstein  und  Merenberg  im  Niederlahngau  nachweisen.  Gemein- 
schaftlicher Güterbesitz  oder  gemeinsame  Erbfolge  in  Gütern  kann  für  die  hier 
in  Betracht  kommende  Zeit   gewiss    nicht    den    unzweifelhaften  Beweis    für  die 


'"')  Begehr.  S.  7'J7.  —  '')  Kremor,  Ori?.  \ass.  I,  ls5;  Wenck,  Hess.  Lamlcsgeschichte 
III,  278.  —  "i  Vogel,  Beschr.  247;  Stein,  König  Konrad  S.  320;  vergl.  Drau  dt,  Forsch- 
ungen zur  deutschen  Gesch.    XXIII,   401.   —  '•)  Gudenus  III,   104.3, 


6 

gemeinsame  Abstammung  von  Geschlechtern  erbringen,  giebt  aber  immerhin 
einen  höchst  beachtenswerten  Fingerzeig.  Die  beiden  Fälle,  welche  hier  in 
Betracht  kommen,  erscheinen  besonders  als  solche,  welche  die  Vermutung  der 
Stammesgleichheit  der  Beilsteiner  und  Merenberger  hinlänglich  wahrscheinlich 
machen  können. 

Zunächst  sassen  die  Beilstein  auf  dem  Schlosse  Mereuberg  selbst  in  Gan- 
erbschaft mit  den  Merenberg.  Rudolf  von  Beilstein  verkaufte  seinen  Anteil 
an  dem  Schlosse  Merenberg  vor  1226  au  Hartrad  IV.  von  Merenberg.")  Wie 
dieses  semeinschaftliche  Besitzvorhältnis  sich  bildete,  vermögen  wir  mit  Be- 
stimmtheit  nicht  aufzuklären;  die  Annahme  der  Stammesgemeinschaft  dürfte 
die  einfachste  Lösung  abgeben. 

Nachfolger  des  alten  Hauses  Beilstein,  oder,  wie  sich  im  folgenden  ergeben 
wird,  richtiger  des  Hauses  Beilstein-Greifenstein,  die  Herren  von  Hachenburg- 
Greifenstein,  finden  wir  noch  in  späterer  Zeit  in  überraschender  Weise  im  Mit- 
besitz Merenbergischen  Stammgutes.  Durch  Urkunde  vom  29.  Januar  1267 
verzichten  Kraft  IV.  von  Greifeustein  und  Hartrad  V.  von  Merenberg  zusammen 
auf  das  ihnen  vermeintlich  zustehende  Recht  an  dem  Besthaupt  von  den  Hörigen 
des  Stifts  Wetzlar.")  Auch  in  diesem  Falle  würde  sich  das  Rechtsverhältnis 
durch  Annahme  der  gemeinsamen  Abstammung  beider  im  Besitz  befindlichen 
Geschlechter  am  einfachsten  erklären. 

Eine  Seiteulinie  des  Hauses  Beilstein-Greifenstein  sind  die  Dynasten  von 
Lichtenstein.'-)  Beide  Geschlechter,  die  Merenberg  und  Lichtenstein,  führten 
dieselben  Namen ;  bei  beiden  Häusern  kommen  die  Namen  Konrad  und  Witte- 
kind wiederholt  vor. 

Eine  weitere  Stütze  für  die  vermutete  gemeinsame  Abstammung  der 
Häuser  Beilstein  und  Merenberg  würde  die  Gleichheit  der  Wappen  beider  geben 
können.  Es  ist  schon  vorhin  die  noch  weiter  zu  erörternde  Vermutung  aus- 
gesprochen, dass  das  Haus  Beilstein  und  das  alte  Haus  Greifenstein  dieselben 
sind;  das  Wappen  des  letzteren  Geschlechts  kennen  wir,  es  ist  dasselbe,  wel- 
ches die  von  diesem  Geschlechte  abgezweigten  Herren  von  Lichtenstein  führten. 
EndUch  ist  dieses  Wappen  auf  den  seit  1255  auftretenden  Kraft  IV.  von 
Greifenstein,  aus  dem  Geschlechte  der  Herren  von  Hachenburg-Greifenstein, 
mit  der  Erbfolge  in  die  Besitzungen  des  älteren  Hauses  übergegangen.  Dieser 
Krafto  IV.  Vogt  ;von  Hacheuburg,  welcher  seit  1255  auf  dem  Greifenstein  sass, 
hat  das  Hachenburger  Stammwappen,  die  drei  schiägrechts  gestellten  Rauten, 
aufgegeben  und  führt  von  da  ab  den  alten  Greifensteiner  Schild  wie  die  benach- 
barten Dvnasten  von  Lichtenstein. 

Hinsichtlich  der  Erklärung  des  von  den  Greifenstein  und  Lichtenstein  im 
Siegel  geführten  Wappenbildes  gehen  die  Meinungen  auseinander. 

Das     älteste    uns    erhaltene    Siegel,    ein    Wappensiegel    des    Rudolf    von 
Greifenstein,   hängt   an  der   im  Original  vorliegenden  Urkunde    des    Genannten 


'«)  Schannat,    Ilist.    Wormat.    U,    116;    Wenck  IIF,    2SS.  -    >V.  Gu-lcnua    V,    46; 
Mictelrh.  Regg.  III,  2239.   -  '")  Vergl.  über  dieselben  Vo-el,  Ö.  2Jl. 


vom  Juli  1255.")  Das  Siegel  ist  abgebildet  (anscheinend  nach  demselben  IIolz- 
stock)  bei  Schaum,  Gesch.  von  Solnis,  Taf.  IV,  Xo.  23;  Graf  Solms,  Geschichte 
des  Hauses  Soltns,  Taf.  I,  Fig.  2;  im  „Herold"  1873,  No.  3,  wo  Seyler  das- 
selbe bespricht,  ohne  zu  einer  sicheren  Deutung  des  Bildes  zu  gelangen,  endlich 
auf  dem  Titelblatt  von  Himmelreichs  Greifensteiner  Chronik  und  hier  Taf.  I, 
No.  1.  Hiernach  ist  auch  wohl  das  bei  v.  Goeckingk,  Taf  6  an  zweiter 
Stelle  gegebene  Greifensteiuer  Siegel  gezeichnet.  Auf  den  ersten  Blick  zeigt 
das  Siegel  vier  von  Kerblinien  eingefas^te,  mit  den  Spitzen  so  gegeneinander 
gestellte  Blätter,  dass  der  freie  Raum  des  Schildes  ein  Kreuz  bildet.  Dies 
Bild  hat  verschiedene  Deutungen  gefunden.'")  Ledebur  erklärte  die  Blätter 
für  ausgezahnte  Windmühlenflügel.  Seyler,  der  neben  der  berichtigten  und 
ergänzten  Abbildung  des  Siegels  einen  Abguss  benutzen  konnte,  giebt  zu,  dass 
die  Zeichnung  die  Meinung  begründe,  der  Siegelstecher  sei  beauftragt  gewesen, 
Blätter  zu  stechen.  Hingegen  zeige  der  Abguss  mehrfache  Fehler  und  Ab- 
weichungen des  Zeichners.  „Auf  dem  Original  fehlt  die  gerippte  Schattierung 
der  Blätter,  hier  sind  die  Distanzen  der  Blätter  regelmässig  abgemessen,  sie 
treten  plastisch  hervor  und  zeigen  das  Kreuz  vertieft,  dessen  Arme  ganz  sym- 
metrisch gebildet  sind.  Ausserdem  hat  der  Zeichner  für  den  Holzstock  die 
Beschädigungen  des  Originals  am  Rande  und  in  der  Umschrift  ergänzt."  Dass 
dieser  Holzstock  schon  für  das  Buch  von  Schaum  benutzt  ist,  sah  Seyler 
nicht.  Hiernach  scheint  Seyler,  auch  wenn  er  sich  nicht  bestimmt  äussert, 
als  das  Wappenbild  ein  Kreuz  mit  gezackten  Rändern  anzusehen.  Die  Mit- 
teilungen über  das  Siegel  bei  v.  Goeckingk  (v.  Grass),  S.  6  sind  nicht  ganz  genau; 
hier  wird  es  unentschieden  gelassen,  ob  der  Schild  „Beschläge"  oder  ein  Kreuz 
aufweist.  Endlich  mag  noch  die  Meinung  von  Gudenus  angeführt  werden, 
der  ein  Reitersiegel  Krafts  von  Greifenstein  an  der  Urkunde  von  1283,  sowie 
ein  gleiches  des  Widekind  von  Lichtenstein-'),  welches  letztere  auch  mehrfach") 
abgebildet  ist,  beschreibt;  in  ersterem  Falle  ist  das  Wappenbild  ^cnix  composita 
ex  4  foliis  denticulatis"- ^   im  zweiten  Falle  „4  foUa  denficulata  posita  ad  modum 


crucis"" . 


Der  Lösung  der  schwierigen  Frage  kommen  wir  wohl  am  nächsten,  wenn 
wir  der  Ansicht  von  Seyler  beitreten  und  das  Wappenbild  als  ein  etwas  schräg 
gestelltes  Kreuz  mit  gekerbten  Rändern  betrachten.  Bei  dem  von  v.  Goeckingk 
Taf  10  abgebildeten  Lichtensteiner  Wappen  glaubt  man  mit  voller  Deutlichkeit 
einen  Schrägen  als  Wappenbild  zu  sehen.  Wir  können  hierfür  auch  die 
Wappen  der  niederadeligen  Geschlechter  Mudersbach  und  Steinbach  anführen, 
von  denen  ersteres  vielleicht  dem  Hause  Greifenstein  entstammt.  Beide  führen 
einen  an  den  Rändern  gekerbten  Schrägen.'')  Haben  wir  vorhin  auf  Grund 
gemeinschaftlichen  Besitzes  die  Herren  von  Merenberg  und  Beilstein-Greifenstein 
als  eines  Stammes  angesehen,  so  können  wir  unter  vorstehender  Annahme  be- 
züglich des  Greifensteiner  Wappens  auch  die  Wappen  beider  Geschlechter  als 

^''i  Gudenus  II,  122;  Mittelrh.  Urk.-Buch  III,  Xo.  1305;  vergl.  Reinhard,  Kl.  Aus- 
führun;,'en  XIII,  328.  —  -' j  Vgl.  Seyler  im  , Herold-  a.  a.  O.  —  ^')  Gudenus  IT,  230,  253. 
-  ")  Schaum,  Taf.  IV,  Xo.  24;  Graf  Solms,  Taf.  I,  Fig.  3;  .,IIerold''  1873,  Xo.  3.  — 
")  Bei  V.  Goeckingk  sind  die  Schilde  beider  Geschlechter  als  achtmal  geständert  bezeichnet 


8 

kongruent  ansehen.  Die  Herren  von  Merenberg  führten  in  grünem  oder  blauen 
Felde  einen  Schrägen,  entweder  allein  —  und  dies  wohl  ursprünglich  —  oder 
später  begleitet  in  jedem  Winkel  von  je  einem  Kreuzchen  oder  von  je  drei 
Kreuzchen  oder  von  je  einer  vierblätterigen  Blüte  oder  in  einem  mit  stehenden 
oder  liegenden  Kreuzchen  bestreuten  Felde. 

Die  einfache  Grundform  dieses  Wappens  ist  vermutlich  ein  schräg  gestelltes 
Kreuz  gewesen,  von  welchem  wir  in  den  Wappen  der  Merenberg  und  Greifen- 
stein zwei  Ableitungen  haben,  deren  von  der  ursprünglichen  Form  abweichende 
Gestaltungen  die  Linien  scheiden  sollen.  Durch  Annahme  dieser  Vermutung  ge- 
winnen wir  für  den  zwischen  Lahn  und  Dill  belegenen  Teil  des  Niederlahngaues 
ein  Dynastengeschlecht,  welches  sich  zunächst  in  die  Aste  Beilstein  und  Meren- 
berg verzweigte.  Vielleicht  können  wir  in  der  Vermutung  noch  weiter  gehen 
und  diesem  Stamm  als  weiteren  Ast  ein  drittes,  benachbartes  Dynastengeschlecht 
angliedern,  die  etwa  seit  1158  nachweisbaren  Herren  von  Runkel.  Dies  Ge- 
schlecht führte  gleichfalls  ein  Kreuz  im  Schilde,  allerdings  ein  aufrechtstehendes, 
dies  vielleicht  zur  Andeutung  der  Scheidung.  Zur  Unterstützung  dieser  Hypo- 
these soll  nochmals  betont  werden,  dass  die  Gebiete  von  Runkel,  Merenberg 
und  Beilstein  aneinanderstossend  das  Land  zwischen  Lahn  und  Dill  einnehmen 
und  sich  unstreitig  als  Teile  eines  Ganzen  darstellen.  Weiter  könnte  auch 
darauf  Gewicht  gelegt  werden,  dass  wir  die  Herren  von  Runkel  und  von  Greifen- 
stein  im  Besitz  von  Weingütern  in  ein  und  derselben  Gemarkung  von  Leudes- 
dorf' (Kr.  Neuwied)  finden,  Güter,  die  sich  vermutungsweise  als  ursprünglicher 
Stammbesitz  ansehen  lassen.  Sifrid  H.  von  Runkel  schenkte  nach  1200  dem 
Kloster  Seligenstatt  Weinberge  zu  Leudesdorf  ■*);  auf  den  Besitz  der  Herren  von 
Greifenstein  daselbst  kommen  wir  im  folgenden  zurück. 

Die  Stammesgleichheit  dieser  Geschlechter  mag  hiernach  als  Vermutung 
ausgesprochen  sein;  der  strikte  Beweis  ist  freilich,  wie  nochmals  betont  werden 
soll,  nicht  zu  erbringen. 

Wir  kehren  zu  Rudolf  von  Beilstein  zurück. 

Die  vorhin  angeführte  urkundliche  Erwähnung  desselben  im  Jahre  1226 
ist  die  einzige,  in  welcher  er  unter  dem  Geschlechtsnamen  von  Beilstein  auf- 
tritt. Da  jedoch  in  jener  Zeit  ein  völliges  und  spurloses  Verschwinden  eines 
solchen  Geschlechts  in  der  Geschichte  nicht  wohl  denkbar  ist,  wird  es  erlaubt 
sein,  diesen  Rudolf  mit  dem  gleichzeitig  auf  der  Nachbarburg  Greifensteiu 
auftretenden  Rudolf  zu  identifizieren,  und  dies  um  so  mehr,  als  mit  diesem 
Rudolf  von  Greifenstein  die  sichere  Geschlechtsfolge  des  Hauses  Greifenstein 
beginnt.  Vor  diesem  Rudolf  wird  in  einer  Wormser  Urkunde  von  1160")  als 
Zeuge  ein  Meribodo  von  Greifenstein  erwähnt,  von  welchem  wir  nichts  mehr 
als  den  Namen  wissen  und  daher  zweifeln  müssen,  ob  wir  berechtigt  sind,  ihn  dem 
Geschlecht  beizuzählen.    Erst  mit  Rudolf  gelangen  wir  hier  auf  sicheren  Boden. 

Stellen  wir  die  Vermutung  auf,  dass  Rudolf  von  Beilstein  sich  seit  1226 
von  dem  Schlosse  Greifensteiu  nannte,  so  haben  wir  zur  Begründung  derselben, 
soweit  eine  solche  möglich  ist,  zunächst  auf  das  in  jene  Zeit  fallende  Vordringen 

")  Vogel,  Archiv  f,  ÜO.  —  ")  Schaiinat,  Hist.  Wormat.  II,  SU;  Reinliard,  Kl.  Au9- 
fiihrunj,'en  XIII,  329;  Vo^^el  S.  249. 


9 

des  IIiuisos  Xassau  in  den  Erdehegau  und  den  Kalenbergcr  Cent  zu  verweisen. 
Graf  Heinrich  II.  von  Nassau  war  es  namentlich,  der  dort  die  Besitzungen  der 
kleineren  Dynasten  aufzusaugen  suchte.  Wenig  zwar  wissen  wir  von  den 
Kämpfen,  unter  denen  es  dem  Grafen  Heinrich  11.  gelang,  hier  im  Lande 
zwischen  Lahn  und  Dill  festen  Fuss  zu  fassen;  es  ist  nur  bekannt,  dass  diese 
sich  gegen  die  Herren  von  Merenberg  richteten,  die  hier  der  Übermacht  der  Grafen 
weichen  mussten.'^®)  Dass  die  Nachbarn  der  Herren  von  Merenberg,  die  von  Beilstein, 
die  wahrscheinlich  zugleich  auch  deren  Stammesgenoasen  waren,  nicht  in  diese 
Kämpfe  verwickelt  und  auch  durch  die  infolge  derselben  herbeigeführte  Änderung 
der  Verhältnisse  nicht  sollten  betroffen  worden  sein,  ist  nicht  denkbar.  Bei  dem 
durchaus  zielbewussten  und  planmässigeu  Vorgehen  des  Grafen  Heinrich  mussten 
dessen  Stösse  sich  zuerst  gegen  die  Dynasten  von  Beilstein  richten,  deren  Land 
örtlich  seine  Besitzungen  zunächst  sperrte.  Ebensowenig  ist  es  zweifelhaft,  dass 
diesem  Vorgehen  der  Erfolg  nicht  fehlte;  die  an  Macht  schwächeren  Beilsteiner 
werden  ebenso  unterlegen  sein  wie  die  Merenberg  und  ihre  Niederlage  sicher  mit  dem 
Verluste  von  Gebiet  gebüsst  haben.  Schon  damals  wird  es  Nassau  gelungen 
sein,  festen  Fuss  im  Beilsteiner  Gebiet  zu  fassen  und  mit  der  Verdrängung  der 
Herren  desselben  zu  beginnen;  schon  damals  werden  die  Dynasten  von  dem 
nunmehr  gefährdeten  Beilstein  auf  den  abgelegeneren  Greifenstein  haben  zurück- 
w'eichen  müssen.  Dass  es  den  Grafen  von  Nassau,  später  der  Linie  Nassau- 
Dillenburg  gelang,  die  gegen  Beilstein,  dann  gegen  Greifenstein,  sowie  auch 
deren  Nebenlinien,  die  Herren  von  Lichtenstein  gerichteten  Pläne  zur  Ausführung 
zu  bringen,  wissen  wir  aus  der  Geschichte  dieses  Geschlechts;  wir  kommen 
hierauf  zurück.  Nassau-Dillenburg  hat  nicht  geruht,  bis  es  das  Geschlecht  auf 
dem  Greifenstein  vernichtet  und  dessen  Gebiet  an  sich  gerissen  hatte,  soweit 
nicht  dem  Nachbarhause  Solms  ein  Anteil  an  der  Beute  überlassen  werden 
musste.  Auf  Einzelnes  soll  hier  nicht  eingegangen  und  nur  auf  die  bezeichnende 
Art  der  Erwerbung  von  Driedorf,  welches  die  Greifenstein  und  Lichtenstein 
gemeinschaftlich  besassen,  hingewiesen  werden.'^)  Endlich  können  wir  es  als 
möglich  betrachten,  dass  auch  die  kirchlichen  Wirren,  welche  damals  in  jenem 
Landesteile  zwischen  Lahn  und  Dill  durch  Konrad  von  Marburg  (f  1233)  her- 
vorgerufen wurden,  und  in  welche  besonders  der  dortige  Adel  verwickelt  war, 
ein  Faktor  gewesen  sein  können,  der  nachteilige  Veränderungen  für  das  bis 
dahin  auf  dem  Beilstein  sesshafte  Geschlecht  zur  Folge  hatte.  Doch  auch  diese 
Annahme  ist  lediglich  Vermutung. 


II.    Die  Herren  von  Greifenstein. 

a)  Altes  Haus  Greifenstein. 

Da  wir  nach  dem  Gesagten  das  ältere  Haus  Greifenstein  als  dasselbe  mit 
dem  Hause  Beilstein  und  als  dessen  Fortsetzung  ansehen,  fahren  wir  in  der 
Zusammenstellung    der   Lebensnachrichten    über    den    uns    bereits    bekaunt   ge- 

^)  Vergl.  Vogel  S.  309;  Schliephake  I,  443.    —  ■•)  Vogel  S.  720. 


10 

wordenen  Rudolf  von  Beilstein,  der  fortab  als  Herr  von  Greifenstein  auf- 
tritt, fort.  Rudolf,  der  zuerst  1226  als  Herr  von  Greifenstein  genannt  wurde, 
kommt  urkundlich  bis  zum  Ende  des  Jahres  1255  vor.  Als  Rudolfus  de  Grifen- 
stein  erscheint  er  etwa  1227  in  dem  im  14.  Jahrhundert  geschriebenen  Berichte 
über  die  Gründung  des  Klosters  Marienstatt'^),  die  nicht  richtige  Namensform 
Ludolfus  statt  Rudolfus  in  diesem  nicht  gleichzeitigen  Berichte  kann  keine 
Bedenken  erregen.  Rudolf  soll  1237  zugleich  mit  dem  Grafen  Heinrich  von 
Solms  der  Stadt  Wetzlar  in  der  Fehde,  welche  die  Herren  von  Bicken  auf  Antrieb 
des  Erzbischofs  Sifrid  H.  von  Mainz  gegen  dieselbe  führten,  beigestanden  haben. 
Die  Angabe  ist  den  handschriftlichen  Arbeiten  des  grätlich  Solmsischen  Rent- 
meisters Joh,  Hayl  zu  Braunfels  entnommen;  dieselbe  soll  urkundlichen  Quellen  ent- 
stammen.-') Die  Richtigkeit  der  Angabe  muss  dahingestellt  bleiben.  Im  Juli  1255 
schenkte  er  sein  Gut  zu  Niederhusen  dem  Kloster  Altenburg,^")  Nach  der  Urkunde 
erfolgte  die  Schenkung  ^consensu  nnirersorum  heredum  meornm'^ ,  woraus  wir 
abnehmen  können,  dass  Rudolf  keine  direkten  Leibeserben  hatte  und  dass,  wenn 
er  überhaupt  vermählt  war,  seine  Gattin  damals  nicht  mehr  am  Leben  war. 
Wir  irren  nicht,  wenn  wir  Rudolfs  Verwandte  und  Erben  unter  den  Zeugen 
der  Urkunde  suchen,  nämlich  Krafto,  des  Ausstellers  Neffen,  Johann  den  älteren 
von  Dernbach,  Ludwig  von  Mudersbach  und  den  miles  Eibelo.  Endlich  wird 
Rudolf  selbst  hier  nobilis  und  senior  de  Grifeustein  genannt,  letzteres  wohl  in 
Rücksicht  auf  seinen  als  Mitherren  und  Erben  auftretenden  Neffen  Krafto. 

Über  das  an  der  Urkunde  befindliche  Siegel  Rudolfs  ist  vorhin  ausführ- 
lich gehandelt. 

In  einer  weiteren,  des  Tagesdatums  entbehrenden  Urkunde  von  1255 
gestattete  Rudolfus  senior  de  Grifenstein  seinem  Lehnsmann,  dem  villicus  Ludwig 
zu  Wetzlar,  seine  Lehnsgüter  zu  Wertdorf  an  die  Brüder  von  Wertdorf  zu 
verkaufen.^')  Zeugen  des  Aktes  waren  die  edlen  Herren  Werner  und  Krafto 
von  Lichtenstein,  des  Ausstellers  Blutsverwandte,  sowie  der  miles  Eibelo. 

Noch  einmal,  im  Dezember  1255,  erscheint  der  nobilis  vir  Rudolfus  de 
Grifßnstcin  als  Zeuge''^);  weitere  Nachrichten  über  ihn  liegen  nicht  vor.  Wir 
können  annehmen,  dass  er  zu  Anfang  des  folgenden  Jahres  gestorben  ist,  und 
zwar,  wie  schon  bemerkt,  ohne  Kinder  oder  direkte  Leibeserbeu  zu  hinterlassen. 

Yon  Brüdern  Rudolfs,  die  ihn  überlebten  oder  direkte  Leibeserben  hinter- 
liessen,  wissen  wir  gleichfalls  nichts,  vielmehr  ergeben  die  Urkunden,  dass  die 
Besitzunji-en  Rudolfs  in  weiblicher  Linie  durch  seine  Schwester  vererbten.     Mit 


o 


ihm  ist  also  das  alte  Haus  Beilstein-Greifenstein  erloschen. 


-")  Mittelrh.  Urk.-Buch  III,  No.  34.  —  -^)  Hayl  war  seit  1567  Rentmeister  in  Braun- 
fels; 'lie  in  Frage  stehende  Arbeit  ist  abgedruckt  von  Kuoch  in  den  .,Xacliricliten  von  den 
alten  Grafen  von  Solms",  Marburger  Beiträge  1749,  die  ich  nicht  einsehen  konnte.  Hayls 
Angabe  wiederholt  bei  ülmenstein,  Gesch.  von  \Vetzlar  I,  11><;  Schaum  S.  23;  Abicht, 
Kreis  Wetzlar  I,  145  mit  dorn  Jahre  1327;  Vogel  S.  250;  Himmelreich,  Greifensteincr 
Chronik.  —  3")  Gu<lenu8  II,  122;  Mittelrh.  Crk.-Buch  III,  Xo.  1305;  vergl.  Reinhard, 
Kl.  Ausfülirungen  XIII,  32S.  —  ^i)  Gudonus  II,  121;  Mittelrh.  Regg.  III,  No.  1327;  vergl 
Reinhard,  Kl.  Au^tführungon  XIII,  331.  —  '-)  Wyss,  Hess.  Urk.-Buch  I,  Xo.  134;  Mittelrh. 
Regg.  III,  No.   1247. 


11 

Rudolfs  Schwester,  die  jenen  überlebte  und  an  deren  Kinder  nach  dem 
Tüde  jener  die  Herrschaft  Greifenstein  fiel,  war  Guda,  vermählt  mit  dem  Edel- 
herrn  Rorich  Yogt  von  Ilachenburg. 

Das  Geschlecht  der  Yögte  von  Ilachonburg  soll  am  Schlüsse  in  einem 
Exkurse  besonders  behandelt  werden. 

Rorich  Vogt  von  Hachenburg  war  vermutlich  der  Sohn  des  Heinrich 
Vofffc  von  Westerburs:.  Mit  seiner  Gemahlin  Guda  erheiratete  er  die  Greifen- 
Steiner  Güter  in  und  bei  Ilachenburg,  nahm  hiernach  seinen  Namen  an  und 
wurde  Begründer  des  Geschlechts  der  Vögte  von  Hachenburg. 

Die  älteste  Nachricht  über  Guda  giebt  der  Bericht  über  die  Gründung 
des  Klosters  Marienstatt,  nach  welchem  Guda  antiqna  advocata  soror  dominl 
LndoJphi  de  Grifenstein  den  Mönchen  ein  Oratorium  an  der  grossen  Nister  an 
der  Stelle  baute,  wo  der  Abt  Hermann  den  blühenden  Hagedorustrauch  fand.") 
Da  der  Klosterbau  au  der  grossen  Nister  im  Jahre  1227  von  den  Mönchen 
bezogen  wurde,  mag  auch  der  Bau  des  Oratoriums  in  diesem  Jahre  begonnen 
sein.  Weshalb  dieser  im  14.  Jahrhundert  verfasste  Bericht  die  Guda  y^antiqua 
adiocata"-  nennt,  ist  nicht  recht  ersichtlich;  am  nächsten  liegt  die  Erklärung, 
dass  sie  in  dem  Jahre,  in  welchem  sie  den  Cisterziensern  diese  Schenkung 
machte,  Witwe  war,  vielleicht  auch  geworden  war.  Mit  dieser  letzteren  An- 
gabe stimmt  es  sehr  gut,  wenn  Roriciis  advocatus  de  Hachenburg^  der  Guda 
Gemahl,  in  einer  nicht  mit  Tagesdatum  versehenen  Urkunde  von  1227  zuletzt 
genannt  wird.^*)  Wir  können  dann  seinen  Todestag  nach  der  Eintragung  im  Nekro- 
logiura  des  Klosters  Marienstatt  zum  24.  Februar:  ^ohiit  Roricus  minor  advocatus 
et  Gilda  uxor  siia.  Dedeninf  nohis  duas  ciirias'^  auf  den  24.  Februar  1228 
setzen.  Diese  Angabe  des  Nekrologiums  ersetzt  auch  den  fehlenden  urkund- 
lichen Beleg  für  die  Ehe  zwischen  Rorich  von  Hachenburg  und  Guda  von 
Greifenstein. 

Über  Rorich,  auf  welchen  wir  in  dem  Exkurse  über  die  Vögte  von 
Hachenburg  zurückkommen,  wissen  wir  ausserordentlich  wenig.  Er  wird  als 
Nobilis  bezeichnet  und  mit  dem  Beinamen  parvus,  parvus  advocatus  in  Marien- 
statter  Urkunden  von  1215,  April  25,  1215,  Juni  25  und  1222,  Februar  27 
genannt."')  Nicht  genauer  kennen  wir  den  weiteren  Lebenslauf  seiner  Gemahlin 
Guda.  Nur  eine  urkundliche  Erwähnung  derselben  liegt  noch  vor  vom 
7.  Februar  1270^®)  (1260  Kölner  Rechnung),  von  da  ab  fehlt  jede  weitere 
Kunde.  Als  ihren  Todestag  kennen  wir  den  8.  September  aus  der  Eintragung 
im  Marienstatter  Nekrolog  zu  diesem  Tage:  „O^üV  Guda  quondani  advocata  de 
Hachenhurrj  que  legavit  nohis  anmiatim  amam  vini  in  Ludesdorf  ad  agoiduni 
anniversarium  eius^  Mit  aller  Wahrscheinlichkeit  können  wir  also  den  8.  Sep- 
tember 1270  als  den  Todestag  der  damals  gewiss  hochbetagten  Frau  ansehen. 
Mit  ihr  erlosch  das  Geschlecht  Beilstein-Greifenstein  auch  in  der  weiblichen 
Descendenz. 


33)  Mittelrh.  Urk.-Buch  III,  Xo.  :34;  vorgl.  Lotz,  Baudenkmäler  S.  309.  —  '^')  Unje- 
druckte  Urkunde.  —  ^')  Ungedruckte  Urkunde;  Mittclrli.  Urk.-Burli  III,  Xo.  '.V-\,  1^1.  — 
3^)  Ungedruckte  Urkunde. 


12 

Nach  dieser  Eintragung  verfügte  Gada  zu  Gunsten  des  Klosters  über 
Gefälle  und  Güter  des  Geschlechts  zu  Leudesdorf.  Vermutlich  sind  mit  diesen 
Gütern  nicht  Stammgüter  der  Vögte  von  Hachenburg,  sondern  solche  des  Ge- 
schlechts von  Greifenstein  gemein*-;  dieselben  werden  uns  im  folgenden  noch 
öfters  begegnen.  Schon  vorhin  ist  versucht  worden,  die  Annahme  der  Stammes- 
gemeinschaft der  Groifenstein  und  Runkel  auch  darauf  zu  stützen,  dass  wir 
letztere  um   1200  im  Besitze  von  Gütern  zu  Leudesdcrf  finden. 

Aus  der  eben  angeführten,  noch  ungedruekten  Urkunde  von  1270,  Februar  7 
lernen  wir  die  an  diesem  Tage  noch  lebenden  Söhne  aus  der  Ehe  Rorichs  von 
Hachenburg  und  der  Guda  kennen.  Es  Urkunden  nämlich  daselbst  domhia 
Gilda  adrocatlssa  in  Hachenburg  et  ßUi  ipsius  Hcnricus  advocatus  et  Crafto 
dominus  de  Grißnstein.     Söhne  beider  waren  somit: 

1.    Heinrich   Vogt    von   Hachenburg, 

der   uns    mit   seiner  Gemahlin  Irms-ard  urkundlich  seit  1244  bekannt  ist.     Wir 
kommen  auf  ihn  in  dem  Exkurse  über  die  Vögte  von  Hachenburg  zurück. 

2.    Krafto  IV.  von  Greifenstein, 

der  bereits  1255  seinem  kinderlosen  Oheim  Rudolf  von  Greifenstein  in  des- 
sen Besitzungen  gefolgt  und  dessen  Geschlechtsuamen  und  Wappen  ange- 
nommen hatte.  Mit  ihm  beginnt  das  jüngere  Haus  Greifenstein,  das  Haus  Hachen- 
burg-Greifenstein.  Da  wir  uns  mit  seinem  Leben  eingehender  zu  beschäftigen 
haben,  sollen  der  Übersicht  halber  zunächst  die  weiteren  Geschwister  dieser 
Brüder,  soweit  dies  aus  den  Urkunden  möglich,  aufgeführt  werden.  Dass  die 
Brüder  Heinrich  und  Kraft  noch  mehrere  Brüder  und  Schwestern  hatten,  ersehen 
wir  zunächst  aus  einer  Eintragung  in  das  Marienstatter  Nekrologium,  wo  es 
zum  31.  Oktober  heisst:  „Ifein  in  vigilia  Omniuni  Sanctorum  erit  )nenioria  Hey- 
denrici  annigeri  et  Guda  coniugum,  domini  Crajf'tonis  de  Gnjfenstein  eiiisqne 
fratrum  et  sororuni  et  Conradl  de  Hei/ger  et  eins  fratruni  et  soformn,  de 
quibua  hahenius  diniidiani  carratam  vini  in  Lndesdorf.  Dominus  ablas  dabit 
ipso  die  sex  solidos  conventiii  ad  consolacionem.^ 

Da  die  für  diese  Memorie  bestimmte  Prästation  auf  Gütern  zu  Leudes- 
dorf ruht,  können  wir  nicht  zweifeln,  dass  wir  in  dieser  Eintragung  die 
Greifensteiner  Verwandtschaft  in  der  Zeit  nach  dem,  wie  sich  ergeben  wird, 
etwa  1283  erfolgten  Tode  Kraftos  IV.  von  Greifenstein  zum  Teil  vor  uns  haben. 

Es  werden  im  Nekrologium  genannt : 

a)  der  armiger  Heydenrich,  vermutlich  ein  Dernbach,  und  dessen  Frau 
Guda,  über  deren  verwandtschaftlichen  Beziehungen  zu  den  Greifen- 
steiü  eine  Vermutung  nicht  zulässig  ist ; 

b)  Krafto  von  Greifenstein,  als  welchen  wir  nur  den  hier  in  Rede 
stehenden  Krafto  IV.  ansehen  können; 

c)  Konrad  von  Haiger  mit  Geschwistern,  Über  die  Art  der  Ver- 
wandtschaft Konrads  von  Ilaiger  mit  den  Greifenstein,  für  die  mehr- 
fache   anderweitige    urkundliche    Andeutungen    vorliegen,    lässt    sich 


13 

eine  sichere  Vermutaug  nicht  begründen.  Dass  er  Schwager  Krafts  IV. 
durch  eine  nicht  bekannte  Schwester  desselben  war,  scheint  ausge- 
schlossen. 

Nach  dieser  Eintragung  hatte  Kraft  also  Brüder  und  Schwestern,  von  wel- 
chen wir  bereits  Heinrich  kennen ;  wie  viele  sonst  vorhanden  waren,  ist  nicht  zu 
ermitteln.  Urkundlich  erscheint  ein  nicht  mit  Vornamen  genannter  frater  ad- 
vocati  de  Hachenhur(/')  1248,  Juni  27;  diesen  für  identisch  mit  Kraft  IV.  zu 
halten,  liegt  ein  zwingender  Grund  nicht  vor. 

Aus  der  Ehe  des  Rorich  und  der  Guda  von  Hachenburg  müssen  dann 
ausser  den  genannten  Söhnen  mehrere  Töchter  hervorgegangen  sein,  da  die  vorhin 
mitgeteilte  Eintragung  des  Marienstatter  Nekrologiums  zum  31.  Oktober  aus- 
drücklich sorores  nennt.  Die  Ermittelung  dieser  Schwestern  und  die  Losung 
der  sich  hieran  knüpfenden  genealogischen  Fragen  bleibt,  da  nur  wenige  ur- 
kundliche Nachrichten  vorliegen,  immerhin  unsicher.  Zu  diesen  Schwestern 
dürfte  zunächst  zu  rechnen  sein  Elisabeth  de  Grifiustein,  welche  urkundlich 
1276  als  Kellerin  im  Kloster  Seligenstatt  erscheint.'*)  Die  Einordnung  der 
Elisabeth  an  dieser  Stelle  der  Stammtafel  ist  allerdings  wegen  des  von  ihr  ge- 
führten Namens  Greifenstein  nicht  unbedenklich,  doch  ist  in  der  folgenden  Ge- 
neration des  Hauses  kein  Platz  für  sie,  da  sie  als  Kellerin  des  Klosters  (1276) 
schon  bejahrt  gewesen  sein  muss. 

Nach  dem,  wie  sich  ergeben  wird,  um  1283  erfolgten  Tode  Kraftos  IV. 
finden  wir,  beginnend  wiederum  mit  einem  Krafto,  als  Herren  von  Greifensteiu 
ein  bis  1408  weiter  zu  verfolgendes  Geschlecht,  welches  das  Wappen  der  Herren 
von  Isenburg-Limburg,  die  zwei  Querbalken,  aber  mit  einem  Turnierkragen 
als  Beizeichen,  im  Schilde  führen.  Diese  bisher  von  den  Genealogen 
nicht  ermittelte  Succession  eines  jüngeren  Zweiges  des  Hauses 
Isenburg-Limburg  erklären  wir  am  leichtesten  aus  der  Ehe  der  N.,  einer 
Tochter  des  Rorich  und  der  Guda  von  Hachenburg,  mit  einem  Gliede  dieses 
Hauses.  Weder  diese  Tochter,  noch  deren  Gemahl  ist  uns  namentlich  bekannt; 
als  letzterer  darf  wohl  Ger  lach  von  Isenburg,  der  einmal  im  Jahre  1267 
urkundlich  erscheint,  dessen  Person  aber  sonst  in  Dunkel  gehüllt  ist,  angesehen 
werden.  Diese  Annahme  würde  das  Zurücktreten  dieses  Gerlach  aus  der  Ge- 
schichte des  Hauses  Limburg  genügend  aufklären. 

Die  nähere  Untersuchung  dieser  Frage  mag  ihren  Platz  bei  der  folgen- 
den Darlegung  der  Geschichte  der  Linie  Isenburg-Greifenstein  finden.  Wir 
kehren  zur  Linie  Hachenburg -Greifenstein  zurück,   zunächst  zu 

Krafto  IV.  von  Hachenburg-Greifenstein  (1255 — ?).  Den  Beweis 
dafür,  dass  Krafto  Sohn  des  Rorich  Vogt  von  Hachenburg  und  der  Guda  von 
Greifenstein  sowie  jüngerer  Bruder  des  Heinrich  Vogt  von  Hachenburg  war, 
haben  wir  schon  im  vorstehenden,  namentlich  aus  den  Urkunden  von  1261 
und  1270,  Februar  7,  auf  welche  wir  auch  im  folgenden  zurückkommen,  er- 
bracht.    Ebenso    ist  schon    gesagt,    dass    er    seinem   kinderlosen  Oheim  Rudolf 


■j  Mittelrli.  Urk.-Kucli  III,  No.  9ü4.  —  ^'')  Vogel,  Arcliiv  für  Kirelicngeschichte  I,  81, 


14 

von  GreifeDsteia  im  Besitze  der  Herrschaft  Greifenstein  folgte ;  es  scheint,  dass 
der  alte  Rudolf  seinem  Xetfen  und  Erben  frühzeitig  den  Mitbesitz  von  Greifen- 
stein eingeräumt  hat.  Der  Erbe  führte  dann  statt  seines  Hachenburger  Stamm- 
wappens das  Wappen  seines  Oheims,  das  Greifensteiner  Kreuz. 

Krafto  IV,  wird  zuerst  genannt  im  Juli  1253  in  der  Urkunde  seines 
Oheims  Rudolf  senior  de  Gritinstein  für  Kloster  Altenburg  als  Crafto  nejws 
nieus;  er  bezeugt  hier  dessen  Schenkung  an  das  Kloster.")  Xei^os  ist  hier 
nicht  in  Bedeutung  von  Enkel,  sondern  von  Geschwisterkind,  Schwestersohn  zu 
nehmen. 

Es  ist  dies  das  letzte  urkundlich  bekannte  Auftreten  Rudolfs;  derselbe 
wird,  wie  wir  bereits  ausführten,  bald  darauf  ohne  Hinterlassung  von  Erben 
gestorben  und  Kraft  in  der  Herrschaft  gefolgt  sein.  Im  Oktober  12G0  war 
er  Zeuge  iu  der  Einuug  der  Stadt  Wetzlar.*")  Zusammen  mit  seinem  Bruder 
Heinrich  Vogt  von  Ilachenburg  verkaufte  er  im  Januar  1261  dem  Kloster 
Marienstatt  Güter.*')  Bürge  für  Siegfried  von  Wcsterburg  in  dessen  Yer- 
fleiche  mit  dem  Grafen  Heinrich  von  Diez  war  er  1263,  Juni  17.*^)  Am  27. 
Dezember  1263  besiegelte  er  eine  Urkunde  des  Ritters  Bernard  von  Dernbach ; 
das  hier  erhaltene  Bruchstück  seines  Siegels  lässt  mit  Bestimmtheit  erkennen, 
dass  er  das  Siegel  seines  Oheims,  das  Kreuz  von  Greifeustein  führte.")  Mit 
der  ausdrücklichen  Bezeichnung  als  dominus  und  nohilis  war  er  1266,  Januar  30 
Zeuge  in  der  Urkunde  des  Marquard  von  Lunysbach.**)  Am  29.  Januar  1267 
verzichten  er  und  Hartrad  von  Merenberg  auf  ihr  vermeintliches  Recht  auf 
das  Besthaupt  der  Hörigen  des  Stifts  zu  Wetzlar;  von  der  Urkunde  ist  vorhin 
bei  Erörterung  der  Frage  der  Stammesgemeinschaft  der  Häuser  Merenberg 
und  Greifenstein  bereits  Anwendung  gemacht.**)  Wie  ebenfalls  bereits  erwähnt, 
urkundete  er  1270,  Februar  7  zugleich  mit  seiner  Mutter  Guda  und  seinem 
Bruder  Heinrich  Vogt  von  Hachenburg.'^)  Am  13.  September  1270  findet  er 
sich  unter  den  Vermittlern  der  Erbteilung  zwischen  Siegfried  V.  von  Wester- 
burg  und  Heinrich  I.  von  Runkel.'')  Als  Zeuge  in  einer  Urkunde  des  Stifts 
Keppel  ist  er  1274,  Oktober  22  angeführt.*')  Ebenso  findet  er  sich  in  dem 
Vertrage  des  Deutschordenshauses  zu  Sachsenhausen  mit  Heinrich  von  Herlis- 
heim  wegen  Langgüns  1282,  März  6.*')  Und  endlich  erscheint  er  als  Zeuge 
in  der  Verzichturkunde  der  Herren  von  Haiger  auf  Byhl  im  März  1283;  auf 
seinem  an  die  Urkunde  gehängten  Reitersiegel  zeigt  der  Schild  das  Greifen- 
steiner Kreuz.") 

Diese   Erwähnung  Krafts  IV.    ist    die    letzte,    bald    darauf   muss    er    ge- 
storben sein.     Am  27.  Oktober  1283  belehnt  Graf  Ludwig  von  Ziegenhain  den 


=•»)  Gudenus  IT,  122;  Mittelrh.  Urk.-Buch  IH,  No.  l;^ÜÖ.  —  ^'0  Gudenus  V,  46; 
Mittelrh.  Regg.  III,  1649;  vergl.  Hess.  Archiv  III,  2,  S.  10.  —  ")  Ungedruckte  Urkunde.  — 
*»)  Hammersteinsches  Urkundenbuch  No.  116.  —  ")  Ungedruokte  Urkunde.  —  '*)  Wyas, 
Hess.  Urk.-Buch  I,  No.  220.  -  '")  Gudenus  V,  46;  Mittelrli.  Regg.  III,  No.  2239;  .Herold'- 
LH73,  No.  ;5.  —  *")  Ungedruckte  Urkunde.  —  '^)  Lehmann,  Westerburg  21;  Schliephake 
II,  19.3.  —  *")  Philippi,  Siegener  Urk.-Buch  No.  4;{.  —  '")  Baur,  Hess.  Urk.-Buch  I,  2:i6. 
—  *")  Gudenus  II,  2:50  (cnix  compoüta  ex  4  foUis  denticulatis) ;  vergl.  „Herold'*  ls7:{, 
No.  ■',.    Dieses  Siegel  wurde  bereits  vorbin  besproelien. 


15 

Ritter  Rupert  von  Buches  mit  Gütern  zu  Rodinbach ,  quae  nlim  hahchat 
Crnfto  de  Grißnstcbv'');  als  Gruud  der  Erledigung  dieses  Lehens  können  wir 
den  Tod  des  bisherigen  luhabers  annehmen.  Genauer  können  wir  den  Todes- 
tag nicht  bestimmen;  es  kann  derselbe  mit  Wahrscheinlichkeit  in  den  Herbst  1283 
gesetzt  werden,  wenn  auch  der  31.  Oktober,  zu  welchem  die  Eintragung  Kraftos 
in  das  Marieustatter  Nekrologium  erfolgt  ist,  nicht  gerade  als  solcher  anzu- 
sehen ist,  da  ausserdem  die  Memorien  seiner  Geschwister  und  anderer  Ver- 
wandten auf  denselben  Tag  gesetzt  sind.  Wir  haben  in  dieser  Eintragung, 
die  im  Wortlaute  vorhin  mitgeteilt  wurde,  die  KuUektivmemorie  der  ganzen 
Anverwandtschaft  vor  uns. 

Eine  Gemahlin  oder  Kinder  Kraftos  werden  in  dieser  Eintragung  nicht 
erwähnt.  Nehmen  wir  hierzu  die  weitere  Thatsache,  dass  auch  in  keiner  der 
von  Krafto  ausgestellten  Urkunden  dessen  Gemahlin  oder  Kinder  genannt  werden, 
so  können  wir  annehmen,  dass  er  uuvermahlt  geblieben  und  als  solcher 
gestorben  ist. 

Mithin  erlosch  mit  seinem  Tode  die  von  ihm  begründete  ältere  Linie 
Ilachenburg-Greifenstein. 

b)  Das  Haus  Hachenburg-Greifenstein  mit  der  Fortsetzung 

Sayn-Greifenstein. 

In  dem  von  v.  Grass  herrührenden  Artikel  „Greifenstein"  bei  v.  Goeckingk, 
Nass.  Adel,  S.  11,  heisst  es:  „Später,  zu  Anfang  des  14.  Jahrhunderts,  wes- 
halb ist  mir  unbekannt,  nahmen  die  Herren  von  Greifenstein  ein  anderes 
Wappen  an,  nämlich  in  einem  mit  Lilien  bestreuten  Felde  drei  schrägrechts 
gestellte  Rauten".     Das  Siegel  ist  daselbst  Taf.  6,  No.  9  abgebildet. 

Dass  dies  nicht  zu  Anfang  des  14.  Jahrhunderts  geschehen  ist,  auch  die 
Beschreibung  des  Schildes  nicht  ganz  zutrifft,  wird  sich  gleich  zeigen.  Hier 
handelt  es  sich  zunächst  um  die  Klarlegung  des  von  v.  Grass  nicht  ermittel- 
ten Grundes  des  von  ihm  angenommenen  Wappenwechsels.  Ein  eigentlicher 
Wappenwechsel  liegt  jedoch  in  diesem  Falle  nicht  vor;  ein  solcher  erfolgte 
allerdings,  wie  wir  sahen,  als  der  kinderlose  Rudolf  von  Greifensteiu  seinen 
Neffen  Krafto,  den  Sohn  seines  Schwagers  Rorich  von  Hachenburg,  als  Mit- 
besitzer und  Nachfolger  auf  den  Greifenstein  nahm.  Krafto  von  Hachenburg 
,  nahm  damals  mit  dem  Namen  Greifenstein  auch  den  Greifensteiner  Schild  mit 
dem  gekerbten  Kreuz  an. 

Anders  lag  die  Erbfolge  bei  dem  Tode  dieses  gleichfalls  kinderlosen 
Krafto  IV.  von  Greifenstein ;  hier  folgten  im  Besitz  der  Herrschaft  die  nächsten 
lebenden  erbfolgeberechtigten  Verwandten  und  zwar,  soweit  ersichtlich,  ein 
Vetter  und  eine  Schwester  des  Verstorbenen.  Beide,  die  letztere  mit  ihrem 
Manne,  sassen  seit  dem  Tode  Krafts  IV.  in  Ganerbschaft  auf  dem  Greifen- 
steiu und  bildeten  hier  das  sich  in  zwei  Stämme  teilende  Haus  Hachenburg- 
Greifenstein  —  unter  Beibehaltung  ihrer  beiderseitigen  Stammwappen. 


^')  (jrudenua  II,  2:54.    Die  Belehnung   wiederholte    Graf  öotfrid  von  Ziegenliain    1287, 
April   IS;  Uudeuus  IV,  900. 


16 

Als  die  ältere  dieser  Linien  betrachten  wir  die  den  Mannesstamm  des 
Geschlechts  von  Hachenburg  weiterführende,  die  der 

Herren  von  Hacheuburg-Greifenstein, 

welcher   alle  diejenigen  Glieder  des  Geschlechts    zuzuzählen   sind,    welche   den 
Rautenschild  führten. 

Als  ältestes  Glied  dieses  Stammes  kennen  wir : 

1.  Kraft 0,  aus  einer  urkundlichen  Erwähnung*-)  von  1281  mciise  Norenibrij 
in  welcher  der  gleich  zu  besprechende  Gerhard  I.  als  ^olim  Craftoms  ßlius"' 
bezeichnet  wird.  Ob  bereits  er  oder  erst  nach  seinem  Tode  sein  Sohn  und 
dieser  gleichfalls  noch  zu  Lebzeiten  Kraftos  IV.  in  den  Mitbesitz  von  Greifen- 
stein gelangte,  ist  nicht  zu  ermitteln,  doch  dürfte  die  letztere  Annahme  die 
wahrscheinlichere  sein. 

Es  folgt  dieser  Sohn 

2.  Gerhard  L,  1281  —  ?,  tot  1325,  der  ebenfalls  in  dieser  Urkunde  zum 
erstenmale  erwähnt  wird ;  er  vergleicht  sich  hier  zugleich  mit  den  Brüdern 
Kraft  V.  und  Rorich,  deren  consanytdtieus  er  genannt  wird,  mit  dem  Stifts- 
kapitel zu  Bonn  wegen  der  Güter  im  Kirchspiel  Kroppach,  welche  das  Stift 
von  dem  Hause  Greifenstein  erhalten  hatte. 

In  diese  Zeit  wird  ein  für  die  Geschichte  des  Hauses  folgenschweres 
Ereignis,  eine  angeblich  um  1280  erfolgte  erste  Zerstörung  der  Burg  Greifen- 
stein gesetzt.  Im  nachfolgenden,  bei  der  Geschichte  Krafts  V.,  soll  dieser  Vor- 
gang besprochen  und  deshalb  hier  nur  bemerkt  werden,  dass  gegen  die  Richtig- 
keit dieser  Annahme  begründete  Zweifel  bestehen. 

Wiederum  mit  den  Vettern  Kraft  V.  und  Rorich  gab  Gerhard  I.  durch 
Urkunde  von  1287,  November  13  die  lehnsherrliche  Zustimmung  zu  dem  Ver- 
kaufe eines  Gutes  zu  Streithausen  an  das  Kloster  Marienstatt.")  An  der  Ur- 
kunde hängt  das  dreieckige  Siegel  Gerhards,  das  älteste  erhaltene  dieser  Linie; 
dasselbe  zeigt  in  einem  mit  Lilien  bestreuten  Schilde  die  drei  schrägrechts  ge- 
stellten Rauten.**)  Es  ist  dies  dasselbe  Wappen,  welches  sein  Vetter  Heinrich 
Vogt  von  Hachenburg  und  zweifellos  auch  sein  Vater  Kraft  führten,  obwohl 
letzteres  in  Ermangelung  eines  Abdruckes  nicht  zu  erweisen  ist. 

Gerhard  I,  führte  somit  das  Stammwappen  der  Vögte  von  Hachenburg. 
Wenn  sein  Vetter  Heinrich  im  oberen  Teile  des  durch  die  Rautenreihe  ge- 
teilten Schildes  drei,  im  unteren  zwei,  im  ganzen  also  fünf  Lilien  im  Schilde 
führte,  Gerhard  I.  jedoch  im  oberen  Teile  des  Schildes  vier,  im  unteren  sieben, 
im  ganzen  also  elf  Lilien,  so  wird  diese  Vermehrung  der  Beizeichen  wohl  nur 
den  Zweck  gehabt  haben,  die  Unterscheidung  der  Linien  zu  erleichtern. 

Gerhard  verglich  sich  1291  (1290),  Januar  25  wiederum  gemeinsciiaftlich 
mit    den  Vettern  Kraft  V.    und  Rorich  von  Greifenstein    mit    den   Grafen    von 


^'^)  Ungedruckte  Urkunde.  —  '''^)  Ungedruckte  Urkunde,  bei  Vogel  S.  2.50,  693  und 
hiernach  „Herold"  187:{,  S.  48  irrig  mit  dem  Jahre  1297.  —  ''*;  Abbildung  bei  v.  Goeckingk, 
Taf.  t;,  No.  9,  sowie  hier  Tuf.   I,  No.  :{. 


17 

Nassau-Dillenburg  wegen  Driedorf ;  Kraft,  mit  Rorich,  seinem  Bruder,  der  Aus- 
steller des  Vergleichs,  bezeichnet  hier  Gerhard  als  ^utiser  «gJe"");  dieser  er- 
scheint in  der  Reihenfolge  als  der  letzte,  da  die  Vettern  Kraft  und  Rorich, 
wie  wir  sehen  werden,  durch  Geburt  höheren  Rang  wie  er  hatten.  Im  Jahre 
1291  besiegelte  Gerhard  I.  den  Revers  seines  Vetters  Rorich,  als  dieser  den 
Herren  von  Falkenstein  seine  Burg  Greifenstein  — -  d.  h.  seinen  Teil  an  der- 
selben —  öffnete.^'')  Aus  einer  Urkunde  von  1294,  Mai  3  lernen  wir  seine 
Gemahlin  Agnes  kennen;  beide  überlassen  an  diesem  Tage  dem  edlen  Manne 
Gerhard  von  Blaukenheim  ihre  Güter  zu  Bewingen  (Kr.  Dann)  und  begleichen 
alle  Streitigkeiten  mit  demselben.")  Etwa  1302  führte  Agnes  zugleich  mit  dem 
Edelherrn  Johann  von  Dollendorf  Klage  gegen  den  Erzbischof  von  Köln  wegen 
der  Herrschaft  Xeuerburg.^')  Die  Agnes  betreffende  Stelle  der  Klage  lautet : 
„Ich  Agnes  Gerardis  wif  von  Grifensteyn,  eyu  gerechte  erve  zu  Nurberg, 
clagen,  dat  min  herre  der  erchebischcf  von  Colne  mich  antweldich  inde  inervet 
des  huses  van  Nurberg  inde  lant  inde  lüde  inde  man  inde  dinstman  inde  eich- 
gen  inde  erve  inde  alles  des  zu  der  herscafh  van  Nurberg  gehört.**  Agnes 
von  Greifenstein  bezeichnet  sich  hier  als  rechtmässige  Erbin,  was  doch  wohl 
als  Miterbin  zu  verstehen  ist,  der  Herrschaft  Neuerburg  "^),  welche  damals  mit 
Lucie  von  Neuerburg,  der  Erbtochter  Friedrichs  von  der  Neuerburg  und  Covern, 
an  den  Edelherrn  Johann  von  Dollendorf  übergegangen  war.  Johann  von 
Dollendorf  ist  in  dem  vorstehend  bezeichneten  Schriftstücke  zugleich  mit  und 
neben  Agnes  Kläger  gegen  den  Erzbischof  wegen  der  Herrschaft  Neuerburg. 
Sichere  Anhaltspunkte  zur  Ermittelung  der  Abstammung  der  Agnes  bieten 
auch  diese  Angaben  nicht,  doch  können  wir  wohl  die  Vermutung  aufstellen, 
dass  sie  einer  nicht  weiter  bekannten  Linie  des  Hauses  Neuerburg  angehörte 
und  als  solche  neben  ihrer  Stammesverwandten  Lucia,  des  Johann  von  Dollen- 
dorf Frau,  als  Miterbin  der  Herrschaft  nach  dem  Tode  des  letzteren  Besitzers, 
des  Friedrich  von  der  Neuerburg,  auftrat.  Eine  weitere  Aufklärung  der  Sache 
lassen  die  bisher  bekannten  Urkunden  wohl  nicht  zu.*") 

Aus  der  Ehe  beider  ging,  wie  hier  vorweg  bemerkt  werden  soll,  ein  Sohn, 
Gerhard,  hervor;  über  ihn  folgt  das  Nähere. 

Mit    den    übrigen  Gliedern   seines  Geschlechts  suchte  er,    wohl  gegen  die. 
Dillenburger  Grafen,  wie  wir  sehen  werden,  Rückhalt   bei   dem  Könige  Adolf; 
1297,    Dezember  5  verpflichtete   er  sich  zu  Niedeck  mit  seinem  Vetter  Krafto, 
die  Burg  Greifenstein  aus  dem  kölnischen  Lehnsverbande  zu  lösen  und  vom  König 


^^)  Reinhard,  Kl,  Ausführungen  XIII,  327;  Arnoldi  I,  77;  Vogel,  Annalen  I,  2, 
2U  ff.;  Philipp!  Xo.  58;  „Herold"  1873,  No.  36.  —  "")  Sauer,  Xas8.  Urk.-Buch  I,  Xo.  1132. 
—  *^)  Original  in  Koblenz,  vergl.  Mittelrh.  Regg.  IV,  Xo.  2281.  "Weitere  mir  freundlichst 
mitgeteilte  Urkunden  des  Staatsarchivs  zu  Koblenz  aus  dem  Jahre  1307  betreffen  Streitigkeiten 
zwischen  den  von  Dollendorf  und  Blankenheini,  ein  weiteres  Anzeichen  für  die  verwandtschaft- 
lichen Beziehungen  zwischen  Agnes  von  Greifenstein  und  Johann  von  Dollendorf.  —  =*)  Klage- 
schrift Johanns  von  Dollendorf  und  der  Agnes  von  Greifenstein,  Staatsarchiv  Düsseldorf.  — 
^^)  Herrschaft  Neuerburg,  Kr.  Bidburg,  Eifel;  vergl.  Eltester  bei  Simon,  Gesch.  von 
Isenburg  II,  114.  —  '^"i  Auch  Fahne,  Salm-Reifferseheid  I,  2,  S.  30,  s.  v.  Dollemlorf,  giebt 
keinen  Aufschluss. 


18 

Adolf  als  (nassauisches)  Lehen  zu  nehraen.*^')  Der  Lehnsvertrag  wurde  wegen 
des  bald  darauf  erfolgten  Todes  des  Königs  Adolfs  wohl  nicht  perfekt;  wenigstens 
konnte  er  nicht  verhindern,  düss  die  Burg  Greifenstein  um  1298  von  den  Grafen 
vonNassau-Dilleuburg  und  Solms  gebrochen  wurde.")  Hierdurch  ging  der  Stamm- 
sitz des  Geschlechts  verloren;  Gerhard  und  seine  Angehörigen  werden  fortab 
ihren  Wohnsitz    auf  einer    kleineren,    ihnen  verbliebenen  Burg  gewählt  haben. 

Gerhardus  nobilis  de  Grifenstein,  Agnes  uxor  und  beider  Sohn  Gerhard 
verzichten  1300,  November  11  auf  alles  Gut,  welches  der  Aussteller  Eltern 
dem  Kloster  Marienstatt  verkauft  hatten,  mit  Ausnahme  des  Hofes  Yvelberg. 
An  der  Urkunde  hängt  wohlerhalten  das  schon  beschriebene  Siegel  Gerhards  L; 
Agnes  und  Gerhard  der  jüngere  erklären,  kein  Siegel  zu  haben.*^^) 

In  derselben  Zeit,  in  den  Jahren  1300  und  1302,  wird  Agnes,  die  Gattin 
Gerhards  L,  zugleich  mit  Kraft  V.  von  Greifenstein  in  mehreren  den  Streit  des 
Königs  Albrecht  und  der  Grafen  von  JüUch  und  von  der  Mark  mit  dem  Erz- 
bischofe  Wikbold  von  Köln  betreffenden  Urkunden  genannt.^*) 

Gerhard  I.  begegnet  uns  erst  wieder  nach  einem  längeren  Zeiträume.  In 
der  mit  der  Jahreszahl  1316  versehenen,  nach  Trierer  Rechnung  von  1317, 
Januar  22  zu  datierenden  Urkunde  verkaufen  Gerhard  I.  von  Greifenstein, 
Agnes,  seine  Frau  und  beider  Sohn  Gerhard  dem  Grafen  Emicho  von  Nassau- 
Dillenburg  alles  Gut,  was  sie  und  ihre  Eltern  von  altersher  in  Stadt  und 
Kirchspiel  Driedorf  besessen  haben,  nämlich  ihren  Teil  an  Stadt  und  Gericht 
Driedorf,  am  Kirchspiel,  am  Zoll  und  an  der  Mühle,  an  den  Vogtleuten,  dem 
Yo-J-thafer  und  den  Fastnachtshühnern  und  alle  Gefälle,  mit  Ausnahme  ihrer 
Mannen  und  des  Mannguts,  was  diese  zu  Lehen  haben,  ferner  mit  Ausnahme 
der  ihnen  ausschliesslich  verbliebenen  Leute,  ihres  Zehnten  und  ihres  Sonder- 
guts, welches  sie  ausnehmen  und  behalten  wollen,  für  250  Mark.  Unter  den 
Zeugen  finden  wir  Christian  von  Seibach  und  Ludwig  von  Mudersbach,  unter 
den  Mitsieglern  Simon  von  Kempenich  und  Reynard  von  Westerburg  —  ohne 
Zweifel  Verwandte  der  Greifenstein,  wenn  auch  die  Art  der  Verwandtschaft 
nicht  zu  ermitteln.  —  Das  an  der  Urkunde  hängende,  vorhin  beschriebene 
Siegel  Gerhards  I.  ist  besonders  schön  erhalten.'^') 

Arnoldi'^'')  stützt  auf  den  Umstand,  dass  Gerhard  L  nach  dem  Jahre  1317 
nicht  mehr  erwähnt  wird,  die  Vermutung,  dass  er  um  diese  Zeit  gestorben  sei. 
Sicher  ist,  dass  er  im  Jahre  1325,  als  Graf  Engelbert  von  Sayn  die  Greifen- 
steiner Lehen  erhielt,  nicht  mehr  am  Leben  war.  Der  Tag  seines  Todes  ist 
nach  der  Eintragung  im  Nekrologium  des  Klosters  Marienstatt  zum  23.  Mai: 
j,ohiit  Geranhis  de  Gri/fenstein   q/d  henefecit  nohls'^    auf  diesen  Tag  zu  setzen. 

Bezüglich  seiner  Gemahlin  Agnes  ist  bereits  die  Vermutung  ausgesprochen, 
dass  sie  dem  Geschlechte  der  Herren  von  der  Neuerburg  angehörte.  Das  Wonige, 
welches  die  Urkunden  über  sie  ergeben,  ist  im  vorstehenden  angegeben. 


«';  Ficker,  Überreste  des  Reichsarrhivs,  No.  24;  Schliephake  ITT,  :{0:{;  Mlttelrh. 
Regg.  IV,  liCSS.  —  '■■•^)  V'ergl.  Schliephake  a.  a.  O.  —  '■^j  Ungedruckte  Urkun<le.  —  "')  Diese 
Urkunden  «lud  von  Lacomblet  nicht  aufgenoniinen.  Gütige  Mitteilung  de^  Herrn  Geheimen 
Archivrats  Dr.  lliirlcs«.  —  ''■'•)  ArnoLli  i,  '.»:!;  Ahidit,  Kreis  W.'t/.lar,  S.  KC;  „Herold" 
lsT:i,  S.    IS;  ohen  S.   !(!.  —  '•")  Arnoidi  1,  2-'0. 


19 

Als  Solm  Gerhards  I.  und  der  Agnes  kennen  wir  Gerhard  11.,  1300  bis 
1317.  Erwähnt  wird  derselbe  zuerst  in  der  vorhin  angeführten  Urkunde  seiner 
Eltern  für  Kloster  Marienstatt  von  1300,  November  11.  Als  Gerhard  der 
jüngere  bezeichnet  genehmigt  er  1317,  Januar  22  den  von  seinen  Eltern  vor- 
genommenen Verkauf  ihres  Teiles  von  Driedorf  an  den  Grafen  Eniicho  von 
Nassau,  Wegen  Mangels  eines  Siegels  konnte  er  keine  dieser  beiden  Urkunden 
besiegeln.  Weitere  Nachrichten  über  ihn  haben  wir  nicht;  auch  er  muss  1325, 
als  Graf  Engelbert  in  den  Lehen  des  Geschlechts  folgte,  verstorben  gewesen 
sein.  Mit  ihm  erlosch  diese  Linie  des  Hauses,  zugleich  also  auch  das  Geschlecht 
der  Vögte  von  Ilachenburg,  im  Mannesstarame.  Dass  die  äusseren  Verhältnisse 
dieser  Linie  der  Greifensteiner  keine  glänzende  mehr  waren,  dürfen  wir  wohl 
aus  dem  auffallenden  Umstände  abnehmen,  dass  Urkunden  von  ihnen  kaum 
vorliegen.  Gerhard  IL  Gemahlin  ist  nicht  bekannt;  er  hinterliess  eine  Tochter 
Agnes,  die  wir  1325  vermählt  mit  dem  Grafen  Engelbert  von  Sayn  finden; 
der  aus  der  Ehe  entsprossene  Sohn  Johann  von  Sayn,  auf  den  wir  zurück- 
kommen, scheint  das  einzige  Kind  beider  gewesen  zu  sein.  Graf  Engelbert 
von  Sayn  verglich  sich  am  3.  Mai  d.  J.  wegen  der  Worrasischen  Afterlehen 
mit  dem  Grafen  Johann  von  Nassau-Dillenburg;  Graf  Johann  belehnte  ihn  mit 
Zustimmung  seines  Bruders  Heinrich  zu  Mannlehen  nach  Wormser  Lehnsrecht 
mit  den  Lehen  in  der  Grafschaft  Diez  und  Solms,  die  der  verstorbene  edle 
Mann  Gerhard  von  Greifenstein  zu  Lehen  getragen  hatte,  nämlich  dem  Kirchen- 
satz zu  Schupbach,  einem  Drittel  des  Zehntens  zu  Schuwen,  einem  Viertel  des 
Zehntens  zu  Holzhausen,  der  Hälfte  des  Zehntens  und  einem  Hofe  zu  Buben- 
berge, wogegen  Engelbert  zu  Gunsten  des  Grafen  auf  die  Leute  im  Kalenberger 
Cent  und  in  der  Herborner  Mark  verzichtete  und  Burgmann  zu  Beilstein  wurde; 
das  Wittumsrecht  an  diesen  Lehen  wurde  Engelberts  Gattin,  der  „enkilu"  des 
vorgenannten  Gerhard  (L)  von  Greifenstein,  gesichert.")  Graf  Engelbert  und 
seine  Gattin  Agnes  belehnten  1332  den  Romanus  von  Cramberg  mit  den  Zehnten 
zu  Schupbach  und  Holzhausen  unter  Genehmigung  des  Bischofs  von  Worms.**) 
Nachdem  Graf  Engelbert,  der  kein  guter  Wirtschafter  gewesen  zu  sein  scheint, 
im  Jahre  1336  verstorben,  schritt  seine  Witwe  —  wann,  ist  nicht  zu  ersehen 
—  zur  zweiten  Ehe.  Am  26.  Juli  1354  erhob  Agnes  von  Greifenstein,  des 
Engelbrecht  von  Sayn  Witwe,  unter  dem  Siegel  ihres  Gemahls  Ailf  Protest 
gegen  die  Verpfändungen,  welche  ihr  erster  Mann  ohne  ihr  Wissen  und  Willen 
mit  ihrem  väterlichen  Erbe  vorgenommen  hatte'*);  sie  erklärte,  nie  zugegen 
gewesen  zu  sein,  als  ihr  väterliches  Erbe  verkauft  wurde,  auch  nicht  um  Rat 
gefragt  zu  sein  oder  ihr  Siegel  an  eine  Urkunde  gehängt  zu  haben.  Das  an- 
gehängte Siegel    dieses    zweiten    Gemahls  Adolf  liegt   nur    in    einer  Zeichnung 

vor;    dasselbe    zeigt    einen    Maueranker,    Umschrift:    S.    Ad Oclerhusin; 

die  Angabe  Arnoldis'"),    dass  er  Adolf  von  Oclerhausen  geheissen,  stützt  sich 
hierauf.     Agnes  war  1363  noch  am  Leben");  weiteres  wissen  wir  von  ihr  nicht. 

")  Ungedruckte  Urkunde;  vergl.  Arnoldi  I,  223;  Philippi  Xo.  166.  —  ''')  Reck, 
Isenburg  S.  101.  —  "'•')  Das  Original  der  ungedruckten  Urkunde  wird  sioh  im  Königl.  Haus- 
arehiv im  Haag  befinden.  —  "")  Arnoldi,  MiscelL,  s.  v.  (J reifenstein,  —  "^  Günther,  Cod. 
dipl.  III,  Xo.  4;).3. 


20 

Des  Grafen  Engelbert  Sohn,  Johann  von  Sayn-Greifenstein,  1363 
bis  1395,  der  letzte  des  Geschlechts,  ist  vorhin  schon  erwähnt  worden.  Die 
Zeit  seiner  Geburt  ist  nicht  bekannt,  wir  können  dieselbe  nur  nach  dem  Todes- 
jahre seines  Vaters  Engelbert  1336  ungefähr  ansetzen.  Johann  von  Sayn- 
Greifenstein  tritt  urkundlich  zuerst  im  Jahre  1363  auf;  es  werden  in  diesem 
Jahre  genannt  „frauvre  Marie  von  Dollendoif,  Stiefmutter  des  Grafen  Salentin 
von  Sayn-Wittgcnstein,  frauwe  Agnese  von  Grifensteiu,  Johann  von  Grifensteins 
müder".'-)  Der  „Junker  von  Grifenstein",  also  Johann  von  Sayn,  belehnte 
1383,  März  30  Volpracht  Liczilkolbe  mit  dem  Zehnten  zu  Bergheim,  wie  seine 
Eltern  ihn  von  des  Junkers  Vorfahren  zu  Lehen  getragen."^)  „Junker  Johann 
von  Sayn,  den  man  nennt  Grifenstein"  verpfändete  Heinrich  von  Grindauwe  am 
8.  Februar  1387  zu  Wiesbaden  seine  Hörigen  zu  Sayn,  Wied  und  Homburg.'*) 
Am  6.  September  1395  verkaufte  er  dem  Grafen  Johann  von  Nassau-Dillenburg 
seine  Anrechte  an  Burg  und  Herrschaft  Greifenstein,  wozu  Bischof  Eckhard 
von  Worms  am  8.  September  d.  J.  seine  Genehmigung  erteilte."')  Mit  diesem 
Akte,  der  die  Rechte  des  Hauses  Xassau-DiDenburg  an  einem  Teile  der  Herr- 
schaft Greifenstein  abschliessend  sicherte,  verschwindet  dieser  letzte  Sprosse 
dieser  Linie  für  uns  aus  der  Geschichte. 

Hiermit  haben  wir  die  Linie  Hachenburg- Greifenstein  in  der  Descendenz 
Gerhards  L  bis  zu  ihrem  Aufgehen  in  das  Haus  Sayn  und  ihrem  Erlöschen  mit 
dem  Grafen  Johann  von  Sayn-Greifenstein  gegen  das  Jahr  1400  verfolgt. 

Zur  Ergänzung  dieser  Zusammenstellung  sei  bemerkt,  dass  bereits 
Allmenröder  die  Aufstellung  dieser  „Hachenburger  Linie",  wie  er  sie  nennt, 
versucht  hat'^),  doch  kennt  derselbe  nur 

a)  die  Guda,  des  Rorich  Vogt  von  Hachenburg  Gemahlin, 

b)  die    den   Verkauf    des    Guts    zu    Streithausen  betreffende  Urkunde, 
'  welche  er  nach  Vogel  mit  dem  unrichtigen  Jahre  1297   statt   1287 

anführt, 

c)  einen  Robert    von  Greifenstein,    der  jedoch,    wie  sich  ergeben  wird, 
dieser  Linie  nicht  angehörte. 

Gegen  Ende  des  13.  Jahrhunderts  treffen  wir  noch  vier  Glieder  des  Hauses, 
von  denen  eines  sich  durch  sein  Siegel  als  der  Linie  Hachenburg  angehörig 
erweist.  Bei  den  anderen  ist  die  Zugehörigkeit  zu  dieser  Linie  nicht  erweisbar, 
aber  auch  nicht  bestreitbar.  Bei  der  Lage  der  Sache  und  nach  allen  Um- 
ständen dürfte  es  aber  das  Richtige  sein,  auch  diese  Greifensteiner  dem  Hachen- 
burger  Stamme  anzuschliessen  und  überhaupt  alle  als  Geschwister  Gerhards  I. 
anzusehen. 

Es  sind  dies 

3.  Philipp  von  Greifenstein,  1297  —  1306,  Domkanonikus  zu  Köln. 
Derselbe  erscheint  inl'rkunden  des  Kölner  Domkapitels  von  1297,  1299,   1302; 


•■2)  Günther,  Co.l.  -lipl.  III,  No.  4;t.-).  —  ")  Un^edruckte  Urkunde.  —  "*)  Ungedruckte 
rrki.nde.  —  ")  Unf,'edruckte  Urkunde;  vergl.  Arnoldi  I,  2-'3;  Ileldmann,  Zeitschr.  des 
Vorfii.s  für  Hossisdio  (ieacliidite  XX,  :{To  giebt  den  ö.  Septeml.er  an.  —  ''■}  Im  ..Herold" 
1S7:J,  S.   18. 


21 

aa  der  Urkiiade  von  1290  ist  sola  Siegel  erhalten.  Dasselbe  zeigt  den  Ilachen- 
burger  Rautenschild;  oberhalb  und  unterhalb  der  llautenrcihe  je  drei  Lilien; 
Umschrift:  S.  Philippi  de  Grifensteyn.")  Durch  dieses  Wappen  ist  seine  Zu- 
gehörigkeit zum  Stamme  Ilachenburg  erwiesen.  Am  29.  April  1306  war  er 
Zeuge  bei  der  Stiftung  des  Kullcgiatstifts  zu  Düsseldorf.'^)  Im  Xekrolo^'iuni 
des  Kölner  Domstifts  ist  sein  Todestag  nicht  eingetragen.'") 

4.  Christian  von  Greifenstein,  1297  — 1305.  Derselbe  befand  sich 
in  den  genannten  Jahren  im  Streite  mit  dem  Stifte  S.  Simeon  zu  Trier,  dessen 
Weiuvorräte  zu  Höningen  er  raubte.  Erzbischof  Boemund  von  Trier  schritt 
deshalb  gegen  ihn  ein.'")  Am  2.  Dezember  1305  war  er  Zeuge  in  der  Ehc- 
beredung  zwischen  Bruno  IV.  von  Isenburg-Wied  und  der  Gräfin  Heilwig  von 
Katzenelnbogen.")  Weitere  Nachrichten  über  ihn  liegen  nicht  vor.  Seinen  Todes- 
tag verzeichnet  das  Nekrologium  von  Marienstatt  zum  23.  Januar  mit  der  Ein- 
tragung: Ohiit  CrisiiaiiNS  nohilis  de  Gryßnstein  qni  mxlffnn  farorabilis  firif 
nohis.     Yon  einer  Nachkommenschaft  Christians  ist  nichts  bekannt. 

5.  Wigand  von  Greifenstein,  1299  —  1328,  elfter  Abt  des  Klosters 
Marienstatt  —  oriundus  de  Grifensteiu."^)  Wann  seine  Amtsführung  begann 
oder  mit  seinem  Tode  endete,  ist  nicht  festzustellen.  Als  Abt  nennen  ihn  die 
Urkunden  des  Klosters  von  1299,  Juni  28,  1309,  1312,  1317,  1321,  1327, 
August  2-2,  1328,  August  5.  Am  6.  April  1337  erklären  die  Ritter  Johann 
und  Manegold  von  Mudersbach,  Wigand  von  Mudersbach,  Wigand  Kornigel, 
dessen  Bruder  Eckart,  Eberhard  von  Haiger  und  Heinrich,  Conrads  Sohn  — 
die  wir  wohl  als  des  Abts  Geschlechtsgenossen,  Verwandte  und  Erben  anzu- 
sehen haben  —  dass  die  Güter  zu  Oberrod,  Sunnenbach,  Guntersdorf,  Dapurch 
und  Herborn  Eigentum  des  Klosters  Marienstatt  aus  der  Erbschaft  des  Abtes 
Wigand  seien.") 

Endlich  wird 

6.  Gertrudis  de  Gryffinstein ,  1311,  Juli  26  als  Nonne  zu  Yilich 
genannt.^*) 

c)  Haus  Isenburg-Greifenstein. 

Yon  diesem  etwa  um  1408  erloschenen  Stamme  des  Hauses  Greifonstein 
ist  im  vorstehenden  schon  kurz  die  Rede  gewesen.  Für  die  älteren  Forscher 
war  es  in  der  That  schwer,  zu  der  Feststellung  dieses  Stammes  zu  gelangen; 
es  ist  dies  keinem  möglich  gewesen.  Die  einzige  bis  vor  kurzem  bekannte  Ur- 
kunde, welche  sich  auf  diesen  Stamm  bezieht,  genügte  nicht,  den  Sachverhalt 
erkennen  zu  lassen.  Es  ist  dies  eine  Urkunde  von  1340,  November  5,  durch 
welche  die  Brüder  Eberhard,   Herr    zu  Liraburg   und  dessen  Bruder  Kraft  auf 


")  Vergl.  die  Abbildung  Taf.  I,  Xo.  4.  —  '";  Lacomblet  III,  Xo.  :{;»;  Hammerstein- 
sches  Urk.-Buch  Xo.  219.  —  "^j  Mitteilung  des  Herrn  Geheimen  Archivrats  Dr.  Harloss.  — 
^")  Goerz,  Regg.  der  Trierer  Erzbischöfe,  S.  60;  Mittelrh.  Regg.  IV,  Xo.  2672,  2735;  Hammer- 
steinsches  Crk.-Buch  Xo.  184.  —  ^M  Fischer,  Geschlechtsregister,  ürk.  Xo.  174,  S.  206; 
Simon  II,  .S3.  —  '-')  Marienstatter  Relation,  Mittelrli.  L'rk.-Bu-h  HI,  Xo.  ?A.  -  "  Unge- 
druckte Urkunden.  —   ^')  Lacomblet  III,  Xo.   lO'.i. 


22 

alle  Ansprüche,  welche  sie  bisher  an  die  Herrschaft  Greifenstein  hatten,  zu 
Gunsten  von  Xassau-Dilleuburg  verzichten  und  dem  Grafen  dieserhalb  gegen 
ihren  Xeffen  von  Greifenstein  —  dieser  wird  leider  nicht  mit  Namen  genannt 
—  beistehen  zu  wollen  erklären.*')  Arnoldi.  der  die  ihm  des  Inhaltes  wegen 
auffallige  Urkunde  abdruckte,  beschränkte  sich  ohne  Erfolg  darauf,  die  Per- 
sonalien beider  Limburger  und  den  Rechtsgrund  der  von  ihnen  auf 
das  Greifensteiner  Gut  erhobenen  Ansprüche  zu  ermitteln.  Beides 
ist  ihm  nicht  gelungen.  Die  Frage,  wie  die  Brüder  Eberhard  und  Kraft 
in  den  Stammbaum  des  Hauses  Isenburg-Limburg  einzuordnen  sind,  die  Ar- 
noldi  zunächst  erörtert,  kann  bei  der  vorliegenden  Untersuchung  unberücksich- 
tigt bleiben.  Bei  Beantwortung  der  zweiten  Frage,  auf  welchen  Grund  diese 
Limburger  ihre  Rechtsansprüche  an  Greifenstein  gestützt  haben  können,  hilft 
Arnoldi  sich  mit  der  Annahme,  diese  Ansprüche  hätten  sich  auf  das  Erbgut 
ihrer  Mutter  bezogen;  als  solche  sieht  er  dann  eine  Grätin  von  Diez  an,  weil 
die  Grafen  von  Diez  in  der  Herrschaft  Greifenstein  begütert  gewesen  seien. 
Dieser  durchaus  willkürlichen  Hypothese  Arnoldis  steht  kein  Beweismittel 
zur  Seite;  es  wird  von  Arnoldi  auch  nicht  erläutert,  weshalb  die  Limburger 
hier  ein  angebliches  Erbgut  ihrer  Mutter  als  Eigentum  ihres  Neffen  von  Greifen- 
stein bezeichnen,     x^rnoldi  hat  durch  seine  Hypothese  die  Frage  nicht  gelöst. 

Der  neueste  Forscher  Hillebrand'*)  ist  hier  über  Arnoldis  Ergebnisse 
nicht  hinausgekommen  und  steht  noch  auf  dessen  Standpunkte,  aber  wie  es 
scheint,  widerwillig  und  nur  gezwungen  durch  Mangel  an  urkundlichen  Nach- 
richten. Es  geniert  ihn  hier  besonders,  dass  der  „wichtigste  Teil  des  Solms- 
ischen  Archivs  verbrannt  ist."  Der  scharfsinnige  Forscher  wäre  hier  doch 
wohl  auf  die  richtige  Spur  gekommen,  wenn  er  die  Bemerkung  von  Seyler 
über  das  Siegel  Krafts  von  Greifenstein  an  einer  Urkunde  von  1301,  Oktober  29 
gekannt  hätte.*')  Freilich  hat  auch  Seyler  selbst  es  unterlassen,  hier  aus 
seiner  Angabe,  dass  dieser  Kraft  nicht  mehr  den  Greifensteiner  Schild,  sondern 
zwei  Querbalken,  bedeckt  mit  dem  Turnierkragen,  im  Wappen  führe,  die  nahe- 
liegenden Folgerungen  zu  ziehen;  er  beschränkt  sich  auf  die  kurze  Beschreibung 
dieses  Siegels. 

Das  von  Kraft  von  Greifenstein  geführte  Siegel,  von  welchem  eine 
grössere  Zahl  von  Abdrücken  erhalten  ist,  zeigt  in  der  That  das  von  Seyler 
angegebene  Wappen,  zwei  Querbalken,  von  einem  fünflatzigen  Tur- 
nierkragen bedeckt;  es  ist  das  Wappen  des  Hauses  Isenburg-Lim- 
burg und  zwar,  wie  der  Turnierkragen  anzeigt,  einer  Nebenlinie  des- 
selben. 

Hierdurch  erhalten  wir  eine  andere  und  völlig  zufriedenstellende  Erklärung 
dafür,  dass  die  Herren  von  Limburg  1340  den  von  Greifenstein  ihren  Neffen 
nannten. 


")  Arnoldi,  Histor.  Denkwürdigkeiten,  S.  95;  Philippi,  Siegener  Urk. -Buch  Xo.  236, 
wo  der  Druck  bei  Arnoldi  nicht  verzeichnet  ist.  —  **)  Hillebrand,  Zur  Cieschichte  der 
Herrschftft  Limburg;  Programm  des  Gymnasiums  zu  Iladamar  ls'.)2  !>.'{,  S.  12.  —  ")  .jllerold" 
1S73,  S.  36.  Die  von  Allmenrüder  aus  dem  Wetzlarer  Sfadtarchive  im  Regest  zuerst  mit- 
geteilte Crkunde  jetzt  auch  bei  Reimer,  Hess.  Urk.-ßuch  II,  2,  Xo.  8. 


23 

Die  Liuie  des  Hauses  Groifenstoiu,  welcher  dieser  Kraft  und  die  weiteren, 
noch  zu  besprechenden  Glieder  angehörten,  stellt  sich  somit  als  eine  Linie 
des  Hauses  Ise  uburg-Liraburg  dar;  die  Liuie  ist  begründet  durch 
•die  Ehe  eines  Isenburg -Lim bürg  mit  einer  dem  Namen  nach  nicht 
bekannten  Tochter  des  Rorich  Vogt  von  Hachenburg  und  der  Guda 
von  Greifenstein. 

Dieser  Annahme,  dass  diese  Linie  Greifenstein  aus  dem  Hause  Iseuburg- 
Limburg  hervorgegangen,  widerspricht  anscheinend  eine  in  Farben  ausgeführte 
Zeichnung  des  Wappens  der  Greifenstein  in  dem  sogenannten  Yasallenbuche 
der  Stadt  Köln.  Die  Nachbildung  ist  nur  mit  der  Bezeichnung  „Gritfenstein" 
versehen,  doch  kann  wohl  nur  das  Wappen  Krafts  von  Greifenstein  gemeint 
sein.  Der  Schild  des  Wappens  hat  zwei  rote  Querbalken  in  Silber,  als  Helm- 
schmuck zwei  silberne  Greifenköpfe  mit  roten  Ohren.^')  Sind  die  Farben  durch 
den  Wappenmaler  richtig  angegeben,  so  müsste  Kraft  der  jüngeren  Liuie  Isen- 
burg, der  sogenannten  Niederisenburger  Linie  angehören,  da  die  ältere  Linie, 
somit  auch  das  Haus  Limburg,  zwei  schwarze  Querbalken  führte.  Indessen 
ist  die  Darstellung  nicht  als  zuverlässig  anzusehen,  wenn  auch  für  die  Zeich- 
nung des  Schildes  ein  Siegel  Krafts  im  Stadtarchiv  als  Vorlage  gedient  haben 
wird.  Das  Vasallenbuch  gehört  frühestens  dem  16.  Jahrhunderfc  an;  der 
Wappenmaler  wird  damals,  dreihundert  Jahre  nach  Krafts  Lebenszeit,  schwer- 
lich gewusst  haben,  welcher  Linie  des  Hauses  Isenburg  derselbe  angehört  hat; 
er  wählte  bei  Kolorierung  des  Schildes  die  ihm  zufällig  bekannten  Isenburger 
Farben  und  geriet  hierbei  auf  die  unrichtigen.  Der  Helmschmuck  ist  höchst 
verdächtig,  eine  Vorlage  für  denselben  hat  der  Maler  nicht  gehabt,  sondern 
ihn  zweifellos  frei  erfunden  und  mit  den  durch  die  Heraldik  geforderten  Far- 
ben versehen.  Hier  ist  die  Abbildung  ein  Werk  des  16.  Jahrhunderts.  Nach 
allem  diesem  kann  die  Abbildung  uns  in  unserer  Meinung  nicht  wankend 
machen. 

Kraft  V,  und  Rorich  von  Isenburg-Greifenstein  nennen  Gerhard  L,  das 
Haupt  der  Linie  Hachenburg-Greifenstein,  ihren  „cocsanguineus"  und  „neben"; 
wir  folgern  auch  hieraus  die  nahe  Stammesverwandtschaft. 

Dass  ein  Isenburg-Limburg  als  Vater  Kraftos  anzusehen,  scheint  nach 
Lage  der  Sache  zweifellos.  Über  die  Person  desselben  fehlt  jede  urkundliche 
Nachricht,  aber  nach  unserer  jetzigen  Kenntnis  dieses  Hauses  kaun  überhaupt 
nur  einer  in  Frage  kommen,  Ger  lach,  Sohn  Gerlach  I.  und  der  Grätin  Ima- 
gina  von  Blieskastel. 

Dieser  Gerlach  von  Isenburg  ist  fast  allen  älteren  Forschern  völlig  un- 
bekannt geblieben,  erst  Hillebrand  hat  einige  wenige  Nachrichten  über  den- 
selben zusammenstellen  können.*')  Urkundlich  erwähnt  wird  er  in  den  Jahren 
1267  und  1273;  in  diesen  Jahren  soll  er  Lehnsmann  des  Herzogs  (Johann) 
von  Brabant  geworden  sein.^")     Hillebrand  bezeichnet  es  als  auffallend,  dass 


^^)  Xach  Mitteilungen  des  Herrn  EJ.  Rosenkrantz,  sowie  des  .Stadtarchivs  Köln.  — 
^')  Programm  des  Gymnasiums  zu  Iladamar  is;»2  93,  S.  11,  No.  5.  —  '">)  Butkens,  Tropheeg 
de  Brabant;  Urüäner  S.   16;  Hillebrand  a.  a.  0. 


24 

er  in  der  Bestimmung  seines  Vaters  Gerlach  I.  von  1279,  Juli  4  über  die 
Yerteiluug  des  Nachlasses  und  in  dem  Vertrage  Gerlachs  I.  mit  der  Stadt 
Limburg  von  1279,  Oktober  17  neben  seinen  Brüdern  Johann  und  Heinrich 
nicht  genannt  wird,  sowie  auch,  dass  bei  Verleihung  der  weiblichen  Erbfolge' 
in  die  Reichslehen  durch  König  Rudolf  1285  dieses  Recht  nur  Gerlach  I.,  dessen 
Sohn  Johann  und  dessen  Descendenz  erteilt  wird.  Für  alles  dieses  sucht 
Hillebrand  die  Erklärung  durch  die  Annahme,  dass  Gerlach  vor  dem  Erlass 
der  ErbordnuDg  vom  4.  Juli  1279  und  zwar  kinderlos  verstorben  war.  Erstere 
Annahme  mag  richtig  sein,  der  zweiten  aber,  dass  Gerlach  kinderlos  gestorben 
sei,  brauchen  wir  nicht  beizutreten.  Wir  linden  eine  andere  Lösung,  wenn 
wir  berücksichtigen,  dass  Gerlach  durch  seine  Erbfolge  in  der  Herrschaft 
Greifenstein  und  als  Herr  von  Greifenstein  von  der  unmittelbaren  Verbindung 
mit  seinem  Stammhause  losgelöst  war  und  erbrechrliche  Ansprüche  an  den 
Besitz  desselben  doch  erst  in  letzter  Linie  geltend  zu  machen  hatte.  Erwägen 
wir  dies,  so  sind  wir  auch  wohl  nicht  gezwungen,  seinen  Tod  vor  den  Erlass 
der  Erbordnung  vom  4.  Juli  1279  anzusetzen;  der  vom  Stamme  abgeteilte 
Herr  von  Greifenstein  kam  hier  nicht  mehr  in  Betracht, 

Da  wir  über  dieses  Gerlach  Gattin,  deren  Namen  wir  nicht  einmal  wissen, 
ebensowenig  unterrichtet  sind,  bleibt  nichts  anderes  übrig,  als  diese  unter  den 
Schwestern  Krafts  IV.,  über  die  das  Marienstatter  Nekrologium  zum  31.  Oktober 
berichtet"),  zu  suchen  und  sie  als  Tochter  des  Rorich  Vogt  von  Hachenburg 
und  der  Guda  von  Greifenstein  anzusehen. 

Da  Kraft  IV.  von  Greifenstein  keine  direkten  Erben  besass,  werden  diese 
beiden.  Gerlach  von  Limburg  und  Gattin,  zugleich  mit  Gerhard  I.  von  Greifen- 
stein, dem  Vetter  Krafts  IV.  und  der  Gemahlin  dieses  Gerlach  von  Limburg, 
oder  deren  Descendenz,  mit  diesen  zur  Ganerbschaft  und  Erbfolge  auf  Greifen- 
stein gelangt  sein.  Als  Kinder  dieses  Gerlach  von  Limburg  und  der  N.  von 
Hachenburg-Greifenstein  kennen  wir  urkundlich  die  Brüder  Krafto  und  Rorich 
von  Greifenstein. 

1.  Kraft  V.  von  Isenburg-Limburg-Greifenstein,  1284 — 1326. 
Bevor  wir  uns  der  Darstellung  des  sehr  bewegten  Lebens  dieses  Kraft  zuwenden, 
haben  wir  eines  schon  vorhin  bei  Gerhard  I.  berührten  Ereignisses  zu  gedenken, 
einer  angeblichen,  um  1280  angesetzten  ersten  Zerstörung  des  Schlosses  Greifen- 
stein, der  im  Jahre  1298  die  zweite  endgiltige  folgte. 

Die  um  1280  erfolgte  Zerstörung  wird  von  allen  Forschern,  welche  die 
Geschichte  der  Greifensteiner  behandelt  haben,  angenommen  —  oder  richtiger 
von  dem  einen  dem  andern  nachgeschrieben;  die  Belege  hierfür  zusammenzu- 
stellen, können  wir  uns  füglich  ersparen.  Nur  Arnoldi  scheint  von  Zweifeln 
nicht  ganz  frei  gewesen  zu  sein;  er  berichtet  zwar  das  Ereignis,  bemerkt  jedoch 
vorsichtig,  dass  Quellenbelege  für  die  Richtigkeit  desselben  fehlen.'-)  Ich  glaube, 
dass  wir  hier  weiter  wie  Arnoldi  gehen  und  die  Zerstörung  des  Schlosses  1280 
mit  ruhigem  Gewissen  aus  der  Geschichte  der  Greifensteincr  streichen  können. 
Quelle  dieser  Erzählung  ist  lediglich  die  von  Knoch  veröffentlichte  Solmsische 


•")  Ver-1.  oben  S.   12.   -   ■"')  Arnoldi  I,  82,  219. 


25 

Genealogie   des  Sulmsischcn  Sekretärs    M.  Jijhann  Ilayl  aus  Speyer''');    dessea 
Erzählung  ist,  wie  bemerkt,  bis  jetzt  von  Fall  zu  Fall  abgeschrieben  worden.") 

Selbst  Abicht,  dessen  Buch  sonst  im  gauzen  brauchbar  ist,  findet  kein 
Bedenken  darin,  dem  Johann  Hayl  nachzuerzählen'^),  dass  die  Grafen  Otto  von 
Nassau  und  Heinrich  von  Solms  1280  Greifenstein  angegriffen  und  zerstört 
hätten,  weil  die  Greifensteiner  in  dem  Kampfe  der  Könige  Adolf  und  Albrecht 
auf  des  letzteren  Seite  getreten  seien.  Es  bedarf  hier  keiner  weiteren  Unter- 
suchung, um  zu  erkennen,  dass  Hayl,  wenn  er  aus  Versehen  das  Jahr  12S0  wirk- 
lich angiebt'"),  doch  nur  das  spätere  Ereignis  meint.  Und  mit  dieser  einen,  iin 
Jahre  1293  erfolgten  Zerstörung  des  Schlosses  können  wir  uns  fortab  begnügen. 
Zur  Unterstützung  dieser  Ansicht  können  wir  uns  ausserdem  auf  die  Limburger 
Chronik  beziehen,  die  nur  eine  gegen  das  Ende  des  13.  Jahrhunderts  erfolgte 
Zerstörung  kennt,  wenngleich  diese  Angabe  nicht  ausschliesslich  beweisend  ist.*') 

Wir  dürfen  also  annehmen,  dass  Kraft  V.  von  Greifensteia  und  seine 
Geschwister,  namentlich  sein  Bruder  Rorioh,  nach  ihres  Vaters  Tode  in  den 
ungeschmälerten  Besitz  von  Schloss  und  Herrschaft  Greifenstein,  den  sie  mit 
ihren  uns  schon  bekannten  Ganerben  teilten,  eingetreten  sind.  Um  welches 
Jahr  dies  geschah,  wissen  wir  nicht. 

Kraft  V.,  dessen  Geburt  wir  vor  das  Jahr  1260  ansetzen  können,  begegnet 
uns  zum  erstenmale  1284,  Februar  5  als  Zeuge  in  einer  Urkunde  des  Klosters 
Thron."')  Am  30.  Dezember  1286  ist  er  Zeuge  für  Wittekind  von  Lichtensteiu 
bei  dem  Verkaufe  von  Daubhausen."')  Mit  seinem  Bruder  Rorich  bürgte  er 
1287,  Januar  28  für  Eberhard  und  Johann  von  Haiger;  er  besiegelte  die  Ur- 
kunde auch  für  seinen  Bruder."*")  Am  13.  November  d.  J.  stellte  er  mit  seinem 
Bruder  Rorich  und  seinem  Stamraesvetter  die  in  vorstehendem  schon  mehrfach 
besprochene  Urkunde'"')  für  das  Kloster  Marienstatt  aus.  Die  Urkunde  ist  die 
älteste,  an  der  ein  Abdruck  des  Siegels  Krafts,  leider  ein  sehr  beschädigter, 
erhalten  ist.  Das  Bruchstück  lässt  jedoch  erkennen,  dass  der  gebrauchte  Stempel 
dreieckig  war;  von  dem  Schilde  ist  soviel  erhalten,  dass  zwei  Querbalken  deut- 
lich sichtbar  hervortreten;  von  der  Umschrift  erhalten:  .  .  .  aft e  Gr 

Dass  Kraft  von  den  für  den  Mittel-  und  Niederrhein  so  bedeutsamen  Vor- 
gängen des  Jahres  1288  nicht  unberührt  blieb  und  namentlich  am  5.  Juni  des 
Jahres  bei  Worringen  mitfocht,  können  wir,  auch  wenn  kein  Quellenbeleg  hier- 
für vorliegt,  unbedenklich  annehmen.  Ebenso  können  wir  annehmen,  dass  er 
mit  seinen  Burgmännern  bei  Worringen  auf  der  Seite  der  Gegner  des  Erz- 
bischofs stand;  seine  Beziehungen  zum  Grafen  Walram  von  Jülich  und  später 
zur  Stadt  Köln    machen   dies    zweifellos.     Am  11.  Dezember   1288   war  er  auf 


"')  Knoch,  Ungedruckte  Nachrichten  von  den  alten  Grafen  von  Solms  etc.,  in  den 
Marburger  Beiträgen  1749,  I,  S.  40.  Über  den  Verfasser  Joh.  Hayl  vergl.  Ulmenstein, 
Gesch.  von  Wetzlar  I,  118.  —  ^*)  Auch  Schliephake  ist  hier  zu  nennen.  —  "*~i  Kreis  Wetz- 
lar, S.  105.  —  '■'")  Hayls  Handschrift  im  Archive  zu  Braunfels  habe  ich  nicht  eingesehen.  Eine 
andere,  gleichfalls  bedenkliche  Angabe  Hayls  wird  unten  besprochen.  —  ^')  Limburger  Chron., 
edd.  Wys8,  S.  77.  —  «*)  Xass.  Urk.-Buch  I,  Xo.  1022.  -  '^)  Gudenus  II,  253.  —  ""')  Wyssi 
Hess.  Urk.-Buch  I,  469.  —  "")  Ungedruckte  Urkunde;  Vogel  S.  693  und  Allraenröder, 
, Herold-   1873,  No.  3  fal>ch  mit  1297. 


26 

der  Burg  Zülpich  —  in  ca.<fro  Tulpntrnsi  —  zugogon,  wie  Ritter  Everhard 
von  Haiger,  sein  Burgmann  zu  Greifenstein,  den  Hof  zu  Aumenau  (bei  Runkel) 
zu  Lehen  auftrug,  er  besiegelte  die  Urkunde."")  Am  25.  Januar  1290  schloss 
Kraft  V.,  mit  ihm  sein  Bruder  Rorich  und  Gerhard  y,unse  (d.  h.  des  Ausstellers 
Kraft)  nehe'^  mit  den  Grafen  Heinrich  I.  und  Emich  von  Nassau-Dillenburg  zu 
Wetzlar  den  für  die  Geschichte  seines  Hauses  so  bedeutsamen  Vertrag  wegen 
DrieJorf."'^)  Der  Vertrag  kennzeichnet  den  nicht  mehr  aufzuhaltenden  Zusammen- 
bruch der  Machtstellung  des  kleinen  Dynastengeschlechts;  nur  mit  Mühe  konnte 
es  sich  durch  diesen  Vertrag  noch  Rechte  in  seinem  alten  Besitztum  sichern, 
dessen  sein  mächtigerer  Nachbar  zur  Sicherung  seiner  Grenzen  bedurfte.  Aus- 
steller dieser  schon  vorhin  kurz  besprochenen  l.'rkunde  sind  Kraft,  sein  Sohn 
Rorich  und  sein  „nebe"  Gerhard  I.  von  Hachenburg-Greifenstein;  hieraus  haben 
wir  schon  vorhin  entnommen,  dass  beide,  Kraft  und  Gerhard  Blutsverwandte,  dass 
Gerhards  Vater  und  Krafts  Mutter  eines  Stammes  waren.  Aus  dem  Inhalte 
des  durch  Ludwig  von  Isenburg  und  die  Städte  Frankfurt,  Friedberg,  Wetzlar 
und  Geluhausen  zur  Beilegung  des  bisher  wegen  Driedorfs  geführten  Krieges 
und  der  Streitigkeiten  abgeschlossenen  Vertrages  heben  wir  zur  Ergänzung  des 
vorhin  gegebenen  Auszuges  folgende  Bestimmungen  als  die  wichtigsten  heraus: 

1.  Die  Stadt  Driedorf,  die  Mühle  und  den  See  dabei  sollen  beide  Teile,  Nassau 
und  Greifenstein,  fortab  gemeinsam  besitzen  und  einen  gemeinsamen  Vogt  setzen, 

2.  die  Grafen  von  Nassau  sollen  kein  Recht  an  der  Mühle  zu  Habichsdorf 
haben,  sie  sollen  die  beiden  Burgen,  welche  sie  zu  Driedorf  gebaut,  abbrechen 
und  keine  von  beiden  Parteien  soll  dort  furtab  gegen  die  andere  eine  Burg 
bauen,  3.  ausserhalb  der  Stadt  Driedorf  soll  der  bisherige  Rechtszustand  bleiben, 
4.  die  bis  dahin  dort  sesshaften  Bürger  bleiben;  Zuzug  von  Hörigen  erfolgt 
fortab  nur  mit  Zustimmung  der  Herren,  5.  Burgmänner  sollen  dort  nur  mit 
gegenseitiger  Zustiranmng  gesetzt  werden,  6.  das  Besthaupt  in  der  Stadt  er- 
halten wie  bisher  die  Greifenstein.  Burgmänner  und  Gesinde  sollen  Niemanden 
darum  beklagen,  als  vor  der  beiderseitigen  Herrschaft,  wenn  dies  not,  7.  die 
Bürger  sollen  weder  Zoll  noch  Ungeld  geben,  8.  wenn  der  Graf  von  Nassau 
oder  umgekehrt  der  von  Greifenstein  mehr  Leute  dort  hat,  wie  der  andere,  so 
soll  gegenseitig  ausgewechselt  werden,  bis  jeder  zu  seinem  Halbteil  gekommen 
ist;  will  ein  ausgewechselter  Mann  zu  seinem  Herrn  wieder  abfahren,  so  mag 
er  es  thuen,  der  Wechsel  ist  hierdurch  annulliert,  9.  bei  etwaiger  Fehde 
zwischen  beiden  Häusern  soll  Driedorf  und  die  Einwohner  neutral  sein,  10.  hat 
der  Graf  von  Nassau  allein  Fehde,  so  darf  er  sich  aus  Driedorf  wehren  und 
darf  herein;  wollen  die  Greifensteiner  dem  Cregner  des  Grafen  hierbei  helfen, 
so  dürfen  sie  dies  nicht  aus  Driedorf,  sondern  nur  aus  ihren  anderen  Häusern 
—  und  ebenso  umgekehrt,  11.  zur  Beilegung  etwaiger  Streitigkeiten  soll  ein 
aus  vier  Rittern    bestehendes  Schiedsgericht    bestellt   werden,    für  welches  jede 


»"*)  Kremer,  Akadem.  Beiträge,  giebt  die  Urkunde  III,  69  irrig  mit  dem  Jahre  1208, 
welches  von  Vogel  ö.  LTjO,  706  übernommen  ist;  besser  Laoombiet  11,  N.J2,  woselbst  das 
Datum  richtig  gestellt  ist;  Mittelrli.  Regg.  IV,  No.  1599.  -  "^  Über  den  nocii  ungedruoktea 
Vertrag  vorgl.  Reinhard,  Kl.  Ausführungen  XIII,  :527 ;  Arnoldi  1,77;  IMiilippi,  Siegener 
Urk.-Buch  No.  J8. 


27 

Partei  zwei  wälilt.     Den  Vertrag  besiegelten  Graf  Ileiniicli  von  Nassau,  Kraft 
von  Greifenstein,  Graf  Adolf  von  Nassau  und  die  genannten  Städte."') 

Dies  ist  in  Kürze  der  Inhalt  des  Vertrages.  Dass  bei  Abschluss  des- 
selben auch  die  Staramesvettern  von  Lichtenstein  von  Nassau  die  Nieder- 
rcissung  der  beiden  Burgen  zu  Driedorf  gefordert  haben,  wie  Allin  enröder'"') 
sagt,  finde  ich  in  dem  Vertrage  nicht.  Im  Anschluss  au  diesen  Vertrag  be- 
kunden die  Städte  Frankfurt,  Friedberg  und  Wetzlar  am  20.  April  1290  die 
Loslassungen  der  beiderseits  bei  den  vorhergehenden  Fehden  gemachten  Ge- 
fangenen und  der  Kompensierung  der  gegenseitigen  Braudschatzungen.'"") 

Dieser  Wetzlarer  Vertrag,  welcher  dem  Hause  Nassau-Dillenburg  unter 
Garantie  mächtiger  Herren  und  namentlich  vier  mächtiger  Reichsstädte  Rechte 
im  Greifensteiuer  Gebiet  gesichert  hatte,  die  alhnählich  zur  Unterdrückung 
der  alten  Herren  führen  mussten,  wird  unserem  Kraft  den  Aufenthalt  auf  dem 
Greifenstein  verleidet  haben.  Ausserdem  mag  sein  abenteuerlicher,  fehde- 
lustiger Charakter  mit  dahin  gewirkt  haben,  dass  er  dem  unsicher  gewordenen 
Besitztume,  an  welches  ihn  keine  Familientraditionen  banden,  bald  den  Rücken 
wandte  und  in  die  weite  Welt  zog,  anderwärts  sein  Glück  versuchend.  Er 
wandte  sich  dem  Niederrhein  zu,  die  Verbindung  mit  dem  Grafen  von  Jülich 
und  der  Stadt  Köln,  auf  deren  Seite  er  wohl  schon  bei  Worringen  gestanden, 
erneuernd.  Am  29.  März  1291  finden  wir  ihn  in  der  Umgebung  des  Grafen 
Walram  von  Jülich  als  Zeuge  in  dem  Vertrage  desselben  mit  dem  Erzbischofe 
Siegfrid  von  Köln.'"')  Am  5.  November  1292  besiegelte  er  als  Herr  des  Niko- 
laus von  Rockelingen  der  Stadt  Köln  des  letzteren  Quittung  über  eine  Zahlung 
für  geleistete  Kriegsdienste;  vielleicht  rührt  die  Forderung  noch  aus  dem  Kriege 
von  1288  her,  wo  Nikolaus  unter  dem  Kommando  Krafts  gestanden  haben  mair. 
Krafts  dreieckiges  Siegel  ist  hier  wohl  erhalten.'"^)  Sein  Dienstverhältnis  zum 
Grafen  Walram  von  Jülich  wurde  ein  festes  am  8.  September  1295,  als  er 
dem  Grafen  gegen  eine  Summe  von  100  Mark  seinen  Teil  des  alten  Greifen- 
steiner FamiUenguts  zu  Leudesdorf  —  census  uostros  et  rineas  qni  et  que  pro 
cero  alloälo  tcnemus  et  habemns  npiAd  L'idistorp  iacentes  ^iiper  ricninn  —  zu 
Lehen  auftrug.'*^')  Sehen  wir  hier  Kraft  im  Dienste  des  Grafen  Walram  von 
Jülich  und  in  ein  festes  Lehnsverhältnis  zu  diesem  treten,  so  ist  es  schwer 
aufzuklären,  weshalb  er  zwei  Jahre  später  ein  Lehnsverhältnis  zum  Grafen 
Adolf  von  Nassau,  dem  damaligen  Könige,  dem  er  zusammen  mit  Walram  von 
Jülich  bei  Worringen  gegenüber  gestanden  hatte,  einging.  In  dem  zu  Niedeck 
am   5.  Dezember   1297    mit  dem  Könige   Adolf  abgeschlossenen  Vertrage  ver- 


'"*)  Zur  Ergänzung  der  von  Philipp!  gemachten  Angaben  fügen  wir  bei,  dass  an  dem 
dem  Fürsten  Hatzfeld  gehörigen  Exemplare  dieser  Urkunde  die  Siegel  des  Grafen  Adolf  von 
Nassau,  Ludwigs  von  Isenburg  und  dreier  Städte  hängen,  wie  das  fürstliche  Archiv  zu  Traohen- 
berg  mir  mitteilte.  Wie  dieses  Exemplar  der  Urkunde  in  das  dortige  Archiv  gelangte,  konnte 
auch  dort  nicht  festgestellt  werden.  —  "'^i  , Herold'-  lb73,  S.  36.  —  ""')  , Herold"  a.  a.  0.  — 
"")  La  com  biet  II,  907.  —  >'^^)  Ennen,  Quellen  III,  Xo.  381  mit  dem  unrichtigen  Tage 
November  6;  Mittelrh.  Regg.  IV,  Xo.  2084;  Mitteil,  aus  dem  Kölner  Stadtarchive  II,  4,  S.  30, 
No.  .580.  —  "'■')  Lacomblet  II,  Xo.  9.')-i,  der  im  Regest  Leudesdorf  mit  Leubsdorf  bei  Linz 
verwechselt;  Mittelrh.  Regg.  IV,  2430, 


o 


28 

pflichteten  sich  die  Vettern  Kraft  und  Gerhard  T.  von  Greifeusteiu,  ihre  Burg 
Greifenstein  aus  dem  Lehnsverbandc,  in  welchem  sie  zum  Erzstifte  Köln  ^aud, 
zu  lösen  und  von  ihm,  d,  h.  dem  Hause  Nassau,  zu  Lehen  zu  nehmen 
und  die  Beurkundung  hierüber  biunen  Jahresfrist  beizubringen;  unter  den 
Bürgen  war  Heinrich  von  Isenburg."°)  Schliephake  meint,  König  Adolf 
habe  hier  die  Absicht  gehabt,  einen  Lehnsmann  zur  Stärkung  seiner  persön- 
lichen Macht  zu  gewinnen,  jeloch  sei  der  Vertrag  wegen  des  bald  darauf  er- 
folgten Todes  des  Königs  nicht  perfekt  geworden.'")  Wir  können  nicht  nur 
dieser  Vermutung  beitreten,  sondern  sogar  auch  annehmen,  dass  Kraft  bei  Aus- 
bruch des  Kampfes  zwischen  König  Adolf  und  x\lbrecht  auf  die  Seite  des 
letzteren  gegen  ersteren,  seinen  alten  Gegner  im  Kampfe  getreten  ist  und  sicher 
nicht  in  dem  Kriege,  namentlich  nicht  in  der  Entscheidungsschlacht  bei  Göll- 
heira  gefehlt  hat,  auch  wenn  wir  dies  nicht  bestimmt  erweisen  können.  Denn 
König  Adolf  Hess  durch  die  Wetterauischen  Reichsstädte  die  Burg  Greifenstein 
zerstören.  Wir  erfahren  dies  aus  dem  1301,  Oktober  29  von  Kraft  den  Städten 
gegebenen  Reverse"'),  keine  Entschädigung  für  die  von  ihnen  auf  Veranlassung 
des  Königs  Adolf  erfolgte  Zerstörung  seiner  Burg  zu  fordern.  An  dieser  Zer- 
störung mögen  sich  auch  die  übrigen  Grafen  von  Nassau,  sowie  die  von  Solms 
beteiligt  habej.  Die  Zerstörung  selbst  können  wir  hiernach  etwa  in  den  Juni 
1298  setzen.     Auf  den  Revers  von  L301  kommen  wir  zurück. 

Diese  Darstellung  dürfte  eher  begründet  sein,  wie  die  Annahme  von  Vogel, 
dass  Greifenstein  damals  wegen  der  von  seinen  Herren  betriebenen  W^egelagerei 
zerstört  worden  sei.  Vogel  glaubt  dies  daraus  schliessen  zu  können,  dass 
König  Wenzel  1389  den  Wiederaufbau  der  Burg  deshalb  verbot,  weil  durch 
sie  die  dort  vorbeiführende  Strasse  nach  Köln  gefährdet  sei. 

Kraft  war  ebenso  wie  seine  Stammesvettern  vom  Hachenburger  Stamme 
durch  die  Zerstörung  der  Burg  Greifenstein  seines  Stammsitzes  beraubt;  er 
kehrte  nunmehr  und  für  immer  seiner  Heimat  den  Rücken.  Im  September  1299 
finden  wir  ihn  in  Köln ;  am  5.  und  6.  September  d.  J.  ist  er  Zeuge  in  Verträgen 
des  Grafen  Everhard  von  der  Mark  und  des  Grafen  Gerhard  von  Jülich  mit 
ilora  Erzbischof  Wikbold  von  Köln."^)  Vermutlich  hat  er  sich  schon  damals 
dauernd  in  Köln  niedergelassen  ;  hier  besass  er,  wie  später  genauer  angegeben 
werden  soll,  das  neugebaute  Haus  „Schoneweder"  an  der  Glockengasse  bei 
S.  Columba;  hier  heiratete  seine  Tochter  Irmgard  den  Kölner  Patrizier  Ritter 
Heinrich  Hildeger  Birklin,  als  dessen  Witwe  mit  drei  Söhnen  wir  sie  im  Jahre 
1309,  als  sie  zur  zweiten  Ehe  mit  dem  Grafen  Dietrich  von  Limburg  schritt, 
antreffen.  Doch  Hess  Kraft  es  nicht  an  Versuchen  fehlen,  wieder  in  den  Be- 
sitz des  zerstörten  Schlosses  zu  gelangen.  Am  20.  Januar  1300  belehnte  König 
Albrecht  ihn  und  seine  Erben  beiderlei  Geschlechts  mit  dem  ihm  (von  Kraft) 
aufgetragenen  Berge  Greifenstein  —  in  quo  qiiinuhtm  casfnm/  situm  fuerat  — 
mit  der  Bestimmung,  dass  Kraft  und  seine  Erben  in  der  dort  neu  zu  erbauenden 

"")  Fioker,  Überreste  des  Reichsaroliivs,  No.  24:  Mittelrh.  Re;,'j,'.  II,  No.  2688.  — 
'")  Schliephake  HI,  :5o:5.  —  "'i  ..Heruld"  1«73,  S.  :}ß;  Reimer,  Uess.  Urk.-Buoh  11,  2, 
No.  8.  —  "^j  Lft  com  biet  11,  No.  V)Xi,  10J6;  Mittelrh.  Ro--.  IV,  No.  2'.J.U,  2<}33, 


20 

Burg  Reiclisburggrafen  sein  sollten;  am  3.  Juli  1304  wiederholte  der  Könio-  zu 
Frankfurt,  wohl  auf  Krafcs  persönlich  vorgetragene  Bitte,  diese  Belehnuno-."*) 
Am  14.  Oktober  1300  war  er  Vermittler  und  Mitsiegler  des  zu  Mainz  abge- 
schlosseneu Teilungsvertrages  der  Brüder  Wilhelm  und  Diether  von  Katzen- 
elnbogen."')  In  demselben  Jahre,  am  11.  November  1300,  ordneten  Crafto 
nohilis  (Jominus  de  Grifensteijn  et  Tiobertxs  ßlhis  noster  —  dieser  wird  hier 
zum  erstenmale  genannt  —  ihre  Beziehungen  zum  Kloster  Marienstatt;  sie 
leisten  —  ob,  wie  zu  vermuten,  gegen  Abfindung  in  barem  Gelde,  wird  nicht 
gesagt  —  Verzicht  auf  alles  Gut,  was  sie  uud  ihre  Eltern  dem  Kloster  ver- 
kauft, mit  Ausnahme  bestimmter  Gefälle  aus  dem  dem  Kloster  benachbarten 
Hofe  Yvelberg."")  An  der  Urkunde  hängt  das  im  ganzen  wohlerhaltene  Siegel 
Krafts  —  sein  Sohn  Robert  führte  noch  keins  — ;  dasselbe  ist  dreieckisr, 
53  mm  hoch  und  zeigt,  wie  im  vorstehenden  schon  mehrfach  angegeben,  im 
Schilde  zwei  Querbalken,  darüber  einen  fünflatzigen  Turnierkragen ;  von  der  Um- 
schrift ist  erhalten:  f  .  .  .  .  llum  Craftonis  de  Grifensthein;  wir  geben  die  Ab- 
bildung dieses  Siegels  auf  Tafel  I,  No.  5.  Dieses  mit  dem  Turnierkragen 
bedeckte  Wappen  führt  Kraft  und  seine  ganze  Descendenz.  In  dem  Vasallen- 
buche der  Stadt  Köln  ist  Krafts  Wappen  tingiert:  Zwei  rote  Querbalken  in 
silbernem  Felde,  auf  dem  Helme  zwei  zugewendete  silberne  Greifenköpfe  mit 
roten  Ohren.  W^ir  haben  schon  vorhin  darauf  hingewiesen,  dass  diese  Tin- 
gierung  des  Wappens  durch  den,  dem  16.  Jahrhundert  angehörigen  Kölner 
Wappenmaler  nicht  richtig  ist,  nach  derselben  hätte  Kraft  nicht  der  Limburger, 
sondern  der  Niederisenburger  Linie  angehört.  Jene  Tingierung  rauss  falsch 
sein  und  kann  uns  dieselbe  nicht  von  der  Annahme  abbringen,  dass  die  Linie 
des  Hauses  Greifenstein,  der  Kraft  V.  angehörte,  dem  Hause  Isenburg-Limburg 
entstammte. 

Es  scheint,  dass  Kraft  sich  von  dieser  Zeit  ab  meistens  in  Köln  aufge- 
halten hat.  Er  war  daselbst  am  1.  Dezember  1300  thätig  bei  dem  Schieds- 
sprüche in  dem  Streite  zwischen  dem  Erzbischofe  Wikbold  und  dem  Grafen 
Everhard  von  der  Mark,  ebenso  wurde  er  am  15.  Dezember  Treuhänder  des 
Erzbischofs  in  derselben  Sache.'^')  In  den  folgenden,  bis  zum  Jahre  1302  sich 
hinziehenden  Verhandlungen  war  er  weiter  thätig,  au  mehreren  der  bezüglichen 
Urkunden  ist  sein  Siegel  erhalten."')  In  Limburg  quittierte  er  am  4.  März  1301 
der  Stadt  Wetzlar  über  die  Zahlung  von  150  Mark  und  26  Mark  und  einem 
Ferto  Silber."')  Das  an  dieser  Urkunde  erhaltene  Siegel  Krafts  beschrieb 
Seyler  nach  einem  von  Allmenröder  mitgeteilten  Abgüsse;  er  macht  darauf 
aufmerksam,  dass  Kraft  die  zwei  Querbalken  mit  dem  Turnierkragen  führt, 
ohne  dass  er  oder  ein  späterer  Forscher  den  naheliegenden  Schluss  auf  die 
Abstammung  Krafts  gezogen  hätten.'-")  Am  20.  März  1301  quittierte  er  mit 
dem  Grafen  Everhard  von  der  Mark  und  andern   über  den  Empfang  einer  für 

"*)  Böhmer,  Reg?.,  Alb.  No.  2ö9;  Schaum  S.  276;  .»Herold"  1873,  S.  36;  Mittelrh. 
Regg.  IV,  No.  2982.  -  "^^  Wenck  I,  6,  No.  104,  S.  69.  —  "»j  Ungedruckte  Urkunde.  — 
"^  Lacomblet  II,  106."),  1067;  Mittelrh.  Regg.  [V,  No.  :{093.  —  "*')  Die  betreffenden  Ur- 
kunilen  sind  von  Lacomblet  nicht  verütfentliulit;  Mitteilung  des  Herrn  Geh.  Arehivrat.s 
Dr.  Harless.  —   "")  .,IIerold''   1873,  S.  36.  —    '"-")  Ebendaselbst;  vergl.  oben  S.  22. 


30 

den  Erzbischof  WikbolJ  bestimmten  Geklsumme.'")  Am  27.  August  1301  soll 
König  Albreclit  dem  Grafen  von  Nassau  30  Mark  jährlicher  Einkünfte  von 
Kraft  von  Greifensteiu  versetzt  haben.'")  Sich  an  den  Wetterauischen  Reichs- 
städten Frankfurt,  Friedberg,  AVetzlar  und  Gelnhausen  wegen  der  durch  diese 
Städte  auf  Veranlassung  des  Königs  Adolf  erfolgten  Zerstörung  seiner  Burg 
Greifenstein  nicht  rächen  zu  wollen  und  auf  jeden  Schadenersatz  zu  verzichten, 
gelobte  Kraft  durch  Revers  vom  29.  Oktober  1301,  au  welchem  des  Ausstellers 
Siegel  wohlerhalten  ist.'-')  Mit  dieser  Verzichtleistung  mag  die  schon  erwähnte 
nicht  unbedeutende  Geldzahlung  der  Stadt  Wetzlar  an  Kraft  vom  4.  März  1301 
in  Zusammenhang  stehen;  ebenso  die  grösseren  Geldzahlungen,  welche  dieselbe 
Stadt  ihm  am  7.  und  22.  Mai  1302  wiederum  zu  Limburg  machte.''^)  Ver- 
mutlich hat  König  Albrecht  doch  bewirkt,  dass  die  Städte  ihre  That  durch 
eine  angemessene  Geldentschädigung  seines  Parteigenossen  und  Mitkämpfers 
sühnten.  Andererseits  aber  wies  der  König  unter  dem  3.  September  1302  den 
Grafen  von  Nassau  30  Mark  jährlich  auf  den  Edlen  Kraft  von  Greifenstein  an; 
wahrscheinlich  hatte  König  Albrecht  die  Herrschaft  Greifenstein  in  Besitz  ge- 
nommen und  den  Betrag  auf  die  Einkünfte  aus  derselben  angewiesen.  Den 
Zusammenhang  dieser  Verhandlungen  können  wir  aus  Mangel  an  Nachrichten 
nicht  weiter  aufklären.'-^)  Auf  die  Entschädigungen,  die  er  empfing,  kommen 
wir  zurück.  Zu  diesen  Entschädigungen  gehörten  wahrscheinlich  auch  die  Reichs- 
ieheu im  Gerichte  von  Morien,  die  ihm  anscheinend  persönlich  und  auf  Lebens- 
dauer verliehen  waren,  wie  im  folgenden  erörtert  werden  soll.  Die  Beträge, 
welche  Kraft  von  den  Wetterauischeu  Städten  als  Entschädigung  für  die  1298 
erlittenen  Verluste  in  diesem  Jahre  erhalten  hatte,  ermöglichten  ihm  die  pfand- 
weise Erwerbuno;  eines  Sitzes.  Er  streckte  dem  Erzbischofe  von  Trier  einen 
otfeubar  grösseren  Geldbetrag  vor,  für  welchen  der  Erzbischof  ihm  am  10.  August 
1302  zu  Koblenz  die  Burggrafschaft  Hartenfels  nebst  gewissen  Einkünften  zur 
Bestreitung  der  laufenden  Ausgaben  und  dem  Schultheissenamte  zu  Leudesdorf 
—  wo,  wie  wir  wissen,  Stammgüter  der  Greifenstein  lagen  —  verpfändete.'"*) 
Aus  diesem  Jahre  bleibt  noch  zu  erwähnen,  dass  Kraft  als  Vermittler  in  dem 
vorhin  besprocheneu  Streite  seiner  Verwandten  Agnes  von  Greifenstein  mit  dem 
Erzbischofe  von  Köln  wegen  der  Herrschaft  Neuerburg  auftrat.'-')  Am  7.  Mai 
1305  wird  er  in  einem  Schiedssprüche  des  Grafen  Gerhard  von  Jülich  genannt.''*) 
Da;3  Kraft  von  Greifenstein  in  dieser  Zeit  darauf  verzichtet  hat,  wieder  in  den 
Besitz  seines  Anteils  an  der  Herrschaft  Greifenstein  zu  gelangen,  können  wir 
nicht  wohl  annehmen.  Seine  etwaigen  Bemühungen  in  dieser  Beziehung  müssen 
aber  völlig  erfolglos  geblieben  sein,  so  dass  er,  wie  wir  aus  der  gleich  anzu- 
führenden Urkunde    von    1314,    Mai   11   erfahren,    es  vorzog,    den  Burgberg  zu 


•-•';  Lacomblet  II,  1047;  Ennen,  Quellen  III,  No.  502,  Geschichte  der  Stadt  Köln 
II,  26").  —  '--)  So  Allmenröder  im  .jUerold"  1873,  S.  36,  angeblich  aus  dem  Dillenburger 
Archive,  welches  jedoch  diese  Urkunde  weder  enthielt  noch  entliült.  —  '-^)  Regest  „Herold" 
isT.j,  S.  36,  von  Rsimer,  Hess.  Urk.-Buch  II,  2,  No.  >*  übersehen.  —  '-';  ^Herold"  lb73,  S.  36. 
—  '";  .irnoldi  I,  82,  Illb,  127;  Bühmer,  Regg.  Alberti  Xo.  399;  Philippi,  Siegener 
rrk.-Hii.h  Xo.  >^•_^  —  '-■•)  Mitteil,  aus  dem  Kölner  Stadtarcliiv  II,  4,  46.  —  '-')  Mitteil,  des 
ll'.Miii  (ioh.   .Vrcliivrat  Dr.   Ilarless.   —   '-";  Ennen,  Quellen   111,    Nu.  ■>-'.>. 


31 

Greifensteia  an  den  König  Albrecht  —  also  vor  1308,  Mai  1  —  zu  verkaufen. 
Näheres  über  den  Verkauf  wissen  wir  nicht.  Da  die  Geschichte  der  Herrschaft 
Greifeustein  hier  nicht  eingehender  dargestellt  werden  soll,  mögen  folgende 
kurze  Angaben  über  die  Gestaltung  der  Besitzverhältnisse  genügen.  Die 
Herrschaft  ging  zunächst  in  den  Besitz  von  Nassau-Dillenburg  über;  die  Grafen 
Heinrich  und  Johann  wurden  1308,  November  7  vom  Bischöfe  Emmerich  von 
"Worms  mit  derselben  belehnt'-*);  wie  diese  Belehnung  mit  dem  nicht  lange 
vorher  durch  Kraft  von  Greifenstein  erfolgten  Verkaufe  des  Burgberges  in  Ein- 
klano-  zu  bringen  ist,  ist  nicht  ersichtlich.  Des  Königs  Albrecht  Erben  be- 
haupteten den  Burgberg  als  ihr  Eigentum,  verzichteten  aber  später  auf  denselben 
zu  Gunsten  des  Hauses  Nassau-Dillenburg,  um  dessen  Beistand  zu  gewinnen. 
So  überliess  Herzog  Leopold  für  den  Fall,  dass  er  oder  sein  Bruder  Friedrich 
zum  Könige  gewählt  würde,  1314,  Mai  11,  den  Dillenburger  Grafen  den  Burg- 
berg, den  König  Albrecht  von  Kraft  von  Greifenstein  gekauft  hatte.'^")  König 
Friedrich  wiederholte  die  Verpfändung  am  2.  April  1315  und  am  28.  April 
1321.'^')  So  erteilte  denn  auch  Erzbischof  Heinrich  von  Köln  den  Nassauern 
am  23.  August  1324,  also  noch  zu  Krafcs  Lebzeiten,  die  Belehnung.'^-)  Die 
weitere  Geschichte  der  Burg  mag  hier  unberücksichtigt  bleiben,  wir  kehren  zu 
Kraft  zurück,  um  über  eine  eingreifende  Veränderung  in  seinem  bis  zum  Jahre 
1309  in  Köln  geführten  Familienleben  zu  berichten.  Dass  Kraft  seit  einer 
Reihe  von  Jahren  Beziehungen  zu  Köln  hatte,  ist  aus  dem  bisher  Gesagten 
erinnerlich.  Er  besass  in  der  Stadt  Köln  ein  neugebautes,  mit  einem  Erbzins 
belastetes  Haus,  genannt  Schoueweder,  gelegen  „/«  termino  pontis  sire  campa- 
narum,  cum  area  ante  et  retro,  suhtus  et  siiperius,  apiid  puteum  ruxta  äomum 
dictum  Vcdkhihurg  versus  sanctam  Columbam.''^  Das  Haus  lag  demnach  in  der 
Glockengasse. "^)  Leider  war  über  die  Geschichte  dieses  Hauses  nichts  weiterea 
zu  ermitteln.  Es  kann  wohl  angenommen  werden,  dass  das  Haus  Eigentum  der 
Kölner  Patrizierfamilie  Schoneweder  war  und  durch  Heirat  einer  Tochter  dieses 
Geschlechts  mit  Kraft  als  Heiratsgut  in  dessen  Besitz  kam.  Es  bleibt  eine 
solche  Annahme  jedoch  lediglich  Vermutung,  da  über  die  Gattin  Krafts,  wie 
wir  sehen  werden,  keine  Nachricht  vorliegt. 

Dieses  Haus  verkaufte  er  am  23.  März  1309  an  den  dortigen  Bürger 
"Werner,  des  Pantaleon  von  Mühlheira  Sohn,  und  dessen  Frau  Drude.'"^)  Viel- 
leicht können  wir  aus  diesem  Verkaufe  entnehmen,  dass  Krafto  damals  Köln 
verlassen  hat  oder  wenigstens  verlassen  wollte,  zumal  au  dem  Tage  des  Ver- 
kaufs, dem  23.  März,  wohl  schon  feststand,  dass  seine  Tochter  Irmgard'^')  in- 
folge ihrer  Verheiratung,  die  am  15.  November  jenes  Jahres  stattfand,  ihrem 
Manne  folgeu  und  Köln  verlassen  würde.  Seinem  Schwiegersohne  und  seiner 
Tochter    ist    er    damals    vielleicht    auf  deren  Besitzungen   in  Westfalen  gefolgt. 


»-^)  Ungedruokte  Urkunde.  —  *•''■')  Philippi,  Siegener  Urk.-Buch  No.  136.  —  "')  Da- 
selbst No.  139,  löl;  .,Horold'^  1873,  S.  48.  —  '")  Arnoldi  I,  86;  „Herold"  1873  a.  a.  0.  — 
'^^)  Sohreinsbuch  der  Stadt  Köln ;  nach  freundlicher  Mitteilung  des  Stadtarchivs  daselbst.  Auf 
Grund  dieses  ]5esitzes  führt  Fahne,  Kölnische  Geschlechter  F,  s.  v.  Greifenstein,  Kraft  auf, 
ohne  seine  Herkunft  aufzuklären.  —  "')  Schreinsurkunde,  Stadtarchiv  Köln.  —  '^^)  Fahne, 
Külnisohe  Geschlechter  I,  s.  v.  Birklin,  nennt  dieselbe  irrig  Iladwig. 


:^2 

Im  Jahre  1313  zog  es  ihn  jedoch  wieder  an  den  Rhein;  am  30.  Juni  d.  J. 
erscheint  er  als  Zeuge  ia  einer  Urkunde  des  Erzbischofs  Heinrich  11.  von  Köln.'^^) 

Den  letzten  Abschnitt  des  Lebens  unseres  Kraft  füllt  seine  Thätigkeit  im 
Dienste  der  Stadt  Köln;  dieselbe  begann  am  25.  Februar  1314.  An  diesem 
Tage  wurde  Krafc  erblicher  Edelbürger  der  Stadt  gegen  ein  Rentlehen  von 
18  Mark  jährlich  mit  der  Yerptiichtung,  der  Stadt  mit  zwei  Rittern  und  acht 
Knappen  Kriegsdienste  zu  leisten."')  Das  an  dieser  Urkunde  befindliche  Siegel 
ist  nicht  mehr  von  dem  vorhin  beschriebenen  dreieckigen  Stempel,  sondern  von 
einem  zweiten,  kleineren,  kreisrunden  Stempel,  dessen  Abdruck  alle  weiterhin 
von  ihm  für  die  Stadt  ausgestellten  Urkunden  aufweisen.  Die  Umschrift  lautet: 
S.  Craftouis  de  Grifenstein.'^')  Auf  diese  Rente  bezügliche  Urkunden  und 
Quittungen  stellte  Kraft  dem  Rate  von  Köln  aus  1314,  November  15;  1315, 
Oktober  20;  1316,  November  13;  1317,  Oktober  29;  1318,  Januar  8;  1319, 
Dezember  21  (Anweisung  derselben  auf  seinen  Verwandten  Konrad  von  Haiger); 
1320,  Juli  15  und  November  5;  1321,  September  18;  1324,  November  12; 
1325,  November  29;  wenigstens  sind  diese  Urkunden  erhalten.'^*)  Die  letztere 
Quittung  ist  von  Interesse,  da  sie  die  letzte  von  Kraft  vor  seinem  Tode  aus- 
o-estellte  ist.  —  Am  28.  Juni  1317  verüflichtete  er  sich  zu  Köln  zur  Beob- 
achtung  des  Landfiiedens'"");  am  29.  Oktober  d.  J.  linden  wir  ihn  bei  dem 
Erzbischofe."")  Das  folgende  Jahr  zwang  ihn  zum  Kampfe  gegen  den  fried- 
brüchigen Fürsten.  Als  Helfer  der  Stadt  Köln  zog  er  mit  seinem  Verwandten 
Konrad  von  Haiger  und  acht  anderen  vor  des  Erzbischofs  Schloss  Brühl,  von 
wo  aus  der  Landfriede  durch  den  Erzbischof  gebrochen  war.  Er  gehörte  hier 
zu  den  Geschworenen  des  Landfriedens,  einer  mit  der  Leitung  der  gegen  den 
Erzbischof  zu  treffenden  Massregeln  beauftragten  Kommission."') 

Am  15.  August  1320  finden  wir  Kraft  wieder  bei  dem  Erzbischofe;  am 
8.  November  d.  J.  besiegelte  er  einen  Schiedsspruch,  Streitigkeiten  Kölner 
Bürger  betreffend."'') 

Der  Gehaltsquittungcn,  welche  er  in  dieser  Zeit  der  Stadt  Köln  ausstellte, 
ist  vorhin  gedacht.  Die  letzte  dieser  Quittungen  ist  von  1325,  November  29; 
die  für  das  erste  Halbjahr  1326  fällig  gewesene  fehlt.  Kraft  muss  bald  nach 
Ausstellung  dieser  Quittung  gestorben  sein.  Da  nämlich  König  Ludwig  der 
Baier  am  16.  Juli  1326  das  durch  Kraft  von  Greifensteins  Tod  erledigte  und 
dem  Reiche  angefallene  Lehen  „vom  riche  an  dem  gerichte  und  auch  in  den 
gerichten  zu  Morle"    an    Gotfrid  von  Eppenstein  gab"'),   können   wir   wohl  an- 


"")  Lacomblet  III,  124.  —  *")  Ennen,  Quellen  IV,  Xo.  18  mit  falschem  Tage 
September  22  und  ungenauer  Angabe  «ler  Umschrift  des  Siegels;  Mitteilungen  a.  d.  Kölner 
Stadtarchiv  11,  f),  18.  -  '•"'}  Vorgl.  die  Abbildung  Taf.  I,  No.  6.  -  '''')  Mitteilungen  aus 
dem  Külner  Stadtar.hiv  II,  5,  S.  19,  2:5,  26,  31,  36,  38,  41,  43,  .^6,  Ö9.  -  "")  Ennen, 
Quellen  llf,  No.  43  mit  falschem  Tage;  Mitteil.  a.  d.  Stadtarchiv  II,  5,  29,  Siegel  Krafts  gut 
erhalten.  -  "';  Lacomblet  III,  163.  -  '"j  Ennen,  Quellen  IV,  No.  60;  Mitteil,  aus  dem 
Stadtarchiv  II,  :.,  33;  Ennen,  Geschichte  der  Stadt  Köln  II,  291.  -  '")  Lacomblet  III, 
124;  Ennen,  Quellen  IV,  '.tO.  —  "*)  Senckenber jr,  Sei.  Jur.  I,  llt.-);  Reinhard.  Kl. 
Au.s'führungcn  \IIl,  327;  Archiv  für  Hess.  Geschichte  I,  r.i:.,  V,  121»;  Bühmer,  Regg. 
Ludov.  Nu.  ss7. 


33 

nehmen,  dass  Kraft  zu  Anfang  des  Jahres  1326  gestorben  war.  Als  verstorben 
bezeichnet  ihn  auch  im  allgemeinen  eine  in  stadtkülnischen  Angelegenheiten 
ergangene  Bulle  des  Papstes  Johann  XXII.  von   1329,  Juli  27,'") 

Dieses  Lehens  zu  Morien  haben  wir  schon  vorhin  gedacht  und  die  Ver- 
mutung ausgesprochen,  dass  es  ihm  persönlich  und  auf  Lebenszeit  als  Ent- 
schädigung für  die  im  Jahre  1298  erlittenen  Verluste  gegeben  sei.  Von  dem 
Zeitpunkte  der  Verleihung  sowie  von  der  Qualität  dieses  Lehens  wissen  wir 
freilich  urkundlich  nichts.  Es  liegt  uns  keine  Angabe  darüber  vor,  dass  es  ein 
erbliches  Stammlehen  des  Hauses  Greifenstein  war''*^),  was  vermutlich  doch  der 
Fall  gewesen  sein  würde,  wenn  es  ein  älteres  Reichslehen  des  genannteu  Hauses 
gewesen  wäre.  Dass  es  vielmehr  ein  Kraft  nur  persönlich  und  auf  Lebens- 
zeit verliehenes  Lehen  war,  wird  dadurch  wahrscheinlich,  dass  es  nach  seinem 
Tode  für  erledigt  erklärt  wurde,  während  noch  direkte  Nachkommen  des  Lehus- 
trägers,  auf  die  es  als  Erblehen  hätte  übergehen  müssen,  am  Leben  waren. 
Hierauf  stützt  sich  unsere  Vermutung  über  die  Qualität  des  Lehens. 

Ehe  wir  zur  Zusammenstellung  der  Nachrichten  über  die  Nachkommen 
Krafts  übergehen,  gedenken  wir  kurz  seiner  Geschwister.  Mit  Sicherheit 
ist  nur  ein  Bruder,  Rorich  von  Greifenstein,  nachzuweisen,  dessen  Lebens- 
nachrichten, um  den  Gang  der  Darstellung  hier  nicht  zu  unterbrechen,  am 
Schlüsse  folgen  werden. 

Von  der  Gemahlin  Krafts  V.  wissen  wir  urkundlich  nichts.  Es  wurde  schon 
die  Vermutung  aufgestellt,  dass  sie  dem  Kölner  Patriziergeschlechte  Schoneweder 
angehörte.  Durch  sie  würde  dann  Kraft  Eigentümer  des  Hauses  Schoneweder 
geworden  sein,  welches  er  1309,  März  23  verkaufte."')  Ihr  und  ihrer  Kinder 
Leben  wird  nach  dem  schweren  Missgeschicke,  von  welchem  das  Haus  Greifen- 
stein im  Jahre  1298  betroffen  wurde,  kein  freudiges  mehr  gewesen  sein. 

Von  Kindern  Krafts  sind  zwei,  ein  Sohn  und  eine  Tochter,  bekannt.  Ersterer 

2.  Ropert  L  von  Greifenstein  1300,  1303,  wird  urkundlich  nur  in 
diesen  beiden  Jahren  genannt.  Zunächst  in  der  vorerwähnten,  von  seinem 
Vater  1300,  November  11  für  Kloster  Marienstatt  ausgestellten  Urkunde,  in 
welcher  er  ausdrücklich  nobilis  und  Sohn  Krafts  genannt  wird.  Bald  darauf 
war  er  Gefangener  der  Stadt  Köln  geworden,  wie,  ist  nicht  ersichtlich.  Hier 
gelobte  Roperfus  miles  filins  nobilis  viri  domini  Craßonis  de  Grifenstein  der 
Stadt  am  1.  Februar  1303,  am  24.  Februar  in  die  städtische  Haft  zurückzu- 
kehren und  während  seiner  Beurlaubung  den  Frieden  zu  halten."')  Da  Rudolf 
von  Reifferscheidt  diesen  Revers  besiegelte,  führte  der  wohl  noch  in  jugend- 
lichem Alter  befindliche  Ropert  keines. 

Über  Ropert  wissen  wir  weiter  nichts;  wir  können  annehmen,  dass  er 
frühzeitig,  anscheinend  vor  seinem  Vater,  gestorben  ist  und  zwar  mit  Hinter- 
lassung eines  Sohnes.  Freilich  liegt  ein  urkundlicher  Beweis,  dass  der  gleich 
zu    besprechende  Johann    von    Greifenstein    des  Ropert  Sohn  war,    nicht    vor; 


"*)  Ennen,  Quellen  IV,  No.  154.  —  "^)  Wie  Landau,  Wetterau  S,  50  anzunehmen 
scheint.  —  '")  Vergl.  oben  S.  31.  —  "*)  Ennen,  Quellen  III,  515;  Mitteil,  aus  dem  Kölner 
Stadtarchiv  II,  4,  47. 

3 


34 

aber  durch  diese  Annahme  erhält  die  Stammtafel  des  Geschlechts  die  wahr- 
scheinlichste Gestaltung.  Ruperts  Gemahlin  kijnnte  eine  Kölner  Patriziertochter 
gewesen  sein.     Auch  über  diesen 

3.  Johann  I.  von  Greifenstein,  den  wir  also  als  Sohn  Iloperts  be- 
trachten, wissen  wir  äusserst  wenig.  Aus  dem  Umstände,  dass  wir  überhaupt 
seit  der  Zeit  Krafts  Y.  über  die  Glieder  des  Geschlechts  nur  noch  äusserst 
dürftige  Nachrichten  haben,  können  wir  wohl  mit  Recht  auf  dessen  Zurück- 
gang  und  Verarmung  schliessen. 

Am  13.  November  1330  verpflichten  sich  Johann  von  Greifenstein  und 
sein  Vetter,  der  Kölner  Patrizier  Ruprecht  Kraft  Birkelin  nebst  13  anderen 
Rittern  und  Knechten,  dem  Grafen  Dietrich  von  Kleve  insgemein  200  Mark  zu 
zahlen.  Johann  führt  hier  im  Siegel  das  Wappen  seines  Grossvaters,  den  mit 
dem  fünflatzigen  Turnierkragen  bedeckten  Iseuburger  Schild,  zwischen  den 
beiden  Querbalken  des  Wappens  aber  roch  eine  Gleve  oder  Lilie  als  Bei- 
zeichen. Ist  die  vorhin  ausgesprochene  Vermutung  richtig,  dass  des  Johann  I. 
Vater,  Ropert  L,  vor  seinem  Vater  Kraft  V.  starb,  so  können  wir  wohl  an- 
nehmen, dass  Johann  dieses  Wappen  mit  dem  Beizeichen  zu  Lebzeiten  seines 
Grossvaters  Kraft  V.  von  Greifensteiu  führte,  um  sein  verwandtschaftliches 
Verhältnis  zu  demselben  zu  kennzeichnen.  Die  Umschrift  des  Siegels  lautet: 
t  S.  Johannis  de  Grifinsteyn.'")  Derselbe  Johann  verpfändete  1333,  April  27 
an  Godart  von  Jülich  sein  Gericht  Verkenhoven;  mit  ihm  siegelten  sein  Mage 
Syvard  von  Rennenberg,  Domherr  zu  Köln,  und  sein  Neffe  Johann  von  Calmut. 
Das  hier  erhaltene  Siegel  Johanns  ist  dem  vorhin  beschriebenen  gleich,  nur 
fehlt  das  dort  befindliche  Beizeichen,  zu  dessen  Beibehaltung  nach  dem  Tode 
des  Grossvaters  Kraft  keine  Veranlassung  mehr  vorlag.''")  Das  ebengenannte 
Gericht  Verkenhoven  ist  jetzt  Frankeshofen  im  Kirchspiel  Niederembt,  Kreis 
Bergheim,  Regierungsbezirk  Köln ;  es  könnte  das  Heiratsgut  der  Frau  Johanns 
gewesen  sein.  Aus  der  Verpfändung  ist  wohl  abzunehmen,  dass  die  Vermögens- 
lage Johanns  keine  glänzende  war. 

Weitere  Nachrichten  über  Johann  liegen  nicht  vor;  von  der  Person  seiner 
Frau  und  von  seinen  Nachkommen  wissen  wir  nichts,  doch  möchten  wir  zwei 
Greifenstein,  die  etwa  40  Jahre  nach  Johanns  letztem  urkundlichen  Vorkommen 
genannt  werden,  als  seine  Söhne  betrachten.     Es  sind  dies 

4.  Johann  IL  von  Greifenstein,  der  1370,  März  20  mit  Johann  von 
Langenau  des  Heinrich  Meynenvelder  von  Ehrenbreitstein  Helfer  gegen  die 
Stadt  Köln  wurde.'")     Die  Urkunde  ist  durch  Johann  leider  nicht  besiegelt. 

Schwierig  bleibt  die  Deutung  des  von  diesem  Johann  geführten  Beinamens 
„von  Steinenbach".  Vermutlich  soll  dessen  Wohnsitz  bezeichnet  werden;  ist 
Steinebach  bei  Altenkirchen  gemeint,  so  können  wir  dasselbe  vermutungsweise 
als  einen  den  Greifenstein  verbliebenen  Besitz  ansehen,    auf  dem  Johann  sass. 


"*)  Vergl.  die  Abbildung  Tat".  I,  Xo.  7.  Die  Urkunde  in  den  Mitteilungen  aus  dem 
Külner  Stadtarchiv  II,  :>,  S.  7(;,  No.  1311.  Beziiglicb  des  Beizeichens  verdanke  ich  Herrn 
Kd.  Rosenkranz,  xowic  dem  Külner  .Stadtarchive  Mitteilungen.  —  ""»  Vergl.  Lac oni biet 
lll,  -jr.H.  .\bbihlung  des  Siegels  Taf.  1,  No.  s.  _  '•■',  Miitcil.  aus  dorn  Külner  .Snidtarchiv, 
Heft  T2,  y.  rt4,  No.  ÜO. 


35 

Gleichfalls  in  der  dortigen  Gegend,  in  der  Nähe  von  Marieustatt  und  Hachen- 
burg,  scheint  noch  mit  dem  Überreste  des  Greifensteicer  Guts  angesessen  ge- 
wesen zu  sein  der  letzte  des  Geschlechts 

5.  Ropracht  II.  von  Greifenstein,  1374 — 1408,  den  wir  gleichfalls 
als  Sohn  Johann  I.  und  Bruder  des  ebengenannten  Johann  IL  ansehen.  Über 
diesen  Ropracht  liegen  folgende  urkundliche  Nachrichten  vor.  Am  25.  Juli 
1374  trat  er  in  den  Dienst  der  Stadt  Küln.'^')  Offenbar  noch  unverheiratet 
verpfändete  er  1377,  März  19  sein  Haus  Kleeberg  bei  Hachenburg  für  150 
Gulden  an  Arnold  von  Wilmerode.'"')  Einen  Streit  mit  dem  Domkapitel  zu 
Köln  über  Güter  zu  Husen  im  Kirchspiel  Erpel  legte  er  im  Jahre  1384  bei."^) 
Am  19.  Januar  1408  verkaufte  er  mit  seiner  Frau  Xesa  und  seiner  Tochter 
Elisabeth  dem  Kloster  Marionstatt  6  Malter  Molterfrucht,  welche  ihnen  jährlich 
aus  der  Klostermühle  zu  Heuzerod  zustanden,  2  Malter  Hafer  und  viertehalb 
Weisspfennige,  die  ihnen  jährlich  aus  des  Klosters  Hofe  zu  Streithausen  fielen, 
sowie  die  Fischerei  zu  AVyngenroide ;  Mitsiegler  war  Heinrich  von  Wederbach. 
"Vom  Siegel  Roprachts  ist  nur  der  untere  Teil  erhalten,  doch  sind  die  Isen- 
burger  Querbalken  deutlich  sichtbar.'^'')  Und  am  30.  Juli  1408''«)  verkauften 
derselbe  Ropracht  von  Gryffensteiu,  Nesa,  seine  Frau  und  beider  Tochter  Elysa- 
beth  dem  Kloster  Marienstatt  eine  Rente  zu  Walgenrod  (Waldenroide),  Mitsiegler 
war  Johann  von  Bicken.  An  dieser  Urkunde  ist  wie  an  der  vorhin  genannten  von 
1377,  März  19  das  Siegel  Roprachts  gut  erhalten,  es  ist  ein  kleines,  schlecht 
gearbeitetes  Rundsiegel,  wie  solche  bei  dem  niederen  Adel  geführt  wurden.  Ei 
zeigt  dasselbe  Wappen,  wie  Kraft  und  Johann  es  führten,  den  Isenburger 
Schild  mit  dem  fünflatzigen  Turnierkragen.  Umschrift:  S.  Roprecht  van  Grifen- 
steyn.'"")  AUmenröder  irrt  somit,  wenn  er  diesen  Ropracht  der  von  ihm 
angenommenen  Hachenburger  Linie  zuteilt.'"') 

Mit  dieser  Urkunde  enden  die  Nachrichten;  Ropracht,  der  keine  Söhne 
besass,  war  der  letzte  des  Geschlechts  von  Greifenstein. 

AUmenröder  zwar  kennt  noch  einen  Kraft  von  Greifenstein,  den  er  der 
von  ihm  als  „Wetzlarer  Linie"  bezeichneten  Linie  zuzählt  und  ,1404  condomi- 
nu3  in  Greifenstein"  sein  lässt."')  Ersteres  ist  Yermutung  Allmenröders, 
letzteres  beruht  auf  Angabe  des  schon  mehrfach  genannten  Sekretärs  Hayl'""), 
nach  welcher  1404  sich  ein  gewisser  Kraft  Mitherr  von  Greifenstein  genannt 
haben  soll.     Spätere  Bearbeiter'")  der  Geschichte  Greifensteins  nehmen  an,  dass 

'")  EnneiK  Quellen  V,  S.  54,  Xote  1.  —  '^»)  ÜDgedruckte  Urkunde.  —  '^*)  Mitteil, 
des  Herrn  Geh.  Archivrats  Dr.  Harless.  —  '^')  Ungedruckte  Urkunde;  vergl.  Vogel  S.  693; 
„Herold"  1873,  S.  48;  Himmelreich,  Grreifensteiner  Chronik  mit  dem  unrichtigen  Jahre 
1418.  Nach  dem  Lagerbuche  der  Abtei  Marienstatt  ist  die  Fischerei  in  der  grossen  ^'ister  zu 
Ehrlich  bei  Kroppach  gemeint;  dieselbe  begann  zu  Wingert  an  der'.,8tump  Eich"  und  endete 
zu  Ehrlich  am  Steinsei  nach  einem  Weistum  von  1558.  Diese  Fisclierei  wird  zu  den  allen 
Besitzungen  des  Hauses  Greifenstein  bei  Hachenburg  gehören.  —  ^^^)  Himmelreich  a.  a.  0. 
mit  1418.  —  '5'j  Vergl.  die  Abbildung  Taf.  I,  Xo.  10.  —  '='')  Heldmann,  Gesch.  des  Gerichts 
Viermunden,  Zeitschr.  des  Vereins  für  Hessische  Geschichte  1895,  XX,  S.  360  setzt  das  Aus- 
sterben des  Geschlechts  irrig  in  das  Jahr  1407.  —  *''^)  „Herold"  is73,  S.  48.  —  """)  Hayl 
a.  a.  0.  —  >«')  «chaum  S.  59;  Graf  Solme  S.  27;  vergl.  auch  Ileldmann,  Ge.sch.  des 
Gerichts  Viermunden,  Zeitschr.  für  Hess.  Geschichte,  X.  F.  XX,  S.  360. 

3* 


36 

demselben  nur  der  Aufenthalt  auf  Greifenstein  gestattet  worden  sei,  da  er  nach 
Lage  der  Sache  ein  Besitzrecht  dort  nicht  mehr  habe  ausüben  können. 

Die  vorstehende  Angabe  Hayls  wird  keinen  grösseren  Wert  haben,  als  die 
andere,  die  Zerstörung  der  Burg  Greifeustein  um  1280  betreffende,  die  schon 
vorhin  in  Zweifel  gezogen  werden  rausste.  Für  die  Existenz  dieses  Kraft  um 
1404  liegt  nicht  der  geringste  Beweis  vor;  jedenfalls  ist  er  aus  der  Reihe  der 
Greifensteiner  zu  streichen.  An  eine  Verwechselung  mit  Kraft  von  Roden- 
hausen'") zu  denken,  scheint  ausgeschlossen. 

Dann  haben  wir  noch  der 

6.  Irmgard'")  von  Greifenstein,  der  Tochter  Kraft  V.  und  Schwester 
Ropracht  I.  zu  gedenken. 

Irmgard  verheiratete  sich  in  Köln  mit  dem  dortigen  Patrizier  Ritter 
Hildeger  Heinrich  Birklin,  der  1294  als  Schöffe  genannt  wird.  Aus  der  Ehe 
waren  drei  Söhne  hervorgegangen:  Hildeger,  Ruprecht  (Kraft?)  und  Kraft'^*),  zu 
deren  Gunsten  die  Mutter  am  15.  November  1309,  vermutlich  an  dem  Tage, 
an  welchem  sie  zur  zweiten  Ehe  mit  dem  Grafen  Dietrich  HI.  von  Limburg 
aus  dem  westfälischen  Dyoastengeschlechte  schritt,  auf  das  ihr  zustehende 
Nutzungsrecht  an  dem  Gute  ihres  ersten  Mannes  verzichtete.  Graf  Dietrich  HI. 
von  Limburg  hatte  an  demselben  Tage  seine  Zustimmung  zu  dieser  Verzicht- 
leistung gegeben. '"") 

Die  Söhne  der  Irmgard  von  Greifenstein  aus  ihrer  ersten  Ehe  mit  Heinrich 
Hildeger  Birklin  führten  im  Siegel  einen  gevierteten  Schild,  dessen  erstes  und 
viertes  Feld  das  Wappen  der  Birklin,  einen  aufrechtstehenden  Bären,  dessen 
zweites  und  drittes  Feld  das  Wappen  Isenburg-Greifenstein,  die  mit  dem  Tur- 
uierkragen  bedeckten  Querbalken,  hatten.  So  siegelte  Ruprecht  (Kraft?)  an 
einer  Urkunde  von  1330,  November  13.'"^)  Diese  Nachkommen  Irmgards  kom- 
men hier  nicht  weiter  in  Betracht. 

Über  Irmgard  von  Greifenstein  habe  ich  Nachrichten  aus  der  Zeit  ihrer 
zweiten  Ehe  nicht  ermitteln  können.  Die  Kinder  aus  dieser  Ehe  sind  hier 
gleichfalls  nicht  mehr  zu  berücksichtigen. 

7.  Rorich  von  Greifenstein.  Nachdem  wir  somit  die  Nachkommen 
Krafts  V.  bis  zum  Erlöschen  dieser  von  ihm  gestifteten  Linie  verfolgt  haben, 
bleibt  noch  dessen  Bruder  Rorich  zu  besprechen.  Weitere  Geschwister  wie 
diese  beiden  sind  nicht  bekannt. 

Rorich  erscheint  neben  Kraft  V.,  als  dessen  Bruder  er  ausdrücklich 
bezeichnet  wird,  1287,  Januar  28  als  Bürge  für  Eberhard  und  Johann  von 
Haiger,  welche  vermutlich  in  verwandtschaftlichen  —  welchen,  ist  nicht  zu  er- 
mitteln —  Beziehungen  zu  ihnen  standen;  für  ihn  siegelte,  da  er  kein  Siegel 
führte,  sein  Bruder.'") 


'**)  Vogel  S.  251.  —  '-^)  Nicht  Hadwig,  wie  Fahne,  Köln.  Geschlechter  I,  s.  von 
Birklin.  —  '"^j  Vergl.  die  Stammtafel  des  Geschlechts  Birklin  in  den  Mitteil,  aus  dem  Kölner 
Stadtarchiv,  Heft  25,  S.  :if55.  —  '",)  Urkunden  der  Schreinsbücher;  nach  Mitteil,  des  Kölner 
Stadtarchirs.  —  "'"',/  Mitteilung  aus  dem  Kölner  Stadtarchive  II,  5,  S.  76;  siehe  Abbildung 
Tuf.  I,  No.  'J.    -    "'•)  Wyss,  Hess.  Urk.-Buoh  I,  469. 


37 

Mit  seinem  Bruder  Kraft  und  seiuem  Verwandten  Gerhard  11.  verkaufte 
er  mit  der  schon  früher  besprochenen  Urkunde  von  1287,  November  13  dem 
Kloster  Marienstatt  Güter;  sein  Siegel  ist  nicht  erhalten,'^')  Weiter  schloss  er 
mit  beiden  Genannten  den  ebenfalls  schon  erwähnten  Vergleich  mit  Nassau- 
Dillenburg  vom  25.  Januar  1290."'^)  Im  Jahre  1291  wurde  er  Burgmann 
Philipps  und  "Werners  von  Falkenstein-Künigstein  auf  deren  Burgen,  ölfnete 
denselben  seine  Burg  Greifenstein  und  wurde  deren  Helfer  gegen  den  Erz- 
bischof von  Köln  und  Sifrid  II.  von  Westerburg,  seinen  Magen;  über  die  hier 
angegebene  verwandtschaftliche  Beziehung  ist  nichts  zu  ermitteln.'"")  Rorich 
besiegelte  die  Urkunde,  da  jedoch  diese  wie  die  vorhergehende  bisher  nur  in 
Abschrift  vorlieger,  ist  kein  Abdruck  seines  Siegels  bekannt. 

Von  Rorich  von  Greifenstein  haben  wir  überhaupt  keine  weiteren  Nach- 
richten; wir  wissen  nicht  einmal,  ob  er  die  bald  darauf  erfolgte  Zerstörung  der 
Stammburg,  die  er  noch  1291  bewohnte,  sowie  den  hiermit  verbundenen  Zu- 
sammenbruch seines  Geschlechts  erlebt  hat.  Mit  ihm  schliessen  wir  die  Nach- 
richten über  dia  Greifenstein, 


III.    Beilagen. 

a)  Die  aus  dem  Hause  Beilstein-Greifenstein  hervorg-egangenen 

Geschlechter. 

1.  Die  Herren  von  Lichtenstein.  Dass  die  Herreu  von  Lichtenstein 
ein  Zweig  des  Geschlechts  von  Greifenstein  sind,  hat  zuerst  Gudenus,  und 
zwar  auf  Grund  der  Gleichheit  des  Wappens  beider  Geschlechter,  ausgeführt.'"') 
Die  Geschichte  und  Genealogie  dieses  Geschlechts,  welches  urkundlich  zwischen 
den  Jahren  1229  bis  1357  auftritt,  ist  von  allen  bisher  genannten  Forschern 
behandelt  oder  wenigstens  berührt,  welche  sich  mit  der  Geschichte  des  Haupt- 
stammes beschcäftigt  haben,  namentlich  hat  Vogel  in  trefflicher  Weise  eine 
Übersicht  über  die  Geschichte  des  Geschlechts  gegeben.''")  Die  Regesten 
weniger  bis  dahin  unbekannter  Urkunden  gab  Allmenröder''^)  aus  dem  Archive 
des  Marienstifts  zu  Wetzlar.  Das  Wappen  des  Geschlechts,  welches  dem  des 
Hauptstammes  gleich  war,  ist  bei  von  Goeckingk''*)  beschrieben.  Hier  wird 
bemerkt,  dass  die  Lichtenstein  seit  dem  Anfange  des  14.  Jahrhunderts  einen 
achtfach  geständerten  Schild  führen.  Da  dieses  Wappen  das  des  Geschlechts 
von  Mudersbach  ist,  kann  ein  Glied  dieses  Geschlechts  durch  Erbfolge  in  den 
Besitz  der  Herrschaft  Lichtenstein  gelangt  sein. 

Da  zu  diesen  bisherigen  Bearbeitungen  bezw.  Mitteilungen  über  die 
Geschichte  des  Geschlechts  von  Lichtenstein  wesentlich  Neues  nicht  beizubringen 
ist,    kann    von    einer   nochmaligen  Darstellung   um  so  mehr  abgesehen  werden, 


*"'*)  Ungedruckte  Urkunde;  A'ogel  S.  250,  693  irrig  mit  dem  Jahre  1297.  —  ^•"'^)  Ar- 
noldi  I,  77;  Philippi,  Siegener  ürk.-Bucli  No.  58.  —  ''">  Sauer,  Xass.  Urk.-Buch  I, 
No.  1132.  —  '"'j  Gudenus  II,  230.  —  ''-)  Vogel,  Annalen  I,  2,  222;  Beschreibung  S.  251 ; 
vergl    auch  S.  725,  728.    —  '■^)  , Herold-  1873,  S.  48.  —  ''*)  v.  Goeckingk  S.  11. 


38 

als   nicht   Dachzuweisen    ist,    wie   und    zu  welchem  Zeitpunkte  die  Lichtenstein 
sich  von  dem  Stamme  — •  ob  Beilstein  oder  Greifenstein  —  abzweigten. 

2.  Die  Herren  von  Mudersbach,  von  Greifenstein  und  von  Stein- 
bach. Dass  die  von  Mudersbach  eines  Stammes  mit  den  Edelherren  von 
Greifenstein  seien,  hat  Gudenus'"')  auf  Grund  der  gleichen  Wappen  für  mög- 
lich gehalten.  Vogel  war  geneigt,  dieser  Meinung  beizutreten.  Aus  dem  Um- 
stände, dass  das  dem  niedern  Adel  angehörige  Geschlecht  von  Mudersbach  im 
AVappen  ein  an  den  Rändern  gekerbtes  Kreuz  führte,  können  wir  eine  Be- 
stätigung der  ausgesprochenen  Vermutung  entnehmen,  dass  die  Greifenstein 
selbst  ein  Kreuz  im  Wappen  führten. 

In  dem  vorliegenden  Falle  auf  Grund  des  gleichen  Wappens  beider 
Geschlechter  auch  die  gemeinsame  Abstammung  beider  anzunehmen,  geht  zu 
weit.  Es  liegt  kein  Beweis  dafür  vor,  dass  die  Mudersbach  jemals  zu  den 
Edelgeschlechtern  gehörten;  sie  waren  immer  dem  niederen  Adel  angehörig. 
Als  solche  werden  sie  Burgmänner  auf  der  Burg  Greifenstein''^)  gewesen  sein  und 
gleichfalls,  wie  dies  häufig  der  Fall  war,  das  Wappen  ihres  Herrengeschlechts 
angenommen  haben.  Von  ihnen  wird  sich  das  dem  niederen  Adel  angehörende 
Geschlecht  von  Steinbach  abgezweigt  haben,  die  seit  1271  in  Steinbach,  Amt 
Selters  vorkommen'")  und  gleiches  Wappen  mit  den  Mudersbach  hatten. 

Mehrere  Glieder  des  Geschlechts  von  Mudersbach,  auf  dessen  Genealogie''*) 
wir  hier  nicht  weiter  eingehen  können,  führten  den  Namen  Greifenstein,  zweifel- 
los von  ihrem  Burgsitze  daselbst.     Von  diesen  sollen  hier  angeführt  werden 

Eibelo  miles  de  Greifenstein,  Bruder  des  Ludwig  von  Mudersbach.'"*) 
Urkundlich  wird  derselbe  1255,  1259,  1264,  1281  genannt.''")  Das  Nekro- 
logium  des  Klosters  Marienstatt  hat  zum  1.  Juli  die  Eintragung  „Ohiit  Eyhelo 
miles  de  Grifemtein  cum  fillis  qui  henefecerunt  nobis.^  Ob  der  Name  des 
Hofes  Yvelberg  bei  Marienstatt  auf  seinen  Namen  zurückzuführen  ist? 

In  welchem  Zusammenhange  mit  ihm  Manegoldus  de  Greifenstein 
steht,  der  1274,  Juni  2  Zeuge  in  der  Urkunde  Hartrads  von  Merenberg  für 
das  Deutschordeushaus  zu  Marburg  ist'^'),  kann  nicht  aufgeklärt  werden. 

Konrad  Wüste  von  Greifenstein  bezeichnet  sich  1281,  September  18 
als  Sohn  des  Ludwig  von  Mudersbach.'*') 

Ob  und  wie  endlich  Kuno  von  Greifenstein,  dem  1317  das  Domkapitel 
vou  Köln  ein  Haus  daselbst  verpachtete"*^),  zu  dem  Geschlechte  gehörte,  oder 
ob  er  Bürger  daselbst  war,  muss  dahingestellt  bleiben.  Die  in  Frankfurt  im 
15.  Jahrhundert    vorkommende  Familie  Greifenstein   war   bürgerlichen  Standes. 


"')  ir,  121.  —  '^'"'j  Die  Zalil  der  Burgmänner  auf  Greifenstein  wird  klein  gewesen 
sein.  Urkundlich  kennen  wir  als  solchen  noch  den  Ritter  Everhard  von  Ilaiger  1288,  La- 
corablet  II,  852.  —  '")  Nicht  1270,  wie  Vogel  S.  685,  der  daselbst  ungeaclitet  dieser 
Angabe  die  von  Steinebacli  von  1273  ab  vorkommen  lässt.  —  '^*)  Die  früher  von  Vogel, 
Annalen  I,  2  gesammelten  Nachrichten  über  das  Geschlecht  können  sehr  erweitert  werden.  — 
''^)  Wyss,  Hess.  Urk.-Buch  I,  No.  201.  —  ""')  Ungedruckte  Urkunden,  dann  Gudenus  II, 
121,122;  -Mittelrh.  Urk.-Buch  III,  1305;  Wyss,  Hess.  Urk.-Buch  I,  201;  Mittelrh.  Regg.  III, 
1327,  1649.  -  "")  Gudenus  IV,  924;  Wyas,  Hess.  Urk.-Buch  I,  303.  —  '**)  Ungedruckte 
Urkunde.   —   '"'j  Staatsarchiv  Düsseldorf. 


39 

Ebensowenig  haben  dem  Ilorrengeschlechte  angehört  Kraft  von  Greifen - 
stein,  des  Erzbischofs  Jacob  von  Trier  Muudkoch,  und  dessen  Sohn  Simon, 
Dieses  Mundkochs  Namen  Kraft  autfallend  zu  finden,  wie  Allmeüröder'")  will, 
liegt  kein  Grund  vor. 

b)  Die  Advocati  de  Hachenburg-,  die    mit  denselben  stammverwandten 

Geschlechter  und  die  Ausbreitung  des  Stammes  der  Walpoden  von  der 

Neuerburg  zwischen  Rhein,  Lahn  und  Dill. 

Die  Geschichte  des  edlen  Geschlechts  der  Vögte  von  Hachenburg 
folgt  hier  im  besonderen,  weniger  wegen  der  Bedeutung  dieses  Geschlechts  und 
der  einzelnen  Glieder  desselben,  als  weil  hierbei  Gelegenheit  gegeben  wird, 
einige  Bemerkungen  über  eine  grosse,  vom  Rhein  über  den  Westerwald  bis 
an  die  Sieg  und  die  Dill  ausgebreitete  Blutsverwandtschaft  adeliger  Geschlechter 
zusammenzustellen.  Es  ist  dies  ein  Stamm  ursprünglich  dem  Stande  der  Edlen 
angehöriger,  später  zum  niedern  Adel  gekommener  Geschlechter,  welche  drei 
Schrägrechts  gestellte  Rauten  im  Wappen  führten.  Dieser  Rauten- 
balken bildete  die  eigentliche  Schildfigur;  dass  die  einzelnen  Zweige  des  grossen 
Stammes  den  Schild  in  den  Farben  und  durch  Beizeichen  änderten,  ist  selbst- 
verständlich. Allen  Geschlechtern,  die  zu  dieser  weitverzweigten  Gruppe  ge- 
hörten, ist  der  Yorname  Roricus  eigentümlich.  Der  Vorname  Gerhardus 
findet  sich  häufig. 

Mit  Eltester,  Rhein.  Antiquar.  I,  4,  S.  534  bezeichnen  wir  diesen  Stamm, 
dem  wir  übrigens  eine  viel  grössere  Verbreitung  geben  können  wie  Eltester, 
als  den  der  Walpoden  von  der  Neuerburg;  wir  betrachten  dieses  Geschlecht 
als  den  Urstamm  der  Gruppe  teils  wegen  seines  Alters,  teils  weil  es  das  Wappen 
in  einfachster  Gestaltung  und  ohne  jedes  Beizeichen  führte.  Zwar  liegt  nur 
für  w^enige  dieser  Geschlechter  —  wie  die  Reichenstein,  Virueburg  und  Hachen- 
burg —  ein  urkundlicher  Beweis  dafür  vor,  dass  sie  dem  Stamme  der  Wal- 
poden angehörten,  doch  kann  auch  bezüglich  der  übrigen  auf  Grund  der  Wapp3n- 
gleichheit  ein  Zweifel  darüber  nicht  bestehen.  Die  Annahme,  dass  diese  Ge- 
schlechter als  Ministerialen,  besonders  Burgmänner  eines  Edelgeschlechts  dessen 
Wappen  angenommen  hätten,  ist  hier  als  ausgeschlossen  anzusehen. 

Eine  erschöpfende  Geschichte  der  Walpoden  von  der  Neuerburg  und  der 
stammverwandten  Geschlechter  soll  die  folgende  Untersuchung  nicht  geben,  so 
lockend  auch  eine  solche  Aufgabe  ist;  dies  würde  hier  zu  weit  führen.  Es 
soll  hier  nur  in  der  Zusammenstellung  der  hier  in  Betracht  kommenden  Ge- 
schlechter deren  Verbreitung  nachgewiesen  werden.  Auf  den  Nachweis  der 
Verbreitung  von  Stämmen  adeliger  Geschlechter  in  einer  ähnlichen  Weise  in 
anderen  Teilen  unseres  Landes  ist  bisher  zu  wenig  Gewicht  gelegt  worden.'^') 
Von  den  Geschlechtern,  die  im  nachfolgenden  aufgeführt  werden,  sind  diejenigen 


'■'*)  „Herold"  1873,  S.  48.  —  '"^j  Einzelne  Bemerkungen  macht  Bodmann  bezüglich 
der  im  Rheingau  ansässigen  Geschlechter.  Die  Wappengruppen  Glimmenthai,  Katzenelnbogen, 
Scharfenstein  und  Waldeck  bespricht  Seyler,  Geschichte  der  Heraldik,  S.  13-t;  diese  Zu- 
sammenstellung liesse  sich,  wie  die  vorliegende  Untersuchung  zeigt,  erheblich  vermehren, 


40 

als  die  ältesten,  d.  h.  am  frühzeitigsten  von  dem  gemeinsamen  Stamme 
abgezweigten  anzusehen,  welche  den  Rautenbalken  ohne  jedes  Bei- 
zeichen und  den  Schild  einfach  und  ohne  jeden  Zierrat  führen. 

An  die  Spitze  der  Geschlechter  stellen  wir 

1.  die  Walpoden  von  der  Neuerburg,  über  welche  namentlich  Eltester 
im  Rhein.  Antiquar.  I,  4,  534;  Stramberg,  daselbst  in,  3,  730;  Fahne, 
Kölnische  Geschlechter  und  Salm-Reifferscheidt;  Hermes,  Die  Neuerburg  a.  d. 

Wied  gehandelt  haben. 

Stramberg  a.  a.  0.  betrachtet  das  Geschlecht  als  die  Descendenz  des 
urkundlich  1187  vorkommenden  Lambertus  de  Nuereburch,  eine  Hypothese,  die 
trotz  der  Bemerkungen  von  Hermes  anspricht.  Dass  die  Walpoden  von  der 
Neuerburg  dem  Herrenstande  angehörten,  bezweifelt  v.  Grass"*)  ohne  Grund. 
Das  Geschlecht  der  \Yalpoden  eröffnet  urkundlich  1219  Eoricus  miles  de  Nmver- 
hurg  qui  WaJpodo  cognomiuafur.'^')  Das  Geschlecht  siegelte  mit  den  drei 
Rauten  ohne  Beizeichen.'^')  Bei  v.  Goeckingk  sind  die  Schildfarben  nicht 
anf-egeben;  vermutlich  führten  sie  dieselben  Farben  wie  die  aus  ihnen  hervor- 
gegangenen Reichenstein,  schwarze  Rauten  in  Silber.  Nach  Angabe  von  Stram- 
ber''   ist   das  Wappen    der  Walpoden  von   der  Neuerburg  im  Balduineum  ab- 


gebildet 


2.  Die  Herren  von  Reichenstein,  die,  wie  urkundlich  festgestellt"'), 
aus  dem  vorgenannten  Geschlechte  hervorgegangen  sind.  Sie  führten  die  Rauten 
schwarz  in  Silber,  ursprünglich  ohne  Beizeichen,  später  begleitet  von  einem 
Stern  oder  in  einem  mit  Schindeln  bestreuten  Felde. 

3.  Die  Nobiles  deVirneburg.  Über  die  einzelnen  Glieder  dieses  seit 
dem  Anfange  des  13.  Jahrhunderts,  wenn  nicht  schon  seit  dem  Ende  des  vor- 
hergehenden, vorkommenden  Edelgeschlechts,  auf  die  wir  hier  nicht  eingehen 
können,  giebt  das  Mittelrheinische  Urkundenbuch  zahlreiche  Urkunden;  dasselbe 
haben  behandelt  Eltester  im  Rhein.  Antiquar.  I,  4,  534;  Fahne,  Kölnische 
Geschlechter  I,  s.  v.  Virneburg,  H,  s.  v.  Reichenstein;  Fürsten  von  Salm- 
Reifferscheidt  und  Hermes  a.  a.  0.     Dass  sie  consanguinei  der  Walpoden,   ist 

urkundlich  bezeugt. 

Bezüglich  der  Abstammung  dieses  Geschlechts  hat  dessen  Namen  Ver- 
wirrung angerichtet;  selbst  besonnene  Genealogen  haben  dasselbe,  durch  den 
Namen  irre  geleitet,  als  einen  Zweig  der  Grafen  von  Yirneburg  in  der 
Eifel  oder  wenigstens  als  ein  Burgmannsgeschlecht  dieser  Grafen 
auf  der  Burg  Virneburg  angesehen.  Selbst  Eltester  a.  a.  0.  sucht  den 
Ursprung  dieses  Geschlechts  in  der  Eifel. 

Dieser  irrigen  Ansicht  entgegen  ist  auf  das  Bestimmteste  zu  betonen,  dass 
die   Heimat   dieser    Edelherren    von  Virneburg   nicht    in   der  Eifel,    sondern 


'■")  V,  Goeckingk,  Abgestorbener  Nass.  Adel.  Da  die  nachstehend  verzeichneten 
Geschlechter  dort  meistens  besprochen  sind,  kann  von  einer  weiteren  Bezugnahme  auf  dieses 
Buch  in  jedem  Einzelfalle  al)gcsehcn  werden.  -  "^)  Vergl.  die  bezüglichen  Urkunden  im 
Mittelrh.  Urk.-Buch.  -  ^  Vergl.  Taf.  I,  Xo.  12.  -  '^«)  Über  dieses  Geschlecht  sind  d.e 
bei  den   Walpoden  angeführten  Werke  zu  vergleichen. 


41 

am  rechten  Rheinufer  in  der  Xähe  des  Wiedbaches  und  von  Wald- 
breitbach zu  suchen  ist.  Irren  wir  nicht,  so  ist  der  Name  des  Stammsitzes 
dieses  Geschlechts  noch  heute  erhalten  in  dem  Namen  des  Distrikts  „an  dem 
Firneberg"  im  Kirchspiel  Rheinbreitbach,  unterhalb  Waldbreitbach 
und  Linz.'**') 

Das  Wappen  bilden  drei  schrägrechts  gestellte  Rauten,  deren  jede  durch 
zwei  Diagonalen  geteilt  ist,  jedes  der  entstandenen  Dreiecke  ist  durch  einen 
Punkt  ausgefüllt;  der  Schild  ist  durch  Gitterwerk,  dessen  Vierecke  wiederum 
durch  einen  Punkt  gefüllt  sind,  damasziert.  So  siegelte  Ernst  von  Yirneburg 
an  der  Urkunde  des  Düsseldorfer  Staatsarchivs  von  1256,  Februar  26'*'),  La- 
comblet  II,  S.  229,  sowie  an  einer  Urkunde  des  Koblenzer  Staatsarchivs  von 
1275.  Das  letztere,  von  Straraberg  im  Rhein.  Antiquar.  I,  4,  S.  535  be- 
schriebene Siegel  ist  abgebildet  bei  Seyler,  Geschichte  des  Siegels,  S.  281, 
Figur  No.  256. 

An  diese  Geschlechter  schliessen  sich  östlich 

4.  Die  Herren  von  Gevertzhagen,  Gebhardshain'*'),  so  genannt 
von  ihrem  Stammsitze  in  der  Gemarkung  Görsbach  bei  dem  Dorfe  Gebhards- 
hain,  Herrschaft  Freusburg.  Das  Geschlecht  kommt  urkundlich  seit  etwa  1220 
vor;  es  erlosch  in  dem  Hauptstamme  1733,  in  der  auch  nach  Sachsen  ver- 
zweigten Linie  Lützerode  erst  in  neuester  Zeit.  Der  Hauptstamm  führte  drei 
silberne  rechtsschräge  (mitunter  auch  linksschräge)  Rauten  in  rotem  Felde,  die 
Nebenlinie  Gevertzhagen-Lützerode  die  Farben  ebenso,  hingegen  der  nach  Sachsen 
gekommene  Zweig  die  Rauten  silbern  in  blauem  Felde. 

Das  älteste  urkundlich  bekannte  Glied  dieses  Geschlechts  ist  der  dominus 
Roricus  de  Gebeharteshain'"^);  der  Titel  erweist  die  Zugehörigkeit  zu  dem  Herren- 
stande. 

Auf  die  Verwandtschaft  des  Geschlechts  mit  den  Vögten  von  Hachenburg 
kommen  wir  zurück. 

Wohl  nicht  richtig  ist  es,  wenn  Kröll'^*)  ein  in  der  Kirche  des  Klosters 
Marienstatt  angebrachtes  Wappen  mit  dem  Rautenschilde  diesem  Geschlechte 
zuschreibt;  es  wird  eher  den  Vögten  von  Hachenburg  gehören. 

Gebhardshain  liegt  etwa  1^4  Meile  nördlich  von  Hachenburg,  wir  schliessen 
deshalb  an  die  Herren  von  Gevertzhagen  die  Geschlechter,  welche  sich  in  und 
um  Hachenburg  und  das  nahe  gelegene  Kirburg  gruppieren,   nämlich 

5.  die  Vögte  von  Hachenburg,  welche  zum  Schluss  eingehender  be- 
sprochen werden  sollen. 

6.  Die  Herren  von  Kirburg.  Von  diesem  bei  v.  Goeckingk  fehlen- 
den Geschlechte,    auf  das  wir    bei  den    folgenden  Langenbach   zurückkommen. 


^^)  Doch  ist  es  zweifelliaft,  ob  dieses  Virneburg  oder  das  linksrheinische  in  der  eben- 
angeführten  Urkunde  von  1275  gemeint  ist,  durch  welche  Ernst  von  Virneburg,  genannt  von 
Blankenberg,  an  Wilhelm  von  Waldeck  seinen  Anteil  an  Gütern  zu  Virneburg  verkauft,  vergl. 
Mittelrh.  Regg.  IV,  Xo.  244.  —  '«')  Vergl.  Taf.  [,  No.  13.  —  ''-)  Vergl.  Kroll,  Die  Pfarrei 
Gebhardshain;  Fahne,  Kölnische  Geschlechter  I,  s.  von  Gevertzhagen.  —  '")  Lehmann, 
Dynasten  von  Westerburg,  S.  112;  Kroll  .*>.  7S.  —  '^*}  S.  82. 


42 

ist  nur  Johann  in  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  bekannt,  weshalb  es 
unsicher  bleibt,  ob  er  ein  besonderes  Geschlecht  repräsentiert,  oder  ob  sich 
unter  seinem  Xamen  ein  anderer  Zweig  des  grossen  Stammes  verbirgt. 

7,  Die  Herren  von  Langenbach,  von  dem  Dorfe  gleichen  Xaraens  nord- 
östlich von  Kirburg.  kommen  vor  1261  —  1654  und  führten  3  silberne  Rauten 
in  blauem,  mit  roten  (?)  Schindeln  bestreuten  Felde,  also  ein  dem  der  von 
Gevertzhagen-Lützerode  gleiches  Wappen. 

Das  später  in  mehrere  Linien  geteilte  Geschlecht  trug  Lehen  von  Xassau- 
Weilburg;  Graf  Philipp  H.  von  Nassau -Weilburg  belehnte  mit  denselben,  wie 
sie  Johann  von  Kirburg  gehabt"^),  1450  die  Hube  von  Hohenstein,  später 
Graf  Philipp  in.  den  Philipp  von  Nassau  zu  Camberg.  Hiergegen  führten  1527 
Gerhard  von  Langenbach  und  sein  Sohn  Johann  Prozess,  indem  sie  diese  Be- 
lehnung als  erschlichen  bezeichneten  und  die  Lehen  als  ihr  Erbe  forderten. 
Philipp  von  Nassau  trat  die  Lehen  ab  und  die  von  Langenbach  erhielten  1527 
die  Belehnung  mit  dem  Zehnten  zu  dem  Altenkloster  bei  Marienstatt,  dem 
Zehnten  zu  Morien,  zu  Nangkhusen  (jetzt  Neunkhausen),  zu  Morinhusen,  zu 
Mariingen,  zu  Kirburg,  zu  Maden,  in  den  Biecken  bei  Kirburg,  den  Hof  zu 
Kirburg,  genannt  lunffer  Truden  hoff,  den  Johann  von  Kirpurg  inne- 
gehabt hatte,  die  Vogtleute  zu  Daaden,  Sassenroth,  Nisterberg,  Ober-  und 
Nieder-Dreisbach,  Holtzluge,  Reinsdorf  und  zu  Gersdorf  niederwendig  der 
Boelsbach  und  den  Hof  zu  Niederselters  bei  Kirberg. 

Dass  unter  diesen  Lehen  sich  solche  befanden,  welche  früher  den  Yögten 
von  Hachenburg  gehörten,  ist  nicht  unwahrscheinlich. 

Dass  die  Langenbach  auch  weiter  Erben  der  Vögte  von  Hachenburg 
waren,  wird  durch  anderweitige  Güter  derselben  wahrscheinlich  gemacht.''^) 

Von  dem  Stamme  Langenbach  zweigten  sich  ab  und  waren  im  Besitz 
einzelner  der  vorgenannten  Lehngüter 

a)  die  von  Langenbach-Mauden,'  von  dem  Dorfe  Mauden  im  Amte 
Freusburg,  nicht  aber  im  Seibacher  Grunde,  Kreis  Siegen,  wie 
V.  Grass'^')  angiebt,  der  das  Geschlecht  als  ein  selbständiges  be- 
handelt. Von  ihnen  teilte  sich  ein  weiterer  Zweig  von  Müden,  ge- 
nannt Steinrück,  ab.  Das  Geschlecht  führte  die  Rauten  in  einem  mit 
Schindeln  bestreuten  Felde, 

b)  die  von  Langenbach-Sassenrode,  vom  Dorfe  Sassenroth  bei  Alten- 
kirchen. 

Christian  von  Sassenrode,  den  v.  Grass"")  als  zu  dem  Geschlechte  ge- 
hörig anführt  und  dessen  Wappen,  ein  Schrägen,  daselbst  abgebildet  ist,  kann 
nicht  zu  diesem  Geschlechte  gehört  haben. 

8.  Die  Herren  vonDers,  die  seit  1272—1508  vorkommen,  führten  die 
drei  Rauten  ohne  Beizeichen;  Farben  sind  nicht  bekannt.  Stammsitz  ist  das 
Dorf  Dorschen  bei  Friedewaid,  nahe  bei  dem  vorgenannten  Langenbach. 


•3*)  Vojjel  S.  «97 ;  Heyn,  Westcrwald  S.  11^,  179.  —  '^^)  Aufgefülirt  bei  Heyn, 
Wester wald  S.  179.  —  '■")  v.  Goeckingk,  s.  v.  Müden.  —  '-"';  v.  Uoeckingk,  8.  v. 
Sassenrod. 


43 

9.  Die  Herren  von  Imhauson.  Wilhelm  von  Imhausen,  der  die 
Rauten  in  einem  mit  Schindeln  bestreuten  Felde  führte,  verpfändete  1445,  Juli  9 
seinen  Hof  zu  Imhausen  —  jetzt  Emerzhausen  bei  Freusburg?  —  an  seine 
Brüder  Heintze  und  Heinmann.  Johann  von  Imhausen  versetzte  1448,  De- 
zember 7  denselben  Hof  mit  Erlaubnis  des  Grafen  von  Sayn  an  Johann  Kreye. 
Derselbe  Johann  und  seine  Frau  Neesgin  versetzen  mit  Erlaubnis  des  Grafen 
Gerhard  von  Sayn  ihren  Teil,  d.  i,  die  Hälfte,  des  Hofes  zu  Imhausen  mit 
Odentorff  ihren  Magen,  den  Brüdern  Heinrich  und  dessen  Frau  Katharine  und 
Heynmann  von  Imhausen;  Johann  führt  die  Rauten  in  einem  mit  Lilien  be- 
streuten Felde. 

1454,  Januar  6  werden  die  Brüder  Heyntze  und  Heynmann  von  Imhausen 
von  Sayn  mit  dem  halben  Hofe  zu  Imhausen,  mit  dem  Xodenberge  und  mit 
vier  Mark  Geld  zu  Selters  belehnt,  anscheinend  als  Erstbelehnung.  Mit  den- 
selben Gütern  und  dem  Burgsitz  zu  Freusburg  wird  belehnt  1476,  Januar  6 
Rorich  von  Imhausen  und  nach  dessen  Tode  sein  minderjähriger,  unter  Vor- 
mundschaft Jacobs  von  Müden  stehender  Sohn  Johann. 

Die  Angabe  von  v.  Grass'^^),  dass  die  Imhausen  1421  den  Trudenhof  zu 
Kirburg  besessen  hätten,  beruht  auf  dem  Missverständnis  der  Angaben  bei 
Vogel,  S.  697. 

10.  Die  Herren  von  Wilmerode,  deren  Sitz  Willmenrod  bei  Wester- 
burg  war.  Sie  führten  die  Rauten  teils  ohne  Beizeichen,  teils  von  einem  Stern 
im  linken  Obereck  begleitet. 

Am  weitesten  südlich  haben  sich  verzweigt  die  Schenken  von  Lieben- 
stein, die  seit  etwa  1300  auf  der  Burg  Liebenstein  bei  Braubach  erscheinen. 

Sie  führten  drei  schwarze  Rauten  in  Silber,  mit  einem  roten  Turnierkragen 
bedeckt;  nach  den  Wappenfarben  stehen  sie  den  Neuerburg  oder  Reichen- 
stein nahe. 

Der  östlichste  Punkt,  den  das  Geschlecht  eingenommen  hat,  ist  Seibach, 
Altenselbach  im  Grunde  Sei-  und  Burbach  im  Kreise  Siegen.  Hier,  nicht 
weit  östlich  von  den  vorhin  genannten  Sitzen  Sassenroth,  Derschen  und  Mauden 
Sassen  in  Seibach  die  Herren  von  Seibach,  deren  Abzweigung  vom  Haupt- 
stamrae  urkundlich  nicht  nachweisbar  ist,  die  aber  sicher  spätestens  um  die 
Mitte  des  13.  Jahrhunderts  erfolgt  ist.  Ob  die  anzunehmende  Niederlassung  eines 
Zweiges  der  Walpoden  oder  eines  aus  diesen  hervorgegangenen  Geschlechts 
auf  einer,  mit  selbständiger  Gründung  einer  Burg  verbundenen  Eirwanderung 
in  das  Siegenerlaud  beruhte,  oder  ob  der  erste  in  Seibach  ansässige  Walpode 
dort  die  Erbtochter  eines  bereits  sesshaften  Geschlechts  beiratete,  bleibt  dunkel. 
Im  Siegener  Lande  sind  überhaupt  alle  Adel-^geschlechter  als  eingewandert 
anzusehen,  für  keines  derselben  ist  der  Ursprung  im  Lande  nachzuweisen.^"") 
Dies  trifft,  wie  das  Wappen  erweist,  auch  die  von  Seibach,  welche  drei  schräg- 
rechts  gestellte  schwarze  Rauten  in  goldenem  Felde  führten. 

Die  Herren  von  Seibach  nehmen  von  allen  Geschlechtern,  welche  aus  der 
grossen  Gruppe  der  Walpoden  von  der  Neuerburg  hervorgegangen  sind,  durch 


199 


)  V.  Goeckingk,  3.  v.  Imhausen.  —  -^"'^)  Philippi,  Siegener  Urkundenbuch,  S.  XXXV. 


44 

ihre  eigenartige  Entwicklung  ein  besonderes  Interesse  in  Anspruch.  Aus  ihnen 
und  auf  der  Burg  zu  Selbaeh  hat  sich  frühzeitig  eine  sehr  zahlreiche  Ganerb- 
schafc  gebildet,  die  uns  als  Korporation  entgegentritt  und  welche  bereits  im 
Jahre  1288  ein  eigenes  Siegel  mit  der  Umschrift:  „f  S.  [unijversitatis  .  de  .  Selbac** 
führte:  der  durch  Gitterwerk,  dessen  einzelne  Felder  durch  eine  Kugel  gefüllt 
sind,  damaszierte  Schild  zeigt  die  drei  schrägrechts  gestellten  Rauten.-"') 

Ganerbschaften  dieser  Art  sind  in  Mittel-  und  Süddeutschland  häufig; 
weiter  nordwärts,  z.  B.  in  Westfalen,  kommt  eine  solche  nicht  mehr  vor.'"*) 
Besonders  häufig  finden  sich  solche  im  Bereiche  des  späteren  Herzogtums  Nassau; 
gerade  die  Ganerben  von  Seibach  hatten  als  Muster  die  Ganerbschaft  auf  der 
Xeuerburg  und  auf  dem  Reichenstein,  aus  der  sie  hervorgegangen  waren, 
vor  sich.  Philippi  hat  sich'"^)  bemüht,  den  Ursprung  dieser  Ganerbschaft  auf- 
zuklären, aber  ohne  Erfolg.  Er  meint,  das  Wappen  derselben  sei  frei  gewählt, 
wenigstens  lasse  sich  nicht  erweisen,  dass  es  dem  W^appen  einer  der  in  der 
Xähe  wohnenden  Dvnastenfamilien,  welche  auf  die  Ganerbschaft  Eiufluss  aus- 
übten  (zunächst  Sayn  und  Molsberg)  nachgebildet  sei;  auch  sei  der  Ursprung 
nicht  nachweisbar.  Letzteres  ist  gewiss  soweit  richtig,  als  es  sich  um  urkund- 
liche Belege  der  Abstammung  handelt;  diese  fehlen  uns.  Im  allgemeinen  aber 
dürfte  durch  Vorstehendes  die  Frage  dahin  gelöst  sein,  dass  wir  die  Ganerben 
von  Seibach  als  hervorgegangen  aus  der  Gruppe  der  Walpoden  von  der 
Neuerburg  anzusehen  haben.  Um  die  Mitte  des  13.  Jahrhunderts  bauten  die 
Walpoden  die  Ganerbenburg  Reichenstein  an  der  Wied  bei  Waldbreitbach, 
die  1256  fertig  war  —  sollte  diese  Zeit  auch  die  Zeit  der  Errichtung  ihrer 
weiter  östlich  belegenen  Burg  zu  Seibach  im  Siegener  Laude  sein? 

Die  Zahl  der  Geschlechter,  welche  auf  dieser  Ganerbenburg  sassen,  belief 
sich  auf  zehn ;  sie  führten  meistens  den  Stammnamen  Selhach  mit  einem  Bei- 
namen; im  Schilde  führten  sie  neben  dem  Rautenbalken  ein  nach  den  Zweigen 
verschiedenes  Beizeichen.  Der  Name  Rorich  kommt  bei  ihnen,  namentlich  bei 
denen  von  Buvbach,  öfter  vor.  Die  einzelnen  Geschlechter,  auf  die  hier  nicht  weiter 
eingegangen  werden  kann,  sind  bei  Arnoldi,  v.  Goeckingk  —  hier  nebst 
Abbildungen  der  Wappen  —  und  auch  bei  Philippi  im  Register  zum  Siegener 
Urkundenbuch  verzeichnet. 

Endlich  sind  noch  vier  zu  der  Gruppe  gehörige  Geschlechter  zu  verzeich- 
nen, die  ihren  Sitz  an  der  Dill  hatten,  von  denen  es  aber  ungewiss  ist,  ob  sie 
zu  der  Seibacher  Ganerbschaft  gehörten,  nämlich 

13.  die  Herren  von  Almesdorf,  die  ein  Lehen  im  Amte  Rennerod 
hatten;  ihr  Stammsitz  könnte  Amdorf  bei  Herborn  gewesen  sein.  Sie  führten 
1342  die  Rauten  ohne  Beizeichen, 

14.  ein  zweites  Geschlecht  von  Bicken,  vermutlich  mit  dem  älteren, 
nicht  stammverwandten  Geschlechte  gleichen  Namens  zu  Bicken,  östlich  von 
Herborn  sesshaft  und  wohl  durch  Heirat  dort  zur  Ganerbschaft  gelangt.  Sie 
führten  rote  Rauten  in  goldenem  Felde, 


*'">  Philippi  a.  a  0.  uml  dio  Abbild,  daselbst  auf  der  Siogoltüfol  No.  l),  mit  imzutretfender 
Eigänzun;^';  nowie  hier  Taf.  1,  No.  11.   ~  -'')  Philippi  a.  a.  O.  —  -"^)  A.  a.  0.  S.  XXXVI. 


45 

15.  die  schon  genannten  Herren  von  Burbach,  seit  etwa  1300  vor- 
kommend, bei  denen  wir  den  Gesclilechtsnamen  Rorich  öfter  finden.  Sie  führten 
die  Rauten  ohne  Beizeichen,  vergl.  die  Abbildung  Taf.  I,  No.   14, 

16,  die  Herren  von  Scheid,  deren  Sitz  in  dem  zwischen  Herborn  und 
Dillenburg  belegenen  Niederscheid  lag.  Im  Schilde  führten  sie  neben  den 
Rauten  ein  nicht  weiter  bekanntes  Beizeichen. 

Nach  dieser  übersichtHchen  Darstellung  der  Verbreitung  der  Gruppe  der 
Walpodeu  kehren  wir  zur  Geschichte  der 

Yögte  von  Hachenburg 

zurück.  Urkundlich  kommen  dieselben  seit  1222,  vielleicht  seit  1215  vor;  wie 
und  wann  sie  sich  von  den  Walpoden  abgezweigt  haben,  ist  nicht  erweislich; 
aus  den  Urkunden  scheint  nur  hervorzugehen,  dass  die  Geschlechter  Walpod, 
Virneburg  und  Gevertzhagen  diejenigen  der  Gruppe  waren,  denen  sie  verwandt- 
schaftlich und  rücksichtlich  der  Abstammung  am  nächsten  standen. 

Als  ältestes  Glied  des  Geschlechts  kennen  wir  Roricus  zu  Anfang  des 
13.  Jahrhunderts;  doch  dürfte  eine  Vermutung  zulässig  sein,  welche  es  ge- 
stattet, das  Geschlecht  noch  um  eine  Generation  zurückzuverfolgen  und  als 
ältestes  bekanntes  Glied  des  Geschlechts  den  dominus  Henricus  advocatus 
de  Westerburg,  mit  welchem  sich  sein  Lehnsherr  Sifried  von  Runkel  zu  Wester- 
burg  etwa  zu  Anfang  des  13.  Jahrhunderts  wegen  mehrerer  Streitfälle  verglich^"*}, 
hinzustellen.  Aus  der  Bestimmung  in  der  Urkunde :  Pncri  achocati  non  nnhent 
extra  Jamiliam  domtnornm  fiuorum  nisi  de  commnni  pafris  (S'ifrkli)  et  ßlionnn 
Ucencia  etc.  können  wir  wohl  den  von  Lehmann  nicht  weiter  bestimmten  wich- 
tigsten Streitpunkt  entnehmen.  Söhne  Heinrichs  oder  wenigstens  einer  derselben 
hatte  ohne  Genehmigung  seines  Lehnsherrn  eine  Frau  aus  einem  Geschlechte,  wel- 
ches nicht  zur  Lehnsmannschaft  Sifrids  von  Westerburg  gehörte,  geheiratet  und 
sich  dann,  durch  diese  Heirat  anscheinend  zu  selbständigem  Besitz  gelangt,  der 
Lehnshörigkeit  und  Lehnspflicht  gegen  seinen  Lehnsherrn  entzogen,  worauf  der 
Lehnsherr  in  der  nach  dem  Lehnsrecht  zulässigen  Weise  gegen  Heinrich  Vogt 
von  Westerburg  und  seinen  Sohn  vorging.  Durch  den  Vertrag  wurde  der 
Streit  geschlichtet,  Heinrich  und  seine  Söhne  traten  wieder  in  den  Besitz  ihrer 
Westerburgischen  Lehen  —  Borico  et  ßUis  mis  a  padicipacione  istorum  non 
exclusls.  Da  nun  der  Wortlaut  des  Vertrages  die  Annahme  zulässt,  dass  von 
den  Söhnen  des  Heinrich  Vogt  von  Westerburg  der  dort  genannte  Roricu8 
eben  derjenige  war,  der  durch  seine  ohne  Genehmigung  des  Lehnsherrn  ge- 
schlossene Heirat  den  Streit  veranlasst  hatte,  so  kann  die  Vermutung  gewagt 
werden,  dass  dieser  Roricus  und  der  mindestens  seit  1222  urkundlich  genannte 
Roricus  advocatus  de  Hachenburg  ein  und  dieselbe  Person  sind. 
Beiläufig  sei  hier  darauf  hingewiesen,  dass  sowohl  der  Vogt  Heinrich  wie  auch 
der  als  Zeuge    unter  den  Burgmännern   von  Westerburg   genannte  Roricus   de 


^"*)  Lehmann,  Dynasten  von  Westerburg,  Urk.  Xo.  2.     Die  undatierte  Urkunde  wird 
hier  um  1220  gesetzt,  was  im  allgemeinen  richtig  sein  mag. 


46 

Gebeharteshain  die  Bezeichnung  dominus    in  der  Urkunde  erhalten,    also   dem 
Herrenstande  angehörten. 

Auf  Grund  dieser  Vermutung  betrachten  wir  also  als  ältestes  Glied  des 
Geschlechts 

I.  Hen'ricus  advocatus  de  Westerburg.  Ausser  dem  vorhin  Be- 
merkten ist  über  ihn  nichts  bekannt.  Nach  der  eben  besprochenen  Urkunde 
hatte  derselbe  mehrere  Sühne;  wir  nennen  zuerst 

n.  Roricus,  der  in  der  eben  angeführten  Urkunde  unter  den  Söhnen 
des  Vo"'tes  Heinrich  insofern  eine  Ausnahmestellung  einnimmt,  als  ihm  und 
seinen  Söhnen  ausdrücklich  der  Mitbesitz  der  Westerburgischen  Lehen  des 
Vaters  gewahrt  wird.  Er  ist  zweifellos  derjenige  der  Sühne,  der  durch  er- 
heirateten Gutsbesitz  eine  besondere,  mächtige  Stellung  errungen  und  in  dieser 
sich  dem  Lehnsverbande  gegen  Westerburg  entzogen  hatte.  Diesen  Rorich 
können  wir  für  ein  und  dieselbe  Person  mit  dem  um  diese  Zeit  auftretenden 
Roricus  advocatus  de  Hachenburg  halten,  dessen  Gattin  Guda  von  Greifenstein, 
des  Rudolf  von  Beilstein-Greifenstein,  letzten  seines  Stammes,  Schwester  war.-°^) 
Fülo-en  wir  bezüglich  des  Rorich  hier  den  Andeutungen  der  angeführten  Urkunde, 
so  hatte  derselbe  mit  seiner  Gemahlin  Guda  den  Besitz  der  Herren  von  Greifen- 
stein in  und  bei  Hachenburg  erheiratet.  Alle  urkundlichen  Nachrichten  über 
diesen  nicht  unerheblichen  Besitz  zusammenzustellen,  würde  hier  zu  weit  führen; 
derselbe  ging  zum  grossen  Teile  durch  Schenkung  an  das  Kloster  Marienstatt 
über,  zu  welchem  die  Herren  von  Greifenstein  enge  Beziehungen  unterhielten, 
wie  ihre  Eintragungen  in  das  Nekrologium  des  Klosters  neben  zahlreichen  Ur- 
kunden erweisen.  Die  Fischerei  zu  Ehrlich  bei  Kroppach,  wohl  das  letzte 
Greifensteiner  Gut  bei  Hachenburg,  kaufte  das  Kloster  1408  von  Ruprecht  H. 
von  Greifenstein.-"^) 

Rorich  Vogt  von  Hachenburg  kommt  urkundlich  zuerst  1215  vor;  sein 
Tod  ist  anscheinend  1228  erfolgt.  Seine  Witwe  Guda  erreichte  ein  erheblich 
höheres  Alter;  sie  ist  vermutlich  1270,  September  8  gestorben.  Die  über  beide 
vorliegenden  urkundlichen  Nachrichten  sind  bereits  zusammengestellt^**'),  ebenso 
die  Nachrichten  über  die  Kinder  beider,  sodass  die  folgenden  Angaben  nur  Er- 
gänzungen des  bereits  Mitgeteilten  bringen. 

Eingehender  ist  noch  zu  besprechen 

Heinrich  IL,  Vogt  von  Hachenburg,  etwa  1220—1276,  der  älteste 
Sohn  Rorichs  und  der  Guda.  Dass  Rorich  Vogt  von  Hachenburg  um  1220, 
bei  Abschluss  des  Vergleichs  zwischen  seinem  Vater  Heinrich  L  und  Sifrid  von 
Runkel  bereits  Söhne  hatte,  die  aber  anscheinend  noch  in  jungen  Jahren  sich 
befanden,  ist  bereits  angegeben."")  Als  den  ältesten  dieser  Söhne  betrachten 
wir  Heinricli  H.  Henricus  advocatus  de  Haggioberg  erscheint  urkundlich  zu- 
erst 1244-°'),  dann  1247,  August  29.''")     In  einer  Urkunde  von  1248,  Juni  27 

*"*)  Vergl.  die  Ausführungen  oben  S.  11  ff.  -  '"'")  Vergl.  oben  S.  35.  —  ""'')  Vergl. 
oben  S.  11.  —  ^"')  Oben  S.  12.  —  '^'"')  Mittelrh.  Urk.-Buch  HI,  No.  805;  Mittelrh.  Regg.  III, 
40:{;  Ilammerateinäches  Urkundenbucli  No.  s'.t.  -  -'")  Günther,  Cod.  dipl.  II,  No.  119; 
.Mittelrh.  Urk.-Buch  lil,    Xo.  '.il2;    Uegg.   III,  Xo,  :,:}G. 


47 


verbüro-en  sich  für  den  Aussteller,  den  burgravius  Gerhardus  de  Landescrona, 
dessen  consangmnci  cuhocatus  de  Haclenherg  et  frater  eins  Ernestus  de  Virne- 
biirg  et  Henricus  ßUus  qnondani  Chrhtiani;  da  der  Druck'")  die  Namenreihe, 
so  wie  vorsteht,  giebt,  ist  Ernst  von  Virneburg  öfter  als  der  Bruder  des  Advocatus 
ano-esehen  worden;  dies  ist  irrig  und  kann  die  Schwierigkeit  leicht  durch  Setzung 
einer  Interpunktion  hinter  eius  gehoben  werden.  Es  ist  vielmehr  hier  von 
einem  nicht  mit  Namen  genannten  Bruder  Heinrichs  die  Rede,  über  welchen 
das  Erforderliche  bereits  gesagt  ist/")  Am  26.  Februar  1256  belehnte  der 
Erzbischof  von  Köln  den  Walpoden  von  der  Neuerburg  und  dessen  Stammver- 
wandte mit  der  von  jenem  erbauten  Burg  Reichenstein  im  Kirchspiel  Puder- 
bach ;  als  consanguinei  werden  neben  andern  genannt  Ernst  von  Virneburg  und 
der  Advocatus  de  Haggeuberg.-'^)  Mit  Urkunde  vom  Januar  1261  verkaufen 
Henricus  advocatus  de  HacJcinherch  una  cum  uxore  (niea)  Iriiigarde  et  de  cou- 
sensu  et  libera  voluntate  cohercdum  sein  Gut  zu  Todenberg  an  das  Kloster 
Marienstatt.-''^)  Die  Urkunde  ergiebt  den  Namen  seiner  Gemahlin  —  Irmgard 
—  sowie  den  Umstand,  dass  beide  zur  Zeit  der  Ausstellung  kinderlos  waren 
und  dass  deren  Kinder,  wenn  solche  vorhanden  gewesen,  vor  diesem  Zeitpunkte 
(gestorben  waren.  Mit  dem  Kloster  Marienstatt  befand  er  sich  übrigens  in  dieser 
Zeit  im  Streite,  da  Papst  Alexander  IV.  durch  Bulle  vom  2.  Februar  1261 
mehrere  Bonner  Geistliche  mit  dem  Schutze  von  Marienstatt  gegen  dessen  Feinde, 
unter  welchen  der  nobilis  vir  Hinricus  advocatus  de  Hagenberg  genannt  wird, 
beauftragte.-''')  Am  21.  Juni  desselben  Jahres  treffen  wir  ihn  als  Zeugen  in 
einer  Sayner  Urkunde."*')  Ebenfalls  als  Zeugen  treffen  wir  ihn  in  dem  Ver- 
gleiche Sifrids  von  Westerburg  mit  dem  Grafen  Heinrich  von  Diez.^")  Als  Dienst- 
mann der  Gräfin  Mechtild  von  Sayn  erscheint  er  urkundlich  1264,  Februar  27;  als 
Bürge  für  den  Grafen  Johann  von  Sponheim-Sayn  1264,  April  1  zu  Bonn.-'") 
Als  Zeugen  finden  wir  ihn  ferner  1267,  September  und  1268,  Januar  25."') 
Am  7.  Februar  1270  verkaufen  domina  Guda  advocatissa  in  Haggenberg  et 
filii   ipsiiis   Henricus   advocatus   et  Crafto  dominus   de  Grißnstein  dem  Kloster 

Marienstatt   Ländereien   zu    Hailstrut,    darunter  particulam    que particule 

Rorici  et  Hcrntanni  de  Gevcrzhan  milituM  equcdis  existit  et  conpnrs."")  Im  Mai 
desselben  Jahres  war  er  Zeuge  für  den  Grafen  Gotfrid  von  Sayn,  ebenso  am 
15.  August  desselben  Jahres,  wo  er  die  Urkunde  des  Grafen  besiegelt."')  An 
dieser  Urkunde  ist  Heinrichs  Siegel  erhalten;  der  Wappenschild  zeigt  die  drei 
Schrägrechts  gestellten  Rauten,   oben  von  drei,   unten  von  zwei  Lilien  begleitet; 


211\ 


)  Mittelrh.  Urk.-Buch  III,  No.  954.  Zur  Sache  vergl,  die  weiter  dort  mitgeteilten, 
Ernst  von  Virneburg  betreffenden  Urkunden,  das  Register  daselbst,  sowie  Mittelrh.  B.egg.  III, 
No.  1281.  —  •'')  Vergl.  oben  S.  13.  -  -'^)  Lacomblet  II,  424;  Mittelrh.  Urk.-Buch  III, 
No.  1335,  sowie  die  vorstehend  bei  Besprechung  des  Geschlechts  von  Reichenstein  genannten 
Schriften.  —  *'*)  Vogel  S.  704  mit  dem  Jahre  1260.  —  -'^)  Mittelrh.  Regg.  III,  1680.  — 
^■8)  Hüfer,  Auswahl  No.  5;  Hammersteinsches  Urk.-Buch  No.  111;  Mittelrh.  Regg.  III, 
1703.  —  -1')  Ilammersteins'.hes  Urk.-Buch  No.  116;  An  dem  in  Marburg  l.efindlichen  Ori- 
ginal scheint  ein  Bruchstück  seines  Siegels  erhalten  zu  sein.  —  ^"')  Günther,  Cod.  dipl.  II, 
No.  203,  204.  —  2'^)  Lacomblet  II,  .■)72,  576;  Hammersteinschos  Urk.-Buch  No.  122.  — 
■•")  Vergl.  oben  S.   11.   —    -''J   Ungedruckte  Urkunde, 


48 

von  der  Umschrift  erhalten:  f  S.  Henri ti  de  Hachinberg.     Abbildung 

des  Siegels  ist  auf  Tafel  I  unter  No.  2  beigegeben.  Weiterhin  wird  Heinrich 
nur  noch  einmal  genannt;  er  besiegelt  eine  ungedruekte  Urkunde  der  Brüder 
von  Steinenbaoh  für  das  Kloster  Marienst;itt  vom  13.  Deceraber  1271;  hier  ist 
sein  Siegel  stark  beschädigt.  Er  dürfte  bald  darauf  gestorben  sein ;  sicher  aber 
hat  er  im  Jahre  1276  nicht  mehr  gelebt,  als  —  am  4.  Februar  —  die  Grafen  von 
Sayn  und  die  Herren  von  Molsberg  ihre,  langjährige  Streitigkeiten  beendenden 
Vergleiche  mit  dem  Kloster  Marienstatt  abschlössen.  Hätte  er  an  diesem  Tage 
noch  gelebt,  so  wäre  er  mit  Gewissheit  unter  den  Zeugen  zu  erwarten  gewesen. 
Sein  Fehlen  in  der  Zeugenreihe  lässt  seinen  Tod  voraussetzen. 

Mit  ihm  starb  das  letzte  männliche  Glied  des  älteren  Zweiges  des  Hauses 
Hachenburg;  über  seine  Anverwandten  und  deren  Nachkommen,  die  in  den 
Besitz  der  Herrschaft  Greifenstein  kamen,  ist  gehandelt.'") 

Über  Heinrichs  Gemahlin  Irmgard  ist  die  einzige  vorhandene  urkundliche 
Angabe  vorhin  angeführt.  Aus  jener  Urkunde  vom  Januar  1266  ist  dort  ge- 
schlossen, dass  Kinder  aus  dieser  Ehe,  falls  solche  gelebt  haben,  vor  Ausstellung 
derselben  gestorben  waren.  Als  Kind  beider  dürfte  eine  Tochter  Elisabeth  an- 
zusehen sein,  deren  Todestag  sich  im  Nekrologium  des  Klosters  Marienstatt  zum 
3.  Juni  mit  der  Eintragung  hndet:  Obiif  EUjzabeth  ßlia  advocafi  in  Hachen- 
herf]  ([ue  legavit  omnia  bona  sua. 

ni.  Über  Kraft,  des  Heinrich  zweiten  Sohn,  den  wir  aus  einer  einzigen 
Erwähnunir  im  Jahre  1281  kennen,  dessen  Sohn  Gerhard  I.  in  den  Mitbesitz 
von  Greifenstein  kam,  vergl.  oben  S.   16. 


Über  den  Sitz  der  Vögte  von  Hachenburg  in  der  Stadt  Hachenburg  liegt 
keine  Angabe  vor.  Vogel"')  sucht  ihn  auf  der  urkundlich  zuerst  1247  vor- 
kommenden Saynischen  Burg;  der  Geschlcchtsname  Advocatus  de  Hachenburg 
bringt  ihn  zu  der  Annahme,  dass  das  Geschlecht  bei  seiner  ersten  urkundlichen 
Erwähnung  als  V()gte  auf  der  Burg  gesessen  hätte  und  diese  also  schon  da- 
mals Landesburg  gewesen  sei.  Diese  Annahme  ist  wohl  nicht  haltbar,  wenn, 
wie  vorhin  ausgeführt,  Rorich  Vogt  von  Hachenburg  den  Namen  Advocatus  nicht 
von  seiner  Dienststellung  in  Hachenburg  führte,  sondern  von  seinem  Vater 
Henricus  advocatus  de  Westerburg  übernommen  hatte  und  ihn  mit  der  Änderung 
des  Westerburg  in  Hachenburg  beibehielt,  nachdem  er  durch  seine  Ehe  mit 
Guda  von  Greifenstein  die  Greifensteiner  Güter  in  und  bei  Hachenburg  er- 
heiratet hatte.  Hiernach  wäre  eher  anzunehmen,  dass  die  Advocati  de  Hachen- 
burg in  Hachenburg  einen  besonderen  Sitz  neben  der  Landesburg  hatten,  deren 
Aufdeckung  durch  Lokalforschung  vielleicht  gelingt. 

Kröll-'")  giebt  an,  was  Lotz  entging,  dass  der  Schlussstein  des  Gewölbes 
über  der  Orgel  in  der  Klosterkirche  zu  Marienstatt  das  Wappen  des  Geschlechts 


"«)  Oben  S.   15.    —    -")  S.  r,90;  Lotz  ri.  202  folgt  ihm.     -    -'-^  (Jebhardsliain  S.  82; 


vergl.  oben  S.  41. 


Kleine  Beiträge  zur  Genealogie  des  Hauses  Nassau, 

(Vergl.  Annal.  XYIIl,  233  ff.) 

Von 

Dr.  W,  Sauer^ 

Königl.  Archivrat  und  Staatsarohivar  zu  Wieäbaden. 


I.    Linie  idstein-Wiesbaden. 

a)  Graf  Heinrich  von  Nassau-Wiesbaden,  saec.  XV. 

Die  Nachrichten,  welche  Yogel  in  der  Beschreibung  des  Herzogtums 
Nassau,  dann  die  neueren  Genealogen  wie  Cohn,  Behr  u.  a.  über  den  Grafen 
Heinrich  von  Nassau -Wiesbaden,  den  Sohn  des  Grafen  Walram  (f  1393)  und 
der  Bertha  von  Westerburg,  bringen,  sind  aus  Hagelgans,  Nassauische  Ge- 
schlechtstafel S.  31  entlehnt.  Menzel,  Geschichte  von  Nassau,  V,  106,  Note 
äussert  jedoch  Zweifel  bezüglich  dieses  Grafen  Heinrich;  er  bemerkt:  „Am  lieb- 
sten hätte  ich  diesen  Heinrich  und  seine  Gemahlin  Anna  von  Groningen  (in 
Schwaben)  ganz  gestrichen,  da  ich  nur  bei  Hagelgans  S.  28,  31  und  Joannis, 
Rer.  Mog.,  I,  788  Nachrichten  über  beide  gefunden  habe.  Hagelgans  schöpfte 
aus  Joannis  und  dieser  aus  einem  alten  Manuskript,  das  er  zu  charakterisieren 
unterlassen  hatte.  ** 

Diese  Ausführung  Menzels  ist  nicht  zutreffend. 

Zunächst  hat  Hagelgans  nicht  aus  Joannis  geschöpft,  sondern  vielmehr 
beide  aus  ein  und  derselben  ihnen  leicht  zugänglichen  Quelle,  nämlich  aus  des 
Johann  Andreae  Genealogienbuch  der  Linie  Nassau-Wiesbaden,  wie  im  Folgen- 
den gezeigt  wird. 

Der  weiter  gegen  Joannis  erhobene  Vorwurf,  dass  er  es  unterlassen 
habe,  das  benutzte  Manuskript  zu  charakterisieren,  ist  gleichfalls  hinfällig. 
Joannis  macht  aus  der  in  Frage  stehenden  Handschrift  an  drei  Stellen  des 
ersten  Bandes  Mitteilungen,  nämlich 

1.  teilt  er  S.  777',  Note  d,  die  Grabschrift  des  1393  verstorbenen 
Grafen  Walram  mit,  ohne  Zweifel  aus  dem  vorhin  angeführten,  hand- 
schriftlich erhaltenen  Werke  des  Johann  Andreae  S.  58,  wo  dem 
Texte    eine    Abzeichnung    des   Grabsteins    des    Grafen  Walram,    an- 

4 


54 

scheinend    von    der  Hand   des  Idsteiner    Hofwappenmalers  Heinrich 
Dors,  beigegeben  ist, 

2.  daselbst  Note  e;  hier  sind  die  Worte:  „Grave  Walram  folget  nach 
seines  herrn  Vaters  todtfall  in  der  Regierung  und  ward  vermählt 
an  Bertham  Grävin  von  Westerburg  anno  1374"  aus  Andreae  S.  19 
entlehnt,  wie  sich  gleich  ergeben  wird. 

3.  S.  TTS**,  Note  1*  mit  den,  den  in  Frage  stehenden  Grafen  Heinrich 
betrelFenden  Worten :  „Nobis  qnidein  niisqiKun  allhi  occurrit  quam 
in  itianuscripfo  se)ncl  ifernmqne  lam  dicfo^  cidus  prohide  verha  iu' 
rahit  apponere :  Grav  Walram  ward  vermählt  an  Bertham,  Grävin  zu 
Westerburg.  Bekamen  zween  Söhne,  Adolfen  und  Heinrichen.  Jezt- 
bemelter  Heinrich  nahm  zum  Ehegemahl  Annen  von  Groningen; 
stürben  beyde  ohne  Leibserben. " 

Die  hier  von  Joannis  leise  angedeuteten  Zweifel  an  der  Existenz  des 
Grafen  Heinrich  haben  Menzel  anscheinend  zu  jener  kritischen  Bemerkung, 
gegen  deren  Begründung  erhebliche  Bedenken  vorliegen,  veranlasst. 

Zunächst  genügt  die  von  Joannis  gegebene  Charakterisierung  seiner 
Handschrift  vollkommen,  um  dieselbe  mit  Leichtigkeit  ausfindig  zu  machen 
und  festzustellen.  Joannis  benutzte  hier,  wie  schon  bemerkt,  das  von  Johann 
Andreae  1638  fertiggestellte  „Nassaw -Wiesbad-  und  Idsteinisch  Genealogien- 
buch" (handschriftlich  im  Königl.  Staatsarchive).  Dem  Texte  sind  verschieden- 
artige Beilagen  vorgebunden,  namentlich  Bruchstücke  einer  etwa  gegen  Ende 
des  16.  Jahrhunderts  geschriebenen  Abschrift  des  „Rothen  Idsteiner  Genealogien- 
buches"  und  der  von  Konrad  Lesch  von  Braunfels  etwa  um  ebendieselbe  Zeit 
verfassten  Fortsetzung  desselben.^) 

Die  Aufzeichnungen  des  Konrad  Lesch  über  den  Grafen  Heinrich  haben 
sowohl  Joannis  wie  auch  Hagelgans  für  ihre  Mitteilungen  über  denselben 
vorgelegen. 

Ausser  der  eben  bezeichneten  Abschrift  der  von  Konrad  Lesch  verfassten 
Fortsetzung  des  Genealogienbuches  liegt  in  Msc.  A  43  des  Kunigl.  Staatsarchivs 
das  von  ihm  eigenhändig  geschriebene  Konzept  seines  Werkes  vor.  Aus  beiden, 
Konzept  und  Abschrift,  folgt  die  in  Betracht  kommende  Stelle  hier: 

Abschrift  im  Genealogienbuch  des 


Konzept  des  Konrad  Lesch: 

GrafF  Walram  volgt  nach  seines 
herrn  vattern  dotfal  in  der  regierung 
und  wert  vermehelt  an  Berta  grevin 
zu  Westerbergk  anno  1374.  Diese 
bekhamen  zweu  son,  Adolf  und  Hein- 
rich. Itzbemelter  Heinrich  nam  zum 
Ehegemahel  Anna  von  Groningen,  stur- 


Joh.  Andreae: 
Grave  Walram  folget  nach  seines 
herrn  vatters  todtfall  in  der  regierung 
und  wardt  vermehlet  an  Bertham 
Grevin  zu  Westerburg  anno  1374, 
Bekamen  zwei  söhn,  Adolfen  und 
Heinrichen.  Itzbemelter  Heinrich  nahm 
zum  ehegemahl  Annam  von  Groningen, 


')  Über  Koiirad  Le.scli  sowie  das  sogenannte  „Rotlic  Idsteiner  Genealogienhuoh''  vera^l. 
NVidinann,   Niia.>uuiache  Chroni-^ten,  S.  'J2,  2.'{ ;  Aiiiialen  XVIII,  ;{."),   i^. 


55 


ben  beeJe  ohne  leibserben.  Graf 
Walram  starb  anno  1393  und  sein 
gemaliel  Bertha  anno  1418,  ligen 
bede  zu  Itzstein  in  der  pfarkirchen 
und  verliessen  iren  Son  Graf  Adolfen 
im  leben. 


stürben  beide  ohne  leibeserben.  Grave 
Walram  starb  Anno  1393  und  sein 
gemahl  Bertha  anno  1418.  Liegen 
beide  zu  Itzstein  in  der  Pfarkirchen 
begraben  und  verliessen  ihren  söhn 
Grave  Adolfen  im  leben. 


Da  hierdurch  Konrad  Leseh,  dessen  ganz  genaue  und  gründliche  Kennt- 
nis der  Geschichte  des  Hauses  Nassau-Idstein  nicht  bestritten  werden  kann, 
als  der  Verfasser  der  Nachrichten  über  den  Grafen  Heinrich  und  die  Quelle 
für  Joannis  und  Hagelgans  ermittelt  ist,  liegt  keine  Veranlassung  vor,  diesen 
Grafen  aus  der  Stammtafel  des  Hauses  zu  streiclien.  Ebenso  ergiebt  sich  die 
weitere  Annahme  von  Menzel,  dass  Hagelgans  hier  aus  Joannis  geschöpft 
habe,  lüs  hiufällig,  da  dem  Idsteiner  Archivar  das  Genealogienbuch  jederzeit 
zur  Hand  war.  Beide  Forscher  haben  die  Handschrift,  aus  welcher  auch 
Hagelgans   S.  28  einen  Satz  wörtlich  abdruckt,  direkt  benutzt. 

Wenn  Joannis  sagt,  dass  der  Graf  Heinrieh  ihm  sonst  nirgends  vorge- 
kommen sei,  so  weiss  Hageigana  S.  31  zu  berichten:  „Im  Jahre  1450  wurde 
er  von  seinem  Vetter,  Graf  Philipp  zu  Nassau- Weilburg  ersucht  und  aufgemahnt, 
einen  Heereszug  nebst  anderen  und  dessen  Bruder  und  Schwager  mitzuthuen. 
Ob  und  wie  solches  erfolgt,  findet  sich  weiter  keine  Nachricht,  woraus  abge- 
nommen wird  (d.  h.  von  dem  Verfasser  Hagelgans!),  dass  er  nicht  lange  ge- 
lebet und  ohne  Leibeserben  abgegangen".  Auf  Grund  dieser  Angabe  führen 
alle  Genealogen,  z.  B.  Cohn  und  Behr,  den  Grafen  Heinrich  als  noch  um 
1450  lebend  auf.  Menzel  a.  a.  0.  tritt  aber  auch  hier  Hagelgans  entgegen 
und  meint,  dass  „diese  Mahnung  nicht  an  diesen  Grafen  Heinrich  gerichtet  ge- 
wesen sein  könne;  Hagelgans  habe  den  Fundort  und  sonstigen"  Inhalt  der 
Urkunde  nicht  angegeben." 

In  diesem  Punkte  scheinen  allerdings  die  von  Menzel  ausgesprochenen 
Zweifel  nicht  unbegründet.  Es  ist  mir  gelungen,  die  Quelle,  die  Hagelgans 
benutzte,  aufzufinden,  nämlich  ein  Schreiben  Philipps  von  Weilburg  an  seinen 
Bruder  Johann  von  Saarbrücken  von  1450,  März  27  (Freitag  nach  Judica). 
Der  Inhalt  des  Briefes  ist  dunkel;  er  behandelt  Verhandlungen  des  Grafen 
Johann  mit  dem  Erzbischofe  von  Trier,  welche  von  Peter  von  Rittenhofen  ge- 
führt werden,  welche  aber  für  die  Pläne  des  Grafen  kein  Hindernis  bilden 
sollen,  und  ein  nicht  weiter  bezeichnetes  kriegerisches  Unternehmen.  Graf 
Philipp  schreibt  seinem  Bruder,  „sein  vetter  Heinrich"  habe  Wiesbaden  kürzlich 
verlassen,  um  sofort  „by  myn  swager  von  Rodenmachern"  und  den  von  Am- 
berg zu  gehen,  um  eine  Einigung  mit  diesen  zu  Stande  zu  bringen.  Nach 
dieser  Verhandlung  wolle  sein  „vetter  Heinrich"  sofort  zu  dem  Herzog  Friedrich, 
um  diesen  und  „die  andern"  zu  einer  Zusammenkunft  wegen  des  Zuges  zu 
veranlassen;  er  —  Graf  Philipp  —  wolle  mit  den  Linksrheinischen  an  dem- 
selben Tage  ziehen. 

Die  in  diesem  Briefe  zweimal  auftretende  Persönlichkeit  wird  vom  Grafen 
Philipp  einfach  als  sein  Vetter  Heinrich,  der  doch  auch  seines  Bruders  Johann 

4* 


56 

Vetter  war,  bezeiclinet,  es  fehlt  jede  genauere  Angabe  über  denselben,  sodass 
wir  in  Ermangelung  sonstiger  Nachrichten  in  der  Tbat  nicht  berechtigt  sind, 
diese  Stellen  mit  Hagelgans  ohne  weiteres  auf  den  in  Frage  stehenden  Grafen 
Heinrich  von  Wiesbaden  zu  beziehen.  Dass  Hagelgans  aber  noch  w-eitere 
Angaben  über  diese  dunkle  Person  gehabt  haben  sollte,  machen  seine  eigenen 
Worte  unglaubwürdig.  Ist  mit  diesem  Vetter  Heinrich  in  der  That  ein  Graf 
von  Nassau  gemeint,  was  übrigens  nicht  erwiesen  ist,  so  kann  nur  an  Graf 
Heinrich  II.  von  Nassau-Breda  (f  vor  1450,  November  19),  gedacht  werden, 
der  seit  dem  Jahre  1448  mit  dem  Erzbischofe  wegen  der  von  dem  Erzstifte 
rührenden  Lehen  in  Vianden  und  Nassau  in  Streit  lag  und  am  11.  März  1450 
mit  dem  Pfalzgrafen  Friedrich  und  anderen  Herren  ein  Bündnis  mit  einem  Teile 
des  Trierer  Domkapitals  eingegangen  war,  welches  die  Absetzung  des  Erzbischofs 
Jacob  bezweckte.^)  Der  Inhalt  des  Briefes  des  Grafen  Philipp  von  Weilburg 
vom  27.  März  1450  passt  vollkommen  zu  diesen  Verhältnissen,  sodass  wir  zu 
der  Annahme  berechtigt  sind,  dass  mit  dem  dort  genannten  „Vetter  Heinrich" 
dieser  Graf  Heinrich  von  der  Linie  Breda  gemeint  sei. 

Mit  dieser  Annahme  verlieren  wir  jede  weitere  Kenntnis  von  dem  Leben 
des  Grafen  Heinrich  von  Nassau-Wiesbaden,  dasselbe  bleibt  für  uns  völlig  in 
Dunkel  gehüllt  und  müssen  wir  uns  damit  begnügen,  seinen  Namen  für  die 
Stammtafel  des  Hauses  gerettet  zu  haben. 

Über  des  Grafen  Heinrich  Gemahlin  Anna,  aus  dem  Hause  (Nebenlinie) 
der  Grafen  von  Württemberg-Grüningen,  war  auch  im  Königlichen  Haus-  und 
Staatsarchiv  zu  Stuttgart  nichts  zu  ermitteln. 

b)  Aufzeichnung  über  die  Geburt  der  Kinder  des  Grafen  Adolf  IIL  von 
Nassau-Wiesbaden    und   den  Tod    der  Gemahlin   desselben,    der  Gräfin 

Marg-aretha  von  Hanau.  —  1504/) 

1487,  August  9.  Anno  millesimo  quadringentesimo  [octogesimo]  septimo  die  Jovis 
nona  Augusti  sero  post  undecimam  ex  generosis  et  nobilibus 
Adolfo  comite  in  Nassaw,  domino  in  Wisbaden,  generosissimi 
Augusti  Maximiliani  primi  curtis  magistro  supremo  et  Marga- 
rete ex  comitibus  de  Hanaw  et  Lichtenberg  orta  conthoralibus 
legitimis  nata  est  Maria  primogenita  in  arce  Sonberg,^) 

1490,  Juli  19.  Anno  millesimo  quadringentesimo  nonagesimo  die  lune  decima 
nona  Julii  hora  septima  nata  est  Anne  ex  hisdem  parentibus 
in  civitate  Leiden  provincie  Ilollandie.^) 


'')  Ver^l.  Arnoldi,  Oranische  Geschichte  II,  169.  —  ^)  "Wenigstens  vor  1507,  da  der 
Tüd  des  Grafen  selbst  nicht  eingetragen.  Die  Aufzeichnung  wird  am  gräflichen  Hofe  ent- 
standen sein,  —  *)  Der  Geburtsort  Sonnenberg  bisher  nicht  bekannt.  Ausserdem  führt  ilagel- 
gans  noch  eine  zweite  Tochter  Anna  auf,  die  frühzeitig  gestorben  sein  soll.  Den  Beleg  hier- 
für habe  ich  nicht  gefunden.  Behr  setzt  diese  Anna  in  die  erste  Stelle  in  der  Reilie  der 
Kinder.  —  ')  Durch  diese  Angabo  wird  der  Geljurtstag  der  Gräfin  Anna  festgestellt.  Nach 
Hagelgans  S.  3S,  dem  hier  die  neueren  Genculugeii,  namoiitlioh  Hehr,  folgen,  war  die- 
selbe um  das  Jahr  14K8  geboren. 


57 

1492,  April  26.  Anno  millesimo  quadringontesimo  nonagesimo  secundo  die  Jovis 
viccsima  sexta  Aprilis  hora  i[uinta  fere  ex  eisdem  parentibus 
natus  est  Philippu3  primogenitus  in  Colonia  Agrippina.®) 

1504,  Mai  26.  Anno  millesimo  quingentesimo  quarto  vicesima  sexte  ilaii  die 
Penthecostes  sero  infra  sextam  et  septimam  horas  clausit  ex- 
tremiim  felicem  recordationis  nobilis  ac  generosa  domina 
Margereta  Comitissa  in  Nassaw  et  domina  in  Wisbaden  ex 
Hauaw  et  Lichtenberg  conthoralibus  legitimis  orta,  cuius 
anima  cum  electis  apud  deura  requiescat  in  sempiterna  secula. 


II.   Alte  Linie  Saarbrücken. 

1.  Als  den  Geburtstag  der  Gräfin  Elisabeth,  Tochter  des  Grafen 
Johann  IL  und  späteren  Gemahlin  des  Herzogs  Wilhelm  von  Jülich,  geben  die 
am  Saarbrücker  Hofe  entstandenen  Aufzeichnungen,  so  die  Heinrichs  von  Nassau 
bei  Kremer,  Origg.  Nass.  H,  427,  ausdrücklich  den  10.  Februar  1463  an.  Da 
jedoch  Elisabeth,  wie  urkundlich  feststeht,  am  12.  Juni  1463  ihrem  späteren 
Gemahl  verlobt  wurde,  ist  ersteres  Datum  von  den  späteren  Genealogen  bean- 
standet worden.  So  setzte  Hagelgans  S.  51  die  Geburt  um  das  Jahr  1458; 
KöUner,  Geschichte  von  Saarbrücken,  auf  den  19.  Oktober  1459,  aber  ohne 
anzugeben,  wie  er  diesen  Tag  ermittelt  hat.  Die  neueren  Genealogen  folgen 
meist  Hagelgans,  aber,  wie  es  scheint,  ohne  Grund;  Cohn  und  Behr  geben 
das  Datum  nach  Köllner. 

Dass  Elisabeth  bereits  in  ihrem  ersten  Lebensjahre  mit  ihrem  späteren 
Gemahle  versprochen  wurde,  hat  nichts  Auffallendes;  Fälle  dieser  Art  stehen 
nicht  vereinzelt  da. 

Dann  haben  wir  für  das  Geburtsjahr  1463  weitere  Zeugnisse,  namentlich 
den  Hausgenealogen  Johann  Andreae.  Freilich  hat  Andreae  die  Aufzeichnung 
des  Heinrich  von  Nassau  benutzt,  doch  beruft  er  sich  noch  ausdrücklich  auf 
die  geschichtlichen  Kollektaneen  des  Saarbrückischen  Rats  Samson  Herzog, 
wenn  er  (im  Saarbrücker  Genealogienbuch)  bei  den  Nachrichten  über  den  Grafen 
Johann  II.  sagt:  Anno  1463  ist  ihm  eine  tochter  geboren,  montags  Yalentini') 
getauft.  Ist  gewesen  die  Elisabeth,  welche  gleich  im  ersten  Jahre  irer  geburt 
an  Gülch  versprochen  wurde.  Hiernach  wird  bezüglich  des  Geburtstages  der 
Gräfin  Elisabeth   der   obigen  Angabe    des  Heinrich  von  Nassau  zu  folgen  sein. 

2.  Nach  dem  Vorgang  von  Hagelgans  findet  sich  fast  in  allen  Stammtafeln 
als  Geburtstag  des  Grafen  Johann  Ludwig  der  19.  Oktober  1472  angegeben. 
Alle  vorliegenden  handschriftlichen  Quellen,  wie  Heinrich  von  Nassau,  Johann 
Andreae  u.  a.,  geben  übereinstimmend  den  20.  Oktober  an;  nur  Köllner 
S.  222  hat  diesen  Tag  aufgenommen. 


")  Auch  des  Grafen  Philipp,  des  sogenannten  Altherm,  Geburtstag  stand  bisher  nicht 
fest;  Hagelgans  S.  38  setzt  die  Geburt  um  das  Jahr  1490;  ihm  folgt  Behr,  während  Cohn 
das  Geburtsdatum  überhaupt  fortlässt.  —  ~)  Februar  14. 


o 


58 

Die  Angabe  von  Hagelgans  beruht  offenbar  auf  einem  Versehen;  dem- 
nach ist  in  den  Stammtafeln  das  Tagesdatum  zu  ändern. 

Nebenbei  soll  hier  die  von  Cohn  in  seiner  Stammtafel  wohl  aus  Versehen 
gemachte  Angabe  berichtigt  werden,  dass  Töchter  des  Grafen  Johann  Ludwig 
Nonnen  zu  Ciarenthal  bei  Wiesbaden  gewesen  seien.  Dieselben  waren  im 
Kloster  Rosenthal  bei  GöUheim. 


III.   Linie  Weilburg. 

1.  Nach  Ilagelgans  ist  Graf  Albrecht  am  26.  Dezember  1537 
geboren.  Hingegen  giebt  Johann  Andreae  den  14.  Dezember  an. 
Die  Quellen  für  die  widersprechenden  Angaben  sind  nicht  zu  er- 
mitteln. 

2.  Graf  Albrecht,  des  vorgenannten  Grafen  Albrecht  Sohn,  geboren 
den  19.  März  1569,  starb  nach  Angabe  eines  im  Jahre  1627  auf- 
o-estellten  Verzeichnisses  der  Kinder  des  Grafen  Albrecht  am  2.  Januar 
1571.  Das  Todesjahr  1570  bei  Hagelgans,  dem  alle  Genealogen, 
namentlich  Cohn  und  Behr  folgen,  ist  wohl  Druckfehler. 

3.  Als  den  Hochzeitstag  des  Grafen  Wilhelm  und  der  Gräfin  Erica 
von  Isenburg  giebt  das  ebengenannte  Verzeichnis  den  1.  Februar 
1Ö96  an,  offenbar  richtiger  als  das  von  Cohn  und  Behr  den  Ehe- 
pakten entnommene  Datum,  Januar  29.  Hagelgans  hat  durch 
Versehen  sogar  den  12.  Januar. 

4.  In  demselben  Verzeichnisse  ist  als  Hochzeitstag  des  Grafen  Johann 
Kasimir  und  der  Landgräfin  Elisabeth  von  Hessen  angegeben  der 
15.  Dezember  1600,  welchen  Tag  auch  Hagelgans  aufgenommen 
hat.  Cohn  hat  jedoch  das  Datum  9.  Mai  1601,  Behr  sogar 
den  10.;20.  Mai. 

5.  Der  Hochzeitstag  der  Gräfin  Anna  Amalie  und  des  Grafen  Otto 
von  Solms-Sonnenwalde  ist  7.  September  1581,  nicht  wie  bei  Hagel- 
gans, dem  alle  Genealogen  folgen,  wohl  durch  Druckfehler  9.  Sep- 
tember. 

6.  Die  Gräfin  Katharina  ist  am  10.  Dezember  1583  geboren,  nicht 
am  6.,  wie  Hagelgans,  vermutlich  durch  Druckfehler,  und  nach 
ihm  Neuere. 

7.  Gräfin  Anna  Sybilla  ist  am  28.  Mai  1575  geboren;  25.  Mai  bei 
Hagelgans  ist  wohl  Druckfehler. 

8.  Gräfin  Anna  Eleonore  ist  nicht  am  20.  März,  wie  Cohn  und 
Behr  angeben,  sondern  am  9.  September  1602  geboren.  Der  Irrtum 
ist  durch  die  richtige  Angabe  bei  Hagelgans  S.  65,  dass  sie  nach 
dem  am  29.  März  1602  erfolgten  Tode  ihres  Vaters  geboren  sei, 
entstanden!     Der  Geburtstag  selbst  fehlt  bei  Ilagelgans. 


59 

0.  Don  ToJestag  der  Gräfin  Anna  Sabina,  Tochter  des  Grafen 
Ludwig,  Gründonnerstag  des  Jahres  1593,  setzen  Cohn  und  Behr 
nach  dem  Gregorianischen  Kalender  auf  den  15.  April.  Dies  ist 
irrig,  da  allen  gleichzeitigen  Aufzeichnungen  über  Geburts-  und 
Sterbetage  in  der  gräflichen  Familie,  welche  Hagelgans  für  seine 
Stammtafel  benutzt  hat,  der  alte  Styl  zu  Grunde  liegt.  In  dem 
vorliegenden  Falle  ist  das  Datum  Gründonnerstag  nicht  auf  den 
15.  April,  sondern  nach  altem  Styl,  also  auf  den  12.  April,  zu 
reduzieren. 

Bei  dem  Gebrauch  der  Stammtafeln  von  Hagelgans  ist 
überhaupt  zu  beachten,  dass  die  Tagesdaten  von  ihm  in  der  Regel 
nach  dem  alten  Styl  angegeben  sind. 

10.  Die  Angabe  der  Genealogen,  dass  Graf  Georg  Adolf  am  19.  De- 
zember (A.  St.)  1595  geboren  sei,  beruht  auf  einem  Lesefehler  von 
Hagelgans.     Der  Geburtstag  ist  der  19.  Oktober. 

11.  Bei  Cohn  ist  als  Geburtstag  der  Gräfin  Dorothea  der  12.  Februar 
1605  angegeben,  wohl  infolge  eines  Versehens.  Ilagelgans  hat 
richtig  den  21.  Februar;  ihm  folgt  Bohr. 


lY.    Linie  Idstein. 

a)  Über  die  Gedenktage  in  der  Familie  des  Grafen  Johann  haben 
wir  dessen  eigenhändige  Aufzeichnungen,  welche  zu  der  von  Ilagel- 
gans verbreiteten  Stammtafel  nachfolgende  Berichtigungen  und  Er- 
gänzungen ergeben. 

1.  Die  erste  Gemahlin  des  Grafen,  Sybilla  Magdalena  von  Baden, 
starb  zu  Strassburg  in  der  Xacht  vom  24. ,'25.  Dezember  1644. 
Ilagelgans  und  nach  ihm  spätere  Genealogen,  wie  Cohn  und 
Behr,  geben  als  Todestag  den  22.  Juli  an.  Dieser  Irrtum  ist  durch 
Verwechselung  des  Todestages  mit  dem  Gebuitstage  —  22.  Juli 
1605  —  veranlasst. 

2.  Gräfin  Anna  Ottilie  ist  zu  Idstein  geboren. 

3.  Das  Beilager  des  Grafen  mit  seiner  zweiten  Gemahlin  Anna  von 
Leiningen- Dachsburg,  geboren  den  15.  Mai  1625,  war  nicht 
am  10.,  sondern  am  6.  Dezember  1646.  Den  10.  Dezember  hat 
Hagelgans  und  nach  ihm  Cohn,  dieser  allerdings  mit  einem  Frage- 
zeichen, und  Behr. 

4.  Gräfin  Eleonore  Luise  starb  im  Alter  von  23  Jahren  9  Monaten 
4  Tagen  am  13.  März  1673,  nicht  aber  am  31.,  wie  Hagelgans  aus 
Versehen.     Cohn  und  Behr  wie  Hagelgans. 

b)  Fürst  Georg  August. 

Den  Todestag  der  Prinzessin  Charlotte  Eberhard  ine  giebt  Hagel- 
gans und  nach  ihm  Behr  richtig  mit  dem  6.  Februar  1693  an,  Cohn  irrig 
5.   Februar. 


60 


V.    Linie  Usingen. 

Graf,  später  Fürst  Walrad,  ist  am  24.  Februar  1635  geboren.  Hagel- 
gans, dem  fast  alle  späteren  Genealogen,  auch  Vogel  und  Menzel,  VI,  515') 
folgen,  hat  wohl  aus  Versehen  den  25.  Februar.  Aus  welcher  Quelle  jedoch 
Behr  die  Angabe  des  7.  Mai  als  Geburtstag  hat,  ist  unerfindlich. 

»)  Hier  iat  ausserdem  der  Xame  der  ersten  Gemahlin  Walrads  „Prinzessin  Croix"  in 
Croy  zu  bessern. 


49 

von  Gevertzhagen  zeige.  Nach  den  vorstehenden  Ausführungen  kann  wohl  kein 
Zweifel  darüber  sein,  da33  dieses  Wappen  nicht  das  dort  angenommene,  sondern 
vielmehr  das  der  Advocati  de  Hachenburg  ist,  und  zwar  wohl  das  des  vor- 
stehend  behandelten  Heinrich   IL,    zu    dessen  Lebzeiten  —  im  Jahre   1243  

der  Bau  der  1324  eingeweihten  Klosterkirche  begonnen  wurde.  Wie  schon 
Heinrichs  Mutter  Guda  1227  eine  Kapelle  an  der  Stelle  bei  dem  Kloster,  wo 
der  blühende  Weissdornstrauch  gefunden,  hatte  bauen  lassen,  wird  auch  der 
kinderlose  Heinrich  11.  dem  Kloster  wohlgesinnt  gewesen  sein  und  es  nament- 
lich nicht  an  einer  thatkräftigen  Förderung  des  unter  seinen  Augen  begonnenen 
mächtigen  Kirchenbaues  haben  fehlen  lassen. 


Nachtrag. 

Zu  Seite  25  ist  nachzutragen,  dass  Kraft  Y.  zuerst  in  der  Seite  16,  Note  52 
angeführten  Urkunde  vom  Xovember  1281  —  Vergleich  des  Hauses 
Greifenstein  mit  dem  Stifte  zu  Bonn  wegen  der  Güter  zu  Kroppach  — 
erwähnt  wird; 

desgl.  zu  S.  36,  dass  Rorich  von  Greifenstein  in  derselben  L^rkunde  zum  ersten- 
male  genannt  wird. 


50 


Staiti] 


Dynasten  von  Beilstein  und  von  Greifenstein  mit  den  Fori 


Beilstein  -  Greifenstein. 


[?Meribodo  von  Greifenstein, 
1160]. 


Kraft  I.  1129.  1141. 

Kraft  II. 

X.  Sohn. 

N.  Tochter, 

1195.  1229. 

Gemahl  N.    von   Cransberg 

1227. 

Irmgard. 

9 

Rudolf  von                     Guda  1227; 

Krafto  III. 

Grreifenstein                    stirbt  1270, 

1234. 

1226.   1255.                     September  8?  — 

Gemahl: 

7  kinderlos. 

^ 

Heinrich  IL, 

Vogt  von  Hachen- 

burg 

1220—1276. 

Gemahlin 

Irmgard  1261. 


Kraft  IV., 

1255  Herr  zu 

Greifens  rein, 

stirbt  unverraählt 

1283  vor 

Oktober  27. 


N.  Tochter, 

Gemahl  Gerlach 

von  Isenburg- 

Limburg 

1267.  1273. 


Elisabeth, 

1276  Kellerin 

zu  Kloster 

Seligenstatt. 


Geschwister. 


Elisabeth, 
tot  1261-' 


Kraft  V. 

von   Greifenstein    1281, 

t  anfangs  1326, 

Gemahl:  X.  Schoneweder 

zu  Köln? 


Rorich  von  Greifenstein 
1281.   1287.    1290. 


Ropert  I. 

von  Greifenstein 

1300.  1303. 


Irmgard,  Gemahl: 

1.  um  1294  Hildeger  Heinrich  Birklin 
zu  Köln, 

2.  1309  Graf  Dietrich  III.  von  Limburg. 


Johann  I. 

von  Greifenstein 

1330.  1333. 


Johann  IL 
von  Greifenstein 
zu  Steinebach. 


Ropracht  IL 
von  Greifenstein 

1374—1408. 

Gemahlin  1408 

Nese. 


Elisabeth 
1408. 


aus  1.  Ehe: 

Hildeger,  Ropracht  Kraft  und  Kraft 

Birklin  zu  Köln. 


afel 


51 


gen  Hachenburg-rireifenstein  und  Tsenburg-Greifenstein. 

Advocati  de  Hachenbupgf. 


dominus  Heinricua  (I.)  advocatus  de- Westerburg 
c.  1200,  1220? 


inus  Roricus  parvus  advocatus 
le  Hachenburg  1215,  1222, 
t  1228,  Februar  24? 


Gerhard  I. 
on  Greifen- 
stein 1281, 

tot  1325, 
remahlin  1294 
.gnes  (yon  der 
Neuerburg?). 


Philipp 

von  Greifenstein, 

Domherr   zu 

Köln 
1297.  1306. 


Christian 

von  Greifenstein 

1297.  1305. 


lard  II.  von  Greifenstein  1300. 1317, 
tot  1325. 


?nes  1325.  1332.  1363.  Gemahl: 
raf  Engelbert  von  Sayn,  f  1336, 
dolf  von  Oclershausen. 


Kraft 


Wigand 

von  Greifenstein, 

Abt 

zu  Marienstatt 

1299—1328. 


Gertrud 
von  Greifenstein, 

Nonne 
zu  Vilich  1311. 


aus  1.  Ehe: 
Johann  von  Sayn,  der  Junker  von 
Greifenstein. 


52 


Erklärung  der  Siegeltafel. 


1.  Rudolf  von  Greifenstein,   1255.  —  SiegelbilJ  zweifelhaft  —  f  Sigillum 

Rudolfi  de  Grifenstein  (vergl.  S.  7). 

2.  Heinrich  Vogt  von  Hachenburg,    1270.    —    In    einem   mit  Lilien    be- 

streuten Felde  drei  schriigrechts  gestellte  Rauten.  —  f  S.  Henric[i  . 
advoca]ti  .  de  .  Hachinberg  (vergl.  S.  48). 

3.  Gerhard  von  Greifenstein,  1287.   —  Wappenschild  wie  bei  No.  2.  — 

t  S.  Gerardi  .  de  .  Grifinsthen  (vergl.  S.   16). 

4.  Philipp  von  Greifenstein,    1299.   —  Wappenschild  wie  bei  No.  2.  — 

t  S.  Phil[iplpi  .  de  .  Grifensteyn  (vergl.  S.  21). 

5.  Kraft  V.  von  Greifenstein,  1300.  —  Im  Schilde  zwei  schraffierte  Quer- 

balken, bedeckt  mit  einem  fünflatzigen  Turnierkragen.  —  [f  SigilUum  . 
Craftonis  .  de  Grifens[thlein  (vergl.  S.  29). 

6.  Derselbe,   1314.  —  Wappenschild  wie  bei  No.  5.  —  f  S.  Craftonis  .  de  . 

Grifenstein  *  (vergl.  S.  32). 

7.  Johann  von  Greifenstein,   1330.  —  Wappenschild  wie  bei  No.  5,  hierzu 

als  weiteres  Beizeichen  eine  Gleve  zwischen  beiden  Querbalken.  — 
t  S.  Johannis  .  de  .  Grifinsteyn  (vergl.  S.  34). 

8.  Derselbe,   1333.  —  Wappenschild  wie  bei  No.  5.  —  j  S.  Johannis  .  de  . 

Gryfsteyn  (vergl.  S.  34). 

9.  Roprecht  Kraft   Birkelin,    1330.    —   Gevierteter  Schild;    im  1.    und  4. 

Felde  das  Wappen  Greifenstoin  wie  oben  No.  5,  im  2.  und  3.,  nicht 
aber  im  1.  und  4..  wie  aus  Versehen  oben  S.  36  angegeben,  ein 
aufrechtstehender  Bär,  das  Wappen  des  Geschlechts  Birklin.  —  t  S.  Ro- 
perti  .  dci  .  Birkelin. 

10.  Rupert  von  Greifenstein,    1371.    —  Wappenschild   wie  bei   No.  5.  — 

t  S.  Roprecht  .  van  .  Grifensteyn  (vergl.  S.  35). 

11.  Ganerbschaft  Seibach,  1300. —  Im  verzierten  Siegelfelde  drei  schriigrechts 

gestellte  Rauten.  —  f  S.  [unilversitatis  .  de  .  Selbac  (vergl.  S.  44). 

12.  Ludwig  Walpodo   von  der  Neuerburg,    1256.    —  Im  Wappenschilde 

drei  schriigrechts  gestellte  Rauten.  —  f  S.  Lu[devlici  .  Walp[od]oni3  . 
de  .  Novo  [Casltro  (vergl.  S.  40). 

13.  Ernst  von  Virneburg,  1256.  —  Im  verzierten  Felde  drei  gleichfalls  ver- 

zierte schrägrechts  gestellte  Rauten.  —  j  Sigill.  Ernesti  .  de  .  Verne- 
[burlch  (vergl.  S.  41). 

14.  Rorich  von  Burbach,    1336.   —   Im   Schilde    drei  schriigrechts  gestellte 

Rauten.  —  S.  Rorici  de  Burchbach  militis  (vergl.  S.  45,  sowie  Phi- 
lipp i,  Siegener  Urk.-Buch  No.  213). 


Regierungspräsident  Karl  von  Ibell 

über  die  preussisehe  Politik  in  den  Jahren  1830  u.  1831.') 

Ein  Beitrag  zur  diplomatischen  Geschichte 

von 

Dr.  C*  Spielmann* 


Karl  von  Ibell,  bis  zum  Jahre  1820  nassauischer  Regierungspräsident, 
war  nach  längerem  Verweilen  im  Privatstande  im  Jahre  1828  in  einer  seiner 
früheren  entsprechenden  Stellung  in  hessen-homburgischen  Staatsdienst  überge- 
gangen. Ein  widriges  Schicksal  vergönnte  es  dem  reichbegabten  Manne  nicht, 
seine  Kräfte  in  der  Verwaltung  eines  grösseren  Staates  zu  verwerten ;  so  suchte 
er  denn  mit  dem  ganzen  Eifer  der  gewohnten  Thätigkeit  sich  der  Reorganisation 
der  gesamten  sozialen  und  wirtschaftlichen  Verhältnisse  des  Ländchens,  dessen 
Behörden  er  vorstand,  zu  widmen. 

Er  trat  in  einer  bewegten  Zeit  in  diese  Thätigkeit  ein.  Die  preussisehe 
Regierung  war  eben  im  Begriffe,  das  grosse  Einigungswerk  Deutschlands  auf 
wirtschaftlichem  Boden  ins  Leben  zu  rufen,  durch  die  Gründung  eines  allge- 
meinen Zollvereins  die  materiellen  Interessen  zu  fördern,  um  so  indirekt  zur 
Hegemonie  im  deutschen  Bunde  zu  gelangen.  Schon  im  Jahre  1818  hatte 
Preussen  für  seine  eigenen  Landesteile  ein  einheitliches  Grenzzollsystem  ein- 
geführt, in  den  folgenden  Jahren  eine  Anzahl  enklavierter  Kleinstaaten  zum 
Anschlüsse  gewonnen  oder  gezwungen  und  dann  1828  mit  dem  Grossherzog- 
tume  Hessen  den  preussisch-hessischen  Zollbund  abgeschlossen.  Das  Vorgehen 
des  norddeutschen  Grossstaats  erregte  die  mittel-  und  süddeutschen  Staaten; 
einesteils  erblickten  sie  darin  eine  Bedrohung  ihrer  ängstlich  gehüteten  Sou- 
veränetät,  andernteils  wieder  sahen  sie  die  praktische  Bedeutung  derartiger 
Zollverbindungen  ein.  So  schlössen  denn  in  demselben  Jahre  Bayern  und 
Württemberg  einen  Sonder-ZoUverein  untereinander  ab,  und  es  bildete  sich 
(schon  vorher)  der  mitteldeutsche  Handelsverein,  dem  Sachsen,  die  thüringischen 
Staaten,  Kurhessen,  Nassau,  Hannover,  Braunschweig,  Oldenburg,  Lippe,  Bücke- 
burg und  Waldeck  beitraten.     Es  entstand  unter  den  deutschen  Staatsmännern 


^)  Die  im  Folgenden  angeführten  Aktenstücke  ruhen  im  Archive  der  Familie  von  Ibell. 
Für  die  gütige  Überlassung  schulde  ich  Herrn  Oberbürgermeister  Dr.  von  Ibell  zu  Wies- 
baden verbindlichen  Dank. 


62 

eine  Spaltung;  die  einen  waren  für,  die  analeren  gegen  Preiissen;  die  Weiter- 
blickenden konnten  sich  der  Anschauung  nicht  verschliessen,  dass  im  Anschhisse 
an  die  genannte  Macht  und  ihre  Bestrebungen  das  Heil  der  Zukunft  beruhte 
und  dass  über  kurz  oder  lang  der  wirtschaftlichen  Frage  alle  anderen  notwendig 
zum  Opfer  fallen  müssten.  Unter  den  Einsichtigen,  deren  Zahl  nicht  gross 
war,  befand  sich  auch  der  Regierungspräsideut  Ibell,  der  von  vornherein  ein 
überzeugter  Anhänger  der  preussischeu  Zollpolitik  war  und  für  diese  lange 
Zeit  hindurch,  direkt  und  indirekt,  nach  Kräften  gewirkt  hat. 

Die  Landgrafschaft  Hessen-Homburg  bestand  aus  zwei  Teilen,  einem 
grösseren,  vor  der  Höhe  (Taunus)  liegend,  und  einem  kleineren,  dem  Amte 
Meisenheim  an  der  Xahe.  Sobald  Ibell  in  homburgische  Dienste  getreten  war, 
betrieb  er  den  Anschluss  des  Läudchens  an  den  preussisch-hessischen  Zollverein. 
Er  sah  aber  wohl  ein,  dass  bei  der  dem  Hauptteile  eigentümlichen  Industrie 
(Strumpfweberei)  und  auch  mannigfacher  anderer  Umstände  halber,  die  Durch- 
führung der  Absicht  vorläufig  ohne  Schaden  der  Unterthanen  nicht  möglich 
wäre,  wogegen  es  für  Meisenheim  nur  von  Nutzen  sein  konnte,  wenn  sein 
Beitritt  erfolgte.  Der  Präsident  befand  sich  in  seiner  privaten  Eigenschaft  als 
Sachwalter  der  Fürstin  Amalie  von  Auhalt-Bemburg-Schaumburg  wider  den 
Fürsten  Alexius  von  Anhalt-Bernburg  im  Schaumburg-Holzappeler  Successions- 
Prozesse  während  des  Winters  von  1828  auf  1829  in  Berlin.  Hier  trat  er  in 
Verbindung  mit  dem  leitenden  Staatsminister,  dem  Grafen  Christian  von  Bern- 
storflF,  wurde  in  Hofkreisen  eingeführt  und  hatte  Gelegenheit,  auch  mit  dem 
Könige  Friedrich  Wilhelm  III.  direkt  zu  verkehren.  Auch  der  Minister  von 
Motz,  der  Vater  des  deutschen  Zollvereins,  wurde  mit  Ibell  bekannt,  und  hier 
scheint  zwischen  beiden  Staatsmännern  die  Vereinbarung  getroffen  worden  zu 
sein,  dass  Meisenheim  dem  preussisch-hessischen  Zollvereine  beitreten  solle.  Es 
^'eschah  dies  denn  auch  am  29.  XH.  1829.  Der  homburgische  Präsident, 
dessen  staatsmännische  Begabung  bald  auffiel,  hiuterliess  in  Berlin  einen  ausser- 
ordentlichen Eindruck.  Für  seine  Bemühungen  um  die  Förderung  der  preus- 
sischeu Zollpolitik  erhielt  er  damals  vom  Könige  den  erblichen  Adel.  Wahr- 
scheinlich traf  Ibell  in  Berlin  auch  mit  dem  preussischen  Generalpostmeister 
und  Bundestasrsgesandten  von  Nauler  zusammen  und  es  wurde  hier  der  Grund 
gelegt  zu  einem  freundschaftlichen  Verkehre  zwischen  beiden  Männern,  wie  sol- 
cher aus  ihrem  Briefwechsel  hervorgeht.  Soviel  steht  fest:  in  der  nachfolgenden 
stürmischen  Zeit  hat  Xagler  in  wichtigen  politischen  Fragen  Ibell  oft  zu  Rate  ge- 
zogen, und  des  letzteren  Ratschläge  sind  mitunter  bestimmend  für  ihn  gewesen. 

Bernstorff'  und  Xaglcr  sind  bis  in  die  letzte  Zeit  oft  Gegenstand  der  Ver- 
kennung vonseiten  der  liberalen  Geschichtschreibung  gewesen.')  Aber  nach 
den  neuesten  Forschungen  steht  es  fest,  dass  sie  keineswegs  weder  überzeugte 
Anhänger  noch  blinde  Exekutoreu  des  Metternichianismus  und  seiner  Deckel- 
drauftheorie waren.  Vielmehr  erscheint  der  leitende  prcussische  Staatsminister 
meistens  in  direktem  Gegensatze  zu  seinen  österreichischen  Kollegen,  und  ebenso 
kam  auch  der  Widerspruch  zwischen  den  politischen  Anschauungen   der  beiden 


^)  Braun,    Bilder  aus  der  deutschen  Kleinstaaterei,  Neue  Füljje,  II.  Bd.,  S.  247  ff. 


63 

Bundestagsgesandten  der  Grossmächte,  von  Nagler  uud  Graf  von  Miinch-Bolling- 
hausen,  oft  zur  Geltung.  Namentlich  war  dies  der  Fall  in  der  Zeit,  in  die  wir 
nunmehr  eintreten.') 

Es  war  das  Sturmjahr  1830.')  Ein  Blitz  aus  heiterem  Himmel  —  nach- 
dem die  Wogen  der  griechischen  Erhebung  im  Südosten  Europas  sich  gelegt 
hatten  und  der  moskowitische  Feldzug  gegen  das  Osmanenreich  siegreich  be- 
endigt worden  war  —  schreckte  die  zweite  französische  Revolution  (27.  VII.  1830), 
die  den  legitimistischen  Thron  in  Trümmer  schlug,  die  heilige  Allianz  aus 
ihrem  Schlummer  auf,  in  dem  sie  seit  den  Kongressjahren  geruht  hatte.  Das 
monarchische  Gottesgnadentum  zitterte  und  sah  mit  Entsetzen  den  Roi-Bour- 
geois,  „den  Strassenkönig",  auf  den  Thron  der  Bourbonen,  „nicht  weil,  sondern 
obgleich  ein  solcher",  steigen.  Zugleich  schien  dem  Absolutismus  die  Entladung 
der  kriegerischen  Revolution  nach  aussen,  wie  vor  vier  Jahrzehnten,  nahe. 
Man  war  zuerst  ratlos,  was  zu  thun  sei,  und  es  zeigte  sich  jetzt  so  recht  die 
innere  Haltlosigkeit  des  gepriesenen  heiligen  Bundes.  König  Friedrich  Wilhelm 
war  der  erste,  sozusagen  sofort  Gefasste;  er  erklärte  jedem  Angriffe  der  Franzosen 
auf  den  deutschen  Bund  mit  Waffengewalt  entgegentreten  zu  wollen,  in  eine 
Einmischung  in  die  französischen  Verhältnisse  jedoch  nicht  zu  willigen.  Kaiser 
Franz  mochte  nicht  von  einer  solchen  reden  im  Hinblicke  auf  den  elenden  Zu- 
stand seines  Kriegsheeres;  nur  Zar  Nikolai,  den  die  Erfolge  des  türkischen 
Feldzuges  aufgeblasen  gemacht  hatten,  drang  auf  einen  Offensivkrieg.  Da  nun 
aber  der  Bürgerkönig  seine  Friedensliebe  beteuerte,  kam  Preussen  auf  den 
Gedanken,  dessen  Bestätigung  durch  d-e  Mächte  unter  Vorschreibung  der 
künftigen  Politik  zu  beantragen.  Allein  da  machte  das  Kabinett  von  Saint- 
James  einen  Strich  durch  die  Rechnung  der  übrigen  Mächte;  es  erkannte  den 
neuen  König  der  Franzosen  ohne  Vorbehalt  an.  Notgedrungen  folgten  nunmehr 
Preussen,  dann  Österreich  und  die  kleinen  Bundesstaaten;  nur  Russland  grollte. 
Der  heilige  Bund  aber  war  seitdem  zersprengt. 

Kaum  war  so  einigerraassen  Beruhigung  eingetreten,  als  die  Revolution 
in  Brüssel  ausbrach  (25.  VIII.  1830),  die  das  diplomatische  Kunstwerk  des 
Wiener  Kongresstisches,  das  Königreich  der  vereinigten  Niederlande,  in  zwei 
natürliche  Teile  riss.  Und  nun  brauste  der  Sturm  auch  nach  den  deutschen 
Kleinbundesstaateu  hinüber,  die  vielfach  unter  dem  Absolutismus  und  seiner 
Missregierung  schwer  zu  leiden  hatten.  Am  7.  IX.  1830  verjagten  die  Braun- 
schweiger ihren  sultanischen  Herzog  Karl;  am  15.  IX.  1830  erhoben  sich  die 
Kurhessen  gegen  die  Maitressenwirtschaft  des  Kurfürsten  Wilhelm,  am  9.  IX. 
1830  die  Sachsen  gegen  das  Jesuitenregiment  unter  König  Anton,  und  auch 
im  Grossherzogtume  Hessen,  in  der  Wetterau,  entstanden  (wenngleich  nicht 
antidynastische)  Krawalle,  die  aber  rasch  unterdrückt  wurden.  Die  kurhessische 
und  die  sächsische  Frao-e  erledisrten  sich  in  der  Fols-e  von  i^elbst  durch  die 
Ernennung  der  Thronfolger  zu  Mitregenten  und  durch  die  Verkündigung  einer 


')  Später  ma^  Xa^^Ier  wieder  mehr  in  österreichisches  Fahrwasser  gelenkt  haben.  — 
*)  Das  Folgende  nach  neueren  zeitgeschiclitlichen  Werken,  insbesondere  Treitschke,  Deutsche 
Geschichte  im  neunzehnten  Jahrhunderte,  Bd.  4. 


64 

Verfassung;  die  braunseh weigische  dagegen  schwebte  noch  mehr  als  ein  halbes 
Jahr.  Denn  trotz  seiner  notorischen  Regierungsunfähigkeit  galt  der  Herzog 
den  konservativen  Häusern  als  der  einzige  legitime  Herrscher  und  der  her- 
beigerufene Regent,  sein  Bruder  Wilhelm,  als  unberechtigt.  Die  preussische 
Regierung  allein  setzte  sieh  in  Anerkennung  des  natürlichen  Sachverhalts  über 
das  Prinzip  der  Legitimität  kurzer  Hand  hinweg,  indem  sie  zum  Erstaunen  der 
übrigen  die  Absetzung  Karls  beim  Bundestage  beantragte  und  insgeheim  den 
Herzog  Wilhelm  zur  Selbsterklärung  als  Herrn  des  Herzogtums  vermochte. 
Nach  langem  Schwanken  trat  am  20.  lY.  1831  der  Bundestag  der  Anerkennung 
des  neuen  Bundesfürsten  bei. 

Und  wie  im  Innern,  so  griff  auch  im  Ausseren  die  preussische  Politik 
kräftig  durch.  Die  belgische  Revolution  hatte  die  Parteien  am  Köuigshofe 
schroff  geschieden;  es  gab  eine  Kriegspartei,  an  deren  Spitze  der  Herzog  Karl 
von  Mecklenburg,  des  Königs  Schwager,  stand,  zu  der  Feldmarschall  Gneisenau, 
General  Clausewitz  u.  a.  m.  hielten,  und  die  für  einen  neuen  Kriegszug  durch 
die  Champagne  schwärmte.  Auch  Prinz  Wilhelm  der  Jüngere  (der  spätere 
deutsche  Kaiser)  war  für  einen  vorbeugenden  Krieg,  ehe  die  Rache  der  Revo- 
lution erfolgen  könnte.  Der  russische  Zar  sandte  zur  Schürung  der  Kriegs- 
leidenschaft den  Osmanenbesieger  Feldmarschall  Diebitsch  nach  Berlin.  Aber 
unerschütterlich  hielt  Graf  Bernstorff,  obwohl  körperlich  durch  Krankheit  ge- 
schwächt, an  seiner  Friedenspolitik  fest  und  hatte  dabei  die  festeste  Stütze  an 
dem  alten  Könige  selbst,  der  nicht  leichtfertig  und  grundlos  einen  allgemeinen 
Weltbrand  heraufbeschwören  wollte.  x\.uf  Bernstorffs  Anraten  lud  England  die 
Mächte  zur  Schlichtung  der  belgischen  Frage  zu  einem  Kongress  nach  London 
ein  (Oktober  1830),  den  auch  Preussen,  Österreich  und  Frankreich  alsbald  be- 
schickten. An  den  Zaren  aber,  seinen  Schwiegersohn,  richtete  König  Friedrich 
Wilhelm  einen  mahnenden  Brief,  in  welchem  er  ihm  im  Kriegsfalle  die  leicht 
mögliche  Erhebung  der  Polen  prophezeite. 

Nichtsdestoweniger  dachte  die  preussische  Regierung  jeder  etwaigen  In- 
vasion von  Westen  her  kräftig  vorzubeugen.  Bereits  im  September  von  1830, 
als  der  König  Wilhelm  der  Niederlande  die  preussische  Hilfe  anrief,  wurde  das 
vierte  (sächsische)  Armeekorps  mobil  gemacht  und  zu  dem  achten  (rheinischen), 
das  ebenfalls  kriegsbereit  war,  hinübergeschafft;  doch  das  geschah  nur  in  defen- 
siver Absicht.  Die  französisch-belgische  Revolutionspropaganda  versuchte  ins- 
geheim auch  in  den  Rheinlanden  sich  Anhänger  zu  verschaffen,  aber  sie 
gewann  keinen  Boden;  der  Generalgouverneur  Prinz  Wilhelm  der  Altere  konnte 
berichten,  die  Rheinländer  verhielten  sich  durchaus  ruhig,  und  sie  thaten  das 
auch,  obsehon  sie  noch  immer  der  versprochenen  Verfassung  harrten.  Die 
preussische  Regierung  schonte  übrigens  weise  die  eigentümlichen  Einrichtungen, 
indem  sie  die  um  wenige  Zeit  später  ins  Leben  tretende  revidierte  Städte- 
ordnung nicht  aufzwang,  sondern  die  bisherige  (französische)  daneben  be- 
stehen liess. 

Mittlerweile  war  aber  doch  ein  deutsches  Bundesland,  das  Gros&herzogtum 
Luxemburg,  von  der  Revolution  ergriffen  worden.  Binnen  kurzem  war  das 
ganze  Land  in  den  Händen  der  belgischen  Regierung,  die  sieh  nach  Vertreibung 


G5 

der  Holländer  zu  Brüssel  konstituiert  hatte.  Nur  die  Bundesfestung  selbst,  in  der 
der  Gouverneur,  General  Laudgraf  Ludwig  von  Hessen-Homburg,  die  preussische 
Besatzung  befehligte,  und  ihre  nächste  Umgebung  blieb  noch  von  den  Unruhen 
verschont.  Auch  auf  der  Londoner  Konferenz  gab  sich  bald  der  demokratische 
Doktrinarismus,  hier  vertreten  durch  die  Franzosen,  in  bedenklicher  Weise  kund. 
Noch  bevor  dies  zu  Tage  treten  konnte,  am  18.  IX.  1830,  hatten  Graf  Münch 
und  Nagler  die  Bundestagsgesandten  zu  einer  Besprechung  versammelt,  als 
deren  Resultat  der  Beschluss  der  Aufstellung  eines  Bundesarmeekorps  bei 
Frankfurt  und  der  Entsendung  fliegender  Kolonnen  durch  Mitteldeutschland 
gefasst  wurde.  Diese  Massregeln  erschienen  dem  Fürsten  Metternich  nicht  aus- 
reichend; er  verlangte  schärfere.  Graf  Bernstorff  dagegen  wollte  von  solchen 
durchaus  nichts  wissen,  und  seiner  Mässigung  war  es  zu  danken,  dass  unterm 
21.  X.  1830  der  Bundesbeschluss  zustande  kam,  der  sich  darauf  beschränkte: 
1.  die  Bundesstaaten  sollten  im  Kriegsfalle  oder  bei  innerer  Bedrohung  sich 
gegenseitig  militärisch  unterstützen,  2.  die  Bundestagsgesandten  sollten  um- 
fassende Vollmachten  erhalten,  3.  die  Zensur  sollte  strenger  gehandhabt  werden. 
Der  Bundestag  sprach  aber  andererseits  die  Zuversicht  aus,  die  Regierungen 
würden  die  Wünsche  der  Unterthanen  hören  und  ihnen  landesväterlich  entgegen- 
kommen. Auf  diesen  Punkt  wies  der  Vortrag  Naglers  ausdrücklich  hin;  an 
das  braunschweigische  Beispiel  anknüpfend,  führte  der  preussische  Gesandte 
aus,  dass  auch  andere  Souveräne  ihren  Bundespflichten,  namentlich  was  die 
Errichtung  von  Landständen  beträfe,  nicht  nachgekommen  wären. 

Auf  die  Kunde  von  den  luxemburgischen  Unruhen  hin  liess  König  Friedrich 
Wilhelm  unterm  10.  XL  1830  an  den  leitenden  Staatsminister  die  Aufforderuns"  er- 
gehen,  ihm  nach  sorgfältiger  Meditation  alle  Massnahmen,  die  unbedingt  notwendig 
wären,  ausführlich  mitzuteilen.')  Gleichzeitig  sandte  er  zw^ei  MilitärbevoU- 
mächtigte,  den  General  von  Röder  nach  Wien  und  den  General  Rühle  von 
Lilienstern  an  die  süddeutschen  Höfe  (Dezember  1830),  um  dort  Vorschläge 
für  den  Fall  eines  auswärtigen  Krieges  zu  unterbreiten.  Demnach  sollten,  wenn 
jener  Fall  einträte,  drei  Heere  aufgestellt  werden:  ein  preussisches  an  der  Mosel, 
ein  süddeutsch-preussisches  am  Oberrhein  und  ein  österreichisches  in  Schwaben; 
die  Bundesfeldherrnschaft  sollte  Preussen  übertragen  werden.  Die  Verhand- 
lungen darüber  w^urden  endlos,  und  während  der  Zeit  ereignete  sich  ein  grosser 
Umschwung  in  den  pohtischen  Verhältnissen.  Die  asiatische  Cholera  brach 
über  das  Moskowiterreich  herein  und  löste  dort  alle  Bande  der  Ordnung.  Der 
Aufstand  in  Warschau  (29.  XL  1830)  und  die  folgende  Erhebung  Polens  legte 
die  zarische  Politik  lahm,  nahm  aber  auch  die  Hälfte  der  preussischen  Heeres- 
macht unter  Feldmarschall  Gneisenau  an  der  Ostgrenze  in  Anspruch.  Bald 
darauf  verkündete  (20.  L  1831)  der  Londoner  Kongress  die  Trennung  Belgiens 
von  Holland,  und  die  Belgier  wählten  Herzog  Ludwig  von  Nemours,  den  zweiten 
Sohn  Ludwig  Philipps,  zu  ihrem  Könige.  Frankreich  erhob  gleichzeitig  An- 
sprüche  auf  Kompensationen   und    verlangte    die    Neutralisierung   Luxemburgs; 


^)  Angeregt  hatte  die  Frage  eine  Denkschrift,  die  durch  Herzog  Ernst  I.  von  Saehsen- 
Koburg  und  -Gotha  dem  Könige  zugesandt  worden  war. 


66 

grosse  Ileeresmassen  wurden  zur  Unterstützung  der  Forderungen  in  Lothringen 
zusammengezogen. 

Darauf  antwortete  Preussen  durch  sofortige  Mobilisierung  des  sächsischen, 
westfälischen  und  rheinischen  Armeekorps.  Die  Franzosen,  die  Preussen  als 
Hauprgegner  erkannten,  liessen  geheime  Anfragen  an  die  süddeutschen  drei 
grössten  Höfe  ergehen  und  auf  eine  Wiederherstellung  des  Rheinbundes  hin- 
deuten. Allein  die  Souveräne  von  Baiern,  Württemberg  und  Baden  berichteten 
über  diese  Machinationen  getreulich  nach  Berlin.  Bald  darauf  verwarf  auch  der 
Kongress  zu  London  die  Wahl  des  orleanistischen  Prinzen  und  forderte  zur  Neu- 
wahl auf,  aus  der  dann  der  Prinz  Leopold  von  Sachsen-Koburg  hervorging, 
der  sofortige  Anerkennung  durch  die  beteiligten  Mächte  fand.  Auch  Frankreich 
fügte  sich.  Als  aber  der  König  der  Niederlande,  unzufrieden,  bei  der  Auf- 
stellung der  Verfassung  des  neuen  Staates  nicht  mitgehört  worden  zu  sein,  sein 
Heer  ins  belgische  Gebiet  einrücken  Hess  und  die  Belgier  allenthalben  besiegte, 
da  erklärte  Frankreich,  militärisch  intervenieren  zu  müssen.  Nachdem  seine 
Armee  unter  Marschall  Gcrard  die  Holländer  aus  dem  neuen  Königreiche 
hinausgeworfen  hatte,  zog  sie  sich  anstandslos  wieder  zurück.  Am  14.  X.  1831 
wurde  dann  die  neue  Verfassung  in  einer  Holland  genehmeren  Weise  verkündet. 
Unglücklicher  als  diese  französische  Expedition  verlief  die  Bundesexekution,  die 
der  Bundestag  unterm  18.  IH.  1831  gegen  die  luxemburgischen  Empörer  be- 
schloss.  Sie  kam  vielmehr  gar  nicht  zustande,  da  niemand  die  Kosten  für 
Ausrüstung  und  Verpflegung  der  Truppen  übernehmen  wollte. 

Unterdessen  hatte  Graf  Berustorff  seinen  Vortrag  ausarbeiten  und  dem 
Könige  unterbreiten  lassen.  Das  denkwürdige  Aktenstück,  das  die  Grund- 
züge von  Preussens  deutscher  Politik,  wie  sie  seitdem  verfolgt  wurde,  ent- 
hält, lautet"): 

„Euer  Königlichen  Majestät  allerhöchste  Order  vom  10.  Nov.  v.  J.  hat 
mir  zur  Pflicht  gemacht,  die  Fragen:  durch  welche  Mittel  die  Ruhe  im  Innern 
von  Deutschland  für  den  Fall  eines  unvermeidlichen  auswärtigen  Krieges  über- 
haupt sicher  zu  stellen  sey?  insbesondere  aber,  auf  welche  Art  und  Weise 
Preussen  seine  Stellung  und  seinen  Einfluss  in  Deutschland  für  die  Erreichung 
dieses  Zieles  und  zur  Abwendung  übler  Folgen  der  stattfindenden  Aufregung 
und  Störung  der  Verhältnisse  in  den  deutscheu  Nachbarstaaten  zu  benutzen 
haben  werde?  einer  näheren  Erörterung  zu  unterziehen  und  Allerhöchstdenen- 
selben  einen  hiernach  zu  entwerfenden  Plan  vorzulegen,  der  für  besorgliche 
Fälle  als  Richtschnur  des  eigenen  Verhaltens  dienen  könne. 

Nach  einer  durch  meinen  anhaltenden  Kraukheitszustand  verursachten  Ver- 
zögerung, welche  ich  allergnädigst  entschuldigen  zu  wollen  bitte,  kann  ich 
erst  jetzt,  unter  Berücksichtigung  der  inzwischen  eingetretenen,  bei  der  Lösung 
dieser  meiner  Aufgabe  in  Betracht  zu  ziehenden  Gestaltung  der  Verhältnisse, 
Euer  Königlichen  Majestät  liuldreichem  Befehle,  soweit  es  in  meinen  Kräften 
steht,  nach  bester  Ueberzcugung  mittelst  gegenwärtigen  unterth.  Vortrags  Folge 
zu  leisten  suchen. 


")  Das  Fül'^cnde  nach   ilen  Akton  des  von   Ibcllisoljon  Faniilienarohivs. 


67 

Eine  Thatsache,  von  welcher  ich  dabei  auszugehen  habe,  ist  die  sich 
durch  vielfache  Erscheinungen  in  mehreren  deutschen  Ländern  unverkennbar 
ankündigende  Fortdauer  derjenigen  Aufregung  der  Gemüther,  welche,  her- 
vorgerufen durch  den  Eindruck,  den  die,  in  Frankreich  und  Belgien  ausge- 
brochenen Revolutionen  nach  allen  Seiten  hin  verbreiteten,  wie  eine  epidemische 
Krankheit  ansteckend  um  sich  griff  und  besonders  im  September  und  Oktober 
v.  J.  an  mehreren  Punkten  Deutschlands  Unruhen  der  ernstlichsten  Art  er- 
zeugte. Die  auffallende  Ähnlichkeit  des  Übels  und  seiner  Wirkungen  mit  einer 
Epidemie  zeigt  sich  nächst  der  Ansteckung,  wodurch  sich  dasselbe  fortpflanzte, 
auch  in  der  fieberhaften  Natur  der  damit  verbundenen  Bewegungen.  Tiefere 
Ursachen  der  besonderen  Empfänglichkeit  für  jene  Ansteckung  liegen  mehr 
oder  minder  in  dem,  die  gegenwärtige  Zeit  überhaupt  karakterisirenden  Mangel 
an  Uebereinstimmung  und  Festigkeit  der  moralisch-religiösen  Ueberzeugungen, 
die  mit  den  politischen  Gesinnungen  so  wenig  zusammenhängen;  in  der  nicht 
abzuleugnenden  Verworrenheit,  Unsicherheit  und  Verunstaltung  der  Begriffe  von 
der  obrigkeitlichen  Gewalt  und  von  der  Heiligkeit  des  Eides;  in  einer  dieselbe 
begleitenden  falschen  Richtung  der,  diesen  Begriffen  entsprechenden  Gefühle. 
Ob  die  hier  bezeichneten  Ursachen  gerade  in  den  deutschen  Staaten,  wo  die 
ansteckende  Wirkung  der  französischen  und  belgischen  Unruhen  sich  zunächst 
und  am  heftigsten  geäussert  hat,  vorzugsweise  und  mehr  als  in  anderen  Theilen 
Deutschlands  vorwalten,  will  ich  dahingestellt  seyn  lassen;  gewiss  aber  und  no- 
torisch ist  es,  dass  schon  vor  dem  durch  die  fraglichen  Unruhen  gegebenen  starken 
Impulse  zur  Aufregung  der  Gemüther  und  zwar  längere  Zeit  vorher  in  den 
eben  gedachten  Staaten  eine  Unzufriedenheit  herrschte,  aus  welcher  sich  die 
dortige  grössere  Empfänglichkeit  für  die  Ansteckung  zunächst  und  am  Ein- 
leuchtendsten erklärt. 

Zu  den  auf  einzelne  deutsche  Staaten  beschränkten  Ursachen  der  Un- 
zufriedenheit kommen  ferner  noch  die  mancherlei  Missverhältnisse  hinzu,  die 
als  eine  natürliche  Folge  der  Trennung  Deutschlands  in  viele  Staaten 
vorzüglich  dadurch  fühlbar  werden,  dass  sie  sich  gemeinsamen  Einrichtungen 
und  Anordnungen  für  das  Ganze,  deren  Bedürfniss  hier  mehr  und  dort  minder 
lebhaft  empfunden  wird,  entweder  durchaus  hemmend  entgegenstellen  oder  die- 
selben doch  dergestalt  erschweren,  dass  sie  nur  unvollkommen  ins  Leben 
geführt  werden  können.  Man  will  den  Hoffnungen  auf  solche  Beförderungs- 
mittel der  allgemeinen  Wohlfahrt  nicht  entsagen,  man  wird  ungeduldig  über 
die  Entbehrungen  oder  Belästigungen,  die  ihr  Mangel  oder  ihre  Unvollkommen- 
heit,  wirklich  mit  sich  bringt,  man  übertreibt  auch  wohl  in  den  Schilderungen, 
die  davon  gemacht  werden,  den  Umfang  und  den  Grad  der  wirklichen  vor- 
handenen Bedrängniss;  —  und  so  entsteht  unter  dem  Zusammenwirken  aller 
(abgedachten  Umstände  ein  unbestimmtes  Verlangen  nach  einer  Veränderung 
der  jetzigen  Gestalt  der  Dinge,  welches  sich  bei  willkürlicher  Verfolgung  dieses 
Ziels,  so  warnend  auch  die  Lehren  sind,  welche  die  neue  Geschichte  hierüber 
giebt,  doch  nicht  abhalten  lassen  will,  mit  Benutzung  jedes  dargebotenen  An- 
lasses selbst  in  ungesetzliche  Thaten  und  grobe  Exzesse  auszubrechen.  Muss 
schon    der    gegenwärtige,     eben    in    allgemeinen    Zügen    dargestellte    Zustand 


68 

Deutschlands  nicht  geringe  Besorgnisse  für  dessen  innere  Ruhe  erwecken,  so 
finden  dieselbe  noch  reichlichere  Nahrung  in  dem  Gedanken  an  die  Mög- 
lichkeit eines  nahe  bevorstehenden  Krieges  mit  dem  Auslande;  da  bei  dessen 
Verwirklichung  —  während  man  Streitkräfte,  die  zur  [Tnterdrückung  innerer 
Aufstände  dienen  könnten,  gegen  den  auswärtigen  Feind  zu  verwenden  hätte, 
—  zugleich  neue  Lasten  und  Entbehrungen  eine  Steigerung  der  Unzufrieden- 
heit herbeiführen  würden,  wenn  einerseits  zur  Ueberwindung  des  Feindes  eine 
grössere  Anstrengung  mit  Gut  und  Blut  von  Unterthanen  gefordert  werden 
müsste,  die  sich  nach  Erleichterung  ihres  jetzigen  Druckes  schon  sehnen, 
andererseits  aber  die,  in  Begleitung  jedes  Krieges  eintretende  Hemmung  des 
Verkehrs  den  Ertrag  ihrer  Erwerbszweige  besonders  zum  Nachtheile  der,  vor- 
zugsweise in  den  Städten  wohnenden  industriellen  Volksklasse  empfindlich  ver- 
mindern dürfte. 

Wie  gegründet  indessen  auch  jene  Besorgnisse  seyn  mögen,  so  rechtfertigen 
sie  doch  keine  Zweifel  an  dem  Vorhandenseyn  und  der  Wirksamkeit  von 
Mitteln,  dem  drohenden  Unheil  vorzubeugen  oder  seine  ferneren  Ausbrüche  mit 
Erfolg  zu  bekämpfen,  selbst  im  Falle  eines  unvermeidlichen  Krieges  unter  den 
Deutschen  eine  zustimmende  Begeisterung  zu  entzünden,  welche  zur  Erleichterung 
der  ihnen  anzusinnenden  Mittel  mitwirke.  Diese  Mittel  werden,  sowie  das  Uebel, 
gegen  welches  dusch  deren  Anwendung  anzukämpfen  ist,  im  Wesentlichen  nur 
moralischer  Natur  seyn  können,  wenn  man  sich  sowohl  jetzt  als  im  Falle 
eines  Krieges  sichern  Erfolg  davon  versprechen  will.  Sie  werden  zunächst  auf 
eine  richtige  Behandlung  und  Leitung  des  Geistes  der  Majorität  aller  Gebil- 
deten und  Besitzenden  berechnet  und  dahin  gerichtet  seyn  müssen,  dass 
diese  Majorität  nicht  neutral  bleibe,  sondern  sich  den  Maasregeln  der  Regierung 
mit  Liebe  anschliesse.  Bedingt  werden  sie  deshalb  durch  die  Voraussetzung, 
dass  die  Majorität  der  Gebildeten  und  Besitzenden,  vom  Gefühle  ihrer  wahren 
Interessen  bestimmt,  allenthalben  geneigt  und  bereitwillig  sey,  die  guten  Ab- 
sichten der  Regierungen  kräftig  zu  unterstützen,  wo  sie  anerkennen  muss,  dass 
alle  Regierungs-Maasregeln  nach  Rücksichten  des  Gemeinwohls  bestimmt  und 
abgemessen,  dagegen  aber  Eingebungen  und  Rathschläge  des  Partheigeistes,  — 
die  Parthei  sei  welche  sie  wolle,  —  zurückgewiesen  und  Gefahren  entfernt 
gehalten  werden,  welche  der  Einfluss  eines  solchen  Geistes  auf  EntSchliessungen 
der  Staatsgewalt,  wie  neuere  Beispiele  in  mehreren  Staaten  nur  allzustark  be- 
weisen, der  allgemeinen  Wohlfahrt  bereiten  kann. 

Ich  glaube  nach  der  Ansicht,  welche  ich  mir  über  den  deutschen  National- 
Charakter  habe  bilden  können,  die  eben  gedachte  Voraussetzung  zur  Grundlage 
nachstehender  Betrachtungen  machen  zu  dürfen. 

I.  Je  leichter  der  natürliche  Verstand  einsieht,  wie  sehr  das  Gemeinwohl 
dabei  interessirt  ist,  dass  die  Grenze  dos  Staats  gegen  Angriffe  des  auswärtigen 
Feindes  vertheidigt  und  dass  die  gute  Absicht  der  Regierung,  diese  Vertheidigung 
ernstlich  zu  betreiben,  von  allen  Seiten  kräftig  unterstützt  werde,  —  um  so 
wichtiger  für  ganz  Deutschland  scheint  mir  zunächst  die  Annahme  oder  Be- 
hauptung einer  Politik,  welche  für  den  Fall,  wenn  ein  Krieg  unvermeidlich  seyn 
aullte,    sicher    dahin    tüiirt,    dass    der    L'ebergaug    aus    dem  jetzigen   Zu- 


69 

stände  in  den  Kriegszustand  unter  Umständen  geschehe,  die  eine 
unbedingte  Nothwendigkeit  des  Letzteren  als  evidente  Thatsaehe  den 
Unterthanen  aller  deutschen  Staaten  unabweislich  vor  die  Augen  rücken;  was 
nach  dem  herrschenden  Geiste  unserer  Zeiten  nicht  etwa  bei  einem  Kriege  um 
Prinzipien,  worüber  im  Innern  von  Deutschland  selbst  Partheien  sich  streiten, 
sondern  nur  alsdann  stattfinden  wird,  und  sicher  erwartet  werden  darf,  wenn 
ein  Angriff  des  Feindes  alle  Zweifel  über  jene  Nothwendigkeit  des  Krieges 
zerstreut  und  alle  weitere  desfallsige  Rechtsdeductionen  als  überflüssig  erscheinen 
lässt,  deren  Unentbehrlichkeit  zur  Ausführung  der  Motive  des  Kriegs  überhaupt 
nichts  Wünschenswertes  wäre. 

II.  Beginnt  aber  ein  Krieg,  welcher  den  Charakter  unbedingter  Noth- 
wendigkeit unverkennbar  an  sich  trägt,  so  wird  zur  Abwendung  jedes  Erkaltens 
oder  Erschlaffens  des  guten  Willens,  welcher  den  Regierungen  bei  ihrer  Thätig- 
keit  für  das  W^ohl  und  die  Ehre  des  Vaterlandes  alsdann  sicherlich  entgegen- 
kommen wird,  auch  darauf  Bedacht  zu  nehmen  seyn,  dass  aus  den  Hand- 
lungen und  Maasregeln  der  deutschen  Fürsten  nichts  hervorblicke,  was  auf  ein 
Mistrauen  derselben  gegen  ihre  Völker  schliessen  lassen  könnte.  Das  Gegen- 
theil  dürfte  leicht  zu  Störungen  der,  unter  den  obwaltenden  Umständen  doppelt 
wichtigen  Einmüthigkeit  in  den  Bestrebungen  für  das  Wohl  des  Ganzen  Ver- 
anlassung geben. 

III.  Eine  der  sichersten  Bürgschaften  für  die  Festigkeit  und  Zunahme 
eines  gegenseitigen  Vertrauens  gewährt  die  stete  Anwendung  gesetzlicher 
Mittel  bei  Verfolgung  der  allgemeinen  und  besonderen  Zwecke  der  Regierungen. 
Wo  hierbei  von  der  Konsequenz  eines  gesetzmässigen  Ganges  abgewichen  wird, 
in  welcher  gerade  die  Stärke  einer  legitimen  Regierung  beruht,  fehlt  der  phy- 
sischen Gewalt  das  Haupt-Element,  das  ihr  allein  Würde,  Achtung  und  nach- 
haltige Wirkung  verleiht,  nehmlich  die,  das  Wesen  der  Gesetzmässigkeit  bildende 
moralische  Kraft.  Dieses  Zaubers  entkleidet,  der  die  Gemüther  so  mächtig 
zügelt  und  bindet,  pflegt  sie  nur  gar  zu  leicht  wieder  physische  Kräfte  zum 
Widerstände  gegen  sich  aufzureizen  und  in  Kämpfe  gezogen  zu  werden,  die 
den  moralischen  Zustand  der  darin  verwickelten  Bevölkerung  —  welchen  Aus- 
gang sie  auch  haben  mögen  —  jedenfalls  aufs  Tiefste  zerrütten.  In  Deutsch- 
land, wo  der  altgewohnte  Boden  der  Ordnung  und  des  Rechts,  —  der  fort- 
dauernden Aufregung  ungeachtet  —  zwar  hier  und  dort  stark  erschüttert, 
nirgends  aber  durch  zerstörende  Revolutionen  aufgelösst  ist,  braucht  nicht  ein- 
mal ein  Zweifel  darüber  aufzukommen,  ob  die  Regierungen  zur  Erreichung  ihrer 
Zwecke  auch  anderer  als  gesetzlicher  Mittel  wirklich  bedürfen;  denn  hierzu 
reichen  die  letzteren  aus  dem  Boden  der  Ordnung  und  des  Rechtes  immer  hin, 
vorausgesetzt,  dass  sie  mit  Energie,  Consequenz  und  Geschick  gehandhabt 
werden.  Diese  Handhabung  aber  hängt  von  der  Persönlichkeit  der  Beamten 
und  dem  sie  beseelenden  Geiste,  zunächst  also  von  ihrer  Wahl  ab. 

IV.  Zur  Aufrechthaltung,  tieferen  Begründung  und  Verbreitung  des  Sinnes 
für  Recht  und  Ordnung  kann  ohne  Zweifel  auch  die  Presse  sehr  wesentlich 
beitragen.  Es  ist  deshalb  gewiss  sehr  zu  bedauern,  dass  sich  jetzt  zu  wenige 
tüchtige  Stimmen  erheben,    um  jene   gute  Sache  des  Rechts   und  der  Ordnung 

ö 


70 

gegen  die  Angriffe,  denen  sie  besonders  in  ausländischen  Blättern  ausgesetzt 
ist,  mit  Ernst  und  Einsicht  zu  vertreten.  Damit  die  Herausgabe  von  Zeitungen 
oder  periodischen  Blättern,  welche  sich  diesem  Zwecke  widmen,  nach  Möglich- 
keit gefördert  werde,  möchte  es  schon  jetzt  an  der  Zeit  sein,  hierzu  Schrift- 
steller von  Talent  und  guter  Gesinnung  zu  gewinnen,  bei  denen  die  letztere 
sich  in  der  Neigung  offenbare,  durch  ihre  Feder  die  Lösung  der  schwierigen, 
den  Regierungen  obHegenden  Aufgabe  zu  erleichtern.  Immerhin  könnte  man 
ihnen  dabei  —  sofern  ihre  Persönlichkeit  hinreichende  Garantie  gewährt  — 
freieren  Spielraum  gestatten,  ohne  jedoch  im  Allgemeinen  eine  wesentliche  Ver- 
änderung in  den  Bestimmungen  über  die  Censur  eintreten  zu  lassen;  denn 
diese  wird  auch  im  Falle  eines  Krieges  nicht  entbehrt  werden  können,  so 
wenig  man  übrigens  der  Begeisterung,  welche  mit  Wort  und  Schrift,  die  Sache 
des  Vaterlandes  gegen  den  auswärtigen  Feind  vertheidigen  will,  Einhalt  zu 
thun  haben  dürfte. 

V.     Das3    ferner     die    Gründung     gemeinsamer    Institutionen    für 
Deutschland,  besonders  aber  eines  ganz  Deutschland  umfassenden  Systemes 
der    Freiheit    des    Handels   und   Verkehrs,    über    dessen    Mangel    so  viel 
geklagt  wird,  auch  für  die  Sicherstellung  und  Befestigung  der  Ruhe  in  seinem 
Innern    von  grossem  Werte   seyn  würde,    isl  keineswegs  in  Abrede  zu  stellen, 
und    vielmehr   demjenigen   ganz    beizupflichten,    was  der  Verfasser  einer.   Euer 
Königlichen  Majestät  von  dem  Herzoge  von  Sachsen-Coburg-Gotha  mitgetheilten 
und  mir  allergnädigst  zugefertigten  Denkschrift,   die  Mittel  zur  Erhaltung  oder 
Wiederherstellung    der  Ordnung  in  den  deutschen  Staaten  betreffend,   hierüber 
bemerklich  gemacht  hat.     Nur  seiner  Ansicht  über  den  Weg,  auf  welchem  die 
Begründung  und  Einführung  einer  solchen  Institution  zu  bewirken  wäre,  kann 
ich    nicht   beitreten.     Sein  Rath  geht    dahin,    diese  Sache  ohne  Zeitverlust  am 
deutschen  Bundestage   zur  Erörterung   zu  bringen,    baldigst  auszusprechen, 
dass    die   bezeichnete   Maasregel   Statt    finden    solle,    den  Moment  des  Eintritts 
derselben  schon  jetzt  zu  bestimmen,  vorläufig  die  Grundzüge  eines  allgemeinen 
Zoll-  und  Ilandels-Systemes,    die  näheren  Versieherungen  einer  Commission  zu 
übertragen,  und  einen  Termin  für  die  Beendigung  ihrer  Arbeiten  anzuberaumen. 
Indem   ich   mich   gegen    eine  Betreibung    dieser   hochwichtigen    Angelegenheit 
durch  den  deutschen  Bund  und  sein  Organ,  die  Bundesversammlung,  als  gegen 
ein  durchaus  unpraktisches  und  zweckwidriges  Unternehmen,  zu  erklären  habe, 
glaube  ich  hier  die  weit  verbreitete    und  oft  wiederholte  Beschwerde  berühren 
zu  müssen,    dass  der  deutsche  Bund  überhaupt  nicht  leiste,   was  das  gemein- 
same Interesse  Deutschlands  erheischt.     Ungeachtet  aller,  durch  die  Geschichte 
der  letzten   14  Jahre  hierzu  gelieferten  Beläge,  wäre  es   doch  ungerecht,    nicht 
dabei  in  Erwägung  zu  ziehen,  wie  wenig  dieser  Vorwurf  zum  Theil  und  nament- 
lich in  so  fern  begründet  werden  kann,    als  mau  von  dem  Bunde  Institutionen 
und  Anordnungen  verlangt,    wie    nur    die  Einheit  einer  und  derselben  Re- 
gierung   in    ihrer,    über   ein  ganzes  Land   gleichmässig    ausgedehnten  kräftigen 
Wirksamkeit  sie  zu  schaffen  vermag.     Man  übersieht  zu  leicht,  dass  der  Bund, 
—  anstatt  die  hierzu  unentbehrliche  Kraft  innerer  Einheit  zu  besitzen  —  eine 
Zusammensetzung  aus  acht  und  dreiüsig  Staaten  bildet,  von  denen  jeder  auf 


71 

Souverainitiit  Anspruch  macht,  welche  durch  die  Buudes-Akte  garantirt  sind. 
Allerdings  kann  auch  ein  solcher  Verein  in  den  Fall  kummen,  für  diese  oder 
jene  Anordnung  eine  vorübergehende  gemeinschaftliche  Geneigtheit  zu  be- 
zeigen, die  man  immerhin,  wo  sie  durch  besondere  Umstände  hervorgerufen 
wird,  mit  Erfolg  zu  benutzen  im  Stande  ist;  —  so  zum  Beispiel,  jetzt  seine 
Geneigtheit  für  Vollendung  der  Organisation  des  deutschen  Bundesheeres  bei 
der  drohenden  Gefahr  eines  Bundeskriegs.  Die  Schöpfung  eines  all^e- 
meinen  deutschen  Zoll-  und  Handelssystemes  oder  irgend  einer  andern 
allgemeinen  und  bleibenden  Institution  ähnlicher  Natur  ist  dagegen  eine  Auf- 
gabe, deren  Lösung  dem  Bunde  so  lange  unmöglich  bleiben  wird,  als  derselbe 
nicht  eine  andere  von  der  jetzigen  ganz  verschiedene  und  der  Ausführung 
solcher  Pläne  günstige  Organisation  besitzt. 

Hätte  irgend  einer,  der  mächtigeren  Bundesstaaten,  namentlich  Preussen, 
auch  verfassungsmässig  einen  grösseren  Einfluss  in  den  Bundesversammlungen 
auszuüben  als  gegenwärtig,  wo  keinem  Bundesstaate  von  den  sie  benzig 
Stimmen  des  Plenums  mehr  als  vier,  und  von  den  siebenzehn  Stimmen  des 
engeren  Rathes  mehr  als  eine  zukommen;  so  müsste  man  sich  doch  von 
jedem  Versuche,  die  Begründung  jener  für  Deutschlands  Gesammt  Interesse 
wünschenswerthen  Institution  durch  den  Bund  zu  betreiben  und  hierzu  die 
Initiative  zu  ergreifen,  schon  aus  den  ebenbezeichneten  allgemeinen  und  in 
der  Natur  des  Bundes-Verhältnisses  hegenden  Gründen,  und  noch  mehr  durch 
die  bereits  gemachten  Erfahrungen  zurückgehalten  finden.  Schon  im  Jahre 
1816  scheiterte  der,  in  Folge  der  damaligen  Mis-Erndte  angestellte,  durch 
Preussens  Zustimmung  aufs  Lebhafteste  unterstützte  und  durch  grosse  Popu- 
larität begünstigte  Versuch,  die  Freiheit  des  Verkehrs  mit  den  unentbehrlichsten 
Lebensbedürfnissen  im  ganzen  Umfange  des  Bundes  mittels  Bundesbeschlusses 
einzuführen.  Und  gewiss  würden  die  mehrjährigen  Berathungen  über  gemein- 
same Zoll-Einrichtungen,  wozu  süd-  und  mitteldeutsche  Staaten  sich  im  Jahre 
1820  gleichzeitig  in  Darmstadt  vereinigten,  anstatt  ihrer  damaligen  gänzhclien 
Erfolglosigkeit  keinen  befriedigenden  Ausgang  gehabt  haben,  wenn  sie  am 
Bundestage,  unter  Theilnahme  aller  übrigen  Bundesregierungen  geführt  worden 
wären.  Wenn  endlich  die  neuere  Geschichte  Deutschlands  in  dem  sogenannten 
mitteldeutschen  Handelsvereine  das  Beispiel  einer,  von  fünfzehn  deut- 
schen Staaten  in  Bezug  auf  Zoll-  und  Handelsverhältnisse  wirklich  geschlossenen 
Verbindung  aufzuweisen  hat;  so  können  dtch  meine  obigen  ehrfurchtsvollen 
Bemerkungen  hinsichtlich  der,  unter  den  jetzigen  Verhältnissen  obwaltenden 
Unmöglichkeit,  Deutschlands  wahres  Handels-Interesse  durch  gleichzeitiges  Zu- 
sammenwirken vieler  oder  aller  Bundesstaaten,  —  sei  es  am  Bundestage 
oder  anderweitig  —  zu  fördern,  wohl  nicht  besser  und  augenscheinlicher  be- 
stätigt werden,  als  gerade  durch  die  Entstehung,  das  innere  Wesen  und  das 
Schicksal  dieses,  sich  jetzt  schon  faktisch  von  selbst  wieder  auflösenden  Vereins. 
Der  eigentliche  Zweck  desselben  bestand  nur  darin,  den  Wirkungen  und  einer 
weiteren  Verbreitung  der  wohlthätigen  Grundsätze  Einhalt  zu  thun,  durch  deren 
Aufstellung  und  Auwendung  Euer  Königlichen  Majestät  allerhöchste  Regierung 
seit    der  Einführung    des  Zell-  und  Steuersystems    von   1818    zu  Handels-    und 

5* 


72 

Zoll- Vereinen  mit  einzelnen  Staaten  die  Hand  geboten  hat  und  nicht  ohne 
Erfolg  dahin  zu  streben  fortfährt,  dass  die  Verwirklichung  des  Ideals  allge- 
meiner Freiheit  des  Handels  und  Verkehrs  für  ganz  Deutschland  allmählich 
zu  Stande  kommen  könne,  so  wenig  auch  gerade  für  Preussen  wegen  der,  in 
finanzieller  und  zum  Theil  auch  in  staatswirthschaftlicher  Hinsicht  dabei  von 
Ihm  zu  bringenden  Opfer  der  gegenwärtige  Zeitpunkt  hierzu  geeignet  seyn 
mag.  Es  darf  Preussen  jedoch  zur  Genugthuung  gereichen,  dass  dieses  sein 
unablässiges  Bestreben,  bei  aller  Misdeutung,  die  es  erfahren  hat,  und  bei  allen 
Hindernissen,  die  ihm  in  den  Weg  gelegt  worden  sind,  je  länger,  je  mehr  An- 
erkennung, Würdigung  und  entgegenkommende  Unterstützung  in  Deutschland 
findet. 

Was  den  sonstigen  Inhalt  der  von  dem  Herzoge  von  Sachsen-Coburg- 
Gotha  mitgeteilten  Denkschrift  betrifft,  welche  laut  ihres  Datums  in  der  ersten 
Hälfte  des  Oktobers  vorigen  Jahres  abgefasst  worden;  so  haben  mehrere  darin 
ausgesprochene  Wünsche  und  Vorschläge  inzwischen  durch  den  später  zu- 
stande gekommenen  Bundesbeschluss  vom  21.  Okt.  v.  J.  eine  mehr  oder 
weniger  vollständige  Erfüllung  erhalten. 

In  den  letzten  Worten  auf  die  moralische  Natur  des  Übels  und  auf 
die,  gegen  dasselbe  anzuwendenden  Mittel  moralischer  Natur  nur  im  allge- 
meinen hindeutend,  hat  der  Bundesbeschluss  vom  21.  Okt.  v.  J.  —  der  Haupt- 
sache nach  —  und  besonders  in  den  ad  No.  1  u.  2  darin  festgestellten  Be- 
stimmungen dafür  gesorgt,  dass  für  die  keineswegs  ausser  Acht  zu  lassenden 
Fälle,  wo  der  fortwallende  Geist  der  Unruhe  in  zügellose  Handlungen  ausbricht, 
kein  Bundesstaat  aus  Unzulänglichkeit  seiner  eigenen  Kräfte  der,  zur  Unter- 
drückung solcher  Aufstände  nötigen  physischen  Mittel  entbehre.  Hiermit 
ist  dem,  in  dieser  Beziehung  stattfindenden  nächsten  Bedürfnisse  sowohl  für 
die  Gegenwart  als  für  die  Zukunft,  wo  dergleichen  Aufstände  während  eines 
auswärtigen  Krieges  vorkommen  könnten,  einstweilen  Genüge  geleistet.  Sollte 
sich  die  Zukunft  indessen  so  traurig  gestalten,  dass  neben  der,  einem  Kriege 
zuzuwendenden  Anstrengung  und  Aufmerksamkeit  auch  noch  der  Gebrauch 
physischer  Mittel  zur  Dämpfung  von  Unruhen  im  Innern  Deutschlands  oder 
zu  Verhinderung  derselben  nötig  würde;  so  möchten  die  Grenzgegenden  zwischen 
Kurheasen  und  Grossherzogtum  Hessen,  sowie  in  Thüringen  nebst  den  um- 
liegenden Ländern  wohl  vorzugsweise  im  Sinne  des  Bundesbeschlusses  vom 
21.  Okt.  V.  .1.  unter  den  Schutz  und  die  Beobachtung  grösserer  oder  geringerer 
Massen  von  Bundestruppen  zu  stellen  sein,  zu  deren  dortiger  Zusammen- 
ziehung, —  nächst  der  Lage  der  beiden  Festungen  Erfurt  und  Mainz  —  auch 
die  Kriegsverfassung  des  deutschen  Bundes  einen,  eventuell  als  Vorwand  zu 
benutzenden  ostensiblen  Grund  darbietet,  indem  dieselbe  in  ihren,  am  9. 
April  1821  beschlussmässig  angenommenen  Grundzügen  Art.  XI  vorschreibt: 
„dass  für  das  Bundesheer  eine  besondere  Reserve  bestehen 
soll,  damit  solches  vollzählig  erhalten  und  im  Falle  der  Noth- 
wendigkeit  verstärkt  werden  könne." 

Aufgestellt    in    den    bezeichneten    Gegenden     und    nach    Umständen    zu 
mobilen    Kolonnen    orgauibiert,    würde    die  Keserve    dem    deutschen   Bunde, 


73 

während  seine  Heere  dem  auswärtigen  Feinde  gegenüberstehen,  für  die  Erhal- 
tung der  Ruhe  in  seinem  Innern  die  wirksamsten  Dienste  zu  leisten  geeignet 
seyn,  worüber  zu  seiner  Zeit  mit  den  betreffenden  Staaten  das  Erforderliche 
zu  verabreden  sein  würde. 

"Welche  ausserordentlichen  Maasregeln  im  Falle  eines  auswärtigen 
Krieges  für  die  Erhaltung  oder  Wiederherstellung  der  Ruhe  im  Innern  von 
Deutschland  etwa  noch  nothwendig  oder  nützlich  werden  möchten,  getraue  ich 
mir  für  itzt  nicht  anzudeuten,  da  mir  der  fernere  Lauf  der  Ereignisse 
und  die  Natur  der,  in  jedem  besonderen  Momente  obwaltenden 
individuellen  Umstände  hierüber  Belehrung  an  die  Hand  geben  kann. 
Unter  die  Fragen,  deren  Beantwortung  von  solchen,  nicht  im  Voraus  za  be- 
rechnenden Umständen  abhängt,  zähle  ich  namentlich  auch  die:  ob  und  wie 
weit  die  Anordnung  und  Ausführung  ausserordentlicher  Maasregeln  zur  Er- 
reichung des  angegebenen  Zweckes,  wenn  das  Bedürfniss  derselben  eintritt, 
dem  deutschen  Bunde  zu  überlassen  oder  als  Gegenstand  der  Verabredung 
und  des  gemeinschaftlichen  Zusammenwirkens  einzelner  Bundesstaaten,  die  sich 
in  grösserer  oder  geringerer  Anzahl  darüber  vereinigen  könnten,  zu  behandeln 
sein  würde? 

Nachdem  ich  die,  in  Euer  Königlichen  Majestät  allerhöchster  Order  vom 
10.  November  v.  J.  aufgestellte  Frage  bisher  in  allgemeinen  Beziehungen 
für  sämmtliche  deutsche  Staaten  betrachtet  und  beleuchtet  habe,  wie  der  mir 
gnädigst  ertheilte  Befehl  zunächst  vorzuschreiben  scheint,  bleibt  mir  noch 
übrig,  mich  mit  denselben  in  ihrer  speziellen  Beziehung  auf  Preussen  zu 
beschäftigen  und  meine  unterthänigste  Äusserung  besonders  darüber  ab- 
zugeben: 

auf  welche  Art   und  Weise  Preussen   seine  Stellung   und  seinen 

Einfluss  in  Deutschland  für  die  Erreichung  des  Zweckes  und 
zur  Abwendung  übler  Folgen  der  stattfindenden  Aufregung  und 
Störung  der  Verhältnisse  in  den  deutschen  Nachbarstaaten  zu 
benutzen  habe? 

Von  Preussens  obenerwähnter  Stellung  im  deutschen  Bunde,  welche  nach 
dessen  jetziger  Organisation  verfassungsmässig  und  namentlich  in  Ansehung 
des  auszuübenden  Stimmrechts  keine  andere  ist,  als  diejenige,  in  welcher  sich 
ausser  Oesterreich  auch  Bayern,  Sachsen,  Hannover  und  "Württemberg  befinden, 
kann  hier  nach  meinen  unterth.  Bemerkungen  über  das  Bundes-Verhältniss 
im  Allgemeinen  nicht  mehr  die  Rede  seyn.  Wie  ich  bei  Gelegenheit  jener 
Bemerkungen  schon  erinnerte,  hat  sich  aber  für  Preussen,  abgesehen  von  seinen 
Beziehungen  zum  Bunde,  eine  Stellung  in  Deutschland  gebildet,  die  es  ihm 
möglich  macht,  im  Weege  der  Abschliessung  von  Partikular  Vereinigungen 
mit  einzelnen  Staaten  viel  Gemeinnütziges,  was  beim  Bunde  kein  Glück  machen 
würde,  vorzubereiten  und  ins  Leben  zu  führen.  Dieser  Weeg,  auf  welchem 
namentlich  zur  Beförderung  allgemeiner  Freiheit  des  Handels  und  Verkehrs 
unter  allmähligem  Zutritte  mehrerer  Genossen  schon  wichtige  und  erfreuliche 
Resultate  gewonnen  sind,  wird  geöffnet  und  gebahnt  durch  das.  Euer  König- 
lichen Majestät  allerhöchster  Regierung  je  länger,  je  mehr  entgegenkommende 


74 

Vertrauen  der  deutschen  Regierungen  und  die  sich  derselben  je  länger 
je  mehr  zuwendende  Neigung  der  deutschen  Völker. 

Das  Eine  wie  das  Andere  erhält  die  höchste  Bedeutuntr  vermöjre  des 
mächtigen  moralischen  Einflusses,* welchen  Preussen  gerade  deshalb  in  Deutsch- 
land überhaupt  ausübt  und  auszuüben  den  Beruf  hat.  Dieser  Einfliiss  giebt 
ihm  bei  fortgesetzter  richtiger  Benutzung  desselben  auch  das  sicherste  Mittel 
in  die  Hände,  Deutschlands  innere  Ruhe  auch  im  Falle  eines  auswärtigen 
Krieges  zu  beschirmen  und  zu  befestigen.  Es  kommt  also  wesentlich  darauf 
an,  dass  derselbe  in  ungeschwächter  und  zunehmender  "Wirksamkeit  auf  den 
Grundlagen  fortbestehe,  auf  denen  er  beruht  und  diese  Grundlagen,  das  Ver- 
trauen der  Regierungen  und  die  gute  Meinung  der  Völker,  uner^chüttert  zu 
erhalten,  scheint  demnach  Preussens  Willen  und  ein  Hauptaugenmerk  seiner 
Politik  bleiben  zu  müssen.  Erhalten  werden  aber  kann  beides  nur  in  der- 
selben Weise  und  Ordnung,  wie  es  erworben  ist:  durch  beharrliche  Liebe  für 
Recht  und  Gesetzmässigkeit,  durch  Offenheit  und  Wahrheit  in  allen  Verhält- 
nissen, durch  Empfänglichkeit  für  alle  Reformen,  welche  —  nicht  etwa  das 
Geschrei  der  Neuerer  —  sondern  ein  richtig  erkanntes  Bedürfnis  der  Zeit 
fordert,  überhaupt  also  durch  Bewahrung  der  eigenen  inneren  Gesundheit,  in 
deren  Kraft  —  dank  Euer  Königlichen  Majestät  hoher  Regierungs-Weisheit  — 
Preussen  stark  und  geehrt  unter  den  Staaten  Europas  besteht.  Mit  den  ange- 
gebenen Grundbedingungen  der  Entstehung  und  der  Fortdauer  des  Einflusses, 
den  Preussen  in  Deutschland  besitzt,  ist  auch  zugleich  schon  die  rechte  Art 
seiner  Ausübung  bezeichnet.  Ich  erblicke  das  Wesen  der  letzteren  haupt- 
sächlich darin,  dass  Preussen  mit  seinem  Beispiele  den  übrigen  deutschen 
Staaten  vorleuchte  und  sie  dadurch  zu  einer  Nachahmung  bestimme,  welche 
nicht  ausbleiben  und  auch  für  die  Erhaltung  der  inneren  Ruhe  Deutschlands 
selbst  im  Falle  eines  Krieges  heilbringende  Früchte  tragen  wird.  Sowohl 
dieses  Beispiels  wegen,  als  im  Interesse  der  eigenen  Wohlfahrt  und  Sicherheit 
hat  Preussen,  meines  allerunterthänigsten  Erachtens  die  Richtschnur  seines 
ferneren  Handelns  zunächst  und  insbesondere  in  den  oben  von  No.  I  bis  V 
ehrfurchtsvoll  vorgetragenen  Erwägungen  zu  suchen  und  von  den  daselbst  in 
Vorschlag  gebrachten,  auf  Sicherstellung  der  Ruhe  im  Innern  von  Deutschland 
überhaupt  abzweckeuden  Mittel  moralischer  Natur  eigenen  Gebrauch  zu 
machen.  Unter  ehrfurchtsvoller  Bezugnahme  auf  jene  Vorschläge  glaube  ich 
namentlich  in  tiefster  Unterwürfigkeit  empfehlen  zu  müssen: 

1.  Dass  Euer  Königlichen  Majestät  allerhöchste  Regierung  bei  einer  Politik 
beharre,  welche  den  Frieden  auf  alle  mit  Preussens  Ehre  und  anderen  wesent- 
lichen Interessen  vereinbare  Weise  zu  erhalten  sucht  und  zugleich  —  wenn 
ein  Krieg  dennoch  unvermeidlich  werden  sollte  —  den  auswärtigen  Feind  in 
den  Fall  setzt,  ihn  durch  einen  Angriff  von  seiner  Seite  zu  eröffnen.  Unter- 
nimmt alsdann  der  Feind  einen  Angriff",  so  wird  Euer  Königlichen  Majestät 
landesväterliche  Ansprache  an  das  Volk,  wie  sie  im  Jahr  1818  statt  fand,  ge- 
wiss ähnliche  Wirkungen  hervorbringen  und  mächtig  dazu  beitragen,  dass  der 
treue  Wille  Allerhöchst  Ihrer  Unterfhanen,  sich  ihres  Königs  würdig  zu  bezeigen, 
allenthalben  in  That  übergehe;    auch    wird  dieselbe  nicht   vergebens  in  andern 


75 

Staaten  Deutschlands  erschallen,  sondern  unter  Fürsten  und  Yülkern  eine  rühm- 
liche Nacheiferung,  ein  aufrichtiges  Verlangen  erwecken,  gemeinschaftlich  mit 
Preusaen  den  gemeinsamen  deutschen  Buden  und  seine  heiligsten  Interessen, 
unter  Bewahrung  innerer  Ruhe  und  gesetzlicher  Ordnung,  mit  ausdauernder 
Tapferkeit  zu  vertheidigen.  Diese  Erfolge  darf  Deutschland  sich  umsomehr 
versprechen  jemehr  und  fester  es  darauf  vertrauen  kann,  dass 

2.  Preussen  fortfahren  werde,  seinen  Yülkern  ein,  über  jeden  Zweifel 
erhabenes  Vertrauen  in  ebendemselben  Maasse  zu  schenken  als  Es  Sich  durch 
ernstliches,  von  dem  Einflüsse  jedes  Partheigeistes  freies  Handeln  für  das  Gemein- 
wohl volle  Ansprüche  auf  ihr  Vertrauen  erwirbt;  —  dass  es  ferner 

3.  auch  darin  beharren  werde,  sich  bei  der  Wahl  und  Ausführung  seiner 
hierauf  berechneten  Maasregeln  immer  nur  gesetzlicher  Mittel  zu  bedienen, 
und  zugleich  darauf  halten  werde,  dass  ihm  eine  geschickte  und  energische 
Handhabung  derselben  durch  ein  wohlgesinntes  Beamten-Personal  nirgends 
fehle,  dass  es  endlich  unter  Beihaltung  und  Beförderung  einer  verständigen 
Censur 

4.  dafür  sorgen  werde,  dass  die  heilige  Sache  des  Rechts,  der  Ordnung 
und  des  Vaterlandes  auch  durch  die  Stimme  einsichtsvoller  Schriftsteller  immer 
treuere  und  immer  zahlreichere  Anhänger  gewinne. 

Zur  Verstärkung  der  wohlthätigen  Wirkung,  welche  Preussens  Beispiel 
hierdurch  bei  andern  deutschen  Staaten  je  länger  je  mehr  hervorbringen  wird, 
kann  Euer  KonigUchen  Majestät  allerhöchste  Regierung  Vieles  beitragen, 
wenn  Sie 

5.  freundschaftliche  Rathschläge  im  Sinne  ihrer  eigenen  Handlungs- 
weise mit  Benutzung  jeder  passenden  Gelegenheit  zu  ertheilen  bereit  ist,  ohne 
sich  irgendwie  mit  einer  solchen  direkten  Einmischung  aufzudringen,  welche 
die  Lage  der  politischen  Verhältnisse  in  Deutschland  und  in  Europa  erlaubt; 
—  wenn  Sie 

6.  sich  nach  wie  vor  angelegen  seyn  lässt,  alle  auf  Deutschlands  Wohlfahrt 
abzielenden  gemeinnützigen  Anordnungen  und  Institutionen  nach  Möglich- 
keit zu  fördern  wie  sie  es  in  consequenter  woiterer  Verfolgung  des  betretenen 
Weegs  der  Partikular-Vereinigungen  mit  einzelnen  Staaten,  wo  nur 
dieser  Weeg  zum  Ziele  führen  kann;  oder  sey  es  durch  nachdrückliche  Mit- 
wirkung bei  den,  solchen  Gegenständen  gewidmeten  Berathungen  und  Be- 
schlüsse der  deutschen  Bundesversammlung,  so  weit  das  allgemeine  Beste 
nach  der  Natur  des  besonderen  Falles  aus  Maasregeln  des  Bundes  wirklich 
hervorgehen  kann;  —  namentlich  also,  wenn  Sie 

7.  bei  fortgesetzter  treuer  Erfüllung  Ihrer  Bundespflichten  —  wie  sich 
von  selbst  versteht  —  insbesondere  den  ernsten  Willen  bethätigt,  dass  der  zur 
Abwendung  und  Unterdrückung  neuer  Volks-Aufstände  gefasste  Bundesbeschluss 
vom  21ten  Oct.  1830  allenthalben  wo  es  Noth  thut,  durch  die  zweckmässigste 
Anwendung  physischer  Mittel  zur  wirksamen  Ausführung  komme,  wohin  auch 
für  den  Fall  eines  auswärtigen  Kriegs  die  oben  angedeutete  angemessene  Ver- 
wendung der  Reserve  des  Bundesheeres  gehören  würde. 


76 

Man  kann  sich  bei  Betrachtungen,  wie  die  vorstehenden  sind,  nicht  leicht 
des  Wunsches  erwehren,  dass  Deutschland  durch  ein  festeres  gemeinsames 
Band,    als    ihm  die  jetzige  Bundesverfassung  gewährt,    zusammengehalten  und 
Preussen  dadurch  in  den  Stand  gesetzt  sein  möchte,  seinen  oben  geschilderten 
wohlthätigen  Einfluss    noch    stärker    und    umfassender   auszuüben,   als  Es  unter 
den    ''etzigen   Umständen   vermag.     Während    dieses  Ziel   auf  so  verschiedenen 
Weegen,  mehr  in  träumerischen  und  phantastischen  Täuschungen,  als  mit  wahr- 
haft praktischem  Sinne  gesucht  wird,  hat  Euer  Königlichen  Majestät  allerhöchste 
Regierung  eine  Annäherung  zu  demselben  in  der  Beförderung  einer  freundlichen 
zutrauensvollen  Coexistenz    der   bestehenden  deutsehen  Staaten  erleichtern  und 
bisher  nur  durch  ein,  dieser  Ansicht  entsprechendes  Verhalten  zur  allmählichen 
Hervorbrino-uno-  und  Ausbildung  eines  Wünschenswertheren  politischen  Gesammt- 
Zustandes  von  Deutschland  beitragen  zu  müssen  geglaubt.     Ohne  die  Hoffnung 
auf  frühere   oder    spätere  Erfüllung    des   fraglichen  Wunsches  aufzugeben,    bin 
ich  der  Meinung,  dass  in  dieser  Beziehung  die  Wirkung  der  Zeit  auf  den  Geist 
der   deutschen    Regierungen    abzuwarten    seyn    wird.     Wenn    dieselben    durch 
eigene  Erfahrungen    belehrt,    einst   aufgehört   haben    werden,    in  Anordnungen, 
die  nichts  als  das  gemeine  Beste  Deutschlands    zu  begründen  oder  zu  erhöhen 
bestimmt  und  geeignet  sind,   nur  Beschränkungen  ihrer  Souverainität  zu 
sehen   und   zu  scheuen,    wenn  sie  in  ihrem    richtig  verstandenen  Interesse  An- 
triebe finden,   freiwillig  dazu  die  Hände  zu  bieten:    alsdann    erst  wird  die  Zeit 
zu  einer,  den  Grundsätzen  Preussens  angemessenen  Verwirklichung  eines  besseren 
Zustandes  der  deutschen  Bundes-Verfassung  die  völlige  Reife  erlangt  haben. 

Indem  ich  hiermit  meinen  allerunterthänigsten  Vortrag  schliesse,  stelle  ich 
die  Prüfung  des  darin  entwickelten  Planes  Euer  Königlichen  Majestät  hohen 
Weisheit  in  tiefster  Ehrfurcht  anheim.  An  und  für  sich  liegen  demselben  ganz 
einfache  Prinzipien  zu  Grunde.  Den  Erfolg  ihrer  Anwendung  kann  jedoch  nur 
die  Art  und  Weise  sichern,  wie  sie  ins  Leben  gerufen  werden.  Consequenz 
in  der  Entwickelung  derselben  und  richtige  Auffassung  der  jedesmal  dabei 
vorliegenden  faktischen  Umstände,  dürften  als  empfehlenswerth  hier  besonders 
in  Betrachtung  kommen  und  die  Gewährleistung  dafür  vornehmlich  in  den  eut- 
sprechenden  Gesinnungen,  Charakter  und  Fähigkeit  der  ausführenden  Beamten 
zu  suchen  sein. 

Die  mir  huldreichst  zugefertigte  Denkschrift  des  Herzogs  von  Sachsen- 
Coburg-Gotha  verfehle  ich  nicht  anbei  in  tiefster  Unterwürfigkeit  wieder  vor- 
zulegen. 

Berlin,  den  29ten  Januar  1831.  (gez.)  BernstorfF. 

An  des  Königs  Majestät." 

Der  ganze  Vortrag  charakterisiert  die  politischen  Anschauungen  des 
preussischen  Ministers  des  Äusseren  vortrefflich.  Diejenigen,  die  den  Grafen 
Bernstorff  als  einen  Anhänger  oder  gar  als  einen  Schleppenträger  Metternichs 
bezeichnet  haben,  ohne  Kenntnis  der  geheimen  diplomatischen  Geschichte, 
dürften  wohl  durch  dieses  politische  Glaubensbekenntnis  aufs  treffendste  wider- 
legt   werden.     Und    zwar    hat    Bernstorff   sich    nicht    etwa    allein    deshalb  als 


77 

Gegner  der  metternichischen  Reaktionstheorie  bekannt,  weil  er  Preussena  selbst- 
ständige Stellung  erhalten  wissen  wollte,  sondern  aus  innerster  Überzeugung. 
So  kann  man  ihn  als  einen  für  die  damaligen  Zeitverhältnisse  liberalen  Staats- 
mann bezeichnen,  der  etwa  eine  Mittelstellung  zwischen  den  Vertretern  des 
aufgeklärten  Despotismus    und    denen    des    reinen  Konstitutionalismus  einnahm. 

Die  Überzeugung,  die  aus  dem  Schriftstücke  spricht,  verfehlte  auch  ihre 
Wirkung  auf  den  König  nicht.  Friedrich  Wilhelm  war  allerdings  mehr  als 
sein  Minister  rein  friedericianischen  Grundsätzen  hold,  und  wenn  er  eine  Zeit 
lang  liberaleren  Ideen  zugänglich  gewesen  sein  mochte,  so  erschrak  er  doch 
stets  vor  dem  „revolutionären  Gespenst".  Allein .  er  war  weit  entfernt  davon, 
harte  Massregeln  ohne  Not  zu  ergreifen,  und  die  Vorschläge  seines  Ministers 
waren  ihm  aus  der  Seele  gesprochen.  Das  zeigt  sein  Antwortschreiben  an  den 
letzteren,  das  nun  folgt. 

„Aus  Ihrem  Berichte  vom  29  ten  Januar  d.  J,  der  die  Frage  beantwortet, 
die  ich  in  meiner  Order  vom  10  ten  November  v.  J.  in  Beziehung  auf  die  Er- 
haltung der  Ruhe  im  Innern  von  Deutschland  für  den  Fall  eines  unvermeidlich 
gewordenen  Krieges  an  Sie  gerichtet  hatte,  habe  Ich  entnommen,  dass  Sie  die 
Schwierigkeit  einer  praktischen  Lösung  dieser  Aufgabe  hauptsächlich  in  den 
staatsrechtlichen  Verbältnissen  der  deutschen  Bundesregierungen  finden,  und 
dass  Sie,  abgesehen  von  der  Anwendung  moralischer  Mittel,  über  welche  Ich 
mit  Ihren  Ansichten  wesentlich  einverstanden  bin,  die  positive  Einwirkung  für 
jetzt  auf  die  Vorsorge  beschränken:  dem  Bundesbeschlusse  vom  21teu  Octuber 
V.  J.  in  eintretenden  Fällen  die  möglich  vollständigste  Ausführung  zu  ver- 
schaffen. Ich  erwarte,  dass  Sie  den  diesseitigen  Gesandten  am  Bundestage  mit 
bestimmter  Anweisung  dieserhalb  bereits  versehen  haben,  damit  er  in  solchem 
Sinne  auf  die  übrigen  Bundestags-Mitglieder  mit  umsichtiger  Thätigkeit  ein- 
wirke und  das  eigene  Interesse  der  einzelnen  Regierungen  zur  zeitigen  Vor- 
bereitung und  Einleitung  der  beschlossenen  durch  die  Bundes-Verfaasung  be- 
gründeten Maasregeln  in  Anspruch  nehme.  Was  die  anderweitigen,  Ihrer 
Darstellung  hinzugefügten  Vorschläge  betrifft,  so  ist  es  zwar  rathsam,  für  die 
Sache  des  Rechts  und  der  Ordnung  einsichtsvolle  Schriftsteller  zu  gewinnen, 
bei  der  anerkannten  Schwierigkeit  aber,  solche  Schriftsteller  zu  ermitteln,  die 
mit  den  erforderlichen  Talenten  und  Kenntnissen  auch  erprobte  treue  Gesinnungen 
und  den  erforderlichen  Takt  für  das  Angemessene  verbinden,  wird  die  Benutzung 
der  Presse  für  den  Fall  des  Krieges  vorzubehalten  seyn.  Die  Partikular- 
Vereinigungen  mit  den  Bundesstaaten  über  Handels-  und  Zollverhältnisse  zu 
befördern,  werde  Ich  gern,  wie  bisher,  die  Hand  bieten,  und  überlasse  Ihnen 
gemeinschaftlich  mit  den  andern  betreffenden  Ministem  bei  sich  darbietenden 
Gelegenheiten  hierauf  hinzuwirken. 

Berlin  den  22 ten  März  1831.  gez.  Friedrich  Wilhelm. 

An  den  Staats-  und  Kabinets-Minister  Grafen  von  Bernstorff." 

Darauf  erging  an  den   preussischen  Bundestagsgesandten  von  Nagler  das 
folgende  ministerielle  Schreiben: 


78 

,Ta  Erwägung  der  seit  dem  vorigen  Sommer  in  mehreren  deutschen 
Staaten  ausgt.brochenen  Unruhen  und  ihrer  fortdauernden  Folgen,  sowie  der 
Möglielikeit  eines  hinzutretenden  Krieges  mit  dem  Auslande,  geruheten  des 
Königs  Majestät  schon  vor  mehreren  Monaten  Vorschläge  über  die  Mittel  und 
Wege,  wie  im  Falle  eines  unvermeidlichen  auswärtigen  Krieges  die  Ruhe  im 
Innern  von  Deutschland,  besonders  durch  Preussens  Mitwirkung  sicherzustellen 
und  zu  erhalten  sey?  mittelst  allerhöchster  Cabinetsorder  vom  10,  Nov.  v.  J. 
von  mir  zu  erfordern. 

So  sehr  das  dringende  Bedürfniss  einer  ernstlichen  Beschäftigung  mit 
dieser  Frage  von  mir  bekannt  wurde;  so  wenig  verhehlte  ich  mir  die  allgemeine 
Schwierigkeit  der  Aufgabe.  Schwierig  erschien  mir  dabei  nicht  sowohl  das 
Auffinden  und  Bezeichnen  derjenigen  Mittel,  welche  gegen  das,  die  innere  Ruhe 
Deutschlands  bedrohende  Uebel  mit  Erfolg  angewandt  zu  werden  geeignet  sind 
und  welche  grösstentheils  eben  so  wie  das  Uebel  selbst,  nur  moralischer  Natur 
seyn  können  als  vielmehr  die  Nachweisung  bestimmter  und  positiver  Modalitäten 
ihrer  praktischen  An^Yeudung,  deren  richtige  Beurtheilung  von  der  Eigenthüm- 
lichkeit  der,  in  concreten  Fällen  gegebenen  Verhältnisse  fast  allein  abhängt. 
Ich  überzeugte  mich  bald,  dass  man  nachdem  der  Buudesbeschluss  vom  21. 
Okt.  V.  J.  in  dieser  letzteren  Hinsicht  das  Wünschenswerthe  —  wenn  auch 
nicht  vollständig  genug  —  bereits  geleistet  hat  ohne  den  ferneren  Lauf  der 
Ereignisse  und  die  Gestaltung  der,  in  jedem  besonderen  Momente  der  näheren 
oder  entfernteren  Zukunft  stattfindenden  individuellen  Umstände  im  Voraus 
weitere  positive  Maasregeln  zur  praktischen  Sicherstellung  und  Erhaltung  der 
Innern  Ruhe  Deutschland  für  den  Fall  eines  unvermeidlichen  auswärtigen 
Krieges  entweder  gar  nicht,  oder  doch  nur  hypothetisch  anzugeben  und  vor- 
zuschlagen im  Stande  ist.  Innerhalb  der  mir  natürlich  hierdurch  gesetzten 
Schranken  habe  ich  mich  demnach  auch  halten  müssen,  als  ich,  dem  mir  unterm 
loten  Nov.  v.  J.  ertheilten  allerhöchsten  Befehle,  sobald  mein  anhaltender 
Krankheitszustand  es  verstattete,  durch  Abfassung  des  Berichtes  Folge  leistete, 
welchen  ich  in  beikommendem  Auszuge  jetzt  zu  Euer  Excellenz  gefälliger  Kennt- 
nidsnahme  zu  bringen  veranlasst  bin. 

Diese  Veranlassung  liegt  für  mich  in  der,  auf  den  gedachten  Bericht  au 
mich  ergangenen  und  ebenfalls  abschriftlich  angeschlossenen  allerhöchsten 
Cabinetsorder  vom  22ten  d.  M.,  laut  welcher  seine  Königliche  Majestät  die 
Erwartung  aussprachen,  dass  Euer  Excellenz  Sich  in  Gemässheit  früher  em- 
pfangener Instrukzionen  die  Vorsorge,  dem  Bundes-Beschlusse  vom  21ten  Oct. 
v.  J.  in  eintretenden  Fällen  die  möglich  vollständigste  Ausführung  zu  ver- 
schaffen mittelst  geeigneter  Einwirkung  auf  die  übrigen  Bundestags-Mitglieder 
angelegen  seyn  lassen  und  namentlich  das  eigene  Interesse  der  einzelnen 
Bundes-Regierungen  zur  zeitigen  Vorbereitung  und  Einleitung  der  beschlossenen 
—  durch  die  Bundesverfassung  begründeten  Maasregeln,  in  Anspruch  zu  nehmen, 
nicht  ermangeln  werden. 

Um  Seiner  Königlichen  Majestät  auf  etwaniges  Erfordern  das  Nähere 
hierüber  vortragen  zu  k«innen,  ersuche  ich  Euer  Excellenz,  mich  zunächst 
gefälligst  benachrichtigen  zu  wollen,  ob  Sie  neuerlich  die  Erhaltung  der  Innern 


79 

Sicherheit  Deutschlands  auch  im  Falle  eines  unvermeidlichen  auswärtigen  Krieges 
zum  Gegenstande  vertraulicher  Besprechungen  mit  andern  Bundestags-Gesandten 
gemacht  haben  und  welche  Ansichten  Ihnen  von  denselben  dieserhalb  geäussert 
worden  sind?  Die  Sache  muss,  wie  auch  Seine  Majestät  in  der  allerhöchsten 
Order  vom  22ten  d.  M.  anzudeuten  geruhet  haben,  mit  besonderer  Umsicht 
behandelt  werden,  damit  sie  nach  keiner  Richtung  hin  Misverständnisse  ver- 
anlasse, die  der  Königlichen  Regierung  unangenehm  seyn  könnten.  Euer 
Excellenz  wollen  sich  deshalb  ferner  auch  darüber  gefälligst  erklären,  mit 
welchen  Gesandten  in  Beziehung  hierauf  —  bei  weiterer  Verfolgung  des 
Zwecks  im  Sinne  eines  auszugsweise  heiligenden  Berichts  an  Seine  Majestät 
den  König  —  der  Gegenstand  von  Ihnen  zunächst  wieder  aufgenommen  und 
woran  die  ferner  vertrauliche  Besprechung  darüber  angeknüpft  werden  könne? 
Fürs  Erste  kommt  es  uns  auch  mehr  darauf  an,  Vorschläge  und  Ansichten 
der  Gesandten  anderer  Höfe  über  den  einzuschlagenden  Weg  zu  vernehmen, 
als  unserer  Seits  damit  entgegen  zu  kommen,  denn  um  mit  bestimmten  zweck- 
mässigen Erklärungen  gegen  diese  Höfe  hervortreten  zu  können,  müssen  wir 
niit  ihren  Ansichten  über  den  jetzigen  innern  Zustand  von  Deutschland,  mit 
ihren  desfallsigen  Hoffnungen  oder  Besorgnissen,  ingleichen  mit  ihren  darauf 
Bezug  habenden  Wünschen  und  etwanigen  Vorschlägen  erst  näher  bekannt 
geworden  seyn. 

Berlin,  den  28tea  März  1831.  gez.  Ancillon."^) 

Es  entzieht  sich  meinem  Wissen,  mit  welchen  Bundestagsgesandten  Nagler 
über  den  Vortrag  Bernstorffs  sich  besprochen  hat.  Dass  er  ihn  ausserdem  an 
Ibell  eingesandt  hat,  zeugt  davon,  welches  Vertrauen  er  in  die  staatsmännische 
Begabung  des  letzteren  setzte.  Überdies  kam  es  ihm  jedenfalls  darauf  an, 
auch  von  einer  bedeutenden  Persönlichkeit,  die  nicht  durch  ihre  Mitgliedschaft 
am  Bundesrate  politisch  befangen  war,  ein  Urteil  zu  vernehmen.  Entweder  hat 
der  preussische  Bundestagsgesandte  die  Übersendung  insgeheim  und  vertraulich 
erfolgen  lassen,  oder  er  hat  die  Erlaubnis  des  Berliner  Kabinetts  zu  diesem 
Schritte  eingeholt.  Obschon  die  letztere  wohl  ohne  Schwierigkeit  würde  erteilt 
worden  sein,  da  Ibell,  wie  eingangs  erwähnt,  bei  Bernstorff  persona  grutissima 
war,  so  lässt  sich  doch  die  Kürze  der  Zeit,  die  zwischen  dem  Schreiben  Ancillous 
und  der  Antwort  Ibells  an  Nagler  —  des  letzteren  Schreiben  an  Ibell  ist  nicht 
vorhanden  —  lag  (dreizehn  Tage),  vermuten,  dass  Nagler  den  Vortrag  so- 
fort nach  Homburg  abgehen  Hess.  Ausser  dem  Schriftstücke,  das  Ibells  Referat 
enthält,  findet  sich  in  seinem  Nachlasse  noch  ein  von  seiner  Hand  konzipiertes 
Aktenstück  vor,  betitelt  „Andeutungen",  das  zunächst  hier  wörtlich  folgt.*) 

,Um  des  Zwecks  willen:  Beruhigung  zu  verbreiten  und  das  Vertrauen 
auf  den  konsequenten  Entwickelungs  Gang  der  Regierung  zu  befestigen;  svird 
jede  ausserordentliche  Form   der  Gewährung  umgangen  werden  müssen,    wenn 


')  Der  Abschreiber  hat  .,Alten9teiri'*  geschrieben,  was  von  Ibells  eigener  Hand  in  .,An- 
cillon'*  abgeändert  worden  ist.  —  "*)  Die  , Andeutungen**  bczielien  sich  auf  die  damalige 
Lage  in  Rheinpreussen. 


80 

gleich    einige   Konzessionen    zu   bewilligen,    und  zwar  nach   dem  bekannten  bis 
dat  qui  cito  dat.  bald  zu  ertheilen  seyn  mochten. 

Der  noch  nicht  publizirte  Landtags  Abschied,  welcher  mit  Ungeduld 
erwartet  wird,  scheint  ein  sehr  zeit-  und  sachgemässes  Vehikel  darzubieten. 
Nachstehende  Punkte  wären  vorerst  in  diesen  Beziehungen  hervorzuheben. 
Mehrere  andere  werden  sich  nachfolgend  zur  Erwägung  und  Beseitigung  auf 
anderem  Wege  darbieten. 

I.  Der  vorherrschende  Wunsch  für  die  bestehenden  gerichtlichen  Institu- 
zionen  und  andere  damit  in  organischer  Verbindung  stehende  Einrichtungen 
drängt  sich  mit  überwiegender  Bedeutsamkeit  unter  allen  anderen  Wünschen 
Hofnungen  und  Erwartungen  hervor.  Ob  der  Meinungs  Eifer  dafür  auf  klare 
Anschauungen  und  vernünftige  Reflexionen  darüber  gegründet  sey,  oder  ob 
derselbe  in  dunklen  Vorstellungen  und  Vorurtheilen  wurzele,  das  muss  hier  als 
ganz  gleichgültig  um  so  gewisser  angesehen  werden,  als  die  Mehrzahl  der 
Menschen  grade  diejenigen  Vorurtheile,  welche  nicht  durch  raisonnements 
sondern  nur  durch  aufgeregte  Gefühle  unterhalten  werden,  mit  der  meisten 
Anstrengung  festzuhalten  gewillt  ist. 

Es  steht  wohl  in  keiner  Hinsicht  dem  etwas  entgegen,  dass  im  überein- 
stimmenden Nachklang  mit  dem  ersten  Königlichen  Wort,  das  so  oft  laut  und 
frohlockend  in  diesen  Landestheilen  zurücktönte,  —  jedes  Gute,  wo  es  sich 
auch  finde,  beizubehalten  —  und  in  bioser  Entwickelung  der  durch  die  vor- 
angehenden Landtags  Abschiede  schon  verkündeten  allerhöchsten  Absichten, 
eine  diesen  wesentlichsten  und  wichtigsten  Meinungs  Gegenstand  auf  eine  ge- 
nügende Weise  absolvirende  Zusicherung  in  dem  neuen  Landtags  Abschied 
aufirenommen  werde.  In  der  Art  etwa,  dass  den  Ständen  eröfnet  werde,  es 
solle  ohne  vorausgehende  Berathung  mit  ihnen  in  diesen  Instituzionen  keine 
wesentliche  Abänderung  vorgenommen  werden  und  dass  allerhöchsten  Orts  nur 
das  anerkannte  Bessere  an  die  Stelle  des  Gewohnten  und  vielleicht  nur 
durch  die  Gewohnheit  hebgewonnenen  minder  Guten  zu  setzen  beabsichtigt 
werden  könne. 

In  der  Beruhigung  über  diesen  ganz  allgemeinen  Wunsch  wird  das  Rhein- 
land ein  Unterpfand  und  ich  möchte  annehmen,  eine  allgemein  als  genügend 
erachtete  Bürgschaft  empfangen,  dass  alle  andern  gerechten  und  billigen  Wünsche 
sich  einer  huldreichen  Aufname  und  Würdigung  stets  zu  erfreuen  haben,  und 
für  jede  nachfolgende  allerhöchste  Verfügung  ist  ohne  Weiteres  schon  hierdurch 
ein  günstiges  Vorurtheil  bei  der  Mehrzahl  begründet. 

n.  Übereinstimmend  damit  wären  wegen  Nicht  Einführung  einer  der  Kom- 
munal Verwaltung  in  den  Provinzen  des  alten  Rechts  uniformen  Kommunal- 
und  Städte  Ordnung  beruhigende  Erklärungen  nöthig,  zugleich  jedoch  mit  der 
Zusicherung,  unverzüglich  eine  Revision  der  bestehenden  Kommunal  Verwalt- 
ungsordnung in  der  Provinz  zu  veranlassen  und  dadurch  ebensowol  be- 
stehende Misbräuche  darin  abzustellen,  wie  wünschenswerthe  Verbcsserungen 
einzuführen.') 


*;  S.  S.  64,  Abp.  3,  Ende. 


81 

m.  Kirchliche  Antipathieen,  welche  fast  in  Vergessenheit  versunken  waren, 
sind  in  der  letzten  Zeit  durch  mancherlei  Zufälle  und  Veranlassungen  wieder 
angeregt  worden.  Es  scheint  also  nüthig  zu  seyn,  dass  die  Regierung  über 
ihre  vollkommenste  Partheilosigkeit  zwischen  den  Konfessionen,  welche  vom 
religiösen  Indifferentismus  wohl  zu  unterscheiden  ist,  sich  auf  eine  beruhigende 
Art  ausspreche.  Gleichzeitige  Masregeln  wären  damit  zu  verbinden.  Darunter 
wird  besonders  die  Einführung  des  konfessionellen  Religions  Unterrichts  jeder 
Konfession  bei  den  gelehrten  Schulen  und  bei  den  Elementar-  und  Real  Schulen 
in  Gemeinden  von  gemischter  Konfession  empfolen.  Auf  ähnliche  Weise  ohn- 
gefiihr,  wie  diese  Anordnung  seit  fünfzehn  Jahren  mit  dem  glücklichsten  Erfolg 
im  Herzogthum  Xassau  besteht. 

A.  Mit  der  Aufrechthaltung  der  gerichtlichen  Instituzionen  steht  die  Mas- 
regel in  nothwendiger  Verbindung,  dass  in  der  obersten  Instanz  —  bei  dem 
Justiz  Ministerium  irgend  eine  gut  gefundene  Einrichtung  getroffen  werde,  wo- 
durch die  obere  Inspekzion  und  Leitung  dieser  Partikular  Justiz,  einem  beson- 
deren Ministerial  Organe  zugetheilt  werde,  welches  dem  Einfluss  des  Justiz 
Ministeriums  für  die  Provinzen  des  Landrechts  nicht  untergeordnet  ist  und 
dessen  Funkzionen  Männern  anvertraut  werden,  die  sich  nicht  als  Gegner  der 
einstweilen  beibehaltenen  Partikular  Justiz  früher  ausgesprochen  haben. 

B.  Übereinstimmend  damit  sind  manche  Versetzungen  zu  wünschen,  wo- 
durch einige  gekannte  und  geachtete  Justizbeamten  in  die  Provinz  zurückkämen, 
während  andere  daselbst  in  Aktivität  gekommene  zur  Justiz  Verwaltung  in 
andere,  dem  Landrecht  angehörende  Provinzen  berufen  würden. 

C.  Auch  in  höheren  Verwaltungsstellen  wären  wohl  einige  Personal  Ver- 
änderungen, wodurch  besonders  einige  Eingebohrene  in  die  Reihen  der  Ad- 
ministrazion  gestellt  würden,  zu  empfelen. 

D.  Zur  Bekämpfung  gewisser  Vorurtheile,  welche  sich  unter  dem  Fabri- 
kantenstand an  der  Gränze,  insonderheit  zu  Aachen,  Eupen  und  Düren  ver- 
breitet haben,  indem  man  dort  die  von  dem  aufgeklärteren  Theil  des  Fabrik- 
standes an  andern  Orten  und  auf  dem  rechten  Rhein  Ufer  nicht  adoptirte 
Meinung  zu  unterstellen  weis,  dass  eine  Verbindung  mit  Frankreich  durch  den 
Schutz  des  französischen  Douanensystems,  dem  rheinischen  Fabrikstand  grössere 
Vortheile  gewähren  möchte  als  die  preussische  Zoll  Einrichtung  darbieten  könne, 
wird  es  gerathen  seyn,  von  Oben  herab  sachgemäss  mitzuwürken.  Der  Herr 
Geheime  Rath  Bentz  in  Berlin,  welcher  das  allgemeine  Vertrauen  geniesst, 
wird  Mittel  und  Wege  für  eine  solche  Einwürkung  auf  die  Berichtigung  ver- 
kehrter Ideen  am  besten  anzugeben  vermögen.  Dahin  gehört  auch  die  Aus- 
sicht auf  Erweiterungen  der  preussischen  Zoll  Gränze  durch  den  Zutritt  anderer 
Staaten  in  (zum)  Zoll-  und  Handels  Vereine. 

E.  Das  Militär  System,  welches  wesentlich  auf  dem  Prinzip  der  distri- 
butiven Gerechtigkeit  ruht,  wird  mit  allgemeiner  Achtung  und  Zufriedenheit 
betrachtet.  Es  bildet  sich  daher  eine  jede  die  gesetzliche  Rechts  Gleichheit 
verletzende,  persönliche  Begünstigung  zur  tiefaufregenden  Gemeinbeschwerde 
eines  grösseren  Kreises  aus.  Alle  dem  Gesetz  Genüge  Leistende,  fühlen  sich 
in  ihrem  Recht  gekränkt,  und  die  eventuell  Berufenen  werden  im  Voraus  ver- 


82 

stimmt.  Man  klagt  in  dieser  Beziehung  sehr  über  die  Bestechlichkeit  der 
Medizinalbeamten;  eine  anmassende  Protekzionssucht  einzelner  höheren  Ange- 
stellten mag  auch  wohl  mitunter  sichtbar  werden. 

Hierauf  bezügliche  repressive  energische  Erklärungen  resp.  Einschreitungeu 
würden  zur  Aufrichtung  und  Belebung  des  Gemeingeistes  ohne  Zweifel  Vieles 
beitragen." 

Es  scheint,  dass  diese  „Andeutungen"  von  Ibell  für  ihn  selbst  nieder- 
geschrieben wurden,  und  für  sein  nachfolgendes  längeres  Referat  eine  Richt- 
schnur zu  geben.  Die  meisten  Gedanken  sind  in  dem  eigentlichen,  Nagier 
übersandten  Schriftstücke,  zumteil  in  anderer,  allgemeinerer  Form  oder  Fassung 
verwertet  worden.  In  den  vorausgegangenen  Zeilen  thut  Ibell  seinen  Gefühlen 
und  seiner  Überzeugung  weniger  Zwang  bezüglich  des  Ausdrucks  an,  während  er 
in  den  nachfolgenden  mehr  auf  die  diplomatischen  Formen  acht  hat.  Insofern  ist 
das  Nebeneinanderstellen  beider  inhaltlich  verwandter  Schriftstücke  interessant. 
Doch  ist  der  bestehende  Unterschied,  wie  wir  noch  sehen  werden,  nicht  etwa 
so  zu  verstehen,  als  ob  der  Präsident  zweierlei  Gesichter  zeige.  Zeitlebens  hat 
Ibell  aus  seiner  Innern  Ü^berzeugung  selbst  kein  Hehl  gemacht  und  solche  mit 
allem  Anstände,  aber  rücksichtslos  jedermann  gegenüber  ausgesprochen.  Und 
das  war  es  jedenfalls  gerade,  was  den  preussischen  Bundestagsgesandten  ver- 
anlasste, ihm  diesen  ministeriellen  Vortrag  zur  Äusserung  darüber  zu  unter- 
breiten. 

Das  Begleitschreiben  Ibells,  mit  dem  er  sein  Referat  übersandte,  lautet 
wörtlich : 

„Euer  pp.  remittire  ich  die  mir  hochgeneigtest  mitgetheilten  Anlagen,  in- 
dem ich  zugleich,  dem  geäusserten  Wunsche  ergebenst  folgend,  einige  rhap- 
sodische Bemerkungen  beifüge,  wie  solche  bei  der  Beschränktheit  der  Zeit  und 
des  Horizonts  zur  Auffassung  zusammengestellt  werden  konnten.  Ich  bin  dem 
Vortrag  an  des  Königs  Majestät  darin  nur  bei  dem  ersten  Abschnitt  begleitend 
erefolfft,  welcher  die  alloremeinen  Verhältnisse  des  Bundes  beleuchtet;  den 
zweiten,  der  die  Beziehungen  Preussens  zu  dem  Bunde  berührt,  hielt  ich  über 
meiner  Sphäre.  Es  würde  auch  kaum  möglich  seyn,  der  lichtvollen,  meister- 
haften Darstellung  noch  irgend  ein  Wesentliches  hinzuzusetzen. 

Die    allerhöchste    Kabinetsordre    erinnert    an  jene   tret^ichen    Worte    des 

Dichters:  alto 

ProspicienSj  summa  placidum  caput  extulit  unäa 


Qiios  cgo !  —  Scd  niotos  praestat  componere  ßnctus.^^) 
Auf  diesem  und  auf  keinem  andern  Weg  wird  Preussen  das  hohe  Ziel 
seiner  Bestimmung  erreichen.  Und  so  wird  die  prophetische  Ahnung  einst  erfüllt 
seyn,  wovon  die  Helden  Seele  des  grossen  Königs  bewegt  wurde.  Der  prak- 
tischen Lehre  Sallusts  Gehör  gebend:  quibus  armis  imperium  partum,  eisdem 
et  tuendum  est")  —    hat   die  Regierung,    unter  der  weisen    und  festen  Leitung 


'")  Verfall.,    Aen.  I,    127,  i:{:>.    —    ")    Sali.   Cat.  2.      Das  Citat  lautet  dort:   Imperium 
facile  iiü  aclibus  retinetur,  quibus  initio  j^ürtum  est. 


83 

Friedrich  Wilhelm  des  Gerechten,  jenes  wohl  bekannte  allgeliebte  Panier  des 
grossen  Ahnherrn  aufs  Neue  erhoben  und  die  Herzen  der  Nation  haben  sich 
wieder,  wie  vormals,  aber  in  viel  grösserer  Übereinstimmung  noch,  darum  in 
alter  Liebe  versammelt.  Wenn  die  erhaltende  Form  hinzukommt,  dann  wird 
der  Augenblick  erschienen  seyn,  wo  selbst  der  Stifter  nicht  mehr  zu  dem 
Wunsch  sich  versucht  fühlen  möchte,  den  Sitz  des  französischen  Thrones  ein- 
zunehmen, damit  künftig  in  Europa  kein  Kanonenschuss  mehr  ohne  seine  Er- 
laubnis gelösst  werde. 

Die  Regierung  des  Königs  hat  die  Elemente  der  Macht  in  unserer  Zeit 
erkannt,  und  bewiesen,  dass  sie  dieselben  zur  höchsten  Kraftüusserung  in  ihrer 
organischen  Zusammenwirkung  zu  verwenden  weis. 

Waffen,  Meinung  und  Geld!  —  dafür  gibt  das  schönste  und  genügendste 
Zeugnis,  was  von  den  korrespondirenden  Departements  des  Kriegs,  des  Kultus 
und  Unterrichts  und  der  Finanzen  ausgegangen  ist.  Zugleich  liegt  darin  die 
faktische  Zusicherung  und  eine  zureichende  Bürgschaft  der  nachfolgenden 
weiteren  konsequenten  Entwickelung.  Mit  Stok  und  Zuversicht  erblickt  das 
übrige  Teutschland  Preussen  an  der  Spitze  seiner  fortschreitenden  Zivilisation. 
Der  von  diesem  Staat  ausgehende  Impuls  wird  stets  seiner  erhabenen  Bestimmung 
würdig  seyn!  — 

Ich  nehme  die  nachsichtsvolle  Güte  Euer  pp.  vertrauensvoll  in  Anspruch, 
wenn  ich  Hochderselben  eine  Geduldsprobe  in  meinen  rhapsodischen  Bemerk- 
ungen bereitet  habe,  und  wenn  es  bei  mehreren  Stellen  llochdenenselben 
scheinen  möchte,  dass  die  Gränzlinie  überschritten  sey. 

Ich  erneuere  pp. 

Homburg,  d.   11.  April  1831.  gez.  Ibell." 

Diese  Ausführungen  hat  Ibell  gewissermassen  als  Inhaltsübersicht  seinem 
nunmehr  folgenden  Referate  vorausgeschickt.  Bescheiden,  wie  er  immer  war, 
bezeichnet  er  dieses  als  „einige  rhapsodische  Bemerkungen",  während  es  doch 
ein  sorgfältig  ausgearbeitetes,  logisch  disponiertes,  von  der  Kraft  der  innersten 
Überzeugung  getragenes  Aktenstück  ist.  Allerdings  war  Ibell  anderweitig  ge- 
wohnt, noch  längere,  besonders  historisch  deduktive  Auseinandersetzungen  zu 
machen,  von  denen  er  hier  abgesehen  hat.  Aber  stets  wird  man  im  folgenden 
neben  dem  bewährten  Kenner  der  Staats-  und  Volkswirtschaftslehre  auch  den 
vertrauten  Historiker  bemerken. 

Die  Abhandlung  lautet  wörtlich: 

„Die  ruhige  Klarheit,  welche  diesen  Vortrag  karakterisirt,  und  die  milde, 
kräftige,  besonnene  Sprache,  worin  derselbe  abgefasst  wurde,  sind  ganz  dazu 
geeignet,  jedes  teutsche  Herz  mit  Hochachtung  für  den  Verfasser  und  mit 
Ehrfurcht  und  Anhänglichkeit  für  den  König  zu  erfüllen.  Die  umsichtsvolle 
Darstellung  der  darin  berührten  Gegenstände  ist  eben  so  ausgezeichnet  durch 
eine  dem  Zweck  entsprechende  Sparsamkeit  im  Ausdruck,  wie  durch  die  Fülle 
und  den  Reichtum  der  Ideen,  welche  zum  Theil  nur  angedeutet,  zum  Theil 
aber  mehr  oder  weniger  ausführlich  abgehamlelt  sind. 


84 

Diesen  Eindruck  empfindet  von  vornen  herein  der  Lesende,  während  noch 
sein  Blick  auf  dem  allgemeinen  Umriss  ursprünglicher  und  zufiilliger  Ver- 
anlassungen weilt,  welchen  die  Gefahren  zum  Grund  liegen,  die  als  der  nächste 
Gegenstand  zur  nachfolgenden  Erwägung  sich  darbieten.  Neben  der  vorzugs- 
weisen Bezeichnung  einer  zunehmenden  Verwirrung  in  den  religiösen,  moralischen 
und  politischen  Vorstellungen  des  Zeitalters  und  des  wachsenden  Verderbnisses 
der  daraus  sich  entwickelnden  Gefühle,  der  darin  wurzelnden  staatsrechtlichen 
und  sittlichen  Maximen  könnte  wohl  auch  auf  eine  andere  Ansicht  hingewiessen 
werden,  welche  das  Vertrauen  auf  die  Führungen  der  göttlichen  Vorsehung 
rechtfertigt. 

Die  Erscheinungen  des  Lebens  an  und  für  sich  werden  wir  nur  in  ewig 
wechselnden  Gegensätzen  gewahr;  und  das  Daseyn  jeder  Kraft  ist  nur  aus 
ihren  Äusserungen  zu  erkennen.  Bei  der  progressiven  Ungeheuern  Vermehrung 
der  materiellen  sowie  der  intellektuellen  Kräfte  und  Hülfsmittel  in  den  zivili- 
sirten  Staaten  unserer  neueren  und  neuesten  Zeit  darf  daher  die  in  wider- 
streitendäten  Erscheinungen  hervortretende  Äusserung  dieser  Kräfte  nicht  all- 
zusehr befremden;  noch  soll  uns  der  Lärm  des,  Intervallen  Weise  daraus  sich 
bildenden  verworrenen  Getümmels  entmuthigen. 

Das  Leben  des  Staats,  sagte  schon  Jobs.  v.  Müller,  ist  gleich  einem 
befruchtenden  Strom  nur  in  seiner  fortschreitenden  Bewegung  herrlich  —  sein 
Stillstehen  aber  erzeugt  Sumpf  und  Moder!  — 

Er  schöpfte  diese  Überzeugung  aus  der  Geschichte;  aber  keine  ferne  oder 
nahe  Epoche,  kein  Volk  und  keine  Zeit  bieten  einen  Moment  zur  Vergleichung 
mit  dem,  was  die  Aufgabe  unserer  Zeit  geworden  ist,  eben  unter  jener  unab- 
weisbaren Bedingung  einer  schon  existirenden  und  noch  in  steter  Progression 
begriffenen  Masse  von  Kräften  und  liülfsmitteln,  welche  den  früheren  Zeitaltern 
nicht  bekannt  gewesen  sind.  Daher  wird  die  Lösung  dieser  Aufgabe  auf  dem 
rein  historischen  Wege  stets  nur  ohne  Erfolg  und  in  den  meisten  Fällen  nicht 
ohne  entgegengesetzte  Zurückwirkungen  versucht  werden  können. 

Näheres  darüber  zu  sagen  würde  weder  der  Raum  gestatten,  noch  dürfte 
dazu  die  Veranlassung  gegeben  seyn.  Soviel  aber  erschien  erforderlich,  um 
die  Voraussetzung  zu  begründen,  dass  ein  allgemein  und  tief  empfundenes  Be- 
dürfnis in  der  auf  die.  mannigfaltigste  Weise  mitunter  in  — ")  extrem  einander 
entgegengesetzten  Äusserungen  ausgesprochene  Ansicht  der  Völker  nach  zeit- 
gemäsen  starken  Regierungen  vorhanden  ist.  Ebenso  gewiss  wird  überall 
in  Europa  von  der  weit  überwiegenden  und  einflusshabenden  Mehrheit  die 
monarchische  Gewalt,  von  angestammten  legitimen  Thronen  ausgehend  als  der 
einzig  haltbare  Stützpunkt  solcher  zeitgemäsen  starken  Regierungen  betrachtet. 
Diesen  Thron  zu  erhalten,  und  jene  Gewalt  zu  kräftigen,  sind  die  verschiedensten 
Partikular  Interessen  oft  einander  entgegengesetzten,  und  in  Meinungen  von 
einander  abweichenden  Tendenzen  willig.  Um  aber  dieselben  zu  zügeln,  dem- 
nächst zu  lenken,  ist  es  nöthig,  anschaulich  und  fühlbar  allen  die  Gewissheit 
zu  geben,    dass    in  der  jedes    divergirende  oder  exzentrische  Streben  zur  Kon- 


'^J   Unleserlichca  Wort. 


85 

zentrizität  zurückführenden  Königlichen  Gewalt  ebenso  das  gerechte  und  beharr- 
liche Wollen  wie  das  unwiderstehliche  Können,  jenes  pouvoir  moderateur  (dem 
frommen  Glauben  göttlichen  Ursprungs)  vorhanden  sey,  ohne  dessen  erhaltende 
Kraft  und  stets  wachsame  Thätigkeit  die  gesellschaftliche  Ordnung  und  mit 
derselben  alle  bis  jetzt  aufgesammelten  Früchte  der  Kultur  von  einigen  Jahr- 
tausenden und  der  bis  zu  einer  unerreichten  Höhe  gestiegenen  Zivilisazionsent- 
wickelung  voraussichtlich  in  Trümmer  zerfallen  würden. 

Wenn  hiernach  das  wirksamste  Mittel  zur  Besänftigung  der  aufgeregten 
öffentlichen  Stimmung  ganz  allein  in  der  Befestigung  und  neuen  Kräftigung 
der  obersten  Gewalt  zu  suchen  ist,  dann  wird  mit  dem  vollsten  Recht  vor 
allem  andern  die  Verbindung  moralischer  Kraft  mit  der  physischen  Stärke  von 
dem  verehrungswürdigen  Verfasser  des  Berichts  als  das  wesentlichste  Erforder- 
nis, als  die  unverkennbare  Vorbedingung  jedes  dauernden  Erfolges,  bezeichnet. 
Diese  Verbindung  wird  durch  das  vertrauensvolle  Anschliessen  der  Mehrheit 
unter  den  Gebildeten  und  Besitzenden  (der  Mittelklassen)  an  die  Masregeln  der 
Regierung,  durch  ihre  Hingebung  für  die  verstandenen  und  mit  Theilnahme 
ergriffenen  Zwecke  derselben,  bewürkt  werden.  Solche  mitwürkende  Hingebung, 
jenes  in  Liebe  und  Anhänglichkeit  wurzelnde  Anschliessen  der  Majorität  unter 
den  Gebildeten  und  Besitzenden  an  die  Regierung  wäre  durch  stete  Rücksicht 
auf  das  Gemeinwohl  bei  allen  Regierungs  Masregeln,  durch  festes  Zurück- 
weisen aller  Rathschläge  und  Eingebungen  des  Partheigeistes  —  die  Parthei 
sei,  welche  sie  wolle  —  zu  begründen;  so  wird  aus  den  vorangestellten  Sätzen 
gefolgert. 

Als  weitere  Folgerung  könnte  man  in  der  vollkommensten  Anerkennung 
dieser  einsichtsvollen  Begründung  hinzufügen,  dass  die  Ausdrücke  Gemeinwohl 
und  Partheigeist  in  einer  noch  schärfer  (zu)  bezeichnenden  Begränzung  hier  anzu- 
deuten wären.  Im  Allgemeinen  ist  die  darunter  verstandene  Richtung  ohne 
Zweifel  von  allen  teutschen  Regierungen  mit  mehr  oder  weniger  Entschieden- 
heit und  raschem  Fortschreiten  offenkundig  bereits  eingeschlagen ;  die  Reibungen 
des  Standes  Partikularismus  in  vielgliederigen,  mannigfaltig  verzweigten  Kor- 
porazionen  gehen,  nach  dem  Zerfall  oder  nach  der  erfolgten  Auflösung  der 
eigentümlichen  Instituzionen,  von  selbst  allmählich  in  der  individuellen  Be- 
theiligung am  Gesamtwohl  auf;  und  die  sonst  so  rege  Eifersucht  der  Nicht 
Bevorzugten  gegen  bevorrechtete  Klassen  erlischt  zusehends  aus  Mangel  an 
Lebensstoff,  seitdem  die  Privilegien  theils  zurückgenommen,  theils  in  ihrer 
drückenden  oder  provozirenden  Würkung  gegen  die  Nicht  Privilegirten  gemildert 
sind.  Was  nun  Gewohnheit  und  Sitte  zur  vollständigen  Ausgleichung  noch 
beizutragen  haben,  das  kann  nur  von  den  Einflüssen  der  Zeit  erwartet  werden. 
Dahingegen  nehmen  die  aus  allen  Reihen  der  früher  scharf  begränzten  und 
geschiedenen  Stände  der  Gesamratheit  der  Gebildeten  und  Besitzenden  hervor- 
tretenden Mittelklassen  eine  rege,  thätige  Fürsorge  für  ihre  Interessen,  eine 
wohlwollende  Aufmerksamkeit  für  ihre  Erwartungen  und  W^ünsche  von  der 
Regierung  in  Anspruch.  Das  Verkennen  oder  Nichtachten  derselben  erweckt 
ihren  Missmuth,  und  bald  theilt  sich  dieser  den  untersten,  überall  von  ihr  ab- 
hängigen und  influenzirten  Volksklassen  mit.     Was    dann  weiter  daraus  natur- 

6 


SG 

gemäs  und  nothwendig  sich  entwickelt,  das  zeigt  zur  Genüge  die  jüngste  Yer- 
gangenlieit    in  so  belehrenden  als  warnenden  Exempeln. 

Demnach  ist  es  von  der  höchsten  Wichtigkeit,  die  vorherrschenden  Gesamt 
Wünsche  und  Erwartungen  der  Mittelklassen,  welche  das  erhaltende  Prinzip 
unserer  Zeit  umschliessen,  zu  kennen,  uud  die  Anschauung  derselben  zur  mög- 
lichsten Klarheit  zu  erheben,  damit  die  Realisierung  von  der  obersten  Staats- 
gewalt ausgehend  gelenkt  und  in  beständiger  Unterordnung  unter  die  bedingen- 
den Staatszwecke  und  Maximen  erhalten  werden  kann.  Soviel  sich  aus  öffent- 
lichen Berichten,  aus  besonnenem  Hin-  uud  Herreden  sachverständiger  Beur- 
theiler,  und  mitunter  aus  dem  wirren  Durcheinanderschreien  der  von  Leiden- 
schaften oder  phantastischen  Hirngespinsten  aufgeregten  Menge,  entnehmen 
lüsst,  möchte  das  Wesentlichste  wohl  in  einigen  hier  nachfolgenden  Andeutungen 
zusammengedrängt  seyn. 

A.  Alle  Einzelbestrebungen  und  die  dadurch  entstehende  allgemeine  Be- 
wegung scheinen  nach  einem  Ziel  hin  gerichtet  —  Erlangung  der  möglichsten, 
mit  der  Erhaltung  der  Staats-  und  der  gesellschaftlichen  Ordnung  nur  immer 
vereinbarlichen  Freiheit  für  jede  individuelle  Entwickelung  und  Ausbildung. 

B.  Hiernach  zunächst  —  den  möglichst  freien  Gebrauch  erworbener 
Fähigkeiten  und  besitzender  Hilfsmittel.  In  materieller  und  moralischer  Be- 
ziehung. Freiheit  des  Erwerbs,  —  Sicherheit  der  Früchte  des  Fleisses,  des 
Besitzes,  —  Gestattung  eines  möglichst  freien  Genusses  dessen,  was  erworben 
würde  oder  in  Besitz  sich  befindet. 

C.  Als  Mittel  für  diese  Zwecke  werden  bezeichnet  —  Gesetzlichkeit, 
dass  jede  Beschränkung  nur  auf  vorher  bestimmten  und  bekannt  gewordenen 
Normen  beruhe  —  Öffentlichkeit  der  Vollziehung,  damit  den  Betheiligten 
nicht  vorenthalten  bleibe,  wie  die  Organe  der  Staatsgewalt  verstanden  wissen 
wollen  und  wie  die  Anwendung  erfolge  —  für  jegliche  Beschwerde  freies 
und  offenes  Gehör,  damit  auf  gleiche  Weise  allen  Betheiligten  kund  werde, 
was  als  Abweichung  von  der  gesetzlichen  Norm  zu  betrachten  sey  und  was  nicht. 

D.  Durch  einen  nach  diesen  Richtungen  hin  zu  lenkenden  Entwickelungs 
Gang  der  Gesetzgebung  und  der  Regierung  glaubt  und  hofft  man  die  Sicher- 
stellung  gegen  misbräuchliche  Anwendung  der  obersten  Staatsgewalt  von  unter- 
gebenen Organen,  den  Schutz  und  Gewähr  gegen  Beamten  Willkühr  zu  erlangen. 
Man  nimmt  dabei  aber  einen,  nach  relativer  Fähigkeit  und  proporzionellem 
Besitz  abzugränzenden,  Theil  der  Mitwürkung  in  Anspruch.  Man  findet  eine 
genügende  Gewährleistung  nicht  länger  in  der  hierarchischen  Kombinazion  oder 
Gliederung  des  Beamten  Organismus;  auch  will  man  die  Kontrole  von  Beamten 
über  andere  Beamten  wegen  des  verzweigten  Zusammenhangs  der  Instituzion 
und  der  daraus  erwachsenden  wechselseitigen  Abhängigkeit  oder  Befangenheit 
der  Individuen  für  ein  ausreichendes  Ersatzmittel  nicht  gelten  lassen. 

E.  Das  Verlangen  nach  Pressfreiheit,  und  repräsentativen  Instituzionen, 
die  geäusserte  Vorliebe  für  die  Öffentlichkeit  der  Rechtspflege,  für  Geschworenen 
Gerichte  u.  a.  m.  zeigen  sich  unter  diesem  Gesichtspunkte  zwar  nur  als  sekun- 
däre Erwartungen ;  damit  soll  jedoch  das  Gewicht  und  die  grosse  Bedeutung 
dieser  artikulirten  Wüusche  auf  keine  Weise  in  Abrede  gestellt  seyn. 


87 

Auf  diese  Art,  und  im  Wesentlichen  wohl  kaum  nach  Örrlichkeiten  oder 
besondern  Beziehungen  verschieden,  möchte  wohl  überall  in  Teutschland  (die 
O.sterreichischen  Staaten  ausgenommen)  der  positive  Begriff  von  Gemeinwohl 
und  der  negative  von  Abwesenheit  des  Parthei  Geistes  unter  den  Mittelklassen 
aufgefasst,  in  praktischer  Anschauung  verstanden  und  jedwede  damit  über- 
einstimmende oder  dahin  zielende  Regierungs  Masregel  von  ihnen  durch  die 
moralische  Kraft  ihres  Anschliessens  unterstützt  werden. 

Welche  andere  teutsche  Regierung  könnte  von  der  Wahrheit  dieser  Vor- 
aussetzung mehr  überzeugt  seyn,  als  die  Königlich  Preussische?  nachdem  sie 
dieses  moralischen  Erfolges  einer  weisen,  gerechten  und  entgegen  kommenden 
Führung  sich  bereits  in  so  hohem  Maas  zu  erfreuen  hatte;  wenn  gleich  dem 
erleuchteten  Blick  der  Führer  es  nicht  verborgen  bleiben,  noch  darüber  hinweg 
gesehen  werden  mochte,  dass  die  drängende  Zeit  wohl  noch  raschere  Schritte 
des  in  manchen  Zweigen  zu  beschleunigenden  Entwickelungs  Ganges  nach  sich 
ziehen  werde.  Und  auf  dieser  unerschütterlichen  Grundlage  ruhen  eben  auch 
die  Vorschläge,  welche  in  dem  Bericht  an  des  Königs  Majestät  unter  I— V 
enthalten  sind. 

Im  Besondern  könnte  darüber  bemerkt  werden: 

ad  I.  Es  ist  über  jeden  möglichen  Zweifel  hinaus  klar  und  gewiss,  dass 
nur  bei  einem  Defensivkrieg,  und  zwar  nur  bei  einem  solchen,  der  für  die 
Aufrechterhaltung  teutscher  Xazionalität  und  Eigenthümlichkeit  geführt  werden 
müsste,  auf  die  moralische  Unterstützung  der  Mehrzahl  unter  den  Gebildeten 
und  Besitzenden  gerechnet  werden  dürfe. 

ad  n.  Um  eintretenden  Falls  diese  Hülfe  in  Wirksamkeit  zu  setzen,  ist 
allerdings  die  Unterdrückung  jeder  Äusserung  oder  auch  nur  des  Scheins  von 
Mistrauen  vor  Allem  geboten.  Als  das  erträglichste  Mittel,  Vertrauen  au  den 
Tag  zu  legen,  dürfte  die  allgemeine  Durchführung  der  theilweise  schon  einge- 
richteten Bürgerbewaffnang  Erwähnung  verdienen.  Unter  sachgemäsen  Vor- 
sichts  Masregeln  und  mit  beschränkender  Auswahl,  wie  man  voraussetzen  muss. 
Die  Erfahrung  der  Jahre  1813,  1814  und  1815  wird  dabei  Maas  und  Ziel 
geben.  In  allgemeinster  Andeutung  mag  gesagt  werden,  dass  diese  Bewehrung 
füglich  auf  wohl  organisierte  Bürgerbataillone  in  den  grösseren  Städten,  und 
auf  Schützen-  und  Veteranen  Kompagnien  in  den  kleineren  Gemeinden  be- 
schränkt werden  möchte.  In  dieser  Aufstellung  können  die  zuverlässigen  Ein- 
wohner zu  jeder  beruhigenden  Verwendung  leicht  und  ohne  andere  Unzuträg- 
lichkeiten disziplinirt  werden. 

ad  m.  Bei  einer  so  organisirten  imposanten  Haltung  der  Mehrheit  in  den 
Mittelklassen,  wird  die  Nothwendigkeit  zum  Gebrauch  physischer  Gewalt  zu 
greifen,  gewiss  nur  in  den  seltensten  Fällen  eintreten.  Immer  seltener,  je 
mehr  Energie  (moralischer  Muth),  natürlicher  oder  erworbener  Takt  bei  den 
Beamten  zu  finden  seyn  wird.  Der  Anstoss  von  oben  wird  auf  die  Unter- 
gebenen in  dieser  Beziehung  von  der  einfiussreichsten  Wirkung  seyn,  und  wenn 
diese  einmal  die  volle  Überzeugung  gewonnen  haben,  dass  man  von  der  aus- 
schliesslichen Anwendung  physischer  Mittel  die  Beseitigung  moralischer  Übel 
nicht  mehr    erwartet,    dann    wird   auch  unter  ihnen    der  blinde  Glaube   an  das 

6* 


88 

alte  Sangrado's  Rezept  mehr  und  mehr  abnehmen,  um  besseren  Einsichten 
Platz  zu  machen.  Im  Übrigen  ist  der  Wink  wegen  vorsichtiger  Wahl  der 
Beamten  der  höchsten  Berücksichtigung  würdig.  Es  ist  bekannt,  dass  unter 
andern  Aufregungs  Mitteln  auch  die  Meinung  verbreitet  wurde,  der  Staatsdienst 
werde  in  vielen  Beziehungen  wie  eine  Versorgungs  Anstalt  behandelt.  Besol- 
dungen und  Dienst  Emolumente  würden  häufig  als  Sinekuren  verliehen.  Da- 
durch sey  der  habsüchtigen  Begierde  der  Impuls  zu  einer  Stellen  Jagd  gegeben, 
wobei  die  um  den  Preis  Ringenden  ganz  allein  den  mit  der  Dienst  Stelle  ver- 
knüpften Gehalt  ohne  weitere  Rücksicht  auf  die  zu  übernehmenden  Leistungen 
vor  Augen  zu  haben  gewöhnt  wären.  Sehr  zu  wünschen  wäre  es  darum,  dass 
nur  bei  erwiesener  Fähigkeit  für  die  Amtsleistungen  die  Regenten  Anstellungen 
im  Staatsdienste  verliehen,  und  nur  bei  dem  Zusammentreffen  mit  solcher 
Fähigkeit  sich  zu  Begünstigungen  aus  Wohlwollen  oder  aus  Rücksichten  und 
auf  schon  geleistete  Dienste  bewogen  finden  möchten.  Es  kann  hier  an  die 
bekannte  Bemerkung  eines  geistvollen  Staatsmanns  erinnert  werden,  dass  durch 
jede  Anstellung  eines  Unfähigen  in  Staats  Amtern,  abgesehen  vom  Nachtheil 
für  die  Verwaltung  der  Regent  ohne  anderes  Resultat  blos  immer  Undankbare 
und  viele  Unzufriedene  macht. 

ad  IV.  Zur  Vertreibung  ungesunder  moralischen  Uebel,  des  Sinn-  und 
Gemüth  verwirrenden  ausländischen  Miasma's  würden  ohne  Zweifel  zersetzende 
Reagenzien,  aus  der  Presse  hervorgehend,  mehr  beitragen  als  Kanonenschüsse. 
Aber  auch  darin  ist  eine  grosse  Wahrheit  ausgesprochen,  dass  es  den  Regier- 
ungen kaum  möglich  bleibt,  die  Produktivität  der  Schriftsteller  bei  bestehender 
Zensur,  und  ohne  dass  der  schriftstellerischen  Thätigkeit  ein  bestimmtes  Ziel 
vorzustecken  sey,  zu  lenken. 

Könnte  man  die  Hoffnung  fassen,  überhaupt  in  irgend  einer  nazionalen 
Angelegenheit  übereinstimmende  Maasregeln  von  den  Regierungen  der  Bundes- 
staaten adoptirt  und  mit  Konsequenz,  Beharrlichkeit  und  aufrichtiger  Hingebung 
an  den  Bundeszweck  durchgeführt  zu  sehen,  dann  müsste  man  unter  den  ersten 
Gegenständen  zur  Vereinbarung  ein  umfassendes  Regulativ  für  Presse  und 
Buchhandel  mit  voransteilen.  Es  dürfte  bei  den  eigentümlichen  Verhältnissen, 
in  welchen  der  deutsche  Buchhandel  nach  Herkommen  und  allseitiger  Kon- 
venienz  der  Betheiligten  sich  befindet,  und  aus  anderen  Gründen,  deren  Er- 
örterung hier  zu  weit  führen  würde,  nicht  allzu  schwierig  seyn,  Bestimmungen 
aufzufinden,  wodurch  mit  Aufhebung  des  lästigen  Zensur  Zwanges  gegen  die 
Misbräuche  der  Presse  und  des  Buchhandels  Schranken  errichtet  werden,  die 
auf  eine  genügendere  Weise  den  Erfolg  sichern  als  es  mittels  der  bisher  in 
Anwendung  gekommenen  Masregeln  überall  geschehen  konnte. 

ad  V.  Das  Bedürfnis  gemeinsamer  Instituzionen  zur  Befestigung  und 
Verstärkung  des  Bundes,  ist  allgemein  lebhaft  und  tief  empfunden.  Die  wich- 
tigsten derselben  wurden  schon  in  der  Bundes  Akte  bezeichnet.  Aber  mit 
schmerzlichen  Gefühlen  musste  Deutschland  aus  der  Schluss  Akte  vernehmen, 
dass  die  Realisirung  der  ersehntesten  Einrichtungen,  die  Befriedigung  der 
heissesteu  Xazional  Wünsche  in  eine  ferne  Zukunft  verschoben  sey.  Es  war 
nun    offenbar,    wie    au(  h    in  dem  Bericht   mit  ergreifender  Wahrheit  dargelegt 


89 

wurde,    dass    von    dem    Bund    selbsf,    in    seiner  jetzt   bestehenden    organischen 
Bildung,    die  Abhülfe    nicht  erwartet  werden   dürfe.     Diese  Bildung  ging  unter 
dem  Einfluss  der  europäischen  Mächte  vor  sich,  welche  naturgemäs  kein  anderes, 
als  ein  negatives,  Interesse  dabei   zu  berücksichtigen  hatten,   von  der  Art,  wie 
es    unter    den    zivilisirten  Xazionen    im   Allgemeinen    aus    ihren    wechselseitigen 
Beziehungen  gegeneinander  entsteht,    und  welches  dem  positiven  Interesse,  der 
eigenen  Individualität  naturgemäs  immer  untergeordnet  bleiben  muss.     Mehrere 
von  diesen  Mächten  traten  dem  Bund  als  theilnehmende  Mitglieder  bei.     Dieser 
Hinzutritt  konnte  aber  die  negative  Natur  jenes  fortdauernden  Interesse's  nicht 
verändern,  da  wo  der  Kern-  und  eigentliche  Stützpunkt  ihrer  Macht  ausserhalb 
des  Bundes  blieb.     Ihre    fortgesetzte  Mitwürkung    bei  der  Führung  seiner  An- 
gelegenheiten musste  daher  immer  von  dem  nemlichen  Geist  ausgehen,  der  auch 
schon    ihren  EinHuss    auf  die    erste    organische    Bildung   bestimmt  hatte.     Und 
wenn  sogar  die  wesentlichsten  Entwickelungsfortschritte  von   der  erklärten  Zu- 
stimmung  jedes    einzelnen  Bundesgliedes    abhängig  blieben,    wenn  zugleich  die 
erste    mit   der    formalen  Geschäftsleitung    ausgestattete  Stelle    einem  auf  seiner 
auswärtigen  eigenen  Schwere  ruhenden  Föderativstaat  eingeräumt  ist,  von  dessen 
grösseren    ganz    allein    durch    das  Band   seiner   legitimen  Dynastie   zur  Einheit 
verbundenen  Ganzen  nur  einzelne  Theile  dem  teutschen  Staatenbund  beigezählt 
werden,    und  dessen  Lebens  Pulse  nicht    mehr,    wie  vormals,    von  den  Quellen 
der  Donau    ausgehend    längs    dem   Rhein    bis    an  die  Küsten  des  Ozeans  fort- 
laufen,  dann    bedarf  es   gewiss  nur  der    einfachen  Hinweisung  auf  diese  that- 
sächlichen  Bewandnisse,   um  es  Jedem  einleuchtend   erscheinen  zu  lassen,  dass 
gemeinsame  Instituzionen,   welche   die    positiven  Interessen  derjenigen  Bundes- 
staaten   schützend   und    fördernd    zu    umschliessen  geeignet  wären,    die  nur  im 
Bund  und  durch  den  Bund  als  Theil  einer  selbstäodigen  von  andern  Nazionali- 
täten    unabhäijgigen    teutschen    Xazionalkraft    bestehen,    nicht    von   der  hervor- 
bringenden   Thätigkeit    der    Bundes    Verfassung     und    ihres    Organs    zu    er- 
warten sind. 

Nur  diejenigen  Bundesstaaten,  welche  bei  der  Erhaltung  teutscher  Nazio- 
nalität  und  Selbständigkeit  in  ihren  damit  übereinstimmenden  positiven  Inte- 
ressen wesentlich  betheiligt  sind,  von  welchen  die  Frage  über  Bestehen  und 
Wohlseyn  im  Bunde  ganz  eigentlich  als  eine  Vitalfrage  betrachtet  werden  muss, 
nur  sie  scheinen  zur  engeren  Vereinigung  mittels  gemeinsamer  Instituzionen, 
zum  unautlöslichen  Bündnis  auf  gemeinsames  Bestehen  oder  Untergehen,  be- 
rufen zu  seyn.  Iniziative,  Impuls  und  Führung  kann  aber  nur  von  den  mäch- 
tigeren und  einflussreichsten  ausgehen.  Haben  sich  diese  vor  Allem  über  die 
wesentlichen  Bedingnisse  verstanden,  dann  werden  die  übrigen  bald  von  der 
moralischen  Kraft  dieser  Vereinbarung  auf  eine  unwiderstehliche  Weise  sich 
angezogen  fühlen.  Es  wird  an  Mitteln  und  Wegen  nicht  fehlen,  den  Eifer  der 
Willigen  zu  erhöhen,  die  Lässigen  anzutreiben,  die  Widerstrebenden  aber  den- 
noch für  den  höchsten  Nazional  Zweck  zu  gewinnen,  wenn  nur  immerdar  die 
Ueberzeugung  bei  Allen  lebendig  erhalten  wird,  dass  die  partikulare  Selbstän- 
digkeit eines  Jeden  samt  den  fortdauernden  Partikular  Interessen,  soweit  solche 
mit  dem  Gemeinwohl  in  Übereinstimmung  gebracht  werden  können,  nicht  unter- 


90 

drückt  werden  sollen,  dass  kein  Glied  dieser  innigeren  Föderazion  jemals  als 
ein  bloses  Mittel  für  die  Zwecke  Anderer  in  Anspruch  genommen  werden  möge. 
Dieses  schliesst  aber  eine  proportioneile  Vertlieilung  des  Einflusses  auf  die  Ver- 
waltung der  gemeinsamen  Angelegenheiten  nach  dem  Maas  der  Betheiligung 
und  der  Fähigkeit  oder  Kraft  zur  Mitwürkung  nicht  aus.  Vielmehr  ist  dieselbe 
eben  dadurch  bedingt,  denn  keiner  wird  erwarten  oder  fordern  dürfen,  dass 
der  mehr  Betheiligte  und  Stärkere,  bei  welchem  folglich  die  lebhaftere  Theil- 
nahme  für  das  Gemeinwohl  sowie  auch  die  grossere  Kraft  und  Fähigkeit  zu 
dessen  Realisirung  vorauszusetzen  ist,  seine  Partikular  Interessen  dem  Einfluss 
der  minder  Betheiligten  und  Schwächeren  unterzuordnen  habe.  Keiner  wird 
durch  ein  solches  verfassungsmäsiges  Misverhältnis  an  das  Unheil  bringende 
Veto  vormaliger  Landboten  auf  polnischen  Reichstagen  erinnern  wollen.  Überall 
wird  man  anerkennen,  dass  die  Idee  der  Rechtsgleichheit  bei  jeder  zu  ver- 
suchenden Realisirung  durch  die  Gleichheit  der  Anlagen,  der  Kräfte  und  Hülfs 
Mittel  bedingt  bleibt.  Die  Überschätzung  sowie  die  Überspannung  des  indivi- 
duellen Vermögens  hat  aber  überall  und  immer  nur  zum  eigenen  Verderben 
gereicht;  diese  praktische  Wahrheit  wird  ebenso  sehr  durch  die  Geschichte  als 
durch  die  forschende  Betrachtung  zur  Anschauung  erhoben.  Wer  alles  zu 
können  glaubt,  was  ihm  zu  wollen  gestattet  ist,  der  fällt  mit  Recht  schweren 
Büssungen  anheim  wegen  dieses  unverzeihlichen  Irrthums !  — 

Unter  den  ersehnten  gemeinsamen  Instituzionen  wird  mit  Recht  die  Auf- 
stellung eines  gemeinschaftlichen  Handels-  und  Zollsystems  ganz  oben  an  ge- 
stellt. Wie  könnte,  solange  der  unheilvolle  Zollkrieg  im  Innern  der  Bundes- 
staaten fortdauert,  das  Volk,  welches  die  Idee  des  Gemeinwohls  nur  in  der 
realen  Erscheinung  mittels  sinnlicher  Wahrnehmungen  aufzufassen  im  Stande 
ist,  jemals  dazu  vermocht  werden,  Gut  und  Blut  mit  Hingebung  für  diese  Idee 
zu  opfern?!  —  Fürwahr,  wenn  man  diese  einander  entgegengesetzten  Zoll- 
statuten mit  ihren  tief  einschneidenden  Folgen  vergleichend  erwägt,  und  wenn 
man  sich  einen  Aufruf  der  nazionalen  Gesamtkraft  hinzudenkt,  eine  Aufforde- 
rung der  Eingeborenen,  zu  ihrer  Verstärkung  mit  Leben  und  Vermögen  herbei 
zu  eilen,  dann  muss  selbst  die  nüchternste  Betrachtung  dieser  Beziehungen  ein 
so  labyrinthisches  Gewirre  von  drängenden  und  wogenden  Vorstellungen  ent- 
hüllen, dass  jedes  vaterländische  Gemüth  sich  nur  mit  Besorgnis  und  Wehmuth 
von  diesem  Überblick  des  gewiss  seltsamsten  Kausal  Nexus  unserer  Zeit,  wieder 
abwenden  wird. 

Mobile  Kolonnen  werden  von  grosser  Würkung  seyn,  da  wo  sie  zur  L^nter- 
stützung  des  Koros  (Corps)  einer  zuverlässigen  Bürgerbewaffnung  dienen.  Müsste 
ihnen  aber  die  Bewachung  und  das  Bezähmen  einer  ganzen  aufgeregten  Be- 
völkerung, sobald  das  Bundes  Heer  dem  auswärtigen  Feind  gegenüber  steht, 
zur  Aufgabe  gemacht  werden,  dann  dürfte  sich  bald  das  Unzureichende  einer 
solchen  Masregel  heraus  stellen.  Und  doch  ist  die  Gefahr  gros  und  ganz  in 
der  Nähe  drohend.  Die  Aufreger  wenden  sich  jetzt,  nachdem  viele  Elemente 
der  Unruhe  durch  Zugeständnisse  beschwichtigt  worden,  und  da  unter  dem 
teutschen  Volk  durchaus  keine  Sympathie  für  irgendwelche  von  Franzosen  zu 
gewährende    Intervcnzion    erweckt    werden    konnte,    an    die    unteren    Klassen. 


91 

DieacQ  stellt  man  vor,  der  Krieg  werde  ihneu  mit  seinem  bekannten  Gefolge 
vun  Einquartiruug,  Lieferungen,  Vorspann,  Geldleidtungen,  persönlicher  Unsicher- 
heit und  häutigen  Mishandlungen  nächstens  erscheinen.  In  ihrer  Mitte  aber 
seyen  die  Männer  noch  am  Leben  und  rüstig,  welche  selbst  als  Soldaten  die 
letzten  Kriege  geführt ;  diesen  sey  Gefahr  und  Lohn  des  Kriegerlebens  bekannt 
genug,  um  jeden  zu  bewegen,  dass  er  dem  Mithandeln  vor  dem  blos  leidenden 
Vorstellen  den  Vorzug  gebe.  Ihnen  allen  habe  man  damals  eine  lange  Ruhe 
und  den  dauernden  Frieden  mit  seinen  Genüssen  versprochen ;  die  getheilten 
Interessen,  das  Mistrauen  und  die  Eifersucht  der  bestehenden  Regierungen 
Hessen  es  aber  nicht  dazu  kommen.  Wenn  also  diese  durchaus  Krieg  haben 
wollten,  dann  müsse  sich  das  ganxe  Volk  in  bewaffneten  Massen  erheben,  um 
zugleich  den  auswärtigen  Feiud  zurückzuschlagen  und  die  innere  nie  versiegende 
Quelle  der  immer  erneuten  Kriege  endlich  zu  verstopfen.  Letzteres  aber  könne 
nur  geschehen,  wenn  alle  jetzt  bestehenden  Regierungen  aufgelösst  und  die 
Völker  unter  wahrhaften  uazionalen  Regierungen  vereinigt  würden,  die  nur  die 
würklichen  Nazional  Interessen  vor  Augen  haben  müssten  und  daher  aus  andern 
Motiven  keine  Kriege  zu  führen  sich  genöthigt  sehen  oder  veranlasst  werden 
könnten.  Am  wenigsten  durch  Familien  Verhältnisse  und  wegen  veralteter 
staatsrechtlicher  Ansichten  oder  Lehrsätzen  aus  längst  vergangenen  Zeitaltern. 
Ein  dauernder  Friede  und  vortheilhafte  nazionale  Verbindungen  mit  Frankreich 
würden  die  unmittelbare  Folge  von  dieser  Umgestaltung  des  öffentlichen  Zu- 
staudes  in  Deutschland  seyn.  Die  Franzosen  dächten  nicht  daran,  sich  Teutsch- 
land aufs  Neue  zu  unterwerfen ;  sie  wollten  blos  Bürgschaften  haben,  dass  von 
Teutschland  aus  nicht  die  bei  ihnen  eingeführte  öffentliche  Ordnung  angegriffen, 
unterminirt  und  umsrestürzt  werden  könne.  Das  Bundesheer  werde  dem  Auf- 
stand  des  Volkes  keinen  Widerstand  leisten.  Wenn  auch  die  Offiziere  aus 
leicht  begreiflichen  Motiven  sich  von  der  Sache  des  Volkes  lossagen  wollten, 
so  könne  dagegen  auf  die  Theilnahme  der  L'nter  Offiziere  und  Gemeinen  zu- 
versichtlich gerechnet  werden.  Nebenbei  wird  vor  Allem  auf  Fohlen,  als  ein 
Beispiel  zur  Nachahmung  hingewiesen,  und  die  für  dieses  Land  unter  allen 
Klassen  erwachte  Sympathie  durch  jedes  Mittel  der  Aufregung  gesteigert.  Der 
industriellen  Abtheilung  der  Mittelklassen  und  den  kleinen  Eigenthüraern  wiid 
insinuirt,  das  Schicksal  der  Fohlen  müsse  ihnen  mehr  Aufschluss  über  die  End- 
zwecke und  letzten  Absichten  der  Mächte  geben,  als  aus  allen  offiziellen  Be- 
kanntmachungen zu  schöpfen  sey.  Dem  politischen  Interesse  aller  Mächte 
ausser  Russlaud  sey  augenscheinlich  die  Wiederherstellung  eines  selbständigen 
mit  Widerstandskraft  ausgestatteten  pohlnischen  Staats  entsprechend;  wenn  also 
demohngeachtet  der  dazu  günstige  Moment  nicht  genützt,  vielmehr  diese  herrische 
Nazion  dem  hofnungslosen  Untergänge  überlassen  werde,  dann  sei  kein  erdenk- 
barer Zweifel  mehr  übrig,  dass  es  dabei  mehr  um  die  Erhaltung  von  Regierungs 
Prinzipien  als  um  das  wohlverstandene  Interesse  der  Völker  sich  handle.  Die 
Körperschaften,  worin  sonst  der  Einzelne  den  Schutz  der  Genossen  gefunden 
und  einer  völligen  Rechts  Gleichheit  wenigstens  in  der  Genossenschaft  sich  zu 
erfreuen  gehabt,  seye  mit  der  Auflöduug  der  alten  Reichs  Verfassung,  samt  ihrem 
Kaiser  und  Reichstag  und  Reichs  Gerichten  und  allen  übrigen  darin  wurzelnden 


92 

Instituzionen  verschwunden.  Jetzt  stehe  der  Einzelne  hilflos  und  schutzbedürftig 
einer  übermüthigen  Beamten  Hierarchie  gegenüber;  in  diese  seyen,  sich  einzu- 
drängen, Viele  bemüht,  die  sonst  durch  Privilegien  und  Monopole  bevorzugt 
gewesen;  zum  Ersatz  des  erlittenen  Verlustes  suchten  selbige  die  absolute 
Regierungs  Gewalt  unter  sich  zu  vertheilen.  Hinter  dem  Heiligthum  des  Throns 
wären  sie  beflissen,  ihre  Habsucht,  ihren  hoffärthigen  Dünkel,  und  ihre  Genuss- 
gier, verbunden  mit  Arbeitsscheu  und  schlapper  Behaglichkeitsliebe  zu  verbergen. 
In  diesen  Gesinnungen  wurzele  der  geheuchelte  Royalismus  Vieler  vormals 
Privilegirten,  und  für  die  ausser  der  Beamten  Hierarchie  stehenden  Eigenthümer 
und  Industriellen  sey  kein  anderes  Ende  der  hieraus  für  sie  erwachsenden 
Schmach  und  Drangsale  abzusehen,  als  wenn  sie  jetzt  die  aufgeregte  Stimmung 
der  untersten  Klasse  gewähren  lassen,  oder  vielmehr  derselben  nach  erfolgter 
Explosion  die  angemessene  Richtung  geben  wollten.  Im  Hintergrund  zeigt  man 
auch  die  wohlfeilere  Einrichtung  einer  von  der  Volks  Souveränität  ausgehenden 
Verwaltung.  Ohne  Zweifel  eine  Präsidentschaft  ä  la  Lafayette  mit  Zubehörung, 
statt  des  unfindbaren  populären  Thrones  umgeben  von  republikanischen  In- 
stituzionen? 

Der  Eindruck,  den  solche  und  ähnliche  Vorstellungen,  je  nach  Gelegenheit 
und  Umständen  hervorbringen  können,  lässt  sich  im  voraus  nicht  berechnen. 
Aber  soviel  lässt  sich  behaupten,  dass  auch  diese  Seite  der  Dinge  eine  sehr 
ernste  Betrachtung  verdient  und  dass  die  möglichen  Würkungen  von  da  aus 
auf  die  Volks  Erregung  angelegter  Versuche  weder  durch  Ignoriren  noch  durch 
ein  leichtes  darüber  Hinwegsehen  geschwächt  werden  können.  Wer  Teutsch- 
land auch  nur  aus  dem  Buch  der  Frau  von  Staöl  kennen  möchte,  wird  dieses 
kaum  in  Zweifel  zu  ziehen  geneigt  seyn."  —  —  — 

Aus  diesem  hochwichtigen  Schriftstücke  geht  hervor,  wie  Ibell  ebensowohl 
die  liberale  Bewegung  seiner  Zeit  in  ihrem  ganzen  Umfange  verstand,  als  auch 
die  preussische  Politik  und  ihre  Ziele  richtig  zu  würdigen  wusste,  im  Hinblick 
auf  die  zukünftige,  zu  erstrebende  deutsche  Einheit. 

Graf  Bernstorff  hat  vielleicht  von  dem  intimen  Verkehre  Naglera  mit 
Ibell  nichts  gewusst,  ebensowenig  Ancillon.  Bedeutsam  bleibt  es,  wie  gesagt, 
jedenfalls,  dass  Nagler  nicht  allein  Bundesgesandte  zu  Rate  zog,  sondern  auch 
Ibell,  der  nicht  zu  letzteren  gehörte,  geradezu  den  Vortrag  zur  Begutachtung 
übersandte.  Er  mag  eben  durch  die  herrschende  Stimmung  dazu  bewogen 
worden  sein,  auch  einen  ausserhalb  jener  Kreise  stehenden  Diplomaten  zu  hören. 
Die  Darlegungen  Ibells  haben  gewiss  ihren  Eindruck  auf  Nagler  nicht  verfehlt; 
aber  ihre  thatsächliche  Wirkung  vvar,  wie  aus  dem  Folgenden  hervorgeht,  nicht 
die  vom  Verfasser  erhoffte. 

Die  nächste  Zeit  brachte  grosse  Veränderungen  im  Ministerium  zu  Berlin. 
Im  April  von  1831  beantragte  der  fortwährend  kranke  Bernstorff"  seine  Ent- 
lassung; der  König  aber  bewilligte  sie  ihm  nicht,  sondern  gab  ihm  den  gewandten 
und  geschäftskundigen  Werther  zur  Seite.  Zum  Vorsteher  der  zweiten  Ab- 
teilung des  Ministeriums  wurde  Eichhorn  ernannt,  Ancillon  zum  Staatssekretär, 
als  welcher  er  die  regelmässige  Korrespotidenz  mit  dem  Auslande  zu  führen 
hatte.     Zum  Generalstabschef  wählte  der  König  den  General  von  Krauseneck; 


93 

auch  dor  Staatsrat  wiirde  durch  einzelne  Ernennungen,  z.  B.  die  Wiederberufung 
\V.  V.  Humboldts  umgestaltet.  Alle  diese  Änderungen  kehrten  sich  gegen  die 
Kriegspartei  der  „Mecklenburger"  (Herzog  Karl,  v.  Kamptz,  v.  MüfHing  u.  a.) 
und  die  österreichische  Politik. 

Die  letztere  drängte  auf  eine  Wiederholung  der  Karlsbader  Konferenz. 
Die  preussischen  Gesandten  Graf  Maltzan  in  Hannover  und  Frhr.  v.  Maltzahn 
in  Wien  waren  metternichischen  Sinnes;  der  nassauische  Staatsminister  v.  Mar- 
schall entwarf  sogar  einen  Vortrag,  der  auf  Aufhebung  der  landatändischen 
Rechte  hinauslief.  Aber  all  diesem  Ansinnen  widersetzte  Bernstorff  sich  stand- 
haft; er  war  der  Ansicht,  dass  man  nichts  ohne  und  nichts  wider  die  Bundes- 
verfassung unternehmen  solle.  Er  sprach  sich  entschieden  gegen  die  seitherige 
Handhabung  der  Zensur  aus  und  Hess  einen  Entwurf  zu  einem  preussischen 
Pressgesetze  ausarbeiten,  der  die  Grundlage  zu  einem  Bundespressgesetze  ab- 
geben sollte  und  der  für  damalige  Zeit  verhältnismässig  liberal  war.  Maltzahn 
verhandelte  in  Wien  mit  Metternich  auf  streng  gesetzlichem  Boden,  und  man 
einigte  sich  schliesslich  dahin,  dass  sechs  Artikel  zur  „Stärkung  des  monarchischen 
Prinzips"  der  Bundesakte  hinzugefügt  und  deshalb  dem  Bundestage  vorgelegt 
werden  sollten. 

Die  sechs  Artikel  bestimmten:  1.  die  Souveräne  sind  verpflichtet,  Anträge 
der  Stände,  die  der  Vorschrift,  dass  alle  Staatsgewalt  im  Oberhaupte  des  Staates 
vereinigt  bleiben  muss,  widersprechen,  zurückzuweisen;  2.  die  Stände  dürfen 
dem  Souverän  die  zur  verfassungsmässigen  Regierung  nötigen  Gelder  nicht 
verweigern,  noch  die  Verwilligung  von  der  Durchführung  anderweiter  Wünsche 
abhängig  machen;  3.  die  Erfüllung  der  Bundespflichten  der  Eiczelstaaten 
wird  nicht  beeinflusst  durch  die  besonderen  Gesetzgebungen;  4.  die  Landtage 
werden  durch  eine  beim  Bundestage  einzusetzende  Kommission  überwacht; 
5.  die  Regierungen  der  Bundesstaaten  verpflichten  sich,  etwaige  Angriffe  der 
Landtage  auf  den  Bund  zu  verhüten;  6.  die  Bundesversammlung  ist  zur  alleinigen 
Auslegung  der  Bundesgrundgesetze  berechtigt.  —  Die  preussische  Regierung 
hatte  einen  Schritt  nachgegeben,  dafür  aber  eine  totale  Reaktion  im  öster- 
reichischen Sinne  verhütet. 

Der  Bundestag  machte  sich  an  die  Arbeit,  die  Artikel  zu  beraten.  Mittler- 
weile erfolgte  im  Mai  von  1832  endlich  der  Abschluss  des  Militärtraktats 
zwischen  Preussen,  Österreich  und  den  Süddeutschen  im  Sinne  der  preussischen 
Politik,  ferner  die  endliche  Anerkennung  Belgiens  durch  sämtliche  Mächte, 
aber  auch  die  pfälzische  Bewegung  (Hambacher  Fest,  27.  V.  1832).  Das  liess 
den  Bundestag  sich  schnell  einigen;  am  28.  VI.  1832  wurden  die  sechs  Artikel 
einstimmig  angenommen.  Das  Pressgesetz  BernstorfFs  blieb  aber  ein  frommer 
Wunsch,  zumal  sogar  in  Preussen  der  Entwurf  nicht  die  Zustimmung  des  Ge- 
samtministeriums erhalten  hatte. 

Graf  Bernstorff,  immer  kränker,  drang  auf  seine  Entlassung;  er  hat  sie 
im  Mai  von  1832  erhalten.  Seine  besonnene  und  umsichtige  Leitung  der  Ge- 
schäfte behütete  Deutschland,  ja  Europa  vor  grossen  Gefahren,  vor  einem  Welt- 
kriege, sie  rottete  die  deutschen  ständischen  Verfassungen,  trat  den  ÜbergriiFen 
des  Absolutismus  entgegen  und  liess  das  grosse  Werk  des  deutschen  Zollvereins 


94 

seiner  Vollendung  entgegenreifen.  Ancillon  wurde  des  bedeutenden  Staats- 
mannes Nachfolger,  und  die  pieussischo  Politik  steuerte  wieder  mehr  ins  öster- 
reichische Fahrwasser,  ohne  indes  sich  von  Metteruich  ins  Schlepptau  nehmen 
zu  lassen. 

Sobald  die  sechs  Artikel  angenommen  worden  waren,  erfolgte  das  Verbot 
von  Versammlungen,  \  ereinigungen  und  Zeitungen;  das  liberale  Pressgesetz  in 
Baden  wurde  aufgehoben,  die  namhaftesten  Publizisten  wurden  mund-  und  federtot 
o-emacht,  die  Universitäten  schärfer  überwacht  —  mit  einem  Worte  die  Karls- 
bader  Beschlüsse  wieder  schärfer  beobachtet.  Allein  schon  gab  es  eine  Anzahl 
von  Regierungen,  die  die  Zusatzartikel  nicht  oder  nur  mit  Vorbehalt  zu  publi- 
zieren wagten,  so  sehr  hatten  die  Landtage  ihr  Ansehen  befestigt. 

Und  wenn  man  dadurch  der  liberalen  Bewegung  einen  Hemmschuh  an- 
gelegt zu  haben  glaubte,  so  befand  man  sich  im  Irrtume.  Sie  war  nicht  mehr 
zu  hemmen,  allerdings  auch  nicht  durch  das  Benehmen  der  Exaltados  (Frank- 
furter Wachensturm  3.  IV.  1833)  vorwärts  zu  treiben.  Denn  es  folgten  sofort 
die  Gegenmassregeln.  Zar  Nikolai,  nach  der  Niederwerfung  Polens  wieder  als 
Schutzherr  des  Absolutismus  auftretend,  verabredete  mit  Kaiser  Franz  in  der 
bekannten  Entrevue  zu  Mün;  hengrätz  (September  von  1833)  ein  bewaffnetes 
Einschreiten  gegen  die  revolutionäre  Propaganda.  Allein  der  alte  König  Friedrich 
Wilhelm  hatte  sich  in  Teplitz  dem  österreichischen  und  in  Schwedt  dem  rus- 
sischen Herrscher  gegenüber  dahin  ausgesprochen,  dass  er  für  eine  solche 
Aktion  nicht  zu  haben  wäre.  Die  Übereinkunft  der  drei  Mächte  zu  Berlin  am 
15.  X.  1833  erhielt  daher  auch  rein  defensiven  Charakter.  Dagegen  beabsichtigte 
Metternich  dem  Revolutionsdrange  in  Deutschland  einen  entsprechenden  Dämpfer 
aufzusetzen.     Preussen  stimmte  zu. 

So  trat  denn  am  13.  I.  1834  auf  seine  Einladung  die  Konferenz  zu  Wien 
zusammen.  Sie  war  nur  eine  Abschattung  des  Karlsbader  Kongresses,  und 
sofort  trat  der  Zeiten  und  Verhältnisse  Wandlung  deutlich  hervor.  Die  an- 
wesenden Konferenzmitglieder  schieden  sich  in  zwei  Gruppen,  eine  konservative 
(Osterreich,  Preussen,  Dänemark,  Oldenburg,  Mecklenburg,  Bremen,  Luxemburg, 
Hessen-Darmstadt)  und  eine  konstitutionelle  (Baiern,  Württemberg,  Baden, 
Sachsen,  Hannover,  Kurhesseu,  die  thüringischen,  die  übrigen  Kleinstaaten  und 
Nassau-Braunschweig  —  Minister  v.  Marschall  war  gestorben)  —  also  acht 
gegen  neun.  Das  berichtigte  „Sechzig-Artikel-ProtokolP  wurde  endlich,  am 
12.  VL  1834  genehmigt,  mit  seinen  Bestimmungen  über  das  Bundesschieds- 
gericht, die  landständischen  Rechte,  die  Zensurverschärfung,  die  Regelung  des 
Universitätslebens  und  dem  Verbote  der  Akteuversenduug.  Aber  man  wogte 
nur  allmählich,  den  ersten,  vierten  und  fünften  Teil,  ersteren  als  Bundesgesetz, 
zu  veröffentlichen  und  auch  dann  nie,  das  Bundesschiedsgericht  in  Thätigkeit 
treten  zu  lassen. 

Unterdessen  ging  die  Zollpolitik  Preussens  unveränderten  Grundsatzes 
ihrem  grossen  Ziele  entgegen.  Es  schlössen  sich  an:  1830  Fürstentum  Birken- 
feld, 1831  Kurhessen,  1833  Baiern  und  Württemberg,  Thüringische  Staaten, 
Sachsen,  1834  Baden,  1835  Nassau  und  Hessen-Homburg,  1836  Frankfurt; 
die  übri^on  Staaten  des  mitteldeutschen  Handelsvereins  bildeten  1834  den  söge- 


95 

nannten  Stcucrverein,  eine  auf  die  Dauer  unhaltbare  Verbindung.  Die  deutsche 
Geschichte  hat  da3  gelehrt  und  uns  auch  die  weitere  Entwickelung  der  grossen 
Frage  aufgezeichnet. 

Mit  unermüdlichem  Eifer  ist  Regierungspräsident  von  Ibell  der  preussischen 
Politik  treu  geblieben,  in  der  er  das  Heil  Deutschlands  erblickte,  obwohl  er 
durch  sie  seine  liberalen  Grundsätze  noch  lange  nicht  in  vollem  Umfange  ver- 
wirklicht fand.  Bitter  sprach  er  sich  über  die  Wiener  reaktionären  Beschlüsse 
aus;  er  scheute  sich  nicht,  seiner  Ansicht  in  Wien  selbst,  wo  er  eine  Zeitlang 
im  Auftrage  seines  Landesherrn  weilte,  Ausdruck  zu  geben.  Noch  vor  Ver- 
kündigung des  Bundesgesetzes  aber  raffte  ihn  eine  tückische  Krankheit  hinweg. 

So  hat  er  nicht  mehr  erlebt,  wie  vierzehn  Jahre  später  der  Absolutismus 
aus  allen  Fugen  krachte  und  wie  die  Souveräne  nun  notgedrungen  alle  jene 
Rechte  gewähren  mussten,  die  von  liberalen  Staatsmännern  zur  Einführung 
lange  vorher  empfohlen  worden  waren,  damit  die  Throne  und  Regierungen 
vor  Erschütterungen  bewahrt  blieben. 


Das  Schloss  zu  Heftrich, 

Yon 

Dr.  W*  Sauer^ 

Künigl.  Archivrat  und  Staatsarchivar  zu  Wiesbailen, 


Die  Aufgabe,  das  Gebiet  der  kleinen  Herrschaft  Idstein  gegen  feindliehe 
Einfälle  zu  schützen,  hatten  neben  der  alten,  inmitten  der  Herrschaft  belegenen 
Stammburg  Idstein  drei  kleinere  Landesburgen,  welche  in  späterer  Zeit  zu 
diesem  Zwecke  errichtet  wurden.  Clegen  1356  baute  Graf  Adolf  I.  an  der 
Westgrenze  Adolfseck;  um  1390  Graf  Walram  an  der  Nordgrenze,  gegen  Kur- 
trier und  Diez,  das  Schloss  Walrabenstein.  Sein  1393  zur  Regierung  gelangter 
Sohn  Graf  Adolf  IL  baute  an  der  O^tgrenze  gegen  die  Herren  von  Eppenstein, 
welche  in  dem  Nachbarorte  Schlossborn  ein  festes  Haus  hatten,  das  Schloss  zu 
Heftrich,  dessen  Errichtung  schon  wohl  sein  Grossvater  Graf  Adolf  I.  geplant 
hatte,  als  er  sich  am  13.  Januar  1367  von  Kaiser  Karl  IV.  Stadtrechte  für 
den  Ort  erteilen  Hess.  Das  Schloss  zu  Heftrich,  zu  dessen  um  das  Jahr  1404 
vollendetem  Bau  die  Trümmer  des  römischen  Kastells  Alteburg  das  Material 
geliefert  haben  dürften,  war  wohl  die  kleinste  der  genannten  Burgen,  weder 
hier  noch  zu  Walrabeustein  werden  ausdrücklich  Burgmänuer  oder  Burglehen 
genannt.  Vielleicht  können  wir  aber  die  Herrn  von  Reifenberg,  welche  1496, 
1514,  1526  mit  20  Guldea  Miungeld  aus  dem  Schlosse  Heftrich  belehnt  wurden, 
doch  als  solche  ansehen. 

Die  Existenz  dieses  Schlosses  ist  ziemlich  unbekannt  geblieben;  nur 
Vogel  erwähnt  es  S.  820;  Schliephake-Menzel  nennen  es  kaum;  Lotz, 
Baudenkmäler,  hat  den  Ort  Heftrich  überhaupt  übergangen. 

Von  urkundlichen  Erwähnungen  des  Schlosses  liegen  ausser  den  eben 
genannten  folgende  vor: 

1.  1404,  Januar  31.  Freiheitsbrief  des  Grafen  Adolf  IL  für  „unsere 
burger  zu  Heftrich  in  dem  slosse". 

2.  1446,  Dezember  14  verpachtet  Eberhard  lU.  von  Eppenstein  seinen 
Hof  zu  Esch,  „der  uns  mit  dem  slosse  zu  Hefftrich  worden  ist". 

Wie  und  wann  das  Schloss  in  den  Besitz  des  Genannten  gelangte, 
war  nicht  zu  ermitteln. 

3.  1465  nimmt  Erzbischof  Johann  IL  von  Trier  die  Schlösser  des  Grafen 
Johann  von  Nassau,  darunter  Heftrich,  in  Schutz.  Vergl.  Goerz, 
Rcgg.  der  Trierer  Erzbischöfe,  S.  222;  Menzel  V,  350. 

4.  1468,  Oktober  28,  Johann  von  Kalk,  Präzeptor  des  Antoniterhauses 
zu  Höchst,  verschreibt  diesem  eine  Rente  von  jährlich  6  Gulden  auf 
das  Schloss  zu  Heftrich. 

Diu  Lage  und  die  baulichen  Verhältnisse  des  Schlosses  werden  durch 
örtliche  L'ntersucliungen   vermutlich  noch  festgestellt  worden  können. 


Nassauische  Studenten 

auf  Universitäten    des   Mittelalters. 

Von 

Fr«  Otto» 


Erste  Abteilung. 

"Wie  sehr  und  in  wie  vielfacher  Hinsicht  unsere  Kenntnis  durch  die  in 
neuerer  Zeit  in  Angriff  genommene  Veröffentlichung  von  Universitätsmatrikeln 
der  frühereu  Jahrhunderte  gewonnen  hat,  lehrt  eine  wenn  auch  nur  oberfläch- 
liche Betrachtung.  Wir  finden  uns  auf  einmal  in  die  Mitj;e  der  Scholaren  eines 
Semesters  versetzt,  sehen,  wie  neue  ankommen,  arme  und  wohlhabende,  geist- 
liche und  weltliche,  Männer  in  Ämtern  und  Würden,  Jünglinge  und  Knaben, 
die  noch  nicht  zu  einem  Eide  zugelassen  werden.  Besonders  erweckt  unsere 
Neugierde  die  Zahl  und  die  Herkunft  der  Scholaren;  jene  kann  jetzt  ziemlich 
genau  festgestellt  und  von  ihrer  traditionellen  Übertreibung  befreit  werden; 
diese  zeigt,  wie  stark  sich  die  einzelnen  Orte,  Dörfer,  Städte  und  Länder  an 
dem  auf  einmal  erwachten  regen  Streben  nach  akademischer  Ausbildung  im 
damaligen  Sinne  beteiligten. 

Hier  soll  eine  Zusammenstellung  der  Scholaren  aus  Nassau  gegeben 
werden.  Unter  Nassau  verstehen  wir  dabei  den  Umfang  des  vormaligen  Her- 
zogtums oder  das  Gebiet  der  Thätigkeit  des  Vereins  für  nassauische  Altertums- 
kunde und  Geschichtsforschung.  Als  Zeitgrenze  haben  wir  das  Jahr  1500  an- 
genommen, nach  welchem  sowohl  die  Gründung  neuer  Universitäten  fällt,  als 
sich  eine  neue  Richtung  der  wissenschaftlichen  Bestrebungen,  wenn  vorerst 
auch  in  den  alten  Bahnen  des  Betriebs,  alsbald  bemerkbar  macht;  nur  einige- 
mal haben  wir  diese  Grenze  überschritten,  wie  bei  Bologna  und  den  Eber- 
bacher Mönchen  zu  Heidelberg.  Dabei  beschränkten  wir  uns  auf  diejenigen 
Hochschulen,  von  denen  gedruckte  Matrikeln  vorliegen.  Zunächst  sind  es  die 
vor  dem  Jahre  1400  gegründeten  (mit  Ausnahme  Wiens),  Bologna,  Prag  und 
Heidelberg,  deren  Scholaren  aus  Nassau  wir  zusammenstellen ;  nach  ihnen  sollen 
in  einer  zweiten  Abteilung  die  von  Köln  und  Erfurt  folgen. 

Leider  war  es  nicht  möglich  alle  genannten  Personen  anderweitig  nach- 
zuweisen, ja  bei  manchen  blieb  es  zweifelhaft,  ob  sie  überhaupt  hierher  gehören. 


1)8 

Wir  hoffen,  dass  es  späteren  Ermittelungen  oder  andern  Forschern  gelino-en 
werde  das  hier  Fehlende  wenigstens  zum  Teil  zu  ergänzen  oder  Irrtümer  zu 
berichtigen.  Wir  haben  einstweilen  das  uns  zugängliche  Material  zu  verwerten 
gesucht;  von  manchen  strebsamen  Jüngern  der  Wissenschaft,  die  auf  niehrereu 
Universitäten  erscheinen,  wie  Eberhard  Goldsmit  (Aurifaber)  von  Montabaur, 
müchte  man  mehr  erfahren  als  den  trockenen  Namen  in  einer  Matrikel.  Einst- 
weilen müssen  wir  uns  vielfach  damit  begnügen  die  Zahl  derer,  die  das  Be- 
dürfnis nach  höherer  Bildung  zu  den  Stätten  der  Wissenschaft  trieb,  nach  Ort 
und  Zeit  zu  wissen. 

I.    Bologna.') 

Die  Universität  zu  Bologna  war  ursprünglich  und  blieb  vorzugsweise  eine 
Rechtsschule,  wenn  auch  schon  im  Laufe  des  13.  Jahrhunderts  Lehrer  in  der 
Medizin  und  den  freien  Künsten  (philosophi  et  medici  oder  physici  oder  mit 
dem  gemeinsamen  Namen  artistae)  und  etwas  später  in  der  Theologie  daneben 
auftraten.  Jene  zerfiel  in  zwei  Korporationen,  univeroitates,  die  der  Citra- 
montaui  und  Ultramontani,  deren  jede  einen  besonderen  Rektor  hatte  und  wieder 
je  nach  der  Herkunft  der  Scholaren  in  verschiedene  Nationen  zerfiel.  Eine 
der  Ultramontani  war  die  deutsche,  natio  Teutonica  oder  Germanica,  zuerst 
erwähnt  1267;  sie  umfasste  alle,  welche  die  deutsche  Sprache  redeten;  doch 
zählte  man  zu  ihr  auch  die  Böhmen,  Mähren,  Lithauer  und  Dänen. 

Mitglied  der  Nation  wurde  man  durch  die  Immatrikulation  (intitulatio), 
mit  der  die  Zahlung  einer  gewissen  Geldsumme  und  ein  Eid  verbunden  war. 
Dieser  verpflichtete  den  Schwörenden  den  Satzungen  der  Nation  gemäss  zu 
leben,  die  Kirche  wenigstens  an  bestimmten  Tagen  zu  besuchen,  an  Leichen- 
begängnissen der  Genossen  teilzunehmen  u.  s.  w.  Der  Betrag  der  Gebühren  war 
anfangs  nach  den  Einkünften  eines  jeden  bemessen  (von  jeder  Mark  ein  Bolog- 
neser grossus),  doch  fanden  wohl  oft  Abweichungen  davon  statt,  indem  reiche 
und  vornehme  Herren  mehr  zahlten,  als  notwendig  war.  Die  niedrigste  Summe 
in  unserm  unten  folgenden  Verzeichnis  beträgt  4  Solidi  (1  Sei.  nach  Savigny 
im  Jahre  1289  =   1   Sgr.  7  Pf.). 

An  der  Spitze  der  deutschen  Nation  standen  zwei  Prokuratoren,  die  jähr- 
lich wechselten  und  am  Anfang  des  Januar  (Epiphan.)  in  der  Regel  erwählt 
wurden;  ihr  Amt  traten  sie  dann  am  Sonntag  nachher  an.  Sie  sollten  scolas- 
tici  idonei  und  über  20  Jahre  alt  sein ;  die  Wahl  fand  statt  durch  vier  Wahl- 
männer (electores)  und  die  zwei  abgehenden  Prokuratoren,  Sie  hatten  die 
Matrikel  zu  führen  und  das  Eigentum  der  Nation,  die  Gelder  und  Inventariata- 
stücke,  zu  verwalten;  die  Übergabe  desselben  erfolgte  beim  Amtsantritt,  und 
über  diesen  Akt  wurde  ein  ausführliches  Protokoll  aufgenommen.  An  bestimmten 
Tagen  fanden  Zusammenkünfte  (conventus)  statt,  die  bisweilen  zu  opulentae  cenae 
ausarteten  und  daher  seit  1313,    wenn  auch  vergeblich,  eingeschränkt  wurden. 


')  Über  Bolo^a  vgl.  v.  Savigny,  Geschichte  des  römischen  Rechts,  III;  Kaufmann, 
Geschitlite  <ler  deutschen  Universitäten,  I.  und  Denifle,  Geschichte  der  Universitüten  I., 
und  über  die  deutsche  Nation  die  unten  angeführten  Acta  Nationis  Gcrniaiiicae. 


99 

Die  Zahl  der  eingeschriebenen  Scholaren  der  deutschen  Nation  betrug  in 
den  Jahren  1289—1300:533,  1300—1350:1259,  1350—1400:415,  1400  bis 
1450:  308,  1450—1500:  715;  man  berechnet  die  Zahl  aller  in  408  Jahren 
verzeichneten  Scholaren  der  nat,  Germ,  auf  10300. 

Unsere  ZusammenstoUuDg  beruht  auf  dem  umfassenden  Werke :  Acta 
Nationis  Germanicae  universitatis  Bononiensis  ex  archetypis  tabularii  Malvez- 
ziani  ediderunt  Ern.  Friedländer  et  Carolus  Malagola,  Berlin  1887,  Fol.,  unten 
abgekürzt  in  ANG.')  Wir  haben,  wo  es  möglich  war,  die  frühoie  und  spätere 
Stellung  der  einzelnen  Scholaren  zu  bestimniou  gesucht;  bei  einigen  muss  es 
zweifelhaft  bleiben,  ob  sie  hierher  gehören,  andere  mögen  vielleicht  übersehen 
sein,  doch  wird  an  der  Gesaratzahl  von  38  nicht  viel  zu  ändern  sein.  Nicht 
alle  sind  in  der  Matrikel  selbst  enthalten;  manche  erscheinen  blos  in  den  Pro- 
tokollen als  Zeugen;  wir  glauben  auch  sie  hier  aufnehmen  zu  sollen.  Es 
scheint  ein  gleichmässiges  Verfahren  der  Prokuratoren  nicht  stattgefunden  zu 
haben;  denn  w^ährend  z.  B.  der  Magister  des  Grafen  Gerlach  von  Nassau  und 
des  Herrn  Syfrid  von  Runkel  im  Jahre  1304  eingetragen  ist,  findet  dies  bei 
dem  Magister  des  zweiten  Gerlach  im  Jahre  1340  nicht  statt. 

Die  Mehrzahl  der  nassauischen  Scholaren  gehörte  dem  geistlichen  Stande 
an;  sie  wollten  offenbar  das  kanonische  Recht  studieren;  andre  waren  Glieder 
des  höheren  oder  niederen  Adels.  Manche  hatten  vorher  deutsche  Universi- 
täten besucht;  siebenmal  wurde  aus  ihnen  der  eine  der  Prokuratoren  gewählt. 
Der  rasche  Niedergang  des  Besuchs  in  der  zweiten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts 
muss  als  eine  Folge  der  Stiftung  von  deutschen  Universitäten,  Prag,  Wien, 
Heidelberg,  Köln  und  Erfurt   angesehen  werden. 

Die  Münzen.  1  Solidus  (=  12  Denarii,  Bolognini)  war,  wie  oben  be- 
merkt, im  13.  und  14.  Jahrhundert  nach  Savigny  =  1  Sgr.  7  Pf. ;  1  Libra 
=  20  Solidi,  1  Grossus  =  24  Sol.,  1  Floren.  =  31—35  Sol.,  1  Ducatus  = 
37—38  Solidi. 

Wir  lassen  nunmehr  das  Verzeichnis  aller  Scholaren  aus  Nassau  folgen 
und  zwar  zuerst  nach  der  Heimat  oder  den  Geschlechtsnamen,  dann  in  chrono- 
logischer Ordnung.  Hierbei  gehen  wir  über  die  Grenze,  das  Jahr  1500,  hinaus, 
da  mit  den  drei  letzten  der  Besuch  Bolognas  vonseiten  Nassaus  aufhört. 

A.  Ordnung  nach  der  Heimat  oder  den  Geschlechtsnamen. 

I.  Bicken:  2. 

1.  Dominus  Fredericus  de  Bicken.    23  sol.     1305. 

ANG.  57,  37.  Der  Name  Friedrich  kommt  bei  denen  von  Bicken  mehr- 
fach vor;  so  1272,  1289,  1352.  Arnoldi,  Mise.  213;  Philippi,  Siegener 
Urkundenbuch  I,  28  u.  35. 

2.  Dominus  Guihelmus  de  Bick  eiusdem  (Maguntinensis)  dioecesis  dedit 
unum  fiorenum  aureum.     1526. 


^)  Einigemal  wurde  die  Lesart  eines  zweiten  Codex  (B.)  zugefügt. 


100 

ANG.  293,  13.  Seit  dem  Ende  des  15,  Jahrhunderts  finden  sich  mehr- 
fach Herrn  von  Bicken  als  Domherrn  zu  Mainz,  unter  ihnen  drei  mit  dem 
Namen  Wilhelm,  1505—1510,  1519—1538  und  1546—1553.  Von  diesen 
kommen  nur  die  beiden  letzten  hier  in  Betracht,  und  da  der  oben  genannte 
nicht  als  Canonicus  bezeichnet  ist,  so  mag  der  letzte  hier  gemeint  sein.  Über 
ihn  siehe  Joannis,  Rer.  Mog.  II,  342.  Nach  Humbracht  ist  er  der  Neffe 
des  zweiten  und  zugleich  Canonicus  zu  S.  Alban  gewesen. 

II.    Camp:  1. 

Dominus  Albertus  de  Campo  ist  mit  andern  Zeuge  bei  der  Übergabe 
des  Inventars  an  die  neuen  Prokuratoren.     13.  Januar  1348. 

ANG.  3G8,  8.  Campus  steht  neben  Camp  und  Campe  mehrfach  im  Arn- 
steiner  Nekrologium,  Ann.  XVI,  69,  95,  103,  111.  Die  Familie  v.  Camp  er- 
scheint nach  Vogel,  Beschreibung  S.  653  bis  1309;  vgl.  Ann.  IX,  21,  24. 
Ingleichen  begegnet  der  Name  Albert  zu  Camp;  Ann.  IX,  35. 

III.    Cramberg:  1. 

Gerhardus  canonicus  Maguntinensis  et  Treverensis  ecclesiarum,  Proku- 
rator 1432. 

ANG.  180,  1.  20.  Nach  Vogel  kommt  das  Geschlecht  v.  Cramberg  im 
14.  und  15.  Jahrhundert  vor;  vgl.  Arnoldi,  Mise.  232 ;  Sauer,  Cod.  Nass.  I, 
3,  221. 

Nach  den  wenigen  (2)  Einträgen  des  Jahres  1430  finden  sich  folgende 
Bemerkungen :  Nota,  quod  hie  deficiunt  percepta  de  duobus  annis,  reperitur 
tantum  proxime  insequenti  anno  de  manu  notarii  quendam  Gerardum  canoui- 
cum  Maguntinensem  fuisse  procuratorem ;  nuUa  fit  mencio  de  eins  electione  vel 
aliis  factis.  Nota,  quod  dominus  Gerardus  Chromberg  canonicus  Magunti- 
nensis et  Treverensis  ecclesiarum  hie  suprascriptus  in  eodem  folio  impigneravit 
contra  iura  calicera  et  missale  spectantes  seu  pertinentes  ad  nacionem  Teuto- 
norum  (am  Rande  ist  gezeichnet  ein  Becher,  ein  Missale,  Fuss-  und  Ilandeisen). 
Ferner:  Nota,  quod  ultimum  folium  habet  istum  numerum  101,  sequitur  qua- 
ternus  novus  de  anno  Domini  30°.  Es  waren  also  die  Blätter  des  quaternus 
102,  103  und  104  herausgenommen,  wie  der  Abschreiber  andeutet;  er  selbst 
mudste  daher  ihren  Inhalt  auslassen  und  schrieb  seine  Bemerkungen  auf  fol.  99' 
et  99'  und  lOP.  Zu  1432  heisst  es  in  B. :  Ao.  Domini  1432  reverendo  Do- 
mino Gerhardo  Chromperg  canonico  Magunt.  et  Trever.  procuratore  albo  ascrip- 
tus  est  unus  Dom.  Matheus  Slick  de  Passono. 

Die  Prokuratoren  von  1433  sagen  (180,  20):  omnes  res  assignate  sunt 
per  dominum  Gherardum  Krampberg  canonicum  ecclesiarum  Maguntinensis 
et  Treverensis  ante  nos  procuratorem.  Und  in  dem  Protokoll  der  Übergabe 
des  Inventars  vom  27.  März  1433  heisst  es  (ANG.  402,  28  ff.):  Item  prefatus 
dominus  Gherardus  canonicus  Magunt.  et  Trever.  ecclesiarum  confessus  est  se 
impignorasse  calicem  (am  Rande  ist  ein  Becher  gezeichnet  und  ein  Mensch, 
der  am  Galgen  hängt)    egregio  viro  utriusque  iuris  doetori   lohauni  Andree  .  . 


101 

promittens  et  se  obligans  sub  penis  camere  prefiita  omnia  redimere  et  restitiiere 
plenarie  et  integre   sine  aliquo  ip.sius  nacionis  preiudicio  et  detrimento. 

Gerhard  hatte  also  einen  Becher  und  ein  Missale,  welche  der  Landsmann- 
schaft der  deutschen  Nation  gehörten,  während  seiner  Amtsdauer  versetzt  und 
zur  rechten  Zeit  (6.  Januar)  nicht  wieder  eingelöst.  Deshalb  wohl  hatte  er 
die  Wahl  der  neuen  Prokuratoren,  die  erst  am  2.  Februar  1433  stattfand,  zu 
verschieben  gewusst  und  die  Übergabe  noch  länger  —  bis  zum  27.  März  — 
hinausgezogen,  wohl  in  der  Hoffnung  bis  dahin  alles  geordnet  zu  haben.  Dies 
gelang  nicht,  ja  er  verschwieg  nach  dem  Protokoll,  dass  auch  ein  Missale  fehle, 
und  auch  nachher  löste  er  die  beiden  Gegenstände  nicht  wieder  ein.  Zum 
Jahre  1440  ist  bemerkt  (ANG.  188,  23):  Infra  scripti  domini  scolares  caritative 
contribuerunt  pro  solucione  summe,  pro  qua  quoudam  Gerhardus  de  Chranperg, 
tunc  nostre  nacionis,  procurator,  canonicus  Magunt.  et  Trever.  ecclesiarum,  in- 
juste  impigneravit  librum  et  calicem  nacionis  (calix  in  margine  pictus  est);  es 
wurden  damals  8OV2  sol.  oder  4  libb.  6  den.  zu  diesem  Zweck  gesammelt. 
ANG.  180,  44.  Der  Unmut  der  Nation  über  die  Gewissenlosigkeit  des  Pro- 
kurators ist  in  den  Randzeichnungen  verewigt.  Ob  sie  es  auch  war,  die,  um 
das  Andenken  an  den  treulosen  Mann  zu  tilgen,  die  Blätter  aus  der  Matrikel 
herausgenommen  hat,  oder  ob  Gerhard  selbst,  um  eine  Prüfung'  seiner  Ein- 
nahmen und  Ausgaben  unmöglich  zu  machen,  ist  nicht  festzustellen. 

Die  Sache  erlebte  aber  auch  noch  ein  Nachspiel;  denn  so  müssen  wir 
das  nennen  und  verstehen,  was  wir  nun  hören.  Gerhard  war  Canonicus  zu 
Mainz  seit  1419.  Joannis  IE,  376.  In  Mainz  rauss  sein  Benehmen  als  Pro- 
kurator der  deutschen  Nation  zu  Bologna  ruchbar  geworden  sein;  vielleicht  hat 
man  sich  dahin  gewandt,  um  Ersatz  für  die  verpftindeten  Dinge  zu  erhalten. 
So  wurde  ihm  der  Aufenthalt  zu  Mainz  unangenehm,  und  als  sich  ihm  die 
Gelegenheit  bot  seine  Stellung  zu  verändern,  griff  er  zu:  im  Jahre  1438  ver- 
tauschte er  seine  Stelle  am  Dome  zu  Mainz  gegen  eine  gleiche  zu  Köln 
mit  dem  Grafen  Adolf  von  Nassau,  dem  späteren  Erzbischofe  von  Mainz. 
Joannis  II,  898. 

Ehe  Gerhard  nach  Bologna  ging,  um  den  Studien  obzuliegen,  hatte  er  in 
der  Heimat  die  Universität  zu  Erfurt  besucht;  hier  ist  er  im  Sommer  des  Jahres 
1425  ebenfalls  als  Canonicus  Maguntinensis  et  Treverensis  in  die  Matrikel 
eingetragen. 

IV.    Cronberg:  3. 

1.  Dominus  Henricus  de  Cronenberg.    12  sol.     1289. 

ANG.  36,  2.  Der  Name  Heinrich  ist  bei  den  Herrn  von  Cronberg  selten, 
doch  nennt  Humbracht  einen  Ritter  Heinrich  1339.  Als  Geistliche  begegnen 
sie  öfter,  wie  gerade  in  jener  Zeit,  z.  B.  ein  Eberwin  Domherr  zu  Mainz  und 
Worms,  von  1299 — 1303  Bischof  von  Worms  war.    Joannis  11,  348. 

2.  3.  Domini  Ulricus  et  Baltherus  de  Cronenberch  et  Hermannus 
dietus  de  pomoerio  Moguntinensis  dyocesis,  eorum  magister,  contribuerunt. 
10  libras  minus  6  solidis.     1366. 

7 


102 

ANG.  128,  35.  Ulrich  wurde  am  10.  Januar  1367  mit  Rudolf  von  Basel 
zum  Prokurator  der  deutschen  Nation  erwählt,  beide  nahmen  53  Scholaren  auf 
und  übergaben  das  Amt  am  9.  Januar  1368  ihren  Nachfolgern.  ANG.  128, 
45  und  348.  Nach  Joannis  11,  349  war  Ulrich  im  Jahre  1362  zum  Domherrn 
in  Mainz  ernannt  worden,  wie  er  auch  ANG.  129  heisst,  und  wurde  im  Jahre 
1365  Propst  von  S,  Victor;  er  kommt  bis  1402  vor,  Joannis  H,  620.  Er 
war  der  Sohn  des  Mainzer  Yizedoms  im  Rheingau  (1352 — 1386)  und  wird 
wegen  seiner  wissenschaftlichen  Bildung  und  Kenntnis  des  Rechts  gerühmt. 
Joannis  ü,  620. 

Baltherus  =  Walther,  Bruder  Ulrichs  und  Priester  zu  Lorsch  nach 
Humbracht. 

V.    Geisenheim:  3.^) 

1.  Dominus  Cono  de  Gesheim.   12  sol.     1296. 

ANG.  46,  10.  Gesheim  ist  sicher  =  Geisenheim;  B.  hat  Geisheim.  Cuno 
dictus  de  Ghosheym  (B. :  Gosheim)  wurde  im  Jahre  1299  proxima  dominica 
post  epiphaniam  Domini  (11.  Januar)  zum  Prokurator  erwählt  und  gab  das 
Amt  am  10.  Januar  1300  weiter.  Er  hatte  also  bis  dahin  länger  als  3  Jahre 
zu  Bologna  verweilt. 

2.  Dominus  Wernherus  de  Gysenheim.    10  sol.     1301. 

3.  Dominus  Antzo  de  Gysenheym.    12  sol.     1381. 

ANG.  51,  42;  143,  45.  Die  Namen  Cono,  Wernher  und  Antzo  (Arnold) 
kommen  bei  den  Herrn  von  Geisenheim  vor;  vgl.  Bodmann,  Rheingauische 
Altertümer  312;  Sauer,  Cod.  Nass.  I,  No.  259,  1223  und  2096,  auch  ein 
Antzo  plebanus  im  Jahre  1307  (Sauer  No.  1397),  doch  ist  es  nicht  mijglich 
ihre  Persönlichkeiten  genauer  nachzuweisen. 

VI.    Haiger:  1. 

Dominus  Johannes  Heger  canonicus  S.  Georgii  Coloniensis.  8  gros- 
setos.     1490. 

ANG.  238,  36. 

VIT.    Hattatein:  1. 

Dominus  Marquardus  de  Haczstein  metropolis  ecclesie  Maguntine  cano- 
nicus.   1   ducatum.     13.  Juni  1516. 

ANG.  280,  31.  Dieser  Marquard  von  Hattstein  hatte  im  Jahre  1502  die 
Universität  Erfurt  bezogen  und  war  im  Jahre  1509  Domherr  zu  Mainz  geworden. 
Joannis  II,  367.     In  Bologna    blieb    er   ein   Jahr;    denn  im  Jahre  1517  wird 


3)  Ehrenfels.  Ob  der  «lominus  Henricus  de  Erenfels,  1393  (ANG.  1,J2,  10.  34)  hier- 
her gehört,  ist  zweifelhaft.  Bei  Joannis  II,  491,  621,  679  kommt  ein  Henricus  de  Ehrnfels 
vor  als  Apostolicae  sedis  Protonotarius,  ad  S.  Victorem  Pra<'po8itii.s,  ad  H.  M.  V.  ad  gradum 
Scholasticus,  quondam  etiam  Decanus  Maxstudiensis  et  Joannis  II  a  consiliis  et  secretis;  im 
Jahre  1427  wurde  er  Praepositus  ad  S.  Petrum  extra  moenia  Moguntiiia.  Vgl.  Gudenus, 
.Syll.  S.  .')17.  Er  starb  am  11.  Aug.  1442.  Aber  fleiru  von  Ehrenfels  gab  es  nicht  im  Rheiu- 
gau,  und  woher  der  genannte  geistliche  Herr  stammte,  ist  nicht  angegeben. 


103 

unter  der  Rubrik  ,a  doctoribus  in  discessu  aecepta"  verzeichnet:  a  Domino 
Marq.  Hattsteiu  duos  ducatos.  Über  ihn  vgl.  noch  Joaunis  U,  367;  Zaun, 
das  Landkapitcl  Rheingau,  S.  284.     Er  starb  den   13.  Juni   1522. 

VIII.    Idstein:  1. 

Dominus  Bruno  de  Etsten.    20  sol.     1421. 

ANG.  172,  13.  Der  Ortsnamen  Idstein,  ursprünglich  Eticheustein,  findet 
sich  in  den  Matrikeln  von  Heidelberg  und  Erfurt  unter  andern  in  folgenden 
Formen:  Heidelberg  1391  Echsthen,  1400  Yczstein,  1403  Ytsteyn  neben  Edich- 
steyn,  in  Erfurt  1409  Itstein,  1416  Eytsteyn  u.  s.  w.  neben  Edichensteyn  1395. 
Die  zweite  Silbe,  —stein,  lautet  in  den  ANG.  bei  andern  Namen  mehrfach 
— sten,  wie  Hauwensten  1322  (53,  22),  zu  Erfurt  1416  Ytzsten,  v.  1.  Itzstein, 
sodass  an  der  Gleichsetzung  von  Etsten  und  Idstein  kein  Anstoss  zu  nehmen 
ist.  —  Auch  der  Personenname  Bruno  ist  zu  Idstein  nicht  ungewöhnlich;  so 
gab  es  von  1198 — 1849  Burgmänner  von  Etechenstein  mit  dem  Zunamen  Brun, 
ein  Magister  Joh.  Bruno  war  1426  Canonicus  zu  Aschaffenburg,  ein  andrer 
1453  als  Studiosus  zu  Erfurt.  Der  obige  Bruno  kann  derjenige  sein,  welcher 
in  einem  Nekrologium  von  B.  Mar.  ad  gradus  zu  Mainz  (von  1373  an)  vorkommt; 
hier  heisst  es:  HI  Non.  Decembr.  Anniversarium  Domini  Brunonis  de  Itstein 
prepositi  S.  Mauritii  et  canonici  huius  ecclesie. 

IX.    Katzenelnbogen:  1. 

Dominus  Godfridus  de  Cazenhellebogen  (B.  Cazzenellenbogen). 
10  sol.     1295. 

ANG.  44,  16.  Der  Namen  Gotfrid  ist,  wie  es  scheint,  bei  den  Grafen 
von  Katzenelnbogen  nicht  gewöhnlich;  der  oben  genannte  mag  daher  einem 
Ministerialengeschlecht  von  K.  angehört  haben.  In  dem  hber  animarum  von 
Eberbach  kommt  unter  XHI  Kai.  Jul.  ein  Fr.  Gotfridus  de  Katzen  Ellenbogen 
vor.  Roth,  Fontes  I,  3,  37.  An  einen  Schreibfehler  Gotfridus  für  Gerhardus, 
darf  man  wohl  nicht  denken;  in  diesem  Falle  könnte  der  Propst  von  Utrecht 
1292  und  Dompropst  von  Mainz  1297  gemeint  sein.  Wenck,  hess.  Geschichte  I, 
358,  370;  Joannis  H,  347. 

X.    Königstein:  2. 

1.  Graf  Adolf  von  Nassau  (s.  d.)  zahlt  pro  se  et  Chamrado  de  Kuningen- 
stein  6  lib.     1366. 

ANG.  128,  27.  Wenn  Graf  Adolf  für  diesen  Chamradus  (=  Conradus) 
zahlte,  so  war  er  sicher  in  dessen  Gefolge,  vielleicht  als  dessen  Magister.  Ein  Con- 
radus von  Königstein,  baccalaurius  in  decretis,  wird  1372  zum  Dekan  zu  S.  Peter 
in  Mainz,   1383  zum  Propst  erwählt;  er  starb  nach  1392.    Joannis  H,  497,  490. 

2.  A  domino  Nycolao  de  Kunigstein  clerico  Mogunt.  dioc.    10  sol.  1382. 
A    Nycolao    de   Conynghestein    perceperunt    antiqui    procuratores    10    sol. 

pro  introitu  nacionis.     1383. 

ANG.  145,  25;  398,  12.  Yielleicht  derselbe  als  der  zu  Prag  als  Jurist 
immatrikulierte  Nie.  de  Kunigstein  de  Frankfordia  1385,  nat.  Bavaror.    S.  Prag. 

7* 


104 

Xr.    Limburg:  2. 

1.  Dominus  Richwinus  de  Lymburg,    18  sol.      1291. 

2.  Dominus  Johannes  de  Lirapurg,  frater  doraini  Richwini.    7  sol.    1292. 
ANG.  38.  38;  39,  42.    Die  beiden  Brüder  wordeu  dem  Geschlechte  derer 

von  Limburg  angehört  haben,  das  von  1194 — 1364  vorkommt.  Vogel,  Be- 
schreibung 782.  Ein  Richwinus  miles  de  Limpurg  vermachte  dem  Kloster 
Arnstein  20  Mark,  Der  Canonicus  (1308)  und  Decanus  (1310)  Richwinus  in 
Limburg  war  ein  Specht  von  ßubenheim.  Rössel,  Eberbacher  Urkuuden- 
buch  n,  No.  637  und  661,  S.  511  und  554.  Die  Gleichheit  des  Namens 
Richwinus  kann  auf  Verwandtschaft  beider  Familien  beruhen. 

XII.    Montabaur:  1. 

A  magistro  Eberharde  Goltsmit  Trever.  dyoces.    6  sol.     1444. 

ANG.  191,  1.  Es  ist  der  Heimatsort  zwar  nicht  angegeben,  aber  un- 
zweifelhaft ist  der  Eberh.  Goltsmit  derselbe,  welcher  als  Eberhardus  Aurifaber 
de  Montabur  im  Jahre  1439  in  die  Matrikel  von  Erfurt  und  als  Eberhardus 
Aurifabri  de  Monteboir  Trever.  dioc.  im  Jahre  1441  in  die  Matrikel  von  Köln 
eingetragen  ist;  dort  wird  er  seine  Studien  als  Baccalaurius,  hier  als  Magister 
in  artibus  abgeschlossen  haben. 

XIII.   Nassau:  5  (3). 

1.  Dominus  Gerlacus  comes  de  Nassowe,  Dominus  Syfridus  de  Runkel, 

2.  Dominus  Henri cus  magister  eorum.    6  lib.     1304. 

ANG.  56,  8.  9.  11;  57,  40.  41.  42.  Der  Graf  Gerlach  war  der  Sohn 
des  Königs  Adolf  und  Nachfolger  seines  älteren,  am  2.  Dezember  1304  ge- 
storbenen Bruders  Ruprecht,  reg.  1304 — 1344,  f  1361.  Es  ist  zu  vermuten, 
dass  er  alsbald,  nachdem  er  die  Nachricht  von  dem  Tode  seines  Bruders  gehört, 
Bologna  verliess,  vielleicht  am  Ende  des  Dezember  oder  am  Anfang  des  Januar 
1305,  jedenfalls  vor  der  Wahl  der  neuen  Prokuratoren;  wäre  er  noch  anwesend 
und  ohne  Mitteilung,  dass  ihm  die  Regierung  seiner  Grafschaft  zugefallen  ge- 
wesen, so  würde  er  nach  seiner  Stellung  sicherlich  zu  einem  Prokurator  erwählt 
worden  sein.  In  der  Heimat  erscheint  er  erst  am  17.  Dezember  1305, 
wo  er  mit  seiner  Mutter  Imagina  eine  Urkunde  zu  Weilburg  ausstellt.  Ann. 
Vn,  2,  86. 

Woher  der  zweite,  Henricus  magister  eorum  genannte,  stammte,  ist  nicht 
angegeben.  Ein  Heinricus  de  Wiesbaden  wird  in  einem  Nekrologium  des 
14.  Jahrhunderts  als  Canonicus  eccles.  B.  Marie  Virg.  ad  gratus  zu  Mainz 
genannt;  sein  Todestag  war  HI  Kai.  Septembres.  Andre  des  Namens  nennt 
Roth,  Geschichte  der  Stadt  Wiesbaden,  S.  580. 

3.  Dominus  Gerlacus  de  Nassawe.  5  lib.  1340.  Am  Rande  gezeichnet 
ist  eine  Mitra  cum  baculo;  in  B.  zugefügt:  comes  de  Nassau. 

ANG.  102,  29.  Dieser  Gerlach  wurde  bald  nach  seiner  Rückkehr  Dom- 
dcchant  zu  Mainz,  als  welcher  er  1345  erscheint,  und  1346  durch  päpsthche 
Ernennung    Erzbiachof   von    Mainz.      Am    7.    Januar    1341    wurde  er    mit  dem 


105 

Grafen  Heinrich  von  Sponhcim  zum  Prokurat^r  der  deut.schcu  Xatiou  zu  Bolü"-na 
erwählt,  muss  also  nach  don  Satzungen  derselben  damals  das  20.  Lebensjahr 
erreicht  oder  überschritten  haben/)  Am  7.  Februar  übernahmen  die  zwei 
folgenden  Prokuratoren  das  Amt.    ANG.  361,  362. 

4.  Dominus  Xicolaus  magisrer  domini  de  Nassen.  1343.  Ein  Nicolaus 
magister  dorn,  de  Nassau  findet  sich  nicht  in  dem  Verzeichnis  der  Scholaren, 
wohl  aber  der  genannte  unter  den  Wahlherrn,  als  der  eine  Prokurator  aus 
triftigen  Gründen  sein  Amt  niederlegte  und  am  15.  August  1343  ein  neuer 
erw.ählt  werden  sollte.  ANG.  364,  31.  Und  hier  heisst  er,  wie  oben  angegeben, 
Ist  Nassen  =  Nassau,  wie  wir  mit  Recht  annehmen  zu  dürfen  glauben,  so  kann 
Nicolaus,  der  von  Wiesbaden  stammte  und  später  Bischof  von  Speyer  wurde, 
der  obengenannte  Nicolaus  sein.  Erstreckte  sich  seine  Anwesenheit  zu 
Bologna  bis  zum  August  1343,  so  würde  dies  zu  der  Annahme  berechtigen, 
dass  auch  Graf  Gerlach  wenigstens  ebenso  lang  oder  bis  zum  Herbste  des 
Jahres  daselbst  verblieben  sei. 

5.  Dominus  Adolphus,  filius  domini  Adolphi  coraitis  de  Nassaw, 
canouicus  coloniensis,  pro  se  et  Chamrado  de  Kuningenstein.    6  lib.     1366. 

ANG.  128,  27.  Dieser  Adolf  ist  der  nachherige  Erzbischof  Adolf  von 
Mainz  1373 — 1390.     Über  Chamradus  s.  unter  Königstein. 

Obgleich  wir  die  Geburtsjahre  der  drei  Grafen  von  Nassau  nicht  kennen, 
so  scheint  doch  nach  ungefährer  Berechnung  wahrscheinlich,  dass  sie  alle  nach 
kaum  vollendetem  20.  Lebensjahr  die  Universität  zu  Bologna  und  zwar  jeder 
mit  einem  Magister  bezogen  haben. 

XrV,    Reiflfenberg:  1. 

Dominus  Johannes  de  Reiffenberg,  canonicus  Maguntiuus  et  dominus 
Bernhardus,  filius  marchionis  Badensis,   1  flor.  de  camera.     1422. 

ANG.  172,  42.  Johannes  von  Reiffenberg  ist  bei  Joannis  II,  389  im 
Jahre  1415  als  Domherr  zu  Mainz  verzeichnet,  wurde  1418  in  die  Matrikel  zu 
Erfurt  (Joh.  de  Riffenberg  canon.  eccles.  Magunt.)  und  1421  in  die  von  Heidel- 
berg (Joh.  Reiffinberg  canon.  Magunt.)  eingetragen;  er  ging  also  vier  Jahre 
später  nach  Bologna.  Weil  sich  nun  keine  Notiz  über  seinen  Tod  fand,  nahmen 
Joannis  und  Humbracht  an,  er  habe  den  geistlichen  Stand  verlassen,  ge- 
heiratet und  sei  1459  gestorben,  indem  sie  einen  andern  der  zahlreichen  Reiffen- 
berger  mit  dem  Canonicus  verwechselten.  Denn  ein  weiterer  Eintrag  in  den 
ANG.  vom  Jahre  1424,  S.  174,  19  berichtet  von  seinen  Exequieu  zu  Bologna, 
wo  er  demnach  gestorben  sein  muss  und  zwar  vor  dem  daselbst  zu  gleicher 
Zeit  vermerkten  Feste  aller  Heiligen.  Es  heisst  nämlich  unter  den  Ausgaben 
der  Prokuratoren  des  Jahres  1424 — 1425:  primo  pro  duabus  torciis  et  duabus 
oandelis  ad  alrare,  pro  candelis  in  festo  omnium  sanctorum  et  exequiis  domini 
et  magistri  Johaunis  Riffeuberg  canonici  Maguntinensis  et  Johannis  de  Ascen- 


*)  Es  ist  (leslialb  kaum  anzunehmen,  dass  er  1346  erst  ungefähr  20  Jahre  alt  gewesen, 
wie  Albertus  Argent.  bei  Hagelgans,  Nass.  Geschler-htstafel  S.  .'52  angiebt  und  danach 
Schliephake  andeutet  IV,  l'.jS. 


106 

dia  nee  non  in  festo  piirificationis  luminibus  25  lib.  et  15  sol.  Zugleich  ersehen 
wir  daraus,  dass  Reiffenberg  den  Magister-Grad  —  wohl  noch  in  Deutsch- 
land, zu  Erfurt,  da  er  unter  den  Magistri  artium  der  Universität  zu  Heidelberg 
bei  Toepke  II,  375  nicht  vorkommt,  —  erworben  hatte. 

XY.   Rüdesheim:  3. 

1.  Dominus  Ileidenricus  de  Rudesheim.    18  sol.     1295. 

ANG.  43,  37.  Im  Jahre  1301  wurde  ein  Henricus  de  Rüdesheim  Prae- 
positus  B.  Mariae  Virg.  zu  Mainz;  er  heisst  decretorum  doctor  et  canonicus 
maioris  ecclesiae.  Joannis  U,  392,  669.  Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass 
der  Name  Henricus  in  den  ANG.  in  Heidenricus  verderbt  ist;  wenn  diese  Ver- 
mutung begründet  ist,  so  erklärt  sich  auch  leicht,  weshalb  er  doctor  decretorum 
heisst;  er  hat  diese  Würde  offenbar  zu  Bologna  erworben. 

2.  Dominus  Johannes  de  Roedenshein  (B.  Roedeshem).   4  sol.    1312. 
ANG.  64,  37. 

3.  Honorabilis  vir  dominus  Diedericus  de  Rudessheima  (B.  Ridesheim), 
pastor  parrochialis  ecclesie  in  Berstad,  iuravit  et  solvit  12  sol.     1458. 

ANG.  202,  31.  Er  war  einer  der  zwei  Prokuratoren  des  Jahres  1459. 
ANG.  203,  204.  Im  Jahre  1464  findet  sich  in  der  Einnahme  verzeichnet:  ex 
testamento  Theodorici  de  Rudessham  10  Bologninos.  ANG.  209,  24.  Das 
kann  den  Schein  erwecken,  dass  Theodoricus  in  Bologna  gestorben  sei.  Ein 
Theodoricus  de  Rudesheim  wurde  im  Jahre  1448  zu  Heidelberg  immatrikuliert 
und  am  23.  Juli  zum  Baccalaureus  in  artibus  befördert. 

XVI.    Runkel:  3. 

1.  Dominus  Syfridus  de  Runkel  zahlte  mit  Graf  Adolf  von  Nassau 
6  lib.     1304.     ANG.' 56,  11;  57,  42. 

2.  3.  Illustres  viri  domini  Syfridus  de  Runkel  et  eins  frater  Theo- 
doricus barones.    2  ducatos  Yenetos.     1408. 

ANG.  161,  34.  35.     Die  Verwandtschaft  und  näheren  Nachweis  über  die 

drei  Herrn  von  Runkel  gibt  folgender  Auszug  aus  der  Stammtafel  des  Hauses 

bei  Reck,    Geschichte    von  Isenburg,    Runkel   und  Wied,    ferner  bei  Wenck, 

hess.    Geschichte    I,   482  und  Vogel,    Beschreibung  S.    255,    bei  dem  nur  der 

erste  Siegfried  fehlt: 

Siegfried  I. 

1276.     1283. 


Siegfried.  Dietrich  H. 


'O 


1303.  t  1327.      1308.  1335. 

Dietrich  HI. 
t  1403. 


Friedrich  HI.         Siegfried  IV.  Dietrich  IV. 

1377—1416.  1375.     1396.  1414.    1459  (1460). 


107 

Der  erste  von  den  zwei,  Siegfried,  Siegfrieds  I.  Sohn,  erscheint  später  als 
Canonicus  zu  Würzburg,  dann  als  Propst  zu  Gemünden.  Reck  S.  95.  Er 
starb  1327.  Reck  S.  100.  Die  beiden  andern,  Siegfried  und  Theodoricus, 
waren  seine  Grossnetfen  und  wohl  auch  dem  geistlichen  Stande  bestimmt  als 
jüngere  Brüder  Friedrichs  III.  Von  Siegfried  (IV.)  wird  weiter  nichts  gemeldet; 
Dietrich  wird,  vermutlich  nach  Friedrichs  kinderlosem  Tode,  aus  dem  geistlichen 
Stande  getreten  sein,  übernahm  die  Verwaltung  der  Herrschaft  Runkel  und 
heiratete.  Er  wurde  Stammhalter  seines  Geschlechts  und  starb  um  1460. 
Reck  S.   135. 

Gleichzeitig  mit  den  Runkelischen  Brüdern  waren  drei  Grafen  von  Mürs 
zu  Bologna  eingetroffen,  die  drei  Brüder  Dietrich,  Walram  und  Heinrich,  die 
alle  später  zu  hohen  geistlichen  Würden  emporstiegen,  indem  Dietrich  den 
erzbischüflichen  Stuhl  zu  Köln  bestieg,  Walram  und  Heinrich  die  Bistümer 
Utrecht  und  Münster  errangen.  Zu  ihrem  Empfang  in  der  deutschen  Nation 
zu  Bologna  wurde  ein  fröhliches  Gelage  angestellt,  welches  die  ANG.  162,  10 
unter  den  Ausgaben  also  erwähnen:  propter  iocundum  introitum  illustrium 
virorum  domini  Theodorici  de  Moyrs  et  suorum  fratrum  necnon  domini  Sifridi 
de  Runkel  in  die  annunciacionis  exposuimus  pro  malvasia  56  solidos. 

Russingen  lag  in  der  Herrschaft  Kirchheim  '^KöUner,  Geschichte  der 
Herrschaft  Kirchheim-Boland,  S.  243),  wir  übergehen  also  hier  den  Dominus 
Schwarz  de  Ruissingen,  Nassoviensis,   1554.    ANG.  333,  1. 

XYII.    Scharfenstein :    1. 

A  doniino  Bennone  de  Scharpinstein,  preposito  Wesalicnsi  Treve- 
rensis  diocesis  2  libras  Bononieuses.     1381. 

ANG.  143,  27.  Statt  Benno  heisst  er  weiter  unten  Bruno,  ebenso  in 
Hdschr.  B.  Er  war  Propst  B.  V.  M.  zu  (Ober-)Wesel,  dann  Domherr  zu 
Mainz  und  starb  als  Domcustos  um  1415;  er  wird  auch  Canonicus  B.  V.  Mariae 
ad  gradus  zu  Mainz  genannt.  Joannis  H,  312,  394.  Ehe  er  nach  Bologna 
ging,  hatte  er  die  Universität  zu  Prag  besucht  und  war  am  20.  Mai  1377 
Baccalauriua  in  artibus  geworden;  dann  als  Jurist  imm.  1378  (Br.  de  Sarfen- 
stein)  in  der  uatio  Bavar.  S.  Prag.  Sein  Name  steht  ferner  in  der  Matrikel 
von  Heidelberg  im  Frühjahr  1387  unter  dem  zweiten  Rektorate  als  dominus 
Bruno  Scharfenteyn  prepositus  ecclesie  s.  Martini  ecclesie  Wesalieusis ;  er  mag 
hier  sich  schliesslich  der  theologischen  Fakultät  angeschlossen  haben,  was  wie 
gewöhnlich  in  der  Matrikel  nicht  angegeben  ist. 

Im  Jahre  1382  war  er  als  Prokurator  an  die  Stelle  eines  abgegangenen, 
Nycolaus  Ryhemen,  der.  Caminensis,  getreten  und  wird  nun  wiederholt  Bruno 
genannt.    ANG.  145,  24;   146,  4;  398,  4. 

XVIII.    Waldeck:  2  (?). 

1.  Dominus  Henricus  Boz  de  Waldeg.    20  sol.     1300. 
ANG.  50,  25.     Der  Name  Henrichs  kommt    bei    den  Boos   von  Waldcck 
um  das  Jahr  1300  öfter  vor. 


108 

2.  Dominus  UlricusKorb  de  Waldek  dyocesis  Mogunt.    10  sol.     1367. 

ANG.   129,  4.     Ulrich    Korb    von    Waldock   blieb    bis    zum   Herbste   des 
Jahres  1373  zu  Bologna  und  brachte  es  zum  Licentiatus  in  utroque  iure;    bei 
seinem  Tode  1404  heisst  er  Udalricus  Korp  de  Waldeck  utriusque  iuris  licen- 
tiatus.    Zaun,    Das    Landkapitel    Rheingau    S.    341.      Noch    im    Jahre    1374 
sind  40  Solidi   in  Einnahme   gesetzt,    die    er   pro    augmento    reddituum    domini 
Jacobi    de    Hexem,    prepositi    in    Pallaciolo    et    canonici   Wormaciensis,    erlegt 
hatte.   ANG.  137,  18.     Im  Anfang  des  Juni  1373  brach  zu  Bologna  eine  Epi- 
demie aus,  in  deren  Folge  fast  keine  Scholaren  deutscher  Nation   in  der  Stadt 
blieben.     Erst  im  November    wurde    die   Schule   wieder    eröffnet;    doch   hatteu 
sich  im  Oktober   so  viele  Scholaren   eingefunden,    dass   man  am  12.  d.  M.  zur 
Wahl    von    neuen  Prokuratoren    schreiten    und    das  Vermögen  der  Nation,    das 
man  bei  den  Dominikanern  niedergelegt  hatte,  wieder  übernehmen  konnte.    Der 
eine   der    Prokuratoren    wurde   Ulricus    Corph,    der  hier   canonicus    ecclesie 
s.  Petri  Magunt.  heisst.    Indess  kehrte    er  binnen  Monatsfrist    in  die  Heimat 
zurück  (repatriavit!);   ANG.  136,   16  ff.     Hier   begegnet   er  noch  mehrmals    in 
Urkunden;  Würdtwein,  dioc.  Mag.  II,  207.  231.  249.     In  seinem  Testamente 
vermachte  er  der  Präsenz  zu  Lorch  40  fl.  zu  einem  Anniversarium.     Er   starb, 
wie   oben    bemerkt    ist,    im  Jahre  1404    am    9.  Oktober,    ipso    die  s.    Dyonisii. 
Vgl.  Zaun  a.  a.  0. 

Andre  Herrn  von  Waldeck  übergehen  wir,  da  es  zweifelhaft  ist,  ob  sie 
hierher  gehören,  wie  einen  Johannes  de  Waldecken  1305  und  einen  Dominus 
de  Waldeck  diocesis  Frisingensis  1322.    ANG.  58,  14;   80,  39. 

XIX.    Westerburg:  3. 

1.  2.  Domini  de  Westerburg.    7  lib.     1294. 

Ein  Zusatz  von  andrer  Hand  lautet:  comites  imperii.  ANG.  42,  40. 
Weder  Namen  noch  Zahl  der  Ht^rrn  von  Westerburg  sind  zugefügt;  wir 
nehmen  an,  dass  es  ihrer  zwei  waren,  da,  wie  sich  gleich  zeigen  wird,  die  in 
Frage  kommenden  Personen  des  Namens  ihres  Alters  wegen  auf  eine  geringe 
Anzahl  beschränkt  sind.  Es  können  nämlich  nur  Söhne  des  Heinrich  I.  von 
Westerburg  (f  1288)  gemeint  sein.  Dieser  kommt  1267  vor  als  Gemahl  der 
Agnes,  Tochter  des  Herrn  Gerlach  von  Limburg  und  Schwester  der  Imagina, 
der  Gemahlin  des  Königs  Adolf^),  und  hinterliess  ausser  zwei  Töchtern  fünf 
Söhne"),  von  denen  der  älteste,  Siegfried,  grade  in  jenen  Jahren  sich  an  den 
Zügen  und  Kriegen  König  Adolfs  eifrig  beteiligte.  Der  zweite,  Heinrich  von 
Westerburg,  dagegen  war  Geistlicher  und  wird  zu  den  obengenannten  domini 
gehört  haben ;  er  erscheint  als  Canonicus  zu  S.  Gereon  zu  Köln  und  wurde 
1307  Propst  des  Stifts  zu  Limburg  a.  d.  Lahn.  Der  bei  Lehmann  an  dritter 
Stelle  angeführte  Reinhard  I.  war  hinwiederum  kriegerischer  Natur,  wie  er 
denn  auch  nachher  regierender  Herr  wurde   und  bis  an  seinen  im  Jahre  1353 


^)  Die  Nacliweise  a.  bei  Hi  lieb  ran  d,  Zur  Geschichte  der  Stadt  und  Herrschaft  Lim- 
burg a.  Lahn,  IV,  Progr.  des  Gymnasiums  zu  Hadamar  1893,  in  der  Stammtafel.  —  ")  Über 
sie  vgl.  Lehmann,  Geschichte  und  (icnt-alogie  der  Dynasten  von  Westerburg,    S.  49  ff. 


109 

erfolgten  Tod  iu  vielfache  Fehden  verwickelt  war.  Aus  der  letzteren  That- 
sachc  schliessen  wir,  dass  er  nicht  bis  zur  äusserstcu  Grenze  eines  mensch- 
lichen Lebensalters  vorgerückt  sei.  Ist  er  nun  etwa  70  oder  höchstens  72 — 73 
Jahre  alt  gestorben,  so  war  er  geboren  etwa  im  Jahre  1280,  also  1294  noch 
zu  jung,  um  in  Bologna  mit  Erfolg  den  Studien  obzuliegen.  So  blieben  die 
Brüder  Johann  und  Willicho  von  Westerburg  übrig,  von  denen  Johann  im 
Jahre  1311  von  seinem  Oheim  Johann  von  Limburg  die  Pfarrei  Gambach  er- 
hielt, Willicho  Mönch  und  von  1309-1337  Abt  des  Klosters  Spanheim  war. 
Denjenigen  von  diesen  beiden,  welcher  dem  Canonicus  Heinrich  dem  Alter 
nach  am  nächsten  stand,  mag  der  zweite  der  domini  de  Westerburg  gewesen  sein. 

3.  Dominus  Gerardus  Westerburg.    1  fl.  renens.     1515. 

ANG.  279,  13. 

XX.   Wiesbaden:  1  (3). 

Ilcrmannus  de  Wisebaden  de  Alemauia  ist  uuter  den  Zeugen  bei  der 
Übergabe  dos  Inventars  der  deutschen  Xation  von  Seiten  der  Prokuratoren  des 
Jahres  1340  an  die  des  Jahres  1341,  Gerlach  von  Nassau  und  Heinrich  von 
Spouheim,  am  7.  Januar  1341.  ANG.  361,  40.  Wie  wir  oben  S.  99  be- 
merkt haben,  ist  er  nicht  als  Scholar  in  die  Matrikel  eingetragen,  gehörte  aber 
ohne  Zweifel  zum  Gefolge  des  Grafen  Gerlach,  der  ihn  auch  zum  Zeugen  be- 
stellt haben  mag.  Er  wird  der  Hermann  von  Wiesbaden  sein,  welcher  im  Jahre 
1357  decanus  ecclesiae  collegiatae  B,  V.  ad  gradus  zu  Mainz  wurde  und  im 
Jahre  1387  starb.    Gudenus,  Cod.  HI,  971;  Joannis  H,  674. 

Rechnen  wir  hinzu  die  oben  als  Wiesbadener  vermuteten  Henricus  und 
Nicolaus,  so  besuchten  drei  Söhne  der  Stadt  Wiesbaden  Bologna,  alle  im  Ge- 
folge der  Grafen  von  Nassau  1304  und  1340;  zwei  von  ihnen,  Heinrich  und 
Hermann,  können  dem  Geschlechte  der  Herren  von  Wiesbaden  angehört  haben, 
während  Nicolaus  eines  gemeinen  Bürgers  Sohn  genannt  wird.  S.  die  Stellen 
bei  Schenck,  Memorab.  I,  72  u.  II,  71  ff.') 


B.   Chronologische  Abfolge. 


Xo. 

Jahr. 

Namen    der    Scholaren. 

Pro- 
kurator. 

Xo. 

1. 
2. 
3. 
4. 

5. 
6. 

7. 

1289 
1291 
1292 
1294 
1294 
1295 
1295 

Dom.  Henricus  de  Cronenberg 

Dom.  Richwinus  de  Lvmburg 

Dom.  Johannes  de  Limpurg 

■  (zwei)  Dom.  de  Westerburg 

Dom.  Gotfridus  de  Cazenhellebogen      .     .     . 
Dom.  Heidenricus  de  Rudesheim      .... 

IV,  1. 

XI,  1. 

XI,  2. 
NIX,   1. 
XIX,  2. 

IX. 
XV,  1. 

^j  Xicht  nehmen  wir  in  unser  Verzeichnis  auf  den  Johannes  Winckel,  14JS6  immatri- 
kuliert, l-tSS  Prokurator,  da  er  als  clericus  Trevercnsis  diocesis  bezeiclinet  wird,  wälirend  das 
Winkel  im  Rheingau  der  Mainzer  Diözese  angeliört;    er  wird  aus  Winkel  bei  Daun  stammen. 


110 


Lfd. 


8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 

17. 

18. 

19.! 

20.' 

21. 

22. 

23. 
24. 

25. 
26. 

27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 

33. 
34. 

35. 
36. 
37. 
38 


Namen    der    Scholaren. 


Pro- 
kurator. 


No. 


1296 

1300 
1301 
1304 
1304 
1304 
1305 
1312 
1340 

1341 
1343 
1348 
1366 
1366 
1366 

1366 
1367  ! 

1381  : 
1881  ' 

1382  : 
1408  I 
1408  ' 
1421 
1422  I 

(1430): 

1444 

1458  ! 

1490  ' 

1515  ; 

1516  ' 
1526 


Dom.  Cono  de  Gesheim  (Geisheim)       .     .     . 

1.  Cimo Prokurator 

Dom.  Henricus  Boz  de  Waldeg  .... 
Dom.  Wernherus  de  Gysenheim  .... 
Dom.  Gerlacus  comes  de  Nassowe  .... 

Dom.  Syfridus  de  Runkel 

Dom.  Henricus  magister  eorum 

Dom.  Fredericus  de  Bicken 

Dom.  Diedericus  de  Kudesshoima  .... 
Dom.  Gerlacus  de  Nassawe 

2.  „  „         ,  Prokurator 

Hermannus  de  Wisebaden 

Dom.  Nicolaus  magister  dorn,  de  Nassen  .     . 

Dom.  Albertus  de  Campo 

Dom.  Adolphus  tilius  Adolphi  comitis  deNassavv 

Chamradus  de  Kuningenstein 

Dom.  Ulricus  de  Croneaberch 

li.  „  V  r,  Prokurator 
Dom.  Baltherus  de  Cronenberch  .  .  .  . 
Dom.  Ulricus  Korb  de  Wadek 

4.  «  «        «  «         Prokurator 

Dom.  Anzo  de  Gysenheym 

Dom.  Beouo  (Bruno)  de  Scharpinstein      .     . 

5.  n  n         -^  y>   Prokurator 

Dom.  Nycolaus  de  Kunigsteiu 

Dom.  Svfridus  de  Runkel 

Dom.  Theodoricus  de  Runkel 

Dom.  Bruno  de  Eisten 

Dom.  Johannes  de  ReifFenberg 

Dom.  Gerbardus  de  Chromberg  (Krampberg) 
ß.  „  „  „  Prokurator 

Mag.  Eberhardus  Goltsmid        

Dom.  Diedericus  de  Rudessheima  .  .  .  . 
7.  n  r,  n        Prokurator 

Dom.  Johannes  Heger 

Dom.  Gerbardus  Westcrburg 

Dom.  Marquardus  de  Hattstein 

Dom.  Guilielmus  de  Bick 


1299 


1341 


V,  1. 

xvin,  1. 

Y,  2. 

xm,  1. 

XYI,  1. 

XVI,  2. 

T,  1. 

XV,  2. 

XVI,  3. 

XX. 

XVI,  4. 

n. 

XVI,  5. 
X,  1. 
IV,  2. 

IV,  3. 

xvni,  2. 

—  !       V,  3. 

—  j    xvu. 

1382  — 
{       X,  2. 

—  1  XVI,  2. 

—  I  XVI,  3. 

—  !     vni. 

—  XIV. 

—  in. 

1432  — 

—  XII. 

—  I     XV,  3. 
1459  I  — 

—  I        VI. 
XIX,  3. 

VII. 

T    ^ 
1,   -. 


1367 


1373 


Also  vor  1300  .     .       8 

Von  1300—1350   .     10 

„  1350—1400  .   9 


Von  1400—1450 
„  1450—1500 
„  1500—1526 


6 
o 


^  Sa.  38. 


111 

Es  erübrigt  noch  die  einzige  Bomerkung,  die  sich  von  selbst  aufdrängt, 
dass  mit  Ausnahme  von  drei  SchoUiren,  Eberhard  von  Montabaur,  Hermann 
von  Wiesbaden  und  Kourad  von  Köuigstcin,  alle  mit  Dominus  bezeichnet  sind 
und  dem  höhereu  und  niederen  Adel   oder  dem  geistlichen  Stande  angehörten. 


IL    Prag,  gestiftet  1348/) 

Für  die  Universität  zu  Prag  sind  wir  auf  die  Mitteilungen  in  den  Monu- 
menta  universitatis  Carolo-Ferdinandeae  angewiesen,  von  denen  der  erste  Teil 
den  liber  decauorum  facultatis  philosophicae  von  1367  bis  1585  in  zwei 
Bänden  enthält  (Prag  1830  und  1832),  der  zweite  (II,  1,  Prag  1834)  das 
Album  seu  Matricula  facultatis  iuridicae  von  1372  bis  1418.  Jener  bietet  nur 
die  Namen  derjenigen,  welche  einen  akademischen  Grad  in  der  philosophischen 
Fakultät  erreicht  hatten,  dieser  sowohl  die  Namen  der  Graduierten,  als  auch 
der  Scholaren  der  juristischen  Fakultät.  Wir  erfahren  also  nur  die  volle  Zahl 
der  in  dieser  Fakultät  immatrikulierten  Scholaren,  nicht  aber  die  der  philo- 
sophischen, die  sicherlich  ein  Vielfaches  mehr  beträgt  als  die  der  Graduierten, 
da  nicht  alle  danach  strebten  einen  Grad  zu  erreichen. 

Zum  Yerständnis  der  in  dem  folgenden  Verzeichnis  vorkommenden  Aus- 
drücke und  der  Promotionsordnung  schicken  wir  einiges  aus  den  Prager 
Statuten  voraus. 

Es  gab  zu  Prag  und  ebenso  an  den  anderen  später  gegründeten  Uni- 
versitäten eigentlich  nur  zwei  akademische  Grade,  den  des  Magisters  oder 
Doctors  und  den  des  Baccalarius  (oder  Baccalaurius).  Zwischen  Magister  und 
Doctor  war  der  Unterschied,  dass  dieser  Titel  fast  ausschliesslich  in  der  juristi- 
schen und  medizinischen  Fakultät  üblich  war,  jener  sich  in  der  Regel  auf  die 
philosophische  Fakultät  oder  die  Artisten  beschränkte.  Wer  sich  irgend  einem 
akademischen  Studium  widmen  wollte,  begann  in  der  Regel  damit,  dass  er  sich 
in  diese  Fakultät  einschreiben  Hess;  erst  wenn  er  diese  absolviert  hatte,  die  die 
Grundlage  aller  höheren  Bildung  vermittelte,  trat  er  in  eine  der  drei  anderen 
ein.  Indessen  nehmen  die  Juristen  seit  dem  Jahre  1372  zu  Prag  eine  Sonder- 
stellung ein  infolge  von  Streitigkeiten  um  ein  Haus.  Während  sie  früher 
einen  Teil  der  Universität  gebildet  hatten,  nennen  sie  sich  jetzt  universitas 
iuristarum  und  wählen  sich  einen  eigenen  Rektor  (universitatis  iuristarum),  so- 
dass Prag  von  da  an  zwei  Universitäten  besass,  die  nur  den  Kanzler  gemein 
hatten.')  Und  so  finden  wir  denn,  dass  man  hier  auch  solche  Scholaren  auf- 
nahm, die  nicht  das  Studium  bei  den  Artristen,  wenigstens  nicht  zu  Prag,  ab- 
solviert hatten,  wie  unten  einige  Beispiele  zeigen. 

Wer  den  ersten  Grad,  den  des  Baccalarius  in  artibus  oder  artium,  er- 
werben wollte  (was  freilich  bei  weitem  nicht  alle  erstrebten,  wie  z.  B.  Heidel- 
berg beweist,  über  das  wir  genaue  Angaben  bei  Toepke  (s.  u.)  finden),  musstc 


")  Vgl.  die  Monumenta  univ.  Prag.  T,  1,  35  ff.;  Tomek,  Geschichte  der  Prager  Uni- 
versität, 1849,  S.  17  ff.  Wir  bezeiclinen  die  Monumenta  unten  mit  der  Abkürzung  MP.  — 
')  Tomek  S.  25  f. 


112 

sich  einem  Examen  durch  vier  Magistri,  zu  denen  ala  fünfter  der  Decau 
der  Fakultät  hinzutrat,  unterziehen,  üie  Examina  wurden  viermal  im  Jahr, 
zur  Zeit  der  Quatember  (quator  tempcra),  abgehalten ;  wir  haben  unten  jedes- 
mal den  betreffenden  Tag  nach  unserer  Bezeichnung  mit  dem  Zusatz  Q.  an- 
gegeben; ihre  Namen  in  den  Mon.  Prag,  sind:  1.  in  Jeiunio  oder  examon 
quadragesimale  oder  quadragesimum,  in  die  cinerum,  der  Mittwoch  nach  dem 
Sonntage  Esto  mihi ;  2.  post  pentecosten,  der  Mittwoch  nach  Pfingsten;  3.  ante 
festum  Michaelis;  4.  ante  nativitalem  Christi  oder  Domini,  der  Mittwoch  nach 
St.  Lucientag  (13.  Dezember).  Bedingung  der  Zulassung  zu  dem  Examen 
war  u.  a.,  dass  der  Baccalariandus  die  vorgeschriebenen  Vorlesungen  gehört 
und  die  betreffenden  Bücher  gelesen  hatte,  was  in  der  Kegel  einen  Zeitraum- 
von  zwei  Jahren  erforderte;  die  Baccalariati  sind  also  im  allgemeinen  zwei 
Jahre  vor  dem  Examen  immatrikuliert  („intituliert").  Der  Ausfall  der  Prüfung 
entschied  über  die  Zulassung  zu  dem  Grade,  admissio  ad  gradum,  unten 
abgekürzt  durch  adm.  bezeichnet;  die  Gebühr  für  dieselben  betrug  20  böhmische 
Groschen.  Nach  der  Prüfung,  wenn  sie  günstig  ausgefallen  war,  konnte  sich 
der  Prüfling  zur  eigentlichen  Promotion  melden,  durch  welche  die  feierliche 
Ernennung  zum  Baccalarius  in  artibus  erst  stattfand,  er  assumsit  gradum,  pro- 
cessit  ad  gradum;  dies  musste  binnen  eines  Vierteljahres  nach  der  Prüfung 
geschehen.  Bei  diesem  Akte  musste  der  neue  Baccalar  eine  vorgelegte  Frage 
beantworten  (determinare)  und  u.  a.  geloben,  zwei  Jahre  an  der  Universität 
Vorlesungen  unter  Aufsicht  eines  Magisters  zu  halten;  der  Beginn  seiner  Vor- 
lesungen ist  in  den  Monum.  mit  incepit  (legere)  notiert.  So  war  der  als 
Baccalar  abgehende  Scholar  gewöhnlich  vier  Jahre  an  seine  Universität  ge- 
bunden, wenn  nicht  besondere  Umstände  eine  Änderung  herbeiführten. 

Wer  einen  höheren  Grad  erstrebte,  musste  nunmehr  seine  Studien  eine 
Reihe  von  Jahren  fortsetzen;  fühlte  er  sich  zu  einem  neuen  Examen  stark  ge- 
nug, 30  hatte  er  sich  unter  ähnlichen  Bedingungen  zu  melden.  Bestand  er  die 
Prüfung,  so  erhielt  er  die  Erlaubnis  ohne  Beschränkung  Vorlesungen  zu  halten, 
die  licentia  docendi,  er  wurde  Licentiatus.  Die  Gebühr  betrug  38  Groschen 
(bei  der  juristischen  Fakultät  ein  Schock  Groschen).  Wollte  oder  konnte  der 
Licentiat  Zeit  und  Geld  daran  wagen,  so  liess  er  sich  bald  nach  der  Erlangung 
des  Licentiats  zum  Magister  bestallen,  was  durch  einen  ähnlichen  Akt  wie 
bei  dem  Baccalar  geschah.  Die  Licentiaten-  und  Magisterpromotion  fand  nur 
einmal  im  Jahre,  gewöhnlich  im  Februar  oder  März,  statt. 

Bekanntlich  brach  im  Laufe  der  nächsten  fünfzig  Jahre  nach  der  Stiftung 
der  Universität  zu  Prag  und  in  ganz  Böhmen  die  politische  Bewegung  aus, 
welche  gegen  die  Deutschen  gerichtet  war'");  sie  gefährdete  zwar  nicht  den 
Bestand  der  Universität,  aber  hatte  schwere  Folgen  in  Bezug  auf  ihren  Besuch. 
Sämtliche  Mitglieder  der  Schule  waren  nach  ihrer  Herkunft  eingeteilt  in  vier 
Nationen,  die  böhmische,  sächsische,  bairische  und  polnische,  nach  denen  in 
allen  Angelegenheiten  gestimmt  wurde;  in  der  Matrikel  der  Juristen  ist  bei 
Aufnahme  eines  Scholaren  jedesmal  bemerkt,  welcher  Nation  er  sich  anschliesse. 

'")  Vgl.  Toniek.  S.  '.»  ii.  47  ff.;  Ilöflor,  Ma:^.  Joli.  IIu3  inul  der  .Vbziig  der  deutschen 
Professoren  und  Ötudenteu  aus  Prag.    1»G4,  S.  117  ff. 


113 

Der  Umstand,  dass  die  Deutschen  im  Besitze  von  zwei  Stimmen  waren  und 
in  der  polnischen  Nation,  die  auch  die  östlichen  Gebiete  Deutschlands  umfasste, 
das  Übergewicht  besassen,  empfanden  die  im  Anfange  an  Zahl  zurückstehenden 
Böhmen  als  Unrecht,  da  sie,  die  Landeskinder,  sich  den  Beschlüssen  von  Aus- 
ländern unterwerfen  mussten  und  namentlich  mancherlei  pekuniäre  Vorteile, 
Teilnahme  an  den  sog.  KoUegiaturen,  Pfründen  u.  s.  w.  in  deutschen  Händen 
sahen.  Schon  1371  hatte  sich  diese  Stimmung  von  ferne  gezeigt;  heftiger  und 
erfolgreicher  wurde  der  Angriff  der  Böhmen  im  Jahre  13S4,  als  es  sich  um 
den  Genuss  der  für  die  Professoren  gestifteten  Kollegien  handelte;  der  Streit 
zog  sich  durch  mehrere  Jahre  hindurch  und  endete  mit  einem  Siege  der  Böhmen. 
Dieser  Umstand  verleidete  schon  damals  manchem  deutschen  Lehrer  den  weiteren 
Aufenthalt  zu  Prag,  und  auch  nicht  wenige  deutsche  Scholaren  verliessen  die 
ungastlich  gewordene  Stadt,  wie  es  in  viel  höherem  Grade  im  Jahre  1409 
geschah.  Dazu  trat,  dass  eben  um  diese  Zeit  rasch  hintereinander  in  den  Rhein- 
landen zwei,  in  Erfurt  eine  dritte  Universität  gegründet  wurde,  welche  den 
Bewohnern  des  westlichen  Deutschlands  die  weite  Reise  nach  dem  Osten  über- 
flüssig machten.  So  verliessen  viele  Baccalare  vor  Ablauf  ihrer  zweijährigen 
Thätigkeit  Prag,  und  bald  hört  der  Besuch  desselben  fast  ganz  auf.  Vgl.  unsere 
chronologische  Aufzählung. 

Die  Entscheidung  der  Frage,  ob  ein  Scholar,  der  in  den  MP.  genannt  ist, 
hierher  gehöre,  ist  oft  nicht  leicht.  Abgesehen  von  den  Irrtümern  in  der 
Namensschreibung  oder  von  Auslassungen  (vgl.  II,  4)  ist  vielfach  das  Heimats- 
land nicht  durch  Angabe  der  Diözese  oder  des  Territoriums  bestimmt  und  so  bei 
der  Gleichheit  vieler  verschiedenen  Ortsnamen  nicht  zu  erkennen,  wohin  jeder 
zu  setzen  ist.  "Wir  haben  uns  daher  bei  unserer  Zusammenstellung  auf  die 
unbedenklich  oder  doch  wahrscheinlich  als  sicher  hierher  zu  rechnenden  Namen 
beschränken  zu  müssen  geglaubt,  zweifelhafte  mit  einem  *  bezeichnet,  andre 
haben  wir  ganz  ausgeschlossen.  Zu  diesen  gehört  z.  B.  N.  de  Bielstein 
1376  (MP.  I,  1,  172),  Conr.  de  Bredescheyt  1368  (MP.  I,  1,  136);  Camp  ist 
höchst  verdächtig,  da  gleich  nach  der  Nennung  des  Andr.  de  Camp  1399  eben- 
derselbe Andr.  de  Kam  heisst  (MP.  I,  1,  354  und  355);  dadurch  wird  ein 
zweites  Camp  1369  verdächtig;  es  mag  damit  Cham  in  der  Regensburger 
Diözese  gemeint  sein.     Und  ähnlich  bei  einigen  anderen  Namen. 

Auf  der  andern  Seite  kann  uns  wohl  ein  Name  entgangen  sein,  der 
vielleicht  mit  Bestimmtheit  hierher  zu  rechnen  ist,  andere  wie  Hermannus  Scul- 
teti  1377  (MP.  H,  1,  64)  haben  wir  nicht  mitgezählt;    vgl.  No.  IX  ara  Ende. 

A.  Ordnung  nach  der  Heimat  oder  den  Geschlechtsnamen. 

I.   Camberg:  1. 
Joan.  Camberch,  adm.  ante  festum  nativitatis  Christi,  Q.  14.  XU.   1379; 
determ,  in  die  praecedenti  (Dorotheae),  5.  IL  1380.    MP.  I,   190.  192. 

II.   Caub:  4. 
1.  Remigius  dictus  Bruose  de  Cuba  rector  parochialis  ecclesie  in  Cuba, 
dt.  14  gr.,   1381,    durch  den  Rector  uuiversitatis  iuristarum  intituliert,   gehörte 
zur  natio  Bavarorum.    MP.  II,   1,  08. 


114 

2.  Joan.  de  Cuba,  adra.  in  4  temporibus  po3t  pentecosten,  Q.  13.  Mai 
1383,  determ.   11.  Juni  1383.    MP.  I,   1,  213.  214. 

3.  Antonius  Plecz  de  Cuba,  adm.  in  Quadragesima,  Q.  2.  März  1384, 
determ.  26.  April  1384.  MP.  I,  1,  220.  240.  Der  Name  Pletz  erscheint 
während  des   14.  u.   15.  Jahrh.  mehrfach  am  Mittelrhein,  namentlich  zu  Lorch. 

4.  Petrus  Hebestrit  von  Caub  findet  sich  in  den  MP.  weder  unter  den 
Baccalaren  in  artibus,  noch  deu  Juristen  ver/eichnet,  er  wurde  aber  im  Jahre 
1389  zu  Heidelberg  als  Baccalarius  Pragensis  in  die  Matrikel  eingetragen;  er 
muss  also  dort  entweder  unter  einem  andern  Namen  verborgen  sein,  oder  man 
hat  dort  vergessen  ihn  zu  verzeichnen.  "Wir  setzen  seine  Prüfung  und  Zulassung 
in  das  Jahr  1388.  Der  Name  Hebestrit  kommt  mehrfach  in  Caub  vor,  wie 
ein  Henricus  im  Jahre  1324  in  einer  Eberbacher  Urkunde  bei  Rössel,  Eb.  Urk. 
II,  No.  837,  ein  Petrus  in  der  Heidelberger  Matrikel  im  Jahre  1428. 

III.   Cronberg:  1, 

Jo.  de  Krooenberk,  adm.  ante  festum  Michaelis,  Q.   17.  September    1382. 
MP.  I,   1,  208.     Domherr    zu   Mainz   1410  und    Scholasticus  zu  Aschaifenburg;, 
t  20.  April  1439.    Joannis  II,  349. 

*IV.   Griesheim:  2. 
*1.  Erhard  US  de  Grysheim,  determ.   11.  HL  1375.    MP.  I,  1,  1G4. 
*2.  Eghardus  de  Orisheym  als  Baccalarius  in  iure  von  dem  Rector  uni- 
versitatis  iuristarum  eingetragen  1386.     MP.  U,   1,   13. 

V.   Hachenburg:  1. 

Conrad  US  Ilachinberg,  adm.  in  4  temporibus  post  pentecosten,  Q.  20.  Mai 
1377,  determ.  in  die  nativitatis  Jo.  Baptistae,  24.  Juni  1377  [Hachemburg]. 
MP.  I,  1,  176.  177.  Licentiatus  1383,  incepit  10.  Februar  1383.  MP.  I,  1, 
212.  210.  Es  ist  zu  vermuten,  dass  dieser  Conradus  auch  den  Magistertitel 
zu  Prag  angenommen  und  wahrscheinlich  einige  Zeit  daselbst  gelehrt  hat.  Denn 
im  Jahre  1405  wird  ein  Conradus  dictus  Smecke  de  Hachenberg  Colon,  dioc, 
Pastor  in  Reyd,  magister  artium  Pragensis  zu  Köln  immatrikuliert.  Beide  sind 
sicherlich  dieselbe  Person,  in  Köln  ist  noch  der  Familienname  hinzugefügt. 

VI.    Herborn:  1. 

Joan.  Hernborn,  adm.  in  Jeiunie,  Q.  19.  Februar  1388.  MP.  I,  1,  258. 
Heruboru  statt  Herboru  auch  in  der  Erfurter  Matrikel  1457  und  1470. 

VII.    Königstein:  1. 

N.  de  Frankenfordia,  adm.  in  quatuor  temporibus  ante  uativitatem  Christi, 
Q.  14.  Dezember  1384.  MP.  I,  1,  225.  Nicolaus  Künigstein  de  Frank- 
furdia  vom  Rectur  univeraitatis  iuristarum  iiitituliort  1385,  nat.  Bavarorum. 
MP.  H,   1,  73. 


115 

VIII.   Lahnstein :  1. 
Araoldu3  de  Lanstein  vom  Rector   iuristarum  intituliert  1372,  nat.   Ba- 
varorum.    MP.  II,   l,  58. 

IX.   Limburg:  7, 

Es  entspricht  ganz  der  hohen  Blüte,  die  wir  nach  der  Limburger  Chronik 
für  die  Stadt  Limburg  im  14.  Jahrhundert  voraussetzen  dürfen,  wenn  von  hier 
aus  eine  grosse  Anzahl  junger  Männer  die  Hochschulen  aufsuchte,  zunächst 
am  Ende  dieses  Jahrhunderts  Prag,  dann  Köln,  Heidelberg  und  namentlich 
Erfurt.  Wie  der  Reichtum  der  Bürger  hinreichende  Mittel  bot,  so  versprach 
das  S.  Georgenstift  den  Geistlichen  Aussicht  auf  eine  angesehene  Stellung  in 
der  Vaterstadt.  Wenn  auch  nicht  von  allen  mit  Limburg  oder  de  Limburg 
bezeichneten  Scholaren  die  Herkunft  aus  der  Lahnstadt  sicher  nachweisbar  ist, 
so  haben  wir  doch  keinen  ausschliessen  wollen. 

1.  Hartungus  de  Lirapurg,  adm.  in  die  cinerum,  Q.  26.  Februar  1382. 
MP.  I,  1,  205.  Vom  Rector  universitatis  iuristarum  im  Jahre  1385  intitu- 
liert, nat.  Bavarorum.  MP.  H,  1,  73.  Im  Jahre  1387  zu  Heidelberg  als  Har- 
tugus  (sie)  de  Limpurg  baccalarius  in  artibus  in  die  Matrikel  eingeschrieben. 
Den  Namen  Härtung  führte  eine  angesehene  Familie  zu  Limburg;  den  Schult- 
heiss  Härtung  (um  1350)  „acht  man  vur  den  aller  wisesten  leyen  (Laien)  in 
allen  diesen  landen*.    Limburger  Chronik,  Wyss,  S.  47,  16. 

2.  Joannes  Lympurch,  adm.  in  Jeiunio,  Q.  11.  Februar  1383;  determ. 
Joan.  de  Limpurg  den  1.  März  1383.  MP.  I,  1,  24.  210.  Vielleicht  derselbe, 
welcher  1387  in  Heidelberg  immatrikuliert  und  als  vierter  Baccalarius  iuris 
dieser  Universität  eingetragen  ist.    S.  Heidelberg. 

^    P    °  [  adm.  in  quatuor  temporibus  ante  festum  nati- 

4.  Hermannus  Lyntpurg  ) 

vitatia  Christi,  Q.  14.  Dezember  1284.  MP.  I,  1,  225.  Die  ältere  Schreibung 
Lintburg  kommt  in  Limburger  Urkunden  und  anderen  Aufzeichnungen  des 
14.  Jahrhunderts  nicht  mehr  vor,  wohl  aber  unzweifelhaft  z.  B.  in  der  Heidel- 
berger Matrikel  1412  und  1415:  Lintburg  Treverensis  diocesis. 

5.  Joan.  Clen,  adm.  in  examine  quadragesimali,  Q.  27.  Februar  1387. 
MP.  I,  1,  152.  Von  dem  Rector  univers.  iuristarum  intituliert  als  J.  de  Cleea 
im  Jahre  1387;  nat.  Bavarorum.  MP.  H,  1,  75.  Dieser  Johannes  Cleen  wurde 
im  Jahre  1389  zu  Heidelberg  als  Joh.  de  Cleen  vicarius  ecclesie  Limburbgensis 
(sie)  baccalarius  in  artibus  zugleich  mit  anderen  Söhnen  der  Stadt  immatri- 
kuliert. Ober  (und  Nieder-)  cleen,  woher  er  oder  seine  Eltern  stammten,  lag 
in  der  Herrschaft  Cleeberg,  die  den  Herren  von  Limburg  gehörte;  vgl.  Vogel, 
Beschreibung  des  Herzogtums  Nassau,  S.  265.  Joh.  von  Cl.  kommt  im  Jahre 
1392  als  Vicar  des  S.  Georgenstifts  und  Notar  zu  Limburg  vor.  Wyss,  Limb. 
Chron.  S.  11.  Ein  Ilelfricus  de  Kleen  oder  Cleyn  wird  1386  als  Baccal.  art. 
und  1387  ebenfalls  als  Studiosus  iuris  genannt.    MP.  I,  1,  237;  H,  1,  75. 

6.  Joan.  Sculteti  )     i    t- .  ^  r\      ^  •         /-»in   \f„-, 
^    ^      ,            o     ,.    .        de  Limporg,  adm.  m  Quadragesima,  Q.  10.  März 

7.  Gerlacus  Sculteti   i  ^    ° 

1389.    MP.  I,   1,  262.     Diese  beiden  gehören  der  angesehenen  Familie  Schul- 


116 

theiss  zu  Limburg  an,  von  welcher  einzelne  Glieder  in  der  Limburger  Chronik 
erwähnt  werden;  vgl.  Wyss  S.  70  und  102.  Beide  verliessen  Prag  noch  in 
demselben  Jahre  und  setzten  ihre  Stadien  zu  Heidelberg  fort.  Gerlach  heisst 
hier  vicarius  eccl.  Limburgensis  und  wurde  später  Dekan  des  Stifts  (1425—1435); 
Götze,  Annalen  XIII,  325.  Johann  wird  in  der  Heidelberger  Matrikel  cano- 
nicus  Novi  monasterii  Herbipolensis  genannt,  aber  sein  Name  steht  hier  zwischen 
dem  Joh.  de  Cleen  und  Gerlach,  auf  den  ein  vierter,  unzweifelhaft  Limburger 
Scholar  folgt,  sodass  aus  dieser  Reihenfolge  auf  eine  gleiche  Herkunft  ge- 
schlossen werden  darf;  Johann  und  Gerlach  waren  wohl  nahe  verwandt.  Dass 
ersterer  sich  nach  Würzburg  gewandt  hatte,  mag  darin  seinen  Grund  gehabt 
haben,  dass  ein  Bruder  des  Herrn  Gerlach  HI,  Rudolf  von  Limburg,  im  Jahre 
1353  Domherr  zu  Würzburg  geworden  war  und  dort  eine  einflussreiche  Stellung 
"ewann;  er  wurde  bald  Archidiakon  und  mag  den  jungen  Johann  Schultheiss 
nach  sich  gezogen  haben,  den  er  als  Knaben  kennen  gelernt  und  als  tüchtig 
gefunden  hatte.     Vgl.  Wyss,  Limb.  Chron.  S.  41. 

Derselben  Familie  kann  angehört  haben  ein  Hermannus  Sculteti,  der  im 
Jahre  1377  unter  die  Juristen  aufgenommen  wurde.  MP.  H,  1,  64.  Doch 
fehlt  hier  die  Angabe  der  Herkunft. 

Schliesslich  bemerken  wir,  dass  es  in  Limburg  auch  eine  Familie  (de) 
xMontebur  gab.  Wyss  S.  102,  4.  Es  wäre  demnach  möglich,  dass  von  den 
unter  Montabaur  aufgezählten  Baccalaren  einer  oder  der  andre  nach  Limburg 
verwiesen  werden  müsste.  In  den  beiden  Fällen  würde  sich  die  Zahl  der 
Limburger,  die  zu  Prag  studiert  haben,  bis  auf  zehn  steigern  können. 

Über  Henricus  de  Wolfhagen  s.  die  Kölner  Matrikel  unter  Limburg. 

X.   Lindau:  2. 

1.  Joan.  Lindow,  adm.  in  die  cinerum,  Q.  26.  Februar  1382,  determ. 
16.  März  1382.  MP.  I,  1,  204.  205.  Licentiatus  am  3.  März  1384.  MP.  I, 
1,  219.  Bei  Joannis,  Scr.  rer.  Mog.  II,  380,  wird  Joannes  de  Lindau  als 
Canonicus  eccl.  maioris  a.  S.  Victoris  zu  Mainz  und  als  Cantor  ad  D.  Joannem 
aufgeführt;  er  starb  nach  ihm  im  Jahre  1448. 

*2.  Mathias  Lindowe,  adm.  statim  post  festum  pontecostes,  Q.  5.  Juni 
1.392.    MP.  I,  1,  276. 

XI.   Montabaur:  5. 

Über  die  Scholaren  von  Montabaur  s.  die  Bemerkung  zu  Limburg  a.  Ende. 
Doch  weist  diese  Stadt  namentlich  im  folgenden  Jahrhundert  eine  stattliche 
Anzahl  von  Scholaren,  besonders  zu  Erfurt,  auf. 

1.  Jo.  de  Montebur,  adm.  in  4  temporibus  ante  nativitatem  Domini,  Q. 
10.  Dezember  1377.    MP.  I,  1,  179. 

2.  Arnoldus  de  Montebur,  adm.  ante  festum  Michaelis,  Q.  17.  September 
1382.    MP.  I,  1,  208. 

3.  Hermannus  Montebur,  adm.  circa  festum  Michaelis,  Q.  19.  September 
1384.    MP.  r,   1,  222.     Ob  von  Limburg':' 


117 

4.  Joan.  Montebur,  adm.  circa  festum  Michaelis,  Q.  19,  September  1386. 
MP.  I,  1,  246.  Ist  wohl  derselbe,  welcher  als  Jobannes  Lapicida  de  Monte- 
bur  Treverensis  dyoc.  baccalarius  in  artibus  im  Winter  1387 — 1388  zu  Heidel- 
berg immatrikuliert  wurde.  Ein  Scholar  gleichen  Namens,  ebenfalls  Baccalar, 
wurde  1396  zu  Köln  immatrikuliert. 

5.  Gerlacus  de  Montebur,  adm.  ante  festum  Michaelis,  Q.  20.  September 
1391.    MP.  I,   1,  273.     Ob  von  Limburg? 

XII.   Mudersbach:  1. 
,To.  de  Muderspach,  adm.  in  capite  Jeiunii,  Q.  22.  Februar  1385.    MP. 
I,  1,  228.     Einen  Johann  aus  dem  alten  missauischen  Geschlecht  v.  M.    kennt 
Arnoldi,  Mise.  S.  315,  in  den  Jahren  1381  — 1391. 

XIII.   Nassau:  1. 
TIenricus  Nassawer,  deiorm.  28.  Januar  1369.    MP.  I,  1,   139. 

XIV.  Rüdesheim:  1. 
Ilenricus  ^lartini  de  ^Yemdi^g,  Joannes  Thomae  de  Rudesheym,  baccal. 
Viennenses,  postquam  respondissent  ad  quaestionem  secundum  consuetudinem 
facultatis  artium  docuissentque  sufficiente  teatimonio  se  esse  baccalarios  assumti 
sunt  in  consortium  baccalariorum  nostrorum  feria  sexta  post  Magdalenae 
(27.  Juli)  1445.    MP.  I,  2,  26. 

XV.   Scharfenstein :  1. 
Bruno  Scharffenstein,  adm.  in  4  temporibus  post  pentecosten,  Q.  20.  Mai 

1377.  MP.  I,  1,   176.     Von  dem  Rcctor  unir.  (iuristarum)  intituliert  im  Jahre 

1378,  nat.  Bavarorum.    ^IP.  II,   1,  65  (de  Sarfenstein).     Er  besuchte  im  Jahre 
1381  Bologna,  1387  Heidelberg.     Vgl.  Bologna. 

*XVI.   Wanscheid:  1. 
Ilenricus  "Whenscheid,    adm.    ante    festum  Michaelis,    Q.   16.  September 
1383.    MP.  I,    1,  216.     Zweifelhaft  ist  es,    ob    er  zu  dem  damals  in  Limburg 
ansässigen  Geschlecht  der  Köth  von  "Wanscheid  gehört;  die  Limburger  Chronik, 
S.   101,  Wyss,  nennt  einen  Heinz, 

XVII.  Weilburg:  1. 

Ilartungus  Wylburg,  adm.  circa  festum  ^[ichaelis,  Q.  20. September  1385. 
MP.  I,  1,  232.  Ein  Ilartungus  sei.,  Scholemeyster  des  Stifts  zu  Weilburg, 
wird  1397   bei  Würdtwein,  nov.  subs.  IV,   199,  genannt. 

Ein  Joannes  Wilborg  de  Praga  ist  1391  unter  den  Baccalaren  iuris  und 
1397  Dns.  Joannes  Weylburg  unter  den  Licentiaten  iuris  verzeichnet,  hier 
als  prctonotarius  maioris  civitatis  Pragensis.  MP.  H,  1,  16.  6.  Unter  den  von 
dem  Rektor  der  juristischen  Fakultät  eingetragenen  Namen  findet  sich  dieser 
Scholar  nicht.  Man  darf  wohl  die  Vermutung  aufstellen,  dass  er  eine  Person 
mit  obigem  Härtung  ist,  der  dann  den  Vornamen  Johann  geführt,  in  Prag 
seine  Studien  fortgesetzt  und  ein  städtisches  Amt  übernommen  hätte. 


118 


B.   Chronologfische  Abfolge. 


1. 


2 

♦3. 
4. 

5. 


7. 
8. 
9. 

10. 


1369 
1372 
1375 
1377 

1377 

1377 
fl377 
1379 
1381 
1382 

1382 


11. 

1382 

12. 

1382 

13. 

1383 

14. 

1383 

♦15. 

1383 

16. 

1384 

17. 

1384 

18. 

1384 

19. 

1384 

20. 

1384 

21. 

1385 

22. 

1385 

23. 

1386 

♦24. 

1386 

25. 

1387 

26. 

[1388] 

27. 

1388 

28. 

1389 

29. 

1389 

30. 

1391 

♦31. 

1392 

32. 

1445 

Henricus  Nassawer,  Bacc.  art.,  determ.  28.  I.       .     .     . 

Arooldua  de  Lanstein,  Stud.  iuris 

Erhardus  de  Grysheim,  Bacc.  art.,  determ.  11.  DI.    .     . 

Conradus  Hachinberg,  Bacc.  art,  adm.  Q.  20.  V.,  dt.  24.  VI. 

„  „  Licent.  art.  1383,  incepit  10.  11.  . 

Brune  Scharffenstein,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  20.  V.       .     . 

Bruno  Sarffenstein,  Stud.  iuris  1378 

Joann.  de  Montebur,  Bacc.  art.,   adm.  Q.  16.  XII.     .     . 

Henricus  Sculteti,  Stud.  iuris] 

Joann.  Cambercb,  Bacc,  art.,  adm.  Q.  14. XII.,  dt.  5.  II.  1380 

Remigius  Bruose  de  Cuba,  Stud.  iuris 

Hartungus  de  Limpurg,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  26.  11.  . 

„  „  „  Stud.  iuris  1385 

Joann.  Lindow,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  26. 11.,  determ.  16.  III. 

„  „        Licent.  art.  3.  III.  1384 

Joann.  de  Kronenberk,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  17.  IX.  .  . 
Arnoldus  de  Montebur,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  17.  IX.  .  . 
Joann.  Limpurch,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  11.  U.,  dt.  1.  III. 
Joann.  de  Cuba,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  13.  V.,  determ.  11.  VI. 
Henricus  Whenscheid,  Bacc.  art.,  adm.  16.  IX.  .  .  . 
Antonius  Plecz  de  Cuba,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  2.  III.,  dt.  26.  IV. 
Hermannus  Montebur,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  21.  IX.    .     . 

N.  Lyntburg,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  14.  XII 

Hermannus  Lyntburg,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  14.  XH.  .  . 
N.  de  Frankenfordia,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  14.  XH.  .  . 
Nie.  de  Künigstein  de  Frankenfordia,  Stud.  iuris  1385  . 
Joann.  de  Muderspach,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  22.  H.  .  . 
Hartungus  Wylburg,  Bacc.  art.,   adm.  20.  IX.       .     .     . 

♦Joannes  Wilborg,  Bacc.  iuris  1391 

♦Joann.  Weylburg,  Licent.  iuris  1397 

Joann.  Montebur,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  19.  IX 

Eghardus  de  Grisheim,  Bacc.  iuris 

Joann.  Clen,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  27.  II 

„       Cleen,  Stud.  iuris  1387 

Petrus  Hebestrit  de  Cuba,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  —     .     . 

Joann.  Hernborn,  Bacc.  art.,  adm.  Q.  19.  U 

Joann.  Sculteti  de  Limpurg,  Bacc.  art.,  adm  Q.  10.  UI. 
Gerlacus  Sculteti  de  Limpurg,  Bacc.  art.,  adm.  Q,  10.  IH. 
Gerlacus  de  Montebur,  Bacc.  ar.\,  adm.  20.  IX.    .     .     . 

Mathias  Lindowe,  Bacc.  art.,  adm.  5.   V 

Joann.  Thomae  de  Rudesheim,  Bacc.  Vienn..  27.  VII.   . 


XIH,  1. 

vm. 

IV,  1. 
V. 


•n 

XV. 


XI,  1. 

IX.  Ende 

I. 

II,  1. 

IX,  1. 


X,  1. 

IH. 

XI,  2. 
IX,  2. 
II,  2. 
XVI. 
H,  3. 
XI,  3. 
IX,  3. 
IX,  4. 

VH. 

n 
XII. 

xvn. 


XI,  4. 
IV,  2. 
IX,  5. 

» 

n,  4. 

VL 
IX,  6. 

IX,  7. 
XI,  5. 

X,  2. 
XIV. 


119 


Als  Bacc.  art.  sind  verzeichnet  . 

Dazu  ein  Wiener  Bacc.  aufgenommen 

Davon  wurden  Licent.  art. 
„  „        Stud.  iuris 

Als  Stud.  iur.  aufgenommen  .     . 
„    Bacc.  iur.  „  .     . 

„  »        n     weiter  verzeichnet 

-    Lic.  iur.  verzeichnet   .     . 


.     28 

1 

2  (No.  4.   10). 

4  (No.  5.  9.  20.  25) 

.       2 

(No.  2.  8). 

.       1 

(No.  24). 

— 

1  (No.  22). 

1  (No.  22). 

32  I  8 


Iir.   Heidelberg,  gestiftet  1386. 

Für  die  Universität  Heidelberg  bedarf  es  keiner  längeren  Vorerinnerung. 
Ein  reichliches  Material  bietet  die  sorgfältig  ausgearbeitete  Matrikel  der  Univer- 
sität von  G.  Toepke,  3  Bände,  Heidelberg  1884 — 1893,  und  über  die  Einrichtung 
und  den  Studiengang  A.  Thorbecke,  Geschichte  der  Univ.  Heidelberg,  Abt.  I, 
Heidelberg  1886.  Was  über  die  akademischen  Grade  bei  Prag  gesagt  ist, 
gilt  im  ganzen  auch  hier,  nur  dass  seit  dem  Jahre  1454  die  Prüfung  zum 
Baccalariat  in  der  Artisten-Fakultät  sich  spaltete  nach  den  zwei  Hauptrich- 
tungen der  scholastischen  Philosophie,  dem  Nominalismus  und  Realismus,  in 
denen  je  zweimal  im  Jahr  examiniert  wurde,  in  diesem,  der  via  antiqua, 
gewöhnlich  im  Mai  und  November,  in  jenem,  der  via  moderna,  im  Januar  und 
Juli.  Wir  haben  beide  nach  Toepke  I,  S.  XI.  XII.  mit  v.  ant.  und  v.  mod. 
bezeichnet.  Ausserdem  ist  der  Matrikel  ein  dt.  zugefügt  oder  st.  (solvit),  wenn 
der  neue  Scholar  die  Gebühren  für  Immatrikulation  (Intitulation)  gezahlt  hatte, 
anfangs  12  Pf.  (=  1  Turnos),  schon  1387  erhöht  auf  24  Pf.  und  4  Pf.  für 
den  Pedellen;  mehr  zu  geben  stand  frei,  arme  Scholaren  zahlten  nichts  (be- 
zeichnet mit  p.);  Toepke  I,  LI.  Mit  dem  Buchstaben  T.  haben  wir  die  ge- 
nannte Matrikel  von  Toepke  bezeichnet.  Ein  *  vor  dem  Namen  deutet  auch 
hier  an,  dass  es  zweifelhaft  ist,  ob  derselbe  hierher  gehört.  Andere  Abkürzungen 
erklären  sich  von  selbst. 

A.   Ordnung:  nach  der  Heimat  oder  den  Geschlechtsnamen. 

Rektoren. 

1.  Nycolaus  de  Cuba,  in  iure  canonico  licentiatus  et  in  legibus  bacca- 
larius,  decanus  s.  Victoris  extra  muros  Moguntinenses,  erwählt  am  22.  Juni 
1398.  Wegen  einer  Reise  nach  Rom,  die  er  wohl  als  Kanzler  des  Erzbischofs 
von  Mainz  am  13.  September  unternahm,  legte  er  sein  Amt  vor  dem  bestimmten 
Termine,  20.  Dezember,  nieder.  T.  I,  67.  68.  Bei  der  Immatrikulation  1391 
(vgl.  IX,  5)  heisst  er  Nycl.  Yerenkorn,  bei  der  Promotion  zum  Licentiaten  des 
kanonischen  Rechts  Firnkorn.  Firnkorn  (Firnekorn)  =  Getreide  von  vorigem 
Jahr,     Grimm,  Deutsches  Wörterb.  III,  Sp.   1076. 

8* 


120 

2.  Mag.  Johannes  (Rukerus  de)  Lansteyn  [Obertahnstein],  Licent. 
in  decretia,  erwählt  am  22,  Juni  1420,  legte  bald  sein  Amt  nieder,  weil  er 
von  dem  Erzbischof  Konrad  von  Mainz  an  seinen  Hof  und  in  seinen  Rat  be- 
rufen wurde;  sein  Nachfolger  wurde  am  17.  Juli  erwählt.  T.  I,  147  f. 
Immatr.  1414.     Vgl.  LIX. 

3.  Mag.  Heinricus  de  Lymburg,  sacre  theologie  baccalarius,  19.  De- 
zember 1433  bis  23.  Juni  1434.     T.  I,  199.  201.     Immatr.  1417.     Vgl.  L,  5. 

4.  Adolffus  comes  in  Nassauwa,  Moguntinensis,  Treverensis,  Coloniensis 
ecclesiarum  canonicus  (am  Rande:  postea  archiepiscopus  Maguntinensis),  20.  De- 
zember 1443  bis  23.  Juni  1444.  T.  I,  240.  Immatr.  am  23.  Dezember  1441. 
Vgl.  LVI,  3.     Ehrenrektor;  vgl.  Thorbecke  S.  38,  Anm.  12. 

5.  Mag.  Rudolffus  Fabri  de  Rudesheym,  in  theologia  licent.,  19.  De- 
zember 1450  bis  23.  Juni    1451.     T.  I,  265.     Immatr.  142G.     Vgl.    LXVI,  5. 

Scholaren. 

I.  Asmannshausen,  frtlher  Hasemanshusen:  4  (1390—1471).") 

1.  Johannes  dictus  Meyster  de  Hasemanshusen,  dt.,  16.  XH.  1389 
bis  24.  m.   1390.    T.  I,  41. 

2.  Ludovicus  de  Haesmanshusen  Magunt.  dyoc,  dt.,  nach  dem  28.  X. 
1422.    T.  I,  157. 

3.  Johannes  Hubenryszer  de  Haszmanszhusen  und 

4.  Herdonus  Straszburger  de  Haszmanszhusen  Maguntinensis  dyoc., 
13.  X.  1471.  T.  I,  334.  Joh.  „Hubenrisser"  Bacc.  art.  v.  ant.  4.  VI.  1473; 
„Herdanus  Straussburg"  Bacc.  art.  v.  ant.  28.  VI.  1474.  Henrich  Haubreisser 
Unterschultheiss  zu  Assmaishausen  12.  XII.  1589  bei  Roth,  fönt.  Nass.  I,  2,  319. 

II.  Bachheim:  1  (1397). 

Tholmannus  de  Bacheim  Trever.  dioc,  dt.,  20.  XII.  1396  bis  23.  VI.  1397. 
T.  I,  64. 

III.  Bftrstadt:  1  (1498). 

Nicolaus  Wilhelmi  de  Berstat  Mogunt.  dioc.  3.  XH.  1498.  T.  I,  431. 
Ein  Pfarrer  Wilhelmus  Wilhelmi  von  Bärstadt  zu  Rauenthal  1472,  1482,  1491. 
Zaun,  Beiträge  zur  Geschichte  des  Landkapitels  Rheingau  S.  117.  108. 
Toepke  UI,  567  hält  den  Ort  für  das  hessische  Berstadt  oder  pfälzische  Börr- 
stadt.     Vgl.  das  Register  in  Bd.  III. 

*IV.  Beilstein:  1  (1400). 
*Henricus  Bijlsteyn,  st,  23.  VI.  bis  20.  XU.  1400.    T.  I,  76.    Noch  mehr 
sind  zweifelhaft  andre  Beilstein. 


")  Wenn  der  Rektor  sein  Amt  im  Dezember,  gewöhnlich  am  20.  d.  Mts.,  antrat,  so 
haben  wir  die  vor  dem  Antritt  des  Amtes  bis  zum  folgenden  Januar  eingeschriebenen  Scho- 
laren, deren  immer  nur  wenige  sein  konnten,  <la,  wo  ein  bestimmter  Tag  «ler  Immatrikulation 
nicht  angegeben  ist,    in  dieser  kurzen  Angabe,    wie  auch  unten    in   dem    ohronologisclien    Ver- 


zeichnisse dem  folgenden  Jahre  zugerechnet. 


121 

V.  Bleidenstadt:  3  (1405-1473). 

1.  Jacobus  Blidenstat  clericua  Mogunt.  dyoc,  dt,  20.  XII.  1404  bis  23.  YI. 
1405.    T.  I,  96. 

2.  Jobannes  Blidensteder,   dt,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1421.    T.  I,   156. 

3.  Johannes  Scoenborren  de  Blidenstaed  dyoc.  Magunt.;  12.  XII.  1458. 
T.  I,  295.  Job.  Schoneborn  de  Blydenstat  immatr.  zu  Erfurt  1455  M.,  Abt 
zu  Bleidenstadt  Joh.  v.  Schünborn  1444 — 1473. 

VI.  Braubach:  3  (1392-1437). 

1.  Johannes  de  Brubach  Trever.  dioc,  10.  X.  bis  11.  XII.  1392.    T.  I,  53. 

2.  Petrus  Kauwerczan  de  Brubach  dioc.  Trever.  dt.,  20.  XII.  1412 
bis  23.  VI.  1413;  „Sigelinus"  bacc.  art  VH.  1414.  T.  I,  119.  Kauwerzin, 
Caorsinus,  Cauercrinus  ist  der  Xame  für  einen  ausländischen,,  gewöhnlich  ita- 
lienischen Kaufmann  oder  Wechsler,  benannt  nach  der  Stadt  Cahors,  der  Haupt- 
stadt der  Landschaft  Cahourcin,  später  Quercy.    Lexer;   Büsching  IV,  236. 

3.  Engelberchtus  de  Brubach,  dt,  20.  Xn.  1436  bis  22.  VI.  1437. 
T.  I,  214. 

VII.  Breithart:  3  (1442-1472). 

1.  Adolf  US  de  Breithart,  capellanus  altaris  b.  Virginis  ibidem,  der.  Mogunt. 
dioc,  dt.,  20.  XU.  1441  bis  23.  VL  1442.  T.  I,  233.  Er  ist  wohl  eben  der- 
selbe, welcher  nachher  zu  hohen  Ehren  emporstieg:  Magister  coquine  (Küchen- 
meister), Provisor  und  Official  des  Mainzer  Erzbischofs  zu  Erfurt  (als  Mag. 
coquine  Hess  er  sich  im  Jahre  1456  zu  Erfurt  in  die  Matrikel  eintragen),  1465 
Decan  eccl.  B.  Mariae  ad  gradus  zu  Mainz,  1468  Scholasticus  ad  D.  Petrum 
und  1469  ad  gradus,  zuletzt  Rat  und  Kanzler  des  Erzbischofs  Berthold;  f  24. 
Vn.  1491.    Joanuis,  rer.  Mog.  11,  504.  675.  680;  Gudenus,  Syll.  591. 

2.  Johannes  Schultheti  de  Breithartt  der.  Mag.  dyoc.  28.  LH.  1471. 
T.  I,  333.     Zu  Erfurt  immatr.  ein  gleichnamiger  Scholar  1463. 

3.  Adolffus  de  Bryttert  der.  Magunt.  in  die  commemoracionis  s.  Pauli, 
30.  VL  1472.    T.  I,  338. 

VIII.  Bubenheim:  2  (1405.  1487). 
*1.  Gerardus  Rolemanni  de  Bohenheim  Trever.  dioc,  dt,  23,  VI.  bis 
19.  xn.  1405,    T.  I,  98. 

2.  Johannes  Specht  de  Bubenheim,  canonicus  s.  Albani  et  Steffani 
Mogunt  dvitatis  et  dyoc  10.  VU.  1487.  T.  I,  387.  —  Bd  Joanuis  U,  400 
und  796  als  canonicus  maioris  eccl.  (1490)  und  custos  S.  Albani  verzeichnet; 
t  16.  V.   1524. 

Camberg  s.  Dalheim. 

IX.  Caub:  32  (1388-1492). 
1.  Heinricus  Kerne  de  Cuba,  st,    23,  VI,  bis  10.  X.  1388.    T.  I,  33.' 
Vgl.  No.  3.  21. 


122 

2.  Petrus  Hebestrit  bachal.   Pragensis   de  Cuba,    10.  X.    bis    16.  XII. 

1389.  T.  I,  39.    Vgl.  Prag. 

3.  Petrus  de  Cuba  dictus  Kern,  p.,  10.  X.  bis  16.  XII.  1389.  T.  I, 
40.     Ygl.  Xo.  1. 

4.  Fridericus  deHubenhaere  de  Cuba,  dt.,  16.  XII.  1389  bis  24.  III. 

1390.  T.  I,  44. 

5.  Dom.  Nyeholaus  Yerenkorn  de  Cuba,  mag.  in  artibus  et  bachal. 
in  utroque  iure.  Nichil  fuit  receptum  ob  reverentiam  persone  et  quia  facta 
aniversitatis  apud  dominum  Maguntinum  consuerit  promovere.  Postea  licentiatua 
in  iure  canonico  in  studio  isto  (die  vierte  Promotion,  die  überhaupt  stattfand; 
T.  II,  524).  23.  YI.  bis  10.  X.  1392.  Decan  zu  S.  Victor  in  Mainz,  Canonicua 
zu  S.  Barthol.  in  Frankfurt  und  Kanzler  des  Erzbischofs  zu  Mainz.  Joannis, 
rer.  Mog.  11,  627;   Gudenus,  Syll.  514.     Rektor  1398;  3.  o. 

6.  Anthonius  de  Cuba,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1393.    T.  I,  55. 

7.  Johannes  filius  cellerarii  de  Cuba  Trever.  dyoc,  dt.,  19.  XII.  1394 
bis  23.  VI.  1395.    T.  I,  58. 

8.  Anthonius   de   Cuba   Trever.   dyoc,   p.,    20.   XII.    1398  bis  23.  VI. 

1399.  T.  I,  69. 

9.  Gerlacus   dictus   Grans   de   Cuba,    dt.,   20.   XII.    1399   bis  23.  VI. 

1400.  T.  I,  71.  Eine  Notiz  unter  einem  Verzeichnis  im  Jahre  1417  geschenkter 
Bücher,  und  zwar  nach  zwei  juristischen,  besagt:  Gerlacus  de  Cuba  tenetur 
solvere  XX  florenos.  T.  II,  693.  Der  Name  Grans  auch  No.  16.  Es  gab 
auch  eine  Adelsfamilie  Grans  von  Reinberg.    Vogel,  Beschr.  603. 

10.  Nycolaus  Henbuel  de  Cuba    \  Trever.  dyoc,   dt.,  20.  XII.   1399 

11.  Anthonius  Alberti  de  Cuba    |       bis  23.  VI.  1400.    T.  I,  72. 

12.  Johannes  Enolfi  de  Kuba,  dt.;  20.  XÜ.  1399  bis  23.  VI.  1400. 
T.  I,  72. 

13.  Johannes  Otto  de  Cuba,  dt.,  20.  XII.  1399  bis  23.  VL  1400.  T.  I,  73. 

14.  Enolffus  de  Cuba,  frater  eins,       «         »  n      »       n  n 

15.  Henricus  Petri  Sneplock  Trever.  dyoc,  dt.,  20.  XII.  1404  bis 
23.  VI.  1405.  T.  I,  96.  Der  Name  des  Heimatsortes  ist  nicht  zugefügt;  nach 
No.  19.  25.  26.  scheint  er  ohne  Zweifel  Caub  zu  sein. 

16.  Symon  Grans  de  Cuba,  dioc  Trever.,  dt,  20.  XH.  1408  bis  22. 
VI.  1409.  T.  I,  109.  Er  war  wohl  schon  Bacc.  art.  Erfurtens,  wo  er  1407 
immatrikuliert  wurde.  Baccalarius  in  iure  canonico  in  profesto  Margarete  vir- 
ginis  (12.  VII.)  1412,  Licentiatus  in  iure  canon.  6.  Okt.  1418.  T.  11,  503. 
525.     Vgl.  No.  9. 

17.  Ilenrici  de  Cuba  plebanus  in  Rinbullen  [Rheinböllen]  Mogunt.  dioc. 
baccal.  artium,  dt.,  19.  XII.   1411   bis  23.  VI.  1412.    T.  I,   117. 

18.  Anthonius  de  Cuba  Trever.  dioc,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1414. 
Bacc  art.  Januar  1416.     T.  I,  123. 

—  Nie  de  Erbach  ord.  Cist.  Cubensis  1416.     8.  Eberbach  No.  6. 


Seil.  Schneblock,    22.  VIH.  bis 
2.  Xn.  1443.    T.  I,  238. 


123 

10.  Jühanes  Sneplock   de  Cuba    Trever,  dyoc,    dt.,  20.  XII.  1419  bis 
22.  VI.  1420.    T.  I,  146.     Vgl.  No.  15. 

20.  Herburdus  de  Cuba  der.  Trever.  dyoc,  p.,  23.  VI.  bis  21.  VIII. 
1424.    T.  I,  162. 

21.  Petrus  Kern  de  Cuba  der.  Trever.  dyoc,  p.,  21.  IX.  bis  11.  XI. 
1424.    T.  I,   163.     Vgl.  No.  1. 

22.  Theodricus  Scriptoris  de  Cuba,  dt,  4.  IV.  bis  23.  VI.  1428. 
T.  I,  177. 

23.  Petrus  Hebstritt  de  Cuba  der.  dyoc.  Trever.,  dt.,  4.  IV.  bis  22.  VI. 
1428.     Bacc.  art.  28.  I.  1430.     Vgl.  No.  2. 

24.  Nicolaus  de  Kuba,  dt.,  23.  VI.  bis  30.  VHI.  1436.  Bacc.  art. 
8.  VII.  1439.    T.  I,  212. 

25.  Petrus  de  Cuba,    dt.,  Bacc.  art. 
(Petr.  Schneblung)   15.  VH.  1445. 

26.  Johannes  de  Cuba,  dt., 

27.  Girlacus  de  Kuba,  p.,  21.  VI.  bis  20.  XII.  1445.  T.  I,  246.  Girlacus 
Sartoris  zu  Erfurt  1444?  — 

28.  Anthonius  Rasoris  (Scherer)  de  Cuba  dyoc.  Trever.  3.  III.  1461. 
T.  I,  303.     Zu  Erfurt  1458?  — 

29.  Heumannus  de  Cuba  13.  VII.  1466.  Bacc.  art.  v.  mod.  13.  VE. 
1468.    T.  I,  318. 

30.  Arnoldus  Well  de  Cuba  Trever.  dioc,  4.  X.  1475.  Bacc.  art.  v. 
ant.  22.  V.  1477.    T.  I,  346. 

31.  Paulus  Lisheit  de  Cuba  VI.  Kai.  Maij  (27.  IV.)  1476.  T.  I,  349. 
Ein  Petrus  Liszheit  de  Kuba  zu  Erfurt  1467. 

32.  Johannes  Germeszheim  de  Cuba  Mogunt.  dyoc.  7.  VI.  1492. 
T.  I,  402.  Ein  Petrus  und  Nicolaus  de  Germersshejm  de  Cuba  zu  Erfurt  1465. 
Wenn  es  aber  an  unserer  Stelle  heisst:  Mogunt.  dyoc,  so  beruht  dies  auf 
einem  Irrtum  des  Schreibers,  da  weder  Caub  noch  Germersheim  der  Mainzer 
Diözese  angehörten,  sondern  der  Trierer  und  Speierer.  Die  Germersheim  waren 
ein  aus  der  gleichnamigen  Stadt  der  Pfalz  nach  Caub  eingewandertes  Geschlecht. 


X.    Cronberg:  13  (1394-1490). 

Bei  der  Schwierigkeit,  Cronberg  am  Taunus,  früher  im  Amte  Königstein 
(nicht  Homburg,  wie  es  im  Index  bei  Toepke  heisst),  jetzt  Obertaunuskreis, 
von  andern  oder  ähnlich  lautenden  Ortsnamen  zu  unterscheiden,  haben  wir 
auf  die  Gefahr  hin  einen  Irrtum  zu  begehen,  alle  Namen  mit  Cronberg  und 
Cronenberg  aufgenommen,  dagegen  Cronnberg  und  Cronnenberg  ausgeschlossen. 

1.  Johannes  Cronberg  de  Schonaugia  de  domo  s.  Jacobi  dt.,  23.  VI. 
bis  19.  XII.  1394.  T.  I,  57.  über  die  domus  s.  Jacobi  s.  unter  Eberbach.  — 
Johannes  war  Mönch  des  Cisterzieuser-Klosters  Schönau. 


124 

2.  Petrus  Walter!  de  Cronenberch,  st.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1400. 
T.  I,  76.  Der  Name  Walter  kommt  in  Cronberg  oft  vor,  ebenso  Franko, 
weshalb  der  als  Franco  Franconis  unter  demselben  Datum,  aber  ohne 
Ortsbezeichnung,  eingetragene  Scholar  ebenfalls  hierher  gerechnet  werden 
könnte. 

3.  Hertmannus  de  Cronenberg  Mogunt.  dioc,  dt.,  19.  Xll.  1416  bis 
23.  VI.  1417.  T.  I,  132.  Auch  der  Xame  Hartmann  erscheint  neben  Hart- 
mut zu  Cronberg  mehrfach. 

4.  Waltherus  Franconis  de  Kronberg,  dt.,  20.  XU.  1434  bis  23.  VI. 
1435.  T.  I,  207.  In  Köln  immatr.  im  Jahre  1438  zugleich,  wie  hier,  mit 
dem  Domicellas  Walter  von  Eppstein.     Vgl.  XIX,  5. 

5.  Wickherus  Textoris  (Weber)  de  Cronberg  Mogunt.  dyoc  ,  dt.,  20.  XII. 
1435  bis  23.  VI.  1436.  T.  I,  211.  In  Erfurt  ein  Wicherus  von  Stege 
de  Cr.  1469. 

6.  Johannes  Werderower  (Wetterauer?)  de  Cronberg  dyoc.  Mogunt., 
dt.,  20.  XII.  1435  bis  23.  VI.  1436.    T.  I,  211. 

7.  Nicolaus  Mushert  de  Croenberch  der.  Mogunt.  dioc,  dt.,  14.  VIII. 
1448;  , Mushart«  Bacc.  art.  26.  I.  1450.  T.  I,  256.  Lieent.  art.  18.  III  1452. 
T.  II,  391.     Zu  Erfurt  ein  N.  Munszhart  1453. 

8.  Johannes  de  Cronenberg  13.  I.  1464.  Bacc.  art.  v.  mod.  18.  I. 
1466.  T.  I,  309.  Lieent.  in  artibus  5.  HI.  1469.  Joh.  Amsteg  de  Cronnberg, 
deterra.  5.  feria  post  Judica  (23.  HI.)  1469.    T.  II,  404. 

9.  Petrus  Strydel  de  Cronenberg  Mogunt.  dioc.  14.  XI.  1475.  T.  I,  348. 
Zu  Erfurt  immatr.  Petrus  Tridell  de  Kronberg  (P.  Stridel)  1472. 

10.  Johannes  Koufleib  de  Kronberg  17.  IV.   1477.    T.  I,  353. 

11.  Johannes  Körper  de  Kronbergk  der.  Mogunt.  dioc.  8.  X.  1486. 
T.  I,  384. 

12.  Johannes  Willau  (Wallau)  de  Cronberg  Magunt.  dyoc.  5.  V.  1490. 
T.  I,  396. 

13.  Johannes  Kronenberg  fehlt  in  der  Matrikel,  ist  aber  als  Bacc.  v.  art. 
16.  XI.  1454  von  T.  II,  876  notiert,  hat  also  etwa  1452  die  Universität 
bezogen. 

XI.   Dalheim  (Thalheim):  1  (1498). 

Dom.  doctor  Joannes  de  Dalheym  Trever.  dioc.  23.  VI.  1498.  T.  I, 
429.  Joannes  de  Dahlheira,  iur.  utriusque  doctor,  praepositus  Wctzlarieusis, 
metropolitanae  Colon.,  CoUeg.  B.  Mariae  Virginis  Mogunt.  et  in  monte  Franco- 
furti,  ibidem  ad.  S.  Bartholom,  necnon  D.  Petri  in  Saltza  Canonicus,  Mogunt. 
maioris  Vicarius,  Kanzler  des  Erzbischoffs  zu  Mainz  1500  —  1509  und  1514  bis 
1516;  t  im  Dezember  1516.  Gudenus,  Syll.  S.  536  ff.  Daselbst  auch 
die  Grabschrift,  in  der  es  heisst :  Joh.  Dalheym  ex  Comberg  [Camberg].  Nach 
Thorbecke,  Anm.  282  zu  S.  102  (S.  89*)  hatte  er  seine  Grade  zu  Siena  in 
Italien  (Diplom  von  6.  III.  1497j  erworben. 


125 

XII.    Dem:  1  (1402). 

Crafto  (lo  Dorn  caDouicus  Lymborgenis,  dt,  23.  VI.  big  20.  XI.  1402. 
T.  I,  87.  Aus  dem  Geschlecht  der  Freien  von  Dern,  aus  dem  die  Limburger 
Chronik  einen  Kölner  Domherrn  Graft  im  Jahre  1367   erwähnt.    Wysa  S.  56. 

XIII    Dernbach:  1  (1402). 

Wigandus  de  Dernbach  canonicus  Mogunt.,   dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII. 
l-i02.    T.   I,  87.      Aus  dem  Geschlecht  der  von  Dernbach;    Arnoldi,  Miscell. 
S.  239.     Er  ist  bei  Joannis  II,  351  als  Canonicus  maioris  eccles.  Mog.  1399 
verzeichnet  und  starb  1427.     Zu  Erfurt  immatr.  1400. 
Dietkirchen  s.  Miehlen. 

XIV.    Diez:  5  (1415-1497). 

—  Adum  de  Emprade  s.  Irmtraut. 

1.  Wigandus  Kesmenger  de  Diecz  dyoc.  Trever.,  dt.,  20.  XII.  1414 
bis  22.  VI.  1415.    T.  I,  124. 

2.  Wernherus  deDiecsch  der.  Trever.,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII. 
1427;  Bacc.  art.   ,de  Dyecze"   12.  VII.   1430.    T.  I,  175. 

3.  Theodericus  de  Dyecz,  familiaris  Eberhardi  de  Eppensteyn  et  Jo- 
hanuis  fratris  eiusdem,  dt.,    20.  XII.  1428  bis  23.  VI.   1429.    T.  I,  179. 

4.  Petrus  Laerbecher  de  Dyecz  Trever.  dyoc,  dt.,  20.  XII.  1431  bis 
23.  VI.  1432.  T.  I,  189.  Peter  Lorbecher  Dechant  zu  Diez  6.  V.  1457. 
Steubing,  Topographie  von  Diez,  S.  96. 

5.  Antonius  Dietz  Trever.  dyoc.  4.  VII.  1497.    T.  I,  425. 

XV.   Driedorf:  1  (1387). 
Ileylmannus  de  Dridorf  23.  IE.  bis  22.  VL  1387.    T.  I,  17. 

XVI.    Kloster  Eberbach :  38  (1387-1499),  bis  1522  im  Ganzen  47. 

Es  scheint  zwar  in  der  Matrikel  eine  scharfe  Unterscheidung  von  Eberbach 
und  Ebrach  durchgeführt  zu  sein,  doch  wäre  immerhin  eine  Verwechslung 
beider  an  einer  Stelle  möglich,  wie  sonst  öfter  geschah  (Janauscheck,  origo 
Cister  I,  20). 

Die  am  Anfang  mehrmals  genannte  domus  S.  Jacobi  war  das  an  der 
Stelle  des  Jakobsstiftes  von  Kurfürst  Ruprecht  im  Jahre  1389  neu  erbaute 
Haus,  in  welchem  studierende  Cisterzienser-Mönche  wohnten  und  das  coUegium 
Jacobiticum  bildeten;  es  stand  unter  Aufsicht  des  Abtes  von  Sehönau  und 
w^urde  der  Universität  im  Jahre  1394  einverleibt.  Hautz,  Geschichte  der 
Univ.  Heidelberg  I,  184  tf.;  Thorbecke,  Gesch.  der  Univ.  Heidelberg  I,  20). 

Die  Eberbacher  Mönche  lagen  damals'^)  den  Studien  eifrig  ob;  in  dem 
Zeitraum  von  1387  bis  1500  sind  38  Scholaren  von  dort  zu  Heidelberg  imma- 

'-)  Über  das  Aufkommen  wissenschaftlioher  Beschäftigung  bei  den  Cisterziensern  siehe 
Bär,  Geschichte  der  Abtei  Eberbach  I,  6.36;  II,  367  ff. 


126 


2.  Fr.    Johannes    provisor    domus   3.   Jacobi    de 
Eberbacco 

3.  Fr.  Nicolaus  de  Ebirbaco 


trikuliert  worden,  nachher  —  bis  1522,  wo  der  Besuch  der  Universität  auf- 
hörte — ,  noch  neun,  sodass  sie  im  ganzen  die  Zahl  47  erreichten ;  wir  haben 
auch  die  letzten  am  Schlüsse  noch  zugefügt,  obgleich  sie  über  unsern  Plan 
hinausgehen.  Wie  hoch  man  die  litterarische  Bildung  anschlug,  beweist  der 
Umstand,  dass  schon  vorher  Jakob  von  Eltville  (Abt  von  1371  bis  1392)  zu 
Paris  (nicht  zu  Heidelberg,  wie  die  Abtschronik  bei  Roth  I,  3,  107  sagt)  studiert 
hatte,  ein  andrer,  Johann  (No.  8)  es  bis  zum  Professor  theologiae  brachte  und 
sieben  Abte  ihre  Studien  zu  Heidelberg  gemacht  hatten. 

I.  Thomas  de  Everbacho  religiös,  professus  ordinis  Cisterc.  17.  XI.  1386 

bis  23.  HI.  1387.    T.  I,  12. 

'  dederunt ;   studentes 

in   S.  Jacobo    extra 

muros      Heydelber- 

genses.  13.  EH.  bis  23. 

VI.  1391.    T.  I,  49. 

4.  Nicolaus  Steg  de  Ebirbaco  de  domo  s.  Jacobi,  dt.,  23.  VI.  bis  19. 
XII.   1394.    T.  I,  57. 

5.  Johannes  de  Ebirbaco  ord.  Cisterc,  dt.,  20.  XH.  1395  bis  23.  VI. 
1396.    T.  I,  61. 

6.  Fr.  Nicolaus  de  Erbach  Cisterc.  ord.,  dt.,  20.  XH.  1415  bis  23.  VI. 
1416.  T.  I,  128.  Wohl  der  Abt  Nicolaus  Cubensis  1436  bis  1442.  Roth, 
fontes  I,  3,  87.  110.  20.  (f  10.  HL);  Bär,  dipl.  Geschichte  der  Abtei  Eber- 
bach, I,  143. 

7.  Abel  de  Limburg  professus  monasterii  Eberbacensis  Magunt.  dyoc, 
dt.,  20.  XU.  1418  bis  23.  VI.  1419.  T.  I,  143.  Er  starb  als  Prior  1460. 
Roth   I,  3,  59. 

8.  Fr.  Johannes  de  Erbach,  dt.,  20.  XII.  1421  bis  23.  VI.  1422;  Bacc. 
art.  28.  I.  1424.  T.  I,  155;  Licent.  art.  im  März  1425,  in  art.  magister  prae- 
sentatus  ad  cursum  legendum  1428  mense  Julii  circa  festum  s.  Petri  et  Pauli, 
principavit  autem  eodem  post  octavam  nativitatis  Mariae,  aufgeführt  in  den 
Promotiones  in  facultate  theologiae.  T.  II,  376,  592.  Im  liber  aoimarum 
heisst  es:  VH.  Kai.  Jul.  [25.  Juni]  obiit  Joes  dictus  Bramhardt  ss.  theo). 
Professor  eximius  confrater  noster.    Roth   I,  3,  39. 

9.  Fr.  Petrus  professus  in  Everbaco,  dt.,  20.  XII.  1425  bis  22.  VI. 
1426.    T.  169. 

10.  Fr.  Sifridus  de  Erbach  Mag.  dyoc,  dt.,  20.  XH.  1430  bis  23.  VI. 
1431.    T.  I,  185. 

II.  Fr.  Johannes  de  Franckfordia,  f  14.  HI.  1473. 
Roth  I,  3,  4.  21.     (Druckfehler  1413.) 

12.  Fr.  Rieh  w  in  US  de  Lorch,  wohl  der  Abt  1456 
bis  1461  (Roth  I,  3,  54.  87.  111;  Bär  a.  a.  0.  giebt  als 
Todesjahr  1471  an)  oder  fr.  R.  f  10.  H.  1471.  Roth 
I,  3,   15. 


professi  in  Eberbaco 

dioc.  Magunt.  dt.,  23. 

VI.  bis  20.  XII.  1436. 

T.  I,  213. 


127 

13.  Fr.  Stephanus  de  Sancto  Goware  professus  in  Eberbach,  dt.,  20. 
XII.  1436  bis  29.  V.  1437.  T.  I,  215.  Ein  St.  de  S.  Goare  ira  liber.  anim. 
unter  dem  26.  X.   1479.    Roth  I,  3,  53. 

14.  Petrus  de  Maguncia  professus  in  Erbach,  dt.,  19.  XII.  1439  bis 
23.  YI.  1440.    T.  I,  226. 

15.  Reinoldus  de  Rudensheim  professus  in  Eberbach,  dt.,  23.  VI.  bis 
19.  Xn.  1444.    T.  I,  243. 

16.  Fr.  Johannes  de  Biedekapp    \  professi    in    Eberbaco    23.    VI.    bis 

17.  Fr.  Johannes  de  Linburg        /  20.  XU.    1451.    T.  I,  268. 

18.  Fr.  Thilmannus  professus  in  Eberbaco  Magunt.  dyoc.  20.  XII.  1451 
bis  23.  VI.  1452.    T.  I,  270. 

19.  Fr.  Petrus  Rithausen  professus  in  Eberbach  20.  XII.  1453  bis 
22.  VI.  1454.    T.  I,  277. 

20.  Fr.  Johannes  Aschaffenburch   de  Eberbacho  23.  IV.  1457.    T.  I,  288. 

21.  Jacobus  Mathie  professus  )  in    Eberbacho    23.  VI.   bis  27.  XI. 

22.  Conradus  Selbstman  professus  j  1460.    T.  I,  303. 

23.  Fr.  Fridericus  de  Saulneni  professus  in  Erbach  9. — 24.  VII.  1464 
T.  I,  310.  Zu  dem  Todestage  eines  Fridericus  de  Sawelnheim  (Sauweinheim) 
(28.  IV.)  bemerken  die  zwei  libri  anim.  bei  Roth  I,  3,  7.  u.  29:  quondam  prior 
et  s.  theologiae  liccentiatus. 

24.  Johannes  Rudesheim,  wohl  Abt  Joh.  R.  dictus 
Edelknecht  1482—1499.  Roth  I,  3,  51.  (25.  m.),  113. 
172.     Nach  Bär  a.  a.  0.  Abt  von  1485-1499. 

25.  Johannes  de  Burbadia,  wohl  Abt  1475  bis 
1482.     Roth  I,  3,  58  (12.  XH.),  87.  112. 

26.  Johannes  de  Colonia.  Ein  Joh.  de  Col.  f  25. 
III.  1491  oder  1497.    Roth  I,  3,  5.  24. 

27.  Fr.  Sifridus      | 

„      „  professi  in  Erbach    15.  V.  1477.    T.  I,  3o3. 

28.  Fr.  Heinricus)   ^ 

29.  Sebastianus     ^ 

Ort    T   i,  l    omnes   tres   professi    in  Erbach    ordin.    Cistercicns. 

30.  Johannes  >  ^     _ 

^,    „     ,.  f  8.  VI.  1480.     T.  I,  364. 

31.  Martinus  J  ' 

Martin  ist  wohl  Martinus  Riffling  von  Boppard,  Abt  von  1499 — 1506. 
Roth  I,  3,  172.     t  4.  X.  1506.    Ib.  51.  Bär,  a.  a.  0. 

32.  Johannes  Ribysen  ) 

J  professi  in  Erbach    4.  L  1485.     T.  I,  378. 

33.  Hermannus  Funck) 

34.  Fr.  Nicolaus  de  Altavilla,  wohl  der  Abt  1506  1  Magunt,  dioc,  Er- 
bis  1527.   Roth  I,  3,  35.  116.  [.  bacenses     22.    VII. 

35.  Christmannus  de  Wiesbaden.  J     1489.    T.  I,  394. 
Christmann  ist  mehrfach  in  der  Visitationschronik  bei  Roth  I,  3,  176  ff. 

genannt,  wie  1512  S.  181    und  1515  S.  179   (falschlich  Christianius  gedruckt). 


professi   in    Erbach 

14.  V.  1470. 

T.  I,  329. 


Der  Todestag  war  der  21.  August. 


128 

36.  Fr.  Johannes  Sutoris  de  Sancto  Goare  ^  Dioc.  Mogunt.  pro- 
t  28.  n.  1510.  Roth  I,  3,  19.  Er  war  oft  bei  Visi-  [  fessi  in  Eberbach 
tationen  thätig.  f        10.  IV.  1494. 

37.  Fr.  Johannes  Sartoris  de  Heydelberga.  J  T.  I,  410. 

38.  Jacobus  Gregorii  de  Eberbach  professus  eins  monasterii  IX.  Kai. 
Nov.  (24.  X.)  1499.     T.  I,  434. 

Im  16.  Jahrhundert  besuchten  ausserdem  folgende  Eberbacher  Mönche 
die  Universität  Heidelberg: 

1.  (39.)  Caspar  Bacharach  1      professi   in   Erbach    12.  V.  1504. 

2.  (40.)  Johannes   Wyszbaden  )  T.  I,  452  f. 

Joh.  wurde  Prior  des  Klosters,  vielfach  verwendet  zu  Visitationen  und 
starb  17.  IV.  1535.     Roth  I,  3,  27.   176.  179  u.  s.  w. 

3.  (41.)  Jacobus  de  Erbach  ord.  s.  Bernhardi  die  solis  6.  Kaleudas 
Maij  (26.  V.)  1506.     T.  I,  459. 

4.  (42.)  Fr.  Petrus  Erbach  ord.  Cist.  11.  Apr.  1510.     T.  I,  475. 

5.  (43.)  Johannes  ex  Kiderich  professus  in  Erbach  Mog.  dyoc.  28.  IV. 
1510.     T.  I,  480. 

6.  (44.)  Fr.  Nicolaus  de  Kuderich  professus  in  Ebberbaco  dioc.  Magunt. 
26.  IV.  1514.     T.  I,  495. 

7.  (45.)  Fr.  Petrus  Hattenheym  ex  monasterio 
Eberbaeensi  ord.  Cist.  Mogunt.  dioc. 

8.  (46.)  Fr.  Laurentius  Dornheini  ord.  et  dioc. 
eorundem.  Er  wurde  im  Jahre  1527  Abt  und  starb 
1535.     Roth  I,  3,   120. 

9.  (47.)  Fr.  Georgius  Marck  de  Eyberbach  ord.  Cist.  10.  VII.  1522. 
T.  I,  532. 

XVII.  Elkerhausen:  1  (1441). 

Henricus  de  Elkerszhusen,  dt.,  23.  XII.  1441.  T.  I,  232.  Er  war  im 
Gefolge  des  Grafen  Adolf  von  Nassau. 

XVIII.  Eltvüle:  16  (1382-1494). 

1.  Marquiliuus  de  Elteville  Mag.  dioc.  22.  VI.  bis  10.  X.  1387.  T.  I,  21. 
Eiu  Priester  Merkeliu  von  Eltvil  zu  Frankfurt  1402  bei  Würdtwein,  dioc. 
Mog.  U,  559. 

2.  Johannes  Berthof  de  Altavilla,  dt.,  20.  XL  bis  16.  XU.  1389. 
T.  I,  39. 

3.  Petrus  de  Altavilla  Magunt.  dioc,  dt.,  10.  VI.  bis  16.  XII.  1391. 
T.  I,  47. 

4.  Johannes  de  Eltvel  Magunt.  dyoc,  dt.,  23.  VI.  bis  19.  XÜ.  1394. 
T.  I,  57.  Ein  Juh.  de  Eltvil  Canonicus  cccl.  colleg.  S.  Petri  zu  Mainz  1405 
bis  1428.  Mscr. 


22.  VI.  1518. 
T.  I,  514. 


129 

5.  .Johannes  Melpecheyr  de  Altavilla,  at,  20.  XII.  1400  bis  23.  VI. 
1401.     T.  I,  78.     Melbach  in  der  Wetterau. 

6.  Conradus  Conrad!  de  Altavilla  Magunt.  dyoc,  dt.,  20.  XII.  1406 
bis  23.  VI.  1407.     T.  I,  102.     Vgl.  No.  7. 

7.  Conradus  de  Eitfelt  Magunt.  dyoc,  dt.,  20.  XII.  1415  bis  23.  VI. 
1416.  T.  I,  127.  Ein  Conradus  war  1439  Scholaster  zu  S.  Mauritius  in  Mainz. 
Gudenus  HI,  947. 

8.  Petrus  de  Eltfel,  p.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1446.     T.  I,  250. 

9.  Adam  de  Eltvil  ] 

,n    A'-     1  A     T.U  •,        8-  I-  ^'^  23.  VI.  1450.     T.  I,  262. 

10.  ^icolaus  de  Eltvil     j 

11.  Petrus  Schurgenal  de  Eitfelt  9.  X.  1467.  T.  I,  322.  Canouicus 
eccl.  coli.  S.  Petri  zu  Mainz.  1482 — 1513  Mscr.  Auch  1508  ist  ein  Schurrge- 
nagel  (Schergenagel,  Schürgenagel)  in  der  Matrikel  verzeichnet. 

12.  Johannes  Mengasz  de  Altavilla  Magunt.  dyoc.  21.  V.  1472.  T.  I,  337. 

13.  Conradus  Eldfelt  Magunt.  dioc.     18.  IX.  1485.     T.  I,  380. 

14.  Petrus  Kleer  de  Eldtfelt  Mog.  dioc.  19.  X.  1486.  T.  I,  384.;  De- 
canus  eccl.  colleg.  ad  s.  Victorem  1500 — 1520.     Joannis  II,   629. 

15.  Johannes  Hoingen  de  Elfelt  Mog.  dyoc.  30.  V.  1487.  T.  I,  .387. 
Bacc.  art.  v.  ant.   „Hongen«  27.  V.  1490.     T.  I,  387. 

— •  Fr.  Nicolaus  s.  Eberbach  No.  34. 

16.  Nicolaus  Lucie  de  Eidfeld  dioc.  Mogunt.  16.  11.  1494.  T.  I,  409. 
Ein  Kaplan  gleichen  Namens  von  S.  Nicolaus  zu  Eltville  1482,  1490,  1492 
und  1496,  bei  Roth  I,  1,  265  ff. 

XIX.    Eppstein:  7.  (1415-1447). 

1.  Johannes  Eppstein  der.  Mogunt.  dioc,  dt.,  20.  XII.  1414  bis  22.  VI. 
1415.     T.  I,  124. 

2.  Eberhardus  de  Eppensteyn  1 

^    ,    ^  r    .  j  l  fratres  dederunt  1  Flor.  20.   XII.  1428 

3.  Johannes  frater  eiusdem       .  ^.^  ^^    ^^    ^^^9.     T.  I,  179. 

4.  Wernerus  J 

Diese  drei  Herrn  von  Eppstein  hatten  vorher  mit  zwei  Brüdern  die  Fni- 
versität  Köln  besucht,  wo  sie  1425  immatrikuliert  wurden;  Werner  leistete 
damals  wegen  seines  jugendlichen  Alters  keinen  Schwur.  Sie  waren  die  Sühne 
von  Godfrid  VIH,  1389 — 1417.  Eberhard  muss  frühe  gestorben  sein.  Johann 
wurde  Canonicus  eccl.  maioris  zu  Mainz  und  Propst  zu  S.  Bartholom.  in  Frank- 
furt, starb  vor  1480.  Werner  starb  als  Herr  von  Ziegenberg  1462.  Joannis, 
rer.  Mog.  H,  355;  Wenck,  Geschichte  der  Dynasten  von  Eppstein  II,  63. 

5.  Domicellus  Walter  de  Eppenstein,  zugleich  mit  Waltherus  Franconis 
de  Kronberg,  20.  XII.  1434  bis  23.  VI.  1435.  Im  Jahre  1438  zu  Köln,  eben- 
falls mit  Walther  von  Kronenberg,  immatrikuliert.  Dieser  Umstand,  sowie  der 
Cronberger  Name  Walther  lässt  auf  besondere  Freundschaft  der  beiden  Häuser 
sehliessen,    welche    durch   die   Vermählung    der  Anna    von    Crouberg    mit   dem 


130 

jüngeren  Bruder  Gottfrieds  VIII.  von  Eppstein,  Eberhard  (f  um  1443)  herbei- 
geführt war.  Vielleicht  iat  Walther  der  Sühn  Eberhards  gewesen,  der  von 
1434  und  1468  vorkommt. 

6.  Johannes  de  Eppensteyn  der.  Mog.,  dt.,  19.  XII.  1439  bis  23.  VI. 
1440.     T.  I,  226. 

7.  Johannes  de  Eppensteyn,  Mogunt.,  p.,  20.  XTT.  1446  bis  23.  VI. 
1447.     T.  I,  252. 

*XX.    Erbach:  1  (1433). 

Es  ist  wenig  wahrscheinlich,  dass  das  kleine  Erbach  im  Rheingau  eine 
so  stattliche  Anzahl  von  20  Scholaren,  als  die  Matrikel  mit  oder  ohne  den 
Zusatz  Mogunt.  dioc.  aufführt,  nach  Heidelberg  entsandt  hat;  die  grössere  Zahl 
werden  wir  dem  Erbach  im  Odenwalde  zuweisen  müssen,  doch  ist  die  Ent- 
scheidung schwer  oder  unmöglich ;  das  Beispiel  des  nahegelegenen  Eltville  und 
des  Klosters  Eberbach  konnte  sehr  wohl  auf  Erbach  ansteckend  wirken.  Wir 
wollen  deshalb  wenigstens  einen,  der  sicher  hierher  gehört,  aufnehmen: 

♦Petrus  Kemel  de  Erbach,  dt.,  23.  VI.  bis  19.  XLL  1433.  „Kijmel"  Bacc. 
arl.  31.  I.   1435.    T.  I,  199. 

XXI.    Flörsheim:   3  (1424-1447). 

1.  Eberhardus  Fallschoszel  de  Vluerszheym  der.  Mogunt.  dyoc,  dt., 
23.  VI.  bis  20.  XII.  1424.     Bacc.  art.  11.  VE.   1426.     T.  I.   163. 

2.  Nicolaus  Guthen  de  Flershein  Mag.  dyoc,  p.,  20.  XII.  1446  bis 
23.  VI.  1447.     Bacc.  ar^  28.  VII.  1449.     T.  I,  251. 

*3.  Petrus  Sculteti  de  Flerszhem;  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1447.  T.  I,  254. 

XXII.  Geisenheim:  14  (1387—1488). 

1.  Johannes  Brentsberg  de  Giesenheim  23.  III.  bis  22.  VI.  1387. 
T.  I.   17. 

2.  Johannes  Gysenheira  Magunt.  dyoc,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1394. 
T.  I,  57.  Ein  Joh.  de  G.  war  Canonicus  eccl.  S.  Petri  zu  Mainz  und  f  1431.  Mscr. 

3.  Johannes  Enghas  de  Gyesenhem  Mag.  dyoc,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII. 
1394.  T.  I,  57.  Der  Altarist  S.  Michael  zu  Geisenheim  Joh.  Engass  1413 
bei  Zaun,  Landkapitel  Rheingau  S.  260. 

4.  Emericus  de  Geysenheim,  dt.,  20.  XU.  1498  bis  23.  VI.  1499.  T.  I,  69. 

5.  Albertus  de  Gesenheym,  st.,  20.  XII.  1400  bis  23.  VI.  1401.  T.  I,  79. 

6.  Johannes  Waldecker  de  Gysenheim,  dt.,  23.  VI.  bis  15.  IX.  1401. 
T.  I,  81.  Ein  Sifrid  Waldecker  war  1421  Schultheiss  zu  Geisenheim.  Würdt- 
wein  U,  270. 

7.  Petrus  Gysenhemmer,  dt.,  26.  IX.  bis  20.  XII.   1401.     T.  I,  83. 

8.  Johannes  Waldich  de  Ghysehem,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1431. 
T.  I,   187. 


23.   VI. 

bis  20. 
Xn.  1418. 
T.  I,  140. 


131 

9.  Nicolaus  de  Gysenheim  der.  Mag.  dyoc,  st.,  20.  Xu.  1431  bis  23.  VI. 
1432.     T.  I,  189. 

10.  Petrus  Lapicida  der.  Mog.  dyoc.  de  Gysenheim,  dt.,  23.  VI.  bis 
20.  xn.  1434.  T.  I,  264.  Der  Steinmetz  Mdster  Niclas  1518.  Zaun,  Land- 
kapitd  S.  245. 

11.  ConradusdeGyszenheim,  p.,  20.  xn.  1440bis23.VI.  1441.  T.  1,229. 

12.  Reinhardus  Eberh.  de  Gyshem,  dt.,  23.  VI.  bis  19.  Xn.  1444.  T.  I,  243. 

13.  Johannes  Sartoris  de  Gisenheim  der.  Mogunt.  3.  X.  1459.    T.  I,  299. 

14.  Johannes  Wel  des  Geisenheim  dioc.  Mog.  13.  X.  1488.  Bacc.  art. 
V.  mod.  13.  I.  1490.  T.  I.  301.  Ob  =  Joh.  Wdler,  Decan  zu  WallufT  am 
Anfang  des  16.  Jahrhunderts?     Zaun  S.  80. 

XXIII.  Vollraths  zu  Greiffenklau :  3  (1418-1444). 

1.  Henricus  Griffencia  canonicus  ecclesiarum  Magunt. 
et  Trever.,  dt.  Im  Jahre  1410—1444  Präfekt  des  Eichsfeldes 
und  Provisor  von  Erfurt,  1450  Dekan  des  Domstifts  zu  Mainz. 
1439  auch  Archidiaconus  S.  Petri  Trever.,  legte  1455  seine  Ämter 
nieder  und  widmete  sich  dem  klösterlichen  Leben;  f  6.  V.  1462. 
Joannis  II,  303.  363;  Brower,  Metr.  156;  Humbracht. 

2.  Johannes  Griffencia,  frater  praedicti,  Canon,  eccl. 
Trever.  dt..  Er  war  1429 — 1462  Archidiaconus  zu  Longwy. 
Brower,  Metr.  167. 

3.  Eberhardus  Griffencia  de  Volrat,  dt.,  11.  IL  bis  21.  in.  1444. 
Canonicus  zu  Mainz  und  Amtmann  zu  Bingen,  1457,  nach  Humbracht  auch 
Canonicus  zu  Utrecht;  f  16.  X.  1489.     Joannis  II,  363. 

*XXIV.  Griesheim:  1  (1431). 
♦Nicholaus  de  Grieseym,  p.,  23.  VL  bis  20.  Xn.  1431.     T.  I,  188. 

XXV.  Hachenburg:  7  (1387-1457). 

1.  Johannes  de  Hachenberg,  p.,    10.   X.  bis    16.  *XIL  1387.     T.  I,  23. 

2.  Johannes   j  de  Hachenbergh  Colon,  dyoc.   16.  Xn.   1387  bis  19.  m. 

3.  Petrus        j  1388.     T.  I,  27. 

4.  Roricus  de  Hachenberg,  dt.,  20.  X.  bis  20.  XH.  1401.     T.  I,  85. 

5.  Johannes  Hachenberg,  dt.,  20.  Xn.  1428  bis  23.  VL   1429.  T.  I,  180. 

6.  Petrus  Hachenberg,  der.  Colon.  11.  XL  1455.  T.  I,  283.  Bacc. 
art.  V.  ant.  9.  XI.  1456.  T.  I,  283.  Licent.  in  art.  v.  ant.  Petrus  de  Hacken- 
burch,  p.,  16.  VIH.,  determ.  22.  VUI.  1458.     T.  II,  397. 

7.  Johannes  Guntteri  de  Hachenburch,   31.  X.  1457.     T.  I,  290. 

XXVI.  Hahnstätten:  1  (1420). 

Henricus  de  Hoensteten  Trever.  dioc,  p.,  20.  XH.  1420  bis  23.  VL 
1421.     T.  I,   150. 


132 

XXVII.  Hallgarten:  1  (1440). 

Johannes  de  Haigart  dyoc.  Mogunt.,  dt.,  23,  VI.  bis  20.  Xu.  1440. 
T.  I,  229. 

XXVIII.  Hartenfels:  1  (1447). 

Johannes  de  Hartenfels  der.  Mag,  (?)  dioc,  dt,,  1.  IX.  bis  20.  XII.  1417. 
T.  T,  135.     Hartenfels  lag  in  der  Trierer  Diözese. 

XXIX.  Hasselbach:  1  (1415). 

Ilenricus  Ilaselbach  der.  Trever.  dyoc.,  dt.,  22.  VI.  bis  20,  XII,  1415. 
T.  I,  12(3. 

XXX.    Hattstein:  2  (1417,  1472). 

1.  Ilenricus  de  Ilatzstein  pastor  in  Erlebach;  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII. 
1417.     T.  I,   135. 

2.  Johannes  de  Ilatstein  dioc.  Mag,  30,  VI.  bis  4.  VII.  1472,  Bacc. 
art.  V.  aut.  28.  V.  1474.  T.  I,  338.  Ob  der  Canonicum  zu  Mainz  1478  bis 
1518?     Joannis  U,  3G7. 

*XXXI,  Heftrich:  1  (1462). 

*Henricus  Genzier  de  Ilert'tr(ich?)  canon.  et  pa.stor  promotus  est  ad 
gradum  bacc.  in  iure  canon.  5.  X.   1462.     T.  II,  51G. 

*XXXII,  Herborn:  1  (1391). 

Conradus  de  Ilerborn  Trever.  dioc,  dt,,  10,  X.  bis  IG.  XII.  1391. 
T.  I,  47.  Vielleicht  Conr.  von  IL,  der  1409  zu  Köln  als  Dr.  med.  immatri- 
kuliert wurde  und  aus  dem  luxemburgischen  Horborn  zu  stammen  scheint, 
oder  aus  Limburg  a.  d.  Lahn,  wo  es  einen  Joh.  v.  Herborn  am  Ende  des 
Jahrhunderts  gab.     Vgl.  Limb.  Chron,   102,  1,  Wyss. 

XXXIII.  Hessloch:   1  (1396). 

Bertholdus  Sraol  pastor  in  Ileslach  Mag.  dyoc,  p.,  20.  XIL  1396  bis 
23.  VIL  1397,     T.  I,  64, 

XXXIV,  Hirzenhain:  1  (1477). 

Martinus  Doleatoris  de  Hirzenhain  Trever.  dyoc  8.  V.  1477.  Bacc 
art.  v.  mod.  G.  VH.  1478.     T.  I,  356. 

XXXV.  Hochheim:  1  (1494), 
Johannes  Steynchin  de  Ilocheym  G.  IX.   1494.     T.  I,  412. 

•XXXVI.  Höchst:   9  (1448—1487), 

*1.  Adam  de  Ilue.st,  dt.,  20,  H.  bis  23.  VI,  144G;  Bacc  art.  „Tlo.st" 
19.   [.    1448.     T.  24.S. 


I3ä 

*2.  Petrus  i^rp  de  Höchst  Mag.  dioc.  25.  YI.  1455.  ^Erpff"  Bacc. 
art.  V.  mod.  26.  I.  1457.     T.  I,  282. 

*3.  Johannes  Herpf  de  Hoest,  13.  V.  1466.  Bacc.  art.  v.  mod.  19.  I. 
1468.  T.  I,  318.  Licent.  art.  16.  III,  1472;  Joh.  Pistoris  al.  Erpff  de  Hoest, 
determ.  17.  IH.     T.  H,  406. 

*4.  Heinricus  Pistoris  de  Hoest,  23.  I.  1473,  Bacc.  art.  v.  mod. 
9.  VH.  1474.     T.  I,  339. 

*5.  Johannes  Pistoris  de  Hoest,  11.  I.  1477.     T.  I,  352. 

*6.  Johannes  Steczell  de  Hoest  dyoc.  Magunt.  26.  VII.  1481.  T.  I,  367. 

*7.  Anthonius  Buch  de  Hoest  dioc.  Mag.  21.  II.  1483.  Bacc.  v.  mod. 
6.  VH.  1486.     T.  I,  370. 

*8.  Johannes  Pistoris  de  Hoest  dyoc.  Mog.  20.  X.  1487.  Bacc.  art. 
V.  mod.  Jul.  1491.  T.  I,  388.  Satisfecit  facultati  1492  secunda  feria  post 
circumcisionis  [2.  Jan.]  de  pecunia  in  promotionibus  danda  per  quosdam  libros 
legatos  ad  librariam  facultatis  .  .  .  quodlibetana  Herpf.     T.  II,  389,  Anm.  2. 

*9.  Bernliardus  de  Hoest  fehlt  in  der  Matrikel,  ist  aber  als  Bacc.  26.  I. 
1450  nachträglich  von  Toepke  H,  876  notiert,  hat  also  die  Universität  etwa  im 
Jahre  1448  bezogen. 

y *XXXVII.    Hofheim:  3  (1414-1432). 

1.  Stephanus  Muoschbach  de  Hofeheim  der.  Mag.,  dt.,  30.  XII.  1413 
bis  23.  VI.  1414.     „Hofheira"  Bacc.  art.  Januar  1422.     T.  I,  121. 

2.  Johannes  (de)  Hoffheim,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1427.  Bacc.  art, 
Januar  1429.    T.  I,  175.     Licent.  22.  IH.  1431.    T.  H,  380. 

3.  Reinhardus  de  Hoffem  der.  Mog.,  dt,  20.  XH.  1431  bis  23.  VI.  1432. 
Jloffheim"  Bacc.  art.  28.  I,  1434.    T.  I,  189. 

XXXVIII.  Hohenstein:  1  (1382). 

Johannes  de  Ilohensteyn  Mog.  dyoc,  23  .HI.  bis  23.  VI.  1387.   T.  I,  15. 

XXXIX.  Holzhausen:  1  (1486). 

Mathias  Lang  de  Holtzhusen  Trever.  dyoc,  14.  IV.  1486.  Bacc.  art. 
V.  mod.  14.  I.  1488.     T.  I,  382. 

XL.    Idstein:  8  (1391-1441). 

1.  Gerhardus  de  Echstheen  al.  dictus  de  Wirstorff  [WörsdorfJ,  p., 
10.  X.  bis  16.  XI.  1391.     T.  I,  50. 

2.  Johannes  Yczstein,  20.  XH.  1400  bis  23.  VI.  1401.  „Yxstein*. 
Bacc  art.  14.  I.   1403.     T.  I,  79. 

3.  Johannes  Marquardi  de  Ytsteyn  der.  Trever.  dyoc,  dt,,  20.  XII. 
1403  bis  23.  VI.  1404.     T.  I,  91. 

4.  Petrus  de  Ydichsteyn,  Trev.  dyoc,  dt.,  |  20.   XH.   1403    bis  23. 

5.  Johannes    de  Edichsteyu,    Trev.    dyoc,    dt.,  j     VI.   1404.    T.  I,  92. 


134 

Zu  2.  3.  und  5.  Im  15,  Jahrhundert  waren  mehrere  des  Namens  Johann 
von  Idstein  Geistliche  in  Mainz:  1.  ein  Canonicus  ecel.  colleg,  S.  Petri  1429 
bis  1446;  2.  ein  Joh.  Georg  ebenfalls  Canon,  ecel.  S.  Petri  1430  bis  1455; 
3.  der  Mag.  Joh.  Weissbeider,  zugleich  Doctor  in  medicina,  Canonicus  S.  Stephaui, 
der  im  Jahre  1438  mehrere  Stiftungen  machte.     Msc. 

6.  Jacobus  Uffingin  de  Idstein  der.  Mag.  dyoc,  dt.,  20.  XIE.  1417 
bis  23.  VI.  1418.  T.  I.  139.  üffinghin  erwähnt  Vogel,  Archiv  I,  51  in 
der  Diözese  Trier,  weiss  aber  die  Lage  nicht  anzugeben. 

7.  Henricus  Fabri  de  Ytzstein,  der.  Trever.  dyoc,  dt.,  22.  VI.  bis  20.  XII. 
1424.     T.  I,  162. 

8.  Mag.  Johannes  Rulonis  de  Ytzstein,  can.  ecel.  b.  Bartholomei 
Franckfortensis,  dt.,  23.  XII.  1441.  T.  I,  232.  Er  war  Begleiter  des  Grafen 
Adolf  von  Nassau  in  Heidelberg  und  auch  in  Köln  (Mag.  Joh.  Rullionis)  im 
Jahre  1444. 

XLI.  Igstadt:  2  (1431.    1432). 

1.  Petrus  Sartoris  de  Igstat  Mag.  dioc,  p.,  20.  XU.  1430  bis  23.  VI. 
1431.     „Petr.  Exstat  de  Maguntia"  Bacc.  art.  12.  VII.  1432.     T.  I,  185. 

2.  Hartmannus  Sartoris  de  Igstat,  p.,  13.  VII.  bis  20.  X.  1432.  „H.  de 
Egstat"  Bacc.  art.  31.  I.  1435.     T.  I,  191. 

XLir.  Irin  traut:  1  (1403). 

Adam  de  Ermprade  canonicus  in  Diez,  Trever.  dioc,  dt.,  20.  XII.  1402 
bis  23.  VI.  1403.  T.  I,  89.  Der  Name  Irmtraut  lautete  Ermetrode;  ein  Adam 
aus  dem  Geschlechte  der  Herrn  von  Irmtraut  1416;  in  den  Jahren  1449  und 
1456  ein  Archidiaconus  zu  Dietkirchen.     Arnoldi,  Miscell.  310. 

XLIII,  Katzenelnbogen:  2  (1394.    1411). 

1.  Theodericus  Knebel  de  Catzenellenbogen  Trever.  dioc,  dt.,  23.  VI. 
bis  19.  XH.  1394.  T.  I,  57.  Nach  Joannis  H,  376  im  Jahre  1399  Canonicus 
ecel.  Maioris  et  S.  Albani  zu  Mainz,  Praepositus  S.  Martini  Bingensis  und  B. 
M.  V.  Geismariae;  f  am  9.  XI.  1457. 

2.  Wynandus  Pyner  militaris  der.  Trever.  dyoc,  dt.,  23.  VI.  bis  19. 
XII.  1411.  T.  I,  115.  In  Erfurt  immatrikuliert  1409.  Wygandus  Pyner  de 
Katzenelnbogen  Bacc.  in  iure  canonico  2.  VI.  1416,  Wyg.  Piner  de  Katzen- 
[e]lnboghen  Licent.  in  iure  canon.  6.  III.  1422.  T.  II,  504.  526.  Wyg. 
Pynner  de  K.  Lic.  in  decretis,  Canonicus  zu  Aschaffenburg  1417,  f  20.  IV. 
1437.     Archiv  des  histior.  Ver.  f.  Unterfranken  XXVI,  1.  2.  1882,  S.  203. 

XLIV.  Kernel:  4  (1389-1430). 

1.  Johannes  Kimper  de  Kernel,  p.,  16.  XU.  1389  bis  24.  IIL  1390. 
T.  I,  43. 

2.  Johannes  Weydeman  de  Kemyl  Mag.  dyoc,  dt.,  20.  XII.  1403  bis 
23.  VI.   1404.     T.  I,  91. 


135 

3.  Johannes  Sculteti  de  Kemyn  Mag.  dyoc,  dt.,  20.  Xu.  1403  bis 
23.  VI.   1404.     T.  I,  92. 

4.  Johannes  de  Kernel  Magunt.  dyoc,  dt,,  23.  \L  his  20.  XII.  1430. 
Baec.  art.  28.  I.   1433.     T.  I,  184. 

XLV.  Kettenbach:  1  (1389). 
Nicolaus  de  Kethenbach,  p.,  20.  XI.  bis  20.  XII.  1389.     T.  I,  39. 

XLVI.  Kiedrich:  1  (1387). 
Johannes  de  Kiderich  Mog.  dyoc,  23.  III.  bis  22.  VI.   1387.     T.  I,  17. 

XLVII.  Kirberg:  2  (1424.    1458). 

Bei  der  grossen  Masse  von  Orten,  die  Kirchberg,  Kirberg  heis3en,  können 
hier  nur  die  mit  Treverensis  diocesis  bezeichneten  in  Betracht  kommen;  von 
den  ohne  allen  Zusatz  aufgeführten  mag  wohl  ein  oder  das  andere  Dorf  hier- 
her gehören,  doch  ist  dies  ganz  unsicher.  So  bleiben  nur  zwei  für  uns  zu 
verzeichnen. 

1.  Ludovicus  Rüpel  de  Kirpurg  der.  Trever.  dyoc,  p.,  23.  VI.  bi8 
14.  IX.   1424.     T.  I,  162. 

2.  IlenricusKessellaerKirburgh  dyoc.  Trever.  22.  XII.  1458.  T.  I,  295. 

XLVIII.  Königstein:  3  (1401-1493). 

1.  Nycolaus  Konyngesteyn  [Kunynsteyn]  de  Moguntia,  Bacc.  art.  Erfurd., 
20.  Xn.  1400  bis  23.  VI.  1401,  Bacc.  art.  I.  V.  1401.  T.  I,  78.  Nvc 
Koningestein  die  Lucie  virginis  [13.  XII.]  1404  obtinuit  licentiam  recipere  in- 
signia  magistralia  in  artibus,  quod  et  fecit  tertia  feria  sequente  [16.  XII.  1404]. 
T.  II,  367.  Er  kommt  bald  nachher  als  Canonicus  von  S.  Barthol.  zu  Frank- 
furt vor:  Grotefend,  Quellen  zur  Frankfurter  Geschichte  I,  7  u.  14  (1407  und 
1411);  luventare  des  Frankfurter  Stadtarchivs  I,  26  (1413). 

2.  Conradus  de  Königsteym  der,  Mog.  dyoc,  dt.,  14.  IX.  bis  21.  IX. 
J424.  T.  I,  163.  Conr.  de  Kungensten  Licent.  in  art.  14.  III.  1426,  determ. 
12.  VI.  1426.  T.  n,  377.  In  Erfurt  als  Magister  Conr.  de  Kongenstein  1428 
immatrikuliert. 

3.  Johannes  Cyrurgici  seu  Cyrologi  de  Konigstein  der.  Mog.,  16.  VIII. 
1493.     T.  I,  407. 

Lahnstein  s.  Oberlahnstein. 

XLIX.  Liederbach:   1  (1474). 
Conradus  Michael  de  Lydderbacb,  1.  V.  1474.    T.  I,  343. 

L.  Limburg:  26  (1387—1455). 

1.  Ilartugus  [sie]  de  Limpurg,  Bacc  in  art.,  23.  III.  bis  22.  VI.  1387. 
T.  I,   16.    Vgl.  Prag  IX,  1,  wo  er  Bacc.  in  art.  wurde,  dann  (1385)  Stud.  iuris. 

9* 


136 


Bacc.  in  art. 
[Pragenses] 


12.  IX.  bis 

20.  IX. 

1389. 

T.  I,  36. 


2.  Nycülaus  Super  fossatum  de  Linborch  Trever.  dyoc.  22.  VI.  bis  10. 
X.  1387.  T.  I,  19.  Es  gab  in  Limburg  eine  Grabenpforte.  Limb.  Chronik 
von  Wyss,  S.   103. 

3.  Johannes  de  Lympurg,  10.  X.  bis  16.  XIL  1387.  T.  I,  23.  Viel- 
leicht derselbe,  welcher  zu  Prag  1383  Bacc.  art.  und  zu  Heidelberg  der  vierte 
Bacc.  iuris  wurde.     T.  II,  500. 

4.  Petrus  de  Lymborgh  Trever.  dioc,  13.  XII  1387  bis  10.  III.  1388. 
T.  I,  26. 

5.  Johannes  de  Oleen  vicarius  ecci.  Lim- 
purbgensis  (sie).     Vgl.  Prag  IX,  5.  1387. 

6.  Johannes  Sculteti  de  Limburgh  canon. 
Novl  monasterii  Ilerbipolensis.  Vgl.  Prag  IX,  6. 
1389. 

7.  Gerlacus  Sculteti  de  Limporgh  vicar. 
eccl.  Limpurgensis.     Vgl.  Prag  IX,  7.   1389. 

8.  Ilenricus  dictus  Wijs  de  Limpurgh,  vicarius  eccl. 
3.  Castoris  Confluentie.  —  Im  Jahre  1395  zu  Köln  [1400  zu 
Erfurt?]  immatrikuliert,  Dr.  decret.     S.  Köln. 

Die  Wisse  waren  ein  angesehenes  Geschlecht  zu  Limburg;  der  Vater  des 
genannten  Scholaren  Heinrich  Wiss  (s.  Kölner  Matrikel)  kommt  mehrfach  in 
der  Limb.  Chronik  und  in  den  bei  Wyss  abgedruckten  Urkunden  vor  und 
war  Schöffe.  Vgl.  Wyss,  Limb.  Chron.  S.  102,  Anra.  2,  und  die  Urkunden, 
z.  B.  No.  19  (1380),  IS'o.  31,  36  (1386). 

Ob  die  drei  Brüder  Heinricus,  Johannes  und  Ludiwicus  Wyese, 
die  im  Frühjahr  1390  ebenfalls  zu  Heidelberg  immatrikuliert  wurden  (T.  I,  44), 
auch  hierher  zu  rechnen  seien,  ist  zweifelhaft,  da  die  Angabe  der  Heimat  fehlt. 

9.  Johannes  Lupi  de  Lympurg,  Trever.  dyoc,  dt.,  23.  VI.  bis  19. 
XH.  1394.     T.  I,  57. 

10.  Jacobus  Rasoris  de  Limpurg,  p.,  20.  XH.  1395  bis  23.  VL  1396. 
T.  I,  61.  Ein  Jakob  Scherer  zu  Limburg  im  Jahre  1384  genannt,  wo  seine 
Witwe  ein  Testament  macht.     Wyss,  Limb.  Chr.  S.   135. 

11.  Johannes  Kannengeyser  de  Lympurg,  dt.,  23.  VI.  bis  15.  IX.  1401. 
T.  I,  81.     Ein  Joh.  Contrivasoris  (=  Cantrifusoris)  1403  zu  Erfurt  immatrikuliert. 

—  Craffto  de  Dern  canon.  Lymp.   1402  s.  Dern. 

12.  Philippus  Rasbach  de  Linborg  Trever.  dyoc,  dt.,  20.  XII.  1407 
bis  24.  VL  1408;  Bacc  art.  Ph.  Raschbach  de  Lympurg  27.  L  1410.  T.  I, 
106.     Rasbach  wohl  =  Roszbach  No.  16. 

13.  Eberhardus  Koet  de  Lintburg  Trever.  dyoc,  dt.,  23.  VI.  bis  20. 
XII.  1412.  T.  I,  118.  Die  Köth  von  Wanscheid  waren  damals  zu  Limburg 
„wonhafcig".     Limb.  Chron.  S.   101,  Wyss. 

14.  Wigandus  Hilboldus  de  Lintburg  Trever.  dyoc,  dt.,  20.  XII.  1414 
bis  22.  VI.  1415.  T.  I,  124.  In  Erfurt  immatrikuliert  1413.  Ein  Henne 
Hildebuld  in  einer  Urkunde  von   1382  bei  Wyss,  Limb.  Chr.  S.   132. 


137 

15.  ITonricus  de  Lympurg  clor.  Trcver.  dyoc,  dt.,  19.  XII.  1416  bis 
23.  YI.  1417.  T.  I,  133.  (Bacc.  art.  Uli)?)  Liccnt.  art.  14.  III.  1424. 
T.  ir,  376.  Dokau  der  Artisten  als  Magister  23.  VI.  1432.  T.  11,  381.  Rektor 
der  Universität  als  Baccalarins  in  sacra  theologia  und  Magister,  am  10.  XII. 
1433  erwählt.  T.  1,  199.  Vorher,  am  22.  VI.  1433,  war  er  presentatus  ad 
cursum  legendum  [in  theologia]  et  principavit  in  die  s.  Lamperti  episcopi  et 
martiris  [17.  IX.J,  finivit  cursum  suum  19.  XII.  1434;  anno  1439  in  profesto 
s.  Augustini  finivit  sentencias  totalitär  legendo  [24.  VIII.].  T.  II,  594.  596. 
Vgl.  über  die  theologische  Fakultät  Thorb  ecke,  Geschichte  der  Univ.  Heidel- 
berg I,  S.  109  fF.  Später  (1443?)  verliess  er  Heidelberg  und  wurde  nachher 
Dekan  zu  Limburg.  T.  II,  611,  Anm.  4.  Götze  in  Annal.  XIV,  314  nennt 
einen  Dekan  Heinrich  von  Elz  1447,  der  unser  Heinrich  von  Limburg  sein  kann. 

—  Abel  de  Limburg,  prof.  in  Eberbach  1418.     S.  dieses  No.  7. 

16.  Nycolaus  Roszbach  de  Limborch,  dt.  Ein  Klaus 
Kossbecher  bei  Wyss,  Limb.  Chron.,  S.  141  im  Jahre 
1389,  ein  Emericus  Rospach  S.  144  im  Jahre  1392.  Vgl. 
oben  No.  12. 

17.  Nycolaus  Scholman  de  Limborch,  dt.  Ein 
Bürger  Scholman  zu  Limburg  bei  Wyss  S.  114  im  Jahre 
1429,  ein  Job.  Schulman  de  L.  zu  Erfurt  1416. 

18.  Gerlacus  Wynau  de  Limporch,  dt. 
Wynau  ist  sicherlich  verschrieben  st.  Wylnau  =  Weilnau.     Auch  zu  Diez 

gab  es  eine  Familie  gleichen  Namens;  s.  die  Urkunde  von  1391  bei  Wyss, 
Limb.  Chron.  S.  144,  wo  ein  Diezer  Bürger  Wernher  von  Wilnauwe  und  seine 
eheliche  Hausfrau  vorkommen. 

19.  Hermannus  de  Limborch  Trever.  [dioc  1,  p.  1 

23.  VI.   bis  20. 

20.  Wigandus    Wezimer    de    Limborch    Trever.      [    ""  ^tt  "  i^oq*" 


clcrici  diuc. 

Trever.  1.  II.  bis 

22.  VI.   1426. 

T.  I,  169. 


[dioc],  p.     Von  Watzhan,   1394  Weshau?    Vogel  S.  563.    ,       m    t    ion  x- 

1,    loO  I, 


i3.    f      ^ 

21.  Fridericus  de  Limborg  Trever.  [dioc],  p.  J 
Dass  bei  diesen  dreien  dioc.  zu  Treverensis  zu  ergänzen  ist,  ergiebt  sich 

daraus,   dass  in  diesem  Semester  fast    nur  die  Diözesen  angegeben  sind,   Orts- 
namen durch  den  Ablativ  des  Singular. 

22.  Philippus  de  Lymburg  der.  Trever.  dyoc,  dt.,  15.  VII.  bis  20.  XII. 
1435.     Bacc.  31.  L   1437.     T.  I,  208. 

23.  Johannes    de  Limpurg,    dt.,    10.    V.  bis   22.  VL  1448.     T.  I,    256. 
—  Fr.  Johannes  de  Limpurg  prof.  in  Eberbach  1451.    S.  dieses.  No.  17. 

24.  Petrus  Kruler  de  Limpurg,    8.  IV.    bis    23.  VL  1453.     T.  I,  273. 

25.  CrafftoCleburg  de  Limporg,  8.  IV.  bis  23.  VL  147.^.  T.  I,  294. 
C'leeberg  gehörte  den  Herrn  von  Limburg.  Graft  von  Cleberg  war  1478 — 1481 
Dekan  des  S.  Georgenstifts  zu  Limburg.  Annal.  XIV,  314.  nach  Brower, 
metr.  Tr. 

26.  Severinus  de  Lymburg  accolitus,  20.  IV.  1455.  Bacc.  art.  v.  ant. 
23.  V.   1455.     T.  I,  281. 


138 

LI.  Lorch:  28  (1387—1498). 

Zweifelhaft  sind  eigentlich  alle,  bei  denen  die  Herkunft  aus  der  Diözese 
Mainz  nicht  ausgesprochen  ist;  einige  derselben  dürfen  jedoch  aus  anderen 
Gründen  dem  rheingauischeu  Lorch  zugewiesen  werden;  vgl.  No.  3.  9.  18.  23.  24. 

1.  Johannes  Smancko  de  Lorch  Mag.  dyoc,  22.  VI.  bis  10.  X.  1387. 
T.  I,  21. 

*2.  Nicolaus  Muenster  de  Lorch,  p.,  10.  X.  bis  16.  XIL  1387.    T.  I,  24. 

3.  Heyraannus  de  Lorch,  dt.,  16.  XIL  1389  bis  24.  lU.  1390.  T.  I, 
42.  Ein  Heyman  Knyppe  Bürger  zu  Lorch  1485.  Roth,  fönt.  I,  1,  390.  Vgl. 
No.  11. 

4.  Johannes  de  Lorch  der.  Mog.  dyoc,  dt.,  23.  VL  bis  10.  X.  1390. 
T.  I,  46. 

5.  Wer  n  her  US  (Fabri)  de  Lorch  Mag.  dioc,  10.  X.  bis  11.  XIL  1392. 
Bacc.  art.  24.  VIL  1392.     T.  I,  53. 

*6.  Petrus    de  Lorich,    dt.,   11.  XIL  1392  bis  24.  IlL  1393.     T.  I,  53. 

7.  Hermannus  de  Lorch  1    Mag.  dyoc,   ded.,   23.  VI.  bis  19.  XII. 

8.  Nicolaus  Fabri  de  Lorch  J  1394.     T.  I,  57. 

9.  Johannes  Plecz  de  Lorch,  dt.,  20.  XII.  1396  bis  23.  VL  1397. 
T.  I,  64.  Ein  Dielhey nz  Pletz  1393  Schöffe  zu  Lorch.  Würdtwein,  dioc. 
Mog.  II,  192,  ein  Joh.  Pletze  1428  Priester  und  Altarist  daselbst.  Roth, 
Font.  I,  1,  379. 

*10.  Johannes  Ilebuff  de  Lorch.,  p.,  26.  IX.  bis  20.  XIL  1401.  T.  I,  83. 

11.  Syfridus  Knyp  de  Lorch  der.  Mog.  dyoc,  dt.,  20.  XIL  1401  bis 
23.  VI.  1402.  T.  I,  86.  Ein  Henne  Knyp  von  Bacharach  1395  und  ein  Hey- 
man Knyppe  1485  Bürger  zu  Lorch.  Würdtwein,  dioec  Mog.  II,  231.  Roth, 
Font.  I,'  1,  390. 

12.  Syfridus  de  Lorch  dioc.  Mog.,  dt.,  20.  XIL  1408  bis  22.  VL  1409. 
T.  I,  110. 

13.  Johannes  de  Lorch  cauon.  S.  Anthoni]  [zu  Köln],  dt.,  20.  XH.  1423 
bis  23.  VI.  1424.  T.  I,  161.  Ob  der  1422  zu  Köln  immatrikulierte  Joh.  de  Lorch? 

14.  Cuonradus  de  Lorch  Mag.  dyoc,  dt.,  13.  IL  bis  23.  VI.  1425. 
Bacc.  art.  24.  I.  1428.     T.  I,  165. 

15.  Johannes  de  Lorich  der.  Mag.  dioc,  p.,  21.  VIII.  bis  10.  XII. 
1426.     T.  I,  171. 

*16.  Petrus  Lorich  Maguntinensis,  p.,  20.  XII.  1429  bis  23.  VI.  1430. 
T.  I,   182. 

17.  Hermannus  Hylchin  de  Lorche  couventualis  in  Rabengesburg  Mog. 
dyoc,  dt.,  23.  VL  bis  20.  XH.  1434.     T.  I,  203. 

—  Fr.  Richwin,  s.  Eberbach  No.   12. 

18.  Johannes  Heil  Mag.  dioc,  p.,  22.  IV.  bis  23.  VL  1439.  T.  L  222. 
Ein  Joh.  Heyll  de  Lorch,  in  der  Erfurter  Matrikel   1454. 


139 

19.  Johannes  Behtolfi  de  Lorch  dyuc.  Mog.,  dt,,  23.  VI.  bis   10.  XII. 
1439.     T.  I,  225. 

20.  Johannes  de  Lorch  dyoc.  Mag.,  dt.,  23.  XII.  1441  bis  23.  V.  1442. 
T.  I,  233. 

Bei  keinem  der  eben  verzeichneten  Johannes  de  Lorch  ist  angegeben, 
dass  er  als  Baccalar  Heidelberg  bezogen  oder  es  daselbst  geworden  ist,  wohl 
aber  von  einem  Johannes  de  Lorch,  dass  er  am  7.  März  1443  zum  Licentiaten 
in  artibus  promoviert  wurde  und  am  9.  April  determinierte;  in  den  Jahren 
1444  und  1446  lehrte  er  noch  zu  Heidelberg  als  Magister.  T.  H,  386  ff.  Er 
ist  wohl  der  nachherige  Decanus  zu  S.  Peter  und  Canonicus  zu  Maria  ad  irra- 
dus  in  Mainz  und  Domherr  zu  Worms;  er  wird  ferner  genannt  decretorum 
Doctor,  s.  Mog.  sedis  iudex  et  protonotarius  generalis  und  starb  1476. 
Joannis  H,  498;  Bodmann,  Rheiug.  Altert.  333. 

21.  Conradus  Culman  de  Lorch  der.  Mag.  dioc,  p.,  23.  V.  bis  23.  VL 
1442.     T.  I,  234. 

22.  Petrus  Grell  de  Lorch  dyoc.  Mag.,  dt.,  21.  L  bis  23.  VL  1445.  T.  1, 244. 

23.  Reinoldus  de  Lorch,  canon.  Pingwiensis,  23.  XU.  1448.    T.  I,  258. 

24.  Nicolaus  Bed  de  Lorch,  15.  V.  1470.     Bacc.  art.  v.  mod.  („Sed'') 

9.  Xn.  1472.  T.  I,  329.  Ein  Johann  Bethe,  Altarist  zu  Lorch,  verpfändet 
seine  Weinberge  für  verkaufte  1  Va  fi.  Zins  der  Lorcher  Kirchenfabrik  im  Jahre 
1471.     Roth,  Font.  I,  389. 

*25.  Johannes  Henikap  de  Lorch    19.  V.  1470.     T.  I,  330. 

26.  Fridericus  Eschbach  de  Lorch  Mog.  dioc.  17.  VH.  1475.   T.  I,  346. 

27.  Johannes  Institoris  de  Lorich  Mog.  dioc.  28.  H.  1491.     T.  I,  398. 

28.  Johannes  Folkwin  de  Lorch  Mog.  dioc.  26.  VL  1498.  Bacc.  art. 
v.  ant.  4.  XI.  1499.  T.  I,  429.  Ein  Joh.  Volquin  v.  Lorch  Dekan  des  Stifts 
von  S.  Martin  in  Bingen  im  Jahre  1470.     Weidenbach,  Regesten  S.  47. 

Lir.  Marienstatt:  1  (1428). 
Fr.  Conradus  professus  in  loco  s.  Marie  ord.  Cisterciensis,  dt.,  23.  VI.  bis 
20.  XIL  1428.     T.  I,  178. 

LIII.  Miehlen:  4  (1387-1416). 
*1.  Hermannus  de  Muolen,  23.  HL  bis  22.  VI.  1387.     T.  I,   16. 

2.  Henricus  de  Myelen  can.  s.  Lubentij  in  Dyetkirchen  Trever.  dyoc. 

10.  X.  bis  16,  XH.  1387.  T.  I,  22.  Aus  dem  Gesohlecht  der  v.  Milen  (Mylou), 
von  denen  Arnoldi,  Miscell.  S.  341,  einen  Heinrich  den  Alten  1409  anführt; 
vier  Äbte  des  Klosters  Arnstein  mit  eben  demselben  Namen  s.  Annal.  XVI,  126. 

3.  Henricus  Rychardi  de  Myla  Trever.  dyoc,  dt.,  20.  XH.  1403  bis 
23.  VL  1404.     T.  I,  92. 

4.  Matthias  de  Moelen  der.  Trever.  dyoc,  dt,  20.  XIL  1415  bis  23. 
VI.  1416.  Bacc.  art.  Jan.  1418.  T.  I,  128.  Statt  Milen  findet  sich  im  Nekrolog, 
von  Arnstein  einigemal  Meleu  oder  Meyln. 


140 


LIV.    Mittelheim:  1  (1499). 
Philippua  Furstenberg  ex  Mittelnheim  Mog.  dloc.  3.  V.  1499.  T.  I,  433. 

LV.    Montabaur:  16  (1387—1437). 

1.  Anselmus  Rode  de  Mantebur       "l 

„     ,      ,     „        ,  23.  in.  bis  22.  VI.  1387. 

2.  Henricus  Kode  de  Montabur 


(  T.  I,    16.   17. 

M.J 


3.  CunemannusfiliusConemannide. 

4.  Conradus  dictus  Nuowendorph  de  Montabur,  23.  VI.  bis  10.  X. 
1387.     T.  I,  19. 

5.  Johannes  Lapicida  de  Montebur  Trever.  dy.  bacc.  in  art.  [Pragensis], 
16.  XII.  1387  bis  19.  III.  1388.  T.  I,  26.  Vgl.  Prag  1386.  Derselbe  Name 
zu  Köln   1396. 

6.  Albertus  de  Monteboel,  dt.,   11.  XII.  1392  bis  24.  111.  1393.  T.  I,  53. 

7.  Gerhardus  Heinrici  dicti  8uoren  de  Montabur  Trever.  dioc,  dt.,  20. 
Xn.  1393  bis  23.  VI.  1394.     T.  I,  56. 

8.  Gotfridus  Hulwek  de  Montabur  Trever.  dyoc,  dt.,  23.  VI.  bis  20. 
XII.   1397.     T.  I,  65. 

9.  B  er  wie  US  de  Montebuore  dyoc.  Trever.,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1399. 
T.  I,  70.     Ein  dorn.  Joh.  Berwici  zu  Köln  immatr.   1397. 

10.  Mychahel  de  Montebur  der.  Trever.  dyoc.,  dt.,  23.  VI.  bis  19.  XII. 
1411.     T.  I,  116. 

11.  Johannes  de  Montebuor  der.  Trever.  dioc,  dt.,  19.  XII.  1411  bis 
23.  VI.  1412.  Bacc.  art.  Jul.  1413.  T.  I,  117.  Licent.  Joh.  de  Montabuoren. 
5.  III.  1416.     T.  II,  372. 

12.  Petrus  de  Montenbuor  dyoc.  Trever.,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1413. 
T.  I,  120. 

13.  Johannes  Montebuor  Trever.  dyoc,  p.  '\     20.  XII.  1420 

14.  Wipertus  (de)  Muntebur  Trever.  dyoc,  p.  Bacc.  [  bis  23.  VI.  1421. 
art.  28.  I,   1423.  J         T.  I,  150. 

15.  Petrus  de  Monthabor,    dt.,    1.  VIII.   bis  20.  XII.   1421.     T.  I,  152. 

16.  Johannes  de  Montabor  der.  Trever.  dyoc,  dt.,  22.  VI.  bis  20.  Xu. 
1437.     T.  I,  217. 

LVI.    Nassau:  4  (1387—1483),  je  zwei  aus   der  Stadt  Nassau,  je  zwei  aus  dem  Ge- 
schlecht der  Grafen. 

1.  Arnoldus  Nassau  alias  Confluentinus,  p.,  23.  UI.  bis  22.  VI.  1387. 
T.  I,   17. 

2.  Dilmannus  de  Nassauwe  der.  Trever.  dyoc,  dt.,  13.  II.  bis  23.  VI. 
1425.     T.  I,   165. 

3.  Adolf  US  comes  in  Nassau,  Magunt.  Trever.  et  Colon,  ecclosiarum 
metropolitanarum  cauonicus  23.  XII.    1441.    T.  I,  232.    Rektor  20.  XH.   1442. 


141 

Zu  Köln  immafrikuliert  1444.    Dor  nachhe^i^'e  Erzbischi^f  von  Mainz.     Menzel, 
Gesch.  V.  Nassau,  V,  254  fF. 

4.  Johannes  Ludovicus  comes  de  Nassau  et  Sarbruck  dioc.  Metcnsis. 
27.  VT.  1483.  T.  I,  372.  Über  Graf  Joh.  Ludov.  (1472—1545)  vgl.  Menzel 
VI,  166. 

LVII.    Nastätten:  1  (1442). 

Johannes  Cocl  de  Nasteoden  alias  de  Pigwia  (sie)  clor.  Magunt.  dioc. 
5.  X.  1442.     T.  I,  235. 

*LVIir.    iTaurod:  1  (1387). 

^Andreas  Kern  de  Nürat,  23.  II.  bis  23.  VI.   1387.     T.  I,   16. 

*  LIX.    Oberlahnstein:  1  (1414). 

Johannes  de  Lonestein,  mag.  in  art.  studii  Libiccnsis,  clor.  dioc.  Trever., 
dt.;  receptus  fuit  19.  V.  1414  ad  facultatem  artium  M.  Joh.  Rukeri  de  Lan- 
steyn,  mag.  studii  Lypsk.  T.  I,  121  u.  Anm.  7.  M.  Joh.  de  Laenstein  Bacc. 
in  iure  28.  IX.  1416,  Licent.  iuris  [canonici]  12.  1.  1420.  T.  ü,  504.  525. 
Rektor  22.  VI.  1420.  Am  23.  Juni  1414  bezeugen  die  SchüfFen  in  Oberlahn- 
stein eine  Rachtung  und  Sühne  zwischen  Roecker  dem  Alten,  Meister  [Magister'^] 
Johann  Roecker  und  Katharine,  des  vorgenannten  Ruckers  Kindern  und  ande- 
ren benannten  Personen  v^'egen  Erbstreitigkeiten,  die  Erzbischof  Johann  von 
Mainz  gemacht  hat.     Annalen  des  nass.  Ver.  XV,   168. 

LX.    OflFenbach:  1  (1416). 

Johannes  Herbern  de  Offenbach  prespiter  dyoc.  Trev.,  dt.,  der  erste 
nach  23.  VI.   1416.    T.  I,   129. 

LXI.    Östrich:   7  (1394-1600). 

1.  Helfe ricus  de  Osterich  dyoc.  Mag.,  dt.,  23.  VI.  bis  19.  XII.  1394. 
T.  I,  57. 

2.  Petrus  Schelhauer  de  Osterich  der.  Mag.,  p.,  23.  VI.  bis  20.  XH. 
1395.     T.  I,  59. 

3.  Johannes  Ostrich  canon.  Nahusensis,  dt.,  20.  VIH.  bis  20.  XII,  1396. 
T.  I,  62. 

4.  Henricus  de  Oisterich  der.  Mag.  dyoc,  p.,  23.  VHI.  bis  20.  XII. 
1417.     T.  I,  136. 

5.  Heinricus  Oestrich  dioc.  Mag.,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XH.  1436,  T.  I,  213. 
*6.  Bernhardinus  Oestrich  de  Maguntia  10.  IV.  1476.     T.  I,  348. 

7.  Wendelinus  Ludwici  de  Oesterrych  Mog.  dioc.  3.  H.  1500.   T.  I,  436. 

LXII.    Bauen thal:  3  (1397-1472). 

1.  Dom.  Conradus  dictus  Jagher,  rector  ecclesie  parochialis  in  Ruwen- 
dal  Mag.  dyoc,  dt.,  23,  VI.  bis  20.  XU.  1397.     T.  I,  65. 


142 


2.  Jodocus  Carpentarij 

3.  Johannes  Doliatoris 


de  Rwendail  clor.  dioc.  Mag.  4.  IX.  bis  7.  XII. 

1472.    Beide  Bacc.  art.  v.  ant.  28.  V.  1474. 

T.  I,  338. 


*LXIII.    Reichenberg:  3  (1397-1449). 
*1.  Hermannus  de  Rychenberg,   10.  X.  bis  16.  XII.  1387.   T.  I,  23. 
♦2.  Dom.  Johannes  de  Richenberg,  dt.,  23.  YI.  bis  20.  XII.  1401.  T.  I,  80. 
*3.  Johannes  Couradi  de  Richenberg,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1449.  T.  I,  261. 

LXIV.    Reiflfenberg:  2  (1421.  1471). 

1,  Johannes  RifFenberg  canon.  Magunt.,  dt,  23.  VI.  bis  1.  VIU.  1421. 
T.  I,  152.  Er  ist  wohl  derselbe,  wie  wir  oben  vermutet  haben,  der  1418  zu 
Erfurt  und  1422  in  Bologna  immatrikuliert  wurde.  Nach  Joannis  II,  389  war 
er  seit  1415  Domherr;  er  starb  zu  Bologna.     S.  dort. 

2.  Petrus  de  Riffenberg,  22.  Y.  1471.     T.  I,  333. 

LXV.   Rheingau:  1  (1387). 

Jacobus  de  Maguncia  Maguntinensis,  1386  bis  23.  III.  1387.  T.  I,  11. 
Im  Jahre  1391  am  22.  März  Licent.  in  art.;  nachher  heisst  er  Jac.  Ryngaw 
de  Maguncia.     T.  11,  362  f. 

LXVI.    Rüdesheim:  15  (1388-1480). 

1.  Gyselbertus  Rudesheim,  st.,  23.  VI.  bis  10.  X.  1388.  T.  I,  33.  Ein 
Schultheiss  Giselbert  kommt  zu  Rüdesheim  im  14.  Jahrhundert  vor  in  den 
Güterverzeichnissen  bei  Roth,  Font.  I,  3,  369  u.  413,  ein  Geiselbrecht  Winter 
von  Rudesheim  im  Jahre  1328  in  den  Reg.  Boi.  VI,  261  und  Giselbert  (Fuchs) 
von  Rüdesheim  1281  bei  Küllner,  Gesch.  d.  Herrschaft  Kirchheim-Boland, 
S.  55.  51. 

2.  Wigandus  de  Rudensheym  Mog.  dyoc,  20.  XII.  1403  bis  23.  VI. 
1404.     T.  I,  91. 

3.  Rudolfus  de  Ruodenszheym  der.  Mog.  dioc,  23.  VI.  bis  28.  X.  1422. 
Bacc.  art.  28.  I.  1424.  T.  I,  156.  Licent.  art.  24.  m.  1426.  T.  II,  377. 
Nachher  studierte  er  das  kanonische  Recht,  wahrscheinlich  zu  Rom,  und  wurde 
Doktor  decret.,  als  welcher  er  im  Jahre  1431  in  die  Matrikel  der  Universität 
zu  Köln  eingetragen  ist.  Über  ihn,  seinen  Lebenslauf,  seine  ausgebreitete  Thätig- 
keit  und  geistliche  Würden  (er  brachte  es  bis  zum  Fürstbischof  von  Lavaut 
und  Breslau;  j  im  Januar  1482);  s.  Zaun,  Rud.  von  Rüdesheim,  1881. 

4.  Dom.  Johannes  Rudesheim  prior  ecclesie  Lauricensis  ord.  Premoustr. 
Mog.  dyoc,  dt,  23.  VL  bis  20.  XII.  1423.     T.  I,   159. 

5.  Rudolphus  Ruodensheim  der.  dioc  Mag.,  dt.,  4.  II.  bis  22.  VI.  1426. 
Bacc.  art  R.  de  Rodersheym  14.  VII.  1428.  T.  I,  169.  Licent  art.  Rodulfus 
de  Ruodeszheym  22.  III.  1431,  detcrm.  15.  V.  T.  II,  380.  Mag.  Ruodolfus 
(Fabrij  de  Ruodoschera  incepit  cursum  suum  (als  Bacc.  theolog.)  25.  X.   1439 


143 

oder  1440.  T.  II,  598.  Decanus  der  Artistenfakultät  Mag.  Kudolfud  (Fabri) 
de  Rudenscheym,  s.  theol.  Bacc.  20.  XII.  1443  bis  23.  YI.  1444  und  als  Licent. 
s.  theol.  20.  XII.  1452  bis  23.  VI.  1453.  T.  II,  386  u.  391.  Rektor  19.  XU. 
1450  bis  23.  VI.  1451.  S.  o.  Im  Jahre  1459  verliess  er  Heidelberg  und  schied 
aus  der  Universität  aus,  der  er  zuerst  als  Schüler,  dann  als  Lehrer  seit  1426 
angehört  hatte.  Er  wurde,  wie  es  scheint,  als  Canonicus  des  Vikturstiftes  zu 
Mainz  ara  21.  Mai  1460  ermordet.  B  od  mann,  Rheing.  Alt.  S.  343.  Mit  No.  3 
wurde  er  mehrfach  verwechselt;   s.  Zaun  a.  a.  0.  S.  3  ff. 

6.  Emraericus  Carniticis  de  Rudensheim  der.  Mag.  dyoc,  p.,  20.  XII. 
1431  bis  23.  VI.  1432.    T.  I,  189. 

7.  Johannes  Rasoris  de  Redemszhein  dyoc.  Mog.,  dt,  20.  XII.  1435 
bis  23.  VI.  1436.    T.  I,  21. 

—  Reinoldus  de  R.  s.  Eberbach  No.   15. 

8.  Jacobus  de  Rudershem  dioc.  Mag.,  st.,  20.  XII.  1446  bis  23.  VI. 
1447.     Bacc.  art.  J.  de  Rüdeshem  28.  VII.  1449.     T.  I,  252. 

9.  Ulricus  de  Rudesheia  \  10.  V.  1448. 

10.  Theodricus  de  Rudeshein,  Bacc.  art.  23.  VH.  1450.  j     T.  I,  256. 

11.  Johannes  Nusbaum  de  Rüdeshem  der.  Mog.,  in  crastino  XXIX  (!) 
Conradi  (st.  27)  Nov.  1455.  T.  284.  Bei  Joannis  11,  622  ist  er  der  Nach- 
folger von  dem  älteren  Rudolf  von  Rüdesheim  (wahrscheinlich  1470,  Zaun  S.  14) 
als  Praepositus  eccl.  coli,  ad  D.  Victorera  und  zugleich  Canonicus  B.  M.  V. 
ad  gradus  sowie  Decretorum  Doctor  genannt.  Wo  er  diesen  und  die  voraus- 
gehenden akademischen  Grade  erworben,  wird  nicht  gesagt;  in  der  Heidel- 
berger Matrikel  ist  er  unter  den  Baccalaren  u.  s.  w.  nicht  verzeichnet,  muss 
also  die  betreffenden  Grade  anderswo  erhalten  haben. 

12.  Johannes  Kenn  de  Rudisheim  ^loguntineusis,  17.  IV.  1460.  Bacc. 
art.  V.  mod.  4.  VH.  1462.     T.  I,  301. 

13.  Philippus  Stolcz  de  Ruodeshem,  10.  VI.  1468.     T.  I,  323. 

—  Jüh.  Rudesheim  s.  Eberbach  No.  24. 

14.  Johannes  Kruel  de  Rudeszheym  dioc.  Mog.,  4.  IX.  bis  7.  XII.  1472. 
T.  I,  339.     Ein  Cles  Krul  de  R.  bei  Roth,  Font.  I,  2,  215. 

15.  Johannes  de  Rudeszheini  Mag.  dioc,   18.  IX.   1485.     T.  I,  380. 

*LXVir.    Ruppertshofen:  3  (1390). 

*1.  Christianus  , 

filii   Ilermanni  de  Rupershoven,    16.   XII.    1389    bis 

24.  III.  1390.     T.  I,  41. 


*2.  Hermaunus 
*3.  Johannes 


LXVIII.    St.  Goarshausen:  6  (1390-1475). 

1.  Wernherus    de   Huosen    canonicus    et    custos    in   Sancto    Goare,    dt., 
16.  XU.  1389  bis  24.  UI.  1390.     T.  I,  41. 

2.  Johannes  Duodin  de  Husin  ex  opposito  Sanctigoaris  Trevcrcnsis  [dioc], 
p.,  24.  III.  bis  23.  VI.   1393.     T.  I,  54. 


144 

3.  Nyculaus  Nycolai  Schultheti  de  Ilusen  can.  occi.  S.  Goaris,  dt.,  19. 
XIL   1394  bis  23.  VI.   1395.     T.  I,  59. 

4.  Authonius  Krawz  de  Ilüsen  Trov.  dyoc,  dt.,  |    22.  VI.  bis  20.  XII. 

5.  Petrus  Grysnig  des  Ilusen  eiusdem  dyoc,  p.,    )      1415.     T.  I,   12B. 

6.  Ileinricus  Vogt  de  Husen  Sancti  Gowaris,  sacerdos  Trev.  dioc,  3.  XI. 
1475.     T.  I,  347. 

Bei  den  zahlreichen  Ortsnamen  Hausen,  wie  auch  S.  Goarshausen  früher 
hiess,  sind  andre  Namen  nicht  sicher  zu  bestimmen:  so  Petrus  Rod  de  Husen 
1450 — 1451,  Albanus  Karpendarii  de  H.  14(34,  Adam  Fabri  H.  1464. 

LXIX.    Scharfenstein:  6  (1387-1421). 

1.  Bruno  de  Soerpenstcyn  Mag.  dioc.  17.  XL  1386  bis  23.  HI.  1387. 
T.  I,  12.  Vielleicht  der  Bruno,  den  Humbracht  als  Gustos  S.  Albani  (1400 
und  1407)  bezeichnet;  vorher  war  ein  andrer  Bruno  von  Seh.  (f  1380j  Abt 
daselbst  gewesen.     Joannis  II,  770, 

2.  Dom.  Bruno  Scharfensteyn  prepositus  ecclesie  s.  Martini  ccclesic  Wcsa- 
liensis.    23.  HI.  bis  23.  VI.  1387.     T.  1,   15.     Vgl.  Prag  und  Bologna. 

3.  Druoshardus  de  Scharpfenstein,  16.  XII.  1390  bis  17.  III.  1391. 
T.  I,  48.  Truschardus  de  Seh.  Domherr  zu  Mainz,  f  17.  Januar  1419.  Jo- 
annis II,  394;  Roth,  Font.  I,  2,  62. 

4.  Silmannus  de  Scerpensteyn  cauon.  Mag.,  st.,  8.  XII.  1400.    T.  I,  176. 

5.  Fr.  Conrardus  (sie)  de  Scharffensteyn  monasterij  s,  Albani  dyoc.  Mag., 
dt.,  23.  VI.  bis   19.  XH.  1416.     T.  I,  129. 

6.  Seldinus  de  Scharfensteyn  canon.  Mag.,  dt.,  23.  VI.  bis  1.  VIII.  1421. 
T.  I,  152.  Salentin  v.  Seh.  s.  Joannis  H,  394:  1412  Canonicus  Mog.  und 
Praepositus  Bingensis,  Praefectus  Finthensis.     Er  starb  im  Jahre  1473. 

LXX.    Schwalbach:  4  (1391-1449). 

1.  Johannes  de  Swalbach,  dt,  10.  X.  bis  16.  XII.  1391.     T.  I,  51. 

*2.  Dom.  Wolfframus  de  Swalbach  canon.  ecclesie  Spirensis,  dt.,  20.  XII. 
1403  bis  23.  VI.  1404.     T.  I,  92. 

3.  Wilhelmus   de  Schwalbach;   ein    Wilhelm  von  |  ^^^ 

Schwalbach   1474  bei  Arnoldi,  Mise.  400.  ^       " 


4.  Hermannus  Schwalbach    canon.    Friczlariensis. 


1449.     T.  I,  261 


LXXI.    SiUzbach:  1  (1418). 

Johannes  Bacharach  de  Solczbach  der.  Mag.  dyoc,  dt.,  30.  XII.   1417 
bis  23.   VI.   1418.     T.  I,  139. 

l.XXII.    Ursel:  2  (1453.  1458). 

1.  Johannes  Corrificis  de  Oersel,    8.  IV.  bis  23.  VI.   1453.     T.  I,  273. 

2.  Philippu.s  Behem  de  Orcel  dioc.  Mog.,    7.  X.  1458.     T.  I,  391. 


145 

LXXIII.    Usingen:  2  (1410.    1472). 

1.  Johannes  Scriptor  comitisse  de  Na^dou,  pastor  in  Uainghen  Mag.  dioc, 
dt,  20.  XII.  1409  bis  23.  VI,  1410.  T.  I,  112.  Diese  Gräfin  von  Xassau  war 
wohl  die  Gemahlin  Philipps  I.  von  Nassau-Weilburg  (1371  — 1429),  Anna,  Toch- 
ter des  Grafen  Graft  von  Hohenlohe,  die  am  11.  Oktober  1410  zu  Kirchheim 
starb.  Usingen  war  im  Besitze  des  Grafen  Philipp.  Menzel,  Geschichte  von 
Nassau  VI,  96.   124.  125. 

2.  Johanes  de  Usungen  dioc.  Mog.,  30.  VI.  bis  4.  X.  1472.    T.  I,  338. 

LXXIV.    Waldeck:  6  (1390-1471). 

1.  Johannes  de  Saneck  cauon.  Mog.,  dt.,  16.  XII.  1389  bis  24.  III. 
1390.     T.  I,  42.     Vgl.  Joannis  H,  406. 

2.  Wilhelmus  de  Waldeck,  dt.,  20.  X.  bis  20.  XII.  1401.    T.  I,  83. 

3.  Johannes  de  üben,  dt.,  20.  XII.  1421  bis  23.  VI.  1422.  Bacc.  art. 
28.  I.  1424.     T.  I,  155. 

4.  Tielmannus  Eberhard!  de  Waldeck  der.  Mog.  13.  XL  1448.  T.  I,  258. 

5.  Johannes  Waldeck  der.  dyoc.  Mag.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1452. 
T.  I,  272. 

6.  Karolus  Bosz  de  Waldeck  Trever.  dyoc,  12.  VE.  1471.    T.  I,  334. 

LXXV.    Walluf:  1  (1390). 
Johannes  Huoser  de  Waltatfen,  dt.,  23.  VI.  bis  10.  X.  1390.    T.  I,  46. 

LXXVI.    Weilburg:  5  (1390-1431). 

1.  Nycolaus  Knybe  de  Wyleburk,  dt.,  16.  XII.  1389  bis  23.  VI.  1390. 
T.  I,  41.  Der  Name  Knybe  kommt  zu  Weilburg  vor  in  einer  Weilburger 
Ptechnung  vom  Jahre  1421  und  bei  Würdtwein,  nov.  subs.  IV,  190,  im 
Jahre  1344. 

2.  Frederic  US  de  Wyleborg  der.  Trev.  dioc,  dt.,  23.  VI.  bis  19.  XII. 
1422.     T.  I,  156. 

3.  Conradus  Wilborch,  dt.,   1.  IV.  bis  22.  VI.   1428.     T.  I,  176. 

4.  Johannes  de  Wilburg  dioc  Trev.,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1430. 
T.  I,  184. 

5.  Jacob  US  Wilburg  der.  Trev.  dioc,  dt.,  20.  XII.  1430  bis  23.  VI. 
1431.     T.  I,  185. 

LXXVII.    Weilnau:  2  (1428). 

1.  Petrus  Wilnauo  der.  dioc  Trev.,  dt.,  4.  IV.  bis  23.  VI.  1428. 
T.  1,   176. 

2.  Johannes  Wihiau,  p.,  4.  IV.  bis  23.  VI.  1428.     T.  I,   177. 


146 


LXXVIII.    Weisskirchen-  2  (1441.    1500). 

1.  Conradus  Rinpurcken  de  Wyszkirchea,  p,,  20.  XII.  1440  bis  0.  YI. 
1441.     T.  I,  230. 

2.  Johannes  Rymbrucken  de  Wyäzkyrehen    der.  Mog.  dioc.    11.  VII. 
1500.     T.  I,  438. 

LXXIX.    Welmich:  1  (1426). 

Wernerus  de  Welmich   der.    dioc.  Trev.,    dt.,    4.  11.    bis   22.  VI.  1426. 
Bacc.  art.  4.  VII.   1428.     T.  I,   170. 


LXXX.    Westerburg:  2  (1389). 

1.  Godfridus  Westerborgh  Trev.  dioc,  23.  VI.  bis  10.  X.  1389.  T.  I,  3G. 

2.  Conradus  de  Westerburg,  dt,  10.  X.  bis  20.  XII.   1389.  T.  I,  37. 

LXXXr.    Wiesbaden:  4  (1407-1494). 

1.  Franco  Conradi  de  Wisebaden  Mag.  dyoc  ,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XU. 
1407.     T.  I,  104. 

2.  Jeorius  de  Wyszbaden,  11.  VI.  1449.     T.  I,  260. 

3.  Johannes  (Truttenkoncz)  de  Wissbaden,  28.  III,  1471.  Bacc.  art. 
V.  mod.  20.  I.  1474.  T.  I,  333.  In  Rechnungen  und  Urkunden  des  15.  und 
16.  Jahrhunderts  kommt  der  Name  Druden  oder  Dreuden  öfter  vor;  ein  Druden 
Cuntz  wird  als  Schöffe  im  Jahr  1444  genannt.  Menzel,  Gesch.  von  Nassau 
V,  261. 

—  Fr.  Christmannus  s.  Eberbach  No.  35. 

4.  Johannes  Klingenberg  de  Wiszbaden  Moguntinensis  [dioc.].  31.  XII. 
1494.  T.  I,  413. 

LXXXII.    Winkel:  6  (1421-1439). 

1.  Petrus  Hoveman  de  Winkel,  dt.,  20.  XII.  1420  bis  23.  VI.  1421. 
T.  I,   150.     Zu  Köln  als  Mag.  dioc.   1426  immatrikuliert. 

2.  Petrus  Klochwulff  de  Wynkd  der.  Mog.  dyoc,  23.  VI.  bis  20.  XII. 
1434.     T.  I,  203. 

3.  Johannes  de  Winckd,  dt.,  23.  VI.  bis  20.  XII.  1435.  Bacc  art. 
31.  I.   1437.     T.  I,  209. 

4.  Ilermannus  de  Winckd  der.  Mag.  dyoc,  20.  XII.  1436  bis  23.  V. 
1437.     Bacc  art.  29.  I.   1438.     T.  I,  214. 

5.  Johannes  Gerlachi  de  Winckel  Mag.  dyoc,  p.    ]  22.  IV.  bis  20.  VI. 

6.  Conradus  Winckd  Mag.  dioc,  p.  j     1430.    T.  I,  222. 


14? 


B.   Chronologische  Abfolge. 

über  die  Einordnung  der  Scholaren    unter  die  einzelnen  Jahre   siehe   die  Anmerkung   S.  120. 

Die  arabischen  Zitfern  beziehen  sich  auf  die  Nummern  der  Ortsnamen.     Die  fetten  Ziffern  der 

2.  Kolumne  weisen  darauf  hin,   dass    der  betreffende  Scholar   in  einer  der  anderen  Kolumnen 

als  Graduierter  erscheint.     Über  die  Dauer  des  Studiums  s.  S.  112. 


Jahr. 

I  m  ma  t  r  ik 
Nicht-Graduierte 

u  1  i  e  r t: 

Gra- 
duierte 

Sa. 

Bacca-      Licen- 
larii          tiati 

!a  artibus 

Bacca- 

larii 

in 

Licen- 
tiati 

ure 

Bacca-      I.icen- 
larii          tiati 

in  theologia 

u 

1386/87 

15.  16,  1.  18,  1. 
22,  1.  25,  1.  38. 
46.50,2.  51, 1.2. 

53,*1.2. 55,1. 2.3.4. 

56, 1.  *ÖS.  *63, 1. 
65.  69,1. 

50,1.3. 
B.  art. 

69,2. 
B.  art. 

23 

1388 

9, 1.25,2.3.50,4. 
66,1. 

55,  5. 
B.  art. 

6 

. 

• 

(?)5Ö,3. 

1389 

9,  3.    18,  2.    45. 
50,8.  80,1.2. 

9,2. 

50,  5.  6.  7. 
B.  art. 

10 

■ 

1390 

1,1.   9,4.   44,1. 

51,3.4.  *67,1. 2.3. 

68,  1.   74,  1.  75. 
76, 1. 

12 

i 

1391 

16,2.3.18,3.  *32. 
40,1.  69,3.  70,1. 

65. 

1392 

6, 1.  51,5. 

9,5. 

B.  iur. 

3 

■ 

1393 

9,  6.  51,  6.  55,  6. 
68,2. 

4 

1394 

10,1.  16,4.  18,4. 
22,2.3.43,1.50,9. 
51,7.8.55,7.  61,1. 

■ 

11 

1395 

9,7.  61,2.  66,3. 

3 

51,5. 

• 

• 

(?)9,5. 

1396 

16,5.50,10.  61,3. 

3 

1397 

2.33.51,9.  55,8. 
62,1. 

5 

1398 

— 

• 

• 

• 

• 

• 

• 

9,5. 

1399 

9,8.  22,4.  55,9. 

1 

3 

1 

148 


i             Immatrikuliert: 

Bacca- 

P 

Licen-    |  Bacca- 

Licen-  /  (taci-a- 

l.ioen- 

Jahr. 

1    Nicht- Graduierte 

Gra- 
duierte 

Sa. 

larii          tiati     j 
in  artibus 

larä           tiati            larü 
in  iure           |       in  theo 

tiati           _^ 

1      »> 

-^ 

logia            "^ 

il 

1400 

*4.    9,9.  10.11.12. 

11 

1 

\ 

i 

! 

1 

13.14.  10,2.  69,4. 

9 

1401 

18,  5.     22,5.6.7. 

25,4.40,2.50,11. 
*51,io.*63,2.74,2. 

48,1. 

B.  art. 

1 
11  i 

48,1. 

1 
1 

1 

1402 

12.  13.  51,11. 

o 

1 

1403 

42. 

1 

1 

40,2. 

1 

1404 

,1 
■\ 

1 

40,3.4.5.    44,2.3. 

53,3.66,2.*70,2. 

8] 

. 

48,1. 

j 

1 

! 

! 

t 

1405 

5, 1.  *8, 1.  9,15. 

3 

1 

1 
1 

! 

1 

1 

1 

1 

1406 

— 

— 

! 

i 

1407 

18,6.  81,1. 

2 

i 

1 

1408  ' 

50, 12. 

1 

1 

1 

1 

1409 

[9, 16.]  51, 12. 

9,  16.  CO 
B.  art. 

2 

t 

i 
1 

t 

1410 

73,1. 

1 

50,12. 

1 

1 

1411 

43,2.  55,10. 

2 

1 

1 

1412 

50, 13.  55, 11- 

9,17. 
B.  art. 

3 

• 

• 

9,16. 

1413 

;<>,2.    5.5,12. 

2 

55,11. 

1414 

9,18.  *:57,1. 

59. 

M.  art. 

3 

6,2. 

1415 

14,1.    19,1.   29. 

50,  14.    68,  4.  5. 

6 

1416 

16,6.  18,7.53,4. 
60.  69,5. 

i                

5 

9,18. 

55, 1 1 

43,  2. 
59. 

1417 

10,3.   28.   30,1. 
50,15.  61,4. 

1 

0 

1 

1 
1 

1418 

23,1.2.  40,c.  71. 

4 

53,4. 

• 

9,16. 

1 
i 

i 
1 

1419 

16,7. 

1 

'           • 

:[5ö,iü.? 

i 

1 

1420 

9,, 9. 

11 

1 

• 

• 

1 
1      • 

59. 

1 

i 
1 

• 

5 

1 
i 

149 


Jahr. 

Immatrikuliert: 

Grra- 
Nicht-Graduierte        ^^.^^^^ 

Sa. 

Bacca-      Licen- 
larii      j      tiaci 

in  artibus 

Bacca- 

larii 

in 

Licen- 
tiati 

iure 

Bacca-      Mcen- 
larii          tiati 

in  theologia 

Rektor. 

1421 

5, 2.   26.   55,  13. 

14.15.64,1.69,6. 

82,1. 

8 

1422 

1,2.  16,8.  66,3 
74,3.  76,2. 

5 

37,1. 

• 

« 

43,2. 

1423 

66,4. 

— 

1 

55,14. 

1424 

9,20.21.21,1.40,7. 

47,1.  48,2.  *51, 13. 

— 

7 

16,8. 

:66,3. 
74,3. 

50,15 

1425 

51,14.  56,2. 

2 

« 

16,8. 

1426 

16,9.  50,16.17.18. 

51,15.66,5.  79. 

7 

21,1. 

66,3. 

48,2. 

1427 

14,2   *37,2. 

2 

1428 

9,22.23.52.76,3. 
77,1.2. 

6 

51,14. 

66,5. 
79. 

• 

. 

• 

16,8. 

1429 

14,  3.     19,  2.3.4. 
25,  5.  50,19.20.21. 

8 

1 

37, 2. 

1430 
1431 

44,4.51,16.76,4. 

16, 10.  22,8.  *24. 
41,1.  76,5. 

3 
5 

9,23. 
14,2. 

• 

37,2. 
66,5. 

1432 

14,4.  22,9.  *37,3. 
41,2.  66,0. 

5 

41,1. 

1433 

*20. 

1 

44,4. 

• 

. 

• 

50,15. 

• 

50,15 

1434 

22,10.51,17.82,2. 

3 

37,3. 

1435 

1 

10,4.  19,5.  50,22. 
82,3. 

4 

20. 

41,2. 

1436 

9,24.10,5.6.16,11. 

12.    61,5.    66,  7. 

— 

7 

• 

1437  1 

6,3.  16,13.  55,16. 
82,4. 

t 

4 

50,  22. 

82,3. 

1438 

82.  4. 

1 

1 

10 


150 


1 

Jahr.    1 

Imm  a  t  r  iku 

Nicht-Graduierte 

liert: 

Gra-        g 
duierte 

Bacca-      Licen-      Bacca-      Licen-      B 
larü          tiati           larii          tiati 

'*•            in  artibug                    in  iure 

acca-      Mcen-  \ 
larii          tiati 

in  theologia      | 

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1439  ' ; 

1 

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1 

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1441     ; 

17.  22,11.  40,8. 
56,3.  78,1. 

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1 
1 

1442  :, 

7,1.  51,20.21.  57. 

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1448 

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51,23.66,0.10.74,4. 

1 

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1 

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1 

1451 

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1455 

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1457 

16,20.  25,7. 

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1458 

5,3.  47,2.  72,2 

3 

25, 6 

1 
1 

1459 

1  22,13. 

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16,21.22.  66,12 

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1461 

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i 

1 

151 


Jahr. 

I  m  ma  t  ri  k 

Niclit- Graduierte 

u  1  i  e  r  t  : 

Gra- 
duierte 

Sa. 

1'          1 

Bacca-  i   Licen- 
larii          tiati 

in  artibus 

1 

Bacca- 

1 

larii 
in 

,.      !l         1         ;l    ." 

Li'-en-  1   Baooa-  ,    Liren-    i      ^ 

tiati            larii           liati      1     1^ 

1      * 

iure     .    M       in  theologia      ]     ^ 

1462 

I 

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1463 

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1464 

10,8.  16,23. 

1 
1 

2 

1 

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1465 

1 

i                    1 

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1466 

9,29.  *:{«,3. 

2 

10,8. 

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1467 

18,11. 

1 

1    1 

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1                                          1                    ' 

1468 

66, 1 ,3. 

1 

9,29. 

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1 

36,3. 

i 

i 

1469 

1 

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10,8. 

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1                                                       , 

1470 

i  16, 24. 25. 2G.  51,24. 

1  *25. 

5 

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1 

1 

1471 

1,3.4.  7,2.  64,2. 
!74,c.  81,3. 

1 

6 

[ 

i        i 

1 

1472 

7,3.  18,12.30,2. 

62,2.3  66,14.73,2. 

7 

51,24. 

36, 3.            1 

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1473  ! 

1 

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1 
1 

1,3. 

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1 

1474  : 

49. 

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1 

30,2. 

1                     ! 

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1475 

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9,30.   10,9.51,26. 

1. 

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1: 

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1 

61,6.  68,6. 

5 

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1476 

9,31.    61,6. 

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1 

1477 

10,10.     16,27.28.' 

34.  *36,5. 

1 

5 

9,30. 

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1478 

1 

— 

1 
1 

34. 

1 

1479 

— 

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1480 

16,  29.  30.31. 

1 

3 

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1481 

36,  C. 

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1482 

1 
1 

1 

ll 

1 

1 

i 
i 

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152 


Jahr. 

1 

I  m  m  a  t  r  i  k 
Nicht-Graduierte 

u  11  e  r  t: 

Gra- 
duierte 

Sa. 

Bacca-      Licen- 
larii          tiati 

in  artibas 

Bacca- 
larii 

in 

Licen- 
tiati 

iure 

Bacca-      I.icen- 
larü          tiati 

in  theologia 

Rektor 

148.0 

36, 7.  56,  4. 

2 

; 

1484 

— 

1485 

16,32.33.    18,13. 
66,  15. 

4 

1486 

10,11.  18,14.39. 

•1 

36,7. 

1487 

8,2.  18,15.  *36,8. 

3 

1488 

22, 14. 

39. 

1489 

16,34.3.'). 

1490 

10,12. 

18,15. 

22,19. 

1491 

51,27. 

36,8. 

1492  ! 

9,32. 

1493 

48,3. 

! 

i 
1 

1494  j 

16,36.37.    18,10. 

35.  81,4. 

5 

1 
1 

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1 

1495 

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1 

1 

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1 

1496 

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i 

1 

1 
1 

1497 

14,... 

1 

1 
1 

1 

1498 
1499  : 

3.  51,28. 

16,  38.   54. 

11. 
Dr.  iur. 

3 
2 

51,28. 

1 
1 

1.jOO 

61,7.  78,2. 

— 

0 

Sa.  366 

15 

381 

60   ! 

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1-1  i 

4 

4 

3 

2 

5 

Zu  diesen  Verzeichnissen  machen  wir  einige  Bemerkungen.  Zunächst 
kann  die  Zahl  von  381  Scholaren  nur  als  eine  annäherungsweise  zutreffende 
gelten.  Denn  auf  der  einen  Seite  liaben  wir  selbst  viele  Xamen  als  zweifel- 
hafte bezeichnet,  auf  der  andern  sind  vielleicht  ebenso  viele  übergangen,  wenn 
eine  nähere  Bestimmung  der  Heimat  nicht  angegeben  oder  sie  aus  anderen  Grün- 
den nicht  mögUch  war;  indessen  mag  unser  Ergebnis  im  ganzen  der  Wahrheit 
nahekommen.  Aber  auch  so  wünle  es,  wenn  man  daraus  auf  die  akade- 
mischen Studien  unseres  Gebietes  einen  Schluss  ziehen  wullte,  ein  falsches  Bild 


153 


geben.  Abgesehen  davon,  dass,  wie  es  scheint,  wenn  auch  nicht  viele  die 
Universitiiten«von  Leipzig,  Wien  und  anderen  Orten  aufsuchten,  hat  die  weit- 
aus grössere  Zahl  wissbegieriger  junger  und  älterer  Männer,  so  weit  wir  bis 
jetzt  sehen,  der  hohen  Schule  zu  Erfurt  sich  zugewendet,  die  wohl  die  dop- 
pelte Anzahl  Scholaren  aus  Nassau  aufweist.  Nach  der  Mitte  des  15.  Jahr- 
hunderts erleidet  ferner  Heidelberg  eine  gewaltige  Einbusse  durch  die  Grün- 
dung der  Universitäten  zu  Mainz  (1477)  und  Trier  (1472).  Die  Abnahme  der 
Scholaren  aus  Nassau  ist  in  der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  auffallend 
wie  folgende  Zusammenstellung  zeigt.     Unser  Verzeichnis  weist  auf 

in    den  Jahren  von   1387 — 1400 99  NanK'n 

.        „       „  „     1401—1425 87       „ 

,        ,       ,  „     1426—1450 97       , 

n       V       n  n     1451—1475 55       „ 

„        ,        ,  ,     1476—1500 43       , 


381  Namen. 

Auch  die  Zahl  derjenigen,  welche  auf  einer  anderen  Schule  einen  akade- 
mischen Grad  erworben  hatten  und  dann  nach  Heidelberg  gingen,  nahm  im 
Laufe  der  Zeit  ab;  sie  betrug  bis  zum  Jahre  1400  neun,  von  da  bis  1425  vier, 
von  1426—1500  nur  zwei,  während  die  Zahl  der  zu  Heidelberg  Graduierten 
sich  im  Verhältnis  zur  Gesamtzahl  im  ganzen  gleich  blieb. 

Ordnen  wir  sodann  noch  die  Heimatsgebiete,  Heimatsorte  oder  Geschlechter 
nach  der  Zahl  ihrer  Scholaren,  so  lieferten  die  altnassauischen  Orte  41,  die 
Diözese  Mainz  230,  Trier  142,  Köln  8,  Metz  1  (einen  Grafen  von  Nassau- 
Saarbrücken);  im  einzelnen  ergiebt  sich  folgende  Reihenfolge: 


Kl.  Eberbach,  Diöz.  Mainz 
Caub,  Diöz.  Trier  .  .  . 
Lorch,  Diöz.  Mainz  .  .  . 
Limburg,  Diöz.  Trier  .  . 
Eltville,  Diöz.  Mainz  . 
Montabaur,  Diöz.  Trier 
Rüdesheim,  Diöz.  Mainz  . 
Geisenheim 


Cronberg 
Höchst 

Aus 


o 

10 
13 
35 


38  Idstein,  Diöz.  Trier    .     .     . 

32  Eppstein,  Diöz.  Mainz     .     . 

28  Hachenburg,  Diöz.  Köln 

26  Ostrich,  Diöz.  Mainz       .     . 

16  S.  Goarshausen,  Diöz.  Trier 

16  Scharfensteiu,  Diöz.  Mainz  . 

15  Waldeck  „         „ 

14  Winkel  „         „       . 

13  Diez,  Diöz.  Trier  .... 

9      I     Weilburg,  Diöz.  Trier     .     . 

Orten je  4  Scholaren  =  20 

•n «3  -  =  30 


8 
7 
7 
7 
6 
6 
6 
6 
5 
5 


1 


=  26 
=  35 


Während  die  Geistlichkeit  eine  grosse  Anzahl,  namentlich  Mitglieder  der 
geistlichen  Behörden  u.  s.  w.  aufweist,  ist  von  den  Klöstern  aus  dem  späteren 
Gebiete  Nassaus  nur  Eberbach  stark  vertreten.  Seitdem  die  Handarbeit  der 
Mönche  aufgehört  hatte  einen  Teil  ihrer  Thätigkeir,  wie  es  die  Regel  vorschrieb, 
zu  bilden,    wandte    man   »ich  alsbald   mit  Eifer   den   wissenschaftlichen  Studien 


zu. 


Das  Kloster  Marieustatt  sandte  blos  einen  Scholar  nach  Heidelberg. 


154 

Der  höhere  Adel  ist  durch  mehrere  Glieder  der  Grafen  von  Nassau,  der 
Herrn  von  Eppsteiu  und  Cronberg  vertreten.  • 

Um  zuletzt  noch  einige  Männer  zu  nennen,  welche  als  Lehrer  oder  in 
amtlicher  Stellung  an  der  Universität  nach  ihrer  Studienzeit  hervortreten,  so 
sind  dahin  zu  rechnen: 

1.  Nicolaus  Yerenkorn  von  Caub,  No,  IX,  5; 

2.  Johann  Ruker  von  Oberlahnstein,  No.  LIX; 

3.  Heinrich  von  Limburg,  No.  L,  15. 

4.  Johann  Bramhardt,  Mönch  des  Klosters  Eberbach,  No.  XV,  8. 

5.  Rudolf  Fabri  von  Rüdesheim,  No.  LXVI,  5. 

Im  praktischen  Leben  stiegen  zu  bedeutenden  Stellungen  auf: 

1.  Nicolaus  Verenkorn  von  Caub,  No.  IX,  5. 

2.  Johann  Ruker  von  Oberlahnstein,  No.  LIX. 

3.  Rudolf  von  Riidesheim,  No.  LXVI,  3. 

4.  Adolf  von  Breithart,  No.  VII,   1. 

5.  Johann  von  Dalheim  aus  Camberg,  No.  XI. 


Lies  Seite  i:iO,  No.  XXII,  l:  K^os.  iS^'J. 
,        .,      131,  No.  XXIII:  Greiffcnklau  zu  Vollraths. 


Die  Wiesbadener  Theaterfrage  im  Jahre  1848. 

Eine  kulturgcschichtliclic   Kpisodc 


von 


Dr.  Adalbsrt  Schroster^ 

Bibliothekar  an  iler  Küait'lichen  Laudesbibliolhek  zu  Wiesbaden. 


Die  Wiesbaileuer  Thcaterfi-age  des  Jahres  1848  ist  ein  Schmerzenskind 
des  sogenannten  nassauische!!  Domänenstreits,  welcher  jahrzehntelang  Stände 
und  Regierung  des  friedlichen  Herzogtums  in  Erregung  gehalten  hatte,  als 
seinen  gordischen  Knoten  der  Märzsturm  des  gewaltigen  Jahres  (wie  so  manche 
andere  Lebensprobleme  des  Jahrhunderts)  bis  auf  weiteres  löste,') 

Es  war  am  2.  März,  als  auf  dem  grossen  Platze  vor  dem  „Nassauer  Hof* 
und  den  „Vier  Jahreszeiten"  der  Abgeordnete  Hergenhahn,  ein  nachmaliges 
Mitglied  der  Frankfurter  Nationalversammlung'^),  unter  ungeheurem  Jubel  des 
versammelten  Volkes  die  9  Forderungen  verlas,  deren  herzogliche  Bewilligung 
die  Grundlage  des  neuen  Verhältnisses  zwischen  dem  nassauischen  Volke  und 
seinem  Landesherrn  bilden  sollte.  Diese  Forderungen,  mit  denen  sich  eine 
Deputation  zum  Staatsminister  begab,  enthielten  an  siebenter  Stelle  die  Be- 
dingung, dass  die  Domänen  zum  Staatseigentum  erklärt  würden  und  die  Kon- 
trolle der  Verwaltung  die  Stände  übernehmen  sollten. 

Der  Herzog  war  in  Berlin,    und    der    Minister  gelobte,    alle  Kraft  aufzu- 
bieten,   um  die  Forderungen   durchzusetzen,    und    doch   steigerten    sich    in    den 
nächsten  Stunden  und  Tagen  Spannung  und  Erregung  der  Gemüter  aufs  Höchste 
und  der  Andrang  zu  den  Waffen  drohte  zu  einem  Zeughaussturm  sich  zu  ent- 
fesseln, wiewohl  die  verwitwete  Herzogin  Pauline  und  der  jüngere  Bruder  des 
regierenden  Herrn,    Prinz  Nicolaus,    für  die  Bewilligung   der    ominösen  9  For- 
derungen   sich    verbürgt    hatten,    als  endlich  am  4.,    V-'^  ^hr  des  Nachmittags 
der  Herzog  in  Wiesbaden  eintraf.     Er  begab  sich  zu  Fuss  vom  Bahnhof  nach 
dem  Schlosse,  von  dessen  Balkon  ihm  die  Herzogin,  der  Prinz  und  der  Minister 
ängstlich  harrend  entgegen  winkten.     Nach  einer  kurzen  Pause  trat  der  Fürst 
auf  den  Balkon  hinaus  und  redete  zu  der  tausendköpfigen  Menge  folgende  Worte: 
„Nassauer!    Die  Forderungen,  die  Ihr  an  mich  gestellt  habt,    deren 
Gewährung    Euch    mein  Minister   versprochen    und    meine    Mutter    und 
mein    Bruder    mit    ihrem    Namen    verbürgt   haben,    genehmige  ich   und 
werde  ich  halten  I" 


156 

Den  Enthusiasmus,  welcher  dieser  am  andern  Tage  auch  durch  den  Druck 
verbreiteten  Prüklaraatiou'^)  naturgemäss  folgte,  sollte  der  Lauf  der  Ereignisse 
erheblich  ernüchtero,  als  sich  zufolge  der  seiner  Schatulle  entfallenen  Domänen- 
gelder der  Herzog  veranlasst  sah,  die  jährlichen  Zuschüsse,  die  er  dem  Wies- 
badener Hoftheater  gespendet  hatte,  zu  entziehen  und  dem  Theaterpersonal  im 
Monat  Mai  bereits  bis  zum  September  zu  kündigen/) 

So  war  dem  nassauischen  Domänenstreit  die  Wiesbadener  Theaterfrage 
des  Jahres  1848  entsprungen.  Denn  mit  dieser  herzoglichen  Subventionseut- 
ziehung  war  das  Fortbestehen  der  Wiesbadener  Bühne  illusorisch  geworden. 
Der  Aufregung,  welche  sich  demzufolge  aller  Schichten  der  Stadt  bemächtigte, 
gaben  drei  Petitionen  Ausdruck,  die  der  Stadtvorstand,  die  Bürgerschaft  und 
das  Theaterpersonal  an  die  versammelten  Stände  richteten  und  welche  in  deren 
30.  Verhandlung  zu  Wiesbaden  am  18.  August  1848  in  Gegenwart  der  Regier- 
ungskonimissare  :  Präsident  Vollpracht,  Ministerialrat  Bertram,  Regierungsrat 
Werren  und  Baurat  Boos,  sowie  der  Mitglieder  der  Kammer  unter  dem  Vor- 
sitz des  Abgeordneten  Wirth  folgendermassen  durch  den  Abgeordneten  Creutz 
zum  Vortrag  kamen. ^) 

„Sämtliche  Petitionen",  begann  er,  „haben  die  Erhaltung  der  hiesigen, 
mit  der  Auflösung  bedrohten  Bühne  zum  Gegenstand  und  bitten  demgemäss 
um  einen  von  den  Ständen  zu  gewährenden  Zuschusa  aus  allgemeinen  Mitteln." 
In  der  Kürze  schloss  er  folgende  Ausführungen  an. 

Die  erste  Petition,  die  des  Stadtvorstandes,  fasse  vorzugsweise  die  mate- 
riellen Verhältnisse  der  Stadt  ins  Auge,  Gegen  ihren  Willen  und  unge- 
achtet ihrer  bis  zur  höchsten  Instanz  fortgesetzten  Protestationen  sei  die  Stadt 
Wiesbaden  im  Jahre  1823  gezwungen  worden,  den  Bau  eines  Theaters  zu 
beginnen,  dessen  Vollendung  eine  Ausgabe  von  218722  Gulden  verursacht 
habe,  ohne  dass  dadurch  der  Stadtkasse  direkt  eine  Einnahme  zugeflossen  wäre. 
Im  Gegenteile  habe  die  Stadtkasse  jedes  Jahr  neben  der  unentgeltlichen  Über- 
lassung des  Theatergebäudes  und  Entrichtung  der  Zinsen  des  verbauten  Kapi- 
tals noch  einen  Zuschuss  von  800 — 1000  Gulden  für  Unterhaltung  und  An- 
schaffung neuer  Dekorationen  leisten  müssen.  Im  Jahre  1839  sei  das  Theater 
Hoftheater  geworden  und  infolge  dieser  Bevorzugung  sei  die  Verpflichtung  zur 
Unterhaltung  der  Dekorationen  in  eine  jährliche  Aversionalsumme  von  500  Gulden 
verwandelt  worden.  Die  Ereignisse  des  März,  infolge  deren  die  Domänen  als 
Staatseigentum  erklärt  worden  seien,  haben  die  Intendanz  des  Iloftheaters  ver- 
anlasst, sämtlichem  Bühnenpersonale  zu  kündigen  und  zwar  derart,  dass  am 
1.  September  sämtliche  Kontrakte  erlöschen  sollten.  Da  es  nun  der  Stadt  bei 
ihrer  sich  auf  336000  Gulden  belaufenden  Schuldenlast  unmöglich  sei,  das 
Theater  zu  erhalten,  wenn  der  vom  Herzog  geleistete  Zuschuss  von  mindestens 
50 000  Gulden  am  1.  September  entfalle,  so  wende  sich  der  Stadtvorstand  an 
die  Kammer  um  eine  Verwilligung  von  mindestens  45000  Gulden  aus  der 
Landessteuerkasse.  „Die  Bittsteller  begründen  dies  Gesuch",  setzte  der  Referent 
auseinander,  „im  Besonderen  mit  dem  Hinweis,  dass  das  Theater  für  Wiesbaden 
eine  Lebensfrage  sei,  es  sei  eine  Hauptursache  des  gesteigerten  Kurbesuches, 
sei  die  Veranlassung,    dass    viele    fremde  Familien    auch  während   des  Winters 


157. 

hier  und  in  der  Umgegend  verweilten.  Durch  das  Eingehen  des  Theaters  werde 
Wiesbaden  zu  einem  Kurort  zweiten  Ranges  herabgedrückt  und  die  Stadt, 
welche  das  System  der  früheren  Bevormundung  zu  treibhausmässiger  Entwickc- 
lung  und  unnatürlicher  Vergrösserung  geführt  habe,  werde  ihrem  finanziellen 
Ruin  überliefert.  Überdies  würden  durch  die  Kündigung  der  Kontrakte  des 
Theaterpersonals  70 — 80  Wohnungen  frei.  Ferner  würden  den  Geschäftsleuten 
jährlich  mindestens  100000  Gulden  entzogen,  und  endlich  würde  eine  beträcht- 
liche Anzahl  von  Bürgern,  die  ausschliesslich  vom  Theater  gelebt  hätten,  als 
brotlos  der  Stadtkasse  zur  Last  fallen.  Schliesslich  aber  würde  die  aus  der 
Erhaltung  seines  Theaters  sich  ergebende  Hebung  Wiesbadens  als  Kurort 
nicht  allein  der  Stadt  zu  gute  kommen,  sondern  auch  ganz  Nassau  weittragen- 
den Nutzen  bringen." 

So  war  denn  seitens  des  Stadtvorstandos  das  Utilitätsprinzip  höchst  stim- 
mungsvoll in  den  Vordergrund  gestellt;  eine  vortreffliche  Ergänzung  dieser 
ersten  Eingabe  bildete  indessen  die  zweite  Petition,  die  da  erklärte,  sie  wolle 
das  Theater  nicht  im  mittelbaren  Dienste  und  zum  Schutze  der  städtischen 
Gewerbe,  sondern  im  unmittelbaren  Interesse  der  geistigen  Bildung  erhalten 
wissen.  Der  Staat  sei  nicht  nur  berechtigt,  sondern  vielmehr  verpflichtet, 
das  Theater  zu  erhalten  als  eine  notwendig  gebotene  Anstalt  für  ästhetische, 
sittliche  und  nationale  Bildung.  Kein  anderes  Institut  in  der  Reihe  der  staat- 
lichen Bildungsanstalten  habe  eine  ähnliche  Macht,  so  gemeinnützig  auf  alle 
Volksklassen  und  so  vielseitig  und  ergreifend  auf  den  Einzelnen  einzuwirken. 
Schliesslich  gipfelt  die  Petition  in  dem  Hinweis,  dass  mit  der  Auflösung  des 
Theaters  Nassaus  einzige  Kunstanstalt  zu  Grabe  getragen  würde.  So  richten 
die  Petenten  den  Wunsch  an  die  Kammer,  die  Regierung  zu  veranlassen,  dass 

1.  das  Wiesbadener  Theater,    entsprechend    den  Forderungen   an    eine 
geistige  Bildungsaustalt,   reorganisiert  und  verwaltet  werde, 

2.  dass  jährHch   bei    der  Kammer    der   Deckung    des  Kostenaufwandes 
entsprechende  Anforderungen  eingereicht  werden,  dass 

'S.  aber  inzwischen   für   die    Zeit   vom  3.  Sept.   1848  bis  zum  8.  Sept. 
1849  von  der  Kammer  38000  Gulden  bewilligt  werden  möchten. 

In  mehreren  Aulagen  wurde  der  letzte  der  Anträge  motiviert  mit  genauen 
Berechnungen  der  Budgets  anderer  Theater,  die  teils  aus  den  Zuschüssen  der 
Souveräne,  wie  aus  öffentlichen  Staatsmitteln  ihre  Existenzmöglichkeit  gewännen. 
Im  Besonderen  wurden  die  Kostenüberschläge  im  Hinblick  auf  die  Iloftheater 
in  Darmstadt  und  in  Kassel  festgestellt. 

Damit  sei  der  Hauptinhalt  der  vorliegenden  Petitionen,  fuhr  der  Abge- 
ordnete fort,  vorgetragen,  da  die  dritte  ausschliesslich  die  Motive  der  ersten 
und  zweiten  wiederhole.  Der  Ausschuss  der  Kammer  stimme  mit  den  Aus- 
führungen der  Petenten  um  so  mehr  überein,  als  die  Bedeutung  eines  guten 
Theaters  für  sittliche,  ästhetische  und  nationale  Bildung  ausser  Frage  stehe, 
und  es  ohne  Beispiel  sein  würde,  wenn  ein  Land  wie  Nassau  und  eine  Stadt 
von  der  Grösse  und  dem  weltbekannten  Namen  Wiesbadens  völlig  eines  Theaters 
entbehren  solle.    „Gleichwohl'',  schloss  nun  der  Redner,  ^sind  wir  nicht  in  der 


158 

Lage,  der  Versammlung  vorerst  die  Bewilligung  einer  bestimmten  Summe  em- 
pfehlen zu  können  und  beantragen  daher,  die  drei  Petitionen  au  die  Regierung 
mit  dem  Ersuchen  gelangen  zu  lassen,  die  Vorschläge  zu  prüfen  und  demnächst 
der  Kanmier  eine  geeignete  Vorlage  zu  machen." 

Mit  diesem  Antrag  erklärte  sich  der  Regierungskommissar  einverstanden, 
wenn  durch  Vorlage  eines  Budgets  der  für  den  Bestand  des  Theaters  erforder- 
liche Bedarf  ermittelt  sein  würde.  So  wird  die  beschleunigte  Wahl  einer 
Kommission  beschlossen,  deren  Berichte  gleichfalls  möglichst  zu  beschleunigen 
seien,  da  mit  dem  1.  September  die  Kontrakte  der  darstellenden  Künstler  zu 
Ende  gingen.  Dieser  Bericht  des  Ausschusses  wurde  wiederum  vom  Abgeord- 
neten Creutz  und  zwar  bereits  am  24.  August  in  der  unter  Vorsitz  des  Ab- 
geordneten Wirtli  vereinigten  Kammer  im  Beisein  der  Regierungskommissare 
Bertram  und  Werren  vorgetragen. 

Die  Notwendigkeit  eines  Theaters,  hiess  es  in  dem  Bericht,  habe  der  Aus- 
schuss  ohne  weiteres  eingeräumt,  indem  den  Ausführungen  der  Petenten  voll 
beigepflichtet  worden  sei,  nur  würde  sich  zunächst  fragen,  ob  nicht  der  Stadt 
selbst,  der  doch  der  unmittelbare  Nutzen  des  Theaters  zufliesse,  auch  dessen 
Erhaltung  zuzuweisen  sei.  Das  aber  sei  bei  der  tinanziellen  Lage  der  Stadt 
unmöglich. 

So  frage  es  sich  weiter,  ob  nicht  durch  die  Verbindung  mit  einer  benach- 
barten Bühne  Hilfe  zu  schaffen  sei.  Es  kämen  Mainz  und  Frankfurt  in  Frage. 
Eine  Vereinigung  mit  dem  Mainzer  Theater  habe  früher  bestanden  und  nicht 
zum  Gedeihen  gereicht;  ein  Anknüpfen  mit  der  Frankfurter  Bühne  würde  es 
ebenso  wenig  thun.  So  sei  allerdings  zu  prüfen,  aus  welchen  Gründen  sich 
eine  Theatersubvention  aus  öffentlichen  Mitteln  rechtfertigen  lasse,  und  hier  nun 
griff  der  Redner  zu  den  gewichtigsten  idealen  Motiven,  die  in  der  Frage  den 
letzten  Ausschlag  geben  mussten :  „Wir  betrachten  das  Theater",  sagte  er, 
„als  allgemeine  Bilduugsanstalt.  Wenn  es  wahr  ist,  dass  eine  gute  Schau- 
bühne, indem  sie  zahllose  Schwächen  und  Thorheiten  geisselt  und  verspottet, 
tief  und  eingreifend  auf  die  Veredelung  des  Volkslebens  wirken  kann,  so  scheint 
uns  auch  unzweifelhaft  dem  Staate  die  Unterstützung  einer  Anstalt,  die  sich 
seinen  übrigen  Bildungsanstalten  anreiht,  zuzumuten.  Da  nun  der  nassauische 
Staat  nunmehriger  Besitzer  des  Domanialvermögens  sei,  so  erscheine  es  billig, 
dass  eV  helfend  einträte.  Die  Stadtdirektion  habe  zwar  die  Bitte  an  die  Kammer 
gerichtet,  im  Interesse  des  Theaters  die  Civilliste  des  Landesherrn  um  45000  Gulden 
zu  erhöhen.  Die  Kommission  erwarte  aber  von  einer  vom  Hofe  unterstützten 
Bühne  die  erwünschten  Resultate  nicht.  Endlich  stellt  der  Abgeordnete,  da  die 
Kommission  sich  nicht  habe  verständigen  können,  im  Verein  mit  dem  Abgeord- 
neten Fresenius  den  persönlichen  Antrag:  „Die  Kammer  wolle  besch Hessen, 
dass  das  hiesige  Theater  nach  Massgabe  der  in  der  Vorstellung  der 
Einwohner  Wiesbadens  enthalteneu  Grundsätze  reorgranisiert  werde 
und  eine  Summe  von  .'32  880  Gulden  einstweilen  für  das  Jahr  vom 
1.  September  1848  bis  1.  September  1840  als  Zuschuss  aus  der 
Domäucukassc  bewilligt  werde." 


159 

Leider  erfuhr  dieser  besonnene  Antrag  nicht  alsbald,  vielmehr  überhaupt 
nicht  allseitige  Zustimmung.  Im  Gegenteil  erregte  er  eine  langatmige  Debatte. 
Man  müsse  erst  die  wirklichen  Erträge  der  Domänen  beziffern,  liiess  es.  Man 
solle  zunächst  eine  Summe  bis  zu  Ende  des  Jahres  bewilligen,  meinte  man.  Den 
schärfsten  Ausdruck  fand  die  Opposition  in  der  Rede  des  Abgeordneten  Lang. 
„Zunächst  muss  ich  mich  dagegen  verwahren",  begann  er,  „dass  man  dem  Staat 
eine  rechtliche  Pflicht  aufbürden  will,  das  Theater  zu  erhalten.  Wenn  die  Stadt 
Wiesbaden  glaubt,  Entschädigungsansprüche  machen  zu  können,  so  mag  sie  sie 
gegen  diejenigen  geltend  machen,  welche  sie  gezwungen  haben,  das  Theater  zu 
bauen.  Man  kann  auch  nicht  die  Ausgabe  für  das  Theater,  die  bisher  geleistet 
worden  ist,  als  eine  Last,  die  auf  den  Domänen  ruht,  betrachten,  sonst  wäre 
jede  Ausgabe  des  Hofes  eine  Domaniallast.  Man  hat,  meines  Wissens,  für  die 
Anforderung  vorgebracht,  sie  soll  gerechtfertigt  sein  im  Interesse  der  Stadt 
Wiesbaden  und  im  Interesse  des  Landes.  Wenn  zur  Erhaltung:  der  Stadt  Wies- 
baden  eine  Unterstützung  nötig  ist,  so  glaube  ich,  dass  wir  vollständig  dazu 
berechtigt  sind,  obgleich  uns  neulich  das  Recht  zu  derartigen  Dispositionen  über 
das  Staatsvermögen  bestritten  worden  ist.  Wir  geben  ja  Unterstützungen  zum 
Zwecke  des  Wegebaues,  um  eine  Gemeinde  in  ihrem  Wohlstande  zu  erhalten, 
ebenso  können  wir  es  bei  der  Stadt  Wiesbaden  thun.  Wenn  das  Theater  zur 
Erhaltung  der  Stadt  Wiesbaden  nötig  ist,  so  sind  wir  berechtigt,  eine  Unter- 
stützung zu  leisten,  es  handelt  sich  nur  darum,  ob  für  Wiesbaden  ein  selbst- 
ständiges Theater  nötig  ist,  oder  ob  es  mit  Mainz  verbunden  werden  könnte, 
und  um  die  Grösse  der  Unterstützung.  Der  zweite  und  Hauptgrund  für  das 
Theater  ist,  dass  es  im  Interesse  der  Kunst  noch  notwendig  sei,  ein  solches 
Institut  zu  erhalten,  und  dass  das  Theater  als  wesentliches  Bildungsraittel  an- 
zusehen sei.  Ich  will  das  zugeben,  aber  dann  wären  wir  doch  jedenfalls  in 
die  Notwendigkeit  versetzt,  das  Theater  zu  erhalten,  wenn  ohne  das  Wiesbadener 
Theater  dieses  Bildungsraittel  dem  Lande  entginge.  Wir  haben  kein  deutsches 
Inland  und  kein  Ausland  mehr,  das  haben  wir  gesehen  und  gehört  bei  Gelegen- 
heit der  Anwesenheit  von  Reichstruppen,  die  neulich  nach  Wiesbaden  gezogen 
worden  sind.  Denken  Sie  sich  die  Grenze  unseres  Landes  etwas  weiter  hinaus- 
gerückt, so  haben  Sie  ganz  in  der  Nähe  vier  Theater,  in  Mainz,  Frank- 
furt, Koblenz  und  das  im  Entstehen  begriffene  Homburger  Theater; 
es  wäre  also  in  dieser  Beziehung  für  die  Notwendigkeit  hinlänglich 
gesorgt.  Ich  bin  der  Meinung,  dass  wir  im  Interesse  des  Landes  eine  solche 
Ausgabe  nicht  verantworten  können,  w^eil  wir  die  Anstalt  nicht  notwendig  haben. 
Denn  der  Kunstsinn  kann  sonst  gepflegt  werden.  Es  handelt  sich  aber 
ferner  darum,  ob  die  Stadt  Wiesbaden  nicht  zu  Grunde  geht,  wenn  das  Theater 
fällt.  Ich  glaube,  das  Theater  kann  auf  der  gegenwärtigen  Stufe  nicht  er- 
halten werden,  weil  30 — 40000  Gulden  jährlich  hierfür  erforderlich  wären,  und 
W'ir  eine  solche  Summe  nicht  werden  geben  können;  ich  glaube  auch  nicht, 
dass  die  Stadt  Wiesbaden  einen  solchen  Zuschuss  von  40000  Gulden  verlangen 
wird,  ein  solcher  Zuschuss  repräsentiert  eine  Million  Kapital.  Wir  wollen  im 
Interesse  Wiesbadens  das  Theater  erhalten  bis  zum  letzten  Dezember,  und  so 
lange    ihm  Unterstützung  leisten,    damit  die  Stadt  Wiesbaden  Gelegenheit  bat, 


160 

andere  Pläne  zu  bringen.  Geschieht  dies  und  zeigt  sich  sodann  die  Unmöglich- 
keit, das  Theater  zu  erhalten,  so  kann  es  eben  nicht  erhalten  werden,  denn  die 
Kammer  wird,  wie  gesagt,  40000  Gulden  nicht  verwilligen.  Ich  glaube,  dass 
im  äussersten  Falle  der  Staat  allerdings  billige  Rücksicht  in  Beziehung  auf  das 
Gebäude  eintreten  lassen  könnte;  das  könnte  aber  dadurch  geschehen,  dass 
das  Gebäude  vom  Staate  acquiriert  und  verwendet  würde.  Bei  der  Anforderung 
ist  in  Anschlag  gebracht,  dass  der  Spielpächter  5000  Gulden  zum  Theater  zu- 
schiesst.  Dieser  Zuschuss  wird  wegfallen  und  wir  werden  den  Ausfall  decken 
müssen.  Wenn  wir  einmal  40000  Gulden  bewilligen  und  das  Theater  für  eine 
Staatsanstalt  ansehen,  so  wird  sich  die  Summe  bald  auf  45000  Gulden  erhöhen 
und  später  auf  60000  Gulden.  Denn  selche  Summen  erhöhen  sich  gar 
gerne.  Ich  glaube,  dass  wir  das  Mass  der  Billigkeit  vollständig  erschöpfen, 
wenn  wir  der  Stadt  Wiesbaden  6  oder  10000  Gulden  zur  Erhaltung  des  Theaters 
zuschlössen,  und  ihivdadurch  Gelegenheit  geben,  mit  Frankfurt  oder  Mainz  in 
Unterhandlung  zu  treten  und  Pläne  vorzulegen/ 

Hierauf  erwiderte,  nach  kurzer  Meinungsäusserung  des  Abgeordneten 
Schmidt,  der  Regierungskommissar  Werren: 

„Die  Gründe,  die  der  Abgeordnete  Lang  angeführt  hat,  der  die  Bewohner 
von  Nassau,  welche  die  Befriedigung  der  Kunstbedürfnisse  suchen,  auf  die 
Umgebung  verweist,  auf  Mainz,  Frankfurt,  Koblenz  und  Homburg,  beweisen  zu 
viel,  also  so  gut  wie  nichts.  Aus  denselben  Gründen  würde  folgen,  dass  wir 
z.  B.  keines  Gymnasiums  bedürfen,  weil  Gymnasien  an  anderen  Orten  bestehen. 
Wenn  diese  Staaten,  welche  die  Kosten  für  Gymnasien  aufzuwenden  haben,  eben- 
so dächten,  wenn  sie  in  Berücksichtigung  dessen,  dass  in  Nassau  drei  Gymnasien 
sind,  ihre  eigenen  aufheben,  und  so  vice  versa  unser  Staat,  so  blieb  keines 
übrig,  und  genau  ebenso  würde  es  mit  dem  Theater  gehen.  Ich  glaube,  dass 
die  Kammer  namentlich  von  der  Ansicht  ausgehen  wird,  wenn  sie  überhaupt 
eine  Yerwilligung  gewähren  will,  dass  das  Theater  eine  Staatsbilduugsanstalt 
sei.  Schliesslich  muss  ich  mich  sodann  auch  dagegen  aussprechen,  dass  man  die 
Yerwilligung  nur  bis  zum  Ende  dieses  Jahres  geben  will.  Der  Grund,  weshalb 
die  Sache  als  so  dringlich,  sowohl  von  der  Regierung,  wie  von  der  Kammer 
anerkannt  worden  ist,  liegt  darin,  dass  das  Theaterpersonal  gerade  jetzt  bei 
Abschluss  seiner  Kontraktzeit  Sicherheit  haben  wollte  und  musste  über  das 
Schicksal  des  Theaters,  also  eine  Garantie  für  den  Fortbestand,  Diese  Gewiss- 
heit wird  aber  nicht  gegeben,  wie  mehrere  Redner  gesagt  haben,  durch  eine 
Verwilligung  blos  bis  zum  1.  Januar  kommenden  Jahres,  oder  durch  eine 
Verweisung  auf  eine  Verbindung  mit  Mainz,  indem  daraufhin  keine  neuen  Kon- 
trakte abgeschlossen  werden  können.  (Allgemeines  Bravo  auf  der  Galeric.) 
Ich  glaube,  dass  die  Kammer  diesem  Antrage  nicht  zustimmen  sollte,  dass  sie 
dagegen  durch  Verwilligung  der  angeforderten  Summe  eine  Pflicht  erfüllt,  welche 
die  fortgeschrittene  Bildung  unseres  Zeitalters  ihr  auferlegt.'' 

So  wird  denn  mit  Emsigkeit  und  Begeisterung  weiter  debattiert,  ob  das 
Theater  städtisch  oder  staatlich  werden  solle.  Gegen  das  letztere  erklärte  sich 
im  Besond«;ren  der  Abgeordnete  Raht,  ein  Führer  der  Linken:  ,Dio  Ansicht 
de^   Abgeordneten  Justi",    behauptete  er,    „das  Theater  für  eine    Staatsanstalt 


161 

zu  erklären,  geht  weit  über  die  Petition  hinaus;  in  dieser  wird  nur  ura  eine 
Unrerstützung  gebeten,  darum  muss  dieser  Autrag  iu  anderer  Furm  behandelt 
werden.  Es  kann  dem  Abgeordneten  Justi  überlassen  bleiben,  in  geschäfta- 
.  ordnungsmässiger  Form  einen  Antrag  darauf  zu  stellen;  dann  muss  er  geprüft 
und  diskutiert  werden  und  alle  Stadien  der  Geschäftsordnung  durchlaufen,  bei 
dieser  Geldbewilligung  aber  kann  er  nicht  zur  Beratung  kommen.  —  —  Ich 
will  kein  Ideal  von  einem  grossen  Staatsgebiete  nehmen;  grosse  Staaten 
haben  die  Theater;  wenn  aber  dieser  Grundsatz  auf  die  Einführung  solcher 
Institute  auf  kleine  Staaten,  wie  der  unsrige,  angewendet  werden  soll,  so  wird 
der  Druck  in  Beziehung  auf  die  Kosten  sehr  gross  werden.  Ein  Theater  ist 
notwendig  in  grossen  Städten,  und  es  wird,  wie  z.  B.  in  Paris,  viel  darauf 
verwendet,  jedoch  in  anderer  Absicht,  es  geschieht,  um  den  Arbeitslosen  Arbeit 
und  Verdienst  zu  geben  nach  dem  bekannten  Satze:  panem  et  circenses!  als 
Zerstreuung  und  Befriedigung  des  empörungssüchtigen  Yolkes.  Das  war  der 
Grund.  Es  ist  sodann  von  mehreren  Rednern  bemerkt  worden,  dass  das  hiesisre 
Theater  ganz  aufhören  soll:  das  wird  nach  meinem  Antrag  nicht  der  Fall  sein. 
Ich  habe  zugegeben,  dass  eine  Subvention  von  selten  des  Staates  stattfinden 
könne,  dass  man  aber  auf  eine  sparsame  Einrichtung  bedacht  sein  müsse,  da- 
mit die  Subvention  aufzubringen  ist.  Man  hat  von  Verbindungsversuchen  mit 
Frankfurt  und  Mainz  gesprochen  und  die  früheren  Beispiele  als  Abmahnung 
für  eine  jetzige  Verbindung  angeführt.  Diese  Beispiele  sind  aber  nicht  mehr 
am  Platze.  Der  Glanz  von  Wiesbaden  ist  unter  der  vorigen  Einrichtung  des 
Theaters  sehr  gehoben  worden,  er  hat  seither  bedeutend  abgenommen,  mithin 
wäre  erwiesen,  dass  diese  früher  bestandene  Einrichtung  den  Glanz  der  Kur 
und  den  Wohlstand  der  Stadt  nicht  herabdrücken  wird. 

Wenn  auf  das  Schicksal  der  beim  Theater  angestellten  Personen  hinge- 
deutet worden  ist,  so  ist  dies  zwar  geeignet,  um  Mitleid  zu  erwecken,  aber 
nicht  auf  Staatshandlungeu  Einfluss  auszuüben;  es  ist  nachgewiesen  und  kann 
als  sicher  angenommen  werden,  dass  das  Theater  in  Wiesbaden  fortbestehen  kann, 
wenn  man  andere  Einrichtungen  trifft  und  wenn  etwas  gj-össere  Anstrengungen 
geschehen.  Man  hat  nach  dem  Etat  aus  der  Stadtkasse  nur  500  Gulden  dazu 
gegeben:  ich  glaube,  dass  die  unmittelbaren  Vorteile,  die  der  Stadt  Wiesbaden 
aus  dem  Theater  zugehen,  wohl  eine  grössere  Anstrengung  der  Stadt  fordern. 
Aus  dem  Umstände,  dass  der  Stadt  unter  der  alten  Regierung  aufgegeben 
worden  ist,  ein  Theater  zu  errichten,  wird  man  eine  Verpflichtung  für  uns 
nicht  ableiten  wollen,  das  Theater  zu  dotieren.  Ich  glaube,  wenn  dies  ge- 
schehen ist,  so  war  es  eine  ausserordentliche  Überschreitung  der  Befugnis  der 
Staatsbehörde,  und  kann  Grund  zu  einem  Regress  gegen  diejenigen  abgeben, 
die  sich  so  etwas  erlaubt  haben.  Ich  glaube  auch,  dass  eine  solche  Über- 
schreitung durch  Anwendung  verfassungsmässiger  Mittel  hätte  beseitigt  werden 
können,  man  hätte  ja  nötigenfalls  bis  zum  Bundestag  gehen  können, 
um  zu  verhüten,  dass  man  der  Stadt  eine  Ausgabe  von  230000  Gulden 
gegen  den  Willen  der  Stadt  auferlege.  Ich  sehe  aber  aus  diesem  Um- 
stände keine  Verpflichtung  für  das  Land,  etwas  auszugeben  für  den  vorliegen- 
den  Zweck.     Wäre   der  Begriff  einer   Staatsanstalt  auf  das  Theater 


162 

für  anwendbar  erklärt,  so  würde  man  bald  von  der  Würde  des 
Staates  sprechen,  welcher  dieses  und  jenes  Grossartige  in  den  Ein- 
richtungen fordere,  und  man  würde  sie  vergleichen  mit  anderen 
grossen  Anstalten,  und  die  Ausgaben  hätten  gar  keine  Grenzen 
mehr.  Jedenfalls  bitte  ich  zu  beachten,  dass  der  Antrag,  das  Theater  zu  einer 
Staatsanstalt  zu  erklären,  nicht  in  dieser  Form  geschehen  kann."") 

Hierauf  ergriff  das  "Wort  der  x^bgeordnete  Fresenius.  Ob  die  Stadt,  führte 
er  aus,  wenn  sie  sich  gegen  den  gezwungenen  Theaterbau  widersetzt  und  nach 
der  Bemerkung  des  Abgeordneten  Raht  an  den  Bundestag  gewendet  haben 
würde,  von  dort  Recht  bekommen  hätte,  sei  sehr  zweifelhaft;  höchst  wahr- 
scheinlich würde  der  Prozess  bis  auf  die  heutige  Stunde  noch  nicht  erledigt 
sein.  Ein  zweiter  Grund,  der  für  das  Gesuch  der  Stadt  Wiesbaden  spreche, 
sei  der,  dass  die  Domänen  bis  jetzt  den  nötigen  Zusehuss  zum  Theater  geleistet 
hätten.  Die  Domänen  seien  Staatseigentum  geworden,  und  es  Hessen 
sich,  wenn  auch  keine  Rechtsgründe,  doch  gewiss  ebenfalls  Billig- 
keitsgründe dafür  anführen,  dass  derjenige,  welcher  die  Domänen 
bekommen  habe,  daraus  bestreiten  müsse,  was  vorher  daraus  bestritten 
worden  sei.  Aber  auch  die  Klugheit  erfordere  es,  dass  das  Theater  fortbestehe, 
denn  wenn  Wiesbadens  Blüte  sinke,  so  verlöre  mit  der  Stadt  das  ganze  Land. 
Das  bedürfe  keines  weiteren  Beweises.  „Wenn  ein  Glied  krank  ist",  fuhr  der 
Redner  fort,  „so  leidet  der  ganze  Körper  mit  und  wenn  das  Herz  krank  ist, 
so  ist  es  der  ganze  Körper  —  eine  Residenzstadt  kann  auf  diese  Weise  ver- 
nichtet werden.  —  Und  endlich  —  die  Gerechtigkeit  verlangt,  dass  die  Theater 
bestehen.  Es  wäre  wahrhaftig  kein  Fortschritt,  sondern  ein  Rückschritt,  wenn 
man  wegen  der  materiellen  Interessen  die  geistigen  ganz  in  den  Hintergrund 
drücken  würde;  die  Kunst  verdient,  wie  der  Ackerbau,  die  Gewerbe,  sie  ver- 
dient wie  die  Wissenschaft  geschützt  zu  werden.  Wir  üben  keine  Willkür, 
sondern  ein  Recht  aus,  wenn  wir  Wiesbaden  eine  Kunstanstalt  erhalten;  dass 
sie  eine  andere  Einrichtung  erhalten  muss,  das  versteht  sich  von  selbst,  und 
dass  die  Anstalt  gerade  hier  erhalten  wird,  das  ist  darum  nötig,  weil  Wiesbaden 
die  Residenz  und  die  grösste  Stadt  im  Land  ist.  Ich  würde  ebenso  warm 
dafür  sprechen,  wenn  das  Theater  irgendwo  anders  angelegt  wäre;  also  Klug- 
heit, Billigkeit  und  Gerechtigkeit  müssen  uns  dafür  bestimmen,  dass 
wir  das  Theater  erhalten.  Es  ist  davon  gesprochen  worden,  dass  wir  das 
Theater  mit  den  Theatern  anderer  Städte  vereinigen  können,  das  ist  aber  nicht 
wohl  ausführbar.  Ein  Theater,  wie  wir  es  als  Bildungsanstalt  bedürfen, 
muss  von  der  Art  sein,  dass  es  die  Nationalbildung  steigert,  dass 
es  dem  Volke  die  Geschichte  und  die  Kunst  vorführt.  Wenn  mau 
diesen  Zweck  nicht  im  Auge  hat,  so  kann  man  sich  eine  wandernde 
Truppe  kommen  lassen,  eine  solche  gäbe  vielleicht  noch  etwas  dazu, 
wenn  man  ihr  das  Gebäude  unentgeltlich  überliesse.  —  Wir  müssen 
aber  das  Ideal  einer  Bühne  im  Auge  haben,  nicht  ihr  Zerrbild.  Man 
hat  gesagt,  das  Theater  dürfe  keine  Staatsanstalt  sein,  allein  das  soll  auch 
Jetzt  nicht  gesagt  werden;  wir  haben  jetzt  noch  keine  definitive  Entschliessung 
darüber    zu    fassen;    der  Antrag    geht    nur  auf    ein   Jahr.      Also  die   Frage,   ob 


1G3 

das  Theater  eine  Staatsanstalt  sein  soll,  wird  später  zur  Sprache  kommen 
müssen,  jetzt  ist  es  nur  eine  provisorische  Bewilligung  auf  ein  Jahr  und  ich 
glaube,  dies  lässt  sich  leicht  rechtfertigen, 

1.  weil  es  nicht  angehen  wird,  Mitglieder  einer  Bühne  auf  eine  so 
kurze  Dauer  von  wenigen  Monaten  zu  engagieren;  die  tüchti^t^n 
Mitglieder  werden  sich  nicht  darauf  einlassen,  sondern  anderwärts 
ein  Engagement  suchen,  es  kann  somit  kein  tüchtiges  Personal 
engagiert  werden, 

2.  der  Grund  derjenigen,  welche  die  Sache  von  dem  Stand  der  Do- 
mänen abhängig  machen  wollen,  ist  wieder  nicht  stichhaltig;  wir 
werden  wohl  ein  Jahr  brauchen,  um  zu  erfahren,  wie  viel  das  Do- 
manialvermögen  dem  Lande  einträgt.  Meine  Herren!  Erhalten  wir 
das  Theater  unserem  wichtigen  Kurort". 

Diesen  warmherzigen  Worten  folgte  ein  lebhaftes  Bravo  von  der  Galerie, 
das  sich  der  Vorsitzende  Wirth  freilich  „ernstlich  verbat".  Das  Auditorium 
dürfe  weder  billigend  noch  missbilligend  über  die  Redner  laut  werden.  Darauf 
führte  der  Abg.  Fresenius  seine  Rede  zum  Schlüsse:  „Es  fragt  sich,  wollen 
wir  vor-  oder  zurückschreiten.  Ein  gutes  Theater  fördert  die  Kultur,  das  wird 
wohl  Niemand  leugnen,  —  dass  Männer,  welche  den  Fortschritt  wollen,  die 
Kultur  befördern  müssen,  wird  wohl  ebenfalls  Niemand  bestreiten.  Wer  dem- 
nach gegen  die  Aufrechterhaltung  des  Theaters  stimmt,  sage  nur  nicht,  dass 
er  dem  Fortschritt  huldige!" 

So  zieht  sich  die  Debatte  in  die  Länge.  Die  Linke  verwahrt  sich  unter 
Gelächter  gegen  die  Verdächtigung,  sie  sei  aus  Rückschrittsmännern  gebildet. 
„Will  man  das  Theater  fortbestehen  lassen",  variierte  dann  der  Abg.  Grossmann 
das  Thema,  „so  muss  man  auch  die  Mittel  dazu  bewilligen.  Mit  einer  Bewil- 
ligung bis  zum  1.  Januar  1849  ist  nichts  gethan.  Ich  erlaube  mir  schliess- 
lich auf  die  Worte  unseres  liebenswürdigen  Dichters  über  unser 
kleines  nassauisches  Vaterland  aufmerksam  zu  machen.     Sie  lauten: 

„Seltsames  Land!     Hier  haben    die  Flüsse  Geschmack  und 
die   Quellen; 
Bei  den  Bewohnern  allein  hab'  ich  noch  keinen  verspürt."') 

Lassen  Sie  uns  nicht  die  Gymnasien  und  das  Theater  abschaffen. 
Sonst  würde  jenes  Wort  des  Dichters  wieder  zur  Wahrheit  werden, 
wie  es  dies  früher  war." 

In  ähnlichem  Sinne  äusserte  sich  der  Abgeordnete  Bertram.  Es  könne 
sein,  sagte  er,  dass  die  Kammer  schon  in  6  Wochen  geschlossen  werde.  Was 
dann  am  1.  Januar  geschehen  solle?  Der  Wohlstand  der  Stadt  hänge  in 
hohem  Grade  von  dem  Fortbestande  des  Theaters  ab.  Man  fördere  das  Staats- 
interesse weit  eher,  wenn  man  Kunstanstalten  bestehen  lasse,  die  fremdes  Geld 
ins  Land  brächten,  das  die  Leute  veranlasse,  allerlei  L^nternehmungen  zu  machen, 
die  dem  Staate  wiederum  einträglich  seien.  Wenn  man  sage,  bis  L  Januar 
1849  könne  man  sich  mit  Frankfurt  oder  Mainz  vereinigen,  dann  bringe  man 
eine  Masse  von  Hausbesitzern  an  den  Bettelstab  und  die  Mitglieder  der  hiesigen 


164 

Bühnengesellschaft  zur  Yerzweiflung.  Hierauf  erklärt  der  Abgeordnete  Raht, 
dass  der  Termin  bis  auf  den  1.  Januar  1849  in  der  Voraudsicht  gestellt  worden 
sei,  dass  bis  dahin  die  Domänenfrage  erledigt  sein  werde.  „Ich  glaube  sodann 
bemerken  zu  müssen",  wendet  er  sich  gegen  den  citatentüchtigen  Kollegen 
Grossmann,  „dass  der  von  dem  vorletzten  Redner  erwähnte  injuriüse  Ausspruch 
gegen  die  Xassauer  wenigstens  in  dieser  Versammlung  nicht  hätte  vorkommen 
sollen."  Hierauf  versetzt  wiederum  kurz  und  bündig  der  Abgeordnete  Gross- 
mann: „Ich  weise  die  Äusserung  des  Abgeordneten  Raht  entschieden  zurück, 
ich  weiss  sehr  gut,  was  ich  zu  sagen  habe.  Der  Herr  ^abgeordnete  muss  mich 
sar  nicht  verstanden  haben!" 

Schliesslich  nähert  man  sich  aber  doch  auf  solche  unterhaltende  Art  der 
Abstimmung.  Zunächst  fasst  der  Vorsitzende  AVirth  die  Ergebnisse  der  Aus- 
einandersetzungen dahin  zusammen: 

I.  Die  Abgeordneten  Fresenius  und  Creutz  haben  vorgeschlagen, 
die  Kammer  wolle  beschliessen,  dass  1,  das  hiesige  Theater  für  eine 
Staatsanstalt  zu  erklären  sei  und  2.  die  Summe  von  33000  Gulden 
als  Zuschuss  zu  bewilligen  sei. 
II.  Der  zweite  Antrag  ist  der  der  Abgeordneten  Justi  und  Wimpf 
und  geht  dahin,  10960  Gulden  bis  zum  1.  Januar  1849  zu  be- 
willigen. 
III.  Der   dritte    Antrag   ist   der   des  Abgeordneten    Raht:    bis   zu  dem 

1.  Januar  6000  Gulden  zu  bewilligen. 
Der  Antrag  des  Vorsitzenden,  in  chronologischer  Ordnung  die  Abstimmung 
folgen  zu  lassen,  wird  angenommen.  So  wird  denn  der  Antrag  Creutz - 
Fresenius  —  auch  in  erfolgter  Gegenprobe  —  mit  20  gegen  19  Stimmen 
verworfen.  Hierauf  wird  über  den  Antrag  der  Abgeordneten  Justi-Wimpf 
auf  Bewilligung  von  10960  Gulden  abgestimmt  und  solcher  mit  29  Stimmen 
angenommen.  „Hierdurch  wird",  erklärte  der  Vorsitzende,  „die  Abstimmung 
über  den  Antrag  des  Abgeordneten  Raht  überflüssig."  — 

So  hatte  die  Wiesbadener  Theaterfrage  des  Jahres  1848  zunächst  ihre 
Lösung  gefunden.  War  auch  in  den  Vordergrund  der  Erörterungen  der  mate- 
rielle Nutzen  der  Stadt  gerückt  worden,  so  hatte  schliesslich  doch  der  deutsche 
Idealismus  in  freilich  kleinstaatlicher  Benommenheit  das  entscheidende  Wort 
gesprochen ;  und  hatte  auch  einer  der  Abgeordneten  in  bitterem  Humor  das 
Distichon  Schillers  in  die  Debatte  hineingerufen : 

„Seltsames  Land!  Hier  haben  die  Flüsse  Geschmack  und  die  Quellen; 
Bei  den  Bewohnern  allein  hab'  ich  noch  keinen  verspürt ! 
so  war  es  doch  eines  der  köstlichsten  ästhetischen  Evangelien  des  deutschen 
Volkes,  Schillers  Aufsatz:  „Die  Schaubühne  als  eine  moralische  Anstalt 
betrachtet",  an  dessen  Hand  man  die  schliessliche  Lösung  fand.  „Es  ist 
die  Ansicht  von  Schelling",  hatte  einer  der  Redner  gesprochen,  „der  Staat  sei 
die  Realisierung  der  Rechtsidee.  Es  giebt  aber  auch  noch  eine  Ansicht  vom 
Staate,  wonach  derselbe  der  Inhalt  aller  Anstalten  ist,  welche  die  Erreichung 
der  liöchsteHi  Ausbildung  der  menschlichen  Gesellschaft    bedingen.     Wenn  mau 


165 

das  Theater  als  Bilduogsanstalt  betrachtet,  so  gehört  es  zu  denjenio-en.  zu 
deren  Errichtung  und  Forterhaltung  die  Staatsgewalt  ganz  besonders  verpflichtet 
ist.  Ich  verweise  auf  die  Abhandlung  Schillers  vom  Theater  als  Bildungs- 
anstalt.  Auch  lehrt  die  Geschichte",  fuhr  der  Abgeordnete  (er  hiess  Leisler 
und  war  ein  Hauptvertreter  des  schönen  Antrags  Creutz-Freseniua)  frei 
nach  Schiller  fort:  „Auch  lehrt  die  Geschichte,  dass  man  die  Theater  meistens 
so  angesehen  hat.  Gehen  wir  zurück  auf  Griechenland  und  Rom,  so  finden 
wir  in  grossartigem  Massstabe  öffentliche  Spiele  auf  eine  Weise,  wie  wir  sie 
in  unserer  Zeit  nicht  finden.  Die  Unterstützung  solcher  Anstalten  kann  in  der 
neueren  Zeit  in  monarchischen  und  in  manchen  anderen  Staaten  gefunden 
werden,  auch  in  dem  republikanischen  Venedig."^) 

In  ähnlichem  Sinne  hatte  das  Spezialvotum  des  Abg.  Justi  gelautet: 
„Auf   verschiedenen    Wegen    zeigt   sich    der  Mensch    als  geistiges  Wesen 
und  sucht  die  Kategorien  des  Geistes  im  Leben  darzustellen. 

Die  Religion,  die  Kunst,  das  Recht,  die  Wissenschaft  und  das  soziale 
Leben  sind  die  Formen,  in  denen  sich  der  Mensch  als  geistiges  Wesen  zu  er- 
kennen gibt,  und  welche  zusammen  das  Leben  in  dem  Staate,  den  Staat  selbst 
ausmachen.  Der  Rechtsstaat  als  solcher  umfasst  nur  eine  fener  Seiten  und  es 
ist  bisher  eine  grosse  Anmassung  gewesen,  diese  Seite  allein  als  den  Staat  zu 
betrachten,  indem  doch  erst  alle  jene  Erscheinungen  zusammen  den  Staat  aus- 
machen, weil  erst  durch  diese  alle  Bedürfnisse  des  Menschen  zur  Befriedigung 
kommen. 

Hierdurch  ist  erwiesen,  dass  die  Kunst  ihre  Notwendigkeit  im  Staate  hat, 
und  dass  wir  ein  Institut,  welches  sie  vertritt,  welches  das,  was  die  Poesie  und 
Musik  Hohes  schafft,  lebendig  vorführt,  nicht  untergehen  lassen  dürfen.  Augen- 
blicklich scheinen  die  materiellen  Interessen  alles  absorbieren  zu  wollen,  sie 
haben  jetzt  gewiss  eine  grosse  Bedeutung,  aber  wir  dürfen  doch  die  geistigen 
Interessen  dabei  nicht  untergehen  lassen,  sondern  müssen  auch  diesen  ihre 
ewigen  Rechte  sichern.  Um  nun  beiden  Interessen  in  ihrem  gebieterischen 
Rechte  Rechnung  zu  tragen,  ist  es  nötig,  sich  einerseits  näher  über  den  Stand 
des  Fonds  zu  informieren,  woraus  früher  die  Kosten  bestritten  wurden,  anderer- 
seits sich  über  die  innere  Organisation  weitere  Kenntnis  zu  verschaffen,  um 
dann  später  eine  sich  darauf  stützende  bestimmte  Bewilligung  eintreten  zu 
lassen". 

Wenn  dieser  Antrag  siegte,  so  muss  eingeräumt  werden,  dass  der  Wies- 
badener Presse  das  Zeugnis  gebührt,  ihrerseits  mehrfach  erklärt  zu  haben,  dass 
die  öffentliche  Stimmung  und  Meinung  des  Landes  sich  in  vollem  Einklang 
sowohl  mit  den  opportunistischen,  wie  den  idealistischen  Motivierungen  der 
Kammerredner  befinde.  So  schrieb  in  No.  158  die  „Freie  Zeitung"  unter 
Wiesbaden,  13.  August:  „.  .  .  Wenn  man  in  billige  Erwägung  zieht,  dass 
Wiesbaden  es  war,  w^elches  auf  uneigennützige  Weise  für  Realisierung  der 
März-Errungenschaften,  deren  materielle  Vorteile  dem  übrigen  Lande 
zum  grossen  Teile  zugefallen,  in  erster  Reihe  gekämpft  hat;  wenn  ferner 
erwogen  wird,  dass  die  Stadt  im  Jahr  1826  vom  Gouvernement  gleichsam  ge- 
zwungen   wurde,    nicht  nur  ein  Theater  (was  218000  Gulden  gekostet)  zu  er- 

11 


IG6 

bauen,  sondern  überhaupt  auch  seine  finanziellen  Kräfte  dem  öffentlichen 
Interesse  vielfach  zum  Opfer  zu  bringen,  indem  dieselbe  treibhausartig 
aus  ihrem  natürlichen  Entwickelungsgang  herausgerissen  und  aller 
Einsprache  ungeachtet  in  einem  seinen  Erwerbsquellen  durchaus 
widersprechenden  Verhältnisse  vergrössert  wurde  und  endlich,  dass 
die  Stadt  bei  einer  Schuldenlast  von  33G000  Gulden  seit  geraumer 
Zeit  schon  die  höchsten  direkten  Steuern  neben  einer  bedeutenden 
Accisabgabe  erheben  muss  und  somit  nicht  im  stände  ist,  das  Theater- 
institut aus  eigenen  Mitteln  zu  unterhalten,  dürfte  es  nicht  ungerecht- 
fertifft  erscheinen,  wenn  man  es  mindestens  für  eine  moralisahe  Verbindlichkeit 
des  Landes  erklärt,  dass  es  der  Stadt  Wiesbaden  zur  Eriialtung  eines  selbst- 
ständigen Theaters  eine  zwar  entsprechende  Unterstützung  aus  allgemeinen 
Mitteln  verwilligt  —  eine  Unterstützung,  wie  sie  bis  jetzt  in  keinem 
konstitutionellen  Staat,  ja  selbst  in  der  Republik  Frankreich  ver- 
weigert wurde! 

Sollte  dies  jedoch  wider  Verhoffen  aus  übelangeordneter  Sparsamkeit 
nicht  geschehen,  so  wird  Wiesbaden  —  um  nur  den  materiellen  Punkt  zu 
berühren  —  bis  auf  den  innersten  Kern  erschüttert:  ein  70000  Gulden  um- 
schlagendes Personal  ca.  von  160  Köpfen  (über  die  Hälfte  hiesige  Einwohner 
und  Familienväter),  wird  brotlos,  zahllose  Wohnungen  bleiben  unbewohnt. 
Hunderte  von  Fremden  werden  den  traurigen  Kurort  unbesucht  lassen,  während 
die  Winterkur,  die  in  den  let/.ten  Jahren  so  erfreuliche  Resultate  lieferte,  auf 
Null  reduziert  wird.  Mit  einem  Wort:  das  freundliche,  mit  so  mannigfachen 
und  empfindlichen  Opfern  vergrösserte,  verschönerte  und  sich  mithin  eines  an- 
ständigen Rufs  erfreuende  Wiesbaden  (worauf  unsere  nassauischen  Brüder 
weniger  mit  Neid,  als  mit  Stolz  blicken  sollten)  wird  von  seiner  Höhe  herab- 
gerissen, zu  einem  zweiten  Wetzlar  degradiert  und  —  ruiniert". 

Mochte  dies  allzusehr  vom  Utilitätsstaudpunkt  Wiesbadens  pro  domo  und 
pro  nrhe  gesprochen  sein,  als  dass  jenseits  der  städtischen  Gemarkung  den 
Artikel  des  jungen  und  bereits  von  trefflich  dirigierter  Konkurrenz  heimgesuchten 
lilattei')  ein  ungetrübtes  Wohlwollen  willkommen  geheissen  hätte,  so  wusste 
die  Weisheit  der  jungen  Schriftloitung  im  Brustton  einer  keineswegs  städtischen 
Interessen  einseitig  verhaftet  bleibenden,  vielmehr  das  All  des  Landes  fürsorglich 
umfassenden  wahren  Nationalität  sich  zu  jenem  politischen  Idealismus  empor- 
zuschwingen, welcher  das  Wiesbadener  Kunstinstitut  viel  weniger  um  der  Stadt, 
als  um  „der  Heiligkeit  der  Kunst,  um  der  Idee  des  Schönen,  um  der  National- 
erziehung"  —  kurz,  um  einer  Reihe  von  idealen  Prinzipien  und  Kulturauf- 
gaben willen  erhalten  wissen  wollte,  die  in  jenem  erstcitierten  Artikel  völlig 
ausser  Gesichtsweite  der  „Freien  Zeitung"  verblieben  waren.  Diesmal  — 
zehn  Tage  später,  also  am  23.  August  —  erschien  die  Sachlage  in  den  Augen 
des  Blattes  unter  einer  mehr  transcendenten,  über  alles  Stofflich  -  Materielle 
und  alle  niederen  Nahr\ingsbedürfnisse  platonisch  erhabenen  Auffassung.  Der 
Artikel  erschien  diesmal  arant  Ja  lettre^  als  ein  Publizistisch-Selbständiges,  von 
einem  besonderen  Titel:  .,I)ie  Tlieaterfrage"  gekrr.iit.  Er  lautete  folgender- 
musseu: 


]r,7 

„Nachdem  schon  mehrmals  diese  Frage  in  diesem  Blatte  erwogen  worden 
ist,  halten  wir  es  gleichwohl  zum  Zweck  allseitiger  [hinc  illae  lacrimae!] 
Verständigung  nicht  für  überflüssig,  nochmals  in  dieser  Angelegenheit  das  Wort 
zu  ergreifen. 

Bekanntlich  steht  es  mit  dem  Tempel  Thalias  in  Wiesbaden  so,  dass 
wenn  von  Seiten  des  Staats  nicht  eine  namhafte  Summe  der  Theaterkasse  vor- 
gestreckt wird,  die  Pforten  jenes  Tempels  sich  schliessen  müssen.  Nun  hat 
die  Stadt  Wiesbaden  bei  der  Kammer  dringend  gebeten,  letztere  möge  doch 
dem  Theater  der  Stadt  Wiesbaden  zu  Hilfe  kommen,  weil  sonsten  durch  den 
Jiuin  des  Theaters  nicht  nur  Brotlosigkeit  des  nicht  unbedeutenden  Theater- 
personals herbeigeführt  würde,  sondern  auch  die  EinQahms([uellen  der  Stadt 
Wiesbaden  selbst  in  bedeutendem  Grade  verstopfe  würden. 

Wie  sehr  wir  nun  auch  wünschen,  dass  die  Künstler  ein  ihrem  würdigen 
Berufe  entsprechendes  Auskommen  finden  möchten,  und  so  sehr  wir  wünschen, 
dass  der  Wohlstand  der  Stadt  Wiesbaden  sich  immer  blühender  entfalte,  so 
müssen  wir  doch  offen  bekennen,  dass  wir  deswegen  bloss,  weil  im  Falle 
der  NichtUnterstützung  Wiesbaden  bedeutender  Nachteil  treffen 
würde,  eine  nicht  unbeträchtliche  Verausgabung  [sie]  aus  der  Staats- 
kasse zum  Zwecke  der  Aufrechterhaltung  des  Theaters  nicht  für 
gerechtfertigt  erachten  können. 

Es  gibt  noch  viele  ungleich  ärmere  Gemeinden  im  Lande  als  Wiesbaden, 
für  welche  es  ungleich  schwerer  ist,  das  notwendige  Brot  zu  erwerben,  und 
mit  demselben  Recht  wie  Wiesbaden  eine  so  bedeutende  Unterstützung  ver- 
langt, ganz  mit  demselben  Recht  könnten  es  alle  diese  andern  Ge- 
meinden. Dessenungeachtet  wünschen  wir,  dem  Theater  in  Wies- 
baden würde  von  Seiten  des  Staates  unter  die  Arme  gegriffen. 

Wir  sprechen  dieses  aus  mit  Rücksicht  auf  die  Interessen  der 
heutigen  Kunst,  mit  Rücksicht  auf  die  Nationalerziehung.  Dem  Staat 
liegt  nun  einmal  ob,  alle  Seiten  des  menschlichen  Geistes  zur  grösst- 
möglichen  Entfaltung  zu  bringen,  ihm  liegt  auch  die  Aufgabe  ob, 
der  Idee  des  Schönen  im  Leben  Eingang  zu  verschaffen.  Und  nun 
wäre  es  in  der  That  unverantwortlich,  wenn  Nassau  des  einzigen  ihm  ange- 
hörigen  Kunstinstituts  verlustig  würde,  infolge  einer  allzu  engherzig  abwägen- 
den Knickerei, 

Freilich  mag  es  auch  in  unserem  Lande  noch  Menschen  genug  geben, 
welchen  jede,  auch  die  geringsten  Ausgaben  für  die  Kunst  Luxus  deucht;  allein 
das  Urteil  solcher  Menschen  darf  den  Staat  in  seiner  Rücksichtnahme  auf  die 
höchsten  Interessen  der  Menschheit  nicht  hemmen. 

Die  Bedeutung  des  Theaters  für  die  Erziehung  und  Veredlung  des  Volkes, 
falls    ersteres  gehörig   geleitet    wird,    ist  von    erkannt   ungeheurer   Wichtigkeit. 
Was    kann    veredelnder    auf  das    Gemüt,    was    belebender   auf  den   Geist 
wirken,  als  die  unerreichten  Meisterwerke  unserer  grossen  Dichter? 

Und  ist  nicht  die  Musik  eines  der  wesentlichsten  Mittel  zur  Bilduns:  eines 
richtigen  Zartgefühls  und  Verfeinerung  des  Geschmacks?  Nehmen  wir  uns, 
was  die  Pflege  der  Kunst  anbelangt,  die  alten  Athener  zum  Muster,  deren  Kunst- 

11* 


168 

liebe  so  weit  ging,  dass  sie  sogar  unter  Perikles  eine  besondere  Kasse  (das 
sog.  Theorikon)  haLcen,  aus  welcher  den  ärmeren  Bürgern  auf  Staatskosten  der 
Eintrittspreis  in  das  Theater  bezahlt  wurde." 

Die  herrschende  Anschauung  der  Kammer  konnte  seitens  der  öffentlichen 
Meinung,  soweit  dieselbe  in  der  Tagespresse  zum  Ausdruck  gelangte,  mithin 
kaum  wirksamer  unterstützt  bezw.  kaum  anerkennender  gebilligt  und  ermuntert 
werden. 

So  erreichte  denn  das  Regime  der  Hof-Intendanz  auf  der  Wiesbadener 
Bühne  mit  dem  1.  September  seinen  Abschluss  und  eine  Kommission  von  siebeo- 
Yertrauensmännern  der  Stadt  Wiesbaden  trat  an  ihre  Stelle.  Und  über  diesem 
Wechsel  waltete  ein  freundlicher  Stern,  denn  innerhalb  dieser  sieben  glänzte 
der  Name  des  gefeiertsten  zeitgenössischen  Schriftstellers  des  schönen  Herzog- 
tums, der  Xame  Wilhelm  Heinrich  Riehls.  1823  in  Biebrich  geboren,  stand 
er  damals  als  25 jähriger  junger  Mann,  wie  er  selber  sagt:  in  seinen  sonnen- 
hellsten Jahren.  Er  war  Redakteur  der  „Nassauischen  Allgemeinen  Zeitung", 
die  unlängst  —  am  1.  April  —  ans  Licht  getreten  war,  denn  das  Jahr  1848 
hatte  dem  Herzogtum  Nassau  unter  anderen  Wohlthaten  auch  die  seiner  ersten 
Zeitungen  beschert.  Riehl  selbst,  der  ja  längst  vom  Rhein  an  die  Isar  ver- 
pflanzt ist,  hat  nicht  nur  in  dramatischer  Lebendigkeit  und  Anschaulichkeit  die 
nassauische  Chronik  des  Jahres  1848  geschrieben,  sondern  auch  jene  bürgerliche 
Wiesbadener  Theaterkommission  in  Aufzeichnungen  verewigt,  die  zwar  nicht 
das  straffe  Gewand  pragmatisch-annalistischer  Geschichtsschreibung  tragen,  aber, 
wenn  sie  auch  im  farbenhellen  Gewand  der  Dichtung  erscheinen,  so  dennoch  den 
vollen  Anspruch  jener  historischen  Treue  erheben,  die  sich  auf  persönliches 
Miterleben  gründet.  Er  selbst  nennt  denn  auch  die  Dichtung,  welche  beiläufig 
den  Titel  ^Das  Theaterkind"  trägt  und  deren  Heldin  die  damalige  (freilich 
fingierte)  Naive  des  Wiesbadener  Theaters  ist,  eine  „Memoiren-Novelle 
aus  der  Gegenwart".'")  Natürlich  darf  uns  hier  der  rein  dichterische  Inhalt 
der  Novelle  nicht  von  der  Wiesbadener  Theaterfrage  des  Jahres  1848  abziehen, 
sondern  allein  ihre  historische  Grundlegung  unsere  Teilnahme  fesseln.  Der 
Erzähler  beginnt: 

„Auf  dem  Direktionsbureau  des  Wiesbadener  Hoftheaters  stand  ein  Kanape, 
mit  krebsrotem  Wollenstofl*  überzogen  und  so  gross,  dass  eine  ganze  Familie 
darauf  hätte  Platz  nehmen  können.  Augenfällig  gehörte  es  gar  nicht  hierher; 
denn  die  übrigen  Möbel  des  Zimmers  waren  ganz  kanzleimässig,  das  krebsrote 
Kanape  hingegen  war  bühnenmässig.  Und  in  der  That  stammte  es  auch  von 
der  Bühne,  war  aber  dort  in  Ungnade  gefallen  und  ins  Direktiouszimmer  ver- 
bannt  worden. 

Ich  habe  in  meinem  Leben  kein  so  grosses  Kanape  gesehen,  dafür  sollte 
69  eben  auch  ein  „mittelalterliches  Kanape"  sein  (auf  dem  Theater  gibts  der- 
gleichen), und  man  hatte  es  für  Spohrs  Faust  aus  besonderen  Gründen  eigens 
80.  ungeheuer  lang  machen  lassen. 

Bei  der  Scene  nämlich,  wo  Fausts  Zaubermantel  den  Doktor  mit  seinen 
Genüssen  durch  die  Decke  des  Saals  in  die  Lüfte  entführt,  musste  jenes  Kanape 


169 

die  Aufstellung  dos  Plugapparates  maskieren.  Dieser  Aufflug  machte  sich  nun 
allemal  dadurch  besonders  schön,  dass  Einer  der  Freunde  Fausts,  ein  kleiner 
Sänger,  aber  ein  grosser  Turner,  beim  Aufsteigen  der  Gruppe  selbstvergessen 
einen  Augenblick  stehen  blieb,  dann  aber,  als  der  Mantel  auf  Manneshöhe  vor 
ihm  schwebte,  plötzlich  wie  erwachend  hinzusprang,  den  letzten  Zipfel  mit 
beiden  Armen  packte  und  solchergestalt  frei  schwebend  mit  emporstieg.   '}2b^'\i 

Unlängst  jedoch  war  es  bei  dieser  malerischen  Scene  seltsam  zugegangen. 

Der  kleine  Sänger  fasste  eben  den  massiven  untersten  Teil  des  Flugwerks, 
welches  den  Mantel  darstellte  und  begann  aufzuschweben,  als  er  entsetzt  ge- 
w^ahrtc,  dass  noch  ein  zweiter  verspäteter  J Fahrgast  am  gegenüberstehenden 
Zipfel  des  Mantels  hängend  hinten  nachkam:  das  krebsrote  Kanape  begann 
gleichfalls  ganz  sachte  mit  aufzusteigen  —  ein  Haken  des  Flugwerks  hatte 
sich  in  dem  Wollenzeuge  verfangen,  —  die  Maschine  seufzte  und  stöhnte  unter 
der  übermässigen  Last  und  drohte  zu  brechen,  dem  Doktor  Faust  war  es  sicht- 
lich selbst  nicht  mehr  geheuer  bei  seiner  Zauberei,  das  Publikum  schwankte 
zwischen  Angst  und  Lachen,  der  kleine  Tenorist  am  untersten  Mantelzipfel  aber 
klammerte  sich  mit  den  Armen  immer  fester  und  wehrte  mit  den  Beinen  ver- 
zweiflungsmutig das  grosse  Kanape  ab,  welches  wie  ein  Pendel  schwindend 
ihn  hinabzustürzen  drohte;  allein  je  kräftiger  er  dasselbe  zurückstiess,  um  so 
gewaltiger  fuhr  es  ihm  in  die  Beine.  So  waren  sie  gegeneinander  ringend 
schon  fast  bis  zur  Höhe  der  Suffitten  gekommen,  —  da  riss  das  Wollenzeuo" 
des  Sophas,  worin  sich  der  Haken  verfangen  hatte,  und  mit  lautem  Gekrach 
stürzte  das  unselige  Möbel  aufs  Podium  und  brach  nebenbei  zwei  Füsse.  Die 
plötzlich  erleichterte  Flugmaschine  aber  schnellte  nun  doppelt  rasch  in  die  Höhe 
und  brachte  den  Doktor  Faust  samt  seinen  Genossen  heil  und  sicher  auf  den 
Schnürboden,  zum  grossen  Jubel  des  aufatmenden  Parterres. 

So  war  das  grosse  Kanape  in  Ungnade  gefallen  und  für  alle  Zeit  von 
der  Bühne  ins  Direktionszimmer  verbannt  worden. 

Wie  oft  habe  ich  nicht  in  den  Jahren  1848  und  49  nachdenklich  vor 
diesem  heillosen  Kanape  gestanden  und  in  melancholischem  Ernste  jener  Faust- 
scene  gedacht,  welche  das  Möbel  hierher  gefördert  hatte!  Sie  erinnerte  mich 
gar    zu  lebhaft  an  unsere  Bühnenleitung,   sie  war  deren  dramatisches  Sinnbild. 

Doch  muss  ich  zunächst  erzählen,  was  das  denn  für  eine  Bühnenleifun? 
gewesen  ist,  und  wie  ich  mit  zu  derselben  gekommen  bin.  Das  Wiesbadener 
Hoftheater  hatte  in  der  vormärzlichen  Zeit  bedeutende  Zuschüsse  aus  den 
Privatmitteln  des  Herzogs  erhalten.  Mit  der  Revolution  von  1848  hörten  die- 
selben auf,  und  das  Theater  würde  zu  Grunde  gegangen  sein,  wenn  nicht  der 
Landtag  eine  jährliche  Subvention  von  20000  Gulden  aus  Staatsgeldern  bewilligt 
und  die  Gemeinde  gleichfalls  in  den  Säckel  gegriffen  hätte.  Allein  Beides  nur 
unter  dem  Beding,  dass  die  alte  Kavaliers-Intendanz  aufhöre,  dass  die  Bühne  ( 
reformiert,  idealisiert,  dass  sie  konstitutionell  verwaltet,  das  heisst  unter  eine 
Oberleitung  von  Yertrauensmännern  gestellt  werde,  welche  dem  Ministerium 
und  durch  dieses  dem  Landtage  verantwortlich  seien.  „Vertrauensmänner" 
gab  es  damals  überall,  warum  nicht  auch  im  Theater?  Diese  Vertrauens- 
männer nannte  man  die  Theaterkummissiou, 


170 

Sie  war  aber  nicht  bbs  ein  Beirat,  öon<lorn  sie  dirigierte  wirklich,  mit 
Hilfe  der  Regisseure,  sie  ersetzte  die  gefallene  Intendanz.  Im  ächten  Geiste 
jener  Tage  war  sie  verantwortlich  nach  allen  Seiton:  nach  oben  dem  Ministerium, 
nach  unten  dem  Publikum,  nach  links  dem  Landtage  und  nach  rechts  dem 
Mao-istrat.  Woraus  man  vielleicht  folgern  möchte,  dass  diese  Kommission  vor 
lauter  Verantwortlichkeit  kein  Glied  habe  rühren  können;  allein  wir  schrieben 
1848,  und  damals  hatte  freie  Hand,  wer  den  Mut  besass,  Kopf  und  Hand  zu 
"•ebrauchen.     Und  diesen  Mut  besassen  wir. 

Die  Mito-lieder  unsers  revolutionären  Bühuendirektoriums  waren  Leute 
von  allerlei  Beruf  und  Zeichen:  ein  Chemiker,  ein  Jurist,  ein  Weinhändler,  ein 
Schriftsteller,  ein  Philologe  und  ein  Mann,  der  von  seinem  Geld  lebte.  Wenn 
so  mancherlei  Geister  vereint  dem  Theater  nicht  helfen  konnten,  so  war  ihm 
augenfällig  überhaupt  nicht  mehr  zu  helfen. 

Wir  teilten  uns  derart  in  die  Arbeit,  dass  der  Chemiker,  der  Jurist,  der 
Weinhändler  und  der  Kapitalist  die  Ökonomie  und  die  Finanzen  überwachten, 
indes  der  Philolog  und  der  Schriftsteller  (letzteres  meine  Wenigkeit)  die  künst- 
lerischen Zügel  zur  Hand  nahmen.  Acht  republikanisch  walteten  wir  unseres 
Amtes  ohne  alles  Entgelt  und  trieben  die  Strenge  der  Uneigennützigkeit  so 
weit,  dass  wir  nicht  einmal  unsern  Frauen  einen  Freiplatz  gönnten;  wir  wollten 
und  sollten  blos  ehrenhalber  Theater  dirigieren.  Äussere  Ehre  trugen  wir  aber 
demuDgeachtet  blutwenig  davon.  Wir  sind  meines  Wissens  während  drei  Jahren 
niemals  in  einer  Zeitung  gelobt,  desto  öfter  hingegen  getadelt  worden,  und 
mussten  uns  also  mit  der  inneren  Ehre  begnügen. 

Wahrlich,    wir    hatten    einen    harten  Stand.     Der  Hof  mied  das  Theater, 
ohne  Zweifel,  weil  er  in  der  neuen  Leitung  vorab  einen  groben  Protest  gegen 
die  alte  erblickte;  die  Demokraten  murrten  wider  uns,  weil  ihnen  das  Repertoire 
zu  zahm  war,  weil  wir  lieber    die  Iphigenie  gaben  als  „Keine  Jesuiten  mehr," 
lieber    den  Wallenstein    als  den  ewigen    Juden,   lieber  den  Don  Juan  als  „das 
Weib    aus    dem  Yolke"    und  überhaupt  die  Grille  hegten,   dass  die  Bühne  ein 
Tempel  der  Kunst  und  nicht  der  Parteipolitik  sei.     Die  Spielpächter  mit  ihrem 
mächtigen  Anhang  wurden  uns    gram,    weil  wir  Iffland's    , Spieler"  zu  geben 
wagten,  während  bis  dahin  jedes  Stück,  welches  seine  Spitze  gegen  die  Spiel- 
wut kehrte,  vom  Wiesbadener  Theater  verbannt  gewesen  v.-ar.  (!)    Mancher  alte 
Theaterfreund  ward  zum  Theaterfeinde:  denn  warum  hatte  man  ihn  nicht  vor 
Allen  in  die  Kommission  gewählt?    (Thörichte  Leute,    die  sichs  so  gar  reizend 
vorstellen,    das  Scepter    in    dem    kleinen  Königreiche    des    Theaters    zu  führen, 
namentlich    wegen    der    schönen  Schauspielerinnen    und   Sängerinnen!     Keinem 
Menschen  erscheinen  diese  Schönheiten  weniger  schön  als  einem  Theaterdirektor.) 
Die    zahllosen  ehemaligen  Freibilleter  räsonnierten  über  uns,   weil  sie  in  voller 
staatsbürgerlicher  Gleichheit  nun  ebenfalls  zahlen  sollten.     Das  parteilose  Kur- 
publikum endlich  blieb  im  Sommer  aus  wegen  der  unruhigen  Zeit  und  folglich 
kamen    im    ruhigen  Winter    auch    die    meisten  Wiesbadener   nicht  ins  Theater, 
weil  ihnen  der  Sommer  kein  Geld  gebracht    hatte.     An  gar  manchem  schönen 
Tlicateral)en<l    hätte    man    im   Parterre  Purzelbäume  schlagen    können,    und  der 
Kassierer  trug  die  Tageseiniiahme  in  der  Westentasche  heim. 


171 


Trotzdem  blieben  wir  immer  hochgemut  und  hoffnungsfreudig.  Die  mit 
den  Finanzen  betraute  Ilillfte  unserer  Kommission  betrachtete  sich  als  eine  Art 
Rettungsmannsclia''t,  der  es  auch  durch  strengen,  knappen  Haushalt  gelang, 
das  SchifHein  durch  die  Klippen  des  Bankerotts  zu  steuern.  Aber  für  sulch 
verdriessliche  Knickerei  darf  man  keinen  Dank  erwarten.  Uns  beiden  künst- 
lerischen Führern  dagegen,  jungen  Männern  in  den  sonnenhellsten  Jahren,  stand 
der  Sinn  nach  idealem  Ziele,  nach  einer  reinen  Priestm-schaft  des  Schönen; 
man  schwärmte  damals  im  deutschen  Parlament,  in  den  Kabinetten  und  auf 
der  Gasse  für  so  vielerlei  reine  Prie.>terschaft,  warum  sollten  wir  im  Wies- 
badener Theater  nicht  auch  für  dergleichen  schwärmen? 

Auf  Fausts  Mantel  flogen  wir  zum  Äther  empor,  aber  das  krebsrote 
Kanape,  der  garstige  Realismus  jeder  Bühnenleitung,  dieses  unbemerkt  sich 
einhakende  Gespenst,  stieg  mit  uns  in  die  Höhe,  und  im  schönsten  Aufschwung 
sahen  wir's  entsetzt  zu  uusern  Füssen  baumeln,  die  Flugmaschine  ächzte  und 
stöhnte  unter  dem  uuberechneten  Ballast,  und  je  mutiger  wir  ihn  zurück- 
schleuderten, um  so  gefahrvoller  schlug  er  uns  wider  die  Beine. 

Nun  werden  meine  Leser  begreifen,  warum  ich  so  manchmal  seufzend  vor 
dem  grossen  Kanape  auf  und  nieder  ging;  und  wenn  sich  die  Kommission,  um 
Rats  zu  pflegen,  auf  das  rote  Ungeheuer  setzte,  dann  war  es  mir  allemal,  als 
reite  St.  Georg  auf  seinem  eigenen  Lindwurm,  noch  bevor  er  ihm  den  Rest 
gegeben." 

Soweit  die  Erinnerungen  des  Herrn  von  Riehl. 

Dass  die  „Bürgerkommission"  mit  hohem  Ernst  ihre  Aufgabe  antrat 
und  einen  idealen  Eifer  einsetzte,  um  das  anvertraute  Kunstinstitut  in  würdig- 
ster Weise  zu  leiten  und  zu  verwalten,  dies  beweisen  das  Programm  und  die 
Chronik  ihrer  Amtsführung. 

Den  Vorsitz  führte  der  schon  mehrfach  genannte  Regierungsrat  Werren. 
Die  sechs  anderen  Mitglieder  waren  die  Stadtvorsteher  Röhr,  Zoll  mann, 
Bertram,  der  KoUaborator  Bogler,  der  Professor  Fresenius  und  also  der 
Redakteur  der  Nassauischen  Allgemeinen  Zeitung  W.  H.  Riehl. 

Regisseure  waren  Jaskewitz,  Stölzel  und  Dr.  Meyer. 

Kapellmeister  waren  Foreit  und  Christian  Rummel,  letzterer  gerühmt 
als  ausgezeichneter  Pianist  und  Violinist  und  als  Herausgeber  verschiedener 
Werke  für  Blasinstrumente;  er  aber  starb  schon  1S49;  bereits  1848  mel- 
den die  Theaterzettel  vielfach  seine  Erkrankung.")  Ihn  vertrat  demnächst  der 
Kapellmeister  Kreutzer. 

Die  Koloratur-Sängerin  war  eine  Tochter  des  genannten  Hofkapellmeisters 
Rummel  und  die  dramatische  Sängerin  ein  Fräulein  Kern.  Fräulein  Franziska 
Rummel  bezog  eine  Monatsgage  von  166  Gulden  40  Kreuzern  und  Fräulein 
Kern  eine  solche  von  250  Gulden.  Letztere  gab  in  der  Zeit  vom  1.  September 
bis  zum  Schlüsse  des  Jahres  die  Antonina  im  ,Belisar",  die  Marie  in  der 
„Regimentstochter",  Leonore  in  „Stradella",  Leonore  in  „Fidelio",  Alice  in 
„Robert  der  Teufel",  Gabriele  im  „Nachtlager  in  Granada",  Constanze  in 
, Der  Wasserträger",  Blondehen  in   „Btdmoute  und  Constanze",   Mathilde  iu 


172 

^Tell",  Agathe  im  „Freigchütz",  Lucrezia  Borgia,  Valentine  in  den 
, Hugenotten",  die  Gräfin  in  „Figaro's  Ilochzeit",  Paniina  in  „Die  Zaubor- 
tlöte",  Norma,  Jessonda  und  Desdemona;  ihr  erhöhtes  Honorar  erscheint 
also  nur  zu  berechtigt;  doch  kaum  mindere  Kraft  musste  Fräulein  Rummel 
einsetzen.  Sie  sang  in  dem  gleichen  Zeitabschnitt  die  Irene  im  „Belisar", 
die  Elvira  in  „Die  Stumme  von  Portici",  Constanze  in  „Belmonte  und  Con- 
stanze", Margarethe  v.  Valois  in  den  „Hugenotten",  Susanna  in  „Figaro's 
Hochzeit",  die  Königin  der  Nacht  in  der  „Zauberflöte",  Adalgisa  in  „Norma", 
Camilla  in  ,Zampa",  Madelaine  im  „Postillon",  die  Prinzessin  von  Na- 
varra  in  „Johann  von  Paris",  Henriette  in  „Der  Blitz"  (Halevy),  Amazili 
in  „Jessonda",  Lucia  von  Lammermoor  und  die  Anna  in  „Die  weisse 
Dame".  Im  Sonstigen  umfasste  die  Gehaltsskala  der  Damen  die  Spannweite 
von  monatlich  250  bis  20  Gulden  abwärts.  Mit  dem  letzteren  Einkommen 
mussten  sich  die  Choristinnen  begnügen,  die  auf  den  damaligen  Theaterzetteln 
noch  unter  der  Gattung  „Demoiselle"  figurierten,  während  den  glück- 
licher veranlagten  oder  sonst  gehobenen  Künstlerinnen  bereits  das  Prädikat 
Fräulein  vergönnt  wurde. 

Der  beste  Schauspieler  der  Episode  war  Joseph  Moys  Adalbert  Weilen- 
beck, derselbe,  der  nachmals  im  Ensemble  der  Meininger  eine  so  dominierende, 
die  Harmonie  des  Gesamtspiels  überglänzende  Rolle  spielte.  Den  20.  Okt.  1820 
zu  Fiume  geboren,  betrat  Weilenbeck,  mit  akademischer  Bildung  versehen, 
anfangs  der  vierziger  Jahre  die  Bühne,  wirkte  1845 — 46  in  Posen,  1846 — 47 
in  Altona  und  1848 — 49  als  erster  Charakterspieler  in  Wiesbaden  (Mephisto, 
Perin  u.  s.  w.).  Nach  einem  mehrjährigen  Engagement  in  Prag  kehrte  er 
auf  ein  Jahr  1858 — 59  nach  Wiesbaden  zurück;  in  den  sechziger  Jahren  war 
er  fast  durchgehends  in  Breslau,  und  seit  1869  Mitglied  des  Herzoglichen  Hof- 
theaters in  Meiningen.  In  den  letzten  Jahren  fast  gänzlich  erblindet,  war  er 
seit  1879  pensioniert  und  starb  1885  in  Meiningen.  Rollen  aus  seiner  Meininger 
Periode  waren:  Papst  Sixtus  V.,  Shylock,  Argan,  Attinghausen,  Polonius,  Alba, 
Andreas  Doria  u.  dgl.  Weilenbecks  Verdienste  sind  von  Seiner  Hoheit 
dem  Herzog  Georg  s.  Z.  durch  Verleihung  des  Ritterkreuzes  des  Herzoglich 
Ernestinischen  Hausordens  geehrt  worden.'-) 

Weilenbeck  gab  im  Jahre  1848  unter  der  Bürgerkommission  auf  der 
Wiesbadener  Bühne  unter  anderen  den  Vanderstraaten  in  „Uriel  Acosta", 
den  Fischer  Peter  Pump  in  L.  Schneiders  „Der  Ileiratsantrag  auf  Helgo- 
land", Wassilowitsch  in  dem  „Lustspiel"  der  Birch  -  Pfeiffer:  „Steffen 
Langer  aus  Glogau",  Herzog  v.  Alba  im  „Egmont",  den  Marquis  Dixieme 
in  Benedix's  „Das  bemooste  Haupt",  den  Ersten  Arkebusier  in  „Wallensteins 
Lager",  den  Hauptmann  von  Silberkalb  in  „Die  Karlsschüler",  den  Shy- 
lock im  „Kaufmann  von  Venedig",  Wurm  in  „Kabale  und  Liebe",  Präsi- 
dent Lamoignon  in  „Das  Urbild  des  TartüfFe",  im  „Tartüffe"  selbst  die  Titel- 
rolle, den  Kammerdiener  Wolf  iin  „Verschwender",  den  Benjamin  in  „Die 
Valentine",  den  Mohren  im  „Fiesko",  Rath  Presser  in  „Er  muss  aufs  Land", 
Ritter  Hotham   in    „Zopf  und  Schwert",    Marchese    Appiani   in    „Dornen 


173 

und  Lorbeer"  (C.  Lafont),  Bruder  Loronzo  in  „Romeo  und  Julia"  und  Gene- 
ral von  rfrumbkow  in   „Prinz  Friedrich"  (Laube). 

lu  welcher  der  engagierten  Schauspielerinnen  wir  daa  L^rbild  der  Sylvia 
Hut  bland  der  Rie  hl' sehen  Novelle  zu  suchen  haben,  bleibt  verborgen,  und 
der  Dichter  selbst  «rmiinteit  nicht  zum  Forschen.  „Für  neugierige  Kinder", 
sagt  er,  „ist  diese  Novelle  nicht  erzählt.  Ich  meine  für  Kinder,  welche  gar  zu 
gerne  wissen  möchten,  wer  denn  die  handelnden  Personen  eigentlich  gewesen 
sind,  wer  hinter  der  Maske  steckt,  wer  dem  Erzähler  Modell  gesessen.  Darum 
hüte  man  sich,  nach  jenem  „Ich"  zu  forschen,  welches  hier  erzählt  .  .  .,  vor 
allem  aber,  wer  denn  jene  schöne  Sylvia  Ruthland  eigentlich  gewesen,  welche 
im  November  1848  beim  Wiesbadener  Hoftheater  fürs  naive  Fach  engagiert 
wurde.  Sylvia  Ruthland  hat  im  Leben  viele  gescheite  Leute  gefoppt,  sie  würde 
dann  im  Buche  auch  noch  Thoreu  foppen.  In  dieser  Novelle  ist  alles  erlebt; 
aber  die  Novelle  ist  nicht  erlebt." 

L^nter  den  Damen,  welche  dem  Wiesbadener  Verbände  selbst  angehörton, 
gaben  Frl.  Fürst  Rollen  wie  die  Prinzessin  Wilhelmine  in  „Zopf  und 
Schwert",  Fenella  in  „Die  Stumme  von  Portici',  Laura  in  „Die  Karlsschüler", 
Freiin  von  Geldern  in  „Die  Valentine",  Lorle  in  „Dorf  und  Stadt"  u.  s.  w., 
während  Aufgaben  wie  Franziska  von  Hohenheim  in  „Die  Karlsschüler", 
Porzia  im  „Kaufmann  von  Venedig",  Lady  Milford  in  „Kabale  und  Liebe", 
Julia  in  „Fiesko"  u.  s.w.  in  den  Händen  der  Frau  Flindt  ruhten.  Dieselbe 
bezog  eine  Jahresgage  von  960  Gulden,  w^ährend  diejenige  des  Fräulein  Fürst 
1100  Gulden  betrug. 

Die  Rolle  des  Egmont'schen  Klärchen,  in  welcher  die  schöne  Mainzer 
Naive  Riehls  die  Bürgerkommission  wie  das  Publikum  so  sehr  entzückte,  gab 
am  8.  Oktober  1848  Fräulein  Franziska  Wagner  vom  Hoftheater  zu  Bern- 
burg als  Gast.  Möglich  immerhin,  dass  in  dieser  Gastvorstellung  gerade  das 
Samenkorn  der  Riehl'schen  Fabel  Boden  fand.  Höchst  sonderbarer  Weise  fehlt 
auf  dem  Personen- Verzeichnis  der  Egmont- Aufführung  vom  8.  Oktober  Mar- 
garethe  von  Parma.  (!)  Unter  sonstigen  gastierenden  Schauspielerinnen 
sind  zu  nennen:  Frl.  Dann  vom  Stadttheater  in  Frankfurt  a.  M.  die  am 
26.  September  die  Judith  in  „Uriel  Acosta"  gab  (und  engagiert  wurde)  und 
am  2.  Nov.  die  Louise  Millerin,  sowie  Frl.  Rosa  Götz  vom  Theater  zu 
Wesel,  die  am  9.  November  1848  die  Parthenia  in  Friedrich  Halms  „Der 
Sohn  der  Wildnis"  und  am  19.  November  die  Leonore  in  „Fiesko"  spielte. 
Übrigens  blieben  sie  nicht  die  einzigen  Künstlerinnen,  welche  gastierten;  denn 
auch  die  Bürgerkommission  scheint  auf  häutige  Gastspiele  jenes  Gewicht  gelegt 
zu  haben,  welches  für  jedes  höhere  gedeihliche  schauspielerische  Zusammen- 
wirken sich  immer  aufs  Neue  als  höchst  verhängnisvoll  erweist,  wie  ich  in  meiner 
Besprechung  von  Dr.  Otto  Weddigen's  rühmlicher  Geschichte  des  Theaters 
in  Wiesbaden  (Wiesbaden,  C.  Schnegelberger  &  Co.  1894)  in  den  Brock- 
hausischen „Blättern  für  litterarische  Unterhaltung"  des  Näheren  be- 
gründet habe  und  wie  das  letzte  Gastspiel  Friedrich  Haase's  auf  der  Wies- 
badener Hofbühne  nur  zu  eklatant  wiederum  bewiesen  hat,  und  dieses  leider 
in  Lessings  „Emilia  Galotti ■*.'') 


174 

Was  nun  die  Passepartouts  anbetrifft,  welche  nach  den  Rie hl' sehen 
Mitteilungen  die  Bürgerkommission  auf  ein  Minimum  bemass,  da  ihr  jede  Libe- 
ralität in  dieser  Hinsicht  als  Raub  an  der  Würde  ihres  Kunstinstituts  sreo-olten 
hätte,  so  wird  auch  hier  die  Sachlichkeit  der  RiehTschen  Darstellung  durch 
die  Urkunden  bestätigt,  deren  Einsichtnahme  in  der  Bibliothek  des  Hoftheaters 
mir  seitens  des  Intendanten  der  Königlichen  Schauspiele,  Herrn  Kammerherrn 
Baron  von  Hülsen,  auf  das  Freundlichste  gestattet  war.") 

Wenn  wir  von  dem  Theaterpersonal  als  zur  engeren  Hausgenossenschaft 
des  Theaters  gehörig  absehen  wollen,  so  hatten  ständige  Freibillets  eigentlich 
nur  der  Kassenführer  Low,  der,  wie  wir  wissen,  zu  oft  nur  den  Reingewinn 
des  Gesamtstrebens  in  der  Westentasche  nach  Hause  tragen  konnte,  der  Poli- 
zeibeamte und  der  Theaterarzt.  Im  übrigen  waren  den  Damen  des  Theaters 
ganz  wie  heute  Prosceniumslogen  eingeräumt,  während  den  Schauspielern,  ähn- 
lich wie  heute,  das  Parterre  überwiesen  war.  Nur  den  drei  Regisseuren 
Jaskewitz,  Stölzel  und  Dr.  Meyer,  wie  den  beiden  Kapellmeistern  Foreit 
und  Rummel  waren,  wie  dem  Polizeihauptmann  und  dem  Theaterarzt  Sperr- 
sitze bewilligt,  während  den  sieben  Kommissionsmitgliedern  und  ihrem  Rechnungs- 
führer alle  Rangklassen  des  Logenhauses  wenigstens  für  ihre  eigenen  opfer- 
freudigen Personen  zur  Verfügung  standen. 

Und  diese  Vergünstigung  allerdings  hatten  sie  redlich  verdient.  Denn 
was  die  ideale  Seite  der  Kommissionsverwaltung  angeht,  so  kann  die  Geschichts- 
schreibung des  Wiesbadener  Theaters  nicht  umhin,  ihr  das  beste  Zeugnis  und 
das  höchste  Lob  auszufertigen.  Sowohl  auf  dem  Gebiete  des  Dramas  wie  dem 
der  Oper  leistete  sie  in  den  drei  Monaten,  die  in  die  Grenzen  dieses  Themas 
fallen,  ausserordentliches.  Ihr  Spielprogramm  hielt  sich  auf  der  absoluten  Höhe 
ihrer  Zeit.  In  den  paar  Wochen  vom  September  bis  zum  Jahresschlüsse  führte 
sie  auf  dem  Gebiete  des  klassischen  Schauspiels  , Romeo  und  Julia",  „Kauf- 
mann von  Venedig",  ^Egmont",  „Kabale  und  Liebe",  „  Wallensteins  Lager"  und 
„Fiesko"  auf,  während  sie  doch  zugleich  den  Dramatikern  des  jungen  Deutsch- 
lands Gutzkow  und  Laube,  sowie  Raupach  und  Freytag,  Carl  Töpfer 
und  Friedrich  Halm  liebevoll  die  Hand  reichte,  ohne  freilich  Stärke  genug 
zu  besitzen.  Frau  Birch  aus  dieser  Gesellschaft  fernzuhalten.  Dafür  fehlte 
gänzlich  Heinrich  von  Kleist.  Seine  Stunde  war  noch  nicht  gekommen. 
So  gingen  Laubes  „Prinz  Friedrich''  und  „Karlsschüler",  Gustav  Freytags 
„Die  Valentine",  vor  allem  Gutzkows  „Uriel  Acosta",  „Urbild  des  Tartüife" 
und  „Zopf  und  Schwert"  in  Scene,  während  doch  für  „König  Rene's  Tochter", 
Deinhardsteins  „Hans  Sachs",  ein  Stück,  das  immerhin  minder  kläglich  ist  als 
das  sogenannte  Festspiel  G.  Burckardts,  und  das  Lorle  der  Birch-Pfeiffer 
Zeit  erübrigt  wurde.  Die  besten  Lustspiele  der  Epoche  stellte  auch  damals 
Frankreich:  Molieres  ,Tartüffe",  Dumanoirs  „Der  handgreifliche  Beweis", 
ßayards  „Er  muss  auf's  Land";  und  Raimunds  unverwüstlichem  „Ver- 
schwender" fjlgteu  am  9.  Januar  1840  zum  Entsetzen  der  Spielpächter  Ifflands 
„Spieler". 

Mau  muss  gestehen,  für  den  Zeitraum  von  einem  Vierteljahr  hatte  die  Kom- 
mission an  Fülle  des  Gebotenen  Erstaunliches  geleistet  und,  der  neuen  Freiheit 


175 

froh,  losgelöst;  von  den  Fesseln  polizeilicher  Ccnsur  und  höfischer  Etikette,  ihr 
Wollen  und  Können  ausschliesslich  in  den  Dienst  des  Ideals  gestellt.  Die 
Leitung  der  Schauspiele  ruhte  in  den  Händen  des  um  Wiesbaden  vielfach 
verdient  gewordenen  Gymnasiallehrers  Bogler. 

Auf  dem  Gebiete  der  Oper  war  Riehl  selbst,  bekanntlich  einer  der  tiefsten 
Kenner  deutscher  und  ausländischer  Musik  um!  Musikgeschichte,  der  leitende 
Geist.  So  entfaltete  sich  das  Repertoire  in  gleichem  Reichtum,  ohne  dass  eine 
klassicistische  Einseitigkeit  gegen  das  Publikum  Bildungsexperimente  von  frag- 
würdigem Erfolge  verübt  hätte.  So  folgten  sich  Bellini  und  Cherubini, 
Rossini,  Herold  und  Boieldieu,  Lortzing,  Donizetti,  Weber  und 
Halevy,  Mozart  und  Beethoven,  Kreutzer,  Flotow  und  Meyerbeer, 
Auber  und  Spohr  in  rascher  Folge  und  buntem  Wechsel  mit  „Don  Juan", 
„Jessonda",  „Regimentstochter",  „Entführung  aus  dem  Serail",  „Stradella", 
„Fidelio",  „Robert  der  Teufel",  „Hugenotten",  „Stumme  von  Portici",  „Zauber- 
flüte",  „Postillon  von  Lonjumeau",  „Nachtlager  in  Granada".  ,Die  Puritaner", 
„Der  Wasserträger",  „Pretiosa",  „Teil",  „Freischütz",  „Figaros  Hochzeit", 
„ZauberHöte",  „Norma",  „Zampa",  „Johann  von  Paris",  „Der  Blitz",  „Die 
beiden  Schützen",  „Lucia  von  Lammermoor",  „Die  weisse  Dame",  „Othello" 
—  —  und  dies  alles  in  dem  einen  engbemessenen  Vierteljahr,  während  das 
neue  Jahr  Webers  „Oberen"  mit  freundlicher  Verheissung  am  1.  Januar  1849 
einleitete! 

So  war  denn  der  tragikomische  Fall  eingetreten,  dass  das  Hoftheater  des 
Herzogtums  Nassau  unter  der  Direktion  eines  städtischen  Komitees  einen  un- 
leugbaren Aufschwung  nahm,  während  finanzielle  Bedrängnisse  nicht  aufhörtet), 
seine  Existenzmösrlichkeit  in  Fragre  zu  stellen.  Immerhin  war  der  Wiesbadener 
Bühne  aus  dem  Märzsturm  des  Jahres  1848  eine  Epoche  der  Blüte  erwachsen, 
in  welcher  der  geistige  Rang  des  leidgeprüften  Instituts  an  ästhetischer  Geltung 
gewann,  was  ihm  für  äussere  Glanzentfaltung  fürs  Erste  genommen  blieb,  da  der 
Souverän  die  landesväterliche  Hand  der  universellsten  Kunstanstalt  seines  Volks 
entzogen  hatte. 


Noten. 

^  Eine  definitive  Erieüigung  fand  die  Angelegenheit  erst  1861.  Vgl.  F.  C.  Medicus, 
Die  t'iinfundzwanzigjährige  Regierung  Seiner  Hoheit  des  Herzogs  Adolph  von 
Nassau.  Wiesbaden,  Feller  &  Gecks,  1864.  S.  72:  .,Herzog  Adolph  hat  sich  das  hohe 
Verdienst  erworben,  dass  er  den  lange  bestandenen,  bedauerlichen  Domänenstreit  zum  Ab- 
schlüsse gebracht  hat,  indem  nach  eingeholter  Zustimmung  der  Agnaten  unterm  '2'^.  Januar 
1861  eine  Vereinbarung  mit  den  Landständen  abgeschlossen  worden  ist,  deren  hauptsächlichste 
Bestimmung  ist,  dass  von  der  reinen  Einnahme  der  Domänen  zehn  Prozent  zur  Landessteuer- 
kasse fliessen  und  für  Landesbedürfnisse  verwendet  werden,"  Karl  Braun- Wiesbaden  freif 
lieh  ist  wesentlich  anderer  Ansicht.     Vgl.  unten. 


176 

'^)  August  Ilorgcnhiihn  war  am  1*5.  April  iNtM  zu  Usingen  geboren  und  starb  am 
20.  Dezember  1S74  zu  "Wiesbaden.  In  der  Mitte  der  1840er  Jahre  in  den  nassauischen  Land- 
tag gewählt,  trat  er  bald  an  die  Spitze  der  sich  regenden  Opposition  und  wurde  Präsident 
der  Deputiertenkamraer.  Im  März  1848  stand  er  an  der  Spitze  der  Bewegung  in  Nassau. 
Seiner  Entschiedenheit  war  es  wesentlich  zu  verdanken,  dasa  die  sehr  aufgeregten  Massen, 
namentlich  die  ländliche  Bevölkerung,  von  Ausschreitungen  in  "Wiesbaden  zurückgehalten 
wurden.  Während  die  Beliörden  des  Herzogtums  alles  Ansehen  verloren  hatten,  gelang  es 
Hergenhalin  mit  Hilfe  der  Sicherheits-Ausschüsse  die  Ruhe  und  Ordnung  im  ganzen  auf- 
recht zu  halten.  Vgl.  Allg.  Deutsche  Biographie.  Leipzig  1880.  Bd.  12.  Er  allein,  der 
übrigens  auch  Präses  des  ^Sioherheits-Comites"  war,  hat  Nassau  im  Fünfziger-Aus- 
schuss  vertreten.  In  die  Paul skir che  waren  neben  ihm  Max  von  Gagern,  Schenok, 
Schepp,  Friedr.  Schulz  und  Hehner  von  Nassau  deputiert.  Vgl.  W.  H.  Riehl,  Nass. 
Chronik  des  Jahres  1848.     Wiesbaden  1849. 

.,Auf  einstimmigen  Wunsch  des  Landes",  berichtet  die  Allg.  Deutsche  Biographie 
a.  a.  O.  weiter,  ^wurde  Hergenhahn  am  16.  April  1848  vom  Herzog  Adolph  unter  Ernen- 
nung zum  Präsidenten  mit  der  Leitung  des  Staatsministeriums  unter  ministerieller  Verant- 
wortlichkeit beauftragt",  und  über  diese  seine  Amtsführung  fällt  K.  Braun  (Bilder  aus  der 
deutschen  Kleinstaaterei,  Bd.  II.  S.  252)  folgendes  Urteil:  ^Das  Ministerium  Hergenhahn 
regierte  streng  konstitutionell,  nicht  blos  dem  Lande,  sondern  auch  dem  Fürsten  gegenüber. 
Als  der  letztere  diese  Bahn  verliess,  trat  es  ab.  Diese  kurze  Periode  einer  Verfas- 
sung und  Gesetz  heilig  achtenden  Verwaltung  betrachtete  der  Herzog  als  eine  ebenso  ord- 
nungswidrige, als  für  ewig  überwundene  Episode,  auf  welche  er  stets  mit  einem  Gefühl  der 
Demütigung,  des  Grimmes  und  der  Bitterkeit  zurückblickte.  Noch  14  Jahre  später  Hess  er 
dies  den  Minister  H.  fühlen,  den  er  doch  1848  gar  nicht  genug  mit  Lobeserhebungen  über- 
häufen konnte." 

^)  Sie  lautete  (vgl.  Extrabeilage  zu  No.  4  des  Verordnungsblattes  des  Herzog- 
tums Nassau  vom  3.  März  1848): 

Den  5.  März  1848. 
Landesherrliche    Proclaraation. 

Getreue  Nassauer ! 

Gestern  Nachmittag  von  einer  achttägigen  Reise  zurückgekehrt,  liabe  ich  die  ausser- 
ordentliche Lage  des  Landes  erfahren.     Ihr  habt  von  mir  gefordert: 

1.  Allgemeine  Volksbewaffnung  mit  freier  Wahl  seiner  Anführer,  namentlich  sofortige 

Abgabe  von  2000  Flinten  und  Munition  au  die  Stadtbehörde  von  Wiesbaden, 

2.  Unbedingte  Pressfreiheit. 

:i.  Sofortige  Einberufung  eines  deutschen  Parlaments. 

4.  Sofortige  Vereidigung  des  Militärs  auf  die  Verfassung. 

5.  Recht  der  freien  Vereinigung. 

«.  <)frentlichkeit.  öffentliches  mündliches  Verfahren  mit  Schwurgcrichteii. 

7.  Erklärung   der   Domänen   zum    Staatseigenthum,    unter  Controle    der 

Verwaltung  durch  die  Stände. 

8.  Sofortige  Einberufung  der  zweiten  Kammer  lediglich  zur  Entwerfung  eines  neuen 

Wahlgesetzes,  welches  auf  dem  Hauptgrundsatz  beruht,  dass  die  Wählbarkeit 
nicht  an  einen  gewissen  Vermögensbei-itz  gebunden  ist. 
'J.  Beseitigung  aller  Beengungen    der  uns  verfassungsmässig   zustehenden  Religions- 
freiheit. 

Diese  Forderungen,  deren  Gewährung  Euch  mein  ^linister  versprochen  und  meine 
Mutter  und  mein  Bruder  mit  Ihrem  Namen  verbürgt  haben,  genehmige  ich  uml  werde  ich 
halten.  Habt  Vertrauen  auf  mich,  wie  ich  Vertrauen  habe  auf  Eure  Treue,  und  Muth,  wenn 
das  Vaterland  bedroht  ist  und  Eurer  bedürfen  sollte, 


177 

Die  erste  dieser  Forderungen,  die  Volksbewaffnung,  hat  sich  bereits  gestern  bewährt 
durcli  die  niuthige  und  treue  Haltung  der  Bürgergarde  von  Wiesbaden  und  ich  recline  darauf 
dass  sie  auch  überall  im  Lande  mit  Ordnung  in  Ausführung  gebracht   wird. 

Getreue  Nassauer!  Jetzt  gilt  es  Ordnung  und  Ruhe  aufrecht  zu  erhalten;  diess  ist  um 
so  nothwendiger  in  einer  selbstständigen  freien  Gemeinde-Verfassung,  die  ich  Euch  gerne 
geben  werde. 

Nassauerl  wie  ich  mich  auf  Euch  verlasse,  so  verlasst  Euch  fest  auf  Euren  Herzog. 

Wiesbaden,  den  5.  März  184S.  Adolph. 

Je  länger,  je  weniger  vermochte  sich  dennoch  der  Herzog  mit  der  Sachlage,  welche 
der  siebente  Paragraph  seiner  Proklamation  geschaffen  hatte,  zu  befreunden,  und  sihon  im 
nächsten  Jahre  trat  dieser  hässliche  Mein-  und  Dein-Prozess  eines  Souveräns  mit  seinem 
Volke  in  ein  neues  Stadium  der  Entwickelung  : 

,Ende  1849''  (vgl.  Karl  Braun  a.  a.  0.  S.  251),  ^als  es  mit  der  „Revolution"  schon  vor- 
bei war,  vereinbarte  eine  liberal-konservative,  dem  Herzog  Adolph  aufrichtig  ergebene  Kammer 
eine  Verfassung  mit  ihm,  welche  auch  den  Domänenstreit  erledigte.  Der  Friede  war  ge- 
schlossen.    Das  Land  hielt  ihn.     Der  Herzog  nicht. 

Diese  feierlich  paktierte  und  publizierte  Verfassung  hob  der  Herzog 
Ende  18.51  einseitig  auf,  angeblich  wegen  der  darin  enthaltenen  Grundrechte,  in  Wirk- 
lichkeit wohl,  um  die  Staatsdomänen,  deren  publizistischer  Charakter  in  jener  Verfassung 
ausser  Zweifel  gestellt  war,  für  fürstliches  Privateigentum  zu  erklären."  Soweit  Karl  Braun- 
Wiesbaden.  Im  weiteren  deduziert  er  gerade  aus  dem  Domänenstreit  Konsequenzen,  welche 
für  die  Dynastie  tötlich  wurden. 

Leider  sind  die  Akten,  welche  sich  auf  die  1848er  und  sonstige  Phasen 
des  Domänenstreits  beziehen,  nach  persönlichen  Mitteilungen  des  städtischen 
Archivars  Herrn   Dr.  Spielmann   verschwunden. 

*)  Dieser  Kündigungsakte  vermochte  ich  leider,  trotz  aller  Bemühungen,  nicht 
habhaft  zu  werden. 

'")  Vgl.  hier  und  im  folgenden:  Verhandlungen  der  Stände-Versammlung  des 
Herzogthums  Nassau  von  dem  Jahre  1848.  Bd.  IL  Wiesbaden,  Druck  der  L.  Schellen- 
berg'schen  Hof-Buchdruckerei.     S.  1  ff. 

*)  Interessant  ist  die  zeitgenössische  Charakteristik  des  Redners,  die  W.  IL  Riehl 
entwirft  in  seiner  immer  seltener  werdenden  Broschüre:  Nassauische  Chronik  des  Jahres 
1848.  Das  ist:  die  Geschichte  der  Erhebung  des  Nassauischen  Volkes.  (Einzel- 
Abdruck  aus  der  , Nassauischen  Allgemeinen  Zeitung").  Wiesbaden  1849,  Druck  und  Verlag 
der  L.  Schellenberg'schen  Hof-Buchhandlung.  Er  sendet  Porträtskizzen  der  uns  bereits 
bekannt  gewordenen  Redner  Lang  und  Justi  voraus:  „Die  hervorragendsten  Physiognomien 
unserer  Volkskammer  zu  skizzieren,  ist  nicht  leicht,  weil  wir  eben  überhaupt  gar  wenig  Ori- 
ginalität in  derselben  zu  finden  vermögen.  Beginnen  wir  mit  der  äussersten  Ecke  der  Linken, 
80  begegnet  uns  hier  der  Abg.  Lang,  der,  ganz  auf  den  Grundsätzen  der  ausgetretenen 
Minorität  des  Vorparlamentes  fussend,  seine  demokratischen  Schlagwörter  voranstellt,  und  nun 
die  Thatsachen  denselben  anpasst,  mögen  sie  wollen  oder  nicht.  Bei  dieser  Prokrustesarbeit 
verfährt  Lang  am  konsequentesten  von  seinen  Parteigenossen,  wie  er  denn  auch  in  der  Sprache 
am  derbsten  und  ungeniertesten  Farbe  bekennt.  So  lange  es  sich  um  allgemeine  Erörterungen 
handelte,  befand  er  sich  in  seinem  Elemente,  als  es  aber  Spezialitäten  der  Gesetzgebung  zu 
erledigen  galt,  nahm  er  selten  mehr  an  der  Debatte  teil,  weil  hier  freilich  die  paar  geläufigen 
republikanischen  und  sozialistischen  Kategorien  nicht  mehr  ausreichten.  Lang  bildet  die 
Spitze  der  kleinen  Fraktion,  welche  im  Prinzip  und  um  des  Prinzipes  willen  „ächte"  Demo- 
kraten sein  wollen,  welche  gegen  die  Regierung  als  solche  Opposition  machen.  Justi  hat 
sich  viel  mit  philosophischen  Studien  befasst  —  was  man  den  meisten  anderen  Mitgliedern  aber 
nicht   zum  Vorwurf  machen    kann.  —  Er   machte   anfangs  öfters  den  Versuch,    die  modernen 


178 

Demokraten  hegelisch  zurecht  zu  legen,  fand  jedoch,  wie  es  scheint,  bald,  dass  er  hierfür  in 
Nassau  ein  sehr  undankbares  Publikum  habe  und  hielt  sich  nachgehends  mehr  an  das  Xächst- 
liegeude.  Praktische.  Jedenfalls  ist  es  aber  rühmend  anzuerkennen,  dass  er  jenem  cynischen 
Radikalisrans  entgegentrat,  welcher  Wissenschaft  und  Kunst  als  einen  Luxusartikel  über  Bord 
geworfen  wissen  will,  wie  er  sich  ein  paarmal  mit  empörender  Roheit  in  unserer  Kammer  bereit 
machte.  Grundverschieden  von  diesen  Oppositionsmannern  —  so  setzt  dann  Rahts  Charakteristik 
ein  —  ist  der  Abg.  Raht,  der  zwar  erst  später  in  die  Kammer  eintrat,  docli  aber  sehr  rasch 
der  Führer  seiner  Partei  wurde  und  sicherlich  den  Bund  der  Linken  mit  den  Bauern  am 
meisten  vermittelt  hat.  Ein  alter  Jurist,  von  musterhafiem  Fleisse,  strenger  Ordnungsliebe  und 
zäher  Ausdauer  schlug  er  einen  ganz  anderen  Weg  ein,  als  jene  Männer  des  puren  demokra- 
tischen Prinzips,  welche  mit  ein  paar  Worten,  mit  „ Volkssouveränitüt"  und  „revolutionärem 
Boden",  in  drei  Tagen  den  ganzen  Staat  niederreissen  und  wieder  aufbauen  wollten.  Er  hielt 
sich  an  die  Kritik  der  Einzelstaaten,  spürte  jeder,  auch  der  unbedeutendsten  Regierungsmass- 
regeln nach,  um  zu  sehen,  ob  es  da  nichts  zu  verneinen  und  anzuklagen  gäbe,  und  während 
die  Oppositionsmänner  des  Prinzips  mit  ilirem  schweren  Geschütze  immer  in  die  Luft  schössen, 
haben  seine  rastlosen  Phinkeleien  doch  manchmal  getroffen  und  verwundet.  Übrigens  war 
dies  kein  Wunder;  denn  wer  im  ganzen  Lande  mag  die  Schliche  der  alten  Bureaukratie  aus 
eigener  Erfahrung  genauer  kennen,  als  der  Abgeordnete  Raht?  Er  taugte  so  gewiss  zum 
Oppositionsmann,  wie  reuige  Sünderinnen  zu  Betschwestern.  Weil  sie  nämlich 
die  Sünde  von  Grund  aus  studiert  haben,  verstehen  sie  sich  auch  um  so  gründlicher  auf  die 
üusse.  In  der  trockenen  Darstellungsart,  dem  unermüdlichen  Aufpassen  und  Einspringen,  der 
zähen  Ausdauer  hat  Raht  grosse  Ähnlichkeit  mit  dem  alten  Itzstein.  Jedenfalls  hat  die  Rechte 
keinen  auch  nur  halbwegs  so  eifrigen  Verfechter  ihm  an  die  Seite  zu  stellen  (a.  a.  0.  S.  4-t,  45). 

")  Woher  dem  Redner  diese  litterarhistorische  Offenbarung  geworden,  ist  allerdings  un- 
ergründlich. Am  18.  Januar  1796  sandte  Schiller  das  Epigramm  an  Goethe  mit  der  Überschrift: 
„Die  Gesundbrunnen  zu  N.  X."  Ebenso  titulierte  es  Eduard  Boas,  der  das  Original- 
Xenien-Manuskript  von  Eekermann  zur  Herausgabe  erhielt.  So  überkam  die  kostbare  Hand- 
schrift und  ihre  von  Boas  bereits  vollendete  Bearbeitung  Wendelin  von  Maltzahn,  der  sie 
1.H36,  Schillers  Tochter  Emiüe  Freifrau  von  Gleichen-Russwurm  gewidmet,  herausgab  (Schillers 
und  Goethes  Xenien- Manuskript,   Berlin  1856). 

Daselbst  findet  sich  zu  unserem  Distichon  die  Glosse:  „Eine  Reminiscenz  (??)  aus  dem 
Jahre  1791,  wo  Schiller  in  Karlsbad  war,  um  dort  den  Brunnen  zu  trinken.  Wir  besitzen 
eine  hübsche  Zeichnung  von  ihm  aus  jener  Zeit,  die  wir  seinem  Freunde,  dem  Maler  Johann 
<'liristian  Reinhard  'geboren  1761,  gestorben  in  Rom  1847)  zu  danken  haben.  Der  Dichter, 
mit  leichtem  Sommerrock  und  breitkrämpigem  Hute  angethan,  sitzt  quer  auf  einem  Esel,  behag- 
lich sein  Pfeifchen  rauchend.  Übrigens  schreibt  Schiller  den  12.  Juni  1795  an  Goethe:  „Der 
Sprudel  ist  eine  schlechte  Hippokrene,  mindestens  so  lange  er  getrunken  wird"  iS.  95). 

Es  musste  schon  «lamals  auffallen,  dass  Boas  in  seinem  1851  bei  Cotta  erschienenen 
Werke:  Schiller  und  Goethe  im  Xenienkampf,  Teil  1.  2.  zwar  dieselbe  Erklärung  be- 
reits gegeben  hatte,  aber  die  damalige  Aufschrift:  „Gesundbrunnen  zu  C***"  (Teil  1, 
Seite  88)  mit  der  ursprünglichen  des  Schiller -Goethe'schen  Briefwechsels  vertauscht  hatte. 
Die  Karlsbadhvpothese  geht  augenscheinlich  auf  K.  Hoffmeisters  , Nachlese  zu  Schillers 
Werken'-  zurück,  der  sich  seinerseits  in  fast  durchgängiger  Abhängigkeit  von  der  im  Jahre 
18:J3  erschienenen  Ausgabe  der  Xenien  durch  G.  Lösch  in  erweist  (Danzig.  220  S.).  Genug,  dass 
Schillers  Autorschaft  als  solche  zweifelloser  ist,  als  bezüglich  manches  anderen  dieser  Distichen, 
die  bekanntlich  seine  Frau  in  einem  Exemplar  des  Musenalmanachs  aus  späterer  Erinnerung 
als  Eigentum  ihres  Gatten  oder  Goethes  mit  einem  „Seh"  oder  „G"  zu  kennzeiclinen  suchte. 
Irgend  welche  Bezüglichkeit  des  hier  in  Frage  stehenden  Epigranimes  auf  Karlsbad  ist  abzu- 
lehnen, wie  denn  die  kritische  Ausgabe  Karl  Goedekes  zu  dem  mystischen  „Karlsbad"  der 
Löschin,  Hoffmeister  und  Boas  bemerkt:  „müsste  doch  wenigstens  Bühmen  heissen; 
ebenso  gut  können  die  schaumburgischen  und  waldeckischen  Ländchen  gemeint 
sein,  mitPyrmont,  Driburg,  Elisen  u.a.  Mineralquellen."  Schillers  sämtl.  Schriften. 
Historisch -kritische    Ausgabe.    Teil    II.    Gediclite.     Stuttgart    1871.    S.   111.    —    Mit   welchem 


179 

Rechte  seinerseits  unser  Redner  die  Scliiller'sohon  Verse  "Xassau  vindiziert,  l)Ieibt,  wie  "»esa^t 
fürs  Erste  näher    zu    ergründen;    sowoiil  im  Briefwei^hsel,    wie   im  Xenien-Miiniiskript   werden 
übrigens  ^Bilche'-   an  Stelle  der  ^Flüsse"  genannt,   die   zum  erstenmal    im  Musenalmanach  für 
1797  in  ihren  nunmehr  innerhalb  der  Lesarten   dominierenden  Rang  eintreten. 

'^)  Übrigens  führte  der  Abgeordnete  Dr.  Leisler  seine  Sache  nicht  nur  vom  Standpunkt 
des  Idealismus  aus,  sondern  wusste  seinem  Votum  auch  rechnerisch  als  praktischer  Mann 
gewichtigen  Nachdruck  zu  geben.  „Um  diese  meine  Ansicht  auf  unseren  Staat  anzuwenden" 
führte  er  aus,  ^erlaube  ich  mir  zu  untersuchen,  ob  unsere  pekuniären  Verhältnisse  eine 
solche  Ausgabe  gestatten.  Befänden  wir  uns  in  der  Lage,  nicht  im  Besitze  der  Mittel  zu 
sein,  so  durften  wir  die  Ausgabe  nicht  machen.  Ich  glaube  aber,  dass  wir  in  der  Lage  sind, 
und  dass  der  Staat  dazu  verpflichtet  ist.  Das  Theater  zu  Wiesbaden  ist,  wie  mehrere  Redner 
bereits  angeführt  haben,  und  was  ich  als  anerkannte  Thatsache  voraussetzen  darf,  mit  einem 
Kostenaufwand  von  220000  fl.  gebaut  worden  und  zwar  auf  Veranlassung  der  Regierung.  Die 
Stadt  Wiesbaden  hätte  das  Theater  nicht  gebaut,  wenn  ihr  nicht  die  Versicherung  gegeben 
worden  wäre  (zwar  nicht  mit  Worten,  aber  stillschweigend),  dass  künftig  in  dem  Theater 
gespielt  werde.  Die  Stadt  würde  gar  niclit  auf  den  Gedanken  gekommen  sein,  zu  bauen,  wenn 
sie  hätte  annehmen  können,  dass  nicht  gespielt  werde.  Wenn  nun  das  Spiel  im  Theater  auf- 
liört,  so  ist  das  Geringste,  was  die  Gerechtigkeit  erfordert,  dass  man  wenigstens  von  seiten 
des  Staates  der  Stadt  das  Gebäude  abnimmt.  Wenn  man  von  den  Kosten  eines  Neubaus 
spricht,  so  muss  das  Kapital  zu  6  Prozent  angeschlagen  werden,  nämlich  4  Prozent  Zinsen, 
1  Prozent  Unterhaltung  und  1  Prozent  dafür,  dass  das  Baukapital  schwindet.  Wenn  Sie  diese 
von  dem  aufgewendeten  Kapital  berechnen,  so  hat  die  Stadt  einen  Nachteil  von  13000  fl., 
das  Exigenzbedürfnis,  welches  wir  auf  alle  Fälle  zu  tragen  haben,  beträgt  17000  0.  Es  wäre 
also  eine  Ausgabe  von  :jOOOO  fl.  notwendig.  Die  Rücksichten  für  Wiesbaden  sind  von 
mehreren  Rednern  schon  angeführt  worden,  die  Stadt  hat  direkte  Ausgaben  gehabt,  man  kann 
annehmen,  dass  für  mindestens  200000  fl.  Häuser  in  Wiesbaden  wegen  des  Theaters  gebaut 
wurden.     Ich  schliesse  mich  dem  Antrage  der  Abgeordneten  Creutz  und  Fresenius  an". 

**)  Die  „Freie  Zeitung"  erschien  zum  erstenmal  am  1.  März  1848  (Verlag  von  H.  Fischer 
und  C.  Ritter,  verantwortlicher  Redakteur:  Heinrich  Fischer);  die  „Nassauische  Allgemeine 
Zeitung"  (Verlag  der  Hofbuchdruckerei  Schellenberg)  am  1.  April  d.  J.  (verantwortlicher 
Redakteur:  W.  H.  Riehl). 

1")  W.  H.  Riehl,  Neues  Novellenbuch.     Stuttgart  1867. 

^\)  Über  die  Familie  Rummel  berichtet  H.  Reimann,  Musiklexikon.  Aufl.  4.  Leip- 
zig 1894.  Christian  Rummel  war  geboren  am  27.  Nov.  1787  zu  Brichsenstadt  in  Bayern  und 
starb  am  13.  Febr.  1849  zu  Wiesbaden,  woselbst  er  von  1815  an  Kapellmeister  gewesen  war. 

^^)  Diese  Notizen  verdanke  ich  der  gütigen  Auskunft  der  Intendanz  des  Herzogl.  Sachsen- 
Meiningen'schen  Hoftheaters,  im  besonderen  Herrn  Hoftheater- Direktor  Paul  Richard. 

^^)  So  musste  ich  mein  Urteil  über  die  Mitthätigkeit  Herrn  H aase 's  bei  dieser  Wies- 
badener Aufführung  mit  den  Worten  schliessen:  „.  .  .  Hr.  Haase  gab  trotz  der  metallischen 
Leere  seines  Organs  meisterhaft  den  Marinelli.  Dass  er  in  der  Appiani-Scene  mit  vordräugen- 
der  Grandezza  rechtlos  den  Mittelpunkt  usurpierte  (auch  dem  Grafen  gegenüber  musste  er 
der  geschmeidige  Höfling  bleiben),  wurde  bemerkt,  im  sonstigen  wäre  es  so  geschmacklos  wie 
nutzlos,  Herrn  Friedrich  Haase  am  Schlüsse  seiner  Bahn  noch  mit  jener  und  dieser  kritischen 
Note  ennuyieren  zu  wollen.  Die  Geschichte  der  deutschen  Schauspielkunst,  welcher  sein  Name 
schon  heute  unauslöschlich  angehört,  wird  das  vornehme  Virtuosentum,  mit  welchem  er  seine 
Zeit  begeisterte  oder  bestach—  gleichviel!  —  einst  mit  objektiver  Unbefiingenheit  analysieren. 
Seine  Laufbahn  ist  über  den  Höhenzug  einer  Rollenreihe  von  ausgesuchter  Distinktion  gegangen 
und  ein  eifektreiches  U  eher  einander  hat  Herrn  Haase  immer  höher  gestanden,  als  ein 
harmonisches  Nebeneinander,  da  er  sich  dessen  zu  gut  bewusst  war:  auch  in  der  Schauspiel- 


180 

kunst  sind  wenige  auserwählt.  So  hat  er,  um  sein  Bild  zu  retten,  zu  oft  nur  das  Bild 
geopfert,  wie  er  gestern  die  Appiani-Rolle  nahezu  erdrückte.''  (Wiesbadener  General- 
Anzeiger,  21.  Februar  1896.) 

'*)  Neben  der  Intendanz  der  Königlichen  Schauspiele  haben  mich  auch  das  Königliche 
Staatsarchiv  zu  "Wiesbaden,  wie  das  Grossherzoglich  Luxemburgische  Oberhofmarschallarat 
bezw.  die  Grossherzoglich  Luxemburgisehe  Finanzkammer  zu  Biebrich  durch  positive  oder 
neo-ative  Auskünfte  über  z.  T.  zeitraubende  Fragen  auf  das  Freundlichste  unterstützt,  beson- 
ders aber  die  Königliche  Regierung  zu  Wiesbaden  durch  ein  ausführliches  Verzeichnis  ihrer 
3.  Z.  von  Biebrich  überkommenen  und  an  das  Königliche  Theaterarchiv  s.  Z.  abgegebenen 
Chronikalien  und  Urkunden  zur  Wiesbadener  Theatergeschichte  zu  grossem  Dank  verbunden. 
Denselben  spreche  ich  auch  Herrn  Bürgermeister  Hess  zu  Wiesbaden  und  dem  städtischen 
Archivar  Herrn  Dr.  Carl  Chr.  Spielraann,  sowie  dem  Bibliothekar  des  Königl.  Hoftheaters 
Herrn  Kammermusikus  Stamm  für  die  Bereitwilligkeit  aus,  mit  welcher  mir  die  Herren  in 
die  bezügl.  Aktenbestände  des  Rathauses  resp.  Hoftheaters  wiederholte  Einsicht  gewährten 


Römische  Münzen  aus  Wiesbaden  und  Umgegend 
im  Altertums-Museum  zu  Wiesbaden, 


Von 

Dr.  E.  Ritterling. 


Eine  Zusammenstellung  aller  in  Wiesbaden  gefundenen  römischen  Münzen 
ist  öfter  geplant  und  versprochen  worden,  aber  nie  zur  Ausführung  gekommen. 
Völlig  nachholen  lässt  sich  diese  Versäumnis  jetzt  nicht  mehr;  denn  die  bei 
den  Bauten  und  Ausgrabungen  unseres  Jahrhunderts  in  der  Stadt  massenhaft  zu 
Tage  geförderten  Münzen  sind  grossenteils  ohne  Rücksicht  auf  Fundort  und 
Fundumstände  zerstreut,  bei  anderen  in  das  Museum  gekommenen  sind  die 
Fundnotizen  zu  allgemein  gehalten  oder  ganz  wieder  verloren  gegangen.  Es 
ist  dies  um  so  mehr  zu  bedauern,  weil  für  die  Verwertung  gerade  der  Münzen 
als  historischer  Zeugnisse  das  Material  nie  zu  umfangreich  sein  kann,  um  die 
Sicherheit  der  daraus  auf  statistischem  Wege  zu  gewinnenden  Ergebnisse  zu 
erhöhen.  Im  Folgenden  soll  eine  Beschreibung  wenigstens  der  in  den  Besitz 
des  Altertums-Museums  gekommenen  Wiesbadener  römischen  Münzen  gegeben 
werden,  wobei  diejenigen  Stücke,  w^elche  nach  zuverlässigen  handschriftlichen 
oder  gedruckten  Notizen  in  die  Sammlung  gelaugt  sind,  sich  aber  dort  nicht 
mehr  mit  Sicherheit  identifizieren  lassen,  mit  einem  Sternchen  hinter  der  Nummer 
bezeichnet  sind. 

Da  die  wissenschaftliche  Verwertung  einer  Sammlung  wie  der  hiesigen 
in  erster  Linie  von  dem  Nachweis  abhängig  ist.  wann,  wie  und  woher  die 
einzelnen  wesentlicheren  Bestandteile  ihr  einverleibt  sind,  empfiehlt  es  sich, 
einen  kurzen  Überblick  über  die  Geschichte  und  Entwickelung  des  römischen 
Münzkablnets  vorauszuschicken. 

Schon  unter  den  ersten  für  das  Vereinsmuseum  eingelaufenen  Geschenken 
befanden  sich  einige  Münzen:  in  einem  „Verzeichniss  der  zu  dem  zu  errichtenden 
Museum  des  Vereins  für  Nassauische  Alterthuraskunde  und  Geschichtsforschung 
bis  dato  eingekommenen  Beiträge",  datiert  vom  28,  Juni  1822  und  angefertigt 
von  dem  Rechnungskammerdirektor  Ebhardt  (Akten  und  Protok.  des  Vereins 
für  Nassauische  Altertumskunde  1821  24,  No.  35)  heisst  es  unter  anderem:  .  .  . 
„von  Herrn  Pfarrer  Raidt   zu  Kirdorf   6.    eine   silberne    römische  Münze,   auf 

12 


182 

(1er  einen  Seite  ein  gehelmter  Kopf  mit  der  Beischrift  ROMA,  7,  eine  Kupfer- 
münze von  Constantius,  8.  eine  dito,  auf  der  einen  Seite  ein  Kopf,  auf  der 
andern  ein  Genius  mit  den  Buchstaben  TN,  .  .  .  von  Herrn  Medizinalrath  Rull- 
mann  11.  ein  kupferner  Vespasian,  auf  dem  Neresberge  gefunden,  .  .  .  von  Herrn 
Geh.  Domänenrath  Rössler  13.  ein  kupferner  Constantin,  vor  dem  hiesigen  Kur- 
saal gefunden,  von  Herrn  Medizinalrath  Mylius  zu  Caub  14.  ein  silberner  Do- 
raitian,  15.  ein  silberner  Trajan,  16.  ein  silberner  Posthumus,  alle  drei  sehr 
schön'),  von  Herrn  Justizrat  Conradi  17.  ein  kupferner  Vespasian  .  .  ."  Aber 
wenn  auch  in  der  nächsten  Zeit  noch  öfter  solche  Schenkungen  einzelner  Münzen 
erfolgt  sind,  die  Begründung  einer  eigentlichen  Münzsammlung  des  Museums 
geht  zurück  auf  den  Ankauf  der  Sammlung  des  Bibliotheksekretärs  Zimmer- 
mann, der  damals  zugleich  die  Geschäfte  eines  Kassierers  des  Vereins  führte. 
In  einem  an  den  Vorstand  gerichteten  Schreiben  ohne  Datum,  aber  versehen 
mit  dem  Vermerk  „prä3.''(entiert,  offenbar  dem  Direktor)  „18.  Februar  1824", 
bietet  Z.  seine  Sammlung  zum  Ankaufe  an  (Akten  1821  24,  No.  96);  er  ver- 
anschlagt darin  „die  Silbermünzen  im  Durchschnitt  zu  2  Francs,  wovon  jedoch 
ausgenommen  sind  1.  ein  Augustus,  2.  ein  Otho,  3.  ein  Pertinax,  4.  ein  Con- 
stantius'', (soll  heissen  Constantin)  „von  denen  ein  jeder  auf  6 — 8  Francs  mich 
zu  stehen  kommt,  die  Bronzemünzeu  von  mittlerer  Form  im  Durchschnitt  zu 
24  kr.,  jene  der  kleineren  Form  zu  10  kr.,  die  Medaillen"  (d.  h.  Grosserze)  „zu 
3  H.,  zwei  Goldmünzen  1.  einen  M.  Aurel  zu  18  fl.,  2.  einen  Honorius  zu  10  fl." 
In  der  Vorstandssitzung  vom  19.  Februar  1824  (Akten  1821/24,  No.  97)  wurde 
dieses  Anerbieten  im  Prinzipe  angenommen  „und  ist  daher  H.  Zimmermann  i)i 
couiinpjäi  ersucht  worden,  ein  vollständiges  Verzeichnis  der  von  ihm  zu  überlassen- 
den Münzen  mit  Angabe  der  Preise  dem  Direktorio  zu  übergeben,  worauf  dieses 
praevia  collatione  die  Ermächtigung  erteilen  werde,  den  Betrag  in  Rechnungs- 
ausgabe zu  bringen."  Der  endgültig  festgesetzte  Kaufpreis  von  143  fl.  48  kr. 
wurde  aber  erst  am  20.  Mai  1824  zur  Verausgabung  angewiesen")  und  der 
zweiten  Generalversammlung  am  28.  Mai  d.  J.  von  dem  vollzogenen  Ankaufe 
Mitteilung  gemacht  (Annal.  I,  1.  149).  Das  vor  dem  Ankaufe^;  angefertigte, 
ziemlich  sorgfältige  Verzeichnis  ist,  von  Z.'s  Hand  geschrieben,  noch  vorhanden; 
nach  demselben  bestand  die  Sammlung  aus  den  beiden  oben  erwähnten  Gold- 
münzen von  Marc  Aurel  und  Honorius,  65  Silbermünzen,  15  Grosserzen,  59 
Mittelerzen  und  75  Kleinerzen,  „ausserdem  noch  6  Münzen  in  Kleinerz,  teils 
doppelt,  teils  unleserlich",  insgesamt  also  aus  222  Stück.     Fast  genau  dieselbe 


'3  Das  Original  des  Begleitschreibens  zur  Übersendung  dieser  drei  Münzen  befindet  sich 
ebenfalls  bei  den  Akten  (1S21/24,  No.  25);  sie  sind  danach  in  Oberwesel  gefunden. 

'^)  Nach  einem  Vermerk  auf  dem  ersten  Blatte  des  Verzeichnisses  der  Sammlung.  Dass 
sich  der  Abschluss  des  Kaufes  in  die  Länge  zog,  bestätigt  auch  ein  vom  2.  April  1824  datiertes 
Schreiben  Z.'s  (Akten  l.s21  24,  No.  101),  in  welchem  er  anfragt,  wie  es  mit  dem  Ankaufe 
stände,  da  er  im  Augenblick  Geld  nötig  habe,  „und  wenn  auch  die  Kollationierung  erst  später 
erfolgen  würde,  so  bliebe  ich  ja  doch  responsabel."  Offenbar  war  diese  in  dem  Vorstands- 
be.schluss  geforderte  Torherige  Kollationierung  ein  Grund  der  Verzögerung. 

^)  Bei  den  Goldmünzen  hat  eine  andere  Hand  als  die  Z.'s  begonnen,  die  zu  zahlenden 
Preise  in  roter  Tinte  beizuschreiben  und  zu  udilieren,  was  sich  wohl  weiterhin  als  zu  uni- 
standiich   herausstellte   und  deshalb  unterblieb. 


183 

Zahl  nennt  ein  gedrucktes  Verzeichnis  des  Museumsbestaudes  (Akten  1821 '24, 
ad  No.  97),  datiert  vom  2G.  Februar  1824,  unterzeichnet  von  Ebhardt,  aber 
wohl  entworfen  von  Zimmermann,  von  dessen  Hand  ein  Konzept  beiliegt, 
und  in  welchem  es  heisst:  „\.  Münzen.  Hiervon  besitzt  das  Museum  jetzt 
schon  eine  Sammlung  von  ungefähr  230  Stück,  worunter  2  Goldmünzen,  die 
eine  von  Marc  Aurel,  die  andere  von  Honorius  und  70  Silbermünzen,  sämmtlich 
gut  erhalten,  zum  Teil  selten,  das  übrige  in  Bronce,  teils  in  Grosserz,  in  Mittel- 
und  Kleinerz,  worunter  sich  auch  noch  manches  von  vorzüglicher  Schönheit  und 
Seltenheit  befindet.  Der  Katalog  hierüber  ist  bereits  aufgestellt."  Hieraus 
ergiebt  sich,  dass  vor  dem  Ankaufe  der  Z.'schen  Sammlung  kaum  ein  Dutzend 
Münzen  im  Besitze  des  Museums  gewesen  sind. 

Über  die  Herkunft  der  einzelnen  Stücke  seiner  Sammlung  macht  Z.  in 
dem  obengedachten  Verzeichnisse  mit  einer  einzigen  Ausnahme  keinerlei  Mit- 
teilung. Da  er  aber  während  der  Zeit,  in  welcher  er  die  Sammlung  zusammen- 
brachte (nach  dem  Briefe  vom  18.  Februar  1824  hat  er  dabei  „über  10  Jahre 
zugebracht"),  in  Wiesbaden  lebte  —  vor  seiner  Anstellung  als  Bibliothekssekretär 
war  er  bei  dem  Kriegskollegium  beschäftigt  —  so  ist  es  nicht  unwahrscheinlich, 
dass  der  grössere  Teil  seiner  Münzen  eben  aus  Wiesbaden,  wo  in  jenem  Jahr- 
zehnte eine  rege  Bauthätigkeit  herrschte,  und  der  Umgegend  stammt.  Dies 
wird  bestätigt  durch  eine  Angabe  Dorow's  (Opferstätten  und  Grabhügel  H, 
S.  3,  Anmerkung):  „die  mehrsten  hier"  (d.  h.  bei  Verlängerung  der  oberen 
Weberstraase,  also  im  wesentlichen  in  der  jetzigen  Römerbergstrasse)  „gefundenen 
Münzen  sind  in  die  Münzsammlung  des  ....  Herrn  Zimmermann  gekommen 
....  Die  hier  gefundenen  mir  nicht  zugekommenen  Münzen  sind  hauptsäch- 
lich von  Drusus  Germanicus,  Hadrian,  Gallien,  Diocletian,  Constantinus,  Julius 
Crispus,  Maximianus,  grösstenteils  Kleinerz."  Die  in  Z.'s  Verzeichnisse  verhält- 
nismässig meist  zahlreich  vertretenen  Münzen  der  genannten  Kaiser  werden 
also  höchst  wahrscheinlich  auf  dem  Römerberge  gefunden  sein.^)     Dazu  stimmt 


*)  Da  es  doch  bedenklich  schien,  diese  Münzen  ohne  weiteres  in  unser  unten  folgendes  Ver- 
zeichnis mit  aufzunehmen,  mögen  sie  an  dieser  Stelle  kurz  erwälint  werden.  Es  sind  nach  der 
Beschreibung  Z.'s  von  I.  Hadrian:  in  Silber  a)  mit  Rs.  Fortuna  aug.  Steh.  Fortuna  mit  Scepter, 
Füllhorn  u.  Ruder;  b)  Rs.  Pontif.  Max.  tr.  pot.  cos.  III,  stehende  Fortuna;  in  Grosserz  cl  Rs. 
weibl.  Figur  mit  Ähren  u.  Füllhorn,  neben  sich  zwei  Kinder,  TJmschr.  verwischt;  d)  Rs.  Aoquitas 
aug.  S  — C  weibliche  Figur  mit  Wage  und  Lanze;  in  Mittelerz  c)  Rs.  Felicitas  augusti  S  — C 
weibliche  Figur  mit  Füllhorn  und  Merkurstab;  f)  Rs.  S  — C  in  einem  Kranze;  g)  Rs.  weibliche 
Figur  mit  Lanze  und  Wage.  —  II.  Uallienus:  in  Silber  a)  Rs.  Germanicus  Maximus,  Trophäe; 
Kleinerz  b)  Rs.  Soli  conservatori  A,  Pegasus;  c)  Apollini  conservatori  A  Centaur;  d)  Soli 
invicto,  weibliche  Figur;  e)  Victoria  augustorum,  Victoria;  f)  Libero  patri  conservatori,  unten  B, 
vorschreitender  Panther.  (Diese  Gallienusmünzen  können  übrigens  zum  Teil  auch  am  alten 
Schloss  auf  dem  Markt  zu  Wiesbaden  gefunden  sein,  vgl.  Zimmermann,  Wiesbaden  und 
seine  Umgebungen  1826,  S.  42.)  —  III.  Diocletian:  in  Silber  a)  Rs.  Victoria  Sarmatica;in  Mittel- 
erz b)  Fortunae  reduci  Caesarum  nostrorum  Trevi  A;  c)  Genio  populi  romani,  im  Felde 
B— r>  unten  Tr.;  d)  Moneta  sacra  augustorum  et  eaesarum  nostror.  A  Tr.;  in  Kleinerz 
e)  Jovi  Conservatori.  —  IV.  Maximian  und  Galerius,  in  Mittelerz:  a)  Salvis  augg.  et  Caess.; 
b)  Genio  populi  rom.  PLC;  c)  Moneta  sacra  augustorum  et  eaesarum  nostr.;  in  Kleinerz 
d)  Virtuti  augustorum;  e)  Pax  augustorum;  f)  Genio  populi  romani,  im  Felde  T  F;  g)  Tem- 
porum   felicitas     PTK ;    h)    Conservatori    augustorum.    —  V.  Constautin:  in  Silber  a)  Victoria 

12» 


184 

die  einzige  Fundnotiz,  welche  Z.  selbst  giebt,  bei  einem  Grosserze  des  Drusus 
(unten  Xo.  32 j:  „Diese  Münze  wurde  im  Anfange  des  Jahres  1819  auf  dem 
sogenannten  Rümerberge  dahier  in  einer  Tiefe  von  15  Schuhen  ausgegraben." 
In  dem  Z.'schen  Verzeichnisse  finden  sich  auf  dem  ursprünglich  freige- 
lassenen Rande  zahlreiche  Münzen  notiert,  welche  sich  deutlich  als  später  zu 
verschiedenen  Zeiten,  aber  von  einer  Hand,  nämlich  Zimmermann's  selbst, 
nachgetragen  zu  erkennen  geben.  Wie  diese  Nachträge  aufzufassen  sind,  kann 
nicht  zweifelhaft  sein.  Nach  dem  Protokoll  der  Vorstandssitzung  vom  18.  Sep- 
tember 1826  §  5  „übergab  Herr  Domänenkanzlist  Hohle  mit  Begleitschreiben" 
(dasselbe  befindet  sich  ebenfalls  bei  den  Akten  1826,  No.  39)  „eilf  antique 
Münzen  teils  in  Silber,  teils  in  Bronze,  deren  Fundörter  aber  nicht  angegeben 
sind,  dem  Verein  als  Geschenk.  Es  wurde  deren  Aufnahme  in  die  Münz- 
sammlung .  .  .  beschlossen.  Bibliotheksekretär  Zimmermann  wird  dieselben 
in  dem  Münzkatalog  notieren";  nach  demselben  Protokoll  §  7  „übergiebt 
Herr  Ha  bei  eine  zu  Heddernheim  ...  in  der  Nähe  der  beiden  Mithrastempel 
jüngst  aufgefundene  Goldmünze  von  Nero  mit  dem  Tempel  der  Vesta  und  der 
Umschrift  VESTA...  Dieselbe  wird  der  Sammlung  einverleibt  und  im  Kata- 
loge notiert."  Die  letztere  Münze  ist  nun  unter  den  erwähnten  Nachträgen 
zu  Z.'s  Katolog  bei  den  Goldmünzen  als  No.  10  eingetragen,  ebenso  die  meisten 
der  von  Hohle  geschenkten")  mit  diesbezüglichem  Vermerk  an  den  entsprechen- 
den Stellen.  Vor  der  Neromünze  sind  als  No.  3 — 9  7  Goldmünzen,  vier  rö- 
mi-<che  und  drei  Regenbogenschüsselchen  nachgetragen*^);  es  sind  zweifelsohne 
diejenigen,  welche  in  einem  „Verzeichniss  der  Alterthümer  .  .  .  welche  laut  der 
Rechnung  de  1825  26  und  der  Protokolle  seit  der  vorjährigen  Generalver- 
sammlung in  das  Vereinsmuseum  gekommen  sind",  aufgezählt  werden  als:  „Drei 
Regenbogenschüsselchen  um  54  fi.  und  vier  römische  Goldmünzen  angekauft 
um  llOfl."  Daraus  ergiebt  sieh,  dass  das  Z.'sche  Verzeichnis  nach  dem  An- 
kauf   der    Sammlung    einfach    als    Katalog    der    Vereinssammlung    diente    — 


maxima;  in  Mittelerz  b)  Fortunae  reduci  Caesarum  nostrorura;   in  Kleinerz  c— f)  4  Stück.  — 
VI.  Crispu.s,  1   Kleinerz,    Es.  im  Kranze  Vot.  X.,  Umschrift  Caesarum  nostrorum,    unten  PLC. 

')  Es  sind  die  folgenden:  in  Silber  als  No.  Sa:  Eine  kleine  Familienmiinze  mit  der 
Victoria  auf  der  Rückseite;  22b.  Iladrian,  Rs.  PM  Tr.  P.  Cos.  II,  vorschreitender  Mars  mit 
Trophäe;  33b.  Septimius  Severus,  lis.  PM  Tr.  PV  Cos  IUI  (sie!  wird  verlesen  sein  für  II  PP), 
.sitzemlo  \veibli(;he  Figtir;  44a.  Mamaea,  i?.s.  Vesta;  5ja.  Philippus  II,  Rs.  Principi  Juventut.  Der 
Kaiser  in  der  Toga;  am  Schluss:  .,eine  andere  unleserliche  Münze  als  Geschenk  des  Herrn 
Iluhle,  wahrscheinlich  von  Clod.  Albin.  in  Silber" ;  endlich  unter  den  auf  einem  eigenen  Blatte 
verzeichneten  , Münzen  der  späteren  Zeit":  11.  Silbermünze  von  Karl  dem  Grossen,  Av.  Caro- 
lu»  rex  Francorum,  Kev.  .Metallo  mit  dem  Monogramm  Karls.  12.  und  13.  ,,Zwey  Bracteaten." 
Die  Münzen  1  —  10,  meist  aus  dem  IG.  Jahrliundert,  sind  ebenfalls  erst  nach  dem  Ankaufe  der 
Z. 'sehen  Sammlung  erworben;  sie  waren  ^silmmtlich  am  neuen  Theater  gefunden." 

*)  Sie  werden  folgendermassen  besclirieben:  '.).  Caesar  dict.  perp.  pont.  max.  Kopf 
Cäsars,  Rs.  C.  Caesar  Cos.  pont.  Aug.  Brustbild;  4.  M.  Agrippa.  Pictorinus  (sie!)  III  vir  Kopf  Agrip- 
pas,  Rs.  Caesar  Augustus  Kopf  Caesars  (ist  falsch!);  5.  Iladrianua  aug.  cos  III  PP  Kopf  des 
Kaisers,  Rs.  Plotioae  augustae  Brustbild  der  Kaiserin  (ist  falsch!);  (>.  Severus  pius  aug.  Kopf 
des  Knisers,  Rs.  P  M  Tr.  P  X  Cos  III  PP  vorschreitende  Victoria  mit  einem  Scliild,  worauf 
die  Worte  Virt.  Par.  lesbar  sind.  Von  den  Kegenbogenscliüssclchon  zeigt  eines  '>  Kügelchen, 
die  beiden  anderen  ein  galoppierendes  Pferd  mit  Potiin.  bezw.  TTINA. 


185 

was  ja  bei  der  Geringfügigkeit  des  früheren  Bestandes  überaus  nahe  lag  — 
und  dass  die  vom  Verein  gemachten  neuen  Erwerbungen  demgemäss  darin 
nachgetragen  wurden.')  Die  meisten  dieser  nachgetragenen  Münzen  sind  mit 
Fuudangaben  versehen:  so  finden  sich  von  Heddernheimer  Münzen  eingetragen 
22  Stück*),  im  wesentlichen  wohl  das  numismatische  Ergebnis  der  auf  Yereins- 
kosten  in  Heddernheim  in  der  Mitte  der  zwanziger  Jahre  ausgeführten  Grabungen, 
andere  aus  Nied-Höchst  und  Hofheira,  ebenso  8  Stück  mit  dem  Fundort  Wies- 
baden.') Eine  vollständige  Übersicht  über  alle  in  diesen  Jahren  in  das  Museum 
gelangten  römischen  Münzen  gewähren  diese  Nachträge  gleichwohl  nicht; 
manche  der  nachweislich  damals  erworbenen  Stücke  fehlen  darunter'"),  bei  den 
Kleiuerzen  ist  nur  ein  einziges  Exemplar  nachgetragen;  offenbar  wurden  in  erster 
Linie  die  wertvolleren  Erwerbungen,  namentlich  Gold-  und  Silbermünzen  dabei 
berücksichtigt. 

Wie  lange  die  Nachträge  in  dieser  Weise  fortgesetzt  wurden,  lässt  sich 
annähernd  noch  erkennen.  Die  nach  dem  Protokoll  der  Vorstandssitzung  vom 
1.  Oktober  1827  (Akten  1827,  No.  64)  §  13  damals  erworbene,  in  Heddern- 
heim gefundene  Silbermünze  von  Massalia  findet  sich  noch  am  Schluss  der 
Silbermünzen  als  No.  69  eingetragen;  dagegen  fehlen  bereits  sämtliche  von  Jos. 
Trombetta  in  Limburg  dem  Verein  mit  Begleitschreiben  vom  29.  März  1830 
(Akten  1830,    No.  23)    überwiesene  Silbermünzen'')   (vgl.  Akten  1829,   No.  42 


'')  So  erklärt  sich,  wie  bereits  am  26.  Februar  1824,  als  die  Erwerbung  der  Z.'schen 
Sammlung  im  Prinzipe  eben  beschlossen  war,  gesagt  werden  konnte  „der  Katalog  ist  bereits 
aufgestellf*  (s.  oben  S.  183),  sowie  wenn  Ebhardt  am  18.  Juni  1824  (Akten  1824,  No.  3)  sehreibt, 
„dass  der  Vorstand  .  .  .  über  die  Anfertigung  eines  von  Luja  angeregten  Inventars  des  Mu- 
seums und  die  Fortsetzung  und  Vervollständigung  des  Münzkataloges  beraten"  solle. 

°)  Dieselben  werden  in  der  von  F.  Quilling  vorbereiteten  Zusanimeiistellung  der  in 
Heddernheim  gefundenen  römischen  ^liinzen  beschrieben  werden.  Unter  der  Ausbeute  in  den 
Ruinen  dos  Mithrastempels  nennt  Habel  in  einem  Schreiben  vom  12.  März  1826  (Akten  1826, 
Xo.  11)  11  Münzen,  9  von  Bronce,  2  von  Silber,  vgl.  Annal.  I,  2.  181;  durch  v.  Bonhorst 
kamen  in  die  Sammlung  ein  Gordian,  ein  Alexander  Severus  nach  Prot.  d.  Vorstandssitzung  v. 
12.  Jan.  1S26  (Akten  1826,  No.  1);  sie  scheinen  im  Kataloge  notiert  als  Xo.  48b  u.  54b  oder  c. 

'■')  Es  sind  unten  die  Nummern:  141^—144%  210*,  239*,  281,  292*. 

^'^)  So  z.  B.  12  von  dem  Landdeehant  Müller  zu  Osterspay  eingesendete  Münzen 
(Akten  1S21'24,  No.  112  vom  31.  Mai  1824);  nach  Vorstandssitzung  vom  12.  Januar  1826 
(Akten  1826,  No.  1),  §  6  „wurden  von  dem  Herrn  General-Domänendirektor  von  Roessler 
sechs  in  den  Ausgrabungen  von  Wiesbaden  aufgefundene  römische  Münzen,  nämlich:  1.  eine 
serrate  Silbermünze  mit  einem  weiblichen  Kopf  auf  der  Vorder-  und  einer  Quadriga  auf  der 
Rückseite;  2.  ein  Nero  von  Bronze;  3.  ein  desgl.  (Mittelerz);  4.  eine  Silbermünze  von  Antoninus 
Pius  (Caracalla"*;  5.  ein  Caesar  Augustus  von  Bronze;  6.  ein  Constantiuus  aug.  mit  gloria  exer- 
citus,  dem  Vereinsmuseum  zum  Geschenk  gemacht";  davon  sind  sicher  nicht  eingetragen  No.  1, 
2,  3,  6,  vielleicht  5  und  6. 

")  Dieselben  sind  aufgezählt  in  dem  Protokoll  der  Vorstandssitzung  vom  lö.  April  183Ü, 
§  8,  es  sind  „Familienmünzen:  1.  von  der  Familie  Aburia.  2.  Antestia.  3.  Crepusia.  4.  Fla- 
miiiia.  ö.  Furia.  6.  Julia.  7.  Procilia.  Kaisermünzen:  8.  Tiberius,  iv's".  Pontif.  max.  9.  Galba, 
J?*'.  SPQR  ob  cives  servatos.  10.  Otho,  Es.  securitas  p.  r.  11.  Vitellius,  Es.  XV  vir  sac. 
fac.  12.  Nerva,  Es.  Concordia  exercituum.  13.  Sept.  Severus,  EiS.  Fundator  pacis.  14.  Lucilla, 
Es.  Diana  lucifera.  1,5.  Caracalla  (soll  heissen  Elagabal),  Es.  Summus  sacerdos  aug.  IG.  Maxi- 
minus.  Es.  PMTRPP.  17,  Otacilia  Sev.,  Es.  Pietas  au^usta.  18.  Valentinian  iun.,  Es.  Vic 
toria  auijij." 


186 

und  43;  Annal.  IT,  1.  205 1.  Da  auch  spätere  Eintragungen  nicht  begegnen 
(z.  B.  mehrerer  ebenfalls  1S30  erworbenen  Goldmünzen),  so  hat  die  Fortsetzung 
des  Münzkatalogs  bald  nach  d.  J.  1827  aufgehört  und  stammen  demnach  sämt- 
liche in  ihm  vermerkte  Münzen  aus  den  Jahren  1824 — 1827. 

Den  nächsten  grösseren  Zuwachs  seit  der  Erwerbung  des  Z/schen  Kabinets 
erhielt  die  Münzsammlung  des  Vereins  infolge  des  Ankaufes  der  von  Ger- 
ning' sehen  Kunst-  und  Altertümersammlung  seitens  der  Regierung  Ende  des 
Jahres  1824  (vgl.  Akten  1825,  No.  2  u.  3;  Annal.  I,  1.  154,  Zimmermann, 
Wiesbaden,  S.  139).  Zunächst  noch  getrennt  neben  der  Sammlung  des  Ver- 
eins aufgestellt  und  der  Verwaltung  der  öffentlichen  Bibliothek  überwiesen, 
wurde  wenig  später  der  die  Altertümer  enthaltende  Teil  dem  Museum  völlig 
einverleibt.  Ein  Verzeichnis  dieser  v.  G er ning' sehen  Sammlung,  im  besonderen 
der  in  ihr  enthaltenen  Münzen,  gelang  mir  nicht  aufzufinden'');  doch  wird  in 
einem  Cirkular  (Akten  1825,  No.  3)  neben  anderen  Bestandteilen  der  „sehr 
wertvollen  Sammlung  griechischer  und  römischer  Münzen"  gedacht.  Dass  der 
Wert  derselben  in  der  That  damals  hoch  angeschlagen  wurde,  zeigt  die  That- 
sache,  dass  zur  Zeit  des  Ankaufs  der  v.  Gerning'schen  Sammlung  diese  Münzen 
bei  dem  Bankhause  von  Rothschild  gegen  2000  fl.  verpfändet  waren,  um  welche 
Summe  die  Regierung  sie  auslöste.'^)  Doch  lag  der  Hauptwert  dieses  offen- 
bar in  Italien  zusammengebrachten  Münzkabinets  in  den  griechischen  Gold- 
und  Silbermünzen,  von  welchen  uns  die  Aufzählung  bei  Zimmermann,  Wies- 
baden, S.  140  ff.  eine  Reihe  kennen  lehrt.  Für  die  jetzige  Zusammen- 
setzung der  Sammlung  römischer  Münzen  des  Museums  haben  die  von 
Ger  ning  stammenden  Stücke  wenig  Bedeutung:  die  überwiegende  Mehrzahl 
derselben,  namentlich  zahlreiche  Grosserze,  sind  als  offenbare  Fälschungen  aus- 
geschieden. Immerhin  mögen  manche,  namentlich  der  republikanischen  Denare, 
sowie  der  kaiserlichen  Silberraünzen,  deren  anderweitige  Herkunft  nicht  bekannt 
ist,  auf  die  v.  Gerning'sche  Sammlung  zurückgehen.  Unter  den  bei  Zimmer- 
mann a.  a.  0.  S.  143  aufgezählten  römischen  Münzen  befinden  sich  nur  3  sil- 
berne,   welche  aller   Wahrscheinlichkeit    nach    aus   der    G.'schen    Sammlung'*) 

")  Ein  solches  befindet  sich  weder  bei  den  Vereinsakten,  noch  bei  den  Akten  der 
Landesbibliothek,  in  welche  Herr  Oberbibliothekar  Dr.  Franke  in  entgegenkommenderweise 
mir  Einsicht  zu  nehmen  gestattete.  In  einem  auf  der  Landesbibliothek  befindlichen  Faszikel: 
„die  Verhandlungen  mit  dem  Herrn  vonGerningaus  Frankfurt  über  dessen  Museum,  welches 
gegen  eine  Leibrente  an  die  Bibliothek  resp.  die  Sammlung  von  Alterthüraern  übergegangen 
ist",  enthaltend  38  Nummern,  wird  eines  solchen  Verzeichnisses  wiederholt  gedacht,  z.  B. 
in  No.  7  Schreiben  v.  Gernings  vom  31.  Okt.  1824;  ein  Verzeichnis  der  Münzen  erwähnt 
im  besonderen  Zimmermann  in  einem  Schreiben  vom  4.  Juli  1S25  (ebenda  No.  25)  „die  in 
4  Kapseln  verwahrten  Münzen  nebst  Verzeicliniss  beehre  ich  mich  gleichfalls  hiermit  zu 
übergeben".     Vgl.  auch  No.  38. 

")  Vgl.  darüber  in  dem  erwähnten  Faszikel  die  No.  20—22,  2.5—27. 

'*)  Z.  a.  a.  0.  beschreibt  sie  folgendermassen:  1.  Augustus,  Av.  dessen  Bildnis  mit 
Caesari  Auguato  Rev.  ein  Tempel  mit  SPQR.  --  Tiberius,  TJrustbild  des  Kaisers  Tl  CAE- 
SAR ....  PM  TR  P  XXX  Rürkseite  Brustbild  des  Drusus  mit  der  Umschrift  DRVSVS 
CAESAR  Tl  AVG  F  COS  TRP.  •^-  Caligula,  dessen  Brustbild  auf  der  Vorderseite  mit 
der  Umschrift  C  CAESAR  AVG  GERM  PM  TR  POT  Rückseite  Brustbild  des  Germanicus 
™jt  GERMANICVS  CAESAR.     L'nter  diesen  ist  die  letztere  ebenfalls  sicher  falsch. 


187 

stammoD;  mit  einer  Ausnalimc")  waren  alle  übrigen  in  Zimmermann'd  Miiuz- 
kabinet  vortreten  gewesen. 

Herr  v.  Gern  in  g  machte  übrigens  öfter  auch  eine  grössere  Anzahl  von 
Münzen  dem  Museum  zum  Geschenk;  z.  B.  mit  Begleitschreiben  vom  4.  Juni 
1820  (Akten  1829,  No.  19)  neben  anderen  Altertümern  „eine  Kapsel  mit 
12  Stück  antiker  ächter  Münzen,  4  silberne  griechische,  2  bronzene  und  6  bron- 
zene römische,  1  Päckchen  mit  vielen  römischen  Bronzemünzen,  ca.  60  Stück" 
(„darunter  15 — 20  brauchbare"  setzt  eine  andere  Hand  mit  Bleistift  hinzu). 
Die  letzteren  hat  er  sicher  nicht  aus  Italien  mitgebracht,  sie  werden  ihm 
während  seines  Frankfurter  Aufenthaltes  wohl  aus  Ileddernheim  oder  Umgegend 
zugekommen  sein. 

Zu  der  vom  Vereine  angekauften  Altertümersammlung  des  Oberlicutenant 
V.  Bonhorst  (vgl.  Yorstandssitzung  v.  5.  April  1830  §  7  =  Akten  1830,  Xo.  26, 
Annal.  II,  1.  204),  welche  ausschliesslich  aus  Fundstücken  von  dem  Gräber- 
felde an  der  Artilleriekaserne  in  Wiesbaden  bestand,  gehörte  auch  eine  Anzahl 
Münzen:  am  Schluss  eines  von  Habel  angefertigten  summarischen  Verzeich- 
nisses der  damals  übernommenen  Altertümer  heisst  es:  „über  die  Münzen, 
und  kleineren  Gegenstände  ist  ein  spezielles  Verzeichnis  angefertigt."  Dasselbe 
hat  sich  leider  nicht  erhalten.'^) 


'5)  Die  Münze  Geta's:  „Brustbild  mit  der  Umschrift  p  SEPT  GETA  CAESAR  Rück- 
seite eine  vorschreitende  weibliche  Figur  mit  einer  Blume  in  der  Rechten  und  der  Umschrift 
SPEI  PERPETVAE'*!  welche  in  der  Z. 'sehen  Sammlung  nicht  vertreten  war,  ist  nach  den 
Nachträgen  No,  :59a  in  Heddernheim  gefunden,  also  1824  oder  1825. 

^^)  Die  von  Bonhorst  selbst  auf  einem  schmalen  Papierstreifen  beschriebenen  8  Münzen 
werden  bei  den  auf  Kosten  des  Vereins  im  Jahre  1836  von  ihm  ausgeführten  Ausgrabungen 
efundene  sein.  Der  Zettel  entliält  Folgendes :  „Gefundene  Altertümer.  A.  Münzen:  I.  Im- 
perator Caesar  Domitian  Aug.  Germ.  Con.  An  der  Artillerie-Kaserne  zu  Wiesbaden  selbst 
gefunden"  (die  Notiz  wiederholt  sich  bei  allen  folgenden  Münzen,  entweder  voll  ausgeschrieben 
oder  in  Abkürzung  ausgedrückt,  der  Kürze  halber  bleibt  diese  Angabe  hier  weg).  „II.  Nerva 
Caes.  Aug.  D.  M.  E.  M.  P.,  Rückseite  Aequitas  Augusti.  III.  S.  Nerva  Trajan.  Aug.  Germ. 
P.  M.,  Rückseite  unleserlich.  IV.  Hadrianus  Augustus,  Rückseite  Galua  Augusti  Cos  III. 
V.  ?  Stina  August.,  Rückseite  st.  M:  F.  J.  L.  VI.  (Eine  rohe  Federzeichnung  des  Reverses 
der  Augustusmünzen  mit  dem  Lyoner  Altar,  darunter;:  OMETA- 

Rückseite  (in  Wahrheit  die  Kopfseite) 


o 


ö 


VII.  DIETAS  AVG.  S  :  C.    Rückseite:  Die  Schrift  unleserlich.    VIII.  N  TO S S 

Rückseite :  COS PP  u-  S :  C.  IX-  l^i^e  Federzeichnung  der  Germanicus-Münze,  Cohen  7.) 

„Diese  Münze  wurde  unter  einem  ganz  morschen  Mühlstein  in  der  Schulgasse  zu  Wiesbaden 
nebst  zwey  Krüge  von  Thon  1831  im  November  gefunden.  Sie  kostet  24  kr.  Sie  ist  gut  ver- 
goldet." In  der  Mappe  des  Vereinsarcliivs,  welclie  die  Notizen  und  Skizzen  über  das  Gräberfeld 
an  der  Artillerie-Kaserne  birgt,  befindet  sich  weiter  noch  ein  ^vielleicht  auch  von  Bonliorst's 
Hand?)  beschriebenes  Folioblatt,  welches  folgende  Münzer  aufzählt:  Nero  Caes— ar  Aug- 
ustus P— ontifex  Max— imus  Tr— ibunitia  P— otestate  Irap— erator  P— ater  P— atriae  Es.  Victoria 
Augusti.  —  M— arcus  Agrippa  L— ucü  F— ilius  Co  — n  — s— ul  III  Es.  Stempel  eingeprägt  T. 
Iiyjp  _  Diuus  Augustus  Es.  SC.  —  I™P-  Postumus  P-ius  F— elix  Aug— ustus  Es.  Fides 
militum  —  Diva  Faustina  Es.  Aeternitas  —  Julia  3Iamaea  Aug— usta  Es.  Venus  Victrix.  Da 
hier  aber  die  ausdrückliche  Fundangabe  vermisst  wird,  erschien  es  bedenklich,  diese  Münzen 
iu  unser  unten  folgendes  Verzeichnis  ohne  weiteres  einzureihen, 


188 

In  den  nächsten  Jahren  scheinen  Ankäufe  grösserer  Posten  von  Münzen 
oder  ganzer  Samyilungen  nicht  erfolgt  zu  sein  —  die  Erwerbung  einer  Samm- 
lung griechischer  und  römischer  Münzen  (Yorstandssitzung  v.  10.  Januar  1833, 
§  5)  scheint  nicht  zu  stände  gekommen  zu  sein,  vgl.  auch  Vorstandssitzung  v. 
13.  April  1833,  §  4.  Dagegen  vermehrte  sich  die  Sammlung  durch  gelegent- 
liche Erwerbung  bezw.  Geschenke  einzelner,  namentlich  in  und  bei  Wiesbaden 
und  Heddernheim  zu  Tage  geförderter  Münzen.  Es  mögen  hier  erwähnt  sein: 
ein  aureus  des  Yespasian,  gefunden  an  der  Kupfermühle  (Vorstandssitzung  v. 
8.  Juli  1830  §  3;  Annal.  II,  1.  207),  ein  sehr  schönes  Goldstück  des  Mag- 
nentius,  gefunden  bei  Schierstein  1830,  dem  Museum  von  Habel  geschenkt 
(Annal.  II,  1.  206),  verschiedene  Münzen  von  Silber  und  Bronze  aus  der  Gegend 
von  Wiesbaden  und  Mainz  (Annal.  II,  3.  283),  zwei  Goldmünzen  von  Arcadius 
und  Honorius,  Tis.  Victoria  augustorum  uostrorum,  gefunden  zwischen  Usingen 
und  Cransberg  (Vorstandssitzung  v.  24.  Juli  1834,  §  10),  mehrere  römische 
Münzen  in  Silber  und  Bronze,  darunter  einige  seltene  Familienmünzen,  gef. 
am  Römerberg  in  Wiesbaden  (Annal.  II,  3.  301,  vgl.  Annal.  II,  2.  226),  wohl 
aus  Heddernheim  stammende  Münzen  als  Geschenk  des  Herrn  v.  Breidbach- 
Bürresheim  (Annal.  II,  3.  300)")  u.  a.  m. 

Kunde  von  dem  Ankauf  eines  Gesamtfundes  giebt  uns  eine  Notiz  des 
Architekten  Kihm  (auf  einem  losen  Blatte  in  Folio),  nach  welcher  er  am 
22.  März  1837  „319  Stück  Broncemünzen  gefunden  im  Römer-Castell  bey  Kreuz- 
nach für  15  fl.  1  kr.**  und  nochmals  „68  Broncemünzen,  gefunden  bey  Kreuznach" 
am  12.  April  desselben  Jahres  für  3  fl.  24  kr.  angekauft  habe.  Leider  lässt 
sich  über  diesen  Fund  jetzt  nichts  weiter  feststellen,  als  dass  derselbe  „zum 
grössten  Teil  aus  der  späteren  Kaiserzeit"  stammte,  und  ,nahe  an  der  Ring- 
mauer des  Römer- Castells  bey  Kreuznach  gefunden"  wurde  (nach  Habeis 
Jahresbericht  in  Annal.  II,  3.  S.  341).'^) 

Die  umfangreichen,  auf  Vereinskosten  ausgeführton  Ausgrabungen  der 
beiden  römischen  Kastelle  bei  Wiesbaden  1838  39  und  bei  Hofheim  1841  42 
brachten  auch  der  Münzsammlung  einen  der  Zahl  nach  nicht  unbedeutenden 
Zuwachs,  freilich  meist  schlecht  erhaltener  Münzen;  es  wird  darauf  noch  zurück- 
zukommen sein. 

Aus  dem  Jahre  1841  ist  ferner  der  Ankauf  eines  Teiles  eines  Schatz- 
fundes zu  erwähnen;  Habel  berichtet  darüber  in  der  18.  Generalversammlung 
(Annal.  III,    2.  218)    „eine  Anzahl    von  160    Stück    besonders  wohl  erhaltener 


'M  Dieselben  sind:  1.  Severus  Pius  Aug.,  Ks.  Fundator  paois.  2.  Lrap.  Antoninus  Pius  Aug., 
lis.  Liberias  Aug.  .'5.  Imp.  C.  M.  Aurel.  Sev.  Alexand.  Aug.,  lis.  Providentia  Aug.  4.  Imp. 
C.  Sev.  .  .  .  Aug.  Cos.  II,  Rs.  unkenutlicli.  5.  Julia  Mamaea  Aug.,  Rs.  Juno  Conservatrix. 
6.  .  .  ,  Alexand.  Aug.,  Rs.  Cos.  III. 

'*)  In  einem  der  von  Kihm  angefertigten,  weiter  unten  naher  zu  besprechenden  Ver- 
zeichnisse römischer  Münzen,  dem  XL,  werden  neben  5  Mittelerzen  <ler  früheren  Kaiserzeit 
125  Kleinerze,  fast  alle  des  4.  Jahrhunderts,  aufgezählt;  da  nun  zur  Zeit  der  Anfertigung 
dieser  Verzeichnisse  im  Jahre  1S.")2  und  den  folgenden  die  zusammen  erworbenen  Münzen 
grossenteils  noch  zusammenlagen,  wie  sich  unten  zeigen  wird,  ho  könnten  diese  12."}  Klein- 
erze, nebst  4  ebenfalls  durt  aufgeführten  Mittelerzen  des  Magnentius  einen  Teil  des  Kreuz- 
nacher Fundes  bilden;   aber  mit  dieser  schwachen  Möglichkeit  ist  uns  wenig  gedient. 


189 

römischer  Kupfermüuzen  von  den  Kaisern  Yalerian  (sie!  soll  heissen  Aurelian), 
Probus,  Dioeletian,  Maximinian  (sie!),  Constautius  Chlorus  etc.  mit  mannigfalti'^en 
Rückseiten.  Diese  waren  in  der  Moselgegend,  angeblich  nebst  mehr  als  2000 
anderen  von  demselben  Metall  in  einem  irdenen  Gefäss,  zum  Teil  rollenweise 
zusammengelegt,  von  einem  Landmann  gefunden  worden"  ...  Zu  diesen  am 
25.  Februar  in  Bingen  erworbenen  160  Stück  kamen  noch  23  oder  24  am 
11.  Juni  desselben  Jahres  in  Wiesbaden  gekaufte  hinzu.")  Eine  ausführliche 
Beschreibung  dieses  Fundes,  dessen  in  das  Museum  gelangter  Teil  sich  fast 
vollständig  wieder  zusammensetzen  lässt,  und  von  welchem  ein  anderer  Teil  in 
die  Münzsammlung  des  Herrn  Lugen  buhl  in  Wiesbaden  übergegano-en  ist 
muss  einer  anderen  Stelle  vorbehalten  bleiben. 

Mit  der  Sammlung  des  Staatsprokurators  Rebmann  in  Frankenthal  wurde 
auch  eine  Anzahl  römischer  Münzen  in  Gold,  Silber  und  Bronce  erworben. 
Ilabel  sagt  darüber  in  seinem  Jahresberichte  am  29.  Dezember  1842  (Anual.  III, 
3.  202  f.):  „die  Münzen  enthalten  ebenfalls  viel  Schönes  und  Schätzbares.  Ja 
unter  den  Grosserzen  und  Medaillons  finden  sich  mehrere  von  hoher  Seltenheit 
und  ausgezeichneter  Konservation."'")  Im  weiteren  Verlaufe  der  vierziger  Jahre 
sind  grössere  Münzankäufe  nicht  nachweisbar;  dagegen  lieferten  die  zahlreichen 
Ausgrabungen  in  der  Umgegend  Wiesbadens,  bei  Marienfels,  sowie  die  reichen 
Funde  von  Heddernheim  eine  bedeutende  Anzahl  Münzen.'') 

In  Betreff  der  beiden  in  Heddernheim  1850  gemachten  grossen  Münz- 
funde, aus  denen  326  Denare  der  römischen  Kaiser  des  1.  und  2.  Jahrhunderts"), 
bezw.  gegen  1500"')  Kleinerze  des  ausgehenden  3.  Jahrhunderts  für  das  Museum 


'^)  Nach  einem  von  Hab  eis  Hand  beschriebenen  Zettel  in  Oktay. 

^")  Ein  Verzeichnis  scheint  nicht  vorhanden  gewesen  zu  sein,  jedenfalls  hat  sich  ein 
solches  nicht  erhalten.  Dennoch  ist  die  Herkunft  einer  ganzen  Anzahl  von  Münzen  aus  dieser 
Sammlung  durch  einen  ihnen  beigelegten  Vermerk  .,Frankentlial"  gesichert. 

")  Erwähnt  seien  hier  in  Kürze  aus  Wiesbaden:  Annal.  III,  8.  175  f.  IV,  1.  176,  ein 
handschriftliches  Verzeichnis,  welches  .,4  Münzen,  worunter  eine  silberne,  gef.  in  der  Stadt 
Wiesbaden  und  1  Silbermünze  von  Hadrian,  gef.  in  der  Kirchgasse  1832"  nennt;  aus  Heddern- 
heim: Annal.  III,  3.  171  flF.;  IV,  1.  199;  aus  Ems:  Annal.  III,  2.  217  und  221;  aus  Oestrich: 
Annal.  IV,  1.  153  ff.  Nach  der  Rechnung  pro  1849  wurden  Herrn  Sekretär  Zimmermann 
für  .,Münzen  25  fl.  und  nochmals  für  dergl.  1  fl.  45  kr."  ausgezahlt;  in  einem  detaillierten, 
mit  hinzugefügten  Preisen  versehenen,  handschriftlichen  Verzeichnisse,  welches  aus  den  vier- 
ziger Jahren  stammen  muss,  werden  etwa  156  Stück  Münzen  aufgezählt,  deren  Preis  zusammen 
24  fl.  33  kr.  betrug;  es  könnten  die  von  Zimmermann  angekauften  sein.  Die  von  Hauptmann 
vonTschudi  geschenkten,  auf  der  Insel  Malta,  bezw.  Helena  (nach  Fried'länder  ist  das  alte 
Leuke  gemeint)  gefundenen  Münzen  sind  meist  griechische,  vergl.  Vorstandssitzung  v.  28.  Aug. 
1847,  §  12b  und  Annal.  IV,  1.  203;  den  Fund  von  Leuke  hat  Friedländer:  Annal.  VI,  1. 
12  ff.  eingehend  beschrieben.  AuchKihms  auf  Zettelchen  und  in  Heftchen  gemachte  Notizen 
geben  uns  noch  Kenntnis  von  zahlreichen  durch  ihn  angekauften  Münzen,  doch  kann  hier 
nicht  auf  alles  eingegangen  werden. 

*2)  Dieselben  lassen  sich  an  ihrer  eigenartigen  Erhaltung  noch  jetzt  aus  den  übrigen  Beständen 
leicht  herauserkennen,  und  besteht  die  Absicht,  diesen  scliönen  Fund  wieder  zusammenziiBctzen. 

'-■^j  Ausser  den  von  jeher  zusammengebliebenen,  von  Quilling  beschriebenen  1178  Stück 
beHnden  sich  no.'h  eine  grosse  Anzalil  in  versclii-^denen  Schubladen  und  Päckciien  zerstreut, 
auch  in  die  katalogisierte  Sammlung  sind  viele  eingeordnet  worden;  die  Zugehörigkeit  zu  jenem 
Funde  setzt  ihr  Aussehen  ausser  Zweifel, 


190 

erworben  wurden,    kann  auf  die  unten  folgende    eingehende  Behandlung  durch 
Herrn  F.  Quilling  verwiesen  werden. 

In  das  Jahr  1851  fällt  der  Ankauf  der  schönen  Münzsammlung  dos  Pro- 
rektor Sandberger  in  Weilburg.  Ilabel  veranschlagt  in  einem  Schreiben 
vom  25.  Februar  1851  deren  Inhalt: 

15  Grusserzc   ;i  12  kr 3  fl. 

64  Mittelerzo  a     8  kr Ö  fl.  32  kr. 

111   Kleinerze   a     4  kr 7  H.  24  kr. 

107  Silber         a  30  kr 53  fl.  30  kr. 

"297  72  fl.  2G  kr. 

Der  Ankauf  für  insgesamt  100  fl.,  für  welchen  Preis  ausserdem  noch  das 
Münzvverk  von  Job.  Christ.  Rasche:  Lexicon  universae  rei  numariac  veterum, 
Lipsiao  1785  fF.  12  voll,  und  ein  schönes  Medaillon  des  Caracalla  in  den  Be- 
sitz des  Museums  kamen,  wurde  am  8.  März  1851  genehmigt,  und  flndet  sich 
dieser  Ausgabeposten  auch  in  der  Rechnung  dieses  Jahres  vermerkt.  Der  s.  Z. 
vorhandene  Catalog  der  Sammlung,  dessen  Ha  bei  in  dem  erwähnten  Schreiben 
gedenkt,  scheint  verloren  zu  sein;  doch  lässt  sich  der  in  den  siebziger  Jahren 
in  die  übrige  Sammlung  eingeordnete  Bestand  noch  völlig  identifizieren  auf 
Grund  von  den  einzelnen  Münzen  beigelegten  Herkunftsvermerken.  Die  Mehr- 
zahl der  Münzen  war  mit  Fundangaben  versehen,  vorwiegend  stammten  sie 
aus  der  Gegend  von  Ems,  Mainz  und  auch  Wiesbaden. 

Im  Jahre  1851  wurden  ausser  anderen  Altertümern  und  den  beiden 
lleddernheimer  Massenfunden  noch  88  Stück  Broncemünzen  bei  Oppenheimer 
in  Frankfurt  gekauft  (s.  unten  Quilling  über  den  zweiten  lleddernheimer 
Münzfuud).  Von  Kihm  (in  dem  XIV.,  XVI. — XVHI.  Verzeichnisse,  s.  unten 
Anm.  37)  sind  mit  dem  Vermerk  „gekauft  in  Frankfurt  1851"  oder  einfach 
^Frankfurt  1851"  versehen  7  Grosserze,  51  Mittelerze,  163  Kleinerze;  unter 
letzteren  stammen  135  (26  Victorine,  104  Tetricus,  I.  u.  II.,  4  Claudius,  1  Quin- 
tillus)  offenbar  aus  dem  Kleinerzfunde  von  Heddernheim;  ob  die  übrigen  von 
Auirustus    bis  Gratian    reichenden    86   Stück    ebenfalls    aus    Heddernheim    oder 


•ö' 


wo  sonst  her  nach  Frankfurt  gelangt  sind,   muss  dahingestellt  bleiben. 

Am  5.  Januar  1852  wurden  169  Stück  römische  Kupfermünzen  bei  Pfarrer 
Schenck  von  Gensingen  bei  Bingen  um  21  fl.  30  kr.  gekauft  (vgl.  die  Rech- 
nung des  Jahres  1852,  Ausgabe,  Kap.  II);  auch  von  ihnen  lässt  sich  ein  Teil, 
wenigstens  der  Zugehörigkeit  nach,  noch  nachweisen.'-*) 

Durch  diese  zahlreichen  Erwerbungen  musste  im  Laufe  von  nahezu  drei 
Jahrzehnten  die  Sammlung  römischer  Münzen  stattlich  angewachsen  sein,  doch 
hielt  die  Inventarisation    und  Ordnung   des   Erworbenen    damit    nicht    gleichen 

'^'j  In  dem  XIV.  und  XV'I.  Verzeichnisse  römisfher  Münzen  (s.  unten  193  f.)  nennt  Kihra 
mit  dem  Vermerk  .,von  Bingen"*  oder  .,bey  Bingen  gef."  folgende  Münzen:  Augustua  5  ME; 
Augustus  und  Agrippa  1  ME;  Caligula  'J  ME;  Xero  I  ME;  üalha  1  ME;  Vespasiau  3  ME; 
Titus  Veapa.Man  2  ME;  Domitian  3  ME;  Xorva  I  ME;  Xerva  Trajan  2  ME;  Hadrian  3  ME; 
Antoninus  Pius  3  OE,  1  ME;  Alexander  der  Tyrann  1  KE;  Valentinianus  senior  1  KE; 
Valontinianus  junior  I  ME.  Üb  ea  sich  dabei  um  einen  Gesamtfund  liandelt,  erscheint  danach 
recht  zweifelhaft. 


191 

Schritt,  In  den  zwanziger  Jahren  wurde  wenigstens  ein  Teil  der  eingehenden 
Münzen,  wie  wir  oben  sahen,  in  dem  Kataloge  vermerkt,  und  dann  auch  wohl 
an  der  ihnen  zukommenden  Stelle  der  Sammlung  eingelegt"),  bei  anderen  mag 
dies  auch  ohne  ihre  vorherige  Notierung  im  Kataloge  erfolgt  sein.  Unter- 
gebracht war  die  Sammlung  jedenfalls  damals  schon  in  einem  Holzschrank 
mit  Schubladen  (wahrscheinlich  in  einem  derjenigen,  in  welchen  sie  sich  noch 
jetzt  befindet),  wie  aus  der  Äusserung  Luja's  vom  21.  Juli  1825  (Akten  1825 
No.  28)  „Wann  kann  man  unsere  Münzsammlung  zu  sehen  bekommen?  Schon 
3  bis  4  mal  bin  ich  abgewiesen  worden,  weil  der  Schlüssel  zu  Hause  liegen 
sreblieben  wäre"  zu  schliessen  ist. 

Nachdem  gegen  Ende  der  zwanziger  Jahre  auch  diese  unvollkommene 
—  übrigens  in  dieser  Weise  auf  die  Dauer  auch  undurchführbare  —  Inven- 
tarisation  aufgehört  hatte,  scheint  eine  solche  überhaupt  nicht  mehr  erfolgt  zu 
sein.  Denn  gelegentliche  Ausseiungen,  wie:  „Es  ist  die  Anordnung  getroffen 
worden,  dass  alle  Geschenke  mit  der  ausführlichen  Anzeige  des  Gebers,  Fund- 
orts etc.  in  ein  fortlaufendes  Register  eingetragen  werden**  (Annal.  I,  3.  311 
vom  4.  Juni  1829)  oder  „die  Kataloge  und  Inventarien  werden  fortwährend 
mit  Sachkenntnis  bearbeitet;  diese  schwierige  Aufgabe  hat  bereits  grosse  Fort- 
schritte gemacht**  (Annal.  H,  2.  206  vom  22.  Juli  1831),  berechtigen  keineswegs 
zu  der  Annahme,  dass  ein  regelrechtes  Zugangsverzeichnis  im  besonderen  auch 
für  die  Münzen  geführt  worden  sei;  jedenfalls  weist  keine  Spur  auf  das  Be- 
stehen eines  solchen  hin.  Dagegen  begann  man  in  den  dreissiger  Jahren  — 
wohl  gleich  nach  dem  Jahre  1830  —  unter  vorherrschender  Beteiligung  und 
wohl  auch  auf  Veranlassung  Habeis,  die  neu  erworbenen  Münzen  in  einem 
Papierumschlag  aufzubewahren,  auf  dessen  Aussenseite  der  Kaiser,  die  Münz- 
sorte, Fundort  und  Fundzeit  vermerkt  waren,  während  auf  der  Innenseite  eine 
genaue  Beschreibung  der  Münze  sich  befand;  vgl.  Annal.  IH,  2.  177  (28.  Mai 
1839):  „die  nähere  Beschreibung  der  Legenden  vorstehender  Münzen  ist  in  dem 
Umschlag  einer  Jeden  enthalten".  Einige  dieser  Umschläge  haben  sich  er- 
halten^*} und  ersetzen  in  gewisser  Weise  die  in  ihnen  einst  enthaltene,  jetzt  ver- 
kommene oder  nicht  mehr  identifizierbare  Münze.  Doch  hat  sich  dieses  Ver- 
fahren offenbar  nur  auf  einen  Teil  der  eingehenden  Münzen  erstreckt. 

Bei  den  Generalversammlungen  des  Vereins  hat  auch  —  ob  regelmässig, 
darf  bezweifelt  werden  —  ein  Verzeichnis  der  seit  der  letzten  Generalver- 
sammlung der  Münzsammlung  zugegangenen  Stücke  aufgelegen,  nach  Annal.  IH, 
2.  181  f.  (28.  Mai  1839)  „wir  erkauften  eine  Anzahl  wohlerhaltener  römischer 


2*)  Kilira  hat  bei  seiner  Neuordnung  der  Münzen  im  Jahre  1S52  offenbar  bei  keiner 
dieser  ältesten  Münzen  eine  Fundnotiz  vorgefunden,  die  frülieste  der  mit  einer  solchen  ver- 
sehenen Münzen  scheint  aus  dem  Jahre  18:50.  Es  erklärt  sich  dies  wohl  einfach  daraus,  dass 
in  den  zwanziger  Jaliren  die  Münzen,  mochten  sie  nun  in  dem  Katalog  notiert  sein  oder  nicht, 
ohne  Beigabe  irgend  eines  Vermerkes,  welciier  ihre  spätere  Identifizierung  bätte  ermöglichen 
können,  eingelegt  wurden;  nur  bei  einigen  wenigen,  welche  überhaupt  nur  einmal  in  der 
Sammlung  vertreten  sind,  dürfen  wir  annehmen,  dass  das  jetzt  noch  vorhandene  Exemplar 
eben  das  im  alten  Katalog  vermerkte  ist. 

'^''')  Vgl.  z.  B,  unten  die  Xo.  si  und  82. 


192 

Silber-  und  Bronzemünzon,  die  in  dem  liier  vorliegenden  speziellen  Ver- 
zeichnis näher  angegeben  sind"  und  Aunal.  IV,  1.  230  (20.  Dezember  1849) 
„die  von  verschiedenen  Personen  angekauften  römischen  Silber-  und  Bronze- 
raiinzen  .  .  .  weist  das  hierüber  aufgestellte  Verzeichniss  im  Einzelnen 
nach".     Erhalten  hat  sich  von  diesen  Verzeichnissen  anscheinend  nichts. 

Eingelegt  wurden  die  neu  erworbenen  Stücke  in  beliebige  Fächer  des 
Münzschrankes  ohne  irgend  welche  chronologische  Ordnung.  Wenn  bei  diesem 
eine  Zeit  lang  fortgesetzten  Verfahren  die  Sammlung  schliesslich  auch  in  völlige 
Verwirrung  geraten  musste  und  der  Bestand  sich  nicht  mehr  übersehen  liess, 
so  war  damit  doch  wenigstens  der  Vorteil  verknüpft,  dass  die  zusammenge- 
fundenen und  sonstige  gleichzeitig  oder  annähernd  gleichzeitig  der  Sammlung 
einverleibte  Münzen  zusammenblieben;  denn  da  sich  Niemand  ernstlich  mit 
der  Münzsammlung  befasste,  so  blieb  die  Ordnung  oder  vielmehr  Unordnung 
der  einmal  eingelegten  ^[ünzen  im  wesentlichen  unangetastet.  So  war  der  oben 
erwähnte  im  Jahre  1841  angekaufte  Münzfund  noch  im  Jahre  1852  völlig 
intakt"),  der  allerdings  erst  1850  erworbene  Heddernheimer  Silbermünzenfund 
bei  der  Verzeichnung  durch  Kihm  1854  noch  durchaus  vollständig-^),  ebenso 
müssen  die  bei  den  Ausgrabungen  des  Wiesbadener  und  Hofheimer  Kastells, 
sowie  bei  anderen  Ausgrabungen  in  der  Umgegend  gewonnenen  Münzen  bis 
1852  zum  weitaus  grössten  Teile  vereinigt  geblieben  sein;  sogar  der  älteste 
Bestand  der  Sammlung,  die  Zimmermann'schen  und  die  in  den  Nachträgen  des 
ältesten  Kataloges  vermerkten  Münzen,  lässt  sich  noch  in  einem  der  unten  zu 
besprechenden  Kihm' sehen  Verzeichnisse,  dem  VIII.,  mit  völliger  Sicherheit 
wiedererkennen.")  Auch  die  einzeln  gekauften,  aus  Wiesbaden  und  Umgebung 
stammenden  Münzen  scheinen  in  den  vierziger  Jahren,  sei  es  jedesmal  nach 
der  Generalversammlung,  sei  es  in  kürzeren  Zwischenräumen,  in  einem  grösseren 
Papierumschlag  mit  dem  Vermerk:  „Aus  Wiesbaden  und  Umgebung"  oder  doch 
in  einem  eigenen  Schubfach  mit  dem  gleichen  Vermerk  vereinigt  worden  zu 
sein.  Daraus  erklären  sich  die  von  Kihm  bei  der  gleich  zu  besprechenden 
(Ordnung  der  Münzsammlung  verhältnismässig  zahlreichen  Münzen  beigelegten 
Fundnotizen :  .,Umgebung  Wiesbaden"  oder  „Wiesbaden  und  Umgebung", 
seltener  „Umgebung  v(on)  Wiesbaden",  von  denen  namentlich  die  zweite  von 
einer  einzelnen  Münze  verstanden,  widersinnig  wäre.^") 


-')  Nach  dem  X.  Ycrzeicluiisse  rüm.  Münzen  von  Kihms  Hand,  wuriibor  unten  das  Näliore. 

-')  Nach  dem  XXI.  Verzeichnisse;  vgl.  darüber  Quillin«^. 

'■**)  Um  nur  ein  Beispiel  anzufüliren,  kehren  darin  sämtliclic,  diesem  ältesten  Bestände 
an;;chörifjcn  7  römischen  Goldmünzen,  aber  auch  nicht  mehr  als  diese,  wieder. 

^"j  Es  wäre  verfehlt,  diese  Ans^aben  so  zu  verstehen,  als  ob  die  mit  ihnen  liezeicbuetcn 
Münzen  uusschlies8li(di  oder  auch  nur  vorzugsweise  in  der  Umgegend,  niclit  in  der  Stadt 
selbst  gefunden  seien.  Denn  gerade  von  den  Münzen,  welche  bei  den  Ausgrabungen  der 
römischen  Villen  und  Ansiedelungen  in  der  Nähe  Wiesbadens  in  den  vierziger  Jahren  ge- 
wonnen wurden,  sind  die  F'undangaben  vergleichsweise  vollständig  erhalten  und  stets  detailliert 
gemacht,  wie  sich  unten  zeigen  wird.  Vielmehr  sind  die  meisten  der  nüt  jener  allgemeinen 
Angabo  versclienen  .Münzen  bei  den  lläuscrbautcn  und  sonstigen  G(.lcgcn]ioiten  in  der  Stadt 
gefunden;  wir  werden  dabei  aus  manchen  Gründen  vorzugsweise  an  die  Gegend  des  Heiden- 
bergea  denken  dürfen. 


193 

Bei  der  durch  dieses  Verfahren  mit  der  Zeit  weit  vorgeschrittenen  Ver- 
wirruD"-  in  der  Sammlung  musste  sich  das  Bedürfnis  nach  einer  Ordnung  und 
Inventarisierung  sehr  lebhaft  fühlbar  machen.  Als  nach  der  Neukonstiruierung 
des  Vereins  im  Jahre  1851  die  Anfertigung  eines  Inventariums  des  gesamten 
Vereinseio-entums  in  Angriff  genommen^')  und  in  verhältnismässig  kurzer  Zeit 
auso-eführt  wurde,  wurde  auch  die  Münzsammlung  nicht  vergessen.  In  den 
Jahren  1852  und  1853  hat  der  Architekt  Kihm,  welcher  bereits  seit  dem 
Jahre  1838  die  Aufsicht  über  das  Museum  führte,  zu  einer  Ordnung  und  Auf- 
nahme der  römischen  Münzen  des  Vereins  den  Versuch  gemacht.  Es  haben 
sich  eine  Anzahl  von  Kihm's  Hand  geschriebener  „Verzeichnisse  der  römischen 
Münzen",  welche  die  Nummern  I — XXI  tragen,  erhalten;  jedes  derselben  um- 
fasst  eine  verschiedene  Anzahl  von  Münzen  von  40  bis  zu  300  und  mehr  Stück. 
Diese  Verzeichnisse  geben  die  Aufstellung  des  gesamten  damaligen  Bestandes 
der  Sammlung,  soweit  er  Kihm  aufzeichnungswürdig  erschien,  wieder.'')  Kihm 
verfuhr  dabei  etwa  in  folgender  Weise.  Aus  der  ungeordneten  Masse,  welche 
er  vorfand,  suchte  er  sich  eine  beliebige  Anzahl  Münzen,  vielleicht  die,  welche 
in  einem  oder  mehreren  aufeinander  folgenden  Schubfächern  sich  befanden, 
zusammen,  ordnete  sie  einigermassen^')  nach  den  Kaisern  und  verzeichnete  sie 
unter  fortlaufender  Numerierung  in  der  Weise,  dass  Kaisername,  Münzgattung 
und  Stückz;ihl  angegeben  wurden,  wobei  die  Münzen  eines  und  desselben  Kaisers 
ohne  Rücksicht  auf  die  Münzgattung  thunlichst  unter  einer  Nummer  vereinigt 
wurden;  Fundangaben  oder  weitere  Beschreibung  der  Münzen  linden  sich 
zunächst  nirgends  in  diesen  Verzeichnissen.'*)  Die  so  verzeichneten  Münzen 
wurden  in  Papierkapseln  eingeschlossen,    vrelche   ausser    den    im  Verzeichnisse 


^^)  Vgl.  im  allgemeinen  die  Äusserung  in  der  Rede  Rosseis  am  7.  September  1851 
(Mitteil,  an  die  Mitglieder  No.  1,  1S51  S.  11);  ferner  Mitteil.  No.  2,  Dezember  1851  S.  41; 
No.  H,  April  1852  S.  57  f.;  No.  5,  Dezember  1852  S.  1.30  f. 

^*)  Man  könnte  zunäclist  versucht  sein,  in  diesen  Verzeiclmissen  eine  Art  von  Aufstel- 
lung über  die  jiihrliolien  Zugänge,  etwa  die  in  den  Generalversammlungen  bisweilen  aufgelegten 
Listen  (>.  oben  S.  192)  zu  erbliclien,  um  so  mehr,  da  in  den  No.  XV  und  folgenden  vielfach 
Münzen  begegnen,  welche  nach  beigefügten  Angaben  in  den  50er  Jahren,  also  in  der  letzten 
Zeit  von  Kihm's  Thätigkeit  am  Museum,  gefunden  sind.  Doch  abgesehen  davon,  dass  neben 
diesen  auch  Münzen  aus  den  30er  und  40er  Jaliren  in  denselben  Verzeichnissen  begegnen, 
lüsst  sich  sclion  die  Zahl  der  XXI  Verzeichnisse  nicht  auf  die  Reihe  der  Generalversammlungen, 
die  während  Kihm's  Amtsführung  abgehalten  wurden,  verteilen,  und  wird  jene  Ansicht  völlig 
hinfällig  dadurch,  dass  z.  B.  das  VIII.  Verzeichnis  den  überhaupt  ältesten  Bestandteil  der 
Sammlung,  die  in  den  Jahren  1824  ff.  erworbenen  Münzen  im  wesentlichen  enthält,  sowie  dass 
das  XIV.  Verzeichnis,  das  einzige  mit  Datum  versehene,  am  18.  Juli  1853  angefertige  ist,  also 
die  folgenden  XV- XXI  in  die  Zeit  von  1853  —  1856  fallen,  in  welchem  Jahre  die  Thätigkeit 
Kihms  ihr  Ende  erreichte  (er  starb  im  Juli  1857,  war  aber  schon  längere  Zeit  vorher  durch 
Krankheit  an  der  Ausübung  seiner  Amtstliätigkeit  gehindert  worden,  vgl.  Per.  Blätter  1857, 
No.  3,  S.  40  f.,  1858,  No.  5,  S.  97). 

•■'•')  Wie  wenig  Gewicht  Kihm  hierbei  auf  eine  wirklich  chronologische  Ordnung  legte 
—  und  hier  mit  vollem  Recht  — ,  zeigt  unter  anderem  der  Umstand,  dass  die  Münzen  der 
kaiserlichen  Frauen  in  mehreren  Verzeichnissen  unmittelbar  hintereinander  folgen,  ohne  Rück- 
sicht darauf,  ob  sie  aus  dem  1.  oder  aus  dem  4.  Jalirh.  sind  i,z.  B.  im  Verz.  III,  VIII,  IX). 

'■>*)  Nur  am  Kopfe  des  X.  Verzeichnisses  findet  sich  der  Vermerk  „von  Bingen";  bei  der 
Einordnung  der  betr.  Münzen  hat  Kihm  aber  weiter  keine  Rücksicht  darauf  genommen. 


194 

gemachten  Notizen  noch  die  lateinische  „Nummer'*  des  Verzeichnisses  und  die 
arabischen  innerhalb  jedes  Verzeichnisses  fortlaufenden  Nummern  trug;  in  einer 
Kapsel  waren  nicht  selten  eine  grössere  Anzahl  Münzen,  bis  zu  50  und  60  Stück, 
namentlich  an  Kleinerzen,  vereinigt.  Verzeichnet  aber  wurden  nur  die  besser 
erhaltenen  Münzen,  deren  Zugehörigkeit  sich  leicht  erkennen  liess;  die  übrigen 
wurden  in  grosse  Papierumschläge,  weiche  die  Zahl  der  in  ihnen  enthaltenen 
Münzen  trugen,  verpackt,  mit  der  Aufschrift  „Ausschuss"  oder  „ausgeschossen" 
oder  ^schlechtes  Zeug"  versehe«  und  in  einem  Kasten  aufgestapelt.  Die  Zahl 
derselben  ist  offenbar  keine  geringe  gewesen ;  denn  während  z,  B.  von  den  bei 
Hof  heim  1841/42  gefundenen  Münzen  sich  nicht  mehr  als  4  Stück  mit  diesem 
Fund  vermerk  von  Kihm's  Hand  in  der  von  ihm  geordneten  Sammlung  be- 
fanden, stiess  ich  in  einem  Kasten  des  ^[ünzschrankes  auf  ein  Papiersäckchen 
mit  der  Aufschrift  „gef,  in  Hofheim  1841  42",  welches  gegen  80  Stück  aller- 
dings sämtlich  sehr  schlecht  erhaltener,    meist  ungereinigter  Münzen  enthielt.^*) 

Nachdem  Kihm  in  dieser  Weise  in  dreizehn  Verzeichnissen  etwa  2352 
Münzen  aufgenommen  hatte,  ging  er  daran,  dieselben  in  eine  nach  Kaisern  ge- 
ordnete Reihenfolge  zu  bringen.  Die  einzelneu  Münzen  wurden  in  den  Schub- 
fächern auf  Papptafeln  untergebracht,  welche  mit  Ausschnitten  in  drei  ver- 
schiedenen Grössen  für  Grosserze,  Mittelerze,  Gold  bezw.  Silber  oder  Kleinerze 
versehen  waren;  verschiedene  Münzgattungen  eines  und  desselben  Kaisers  waren 
häufig  in  einer  Schublade  vereinigt.  Bei  dieser  Einordnung  wurden  den  Mün- 
zen, bei  welchen  Kihm  Fundnotizen  vorfand,  kleine  Zettel  mit  entsprechendem, 
bald  mehr,  bald  weniger  ausführlichem  Vermerk  beigelegt^^);  sie  sind  ausnahms- 
los von  Kihms  Hand  geschrieben;  die  Münzen,  bei  denen  das  Jahr  der  Auf- 
findung nicht  hinzugesetzt  ist,  stammen  alle  aus  den  30er  und  40er  Jahren,  denn 
den  im  Anfang  der  50er  Jahre  gefundenen  pflegte  Kihm  die  Jahreszahl  fast 
regelmässig  beizufügen. 

Da  in  dem  XIV.  Verzeichnisse,  welches  nach  einer  Bleistiftnotiz  am  Kopfe  am 
18.  Juli  1853  angefertigt  ist,  und  ebenso  in  allen  folgenden,  vorn  eine  Kolumne 
ausgespart  ist  für  die  Nummer  der  „Schublad",  in  welche  die  in  dem  Verzeichnisse 
enthaltenen  Münzen    später  endgiltig   eingelegt  werden  sollten,    so  ist  die  erste 


^°)  Da  es  in  der  Natur  der  Saohe  Hegt,  dass  eine  Menge  schleclit  erlialtener  Münzen 
besonders  durcli  die  grossen  Ausgrabungen  des  Vereins  am  Wiesbadener  Kastelle,  in  der  Um- 
gegend, Heddernheim,  Marieufels  in  das  Kabinet  gekommen  sein  müssen,  werden  diese  wohl 
den  weitaus  grössten  Teil  dieser  ausgeschossenen  Münzen  bilden;  leider  sind  sie  durcheinander- 
gemischt  und  nicht  mit  ähnlichen  Vermerken  versehen  wie  die  Hof  heimer;  es  ist  uns  dadurch 
die  Verwertung  eines  wichtigen  historischen  Materials  unmöglich  gemacht. 

^"j  Die  Mehrzahl  dieser  Notizen  wird  zurückgehen  auf  die  Angaben,  welche  sich  auf 
den  oben  erwähnten  Umschlägen  der  einzelnen  Münzen  fanden;  andere,  namentlich  bei  den 
von  Ausgrabungen,  welche  Kihm  geleitet  hatte,  stammenden  Münzen,  auf  von  ihm  selbst  ge- 
machte Aufzeichnungen.  Dass  Kihm  wirklich  alle  Fundnotizen,  welche  er  vorfand,  verwertet 
hätte,  soll  damit  nicht  behauptet  werden;  denn  von  den  aus  dem  Binger,  sowie  aus  dem 
Ileddernheimer  Denurfunde  stammenden  Münzen,  welche  er  in  die  Sammlung  zerstreute,  hat 
er,  obwohl  ihm  deren  Herkunft  nachweislich  bekannt  war,  keiner  einzigen  eine  entsprechende 
Notiz  beigefügt;  dasselbe  ist  noch  bei  vielen  einzelnen  Münzen  nachweisbar,  namentlich  bei 
den  ausgeschossenen  Münzen  hat  er  auf  die  Angabe  der  Herkunft  offenbar  nicht  das  geringste 
Oewioht  gelegt.  Immerhin  ist  nnzucrkennen,  dass  Kihm  dunh  Erhaltung  eines  grossen  Teiles 
der  alten  Fnndnotizen   uns  ein  wertvolles  historisches  Material  überliefert  hat. 


195 

clironologische  Ordnung  der  Sammlung  nach  Kaisern  vor  diesem  Datum  er- 
folgt; die  Kolumne  ist  bei  den  meisten  Münzen  mit  einer  nachträglichen  Blei- 
stifteintragung ausgefüllt.  In  diesem  und  den  folgenden  Yerzeichnissen  beginnt 
Kihm  auch  den  Fundort,  soweit  er  ihm  bekannt  war,  den  einzelneu  Nummern 
beizuschreiben;  doch  war  die  hierauf  verwendete  Sorgfalt  bei  den  verschiedeneu 
Verzeichnissen  eine  sehr  verschiedene.'')  Bei  dieser  Aufnahme  aller  Bestände 
an  römischen  Münzen  wurden  natürlich  auch  die  gleichzeitig  bezw.  kurz  vorher 
erworbenen  Stücke  eingetragen;  daraus  erklärt  sich  die  in  den  Verzeichnissen 
XIV^,  XVII,  XVIII  und  XIX  begegnende  verhältnismässige  Häufigkeit  des 
Vermerkes,  „gefunden  1851,  1852,  1853".  Das  XIX.  Verzeichnis,  welches  zwei 
Münzen  aus  dem  Jahre  1854  enthält,  kann  nicht  vor  diesem  Jahre  abgefasst 
sein;  das  letzte,  XXI.  Verzeichnis,  welches  die  1850  gekauften  Heddernheimer 
Silbermünzen  enthält,  dürfte  nicht  später  als  in  das  Jahr  1855  fallen. 

In  dem  der  Generalversammlung  vom  8.  September  1853  vorgetragenen 
Jahresberichte  wird  der  Bestand  der  Münz-  und  Medaillensammlung  angegeben 
auf:  209  griechische,  4078  römische,  37  keltische  und  1891  mittelalterliche 
Münzen  (Per.  Bl.  No.  3,  1853,  S.  7).  In  den  XXI  Kihm'schen  Verzeichnissen, 
von  denen  No.  XVIII  bis  XXI  mit  494  Stück  sicher  nach  jenem  Datum  der 
Generalversammlung  angefertigt  wurden,  sind  insgesamt  nur  3319  Münzen  ent- 
halten.'^)    Dazu    wird    man    freilich    noch    die  von  Kihm  nicht  aufgenommene, 

^^)  Im  XIV.  Verzeichnisse  sind  fast  alle  Münzen  mit  Herkunftsangaben  versehen  (die 
meisten  stammen  von  dem  Ankaufe  in  Bingen  1852  und  Frankfurt  bei  Oppenheim  er  1851, 
s.  oben  S.  190),  im  XV.  fehlen  sie  wieder  fast  ganz,  im  XVI.— XIX.  sind  sie  häufig  vor- 
lianden,  verschwinden  aber  völlig  im  XX.,  das  XXI.,  welches  den  Heddernheimer  Denarfund 
enthält,  lässt  diesen  Vermerk  ebenfalls  vermissen. 

^*)  Diese  Summe  setzt  sich  in  folgender  Weise  zusammen: 


Verzeichnis 

enthält: 

GE 

ME 

KE 

Silber 

Gold 

Summa 

I. 

n 

73 

137 

67 

44 

— 

321 

IL 

n 

22 

68 

138 

— 

— 

228 

III. 

V 

21 

75 

64 

20 

— 

180 

IV. 

n 

3 

18 

13 

103 

— 

137 

V. 

n 

18 

25 

48 

— 

— 

91 

VI. 

n 

16 

23 

25 

5 

— 

69 

VII. 

n 

12 

62 

48 

32 

2 

156 

VIII. 

■n 

19 

85 

89 

90 

7 

290 

IX. 

n 

40 

104 

118 

60 

— 

322 

X. 

» 

— 

184 

— 

— 

— 

184 

\T. 

» 

— 

9 

125 

— 

— 

134 

XII. 

n 

— 

34 

•  > 

48 

5 

90 

XIII. 

n 

23 

50 

41 

37 

— 

151 

XIV. 

n 

11 

66 

60 

— 

— 

137 

XV. 

» 

14 

23 

96 

22 

— 

155 

XVI. 

T» 

7 

23 

24 

1 

— 

55 

XVII. 

» 

10 

18 

91 

6 

— 

125 

XVIII. 

<i 

8 

22 

34 

12 

— 

76 

XIX. 

V 

S 

17 

10 

6 

— 

41 

XX. 

» 

3 

10 

24 

8 

— 

45 

XXI. 

7» 

— 

— 

— 

332 

— 

332 

308  1053  1118  826  14  3319 


196 

weil  bereits  mit  Katalog  versehene,  für  sich  gesondert  gebliebene  Sand- 
berger'sche  Sammlung  mit  297  Stück  zu  rechnen  haben.  Aber  auch  dann 
bleibt  diese  Zahl  hinter  jenen  4678  so  weit  zurück,  dass  es  wohl  keinem 
Zweifel  unterliegt,  dass  in  diese  hohe  Gesamtzahl  —  welche  noch  jetzt  der 
geordnete  und  verzeichnete  Teil  der  Sammlung  bei  weitem  nicht  erreicht  — 
auch  die  von  Kihm  ausgeschossenen  Münzen,  auf  deren  Umschlägen  er  ja 
stets  die  Stückzahl  notiert  hatte,  eingerechnet  seien. 

Die  Anfertigung  eines  eigentlichen  Katalogs,  welche  erst  nach  dieser 
vorläufigen  (Ordnung  hätte  beginnen  können,  unterblieb  auch  jetzt,  offenbar 
mehr  aus  dem  Grunde,  weil  eine  Persönlichkeit  fehlte,  welche  diese  Arbeit  hätte 
ausführen  können,    als   weil  man  einen  solchen  überhaupt  für    überflüssig  hielt. 

Über  die  von  der  ersten  Hälfte  der  50er  bis  in  die  Mitte  der  60er  Jahre 
der  Yereiussammluug  einverleibten  Münzen  geben  eine  erwünschte  Übersicht  die 
Berichte  in  den  „Mittheilungen  an  die  Mitglieder  des  Vereins  für  Nassauische 
Alterthumskunde  und  Geschichtsforschung"  und  in  den  „Periodischen  Blättern 
der  Geschichts-  und  Alterthumsvereine  zu  Kassel,  Darmstadt,  Frankfurt,  Mainz 
und  Wiesbaden."  Diese  Berichte  sind,  soweit  sie  die  Vermehrung  der  Vereins- 
sammlungen betreffen,  grossenteils  fast  wortgetreu  aus  den  seit  dem  Jahre  1853 
regelmässig  mit  Sorgfalt  fortgeführten  Zugangsverzeichnissen,  „Inventarien",  ge- 
schöpft, denen  sie  freilich  auch  darin  folgen,  dass  in  ihnen  unbedeutenderer 
Erwerbungen,  darunter  namentlich  schlecht  erhaltener  Münzen,  öfter  gar  nicht 
oder  in  nur  summarischer  Weise  Erwähnung  geschieht.  Von  den  damals  er- 
worbenen Münzen  wurde  nur  ein  sehr  geringer  Teil  der  von  Kihm  geordneten 
Sammlung  eingereiht;  die  überwiegende  Mehrzahl  wurde  vielmehr  ganz  in  der 
Weise,  wie  dies  vor  dem  Jahre  1851  geschehen  war,  in  beliebigen  Fächern 
dos  Münzschrankes  zerstreut;  doch  vergass  mau  dabei  selten  die  einzelnen 
Stücke  in  einen  Zettel  zu  wickeln,  auf  welchem  Fundort  und  Fundzeit,  manch- 
mal auch  eine  oberflächliche  Bestimmung  der  Münze  vermerkt  war.  Diesem 
Umstände  verdanken  wir  es,  dass  wir  noch  jetzt  in  der  Lage  sind,  fast  alle  in 
den  „Mittheilungen"  und  .,Per.  Blättern"  erwähnten  Münzen,  und  häufig  noch 
manche  andere  in  jener  Zeit  erworbene,  deren  sie  nicht  gedenken,  zu  identifi- 
zieren. Denn  dass  auch  in  der  folgenden  Zeit  die  so  untergebrachten  Münzen 
im  wesentlichen  unangetastet  blieben,  zeigt  unter  anderem  der  Umstand,  dass 
sich  unter  ihnen  manche  Prachtstücke,  wie  z.  B.  die  unten  zu  beschreibenden 
Vespasiaoe  (No.  43  u.  45)  und  der  Augustus  (No.  15)  befanden,  welche  ihrer 
Verborgenheit  zu  entreissen  sich  gelohnt  hätte,  sowie  dass  die  bei  den  Ausgrab- 
ungen des  Jahres  1858  auf  dem  Heidenberge  gefundenen  Münzen  noch  unbe- 
rührt so  lagen,  wie  sie  gleich  nach  jener  Ausgrabung  von  Rössel  untergebracht 
waren  (s.  unten).  Es  bildete  sich  so  gewissermassen  ein  dritter  Bestandteil  der 
Sammlung,  die  seit  dem  Jahre  1855  hinzugekommenen  Münzen,  neben  den 
beiden  von  Kihm  geschiedenen:  der  in  chronologische  Ordnung  gebrachten 
Sammlung  und  den  ausgeschossenen  Münzen. 

Aus  den  in  diesen  Jahren  erworbenen  Münzen  mögen  hier  kurz  erwähnt 
sein:  ,30  in  Ems  gefundene  Münzen  von  Domitian  bis  Valens",  geschenkt  am 
31.  Oktober   1853    (Per.  Blätter  1854,    No.  4,   S,   19);    von  einem  bei  Finthen 


205 

an    einen   Palmbaum    gebunden,    unten    2    Palmen,    auf  dem   Avers    Stempeleinschlag: 
.    [liyp},  auf  dem  Revers  ein  runder,  nicht  zu  entziflFernder  Stempel.     Cohen  p.  179  No.  7. 
„Caetell  zu  Wiesbaden  1838".    (K.) 

23.  Dieselbe  Münze,  sehr  schlecht  erhalten,  ohne  Stempel.    „Römercastell  1838  (Ausschuss)". 

24.  Dieselbe  Münze,  absichtlich  halbiert:  Cohen  p.  179  No.  7  oder  10.  »Castell  1858". 
Über  die  Halbierung  vgl.  Mommsen:  RGm.  Münzwesen  1860,  S.  677. 

25.  Dieselbe  Münze,  halbiert,  glänzend  blau  patiniert.     ^(Castell  1838)   in  dem  Schacht". 

26.  Dieselbe  Münze,  halbiert,  aber  mit  zackiger  Schnittfläche,  noch  sehr  frisches  Gepräge, 
gef.  wie  23. 

Tiberius : 

27.*  Mittelerz:  nicht  näher  bestimmbar.  „Castell  vor  1853''.  Vgl.  Kihm's  Verzeichnis 
oben  S.  203. 

28.  Mittelerz,  schlecht:  Kopf  m.  Lorb.  n.  r,  Umschrift  . . .  AVGVST  F  IMPER  . .  . . 
Es.  zerstört  (jedenfalls  mit  Altar  und  ROM  ET  AVG)«     nCastell  1858". 

Germanicus : 

29.  Mittelerz,  geprägt  unter  Caligula:  GERM[ANICVS  CAESAR  Tl  AVG]  F  DIVI 
AVG  N  Kopf  n.  r.  Rs.  Q  CAESAR  AVG  GERMAN  [PON]  M  TR  POT  Im 
Felde  S-C  Cohen  2.  .,Castell,  südöstliche  Ringmauer,  März  1860".  Vgl.  P.  Bl.  1860 
No.  13  3.  367  ==  Inv.  1860  No.  84. 

Caligula : 

30.  Mittelerz,  ziemlich  gut:  Q  CAESAR  AVG  GERMANICVS  PON   M  TR    POT 

Kopf  n.  1.  Es.  Vesta  n.  1.  sitzend,  hält  Schale  und  Scepter,  oben  VESTA»  zu  beiden 
Seiten  S— C     Cohen  27.     „Castell  1838".  (K.J 

31.  Dieselbe  Münze,  ziemlich  gut.  „Nord^yite  des  Castells  1875".  Vgl.  Annal.  XIV,  430 
und  Inv.  1875  No.  136. 

Drusus  der  ältere: 

32.  Grosserz,  geprägt  unter  Claudius  i.  J.  41,  gut:  NERO  CLAVDIVS  DRVSVS  GER- 
MANICVS IMP   Kopf  n.  1.   Es.  Tl  CLAVDIVS  CAESAR  AVG  P  M  TR  P  IMP 

Claudius  n.  1.  sitzend,  hält  einen  Zweig,  unter  seinem  Sessel  ein  Panzer,  Schild  und 
Kugel,  davor  und  dahinter  weitere  Waffen,  Cohen  8,  „im  Anfange  des  Jahres  1819 
auf  dem  sogenannten  Rumerberge  dahior  in  einer  Tiefe  von  15  Schuhen  ausgegraben". 
Zimmermann  in  seinem  Münzkatalog,  Grosserze  No.  1.     Vgl,  oben  S.  184. 

Claudius : 

33.  Mittelerz,  schlecht  erhalten:  Tl  CLAV[DIVS  CAESAR  AVG]  PM  [TR  P  IMP  PP] 
Kopf  n.  1.  Rs.  Minerva  n.  r.  stehend,  hält  einen  Schild  und  schwingt  eine  Lanae,  im 
Felde  gross  S— C     Cohen  84.      „(CastelJ)  hinter  dem  kleinen  Bad"    (also  wohl  1838). 

34.  Mittelerz,  ganz  zerfressen:  Kopf  des  Claudius  n.  1.  Es.  völlig  zerstört,  „Römercastell 
1838  (Ausschuss)". 

Nero: 

35.  Mittelerz,    schlecht    erhalten:    NERO    GtAVD    CAESAR   AVG    GER   PM    TR    P 

IMP  PP  Kopf  n.  1.,  daiunter-  KugeJ,  i^  Yictori«  n.  l.  tliegend,  hält  einen  Sohild  [auf 
dem  SPQR],  zu  beiden  Seiten  §— Q    Cohen  293»    ,Römerca8tell  1838  (Ausschuss)". 

36.  Mittelerz,  ziemlioh  gut:  [|MP]  NERO  CAESAR  AVG  [P]  MAX  TR  P  PP  Kopf 
n,  1.,  darunter  Kugel.     Es.  ebenso  wie  bei  35.     Cohen  303.     „Castell  1858". 

37.  Mittelerz,  schlecht  erhalten:  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.,  Umschrift  zerstört.  Es.  ebenso 
wie  bei  35.     „Castell  1858". 

Vespasian : 

38.  Mittelerz,  sohlecht  erhalten:  JMP  ^mMR  VESPASIA?^^  W^  '^S  IUI  Kopf 
mit  Lorbeer  n.  r.,  darunter  Kugel.   Es.  AEQVIT?Ü$  [AVGVSTI]    oder  [AVGVST] 

13* 


206 

stehende    Aequitas    n.    1.    zwischen   S— Ci    ^^It   Wage    und    Scepter.     Wahrscheinlich 

Cohen  15  li.  J.  72/73').    ^Rümercastell  1838  (Ausschuss)". 
39.*  Mittelerz:  . .  .  CAES  VESPASIAN  AVG  [COS ]  Kopf  des  Kaisers.  Rs.   FIDES 

PUBLICA,  stehende  Fides  n.  1.  mit  Schale  u.  Füllhorn,  zu  beiden  Seiten  S— C    ^ino 

der    Nummern    Cohen     165—168.      «Heidenberg,    März    1862'*"),    nach     Inv.     1862, 

1-t.  März  Xo.  15. 
40.  Mittelerz,   verschliffen:   [|MP    CAES]    VESPASIAN    AVG    COS   VÜ!    PP    Kopf  mit 

Lorbeer  n.  r.,   darunter  Kugel.   Rs.  FORTLVNAE    RlEDVCI     Fortuna  n.  1.  stehend, 

mit  Füllhorn  und  Steuer,  S  — C    Cohen  ISl  (i.  J.  78/79).  „Römercastell  1338  (^Ausschuss)". 
41.*  Denar:    Kopf,    Umschrift   IMP    CAESAR   VESPASIANVS  AVG    Rs.    Merkurstab, 

PON  MAX  TR  P  COS  V    Cohen  362  (i.  J.  74).     , Heidenberg  1865''.  Mitteil.  No.  5 

und  6,  1867  März  S.  26  =  Inv.  1865  Oktober  No.  45. 

42.  Mittelerz,  sehr  schlecht  erhalten:  [|MP]  CAES  VESPASIA??!^^^ Kopf  mit  Lorbeer 

n.  r.  Rs.  vor  Beseitigung  des  Rostes  war  deutlich  zu  erkennen  ein  grosser  Altar,  im 
Abschn.  ^OVIDE;;i>/,  also  eine  der  Münzen  Cohen  39G— 100,  mit  PROVIDENT 
„Römercastell  1838  (Ausschuss)''. 

43.  Grosserz,  sehr  schön  erhalten:  |MP  CAES  VESPASIAN  AVG  PM  TR  P  PP 
COS  ill  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.,  darunter  Kugel.  Rs.  ROMA,  stehende  Roma  n.  1., 
hälc  eine  Victoria  und  eine  Lanze,  zu  beiden  Seiten  S— C  Cohen  419  (i.  J.  71). 
„Caetell,  März  1860^;  vgL  P.  Bl.  1860  No.  13  S.  368  und  Liv.  1860  Februar -März 
No.  86. 

44.  Mittelerz,  Revers  zerstört:  [jjMLP  CjAES  VESPASIAN  AVG  COS  TU,  Kopf  mit 
Lorbeer  n.  r.  Rs.  Adler  auf  einer  Kugel  sitzend,  im  Felde  S— C  Cohen  480  (L  J.  71j. 
, Römercastell  1838  (Außschnss)". 

45.  Dieselbe  Münze,  sehr  schön  mit  Edelrost:  „Castell  Frühjahr  1860";  vgL  P.  BL  1860 
No.  13  3.  368  and  Inv.  1860  No.  85. 

46.*  Denar:  |MP  CAES  VESP  AVG  [PM    Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.]    Rs.  TRI   POT  II 

COS  III  [PP    sitzende  Fax  n.  1.,  hält  Ölzweig  und  Caducens].    Cohen  566    (i.  J.  71). 

„Römerberg  1833";  nach  Vorst.-Sitz.  16.  Januar  1834  §  2. 
47.  Mittelorz,    sehr  schlecht: VESPASIAN   AVG Kopf  n.  r.,   darunter  Kugel. 

Rs.  stehende  Figur  n.  1.  mit  Schale  undFülihom  (?;.    „RömercastelllSSB  (AnsschuBs}". 

[Kann  auch  Titos  sein.] 
48.*  Mittelerz,  nicht  näher  bestimmbar.  „Castell  Tor  1853";  vgl.  Kihm's  Verzeichnis  oben  3. 203, 

49.  Mittelerz,  sehr  zerstört:  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.,  Umschrift  verwischt.  Rs.  sitzende 
Figur  n.  1.  (vielleicht  Vesta?).     „Castell  1858". 

50.  Mittelerz,  sehr  zerstört:  Kopf  n.  r.,  von  der  Umschrift  scheint  noch  erkennbar 
. .  .  ASIA  ...  Rs.  ganz  zerstört.    „(Castell  1838/39)  hinterm  kleinen  Bad". 

51.*  52.*^*)  „Undeutliche  Bronzemünzen,  auf  dem  Heidenberg  gefunden,  2  Vespasian"  nach 
Mitten.  1865  No.  4  3.  17. 

Titus : 

53.  Mittelerz,  gut  erhalten:  J  CAES  IMP  AVG  F  TR  P  COS  VI  CENSOR  Kopf 
mit  Lorbeer  n.  r.,  darunter  Kugel.  Rs.  SECVRI[TA]S  AVGVSTI  Securitas  n.  r. 
sitzend,  stützt  den  Kopf  in  die  r.  Hand  und  hält  in  der  1.  Hand  einen  Zweig  (?),  vor 
ihr  ein  brennender  Altar.  Fehlt  bei  Cohen  (i.  J.  77).  „Heidenberg  1878".  Vgl.  Liv.  1878,  189. 

54.  Mittelerz,  sehr  schlecht:  J  CAES  VESPASIAN  IMP  P  %ßMM'^^^(^)  Kopf  mit 
Lorbeer  n.  r.  Rs.  '■■riC't^iHV^'/ H'P^^fi.lJi%  Victoria  n.  r.  stehend  auf  einem  Schififo, 
zu  beiden  Seiten    S-C      Cohen  387  (i.  J.  72/73).     „Römercastell    1838   (Ausschuss)", 


^*)  In  Mitteil.  No.  2  1863  Januar  3.  39  wird  dieselbe  Münze  beschrieben,  unter  Weglassung 
der  Fundangabe,   im  Avers  ist   das  dort  gelesene  GERM  ....    offenbar   verlesen   für  COS  .... 

^')  Es  ist  darauf  hinzuweisen,  daas  dieselben  mit  keiner  der  sonst  nachweisbaren,  von 
uns  aufgeführten  Münzen  Vespasian's  identisch  sein  können. 


207 
Domitian : 

55.  Mittelerz,  schön  rrhalteu,  mit  Edeh-ost:  |MP  D  CAES  DI  VI  VESP  F  AVG  P  M 
TR  P  PP  COS  VII  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.  Rs.  CERES  AVG  VST  Ceres  n.  1. 
Btebend  mic  Fackel  und  Ähren,  S-C  Cohen  33  (i.  J.  SO).  „HeJdenberg  1873''. 
Inv.  1S7S,  No.  231. 

56.  Denar,  gut  erhalten:  CAESAR  AVG  F  DGMiTIANVS  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs. 
COS  l!ll  Pog.-iEUa  n.  r.    Cohen  47  a.  J.  75).     ^Casteil  1849,  Garten  von  Weck".   (.K). 

57.  Derselbe  Deuar,  «.ut:  „Castell  1858". 

58.  Mittelerz:  JMP  CAES  DOMIT  ;  ."G  GERM  COSBv^'^S  PER  PP  Kopf  mit 
Lc-'^ern.  r.  Rs.  [F!OR[TVN.AE]  AVGVSTl  ^tohonde  i'^ortuna  n.  1.  mit  Steuerruder 
und  Füllhorn,  im  Felde  $-0  Cohen  122  (i.  J.  36).  ,,Heideaberg  1879",  vgl.  Inv.  1879, 
No.  8  -  Z.  K.  425. 

59.  Mittelerz,  sehr  schön:  ebenso  wie  Xo.  52,  nur  auf  dem  Avers:  COS  XV  und  Kopf 
m.  !?h-abiei:kroce.  Cohen  I:i2  (i.  -J.  90\  „Heidenoerg  1879",  vgl.  Inv.  1S79  Xo.  6  =  Z.  K.  424. 

60.  Dlefuibe  Münze,  zerfressen:  „Heidenberg"  (mit  Zettel  von  Rosael's  Hand,  also  vor  August 
13Ö2  gef.). 

61.  Groanerz,  s-ut  erhalten:  ÜVIP  CAES  DOiVlIT  AVG  GERM  COS  XV  CENS  PER 
PP  Kopf  m.  Lorbeor  n,  r.  Rs.  |OVI  [VICJTORI  atzender  Jupiter  n.  1.,  im  Abschn. 
SC     Cohen  314  ;i.  J.  50\    „Castei'   1S:SS  im  Kreuzbad\    (K.) 

62.  Mittelerz,  gut:  \W\P  CAES  DOMiT  AVG  GER^/I  COS  X  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r. 
lis.  [SjALVTl  [AVGJVST  Im  Abschn.  SC.  Grosser  Altar.  Cohen  413  (i.  J.  84). 
„Castell  1838".  (K.) 

63.  Kleinerz:  [IMP]  DOM  AVG  Beholmter  Kopf  n.  r.  Rs.  In  einem  Lorbeerkranze  SO 
Fehlt  bei  Cohen  2.  Aufl.,  ist  =  Cohen  1.  Aufl.  501.    „Caitell   1S5S". 

64.*  Mittelerz;  j.ViP  CAES  D!VI  VESP  F  DOMITIAN  AVG  P  M  Kopf  m.  Lorbeer 
n.  r.  Rs.  TR  P  COS  VII  DES  Vül  PP  Steiiende  Minerva  n.  r.,  mit  Helm,  Schild 
und  Lanze,  zu  den  Saiten  S— C  Cohen  562  (i.  J.  81).  „Gef.  beim  Hospitalbau  (Römer- 
castell  Wiesbaden)  1877".     Inv.  1877,  3.  März  No.  43. 

65.  Dieselbe  Münze,  etwas  vorschüffen.     , Heidenberg  1878".^) 

66.  Mittelerz,  etwas  verschlifien:  Avers  ebenso  -.vie  65.  Rs.  TR  P  COS  VIII  DES  Villi 
PP  Minerva,  wie  bei  No.  65.     Cohen  587  (i.  J.  82).     ,Castell  zu  Wiesbaden".  (K.) 

67.  Dieselbe  Münze,  verrostet:    „Castell  1839".  (K.) 

68.  Dieselbe  Münze,  versohlifTen:    „Römercastell  1838  (Ausschuss)". 

69.  Dieselbe  Münze:  ^Castell  1858"    [war  von  Rössel  für  Antocinus  Plus  angesehen]. 

70.  Mittelorz:  |MP  CAES  DOMITIAN  AV[G  GEIRM  COS  XI  Hs.  VIRTVTI  AVG 
[VSTll  Tirtus  n.  r.  stehend  hält  Parazoniiun  und  Lanze  S— C  Fehlt  bei  Cohen  (i.  J. 
85).    „Casteil  1858". 

71.  Mittelerz,  gut:  IMP  CAES  DOMIT  AVG  GERM  COS  XII  CENS  PER  PP  Kopf 
mit  Strahleukroue  n.  r.  Rs.  VI[R]TVTI  AVGVSTl  Virtus  wie  bei  70.  Cohen  648 
(i.  J.  86).    .,,Heidenberg  1879". 

72.  Mittelerz,  schleclit:  [JMP]  CAES  DOMiT  AVG  GEWM',  CENS....  Kopf  m.  Lor- 
beer  n.  r.  Rs.  sehr  zerstört,  wahrscheinlich  aber  Virtus  n.  r.  stehend  mit  Lanze  und 
Parazonium  wie  70  ß.     „Castell  1858". 

73.  Mittelerz,  sehr  verschliffen:  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.,  von  der  Umschrift  noch  lesbar 
....VG  GERM X.l lis.  scheint  stehende  Yirtus  n.  r,,  nicht  näher  be- 
stimmbar.    .,Castell  1839".    (K.) 

74.  Grosserz,  sehr  versehüffen:  IMP  [DOMITIAN  CAIES  DIVI  VESP  [F]  AV[G  P  M 
TR  P  PP  COS  VII  oder  VIII]  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.     Rs.  zerstört.    ,Castell  1858". 


=*)  Die  Möglichkeit  ist  nicht  ausgeschlossen,  dass  No.  65  eben  die  von  mir  nicht  gesehene 
No.  64*  ist,  obwohl  bei  ersterer  das  Jahr  1878,  bei  letzterer  1877  als  Fundjahr  angegeben  ist; 
dass  No.  65  nicht  in  das  Inventar  eiogetragen  gewesen  zu  sein  scheint,  vermehrt  an  sich 
nicht  die  Wahrscheinlichkeit  der  Identität. 


208 

75.  STittelerz,   nur  halb   erhalten,  durch  Brand  abgesehmolzen:   Kopf  n.   r.     Alles  andere 

unkenntlich.     „Castell  1858". 
76.*  ,Drei   undeutliche    BronzemQnzen,   auf  dem  Heidenberge    gefunden,   2    Veapasian  und 

1  Domitian".«)    Mitteü.  1365  No.  4  3.  17. 

Nerva: 

77.  Mittelerz,  schlecht:  [|]MP  NERVA  CAE[S  AVG  PlIVI  TR  P  CO[S  11  PP]  Kopf  m. 
Lorbeer  n.  r.  Rs.  [FORTVNA  AVGV]S[T]  Stehende  Fortuna  n.  1.  hält  Ruder  und 
Füllhorn,  zu  den  Seiten  S— C     Cohen  61.     „Castell  von  Wiesbaden".  (K.) 

78.*  Denar:  „eine  Silbermünze  Nerya  gefunden  auf  dem  Heidenberg".  Inv.  1872  No.  90. 
Nicht  näher  bestimmbar. 

Trajan: 

79.  Mittele.-z,  ziemlich  gut:  IMP  CAES  NERVAE  TRAIANO  AVG  GER  DAG  P  M 
TR  P  COS  V  PP  Kopf  mit  Strahlen  n.  r.  Rs.  SPQR  OPTI[MO]  PRINCIPI 
S— C  Stehende  Figur  n.  1.,  in  der  L.  ein  Füllhorn,  in  der  R.  einen  Caduceus  (?) 
Nicht  sicher  bestimmbar  (i.  d.  J.  104—111).     „Castell  1858". 

80.  Mittelerz,  gut:  Avers  wie  bei  79.  Rs.  SPQR  [OIPTIMO  PRINCIPI  Stehende  For- 
tuna n.  1.  S— C     Cohen  479.     ,Castell  1839".   (K.) 

81.*  Mittelerz:   |MP   CAES  NERVA  TRAIAN   AVG  GERM  P  M  Kopf  mit  Lorbeer. 

Rs.  YR  POT  COS  II  P  P    Geflügelte  Victoria  n.  1.  mit  einem  kleinen  Schilde  in  der 

R.,  worauf  SPQR  Zur  Seite  S— C    Cohen  617  (i.  J.  98).    „Auf  dem  Heidenberge  1838». 

Nach   sorgfältiger  Beschreibung  Habel's    auf   einem  Zettel,   in  welchen  diese  und  die 

folgende  Münze  eingewickelt  gewesen. 
82.*  Dieselbe  Münze,  „gefunden  im  Bad  des  Castells"  (also  1838).    Nach  demselben  Zettel 

wie  No.  81.* 

83.  Dieselbe  Münze.     „Castell  1858". 

84.  Grosserz,  schön  erhalten:  |MP  CAES  NERVA  TRAIAN  AVG  GERM  P  M  Kopf 
m.  Lorbeer  u.  Aegis  n.  r,  Rs.  TR  POT  COS  II  P  P  Sitzende  Justitia  n.  1.  hält 
einen  Zweig  und  ein  Scepter,  im  Abschn.  S  C  Fehlt  bei  Cohen  (i.  J.  98).  „Caateil 
1838".  (K.) 

85.  Mittelerz,  schön  mit  Edelrost:  |MP  CAES  NERVA  TRAIAN  AVG  GERM  [P  M] 
Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  TR  PO[T  CO]S  III  P  P  Victoria,  wie  bei  81  ff.  Cohen 
628  (i.  J.  100).  „Castell  auf  dem  Heidenberg,  April  1862".  Vgl.  Mitteil.  No.  2  1863 
8.  40  und  Inr.  1862    17.  April  No.  31. 

86.  Dieselbe  Münze,  gut  erhalten:  „Heidenberg  1879".     Vgl.  Tut.  1879  No.  7  =  Z.  K.  423. 

87.  Mittelerz:  |MP  [CAES  NERIVA  TRAIAN  AVG  GERM  P  M  Kopf  mit  Strahlen 
n.  r.  Rs.  TR  POT  COS  III  P  P  Sitzende  weibliche  Figur  n.  1.  in  der  r.  Hand  ein 
Scepter,  zu  beiden  Seiten  S— C     "Vielleicht  Cohen  629.     „Castell  1839".  (K.) 

88.  Mittelerz,  ziemlich  gut:  Avers  wie  bei  87.  Rs.  TR  POT  COS  IUI  P  P  "Victoria  n.  1., 
wie  bei  81  ff.,  S  — C  Cohen  640  (i.  J.  101  oder  102).  „Castell  auf  dem  Heidenberge, 
Februar  1862".     Vgl.  Mitteil.  No.  2  1863  S.  44  und  Inv.  1862  15.  Februar  No.  11. 

89.*  Grosserz:  „. . . .  A  TRAIANVS  AVG  G Brustbild  des  Kaisers,  sehr  zerfressen.  Rs. 

TR  POT  COS  I  . . .  Sitzende  Pietas  wenig  kenntlich"  nach  Mitteil.  No.  1  1861  S.  21 
=  Inv.  1861  Juli  17.  No.  170:  „gef.  Wiesb.  in  der  Leimenkaut"  (gemeint  sein  können 
wohl  nur  die  Lehmgruben  auf  dem  Heidenberge,  an  der  Platter-Chauss^e). 

Hadrian: 

90.  Orosserz,  verschliffen:  H<^RIANVS  AV[G  COS  III  P  P]  Büste  «•  Lorbeer  n.  r. 
Rf'  ADVENTVI  [AVG ]     Hadrian  n.  r.  stehend,    ihm  gegenüber  eine  weibliche 


*')  Auf  die  allerdings  schwache  Möglichkeit  soll  wenigstens  hingewiesen  werden,  dass 
wir  in  der  unter  No.  60  beschriebenen  Münze  die  in  den  Mitteil.  a.  a.  0.  erwähnte  vor  uns 
haben. 


197 

gemachten  Münzfund  kamen  nur  6  Stück  als  Geschenk  in  das  Museum  (Per. 
Blätter,  No.  4,  1855,  S.  124).^*)  Eine  wertvolle  Erwerbung  bildete  die  Sammlung 
von  143  republikauidclien,  sämtlich  in  Rom  gefundenen  Silbermünzen,  welche 
Herr  van  Ro.ssum  am  S.  Januar  1859  dem  Museum  zum  Geschenk  machte 
(Per.  Blätter  1850,  No.  8,  S.  203).  Das  damals  zugleich  ü!)erreichte  sorgfältige, 
noch  vorhandene  Verzeichnis  zeigt,  dass  die  aus  dieser  Sammlung  stammenden 
Stücke  noch  jetzt  den  bei  weitem  grössten  Teil  aller  im  Münzkabinet  vor- 
handenen republikanischen  Denare  ausmachen.  Hält  man  dazu,  dass  auch  mit 
der  von  Gerning'schen  Sammlung  eine  Reihe  republikanischer  Münzen  an  das 
Museum  gekommen  sein  muss,  dass  Trombetta  eine  Anzahl  schenkte,  sowie 
dass  noch  öfter  von  auswärts  dergleichen  Münzen  als  Geschenke  eingingen"'), 
so  bleibt  von  den  im  Münzkabinet  enthaltenen  Denaren  der  römischen  Republik 
ein  verhältnismässig  sehr  geringer  Bruchteil  über,  welcher  im  Lande  selbst 
gefunden  ist  oder  doch  gefunden  sein  kann. 

19  Münzen  aus  der  Zeit  Diocletiau's  und  Constantin's,  gefunden  auf  dem 
Donnersberg,  schenkte  1859  der  Pfarrer  Lehmann  (Per.  Blätter  No.  8,  1859, 
S.  206),  von  auswärts  kamen  auch  einige  Stücke  aus  Lyon  (Per.  Blätter  No.  11, 
1859,  S.  299  f.),  Strassburg  (Per.  Blätter  No.  14,  1860,  S.  398),  Ägypten 
(Per.  Blätter  No.  15  u.  16,  1861,  S.  461  f.)  in  die  Sammlung.  Die  vom  Verein 
erworbenen  Sammlungen  des  Geometers  Wagner  in  Kernel,  von  Lob  und  von 
Schäffer  in  Bingen  enthielten  auch  einige  meist  am  Ort  gefundene  Münzen 
(Mittheilungen  an  die  Mitglieder  No.  2,  1868,  S.  35,  42  f.,  44  f.).  Von  einem 
am  29.  Dezember  1861  in  Marienfels  gemachten  Denarfunde  aus  der  ersten 
Hälfte  des  3.  Jahrhunderts,  welcher  gegen  1500  Stück  enthielt,  wurden  126 
angekauft  (Mittheilungen  No.  2,  1863,  S.  56);  dieselben  lassen  sich,  wenn  auch 
der  Sammlung  jetzt  eingeordnet,  an  der  eigentümlichen  Art  ihrer  Erhaltung 
leicht  erkennen;  eine  Beschreibung  derselben  wird  an  einer  anderen  Stelle 
gegeben  werden.  Zehn  von  Pleddernheim  stammende  Münzen  werden  aufge- 
zählt in  den  Mittheilungen  an  die  Mitglieder  No.  3,  1864,  S.  10  f.;  eine  Gold- 
münze von  Marcus  Bs.  Saluti  augustor.  tr.  pot.  XVH  cos.  HI,  gefunden  in  Holz- 
hauseu,  wurde  1864  erworben  (Mittheilungen  No.  4,  1865,  S.  18);  ebenso 
eine  Goldmünze  von  Jiistinus  F.^.  Victoria  Augg.  (ebenda  S.  17).  Vier  in  oder 
bei  Mainz  gefundene  römische  Goldmünzen,  1  Vespasian,  1  Trajan,  1  Antoninus 
Pius,  1  Leo  I.  wurden  1867  angekauft  (Invent.  1867,  No.  55),  —  Die  Er- 
werbung der  E.  Zais'schen  Münzsammlung  brachte  dem  Kabinet  einen  Zu- 
wachs von  etwa  250  Stück.  Das  von  dem  früheren  Besitzer  verfasste  Ver- 
zeichnis, welches  sich  erhalten  hat,  ermöglicht  es,  die  meisten  dieser  der  übrigen 


^*)  Vier  davon  sind:  a)  A^rippa  ME.  b)  Vespasian,  Es.  Äequitaa  AugustiME.  c)  Hadrian 
Bs.  Pietas  Aug.  GE.  d)  Volusian,  Rs.  Pax.  Augg.,  Silber.  Ob  dieselben  wirklich  einem  ein- 
heitlichen Scliatzlund  entstammen? 

")  Z.  B.  5  republik.  Silbermünzen,  welche  aus  einem  in  der  Niihe  von  Reussmarkt  in 
Siebenbürgen  gefundenen,  etwa  300  Stück  enthaltenden  Schatzfund  herrühren,  vgl.  Invent.  d. 
Münzen  seit  1880,  No.  66  ff.  Woher  die  184^/44  angekaufte  , Anzahl  römischer  Silber-  und 
Bronzemünzen,  unter  welchen  sich  ziemlich  viel  Konsularmünzen  befanden"  (An- 
nal.  IV,    1.   162)  stammte,  wissen   wir  nicht. 

13 


198 

Sammlung  bereits  1869  einverleibten  Münzen  zu  identifizieren.  „Dem  Fundorte 
nach  verteilen  sich  die  Münzen  zum  grössten  Teile  auf  Mainz,  dann  folgen 
Heddernheim,  Alzey  und  Wiesbaden";  leider  beschränken  sich  die  Fundnotizen 
auf  diese  allgemeine  Angabe,  eine  Zuweisung  der  einzelnen  Stücke  an  die 
verschiedenen  genannten  Fundorte  ist  nicht  mehr  möglich. 

In  der  Mitte  der  70er  Jahre  erhielt  die  Sammlung  der  römischen  Münzen 
endlich  einen  Katalog,  dessen  sich  die  der  mittelalterlichen  unu  neueren  Münzen 
bereits  seit  dem  Jahre  1865  erfreute.  Das  „antiquarische  Notizbuch"  des 
Konservators  sagt  darüber  unter  dem  Datum  des  21.  Oktober  1873,  S.  64: 
„Im  Laufe  des  Sommers  hat  Herr  Isenbeck  die  römischen  Münzen  nach  Cohen 
geordnet,  so  dass  die  Cohen'sche  Nummer  auf  ein  vorstehendes  Papierblättchen 
notiert  ist;  eingeordnet  wurde  hierbei  die  Sandberger'sche  Sammlung,  aber 
den  Münzen  ein  Blättchen  beigelegt  mit  der  Nummer  des  Katalogs  und  der 
Fundstelle  auf  der  Kehrseite.  Ausrangiert  wurden  die  Dubletten  und  besonders 
verwahrt  .  .  ."  (vgl.  dazu  Annal.  XIII,  370).  Nach  dieser  Vorarbeit  wurde 
der  Katalog  selbst  aufgestellt;  des  Abschlusses  dieser  Arbeit  thut  der  Jahres- 
bericht des  Konservators  über  das  Jahr  1876  Erwähnung  (s.  xinnal.  XIV,  435). 
Dieser  Katalog,  welcher  die  Münzen  nach  Cohen,  Description  des  medailles 
frappees  sous  l'empire  romain  1.  Auflage  bestimmt,  nach  den  Münzgattungen, 
Gold,  Silber,  Grosserz,  Mittelerz  und  Kleinerz,  getrennt  aufführt  und  die  Fund- 
angaben, soweit  sie  vorhanden  waren,  hinzufügt,  umfasst  in  der  Hauptsache  den 
von  Kihm  geordneten  Teil  der  Sammlung,  wobei  freilich  die  Ki hm' sehe  Ord- 
nung als  gänzlich  ungenügend  völlig  verändert  werden  musste;  eingeschlossen 
sind  zwar  ausser  der  schon  erwähnten  Sand  berger 'sehen  Sammlung  noch 
manche  vor  der  Katalogisierung,  Vv'ie  z.  B.  die  Zais' sehen,  oder  während  der- 
selben eingeordnete  Münzen,  aber  die  anderen  Bestandteile,  die  von  Kihm 
ausgeschosseneu  sowie  die  Mehrzahl  der  seit  1856  erworbenen  Stücke,  blieben 
von  der  Katalogisierung  ausgeschlossen.  Die  Zahl  der  in  dem  Kataloge  ver- 
zeichneten Kaisermünzen  beträgt  etwa  3100,  bleibt  also  hinter  der  Zahl  der  in 
den  Kihm'schen  XXI  Verzeichnissen  enthaltenen  3319  zurück;  mit  Hinzu- 
rechnung der  etwa  260  republikanischen  —  dieselben  sind  erst  im  Jahre  1895 
in  den  Katalog  aufgenommen  —  übertrifft  sie  jene  Zahl  nur  um  ein  weniges: 
der  in  den  zwischenliegenden  20  Jahren  diesem  Teil  der  Sammlung  gewordene 
Zuwachs  ist  durch  xA.usscheidung  der  zahlreichen  Fälschungen,  sowie  einer  Reihe 
von  Dubletten*')  annähernd  ausgeglichen  worden. 


*')  Es  darf  hier  nicht  unterlassen  werden,  darauf  hinzuweisen,  dass  diese  Dubletten 
fast  auascbliesslich  aus  Bronzemünzen  des  1.  Jahrhunderts  der  Kaiserzeit  bestehen:  dutzend- 
weise sind  unter  ihnen  vertreten  die  bekannten  Agrippamünzen,  die  des  Augustus  mit  Provi- 
dentia und  Rom.  et  Aug.  (obwohl  alle  diese  Sorten  schon  zahlreich  in  der  katalogisierten 
Sammlung  sich  befinden,,  viele  Caligula  mit  Yesta,  Nero  mit  S  C  und  der  Victoria,  besonders 
dann  Vespasian  und  Domitiau,  auch  Trajan;  mit  Hadiian  beginnt  die  Zahl  bereits  abzunehmen 
und  sind  spätere  Münzen,  wenn  wir  von  dem  überall  massenhaft  auftretenden  Kleinkupfer  der 
constantinischen  Zeit  absehen,  fast  gar  nicht  mehr  vertreten,  auch  die  Denare  des  anfangenden 
3.  Jahrhunderts  fehlen  fast  völlig.  Du  uns  keine  Gesamtfunde  bekannt  sind,  welche  diese  früh- 
zeitigen Münzen,    wenigstens    in    irgend   welcher    beträchtlichen    Anzahl  enthalten    hätten    (be- 


199 

Die  Vermehrung  der  Sammlung  in  den  siebziger  Jahren  war  keine  sehr 
bedeutende*'),  wie  die  Inventare  dieser  Zeit  ausweisen,  und  beschränkte  sich  auf 
Zuwendung  und  gelegentlichen  Ankauf  einzelner  Münzen;  am  meisten  lieferten 
dazu  Wiesbaden  und  Heddernheim,    sowie    Mainz.     Seit  dem  Ende  des  Jahres 
1880  werden    die   neu   eingehenden  Münzen,    welche    bis    dahin    zwischen   den 
übrigen  für  das  Museum  erworbeneu  Gegenständen  in  den  jährlichen  Inventarcn 
verzeichnet  worden  waren,    in  ein  eigenes  Inventar  mit   fortlaufender  Nummer 
eingetragen,  welche  jetzt  die  Zahl  600  wenig  überschritten  hat ;  darunter  sind  nur 
etwa  150  Stück  römische  Münzen.     Die    so    eingetragenen   wurden    in   Papier- 
täschchen, welche  mit  der  entsprechenden  Nummer  versehen  sind,  der  Sammlung 
einverleibt,  aber  nicht  an  der  ihnen  zukommenden  Stelle  eingeordnet;    auch  in 
dem  Isenbeck' sehen  Katalog   sind  die  nach    seiner  Fertigstellung  erworbenen 
römischen  Münzen  —  wenn  man  von  den  Konsularmünzen,  deren  Verzeichnis 
erst    1895    aufgestellt    wurde,    absieht  —  nicht    nachgetragen.     Aus   den   Er- 
werbungen dieser  Zeit  mögen  hier  erwähnt  sein  21  aus  Nackenheim  stammende 
Münzen,   September  1882    (Invent.  d.  M.  No.  192 — 212);    einige    aus  Ägypten 
(Invent.  No.  223  —  332);    sowie    die    aus  dem  Münzfund    an  der  Hammermühle 
bei  "Wiesbaden  März  1884  herrührenden  Denare  (Invent.  No.  281  —  304),  auf  die 
unten  zurückzukommen  sein  wird. 


Trotz  der  nicht  unbedeutenden  Bestandteile,  welche  der  Sammlung,  wie 
aus  diesem  nur  die  Hauptpunkte  berührenden  Überblick  zu  ersehen  ist,  von 
aussen  her,  namentlich  vom  linken  Rheinufer,  aber  auch  aus  weiterer  Entfer- 
nung zugekommen  sind,  besteht  doch  der  Kern  des  Münzkabinets  aus  im  Lande 
selbst  gefundenen  Stücken,  wenn  sich  auch  nur  ein  vergleichsweise  geringer 
Teil  den  einzelnen  Fundstellen,    welche  vorzugsweise  in   näherer   und  weiterer 


kanntlich  kommen  Schätze  von  Kupfermünzen  aus  der  Zeit  vor  Commodus  fast  gar  nicht 
vor,  vgl.  Mommaen,  Rom.  Miinzwesen,  S.  770  u.  775,  Anm.  113),  müssen  diese  Münzen  ein- 
zeln, und  natürlich  meist  im  Laude,  gefunden  sein.  —  Auf  eine  vergleichende  Zusammenstel- 
lung der  in  dem  Isenbeck'schen  Kataloge  enthaltenen  Stückzahl  der  Münzen  der  einzelnen 
Kaiser  muss  verzichtet  werden,  weil  diese  Zahlen  dadurch,  dass  in  ihnen  die  Münzen  aus  den  in 
das  Museum  gelangten  Gesamtfunden  mitenthalteu  sind,  von  dem  mehr  oder  weniger  häufigen 
Vorkommen  der  Münzen  einer  bestimmten  Zeit  kein  richtiges  Bild  zu  geben  vermögen;  so  bei 
den  Denaren  von  Nero  bis  Hadrian  (aus  Heddernheim),  den  Kleinerzen  des  Probus,  Diocletian 
etc.  (aus  Bingen),  den  Kleinerzen  des  Tetricus  und  Victorinus  (aus  Heddernheim),  den  Denaren 
der  severischen  Zeit  (aus  Marienfels)  etc. 

**)  Eine  im  Jahre  1879  dem  Museum  als  Geschenk  übergebene  sehr  wertvolle  Sammlung 
antiker  Münzen  kann  hier  nur  kurz  erwähnt  werden,  da  sie  entsprechend  der  Stiftungsurkunde 
keinen  Bestandteil  des  Münzkabinets  bildet,  sondern  in  einem  eigenen  Schranke  aufbewahrt  wird. 
Sie  ist  von  Oskar  von  Lade  zusammengebracht  und  nach  dessen  früh  erfolgtem  Tode  von 
seinem  Vater  gestiftet;  sie  umfasst  gegen  2fJ00,  der  überwiegenden  Mehrzahl  nach  römische 
Münzen,  meist  schön  erhalten,  darunter  manche  Seltenheiten;  der  ebenfalls  übergebene  aus- 
führlich besclireibende  Katalog  ist  von  Herrn  J.  Isenbeck  angefertigt  (vgl.  Annal.  XV,  ."^41, 
Invent.  1879,  159). 


200 

Umgebung  Wiesbadens,  im  Rheingau,  Heddernheim,  dem  unteren  Mainthal 
und  der  Lahngegend  gelegen  haben  werden,  noch  zuteilen  lässt.  Der  all- 
mähliche und  langsame,  aber  stetige  Zufliiss  dieser  Münzen  tritt  naturgomäsa  in 
den  Jahresberichten  und  Vorstandsprotokollen,  welche  in  Ermangelung  regel- 
mässiger Zugangsverzeichnisse  in  den  ersten  drei  Jahrzehnten  fast  unsere  einzige 
Quelle  für  Kenntnis  dieser  Verhältnisse  bilden,  abgesehen  von  den  Ergebnissen 
einzelner  grösserer  Ausgrabungen,  viel  weniger  hervor,  als  die  durch  Geschenk 
oder  Kauf  erworbenen  grösseren  Sammlungen  und  Gesamtfunde,  die  sich  in 
allem  wesentlichen  noch  jetzt  als  solche  erkennen  lassen,  rait  einziger  Aus- 
nahme des  Kreuznacher  Fundes  vom  Jahre  1837.  Die  vergleichsweise  zahlreich 
vertretenen  Kupfermünzen  des  1.  Jahrhunderts,  von  deren  Fundstellen  am  linken 
Rheinufer  nur  Mainz  und  Bingen  für  unsere  Samnilung  einigermassen  in  Be- 
tracht kommen,  dürften  einen  grossen,  wenn  nicht  den  grössteu  Teil  dieser  in 
unserer  Gegend  gefundeneu  einzeln  und  gelegentlich  angekauften  bezw.  ge- 
schenkten Münzen  ausmachen  (vergl.  oben  Anm.  41). 

Wenden  wir  uns  nun  zu  der  Zusammenstellung  der  in  Wiesbaden  ge- 
fundenen römischen  Münzen  des  Museums. 

Es  empfiehlt  sich,  dieselben  in  zwei  Gruppen  zu  teilen:  die  im  römischen 
Kastell  und  die  übrigen  in  der  Stadt  und  Umgegend  gefundenen.") 


I.   Die  im  römischen  Kastell  und  dessen  Nähe  gefundenen  Münzen. 

In  dieser  Gruppe  sind  rait  den  laut  Fundnotiz  aus  dem  Beringe  des 
Kastells  stammenden  Münzen  diejenigen  vereinigt,  welche  schlechthin  als  „ge- 
funden auf  dem  Heidenberge",  wie  die  ganze  Höhe,  auf  welcher  das  Kastell 
lag,  durch  alle  Zeiten  hindurch  bis  vor  wenigen  Jahren  hiess,  bezeichnet  sind. 
Dabei  ist  zu  beachten,  dass  der  Name  des  Heidenberges  entsprechend  den  im 
Laufe  dieses  Jahrhunderts  seinen  Abhang  hinauf  schreitenden  und  ihn  jetzt 
fast  ganz  bedeckenden  Strassen-  und  Häuserbauten,  weiter  und  weiter  auf  die 
Höhe  des  Berges  zurückgedrängt  wurde,  so  dass  ungefähr  seit  den  sechziger 
Jahren  annähernd  nur  die  ehemals  vom  Kastell  eingenommene  Fläche  so  be- 
zeichnet wurde;  danach  sind  z.  B.  die  von  Dorow  im  zweiten  Jahrzehnt 
unseres  Jahrhunderts  gemachten  Fundangaben,  welche  für  eine  Reihe  damals 
zu  Tage  geförderter  Münzen")  ebenfalls  den  „Heidenberg'*  nennen  —  die  Fund- 
stellen würde  man  jetzt  etwa  bezeichnen  mit  „obere  Webergasse  bezw.  Römer- 
berg**  und  mit  „mittlere  Schwalbacherstrasse  am  Michelsberg",  wo  damals  aus- 
gedehnte Grabstätten  aufgedeckt  wurden  —  ganz  anders  zu  beurteilen,  als 
dieselben  Angaben  aus  den  sechziger  oder  gar  siebziger  Jahren.  Endlich  sind 
auch   einige   wenige    mit   der    Fundnotiz    „Römerberg"    versehene    Stücke    hier 


*ä)  Des  einfacheren  Citierens  wegen  sind  die  Nummern  durch  beido  Gruppen  fort- 
laufende. 

")  Vgl.  Dorow:  Opferst,  u.  Grabhügel  II,  S.  3  f.  u.  12  f.,  sowie  oben  S.  183.  Diese  mit 
Dorow 's  übriger  Sammlung  wolil  meist  in  das  Bonner  Provinzialmuseum  gelangten  Münzen 
lashen  sich  dort  nicht  mehr  identifizieren. 


201 

eingereiht,  weil  nicht  in  jedem  Falle  sicher  ist,  ob  wir  es  mit  einer  missbräuch- 
liohen  Bezeichnung  des  „Heidenberges",  welche  bisweilen  begegnet"),  oder  mit 
dem  Namen  der  noch  jetzt  „Römerberg"  genannten  Strasse,  welche  ja  übrigens 
auch  auf  dem  Gebiet  des  alten   „ Heidenberges "  liegt,  zu  thun  haben. 

Yon  Münzen,  welche  vor  der  Ausgrabung  des  Kastells  in  den  Jahren 
1838/39  gefunden  wurden,  sind  uns  nur  wenige  noch  bekannt  'unten  No.  1*,  2, 
3,  32,  46*,  93).  In  der  von  Kihm  inventarisierten  und  zeitlich  geordneten 
Sammlung  befinden  sich  nicht  mehr  als  16  Stück,  welchen  ein  von  seiner  Hand 
geschriebener  Vermerk  „gefunden  im  Römercastell  zu  Wiesbaden  1838"  bezw. 
„1839"  beiliegt.  Dass  diese  16  Stück'^)  nicht  die  ganze  numismatische  Ausbeute 
der  zweijährigen  sehr  gründlichen  Ausgrabung  gewesen  sein  können,  ist  von 
vornherein  selbstverständlich.  Die  Annahme,  dass  in  gleicher  Weise  wie  bei  den 
Hof heiraer  Münzen  (s.  obenS.  194)  die  schlechter  erhaltenen  Stücke  von  Kihm  als 
„Ausschuss"  behandelt  seien,  wurde  bestätigt  durch  Auffindung  eines  grossen 
Papierumschlagos,  welcher  von  Kihm's  Hand  den  Bleistiftvermerk  trug  „ge- 
funden im  Römercastell  zu  Wiesbaden  1838",  darunter  in  Tinte  „20  Mittel- 
erze, 9  Kleinerze,  Ausscbuss";  der  Umschlag  enthielt  von  den  ursprünglichen 
29  Stück  noch  19  Stück.  Einige  andere  fanden  sich  noch  einzeln  mit  ent- 
sprechendem Vermerk  unter  dem  Ausschuss ;  die  grosse  Mehrzahl  aber  der  ans 
dem  Wiesbadener  Kastell  stammenden  ausgeschossenen  Münzen  ist  ohne  Fund- 
notiz unter  die  übrigen  gemischt  und  daher  für  historische  Verwertung  ver- 
loren. In  den  40er  Jahren  sind  sicher  zahlreiche  Münzen  auf  dem  Heidenberge 
zu  Tage  gefördert :  viele  derselben  werden  unter  den  aus  diesen  Jahren  stammen- 
den, von  Kihm  mit  der  Angabe  „Umgebung  Wiesbaden"  bezw.  „Wiesbaden  und 
Umgebung"  versehenen  Münzen  sich  befinden  (siehe  oben  S.  192  u.  Anm.  30); 
denn  es  ist  schwerlich  Zufall,  dass  diese  Bezeichnungen  bei  Münzen  gerade 
der  Kaiser  am  häufigsten  begegnen,  welche  nach  den  übrigen  Zeugnissen  im 
Kastell  und  auf  dem  Heidenberge  am  zahlreichsten  vertreten  sind,  der  Flavier 
und  Trajans.*^)  Auf  einer  Seite  eines  Notizbuches  von  Kihm  befinden  sich 
unter  8  „Münzen  von  Bronce",    für  deron  Ankauf  er  die  Auslagen  verrechnet, 


")  In  diesem  Sinne  gebraucht  offenbar  das  Wort  z.B.  Zimmermann:  Wiesbaden  und 
seine  Umgebungen  1826,  S.  11:  , indem  auf  dem  Römerberge,  welcher  noch  in  späterer  Zeit 
als  Befestigungspunkt  diente,  auch  Münzen  von  Constantin,  Valens  und  den  späteren  Kaisern 
gefunden  werden'',  ebenso  auch  wohl  ebenda  S.  23:  „auch  finden  sich  auf  dem  Römerberge 
vorherrschend  viele  Bronze-  und  Siibermiinzen  mit  seinem  (Hadrian's)  Gepräg".  Obwohl  Z. 
hier,  namentlich  an  der  ersteren  Stelle,  allgemein  den  Heidenberg  verstanden  wissen  wollte, 
fussen  seine  angeführten  Bemerkungen  nur  auf  den  bis  zum  Jahre  1825  bei  Häuser-  und 
Strassenanlagen  gemachten  Funden  an  den  unteren  Abhängen  des  Heidenberges,  wo  sich,  vor- 
züglich im  Norden  und  Osten,  von  frühromischer  bis  in  die  Zeit  der  Völkerwanderung  in  Ge- 
brauch gewesene  ausgedehnte  Grabstätten  befanden. 

*')  Bei  denselben  ist,  wie  auch  bei  den  in  der  zweiten  Gruppe  mit  Kihm'schen  Fund- 
notizen versehenen  Münzen  der  Fundangabe  ein  K.  in  Klammern  zugefügt. 

*')  Diese  Notiz  findet  sich  im  ganzen  bei  28  —  übrigens  in  der  zweiten  Gruppe  be- 
schriebenen —  Münzen;  darunter  3  mal  bei  Nero,  ö  mal  bei  Vespasian,  12  mal  bei  Domitian, 
1  mal  bei  Nerva,  4  mal  bei  Trajan,  1  mal  bei  Hadrian,  2  mal  bei  Severus. 


202 

nicht  weniger  als  6  mit  der  Fundangabe  „Heidenberg"  (die  Notiz  stammt  ent- 
weder aus  dem  Jahre  1841  oder  einem  der  nächst  folgenden).  Als  Ausbeute 
der  vom  Verein  im  Kastell  im  Frühling  1858  vorgenommenen  Ausgrabung 
werden  von  Rössel  an  Münzen  aufgezählt  (Per.  Blätter  No.  6,  1858  S.  138) 
„Domitian  (in  Silber),  Tiberius  (2  mal),  Nero,  Yespasian,  Domitian,  Trajan  und 
Antonin,  in  Mittelerz"  (vergl.  Inv.  1858,  No,  152/55).  In  einem  Schubfache 
des  Münzschrankes  fand  ich  am  11.  Januar  1895  in  Gegenwart  des  Herrn 
Isenbeck  eine  grössere  Anzahl  in  Reihen  gelegter,  gar  nicht  oder  wenig  ge- 
reinigter Münzen,  zwischen  ihnen  eben  jene  8,  mit  entsprechenden  Vermerken 
von  Rossel's  Hand  versehenen  Stücke;  auch  ein  kleiner  Bronzeklumpen,  sowie 
ein  kleines  Stück  vom  Rande  eines  Bronzegefässes,  welches  wohl  auch  für  eine 
Münze  gehalten  worden  war,  lagen  dabei.  Es  war  auf  den  ersten  Blick  klar, 
dass  die  sämtlichen  Stücke  von  einer  Ausgrabung  herrührten,  welche  wegen 
der  Rossel'scheu  Notizen  auf  jenen  8  Stück  nur  die  auf  dem  Heidenberg 
1858  ausgeführte  sein  konnte.  Zur  Zeit,  als  die  Eintragung  in  das  Inventar 
erfolgte,  hatte  Rössel  nur  jene  8  Münzen  —  übrigens  wider  seine  Gewohnheit 
flüchtig,  und  zum  Teil  falsch :  der  angebliche  Antonin  ist  in  Wahrheit  ein  Do- 
mitian, ebenso  einer  der  beiden  angeblichen  Tiberius  —  bestimmt  und  daher 
nur  jene  vermerkt;  die  auf  später  verschobene  Bestimmung  der  anderen,  übrigens 
durchweg  sehr  schlecht  erhaltenen  Münzen  wurde  weder  von  Rössel,  noch 
von  sonst  Jemandem  ausgeführt,  so  dass  der  ganze  Fund  noch  in  der  Ver- 
fassung war,  wie  im  Jahre  1858.**) 

Die  Grundabraumungsarbeiten  der  sechziger  Jahre  auf  dem  Heidenberge 
haben  noch  weitere  Münzen  zu  Tage  gefördert,  endlich  auch  die  in  der  zweiten 
Hälfte  der  siebziger  Jahre  auf  dem  Terrain  des  Kastells  vorgenommenen  Grund- 
arbeiten für  das  neue  städtische  Krankenhaus. 

Ein  in  der  Mitte  geteiltes  Folioblatt  enthält,  geschrieben  von  Kibm's  Hand, 
auf  der  einen  Hälfte  ein  „Verzeichnis  der  Münzen,  welche  innerhalb  des  Kastells 
gefunden  sind",  auf  der  anderen  ein  solches  der  „Münzen,  welche  ausserhalb  dem 
Kastell  gefunden  worden  sind".  Da  beide  Verzeichnisse  sehr  flüchtig  und  auch 
für  die  Zeit,  aus  welcher  sie  stammen  —  aus  dem  Jahre  1853  oder  einem  der 
nächst  folgenden  —  durchaus  unvollständig  sind*'),  brauchten  wir  hier  nicht 
weiter  auf  sie  einzugehen,  wenn  sich  nicht  noch  einige  Münzen,  deren  Fund- 
notizen jetzt  Verloren  sind,  daraus  gewinnen  Hessen.  Dass  Kihm  dabei  nur 
die  von  ihm  chronologisch  geordnete  Sammlung  im  Auge  hatte,  zeigt  die  Hin- 
zufügung der  der  Zeitfolge  entsprechend  ansteigenden  Nummern  der  Schub- 
laden, in  welchen  sich  die  betreff'enden  Münzen  befanden. 


*")  Die  verhältniamSssig  grosse  Anzahl  der  damals  gefundenen  Münzen  erklärt  sich 
daraus,  dass  jene  Ausgrabungen  in  dem  Teile  des  Lagers,  in  welchem  einst  die  Soldaten  ihre 
Baracken  und  Kochpliitze  gehabt  hatten,  stattfanden,  sowie  dass  an  jenen  Stellen  das  Terrain, 
auf  welchem  sich  einst  die  Römer  bewegten,  völlig  abgegraben  wurde,  wodurch  gerade  an 
Münzen  mehr  als  bei  gewöhnlichen  Ausgrabungen  zu  Tage  gefördert  werden  musste. 

*')  So  fehlen  z.  B.  in  beiden  Verzeichnissen  sonderbarerweise  sämtliche  Münzen  Do- 
raitianfl,  obwohl  sie  zahlreich  den  entsprechenden  Fundvermerk  von  Kihm 's  Hand  zeigen, 
ebenso  im  Verzeichnis  der  Kastell-Münzen  das  Mittelerz  Xerva's,  das  Orosserz  des  Verus  u,  a.  m. 


203 


Das  Yerzeichnis  der  im  Kastell  gefundenen  Münzen  enthält  folgendes: 


es 
o 

OQ 


o 

C 


S 


.o 

'S 


1 

9 

10 
13 
14 

21 
27 

28 

30 
31 
42 


xyin^») 


Elephand  (sie!)  Münz  v.  J.Cäsar 
Augustus 

Augustus 

Tiberius 

Caligula 

Yespasian 

Trajan 

n         

Hadrian 

n  

Lucilla  aiigusta  .... 


Alexander  Severus 


1 


unten  No.  2. 

wohl  unten  No.  21   (Agrippa) 

und  No.  22  (Nemausus). 
jetzt  nicht   mehr  nachweisbar, 
jetzt  nicht   mehr  nachweisbar, 
unten  No.  30. 

jetzt  nicht    mehr  nachweisbar, 
unten  No.  80,  84,    87,    wobei 
ein  Mittelerz  für  ein  Gross- 
erz angesehen  ist. 
unten  No.  90. 
unten  No.  93  und  94. 
offenbar  das  Grosserz  No.  100 

(Verwechselung  von  Mittel- 

u.  Grosserz  begegnet  Kihm 

öfter). 
unten  No.  104. 


Es  folgt  nun  die  Beschreibung  der  Münzen  der  ersten  Gruppe^^): 
Gens  Lucilia: 

1.*  Denar,  geprägt  um  89  v.  Chr.:  Kopf  mit  Flügelhelm  n.  r.  im  Lorbeerkranz,  dahinter 
PV  Bs.  Victoria  in  Biga  n.  r,,  oben  RVF,  im  Abschn,  M  LVCILI  Babclon  II.  p.  150. 
„Römerberg  1833"  nach  Vorst.-Sitz.  vom  16.  Januar  1834  §  2. 

Julius  Caesar: 

2.  Denar,  geprägt  um  50  v.  Chr. :  Elefant  n.  r.,  im  Abschn.  CAESAR  Rs.  Mütze  des  Flamen, 
Simpulum,  Weihwedel,  Axt:  Babelon  U.  p.  10  No.  9.  „Castell  Heidenberg  ISST"*.  (K.) 


^°)  Damit  ist  verwiesen  auf  das  „XVIII.  Verzeichniss  römischer  Miinzen",  in  welchem 
sich  diese  Münze  in  der  That  unter  No.  6  findet;  sie  war  also  damals  noch  nicht,  wie  später, 
in  die  chronologisch  geordnete  Sammlung  eingelegt. 

^')  Die  Münzen  sind,  soweit  angängig,  nach  Cohen:  Description  des  m^dailles  frapp^es 
S0U8  l'empire  romain,  2.  Auflage,  die  republikanischen  nach  Babelon:  Description  histor.  et 
chronolog.  des  monnaies  de  la  republ.  romaine  T.  I,  II,  1885,  bestimmt,  mit  Hinzufügung  des 
Jahres,  in  welchem  die  einzelnen  Münzen  geprägt  worden  sind.  Die  bei  den  Citaten  am 
häufigsten  angewendeten  Abkürzungen,  soweit  sie  sich  nicht  selbst  erklären,  sind:  1.  Inv. 
=  Inventar  der  einzelnen  Jahre  seit  1853.  2.  Inv.  d.  M.  =  Inventar  der  Münzen,  welches 
seit  1880  geführt  wird,  siehe  oben  S.  199.  3.  (K.)  =  Kihm,  bei  den  mit  Fundnotizen  von 
seiner  Hand  versehenen  Münzen.  4.  Mitteil.  =  Mittheilungen  an  die  Mitglieder  des  N.  A.  V. 
5.  P.  Bl.  =  Periodische  Blätter.  6.  Vorst.-Sitz.  mit  folgendem  Datum  =  Protokolle  der 
Vorstandssitzung,  welche  sich  bei  den  Vereinsakten  befinden.  7.  Z.  K.  =  Zettelkatalog  des 
Museums.  Ein  *  ist  den  Nummern  derjenigen  Münzen  beigesetzt,  die  sich  jetzt  nicht  mehr 
identifizieren  lassen,  deren  Beschreibung  bezw.  Anführung  demnach  nicht  auf  eigener  Anschau- 
ung beruht. 


204 

Die  Stadt  Celsa  in  Spanien  (colonia  victrix  Julia  Lepida) : 

3.  Grosserz,  geprägt  zwischen  45  und  41  v.  Chr.:  Kopf  n.  r.,  unten  rechts  die  Umschrift 
COL- VIC  •  IVL  ■  LEP  i^*'-  stehender  Stier  n.  r,  darüber  RR  U- VIR-,  darunter 
|_  •  NEP  ■  L  ■  SVR  .  fliehe  A.  Heiss:  Description  gen.  des  monnaies  ant.  de  l'Espagne 
1870  p.  142  No.  15  Taf.  XI.  .,Heidenberi7  1830".  (K.)  —  Bei  dem  beschränkten  Um- 
laufsgebiet dieses  spanischen  städtischen  Courants  kann  unser  Exemplar  wohl  nur  in 
dem  Geldbeutel  eines  spanisclien  Auxiliaren  oder  eines  aus  Spanien  direkt  an  den  Rhein 
versetzten  Legionars  an  seinen  Fundort  gelangt  sein. 

Augustus : 

4.*  Denar:  nicht  näher  bestimmbar.   -Castell"  vor  1853,  vgl.  Kihm's  Verzeichnis  oben  S.  203. 

5.  Denar,  verschliflPen :  CAESA[Rll  AVG[VST01  Kopf  m.  Lorb.  n.  1.  Es.  Tempel  mit 
6  Säulen,  Umschrift  [MAR  VLTJ  verwischt.  Cohen  192,  geprägt  20  v.  Chr.  „Casteli 
Heidenberg    1878-,  vgl.  Inv.   Is78  Xo.  231. 

6.  7.  8.  Mittelerze,  alle  sehr  schlecht :  [DIVVS  AVGVSTVS  PATER]  Kopf  m.  Strahlen 
u.  1.  Es.  Grosser  Altar  zwischen  S  — C.  unten  [PROVIDENTJ  Cohen  228,  geprägt 
unter  Tiherius.     ^Römercastell  1838  (Ausschuss)". 

9.  Dieselbe  Münze:  schlecht.     „Casteli  1858". 
10.*  Dieselbe  Münze:  P.  Bl    1S60  No.  14  S.  397  und  Inv.  1860,  April  30:    „im  Schuttland 

l'/i'  tief  gefunden  am  Bierstadter  Weg,  muthniasslich  vom  Heideuberg  dahin  gefahren". 
11.  Mittelerz,  schlecht:  Kopf  m.  Lorb.  n.  r.  [CAESAR  PONT  MAXI    -Rs-  Altar,  an  dessen 

Ecken  zwei  Victorien  mit  Kränzen,  unten  ROM  ET  AVG    Cohen  240.    „Casteli  1858". 
12.*  Dieselbe  Münze:   „Casteli  auf  dem  Heidenberg  1863",   nach  MitteiL  1864  No.  8  S.  11 

=  Inv.  18G3  Mai  No.  83. 

13.  Dieselbe  Münze,  absichtlich  halbiert:  „Röraercastell  1838  (Ausschuss)". 

14.  Dieselbe  Münze,  schlecht:  .jRömercastell  1838  (Ausschuss)",  scheint  barbarischer  Prägung, 
der  Rand  ist  in  Form  eines  menschlichen  Gesichtes  ausgezackt. 

15.  Denar,  sehr  schön:  LA[QVIL]LIVS  FLORVS  III  VIR  strahlengekrönter  Kopf  des 
Sol  n.  r.  Es.  CAESAR  AVGVSTVS  SIGN  REGE  knieender  Parther  n.  r.  über- 
reicht ein  Feldzeichen.  Cohen  358,  geprägt  20  v.  Chr.  ^Casteli  Heidenberg,  März  1860", 
vgl.  P.  BI.  1860  No.  13  S.  368. 

16.  Mittelerz,  schlecht:  [AVGVSTVS  TRIBVNIC  POTEST]  Kopf  n.  r.  E.^.  CN 
PI[SO  CNF]    III    VIR  AAAFF    i™    Felde   gross   S  C.    auf  dem  Avers   eingeschnitten 

MAC  , 

2  auf  dem  Revers  Stempeleinschlag:   l*^^; 

O  Fehlt  bei  Cohen   2.  Auflage,    entspricht    Cohen   1.  Auflage  513.      „CasteU 

Heidenberg  1858". 

17.  Mittelcrz,  schlecht:  [CAESAlR  AVGVST  P[ONT  MAX  TR1]BVN[IC  POT]  Kopf 
n.  r.  Es.  [p  LIVRIVIS  AGRIPIPA  111  VIR  [AAAFF]  im  Felde  SC,  auf  dem 
Revers  Stenipeloinschlag  W^:  •     Cohen  445.     „Casteli  1838/39". 

18.  Mitteler^,  sehr  schlecht:  Kopf  n.  r.,  Umschrift  ganz  zerstört.  Es.  [C  PLOTIVS] 
RVFVS  III  VIR[AAAFF]  im  Felde  SC    Cohen  504.    Jlömercastell  1838  (Ausschuss)". 

19.  Dieselbe  Münze,  stark  verschliffen:  auf  dem  Es.  noch  lesbar  . .  .]VFVS  III  VIR  AA[.  . . 
Im  Felde  SC     „Casteli  1858". 

20.  Mittelerz,  sehr  zerstört:  Kopf  des  Augustus  n.  r.  Es.  im  Felde  gross  S  [C],  die  Um- 
schrift mit  dem  Namen  des  Münzmeisters  nicht  mehr  erkennbar.     ^.Casteli  1838/39". 

Agrippa: 

21.  Mittelerz,  gut  erhalten:  M  AGRIPPA  L  F  COS  III  Kopf  mit  corona  rostrata  n.  l. 
Es.  nackter  Neptun,  stehecd  zwisciien  S  — C     Coheu  3.     „Casteli  lb38".    (,K.) 

Die  Stadt  Nemausus  (Nimes)  in  Südfrankreich: 

22.  Mittelerz,  mit  ^x.hüner  Patina:  JMP  DIVI  F,  die  Köpfe  des  Augustus  und  des  Agrippa, 
letzterer  mit  coronu  ro-^trata,  von  oiuander  abgewendet.    Es.  COLNEMi  Krokodil  n.  r. 


209 

Figur,    welche    eine    ProTinz    charakterisiert,    zwischen    ihnen    ein    brennender    AJtar. 
Genauer  nicht  bestimmbar.     ^Caatell  zu  "Wiesbaden  1839".    (K.) 

91.  Grosserz,  gut  erhalten:  |MP  CAESAR  TRAIANVS  HADRIANVS  AVG  Kopf  mit 
Lorbeer  n.  r.  Rs.  PONT  [MAX  T]R  ROT  COS  III  S  C  P"  oder  Feücitas  n.  I. 
stehend.     Cohen  1192.     ^Heidenberg". 

92.  Grosserz,  sehr  verschliffen:  Kopf  Hadrian's  n.  r.  Umschrift  verlöscht.  Ra.  Sitzende 
Figur  n.  r.  hält  eine  Victoria  (?)  (vielleicht  Roma,  dann  wäre  es  Cohen  1302).  Nicht 
näher  bestimmbar.     „Castell   1858*. 

93.  Mittelerz,  sehr  gut:  HADRIANVS  AVGVSTVS  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  SALVS 
AVGVSTI  Stehende  Salus  n.  1.  füttert  eine  um  einen  Altar  geringelte  Schlange,  im 
Abschn.  COS  lll>  im  Felde  S  — C     Cohen  1357.     „Heidenberg  1834".  (K.) 

94.  Dieselbe  Münze,  gut:  „Castell  1838".   (K.) 

Antoninus  Pias: 

95.  Grosserz:  [ANTOININVS  AVG  PIVS  P  [P  IMP  II]  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  [T]R 
POT  XXII  COS  l[lll]  Wölfin  n.  r.,  Romulus  und  Remus  säugend,  im  Abschn.  S  C 
Fehlt  bei  Cohen  (im  J.  159).     „CasteU  1858". 

Faustina  die  Aeltere: 

96.  Grosserz,  stark  verschliffen:  DIVA  FAVSTINA  Büste  m.  Diadem  n.  r.  Rs.  CON 
[SECRATIO]  Stehende  Vesta  n.  1.  hält  eine  Schale  uud  eine  Fackel,  zu  beiden  Seiten 
S  — C     Cohen  162.     ,CasteU  1858". 

Faustina  die  Jüngfere: 

97.  Mittelerz,  sehr  schlecht:  Kopf  der  Faustina  n.  r.  Umschrift  verwischt.  Rs.  Sitzende 
weibliche  Figur  n.  1.    Weiteres  unkenntlich.     „Castell  1858". 

98.  Grosserz,  stark  verschliffen:  Kopf  n.  r.  Umschrift  verwischt.  Rs.  Stehende  weibliche 
Figur  n.  r.  mit  langem  Scepter  (?),  Umschrift  verwischt.     „Castell  1858". 

L.  Vepus: 

99.  Grosserz,  ziemlich  gut:  L  VERVS  AVG  ARM  PARTH  MAX  Kopf  m.  Lorbeer 
n.  r.  Rs.  TR  POT  VI  IMP  III  COS  II  Armenier  oder  Parther  sitzt  n.  r.  mit  ge- 
fesselten Händen  unter  einem  Tropaeum,  zu  beiden  Seiten  S — C  Cohen  200  (im 
J.  166).     „Castell  1838".     (K.) 

Lucilla : 

100.  Grosserz:  LVCILLA  AVGVSTA  Büste  n.  r.  [P|]ET[AS]  Pietas  n.  1.  stehend  neben 
einem  brennenden  Altar   zwischen   S — C     Cohen  53.     „Castell  zu  Wiesbaden".     (K.) 

Julia  Domna: 

101.  Denar,  gut:  |VLIA  AVGVSTA  Büste  n.  r.  Rs.  MATER  DEVM  Cybele  mit 
Mauerkrone  sitzt  n.  1.  zwischen  2  Löwen,  hält  Zweig  und  Scepter.  Cohen  123.  „Heiden- 
berg in  Wiesbaden".     (K.) 

Caracalla: 

102.  Mittelerz,  gut:  ANTONINVS  PIVS  AVG  GERM  Rs.  VENVS  [VICITRIX  Stehende 
Venus  n.  1.,  hält  eine  Victoria  und  ein  Scepter,  stützt  sich  auf  einen  Schild,  der  auf 
einem  Helme  ruht,  im  Felde  S— C  Cohen  611  „Römerberg".  Vgl.  F.  Bl.  1858  No.  7 
8.  167  =  Inv.  1858  17.  August  No.  229. 

Julia  Maesa: 

103.  Denar,  gefüttert:  |VLIA  MAESA  AVG  Büste  n.  r.  Rs.  PVDICITIA  Pudicitia  n.  L 
sitzend,  fasst  ihren  Schleier  und  hält  ein  Scepter.     Cohen  39.     „Castell  1858". 


210 

Severus  Alexander: 

104.  Mittelerz,  durchbohrt,  sonst  gut  erhalten:  |MP  CAES  M  AVR  SEV  [ALlEXANDER 
AVG  Büste  mit  Lorbeer  und  Mantel  n.  r.  Rs.  PONTIF  M[AX  TR  P  V]  COS  11  PP 
Der  Kaiser  in  einer  Quadriija  n.  r.  hält  ein  Scepter,  im  Abschn,  S  C  Cohen  478  (i. 
J.  226).     „CasteU  1838".     (K.) 

Claudius  n.: 

105.  Kleinerz,  schlecht:  DIVO  CLAVDIO  Kopf  m.  Strahlen  n.  r.  Bs.  [CONSECR]ATIO 
Altar;  wohl  Cohen  50.     „Castell  1858". 

Carinus : 

106.  Kleinerz:  |MP  CARINVS  PF  AVG  Büste  m.  Strahlenkrone  und  Panzer  n.  r.  Rs. 
AETERNIT  AVG  Stehende  Aeternitas  n.  1.  mit  einer  Kugel,  auf  welcher  der  Phönix, 
im  Abschn.  K^s^AF  Cohen  10,  „Heidenberg  1869  gef.  neben  einem  grauen  Teller", 
Tgl.  Inv.  1869  No,  8,  und  Annal.  X,  S.  362,  wo  die  Münze  unrichtig  bestimmt  ist. 

Constantlnopolis : 

107.  Kleinerz,  geringster  Grösse,  sehr  verschliffen  :  CONSTANTINOPOLIS  Büste  behelmt 
n.  1.  Rs.  Stehende  Victoria  ohne  Umschrift,  im  Abschn.  ////S  Cohen  22.  „Römer- 
castell  1838  (Ausschuss)". 

108.  Kleinerz:  dasselbe  Gepräge.     Cohen  21.     „Castell  1858". 

Crispus : 

109.  Kleinerz,  yersilbert:  CRISPVS  NOB  CAES  Büste  m.  Diadem  u,  Panzer  n.  r.  Rs. 
PROVIDENTIAE  AVGG  Thor  m.  2  Türmen,  zwischen  denen  ein  Stern,  im 
Abschn.  PTR.     Fehlt  bei  Cohen.     „Heidenberg  1869".     Vgl.  Inv.  1869  No.  19. 

Constantin  11.: 

HO.*  Kleinerz:  „CONSTANTINVS  IVN  NOB  C  -B«-  Zwei  Trophäen,  daneben  zwei  Gehar- 
nischte. Umschrift:  GLORIA  EXERCITVS"  Cohen  VIP,  p.  378,  nicht  näher  bestimm- 
bar.    Inv.  1859  9.  Febr.  No.  248.     „Römercastell". 


T)-" 


Constantius  II : 

111.  Kleinerz,  sehr  verschliffen:  Büste  mit  Diadem  und  Mantel  n.  r.  Umschrift  verwischt 
Rs.  wenig  kenntlich,  aber  scheint  die  Darstellung  auf  den  Münzen  mit  FELTEMP 
REPARATIO  zu  haben.   Cohen  YW,  p.  445.   „Heidenberg  1869".  Vgl.  Inv.  1869  No.  21. 

Gpatian: 

112.  Kleinerz:  D  N  GRATIANVS  AVGG  AVG  Büste  m.  Diadem  und  Mantel  n.  r.  Es. 
GLORIA  NOVI  SAECVLI  Qratian  in  Kriegstracht  hält  daa  Labarum,  im  Abschn. 
CON     Cohen  13.     „Heidenberg  1869".     Vgl.  Inv.  1869  No.  20. 

Ausserdem  an  unbestimmbaren  Münzen: 

1   Mittelerz  des   1.  Jahrhunderts,    1        „Römercastell  1838, 
1   halbiertes  Mittelerz,  (  (Ausschuss)". 

4  Mittelerze,  darunter  eines  vielleicht  von  Augustus,  1       -     , 
1  halbiertes  Mittelerz,  I  ° 

1  Kleinerz,  wohl  Kern  eines  gefütterten  Denars  des  ( 

3.  Jahrhunderts,  I 

1   Silber*,   gefunden   im    Castell   bei  Wiesbaden   nach  Invent. 

1854  vom  6.  Mai. 
1  Bronze*,  gefunden  im  Castell  nach  Invent.  1870,  21, 


211 


Übersichtlich  verteilen  sich  diese  112  Münzen  auf  die  verschiedenen  Zeit- 
abschnitte folgcndermassen :  geprägt  sind  in  der  Zeit 


vor  Augustus      .... 

3 

unter  Augustus  .... 

19 

(einschliesslich  Agrippa, 

Nemausus,  Tiberius) 

unter  Tiberius     .... 

6 

(einschl.  divus  Augustus) 

unter  Caligula(Germanicu8) 

3 

„     Claudius  (Drusus)     . 

3 

„     Nero 

3 

„     Yespasian       .     . 

15 

„     Titus 

2 

„     Domitian    .... 

22 

.,     Nerva 

2 

,     Trajan 

11 

„     Hadrian     .... 

5 

,     Pius  (Paustina  I.)     . 

2 

,     Marcus  (Paustina  EL., 

Verus,  Lucilla)    .     . 

4 

„     Com  modus      .     .     . 

„     Severus  (Domna)     . 

1 

„     Caracalla   .... 

1 

„     Julia  Maesa    .     .     . 

1 

„     Alexander       .     .     . 

1 

„     Maximin  bis  Gallienus 

,     Claudius  TT.    .     .     . 

1 

,     Carinus      .... 

1 

„     ConstantinL(Crispu8, 

Constantin  IE.  Caesar) 

4 

„     Constantius  11.    . 

1 

„     Gratian      .... 

1 

37  Stück  aus  81  Jahren  (von  Drusus'  erstem 
Zug  im  Jahre  12  v.  Chr.  an  gerechnet). 


1 


39  Stück  aus  27  Jahren 


18  Stück  aus  42  Jahren 


57 

Stück 

aus  69 

Jahren. 


10  Stück  aus  130  Jahren 


8  Stück  aus  110  Jahren 


18 

Stück 

aus 

240 

Jahren. 


Auch  in  der  Lug enbühl' sehen  Sammlung,  der  einzigen,  w^elche  noch 
Münzen  als  im  Kastell  gefunden  bezeichnet,  zeigen  die  mit  dem  Yermerk: 
„Heidenberg  Castell",  bezw.  „Heidenberg"  versehenen  Münzen  ein  starkes  Vor- 
wiegen der  Kaiser  des  1.  Jahrhunderts:  es  sind  bis  Nero  12  Stück,  Galba  bis 
Domitian  10,  Trajan  und  Hadrian  5,  zusammen  also  27,  denen  nur  14  aus  der 
Zeit  von  Pius  bis  in  das  4.  Jahrhundert  gegenüberstehen;  wenn  hier  der  Unter- 
schied der  Zahlen  nicht  so  bedeutend  ist,  wie  bei  den  Museumsmünzen,  so  ist  zu 
berücksichtigen,  dass  in  einer  Privatsammlung  die  Münzen  der  verschiedenen 
Kaiser  durchschnittlich  gleichmässiger   vertreten  sind   als  in  einer  öffentlichen. 

Die  aus  diesem  interessanten  Thatbestand  zu  ziehenden  Schlüsse  über  die 
Geschichte  des  Wiesbadener  Castells  lassen  sich  nur  in  weiterer  Ausführung, 
als  hier  möglich  ist,  und  im  Zusammenhang  mit  anderen  Thatsachen  darlegen. 


212 


II.   Die  übrigen  in  der  Stadt  Wiesbaden  und  Umgegend 

gefundenen  Münzen. 

Dass  schon  in  früheren  Zeiten  vielfach  römische  Münzen  in  und  bei 
Wiesbaden  gefunden  wurden,  müssten  wir  als  selbstverständlich  annehmen,  wenn 
es  uns  auch  nicht  durch  ausdrückliche  Zeugnisse,  wie  z.  B.  Schenck'a:  Ge- 
schichtliche Beschreibung  der  Stadt  Wiesbaden  1758,  S.  115  if.  überliefert 
wäre.**)  Doch  wird  ihre  Zahl  nie  so  bedeutend  gewesen  sein,  wie  diejenige, 
welche  die  von  selten  der  Regierung  lebhaft  begünstigte  rege  Bauthätigkeit  in 
Wiesbaden  in  der  letzten  Hälfte  des  ersten  und  dem  zweiten  Jahrzehnt  unseres 
Jahrhunderts  (vergl.  z.  B.  Ebhardt:  Geschichte  und  Beschreibung  der  Stadt 
Wiesbaden,  Giessen  1817,  S.  119  f.,  234  f.)  ans  Tageslicht  brachte.  Es  wurde 
bereits  erwähnt,  dass  wahrscheinlich  ein  grosser,  wenn  nicht  der  grösste  Teil  der 
später  in  das  Museum  gekommenen  Münzsammlung  Zimmermanns  aus  diesen 
Funden  herrührt;  eine  grosse  Anzahl  der  an  den  verschiedenen  Stellen  der  Stadt 
von  ihm  damals  gesammelten  Münzen  beschreibt  auch  Dorow  in  seinen  Opfer- 
stätten und  Grabhügel,  I.  und  II.  Als  erste  dem  Yereinsmuseum  zugekommene 
in  Wiesbaden  gefundene  Münzen  kennen  wir  eine  Bronzemünze  Vespasians  vom 
Neroberge  und  ein  Kleinerz  Constantin's  vom  Kursaale  (s.  oben  S.  182).  In  den 
folgenden  Jahrzehnten")  sind  abgesehen  von  den  Ausgrabungen  des  Vereins, 
welche  ausser  einigen  wenigen,  so  an  der  Artilleriekaserne,  am  Kranzplatz,  auf 
dem  Mauritiusplatz,  meist  Punkte  ausserhalb  der  Stadt  betrafen,  die  meisten 
Münzen  bei  Gelegenheit  von  Häuser-  und  Strassenbauten  auf  dem  in  der  Tiefe 
bis  dahin  noch  ganz  unberührten  Boden  gefunden  worden;  später  haben  auch 
die  Kanalisierungsarbeiten  manche  Ausbeute  an  Münzen  geliefert.  In  den 
dreiasiger  und  vierziger  Jahren,  welche  besonders  ergiebig  gewesen  sein  müssen, 
wurde  auch  der  Hauptsache  nach  die  Münzsammlung  dea  Kaufmanns  Lugen- 
bühl  zusammengebracht,  in  welcher  sich  namentlich  aus  Wiesbaden  und  Um- 
gegend stammende  Fundstücke  befinden.  Auf  das  oben  erwähnte  Kihm'sche 
Verzeichnis  der  „Münzen,  welche  ausserhalb  dem  Castell  gefunden  worden 
sind",  brauchen  wir  hier  nicht  näher  einzugehen,  da  die  in  demselben  erwähnten 


'')  Zwei  im  Jahre  1732  in  der  Saalgaaae  in  "W.  gefundene  Münzen,  einen  Nero  und 
einen  Vespaaian,  erwähnt  ein  Bericht  des  fürstlichen  Oberamtes  in  Wiesbaden  vom  1.  November 
1732  (Ajinal.  IV,  480);  die  erstere  wird  dort  folgendermassen  beschrieben:  NERO  CLAVDIVS 
CAESAR  AVGVSTVS  GERMAN  IMP  TRIVMPHATOR  Rückseite:  SECVRITAS 
AVGVSTI  S  Ct   *l30  ein®  ^^^  Münzen  bei  Cohen  231  S. 

")  Zwölf  Bronzemünzen  wurden  im  Jahre  1838/39  der  Vereinssammlung  geschenkt, 
, deren  Fundort  wahrscheinlich  Wiesbaden  ist";  es  schien  wegen  der  nicht  ganz  gesicherten 
Herkunft  nicht  ratsam,  dieselben  in  unser  Hauptverzeichnis  aufzunehmen;  sie  mögen  daher 
hier  nach  der  Beschreibung  Annal.  III,  2.  176  f.  kurz  erwähnt  werden:  1.  2  St.  Gallienus 
Rs.  a)  Laetitia,  b)  unkenntl.  KE.  2.  2  St.  Posthumus  Rs.  a)  Genie  P.  R.,  b)  Consecratio  KE. 
3.  1  Tacitus  Rs.  Provid.  deor.  KE.  4.  2  Diocletian  Rs.  a)  Genio  populi  romani,  b)  Jovi 
tutatori  Augg.  ME.  5.  3  Maximian  a)  Genio  populi  romani,  b)  M(oneta)  sacra  Augg.  et  Caess. 
nn.,  c)  desgl.  ME.  6.  1  Valentinian  Rs.  Securitas  rei  publicae  KE.  Übrigens  ist  keine  dieser 
Münzen  jetzt  noch  zu  identifizieren. 


213 


}.[ünzen  säintlicii  an(lcr'A-3itig  bekannt  sinrl.  Dagegen  giebt  uns  ein  gleichfalls 
von  Kihm  beschriebener  Zettel  Kenntnis  von  28  sämtlich  bei  Ausgrabungen  der 
riiniibchen  xVnsiedeli.ngen  in  der  Umgegend  gewonnenen  Münzen,  dessen  Inhalt 
wir  hi.:r  folgen  lassen,  weil  er  niancho  uns  sonst  unbekannte  Stücke  enthält: 


1. 

1   Iladiian 

gef.  auf  deniMünzberg 

unten  N"o.  306 

"y 

1       do. 

—  bey  Mosbach 

«       ,     -00 

■i. 

1  Anroniuus  Plus 

gef.  Miinzberg 

ist  wohl  Marcus  unten  No.  333 

4. 

1           do. 

an  der  Spelzmübl 

5. 

1           do. 

bey  Mosbach 

f.  , -j 
•n        V            n              ?)          «     o-±l 

6. 

1           do. 

im  Höfgen 

unten  No.  314 

7. 

1           do. 

do. 

.       ,     315 

S. 

1  Faustina  Augus 

ta 

an  Spel/c  Mühl 

„     342  oder  347 

9. 

1               Ao. 

bey  Mosbach  1845 

.         r,      c>,4S 

10. 

1  AlexanderSever 

usS 

Ilie; 

bey  Mosbach 

n          ,       381 

11. 

1  Antoniuus  i'ius 

Silber 

in  der  Hasseid 

ist    wohl    Eiagabalus     unten 

No.  37.5 

12. 

1  Alexander  SeverusS 

übe 

r  bey  Mosbach 

nicht  mehr  nachweisbar 

13.  1  do.  Brouce    im  Köfgen 

14.  1  do.  QO. 

15.  lAütoninus  Pius  Silber     bev  Mosbach 

16.  1  do.  Bronce    auf  dem  Nei 

do. 

Gros  Erz    Neroborg 
do. 


J7.  1  do. 

18.  1  do. 

19.  IHadrian 

20.  1     do. 

21.  1  Trajan 

22.  1  Trajan 

23.  INero 

24.  l  Domitian 

25.  1       do. 

2ß.  1  Germanicus  IBronce 

27.  lAugustus 

28.  IConstantiuus  Magnus 


Spelzmübl 

eeL  bey  Mosbacli 

bey  Bierstadt 


i  unten  No.  383 
!  nicht  mehr  nachweisbar 
j  nicht  mehr  nachweisbar 
!  nicht  mehr  nachweisbar 
I  nicht  mehr  nachweisbar 
I  unten  No.  323 
i      .       .307 
i      .       .301 
I      .       .284 
I      .       .     285 
^ef.aufdemNeroberg  t  nicht  mehr  nachweisbar 

unten  No.  266 
.       .     267 
nicht  mehr  nach^veisbar 
gef.  aufdem.Neroberg  j  ist  wohl  Agrippa  No.   161 
get\  Spelzmühi  J  nicht  mehr  nachweisbar. 


do. 

do. 

Spelz  Mühl 


"Wir  lassen  jetzt  die  Beschreibung  der  Münzen  der  zweiten  Gruppe,  wo- 
bei dieselben  Abkürzungen,  wie  oben  angegeben,  zur  Anwendung  gekommen 
sind,  folgen: 

Gens  Aelia: 

11.3.  Denar,  geprägt  um  209  vor  Chr.:  Pallaskopf  n.  r.,  dahinter  X  P^^-  P  PAETVS 
ROMA  Die  beiden  DioHkuren  zu  Pferde  n.  r.  ßaböloii  I,  110  No.  .').  „An  der  H.'.i.-inier- 
müiile  1884".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  293. 

Gens  Annia: 

114.  Denar,  geprägt  um  S2  t.  Chr.  in  Spanien:  Q  ANNl  T  F  T  N  PRO  COS  EX  S  C 

Kopf   der    Juuo  Moneta    n.  r.    zwischen    Caduceus    und  Wiuxo.     Bi.  Yiotori.'i    in    einer 

Qua.lri^'a  n.  r.,  liält  eine  Palme,   im  Abschn.  L  FABI  L  F  HiSP    "^  i' »^li«  Q    l''<i^'fh>n 
1,  140  No.  2.     „An  der  llanußermilhle  1884" 


Vgl,  InT.  d.  M.  No.  207. 


14 


214 

Gens  Antonia: 

115.  Denar,  serrat,  geprägt  im  J.  S3  t.  Chr.:  Bärtiger  Kopf  n.  r.,  davor  £  oder  F,  dahinter 
SC.  mit  Stempeleinschlag  SAC?)  ^-  Quadriga  n.  r.,  im  Abschn.  Q  ATON  BA_B  PR 
Babelon  I,  158  No,  1.     „An  der  Hammermühle  1884".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No,  303. 

Gens  Aquillia: 

116.  Denar,  serrat,  geprägt  um  54  v.  Chr.:  VIRTVS  —  III  VIR  behelmter  Kopf  der  Virtus- 
n,  r.     Es.    ^  A  QVIL  M/  F  M/  N     ein    Soldat  mit  Schild  n.  1.  hebt   eine    knieende 
Frau  auf,    im  Abachn.   SICIL     Babelon  I,  213  No.  2.     „An   der  Hammermühle  18S4''. 
Vgl.  InT.  d.  M.  No.  294, 

Gens  Calpurnia: 

117.  Denar,  geprägt  um  106  y.  Chr.:  Patlaskopf  mit  Flügelhelm  n.  r.,  dahinter  X»  vorn  ein 
undeutlicher  Stempel  eingeschlagen.  Rs.  Quadriga  n.  r.  p  CA  LP  iöi  Abschn.  If^^-^ 
Babelon  I,  286  No.  2.     „An  der  Hammermühle  18S4".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  298. 

Gen3  Claudia: 

118.  119.  Denare,  serrat,  geprägt  um  84  v.  Chr.:  Dianabüste  n.  r.,  dahinter  Bogen  und  Köcher 
SC  ^-  Victoria  in  einer  Biga  n.  r.  mit  Palme  und  Kranz  Tl  CLAV?  Tl  F  AP  N 
unter  der  Biga  bei  einem  J.-  XVII»  bei  dem  anderen  C  VI  Babelon  I,  349  No.  5.  „An 
der  Hammermühle  1884.'^     Vgl  Inv.  d.  M.  No.  295.  296. 

120.  Denar,  geprägt  um  99  v.  Chr.:  Pallaskopf  m.  Flügelhelm  n.  r.  Rs.  Victoria  in  einer 
Triga  n.  r.,  im  Abschn.  AP  CL  T  MANL  Q  VR  Babelon  I,  347  No.  2.  „An  der 
Hammermühle  1884".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  301. 

121.  Denar,  geprägt  um  43  v.  Chr.:  Apollokopf  m.  Lorbeer  n.  r.,  dahinter  Lyra.  F^.  Diana 
von  vorn,  hält  eine  Fackel  in  jeder  Hand,  p  CLODIVS  M  F  Babelon  I,  356  No,  15, 
.,Bey  "Wiesbaden".     (K.) 

Gens  Lucilia: 

122.  Denar,  geprägt  um  89  v.  C'ir. :  wie  oben  No.  1.  Babelon  I,  150.  „An  der  Hammer- 
mühle 1884".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  302, 

Gens  Maria: 

123.  124.  Denare,  geprägt  um  84  v.  Chr.,  sorrat:  Älircnbekränzter  Cereskopf  CAPIT.  Lf^ 
Rs.  Colone  mit  Ochsengespann  n.  1.,  darüber  JL,  im  Abschn,  C  MARI  LC  F  SC] 
bei  dem  einen  vor  dem  Kopfe  eine  Palme.  Babelon  II,  203  No.  9,  „An  der  Hammer- 
mühle 1884^     Vgl.  Inv.  d.  M.  No,  299,  300, 

Gens  Naevia: 

125.  Denar,  geprägt  um  74  v.  Chr.:  Yenuskopf  mit  Diadem  und  Perlenhalsband  n.  r.,  da- 
hinter S'C  Rs.  Victoria  in  Triga  n.  r.,  im  Abschn.  [CNIÄ.BALL]  Babelon  II, 
249  No.  6.     „Wiesbaden  im  Oarten  des  Domiinenrat  Lotichiua  (Luisenstrasse)". 

Unbe.stimmbare  republikanische  Münzen: 

126.  Denar:  Kopf  m.  Helm  n.  r.,  dahinter  ROM[A]  -R«-  Quadriga  n.  r.,  im  Abschn.  ? 
(vielleicht  des  Q.  Fabius  Labeo).     „An  der  Hammermühle  1884".     Inv.  d.  M,  No.  304, 

127,*  Denar,  serrat:  „Eine  serrate  Silbermünze  mit  ein  m  weiblichen  Kopf  auf  der  Vorder- 
und  einer  Quadriga  auf  der  Rückseite,  ohne  Aufschrift,  gef.  b.  Wiesbaden".  Vorat.- 
Sitz,  V.    '2.  Januar  1826  §  6,  8.  oben  Anm.  10. 

128.'*'  „1  ^;.  ■lilienmünzo  in  Kleinerz"  (?)  „In  der  Nähe  von  Wiesbaden  gef."  Vorst.-Sitz. 
V.  8.  Juli  It'M  §  12. 

M.  Antonius: 

129.  Denar,  gut  erh.:  ANT  AVG  III  VIR  R  P  C  Galeere.  Rs.  Legionsadler  zwischen 
zwei  Feldzeichen,  LEG  VI  Babelon  I,  201  No.  111.  „Gef.  beim  Planiren  an  der  Ar- 
tillerie-Kaacrue   1633",  siehe  Annal.  II,  3.  297. 


215 
Augustus: 

130.  Kleinorz:  Kopf  n.  r.,  Umschrift  rerwischt.  Rs.  Stier  n.  1.  den  Kopf  zum  Stoss  mit  den 
Hörnern  ^osenkt,  daniber  . . .  Q.V2TVS  im  Abselin.  DIVI  F  ;  offenbar  eine  barba- 
rische Nachprägun;:^  der  Münze  bei  Cohen  I'',  p.  fiS  No.  36,  der  dazu  bemerkt;  ^11  en 
exiate  au  Cabinet  des  rat'ddilles  de  tres-barbares,  frappees  probablement  dans  lea 
03^68".=^')     „Gef.  Wiesbaden  1853''.    (K.) 

131.  Denar,  geprägt  um  2  v.  Chr. :  CAESAR  AVGVSTVS  DIVI  F  PATER  PATRIAE 
Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  l\s.  Die  Clisaren  stehend,  jeder  eine  Lani:e  und  einen  Kund- 
sehild  haltend,  im  Felde  ein  Kru;^  und  Augurstab,  im  Abschn.  [C  L]  CAESARES 
Umschrift  AVGVSTI  F  COS  DESIG  PRINC  IVVENT  Cohen  43.  ^Au  der  Ham- 
mermühlo  1884".     Vgl.  Invent.  d.  M.  No.  281, 

132.  133.  Mittelerze:  DIVVS  AVGVSTVS  PATER  Kopf  n.  1.  w-t  Strahlenkranz.  Hs. 
Grosser  Altar,  zu  beiden  Seiten  S  — C,  im  xVbschn.  PRQVIDENT  Cohen  228.  „Wies- 
baden«.    (K.) 

134.  Dieselbe  Münze,  auf  dem  Rs.  der  Stempelfehler  POVIDENT     n^^^-  Wiesbaden,  Dotz- 

heimer  Weg  1846".  (K.) 
135.*  Dieselbe   Münze  oline    den   Stempelfehler,    Tgef.  in   der  warmen   Quelle    des    „Adler" 

12.  Januar  1870",  nach  handschriftlichem  Verzeichnis  von  Rössel  Xo.  VI. 

136.  Dieselbe  Münze,  „gef.  an  der  Spelzmühle'-. 

137.  „  „        stark  verschliffen,  „gef.  in  der  Aulenkaut  1865". 

138.  „  „  sehr  zerfressen:  „"Wiesbaden,  verlängerte  Rheinstrasse  März  1387", 
Inv.  d.  M,  No,  386. 

139.  Mittelerz,  sehr  schön  erhalten:  CAESAR  AVGVSTVS  DIVI  F  PATER  PATRIAE 
Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.,  im  Halse  der  Stempeleinschlag  /VC  Rs.  [RjQM  ET  [AVG] 
Altar,  an  dessen  beiden  Ecken  auf  Säulen  stehende  kranztragende  Victorien,  Collen  237, 
„Wiesbaden,  Poulet'sches  Haus  (Ecke  der  Kirchgasse  und  Marktstrasse)",  Inv.  d,  M. 
No.  458. 

140,*  Dieselbe  Münze,  mit  demselben  Stempeleinschlag,  „gof.  in  der  warmen  Quelle  des 
„Adler"  12.  Januar  1870",  nach  handschriftlichem  Verzeichnis  von  Rössel  No.  VII. 

141.*-144.*  Mittelerze:  CAESAR  PONT  MAX  [Kcpf  m.  Lorbeer  n.  r.]  Rs.  ebenso  wie 
bei  No.  139  und  140,  „eine  der  Münzen  mit  dem  Nachstempel  Tib.  Aug."  (jedenfalls 
in  der  Form  TIBA/)-  Cohen  240.  , Wiesbaden,  in  der  Baustelle  des  Pfarrers  Wil- 
helmi  in  der  Luisenstrasse  aufgefunden"  um  das  Jahr  1825^^),  nach  handschriftlicher 
Eintragung  in  den  ältesten  Münzkatalog  durch  Zimmermann,  s.  oben  S.  185. 

145.*  Dieselbe  Münze,  auf  der  Kopfseite  waren  zwei  Stempel  eingeschlagen,  wie  es  scheint 
^  „Wiesbaden,  an  der  Artillerie-Kaserne"  (wohl  1836),  nach  handschriftlicher 
C1IB 


B)   Beschreibung  von  Bonhorst's  No.  VI,  s.  oben  Anm.  16. 

146.  Dieselbe  Münze,  auf  dem  Avers  Stempeleinschlag   "^j^    „"Wiesbaden".  (K.) 

147.  „  „         „        „         „       derselbe  Stempeleinschlag.     „Wiesbaden".  (K.) 

148.  ,  „        ohne  Nacbstempel.     „Wiesbadon".  (K.) 

Mit  einer  der  unter  No.  146  bis  148  genannten  Münzen  kann  die  Annal.  III,  3. 
175  beschriebene  gleichen  Gepräges  identisch  sein,  welche  gefunden  wurde  ,beim 
Planiren  eines  Weges  in  Wiesbaden"  um  1842. 

149.  Mittelerz,  etwas  kleiner:  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.,  dahinter  CAESAR  Im  Kopf  Stem- 
peleinschlag Aj^^  Rs.  ganz  abgeblättert,  ist  jedenfalls  auch  Cohen  240.  „Gef.  an  der 
Spelzmühle".  <^ 


**)  Für  Auskunft  über  diese  Münze  bin  ich  Herrn  Professor  Pick  in  Gotha  zu  Dank 
verpflichtet, 

^*)  Die  Identität  einer  oder  aller  dieser  4  Münzen  mit  anderen  gleichen  Gepräges  in 
unserem  Verzeichnis  ist  völlig  ausgeschlossen  durch  die  oben  Anm.  25  erwähnte  Thatsache,  dass 
Kihm  bei  seiner  Ordnung  der  Münzsammlung  i.  J.  1852  ff.  Fundangaben  aus  den  zwanziger 
Jahren  nirgends  mehr  vorgefunden  hat. 


216 

150.*  „Mittelerz.  sehr  verwisclit:  .4i-.  unkenntlicher  Kopf,  seitwärts  MAX  S^-  ein  aitar- 
ähnlieher  Bau  mit  unleserlichen  Buchstaben  darunter,  gefund.  3'  tief  in  dem  irir.terbaii 
des  Sehreiner  Meyer  in  der  Xeroatraäse  dahier'^,  nach  Inv.  IH61,  September  1,^  No.  L")4; 
also  offenbar  Cohen  240  (da  erst  ISGl  gefunden,  kann  sie  mit  keiner  aar  übrigen 
identisch  sein). 

151.^"  „An  der  Grundmauer  dicht  anliegend  eine  Bronze-Münze  von  August  Rev.  llcina  et 
Au'TtStus^  (bei  Ausgrabungen  am  HoIIcrborn  bei  Wiesbaden  iS26),  nacli  Aunalen  J, 
2  uud  3,  S.  145;  ottenbar  tntxveJer  Cohen  237  oder  240.^") 

152.  Kleinerz,  scheint  durch  Brand  besnhüdijrt:  [Dil WS  AVGV[STVS  PATEfi]  Kopf 
mit  Strahlen  n.  1.  'ganz  wie  bei  den  Münzen  mit  PROViDENT.)  P^^-  [ROIM  ET 
[AVG]  Altar  ganz  wie  bei  Cohen  240  (oben  Xo.  141  if.)  Felilt  bei  Colien.  .,(iöf. 
Wiesbaden  in  der  Rheinstras-e  1863  in  der  Crne  Xo  o884",  zusammen  mit  der  Münze 
des  Tiberius,  unten  Xo.   174a. 

153.  Mittelerz.  sehr  schön  erhalten:  In  drei  Zeilen  in  eincPi  Kranze  AVGVSTVS  TRiBVNIC 
POTEST  R^.  ^m  Feld  S  C  Umschriit  Q  AELIVS  LAMIA  !il  [VIR]  AAAFF 
.,Adamjihal  bei  Wiesbaden"^.     Cohen  24r{. 

154.  Miitelerz,  sehr  schlecht:  Kopf  n.  1.  Umschrift  verwischt;  vor  dem  Kinn  ein  Stempel- 
einschlag. Es.  Im  Feld  S  C  Umachrifc  p  LVRIVLS  AGRIPPA]  III  VIR  [AAlAFF 
Cohen  446.     , Wiesbaden  1855". 

155.  Mittelerz,  gut  erhalten:  QAIESAR  AVIGVST  PONT  MA[X  TRIBVNIC  POTl 
Kopf  n.  r.,  hinter  dem  K^pte  Srempeloinsohlag  i M P  '  /V G ;  Es.  Im  Feld  S  C 
Umschrift  [M  MlAECiLlVS  TVLLVS  III  V[IR  AAAFF]  "Cdien  448.  „Gef.  Wies- 
baden, Gräber  am  Schiersteiner  Weg  1867*. 

156.  Mittelerz,  verschliffen:  [CAESAR  A^GVST  PIONT  MA[X  TRIBVNIC  POT] 
Kopf  n.  1.,  dahinter  Steiupeleinschl.'ir  \MPN  Es.  Im  Feld  SC  Umschrift  SEX  NQ- 
NIVS  QVINCTILIAN  lil  VIR  AAA  FF  Cohen  474.  „Gef.  Wiesbaden  am  Schier- 
steiner Weg  l^ö'i  in  einem  Tüpfchen  Xo.  4456". 

157,*  Silber:  „eine  au  der  Caserne  aufgefundene  Silbermiiuze  von  August,  sehr  wohl  er- 
halten" erwähnt  ein  Schreiben  Zinimennann's  an  den  Vorstand  vom   10.  Mai  1824. 

158.*  „ein  Caesar  Augustus  von  Bronze  bei  Wiesbaden  gef.",  Yorst.-Sitz.  vom  12.  Januar 
1826  §  6"),  3.  oben  -Vnm.  10. 

159.*  Grosserz  von  Augustus,  „gef.  Wiesb.  in  der  Kirchgasse  neben  dem  Storchnest"  1881, 
nach  Inv.  1880  X'^o.  51.  Xicht  naher  bestimmbar,  war  aber  wohl  ein  vollwichtiges 
Mittelerz. 

Agrippa: 

160.  Mittelerz:  M  AGRIPPA  L'F  COS  lli  Kopf  m.  corona  rostrata  n.  1.  Es.  Stehender 
nackter  Xeptun  mit  Dreizack  und  Delphin,  im  Feld  S  — Ci  ubG°  a™  Kopfe  des  Xeptun 
Stempeleinsehlag  TIA/   Cohen  3.     ,Gef.  Wiesbaden".  (K.j 

161.  Dieselbe  Münze  mit  demselben  St'.'iripo!einschlag,  „X'eroberg  1848".  (K.) 

Dies  könnte  die  nach  Kihm'a  Verzeichnis  Xo.  27  (s.  oben  S.  213)  auf  dem  Xeroberge 
gefundene  Augu.stusmünze  (da  die  ■Münr-jattung  nicht  beigefügt  ist,  sicher  Mittelerz)  sein. 

162.  Dieselbe  Münze  mit  demselben  ?^e;Ti|;;eleinsclilag.  „Wiesbaden,  Saalgasse  bei  Ausgra- 
bung römischer  Mauern  1852",  (K.) 

163.  Dieselbe  Münze    ohne  Xachstempel.    „An  der  Spelzmühle".  (K.) 

164.  „  „         mit  Stempeleinschlag  wie  160—162,    „An  der  Spelzmühle". 

1'j5.  n  n  n  n  ,  TIB  n  n  ri 

die  beiden  letzteren  Münzen  zeigen  Brandspuren,  und  haben  in  Kohle  uud  Asche  gelegen. 


''")  Siehe  die  vorige  .\nmerkung. 

«')  In  dem  ältesten  Katalog  steht  hinter  den  oben  als  Xo.  141  —  144  gezählten  Münzen 
eingetragen  als  Mittelerz  Xo.  8o:  Caesar  Augustus  pater  rev.  Altar  mit  der  Üntersch.  Provi- 
dentia. Dies  könnte  unsere  Münze  sein;  jedenfalls  ist  sie  mit  keiner  der  von  Kihm  mit  Fund- 
angabeu  versehenen  identisch,  s,  oben  Anm,  59  und  vgl.  Anm.  10. 


217 

166.  Diesen. e    Münze,    mit    Stempeleinschlag     ''.t:\N  (wohl   ebenfalls  TIA/)      «Oef-    in    der 

wannen  Quelle  des  Adler  12.  Januar  ISTU"  (vgl,  das  liandscliriftliche  Verzeichnis  Rössels 

Xo.  TU). 
Ih7.*   Dieselbe  Münz»,  mit   eingoscldaiii^nem   kleinem    Stempel   (wohl   TIA/)     ^Oef.   Wiesb. 

in   der  Rheinstrasse,    der  Artillerie-Kaserne   gegenüber''    1864.     Nach    Inv.    1864   April 

No.  26  nnd  Mitteil.   1S65  No.  4  S.   17. 

Die  Stadt  Nemausus  (Niines)  in  Süilfrankreicti: 

168.  Mittelerz:  Köpfe  des  Augustus  mit  Lorbeer  und  des  Agrippa  mit  Corona  rostrata,  einander 
abgewendet,  oben  zwischen  beiden  IMP»  unten  DIVI  F  ■'^■^-  Krokodil  an  einem  Palm- 
baum COL  NEM     Cohen  ID.     „Gef.  Wiesbaden  a\i(  dem   Rüder''.  (K.) 

169.  Mitteieiz:  ebenso,  nur  ist  der  Kopf  des  Aiigustiia  oinie  Lorbeer,  im  Kopf  des  Agrippa 
ein  Stempeleinschlag  M,  ei"  zweiter  unten  XX  (?)     Colieri  7.     , Wiesbaden".  (K.)®^) 

170.*  Dieselbe   Münze.     .,(jef.    Wiesb.   in  der  Xerostrasbö"    18.:.8,    nach    P.    Bl.    1858    No.   6 

S.  137  und  Inv.   1^."^,  Xo.  7.3. 
171.*  Dieselbe  Münze.     Cef.  .Wiesbaden",   nach  P.  Bl.   IS50    Xo.  9    S.  226,   hier    fälschlich 

als    Kleinerz    bezeichnet    '.die    beiden    letzteren   unbedingt  verschieden  von   den    unter 

Xo.   168  und  169  genannten  Exemplaren). 

Tiberius: 

172.  Denar,  geprägt  i.  J.  15  n.Chr.:  J!  CAESAR  DIVI  AVG  F  AVGVSTVS  Kopf  m. 
Lorbeer  n.  r.  Bs.  PONTIF  MAXIM  Sitzende  weibl.  Figur  n.  r.  mit  Blume  und 
Scepter.     Cohen  16.     „An  der  liamraermühle  1884".    Inv.  d.  M.  Xo.  291. 

173.  Mittelerz,  schön  erhalten:  Tl  CAESAR  AVGVST  F  IMPERAT  VII  Kopf  mit 
Lorbeer  n.  r.  Rs.  ROM  ET  AVG  Altar,  wie  oben  139  ff.  Cohen  37.  Geprägt  im 
Jahre  10  n.  Ci^^  .,Gef.  Wiesb.  im  Saai  hinter  der  neuen  Schule,  März  1858".  Vgl. 
F.  Bl.  1858  Xo.  5  S.  108  und  Inv.  1S58  No.  56. 

174.  Kleines  Mittelerz  desselben  Gepräges,  sohlecht:  Im  Kopf  des  Averses  der  Stempelein- 
schlag      (^y  -Wiesbaden,  Rheinstrasse  gegenüber  der  Artillerie-Kaserne  1890'". 

174a.  K'einsr.-c,  durch  Feuer  etwas  beschädigt:  mit  demselben  Gepräge  wie  173  f.  Cohen  38. 
.,Gef.  Wiesbaden,  Rheinstrasse  1863  in  der  Urne  3884"  zusammen  mit  der  Münze  des 
Augustus,  oben  Xo.  152. 

Germanicus: 

175.  Mittelerz,  gut:  GERMANICVS  CAESAR  TI  AVGVST  F  DIVI  AVG  N  Kopf  n.l. 
F^^-  C  CAESAR  AVG  GERMANICVS  PON  M  TR  POT  Im  Felde  S  C  Cohen  l. 
, Wiesb.  gef.  beim  Kanalbau  in  der  Kirchgasse",  nach  Autiq.  Xotizb.  1S75  1.  Novemb. 
S.  107;  nach  Anna!.  XIV.  430  ;vgl.  Inv.  1875  Xo.  131),  „in  der  Friedrichstrasse". 

176.  177.  Dieselben  Münzen.  „Gef.  in  der  warmen  Quelle  des  „Adler"  12.  Januar  1870" 
(vgl.  das  handschriftl.  Verzeichnis  von  Rössel  Xo.  Ij.*^^) 


^^)  Auf  einem    Blatte   eines   Notizbuches    von   Kihm    findet    sich    aus   dem  Jahre  1841 
folgende  Eintragung,  -für  Ankäufe  ausgelegt:  .... 

3.    1  Münz  von  Bronce  von  Xim  gefunden  Steingass    .     .     .     6  kr. 
1  do.  Trajan  gef.  Steingass    ....     4    „ 

1  do.  Constantin      do.  ....     3    „ 

1  do.  do.  do.  .     .     .     .     1    ., 

Die  an  erster  Stelle  genannte  Münze  von  Xemausus  kann  identisch  sein  mit  der  von 
Kihm  schlechthin  mit  der  Angabe  „in  Wiesbaden  gefunden"  versehenen  No.  169. 

")  In  dem  Couverte  mit  der  Aufschrift  „Münzen  aus  der  Adler-Quelle  1870"  fanden 
sich  zwei  Münzen  des  Germanicus,  beide  in  gleicher  Erhaltung,  nämlich  wie  fast  alle  daher 
stammenden,  stark  zerfressen;  wenn  Rossel's  handschriftliches  Verzeichnis  dieses  Fundes  nur 
1  Germanicusmünze  kennt,  erklärt  sich  dieser  Widerspruch  daraus,  dass  das  Inventar  1870,  2 
überhaupt  13  Münzen  als  dort  gefunden  nennt,  während  Ro ssel's  Verzeichnis  nur  11  enthält; 
es  wurden  also  nachträglich  noch  zwei  Stück  hinzugefunden, 


218 

178.  Mittelerz,  etwas  verschliffen,  goldglanzend:  GERMANIC[VS  CAIESAR  i"  zwei  Zeilen 
im  Felde,  Oennanicua  in  einer  Quadriga  n.  r.  Rs.  SIGNIS  RECEPT  DEVICTIS 
GERM  in  zwei  Zeilen  im  Felde;  Germanicus  n.  1.  stehend  mit  Ädlerscepter.  Cohen  7. 
„Gef.  Xeroberg  1839".     (K.) 

179.  Dieselbe  Münze,  auf  dem  Avers  Stempeleinachlag  /-■'  iA/|  „Gef.  Wiesb.  1831".  (K.) 
—  In  dem  handschr.  Verzeichnisse  von  an  der  Artillerie-Kaserne  gefundenen  Münzen 
von  der  Hand  von  Bonhorst's  (s.  oben  Anm.  16),  findet  sich  als  No.  IX  unter  einer  rohen 
Federzeichnung,  welche  aber  deutlich  genug  das  Gepräge  dieser  Germanicus-Münze 
wiedergiebt,  die  Bemerkung;  ..Diese  Münze  wurde  unter  einem  ganz  morschen  Mühlstein 
in  der  Schulgasse  zu  Wiesbaden  nebst  zwey  Krüge  (sie!)  von  Thon  1831  im  November 
gefunden...  sie  ist  guc  vergoldet".  Es  kann  kein  Zweifel  sein,  dass  diese  identisch 
ist  mit  der  im  Mus.  Wiesb.  befindlichen,  im  Jahre  1831  gefundenen.**) 

180.*  „1  Germanicus  Bronce  Spelz  Mühl"  nennt  Kihm  in  dem  Verzeichnisse  No.  26  (s.  oben 
S.  213);  es  ist  zweifellos  Mittelerz,  jetzt  aber  nicht  näher  zu  bestimmen. 

Caligula : 

181.  Mittelerz,  gut  erhalten:  Q  CAESAR  AVG  GERMANICVS  RON  M  TR  ROT 
Kopf  n.  1.  Rs.  Sitzende  Vesta  n.  1.,  oben  VESTA.  ini  Felde  S  — C  Cohen  27, 
,Gef.  Wiesbaden  1851".  (K.) 

182.  Dieselbe  Münze,  „gef.  am  neuen  Schulhause  zu  Wiesbaden"  (1851).    (K.) 

Claudius : 

183.  Mittelerz:  [Tl]  C[LA]VDIVS  CAESAR  AVG  P  M  TR  P  IMP  Kopf  n.  1.  Es. 
CONS[TAN]TIAE  AVGVSTI  Pallas  behelmt  n.  1.  stehend,  hält  eine  Lanze  und 
erhebt  die  rechte  Hand,  im  Felde  S~C  Cohen  14  (i.  J.  41),  , Wiesbaden,  beim 
Canalbau  in  der  Friedrichstrasse",  nach  Inv.  1876  No.  37  (nicht  „Micheisberg",  wie 
Annal,  XIV,  436  angegeben  wird), 

184.  Grosserz,    goldglänzend:    Tl    CLAVDIVS    CAESAR    AVG   [P   M   TR    P    niVIP 


Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.,  im  Hinterkopf  der  Stempel  ,'TIA/     ^3.  in   einem  Eichenkranze 


in  vier  Zeilen   EX  SC  OB  CIVES  SERVATOS     Cohen  39.     „Gef.  Wiesb.  gegen- 
über dem  Mauritiusplatz  1890".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  482  und  Annal.  XXHI,  170. 

185.  Mittelerz:  [Tl  CLlAVDIVS  CAESAR  AVG  P  M  TR  P  IMP  Kopf  ohne  Lorbeer 
n.  I.  Rs.  Stehende  Pallas  n.  r.  mit  Schild  und  Lanze,  im  Felde  gross  S— C  Cohen  84. 
„Gef.  Wiesbaden"  (nach  der  Erhaltung,  welche  derjenigen  der  in  der  Adlerquelle  ge- 
fundenen Münzen  sehr  ähnlich  ist,  ist  es  wahrscheinlich,  dass  auch  diese  aus  einer  der 
warmen  Quellen  Wiesbadens  stammt;  aus  welcher,  lässt  sich  nicht  bestimmen), 

Nero: 

186.  Grosserz,  sehr  schön  erhalten:  NERO  CLAVD  CAESAR  AVG  GERM  P  M  TR  P 
IMP  PP  Kopf  mit  Lorbeer  n,  1.,  darunter  Kugel.  Rs.  ANNONA  AVGVSTI 
CERES  Ceres  n.  1.  sitzend,  vor  ihr  steht  Abundantia  mit  FüUhorn,  zwischen  ihnen 
ein  Altar  mit  Guirlanden,  im  Abschnitt  S  C  Cohen  15.  «Gef,  Wiesbaden,  Dotzheimer- 
weg  1860".     Vgl.  P.  BL  1860  No,  14  S.  401. 

187.  Mittelerz:  |MP  NERO  CAESAR  AVG  P  MAX  TR  P  PP  Kopf  n.  r.,  darunter 
Kugel.  Rs.  Victoria  n.  1.  tiiegend,  hält  einen  Schild,  auf  dem  SPQR  steht,  zu  beiden 
Seiten  S— C     Cohen  302.     , Umgebung  von  Wiesbaden",  (K.) 

188.  Dieselbe  Münze,  sehr  schlecht.     „Wiesbaden  am  Kranzplatz  1841".  (K,) 

189.  Dieselbe  Münze,  schlecht  erhalten,  „Wiesbaden,  Dotzheimerweg  mit  einer  Fibula 
gefunden".     Vgl.  Z.  K.  14520. 


**)  Da  V.  Bon  borst  erwähnt,  sie  sei  „gut  vergoldet"  gewesen,  die  Bronze  aber  nur 
bei  No.  178,  nicht  bei  179  den  goldigen  Glanz  hat,  welchen  sie  meist  annimmt,  wenn  sie  im 
Moorboden  gelegen  bat.  so  ist  es  nicht  unwahrscheinlich,  dass  durch  Kihm  oder  später  die 
Fundnotizen  zwischen  den  beiden  Münzen  vertauscht  sind. 


219 

190.  Mittelerz,  wie  es  scheint,  barbarischer  Prägung:  Kopf  Nero's  n.  1.  mit  unlesbarer 
Umschrift.     Es.  wie  No.  187  ff.     .,Umgebuiig  Wiesbaden".  (K.) 

191.  Mittelerz:  IMP  NERO  CAESAR  AVG  P  MAX  TR  P  PP  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r. 
Rs.  SECVR[ITAS  AVGIVSTI  Sitzende  Securitas  n.  r.  vor  einem  flammenden  Altar 
hält  eine  Lanze  und  stützt  den  Kopf  in  die  rechte  Hand,  im  Abschn.  S  C  Cohen  324. 
„Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

192.  Mittelerz:  [NEIRO  CLAVD  [CAESAR  AVG  GERM]  P  M  TR  P  IMP  PP  Kopf 
mit  Strahlenkranz  n.  r.  Ks.  SECVRITAS  AVGVSTI  DarsteUung  wie  bei  191,  nur 
ist  S  — C  i™  Felde  und  ||  im  Abschn.  Cohen  326  [es  ist  also  ein  Dupondius,  vgl.  Mommsen: 
Rom.  Miinzwesen  1860,  S.  762).  „Wiesbaden,  innerhalb  des  römischen  Pflasterweges 
im  Hofe  der  Pletzmühle  13.  Oktober  1859";  es  ist  offenbar  die  „verwitterte  RGmer- 
münze,  anscheinend  Antoninua  Pius"  P.  Bl.  1859  No.  11  S.  285. 

193.*  194.*  „Ein    Nero   von  Bronze,    ein  desgl.   von  Mittelerz".     Gef.   „bei  Wiesbaden"  nach 

Vorst.-Sitz.  vom  12.  Jan  aar  1826  §  6**),  s.  oben  Anm.  10. 
195.*  „1  Nero  gef.  auf  dem  Neroberg".     Kihm  in  dem  oben  genannten  Yerzeichnia  No.  23"); 

es  ist  sicher  ein  Mittelerz  gewesen. 

Ein   angeblicher  Nero   Inv.   d.   M.   No.   83.     „Gef.  in  der  Marktstrasse,  19.  August 

1881"  ist  vielmehr  Titus,  siehe  unten  No.  226. 

Galba: 

196.  Denar,  frisch:  IMP  SER  GALBA  AVG  Kopf  n.  r.  Es.  in  einem  Eichenkranze  in 
drei  Zeilen  SPQR  OB  C  8  Cohen  287.  „An  der  Hammermüble  1884".  Vgl.  Inv. 
d.  M.  No.  282. 

Vitellius: 

197.  Denar:  A  VITELLIVS  IMP  GERMAN  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  VICTORIA 
AVGVSTI  Victoria  n.  1.  schreitend,  hält  einen  Schild,  auf  dem  SPQR  steht.  Cohen 
99.     „An  der  Hammermühle  1884".     Vgl.  Liv.  d.  M.  No.  292. 

198.  Denar,  frisch:  A  VITELLIVS  GERMAN  HVIP  TR  P  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs. 
XV  VIR  SAG  FAC  Dreifuss,  darüber  ein  Delphin.  Fehlt  bei  Cohen.  ,An  der 
Hammermühle  1884".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  283. 

Vespasian: 

199.  Mittelerz,  sehr  gut  erhalten  (i.  J.  77/78):  IMP  CAES  VESPASIAN  AVG  COS  ViTl 
PP  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.,  darunter  Kugel.  Rs.  AEQVITAS  AVGVSTI  Stehende 
Aequitas  n.  1.  hält  Wage  und  Lanze,  im  Felde  S— C   Fehlt  bei  Cohen.    „Wiesbaden".  (K.) 

200.  Dieselbe  Münze,  weniger  gut.     „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

201.  Mittelerz:  |MP  CAES  VESPASIAN  AVG  COS  II  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs. 
wie  199.     Cohen  12  (i.  J.  70).     „Adamsthal  bei  Wiesbaden". 

202.  Mittelerz:   |MP  CAES  VESPASIAN  AVG Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.    Es.  wie 

bei  den  vorhergehenden;    wegen  Fehlen  des  Konsulats  nicht  näher  bestimmbar.     „Um- 
gebung Wiesbaden".    (K.) 

203.  Mittelerz:  |MP  CAES  VESPASIAN  AVG  cos  . . .  .__Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rt. 
wie  bei  den  vorhergehenden  (ist  vielleicht  mit  COS  VIII  PP)-  nCmgebung  Wies- 
baden".   (K.) 


'*)  Vgl.  auch  für  diese  Münzen  daa  in  Anm.  59  Gesagte. 

'*)  Schwerlich  wird  diese  Münze  mit  ciüer  der  von  Kihm  als  „Umgebung  Wiesbaden" 
gefundenen  No.  187,  190,  191  identisch  sein,  denn  die  bei  den  von  ihm  geleiteten  Aus- 
grabungen, in  der  Umgegend  W.'s  gefundenen,  p^»egt  er  stets  mit  ver^rleichsweise  detaillierten 
Angaben  zu  versehen  (vgl.  auch  oben  Anm.  30).  Die  Fundnotiz  zu  unserer  Münze  kann  ent- 
weder von  Kihm  überhaupt  vergessen,  odor  die  beigelegte  spätor  verloren  sein,  wie  es  in 
mehreren  Fällen  wahrscheinlich  ist. 


220 

204.  Mittelerz:  IMP  CAES  VESPASIAN  AVG  CO Hs.  wie  bei  den  vorher- 
gehenden.    .»Wiesbaden''.  (K.) 

205.  Denar:  |MP  CAES  VESP  AVG  P  M  COS  IUI  K<^V''  '-i-  Lorbeer  n.  r.  Ä.  CON- 
CORDIA  AVGVSTI  ^itz^-nd«  Coucordia  n.  1.  Iiaic  S-  üale  und  Füllhorn.  Cohen  74 
(geprägt  i.  J.  72  7o,t.     ,Aq  de;-  Hamtiiermühle   l-^-i-l'-.     Y?l.  Inv.  d.  M.  No.  2Sß. 

206.  Mittelerz:  JMP  CAES  VESPASIAN  AVG  COS  ViTl  P  P  K"pf  m.  Lorbeer  n.  r., 
darunter  Kugel.  lis.  [FIDES]  PVBLICA  Fides  u.  i.  srohend  mit  Scliale  und  Füll- 
horn.   Cohen  166  (i.  J.  77,75j.     -Gef.  bey  ßierstadt".    As..) 

207.  Gold,  sehr  schün  erhalten:  j|VIP  CAESAR  VESP  AVG  ^opf  m-  Lorbeer  n.  r.  i?*. 
PORTVNA  AVGVST  Steinende  Fortuna  n.  1.  auf  einem  Altar,  mit  Steuerruder  und 
Füllhorn.  Cohen  174.  „An  der  Kupfermühle'*  bei  Wiesbaden  1S30.  Vgl.  Anv.al.  IT, 
1.  207  und  Vorat.-Sitz.  v.  S.  Juli  1830  §  3. 

208.  Denar,  frisch:  CAESAR  VESPASIANVS  AVG  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  ü».  jMP 
XiX  Iro  Felde  eine  Sau  mit  drei  Ferkeln.  Cohen  213  i^i.  J.  73).  „An  der  Hammer- 
w'ihle  1884".     V;:!.  Inv.  d.  M.  Xo.  284. 

209.  Miftelerz:  |MP  CAES  VESIPASIAIN  AVG  COS  lil  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  7^.^. 
IVOAEA  CAIPTAl  Trauernde  Judaea  n.  r.  sitzend  am  Fu.^sa  einer  Palme,  ringsherum 
Wolfen,  irj  Abscliu.  S  C     Cohen  244  (i.  J.  71).     ^Spelzmuhle**.  ^K.) 

210.*  Denar:  „|MP  CAES  VESPAS  AVG  ^s.  Geflügelter  Merkurstab,  die  Umschrift  ist 
ver-^'ischt";  so  Zimmermann  in  dem  ältesten  Kataloge,  i.  oben  S.  ISö.  Die  Reversum- 
8'.hrii>  kann  danaeli  entweder  RON  MAX  TR  P  COS  V  bezw.  COS  VII  oder 
PONTIF  MAXIM  gewesen  sein.     ., Wiesbaden'*. 

211.  Denar,  verschliffen:  |MP  CAESAR  VESP  AVG  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  J?*.  PON- 
TIF MAXIM  Geflügelter  Morkurstab.  Cohen  ÖOO.  -An  der  Ha»nmcrmühle  1884'-. 
Vgl.  Inv.  d.  M.  Xo.  287. 

212.  Mittelerz,    selir  schlecht  erlialten:    S  V:  SPASIAN  AVG  COS  .  =  .     Kopf  n.  r. 

üs. im  Al)3chn.  [PROjVIDEN[TI    Entweder  Cohen  :i96   udt-r  4U0.     .,Wie3badei!, 

Leiciieiifeld  an  der  Artillerie-Caserue    10.  .Lugust  ISjO"*.     Vgl.  Inv.  1859  2.  September 
Xo.  liJM,  wo  es  fälschlich  als  .,Gro3serz'"  beztMchnet  Avird. 

213.  Denar:  |MP  CAES  VESP  AVG  CEN     Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.     Fs.  SALVS  AVG 

Sitzende   Salus    n.   1.    hält   eine    Schale.     Cohen   431.     -An   der   Hanimermühle    1>34-. 
Vgl.  luv.  d.  M.  Xo.  2--.. 

214.  Mittelerz:  IMP  CAES  VESPASIAN  AVG  COS  VTFl  PP  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r. 
Hg.  Fliegende  Victoria  n.  1.  hiilt  einen  Schild,  auf  •leva  SPQR  st«'"i':,  ijn  Felde  S  — C 
Cohen  466  (i.  J.  77/78).  -Wiesbaden  am  neuoM  rodceuhof-*.  Vgl.  Mitteil.  Xo.  1  ISöl 
S.  21  und  Inv.  ISfil  Xo.  41. 

215.--  Mitrelerz:  |MP  CAES  VESPASIAN  AVG  COS  lli  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  lij. 
Adier  mit  erhotK»n'''n  Flügchi  ".^f  einer  'v'igf;  -'.eliend,  zu  bciilen  Seirea  S~C  Cohen 
4H0  (i.  J.  78).     „Wie.sbadeu,  beim  Planireu  eine-  Weges  gel'.'',  nach  Annal.  III,  3.   175. 

216.  Mittelerz,  gut  erhallen:  |MP  CAES  VESPASIAN  AVG  COS  VÜl  PP  Kopf  m. 
Lorbeer  n.  r.,  da'-unter  Kugel.  Bt.  wie  bei  Xo.  215*.  Cohen  482  (i.  J.  77/78).  , Um- 
gebung Wic&baden'*.  (K.) 

217.  Mittelerz,  gut:  |MP  CAESAR  VESPASiAN  AVG  COS  III  Kopf  m.  Strahlen- 
krone n.  r.  -ft«.  SECVRITAS  A^/GVSTl  Se^uritas  n.  r.  sitzend  vor  einem  brennen- 
den Ä.ltar,  hält  ein  Scepter,  im  Absciin.  S  C    Cohen  508  (i.  J.  72/73).    „Wiesbaden".  (K.) 

218.  Mittelerz:  f|MP]  CAES  VESPASIAN  AVG  COS  III  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  VIC- 
TORIA fAVGlVSTI  Schreitende  Vi.-to.-ia  u.  I.  liält  Palme  und  Kranz,  im  Felde  S  — C 
Cohen  607  (i.  J.  71).     -  Wiesoaden".      K.) 

219.  Mittelerz:  [||VIP  C'AES  VESPASIAN  AVG  COS  III  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Ft. 
VICTORIA  IN.^V'ALIJS  Victoria  •)i?.c  Kranz  und  Palme  u.  r.  stehend  auf  einem 
Schiffsvorderteil,  unten  im  Felde  S  — C  ''-"!  on  632  (i.  J.  71  .   .^Umgebung  Wiesbaden**.  (K.) 

220.*  „Grcsserz:  Ve.spasi:in  in  der  FriedrJ;;!i.;rra.s.se'  gefunden,  nach  Annal.  XIV,  437  und 
fnv.    I^»7'>   Xo.  2'.).     Xiilier  nicht  bejtiaJinbar. 


221 

221.*  „Ans   einem   Grab   auf  dem   Michelsber^  Yor  der   nördlichen    Schule  ...  2  römische 

Bronzemünzen,  1  Vegpasian "  Inv.  1872  No.  31.    Vgl.  Annal.  XJI,  348,  24.    Näher 

nicht  bestimmbar. 
222.''-  „Ein  kupferner  Vespasian  auf  dem  Xercsberge  gefunden",  nach  dem  Verzeichnig  der  zu 

dem  zu  errichtendeu  Museum  ....  eingegangenen  Beiträge'*  No.  11,  siehe  oben  S.  182. 

Naher  nicht  bestimmbar. 

223.  Denar,  sehr  verschliffen:  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Von  der  Umschrift  nur  noch  . . .  ES- 
PASIA  . lesbar.  Rs.  Sitzende  weibliche  Figur  (Roma?)  n.  1.;  näher  nicht  bestimm- 
bar.    „Gef.  an  der  Rambacher  Capelle  1846".     Vgl.  Annal.  V,  3  3.  41. 

224.  Mittelerz:  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  [IMP]  CAES  [VESPJASIAN  AVG Um- 
schrift fast  ganz  zerstört.  Hs.  eine  stehende  Figur  a.  1.,  weiteres  zerstört.  „Gef.  in 
der  warmen  Quelle  im  Adler  12.  Januar  1870". 

225.*  „Grosserz:  Kopf ASIAN  AVG  IMP ^s-  stehende  weibliche  Figur,  gefunden 

im  Garten  des  Herrn  von  Gagern"  (Schwalbacherstrasse),  nach  luv.  1863  4.  März  No.  29 
(die  Umschrift  des  Averses  ist  wohl  z.  T.  verlesen). 

Titus: 

226.  Mittolerz:  [IMP  T  CAlES  VESP  AVG  P  M  TR  P  COS  VIII  Kopf  m.  Lorbeer 
n.  r.  Ra.  AEQV1[TAS  AVGJVST  Stehende  Aequit&s,  im  Felde  S  — 0  Cohen  4 
(i.  J.  8Ü").  Wiesbaden  „Marktstrasse  zwischen  den  Justizgebäuden  19.  August  1881". 
Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  83,  wo  das  Stück  fälschlich  als  „Nero"  bezeichnet  wird. 

227.  Mittelerz,  Avers  ganz  zerfressen:  Kopf  n.  r.  Rs.  JVDAEA  CAP[TA]  Trauernde 
Judaea  unter  einer  Palme  n.  r.  sitzend,  links  der  Palme  sin  Schild,  Panzer  und  Feld- 
zeichen, im  Abschn.  S  C  Wohl  Cohen  113.  Wiesbaden,  „verlängerte  Rheinstrasse, 
März  1887".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  387. 

228.  Mittelerz:  T  CAESAR  VESPASIAN  IMP  TUT  PON  TR  POT  II  [COS  II]  Kopf 
mit  Strahlenkranz  n.  r.  Rs.  Auf  Schild  und  Panzer  sitzende  Roma  n.  1.  hält  Kranz 
und  Parazonium,  im  Abschn.  ROMA,  iJ»  Felde  S-C  Fehlt  bei  Cohen  (i.  J.  73}. 
„Wiesbaden".  (K.) 

229.*  Mittelerz:  „...CAESAR  VESPASIAN VS  TR  P  COS  VI  Brustbild  des  Kaisers, 
i?».  Fortuna  stehend  zwischen  S— C"  ^'^ach  F.  Bl.  No.  15  u.  16  1861  S.  458  und  Inv. 
1860  No.  655.  „Gef.  1843  im  Saal  beim  Neubau  der  Schule".  Die  Beschreibung  passt 
etwa  auf  Cohen  215,  die  Figur  des  Reverses  ^väre  dann  Spes  mit  Blume. 

230.  Mittelerz:  T  CAES  IMP  AVG  F  TR  P  COS  VI  CEN30R  Kopf  m.  Lorbeer 
n.  r.  Ra.  Stehende  Spea  m.  Blume  a.  1.,  im  Felde  S  — C  Cohen  217  (i.  J.  77/78), 
„Spelzmilhle".  . 

231.  Denar,  verschliffen:  [T  CAIES  IM?  VESP  PON  TR  POT  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r. 
Rs.  Trauernde  Judaea  n.  r.,  sitzt  am  Fusse  einer  Palme,  dahinter  Titus  stehend,  hält  Lanze 
und  Parazonium,  ohne  Umschinft.     Cohen  392.     „Wiesbaden". 

Domitian : 

232.  Denar:  CAESAR  AVG  F  DOMITIANVS  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  CE[RES] 
AVGVST  Ceres  n.  1.  stehend,  hält  zwei  Ähre-  und  eine  Fackel.  Cohen  3(K  „Wies- 
baden 1854".  (K.) 

23.3.  Mittelerz,  gut  erhalten:  !.\^p  [CAES  D10MIT  AVG  GERM  P  M  TR  P  VMl 
CENS  PER  [PP]  Kopfm.  Lorheern.  r.  R^.  COS  Xilll  [LVD  SAEJC  FEC  Der 
Kaiser  opfert  an  einem  Altar,  links  dahinter  ein  Flötenbläser  und  ein  Lyraspieler,  im 
Hintergrund  ein  sechäsäuliger  Tempel,  im  Abschn.  S  C  Cohen  85  (geprägt  i.  J.  88); 
siehe  auch  Dressel  Eph.  epigr.  VIII.  p.  312  No.  7.     „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

234.  Mittelerz:  |MP  CAES  DOMIT  AVG  GERM  COS  X!l  CENS  PER  PP  Kopf 
ro.  Lorbeer  n,  r.  Rs.  FORTVN.AE  AVGVSTI  Forrana  n.  1.  stehend,  mit  Steuer- 
ruder und  Füllhorn.     Cohen  122  (i.  J.  86).     .,Umgebuug  Wiesbaden".  (K.) 

235.*  Mitteierz:  Ebenso  wie  No.  234,  nur  mit  COS  XV  und  Kopf  mit  Strahleukrone  n.  r. 
Cohen  132  (i.  J.  90/91).  „Wiesbaden,  beim  Planiren  eines  Weges«.  Nach  Annal.  Ilf, 
3.  175. 

14* 


222 

236.  Dieselbe  Münze,  sohlecht,  blank;  , Wiesbaden,  beim  Hausbau  in  der  Mauritiusstrasse,  im 
Schlammboden,  etwa  3  m  tief,  März  1896". 

237.  Mittelerz:  das  gleiche  Gepräge,  nur  ist  die  Konsulawziffer  undeutlich.  Kopf  m.  Lorbeer 
n.  r.     .,Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

238.  Denar,  ziemlich  gut:  |MP  CAES  DOMIT  AVG  GERM  P  M  TR  P  XII  Kopf 
m.  Lorbeer  n.  r.  i?5.  IMP  XXII  COS  XVI  GENS  P  PP  Pallas  n.  1.  stehend  mit 
Blitz   und    Laii^e,    unten    oin  Schild.     Cohen  279  (i.  J.  92—94).  „Bey  Wiesbaden".  (K.) 

239.*  Grosserz:  IMP  CAES  DOMIT  AVG  GERM  COS  XVI  GENS  PER  PP  Kopf 
mit  Lorbeer  n.  r.  Bs.  jOVI  VICTOR!  Sitzender  Jupiter  mit  der  Victoria,  S— C 
Cohen  315  (i.  J.  92— 9i).  Wiesbaden,  „an  der  Caserne"  nach  Zimmermann  in  dem 
ältesten  Kataloge,  s.  oben  S.  165. 

240.  >üt:elerz,  gut  erhalten:  |^  CAES  DOMIT  AVG  GERM  COS  XV  GENS  PER 
PP  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  MONETA  AVGVSTI  Stehende  Moneta  n.  1.  hält  Wage 
und  Füllhorn,  im  Felde  S— C  Fehlt  bei  Cohen  (geprägt  i.  J.  90/91).  Wiesbaden,  „am 
Barmherzigen-Brüderhaus,   östlich   der   Hoidenmauer    18S7".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  390. 

241.  242.  Mittelerze,  desselben  Gepräges,  nur  mit  COS  XVI  0-  J-  92-94).  „Umgebung 
Wiesbaden"  (,K.),  bezw.  .,boy  Wiesbaden".  (K.) 

243.  Mittelerz,  desselben  Gepräges,  Konsulatsziffer  unkenntlich.    „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

244.  Mittelerz,  desselben  Gepräges,  Konsulatsziffer  unkenntlich.  „Neroberg  bey  Wies- 
baden". (K.) 

245.  Mittelerz:  CAE[S  DIVI]  AVG  VESP  F  DOMITIAN  CO[S...  Kopf  m.  Lorbeer 
n.  r.  Rs.  stehende  Pallas  n.  r.  mit  Schild  und  die  Lanze  schwingend,  zwischen  S— 0 
„Bey  Wiesbaden".  (K.) 

243.^  Mittelerz:  CAES  DIVI  VESP  F  DOMITIANVS  COS  [VII]  Bildnis.  Es.  Pallas 
stehend,  zu  Füssen  den  Schild,  in  der  Linken  die  Lanze  haltend,  zwischen  S~C 
Nach  Mitteil.  No.  2  1863  S.  44  und  Inr.  1861  4.  Dezember  Xo.  270.  „Gef.  in  der 
warmen  Quelle  des  Adler"   1861;  ist  wohl  Cohen  441. 

247.  Mittelerz,  schlecht:  [CAESAR  A]VG  F  DOMITIANVS  COS...  Kopf  n.  r.  Es. 
Stehende  Spes  n.  1.  hält  eine  Blume,  zwischen  S — C  Wegen  Fehlens  der  Konsulats- 
ziffer näher  nicht  bestimmbar.     „Wiesbaden,  Friedrichstrasse"  (wohl  nach  1877). 

24Ta.*^  Mittelerz:  [MP  [CA]ES  DIVI  VESP  F  DOMITIAN  AVG  P  M  Kopf  m.  Lorbeer 
E.  r.  Es.  TR  P  COS  VII  DES  VIII  PP  I'"  i^'elde  S-C  Behelmte  Pallas  n.  r. 
stehend  mit  Wurfspiess  und  Schild.  Cohen  562  (i.  J.  81).  „Wiesbaden,  beim  Planiren 
eines  Weges".     Nach  Annal.  UI,  3.  175. 

248.  Mittelerz:  A7.  ebenso  wie  bei  No.  247a.  E^.  TR  P  COS  VIII  DES  Villi  PP  dieselbe 
Darstellung  wie  No.  247a.     Cohen  587  (i.  J.  82).     „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

249.  Dieselbe  Münze:  Wiesbaden,  „Canalbau  in  der  Saalgasse  1880".    Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  50.") 
2.50.  251.  Mittelerze,  gut  erhalten:  |MP  CAES  DOMIT  AVG  GERM  COS  XIII  GENS 

PER  PP  Büste  m.  Aegis  und  Lorbeer  n.  r.  Es.  VIRTVTI  AVGVSTI  Stehende  Virtus 
n.  r.,  den  1.  Fuss  auf  einem  Helm,  hält  Lanze  und  Parazonium,  im  Felde  S  — C 
Cohen  650  (i.  J.  S7).     „Uia^ixbung  Wiesbaden".  (K.) 

252.  Dieselbe  Münze,  nur  lioin  rj.  Lorbeer  n.  r.,  schön  erhalten.  Cohen  651.  „Umgebung 
Wiesbaden".     (K.) 

253.  254.  Mittelerze  desselben  Oi-prages,  nur  mit  COS  XV  und  Kopf  m.  Strahlenkrone  n.  r. 
Cohen  657  (i.  J.  90/91).     „Umgebung  Wiesbaden".  (K). 


'')  Bei  folgender  nach  Kihm's  Angabe  „bey  Wiesbaden"  gefundenen  Münze  Domltian's 
fitimmcn  die  Umschriften  des  Averses  und  Reverses  nicht  zusammen:  Mittelerz  |MP  CAES 
DOMIT  AVG  GERM  COS  XII  [GENS  PER  PPl  Kopf  mit  Strahlen  n.  r.  Es.  TR  P 
COS  VIII  DES  Villi  IPPJ  Stehende  Minerva  mit  Schild  und  Lanze,  zwischen  S  — C>  ^e 
bei  den  >'o.  217a  ff.  Die  Ausführung  des  Typus  weicht  allerdings  von  der  der  übrigen  von 
mir  gesehenen  Münzen  ab;  doch  macht  das  ganze  Stück  nicht  den  Eindruck  einer  modernen 
Fälschung,  auch  das  Metall  zeigt  die  den  Messingdupondien  dieser  Zeit  eigene  gelbe  Farbe. 
Konnte  es  eine  im  Altertum  ausgeführte  Nachprägung  sein? 


228 

255.  256.  Mittelerzo  desselboo  Gepräges,  nur  mit  COS  XVI  und  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r. 
CoheFi  658  (i.  J.  92  —  04).     .»Umgebung  "Wiesbaden"  (K.)  bezw.  „Wiesbaden".    (K.) 

257.  Miuaierz:  |MP  CAES  DOMIT  AVG  GERM PER  PP  Kopf  m.  Strahlen- 
krone n.  r.  Rs.  ebenso  wie  No.  250  S.  ,  Wiesbaden,  verlängerte  Rheinstraöse,  März 
1887".     Vgl.  Inv.  d.  M.  Xo.  388. 

258.*  Mittolerz:  „...PCAES  DIVI  VESPASIANI  F  DOM JRs.  f&at  unkenntlich. 

„Wiesbaden,  an  der  Artillerie-Kaserne  Grab  6,  in  einer  Urne".  Nach  Inv.  1853 
20.  August  No.  465  und  P.  Bl,  1859  No.  11  S.  282. 

259.'*'  ., Wenig  kenntliche  Münze  von  Mittelerz  (Domitian?),  in  einer  Urne  gef.  an  der  Ar- 
tillerie-Kaserne".    P.  Bl.  1861  No.  15  und  16  S.  459. 

260.*  „Imp(erator)  Cae8(ar)  Doniit(ian)    Aug  Germ.    Cos An  der   Artillerie-Kaserne  zu 

Wiesbaden  selbst  gefunden."  Nach  handschriftlicher  Notiz  von  Bonhorst's,  8.  oben  An- 
merkung 16,  I. 

261.*  „Bronzemünze  |MP  CAES  DIVI   VIS Kopf  des  Augustus  )(  Minerva;  von  der 

Walkmühle  auf  dem  Feld".     Inv.  1873    10  April  No.  42.     Danach  kann  die  Münze  nur 

Domitian   sein    und    ist  zu    lesen:    ||VIP  CAES    DIVI  V[E]S[P  F  DOMITIAN 

Es.  wohl  TR  P  COS  VII  etc.  mit  Pallas,  jedenfalls  Mittelerz. 

262.  Mittelerz:  [|MP  CAES]  DOMI[T  AVG   GERM]  COS  XII  CE[NS 1    Kopf 

mit  Lorbeer  n.  r,  Bs.  Stehende  Figur  n.  1.;  Umschrift  vielleicht  ....  AVGVSTI  Näher 
nicht  bestimmbar.     Wiesbaden,  „Museumshof,  November  1858". 

263.  264.  Mittelerze,  sehr  zerfressen,  doch  Kopf  Domitians  m.  Lorbeer  n.  r.  auf  beiden 
deutlich  „Wiesbaden  in  der  warmen  Quelle  des  Adler,  12.  Januar  1870";  beide  müssen, 
als  sie  in  das  Wasser  kamen,  noch  sehr  frisches  Gepräge  gehabt  haben. 

265.  Mittelerz,  sehr  zerfressen:  Kopf  Domitians  m.  Lorbeer  n.  r.  Bs.  ganz  zerstört,  zu- 
sammen mit  No.  263.  264.  gefunden. 

266.  Mittelerz,   verschliffen:    CAESAR  AVG  F    DOMITI[AN ]     Kopf  m.  Lorbeer 

n.  1.     Ba. AVGVST     Stehende    weibliche   Figur    n.    1.    hält  ein    Scepter  und  ? 

„Neroberg  bey  Wiesbaden".  (K.) 

267.  Mittelerz:  [|MP]  CAES  DOMIT  AVG  GERM  COS  XV  [CENS  PER  PP] 
Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Bs.  Stehende  Figur  n.  r.,  wahrscheinlich  VIRTVTI  AVGVSTI 
Dann  wäre  es  Cohen   656.     „Neroberg    bey  Wiesbaden".    (K.)     Vgl.  Annal.  V,    3,    11. 

268.*  Eine  Münze  .  .  .  von  Domitian  .  .  ,  „wurde  bei  dieser  Gelegenheit  gefunden'-  (beim 
Schlossbau  in  Wiesb.  1837).     Nach  Annal.  XVII,  142,  Anm.  l.*^«) 

In  einem  von  Lugenbühl  in  den  vierziger  Jahren  angefertigten  Verzeichnisse  über 
die  von  ihm  dem  Museum  überlassenen  Altertümer  aus  Wiesbaden  heisst  es  von  drei 
als  No.  9,  10,  11  verzeichneten  nicht  näher  zu  bestimmenden  Stücken  „gefunden  bey 
der  Erbauung  der  Artillerie-Kaserne  nebst  beyliegender  Münze  von  Domitian". 
Es  ist  wahrscheinlich,  dass  diese  Münze  mit  einer  der  von  Kihm  mit  Fundangabe 
„Wiesbaden"  bezw.  „Wiesbaden  Umgebung"  versehenen  identisch  ist. 

Nepva : 

269.*  „Nerva  Caes.  Aug.  D  M  EMP  Rückseite:  Aequitas  August  an  der  Artillerie-Kaserne 
zu  Wiesbaden  selbst  gefunden".  Handschr.  Notiz  von  Bornhorst's  No.  II,  s.  oben  Anm.  16; 
offenbar  zu  lesen:  [|]MP  NERVA  CAES  AVG  [PJM  [TR  P  COS  II  PP]  Also 
eine  der  Münzen  bei  Cohen  2  —  11. 

270.  Mittelerz,  blank  mit  sehr  frischem  Gepräge,  nur  etwas  zerfressen:  IMP  NERVA  CAES 
AVG  PM  TR  P  COS  lil  PP  Kopf  m.  Strahlenkrone  n.  r.  B.^.  CONCORDIA 
EXERCITVVM  Zwei  verschlungene  Hände  halten  ein  Feldzeichen,  im  Felde  S  — C 
Cohen  32  (i.  J.  98).  „Wiesbaden,  verlängerte  Rheinstr.,  März  1887'^.  Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  389. 


®^)  Diese,  ebenso  wie  die  anderen  damals  gefundenen  Münzen,  befand  sich  zur  Zeit  von 
Kihm's  Inventarisation  der  Münzsammlung  noch  nicht  im  Kabinet,  kann  also  auch  nicht  mit 
einem  der  von  ihm  als  aus  Wiesbaden  bezw.  Wiesbaden  und  Umgebung  stammend  bezeich- 
neten Stücke  identisch  sein. 


224 

271.  Mittelerz,  sehr  zerfressen:  [|MP  NERVA  C]AE[S  AVG  P  MJ  TR  P  COS  II  [PP] 
Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  üs.  Stehende  weibliche  Figur  n.  1.,  höchst  wahrscheinlich  For- 
tuna. Umschrift  [FORTVNA  AVGVST]  zerfressen,  im  Felde  S-C  Wohl  Cohen  61 
(i.  J.  96).     , Wiesbaden,  warme  Quelle  des  Adler  1870". 

272.  Mittelerz:  |MP  NERVA  CAES  AVG  [P]M  TR  P  COS  III  P[P]  Köpf  m.  Lorbeer 
D.  r.  Rs.  FORTVNA  ^AAi-C^sxcx  Fortuna  n.  1.  stehend  mit  Steuerruder  und  Füllhorn, 
im  Felde  S— C     Cohen  68  (i.  J.  98).     „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

273.*  ,Eine  blanke  Bronzemünze  von  Nerva  gefunden  in  der  Marktstrasse  im  Moorgrund". 
Nach  Annal.  XVII,  138,  6;  nicht  näher  bestimmbar. 

Trajan: 

274.  Grosserz:  |MP  CA[ES  NERlVAE  TRAIANO  AVG  GER  DAC  PM  TR  P  COS 
VI  PP  Kopf  m.  Lorbeer  und  Aegis  n.  r.  Rs.  [FElLICITAS  AVGVST  Felicitas  n,  1. 
stehend  m.  Caduceus  u.  Füllhorn,  im  Felde  S — C  Cohen  143.  „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

275.  Mittelerz  (schlecht  erhalten),  desselben  Gepräges,  cur  Kopf  mit  Strahlenkrono  n.  r. 
Cohen  145.     „Wiesbaden". 

276.*  Denar:  „At.  Kopf  |MP  CAES  NERVA  TRAIAN  AVG  GERM  Hs.  Stehende 
weibliche  Figur  PM  TR  P  COS  IUI  PP  (nicht  näher  bestimmbar).  „Wiesbaden" 
nach  InT.  1866  No.  23  und  Mitteil.  5  u.  6  1867  8.  27. 

277.*  .,Ein  Mittelerz  mit  demselben  Gepräg",  Inv.  1866  No.  23.  „Wiesbaden".  Da  genau 
dasselbe  Gepräge  bei  Kupfermünzen  überhaupt  nicht  begegnet,  so  wird  hier  PM  zuQi 
Avers  zu  ziehen,  und  eine  der  Münzen  mit  TR  POT  COS  Uli  PP  und  der  Victoria 
Cohen  II,  p.  85  No.  640  oder  641  gemeint  sein. 

278.  Denar,  ganz  verschliffen,  durchlocht:  Kopf  m.  Lorbeer  und  Mantel  n.  r,  Rs.  Behelmte 
Figur  n.  r.  stehend  mit  Lanze  und  Parazonium  (?)  Vielleicht  Cohen  271  mit  der 
Umschrift  PM  [TR  P  COS  VI  PP  SPQR]     „Wiesbaden".  (K.) 

279.  Mittelerz,  verschliffen:  [|MP  CAES  NERVlAE  TRAIANO  AVG  GER  DAC  PM 
TR  P  COS  V  PP  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  SPQR  OPTIMO  PRINCIPI  Schreitende 
Victoria  n.  1.  mit  Zweig  und  Palme,  im  Felde  S  — C  Cohen  436.  „Umgebung  Wies- 
baden". (K.) 

280.  Dieselbe  Münze,  ziemlich  gut:  .^Wiesbaden  Metzgergasse-Ecke".    Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  392. 

281.  Grosserz,  schön  erhalten:  ,iMP  CAES  NERVAE  TRAIANO  AVG  GERM  PM  TR 
P  COS  V  PP  -R*-  ^iu6  geflügelte  Victoria  mit  der  Linken  ein  Schild  umfassend, 
auf  dem  die  Worte  Victoria  Dacica  lesbar  sind,  Umschrift  SPQR  optimo  principi  S— C 
Nach  Zimmermann's  Eintragung  im  ältesten  Katalog  s.  oben  S.  185.  Da  nur  1  Exem- 
plar dieser  Münze  in  der  Sammlung  sich  befindet,  so  ist  dieses  das  von  Z.  beschriebene. 
Cohen  452.     „Wiesbaden,  Kaserne"  um  1S26. 

282.  Grosserz,  sehr  schlecht:  Büste  Trajan's  m.  Lorbeer  und  Panzer  (?)  n.  r.,  von  der  Um- 
schrift noch  lesbar  . . .  AVG  GER  ....  Rs.  SPQR  OPTIMO  PRINCIPI  Stehende 
weibliche  Figur  n.  1.  mit  Füllhorn  und  Ruder  (?)  [Fortuna?],  nicht  näher  bestimmbar. 
„Wiesbaden,  beim  Hausbau  an  der  Ecke  der  Mauergasse  und  Marktstrasse  dem  Amts- 
gericht gegenüber,  1894". 

283.  Mittelerz:  [|MP  CAES  NERVAE]  TRAIANO  AVG  GER  DAC  PM  TR  P  COS 
V  PP  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  SPQR  OPTIMO  PRINCIPI  Drei  Feldzeichen, 
zwischen  S— C  Cohen  579.  „Spelzraühle  1857  im  Grab  V".  Ist  P.  Bl.  1858  No.  4 
S.  66  nach  Inv.  1857  vom  7.  Oktober  No.  52  fälschlich  als  Domitian  bezeichnet. 

284.  Mittelerz,  gut  erhalten:  |MP  CAES  NERVA  TRAIAN  AVG  GERM  PM  Kopf  m. 
Lorbeer  n.  r.  Rs.  TR  POT  COS  II  PP  Victoria  n.  1.  fliegend  mit  einem  Schilde, 
auf  dem    SPQR   steht,   im  Felde   S-C     Cohen  617  (i.  J.  98).     „Bey  Mosbach".  (K.) 

235.  Dieselbe  Münze:  „Bey  Bierstadt".  (K.) 

286.  Dieselbe  Münze,  schlecht  erhalten:  „Wiesbaden,  in  der  warmen  Quelle  des  „Adkr" 
12.  Januar  1870". 

287.  Mittelerz,  gut  erhalten:  |MP  CAES  NERVA  TRAIAN  AVG  GERM  PM  Kopf  m. 
Stralilenkrone    n.  r.     Rg.  TR  POT    COS  ill  PP     Sitzende    weibliche  Figur  n.  1,  hält 


225 

einen  Zweig  und  ein  Scepter,  im  Abschn.  S  C     Cohen  625,  nur  dass  in  der  Umschrift 
des  Av.  CAES  vor  NERVA  steht  (i.  J.  lOOJ.     Wiesbaden  „Luiaenstrasae,  Neubau  neben 
der  Reiehsbank   1894"*. 
288.  289.  Mitrelerze  desselben  Gepräges,  wie  No.  284  ff.  nur  auf  dem  Rs.  TR  POT  COS  III 
PP    Cohen  62S  (i.  J.   100).     .,Bey  Wiesbaden"  (K.)  bezw.  „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

290.  Mittelerz,  verschliffen;  des.iclben  Gepräges  wie  No.  284  ff.  nur  auf  dem  Rs.  TR  POT 
COS  IUI  PP     Cohen  640  (i.  J.  101/102).     „Umgebung  Wie8baden\  (K.) 

291.  Grosserz:  |MP  CAES  NERVA  TRAI[AN ]     Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.     Rs.  TR 

POT  [COS . . .  .1  Sitzeade  Justitia  n.  1.  hält  Zweig  und  Scepter,  nicht  näher  be- 
stimmbar.    „Wiesbaden"*.  (K.) 

291a.  Mittelorz,  yerschliffen :  IMP  [CAElS  NERVA  TRAIAN  AVG  [GERM  P]M  Kopf 
mit  Strahlen  n.  r.  Rs.  Sitzende  Abundantia  (V)  auf  einem  Sessel,  dessen  Füsse  in  Füll- 
hörner enden;  Umschrift  zerstört,  war  aber  wohl  TR  POT  COS  II  (bezw.  |||  oder 
IUI)  PP     „Wiesbaden". 

292.*  Mittelerz:  „JMP  CAES  NERVA  TRAIAN  AVG  GERM  Rs.  Eine  Victoria  mit 
S  —  C">  nach  Zimmermann's  Eintrag  in  den  ältesten  Katalog.  Danach  wird  es  eine 
der  Münzen  mit  TR  POT  COS  II  (bezw.  |||  oder  ||||)  PP  sein.  „Wiesbaden,  Luisen- 
atrasse  1824  ff." 

293.  Mittelerz,  sehr  verschliffen:  Kopf  n,  r,,  Umschrift  ganz  vorwischt.  Rs.  Sitzende  weib- 
liche Figur  n.  1.,  näher  nicht  bestimmbar.  „Wiesb.,  Artillerie-Kaserne,  1.  September 
1S59".  Es  ist  offenbar  dieselbe  Münze,  welche  P.  Bl.  1860  No.  12  S.  335  so  beschrieben 
wird:  „Münze  in  Mittelerz,  beiderseitig  ganz  abgegriffenes  Gepräge.  Av.  Kopf  (Trajan?) 
Rs.  Sitzende  Pietas",     Vgl.  Inv.  18.59  30.  Dezember  No.  516. 

294.  Grosserz,  verschliffen:  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r.  ....NO  AVG  G....  Qoch  lesbar. 
Rs.  Sitzende  Figur  n.  1.  mit  Füllhorn.     „Bei  der  Spelzmühle". 

295.  Groaserz,  ganz  verschliffen:  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  . .  . .  TRAIANO  AVG  GER... 
Rs.  zerstört.     „Wiesbaden,  Hinter  Hoben  1859". 

296.  Grosserz:  Kopf  Trajan's  n.  r.,  Alles  weitere  zerstört.  „Wiesbaden,  Saumarkt  1854, 
beim  Kanalbau". 

297.  Mittelerz,  sehr  verschliffen:  Kopf  Trajan's  n.  r.     „Wiesbaden,  Schützenhof". 

298.*    „.  . .  S.  Nerva  Trajan  Aug.  Germ.  PM      Rs.    unleserlich.     An   der   Artillerie-Kaserne 
zu  Wiesbaden    selbst   gefunden",    nach  handschriftlicher  Notiz   von    Bonhorst's  No.  III, 
8.  oben  Anm.  16,  wohl  Mittelerz,  mit  TR  POT  COS  II  etc.  PP, 
■  299.*  „. . .  ein  Trajanus,   Mittelerz,   gef.    auf  einem   Acker  an   der  Platter-Chaussee  dahier", 
nach  P.  Bl.  1855  No.  5  S.  143. 

Eine  der  von  Kihm  schlechthin  als  in  Wiesbaden,  be?:w.  Wiesbaden  Umgebung  ge- 
funden bezeichneten  Münzen  Trajan's  kann  mit  der  in  der  Steingasse  gefundenen  (8. 
oben  Anm.  62)  identisch  sein. 

Hadrian: 

300.  Mittelerz,  sehr  gut:  HADRIANVS  AVGVSTVS  Kopf  m.  Strahlenkrone  n.  r.  Rs. 
COS  III  Salus  n.  1.  sitzend,  füttert  eine  Schlange,  im  Abschn.  S  C  Cohen  368.  „Bey 
Mosbach  1844".  (K.) 

301.  Dieselbe  Münze:  „Spelzmühle  bey  Wiesbaden  1844".  (K.) 

302.  Mittelerz,  gut  erhalten :  HADRIANVS  AVGVSTVS  Büste  m.  Lorbeer  u.  Mantel  n.  r. 
Rs.  COS  III  PP  CLEMENTIA  AVG  dementia  n.  1.  stehend,  hält  Schale  und  Scepter, 
S— C     Cohen  517.     „Umgebung  Wiesbaden".  (K.) 

303.*  Mittelerz:  HADRIANVS  AVGVSTVS   mit   dem  Brustbild.     Rs.   Stehende  weibliche 

Figur,  links  gewendet,  die  rechte  Hand  auf  der  Brust  zwischen  S  C    Umschr.  COS  .  . . 

„Gef.  hinter  dem  Schützenhofe  dahier".  Nach  Inv.  1861  25.  September  No.  226. 
Näher  nicht  bestimmbar. 

304.  Mittelerz:    HADRIANVS    AVGVSTVS        Kopf   m.    Lorbeer    n.   r.       Rs.  Umschrift 

[FELICITIATI  AVG.  im  Abschn.  COS  III  PP  Schiff  n.  r.  fahrend  mit  Ruderern, 
auf  dem  Hinterteil  Feldzeichen,  nicht  genau  bestimmbar.     „Wiesbaden,   beim  Kanalbau 


226 

in   der  kleinen   Schwalbacherstrasse  1859";  unvollkommen  beschrieben    P,  Bl.  No.   10 
1859  S.  262.     Vgl.  Inv.  1859  26.  Juli  No.  430. 

305.  Denar,  gut:  |MP  CAESAR  TRAIAN  HADRIANVS  AVG  Büste  m.  Lorbeer,  Mantel 
und  Panzer  n.  r.  Es.  R  (VI  TR  P  COS  III  Sitzende  Salus  n.  1.  füttert  eiae  um  einen 
Altar  gerollte  Schlange,  im  Abschn.  SAL  AVG  Cohen  1327.  „Wiesbaden,  Kirch- 
gasae  1839".  (K.)*^) 

306.  Mittelerz,  gut;  HADRIANVS  AVGVSTVS  Büste  mit  Lorbeer  n.  r.  Es.  SALVS 
AVGVSTI  Stehende  Salus  n.  1.  füttert  eine  um  einen  Altar  gerollte  Schlange  und 
hält  ein  Scepter,  im  Felde  S— d  im  Abschn.  COS  lli  Cohen  1357.  „Auf  dem  Münz- 
berg bey  Wiesbaden  1845".  'K.) 

306a.  Dieselbe  Münze:  „Auf  dem  Neroberg  1848".    (K.)    Vgl.  Annal.  V.  3,  S.  9. 

307.  Mittelerz,  schlecht:  |MP  CAESAR  TRAI[AN  HADRIAN  AVG]  Büste  m.  Lorbeer 
und  Panzer  n.  r.  Es.  Stehende  weibliche  Figur  n.  1.  hält  im  1.  Arme  ein  Füllhorn,  in 
der  r.  Hand  eine  Schale  (Salus?),  im  Felde  S— 0  Umschrift  verwischt.  „Wiesbaden, 
Schützenhof". 

308.*  „Hadrianus  Auguätua.  Es.  G.ilua  Augusti  Cos  III,  an  der  Artillerie-Kaserne  zu 
Wiesbaden  selbst  gefunden",  nach  handschriftlicher  Notiz  von  Bonhorst's  No,  IV,  s.  oben 
Anm.  16.  Jedenfalls  war  die  Reversumschrift  SALVS  AVGVSTI  wie  bei  No.  306 
und  306a. 

309.*  „M.- Erz-Münze  des  Hadrian.  Es.  ganz  verwischt,  gef.  am  Landgraben  bei  Biebrich". 
Nach  Mitteil.  No.  1   1361  S.  21. 

BIO.  Grosaerz:  Büste  n.  r.,  Alles  andere  zerstört.  „Gef.  zwischen  Dietenmühle  und  Bier- 
stadt 1860.     Vji'  tief." 

311.  Grosserz:  Kopf  Hadrians  m.  Lorbeer  n.  r.,  ümschr.  ganz  verwischt.  Es.  Sitzende  Figur 
n.  1.  scheint  ein  Füllhorn  zu  halten,  näher  nicht  bestimmbar,  „Gef,  Wiesbaden, 
Schützenhof". 

312.*  Denar  von  Hadrian.  „In  der  Nähe  von  Wiesbaden",  nach  Annal.  III,  2.  218,  siehe 
oben  Anm.  69. 

Lucius  Aelius: 

313.*  Grosserz:  L  AELIVS  CAESAR  Kopf  m.  Lorbeer  n,  r.  Es.  PIETAS  im  Abschn., 
Umschrift  TR  POT  COS  II  Pietas  n.  1.  stehend,  legt  die  linke  Hand  auf  die  Brust, 
vor  ihr  ein  brennender  Altar,  im  Felde  S— C  Cohen  40.  „Wiesbaden,  Langgasse 
No.  21,  am  22.  August  1881".     Nach  Annal.  XVU,  139.  8. 

Antoninus  Pius: 

314.  Mittelerz:  ANTONIN VS  AVG  PIVS  PP  TR  P  XVIII  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es. 
FELICITAS  [COIS  IUI  Im  Felde  S-C  Stehende  Felicitas  n.  r.,  mit  Caduoeus  u. 
Füllhorn  (?)     Cohen  372  (i.  J.  155).     „Höfchen  bey  Wiesbaden".  (K.) 

315.  Mittelerz:  ANTONIN  VS  AVG  PIVS  PP  TR  P  COS  III  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r. 
-K^-  IMPERATOR  II  Stehende  Libertas  n.  1.  hält  Mütze  und  Scepter,  im  Felde  S  — O 
Cohen  446  (i.  J.  140/43).     „Im  Höfchen  bey  Wiesbaden".  (K.) 


**)  In  einem  „Verzeichnis  der  dem  Verein  zugekommenen  Münzen,  Altertümer  etc."  heisst 
es:  „8.  von  H.  Justizrat  Schweikart  zu  Wiesbaden  1  Silberraünze  vom  Kaiser  Hadrian,  der 
i.  J.  120  n.  Chr.  den  Thron  bestiegen  hatte,  das  Alter  der  Münze  daher  1727  Jahre,  gefunden 
beim  Ausgraben  der  fortgesetzten  Kirchgasse  im  Jahre  1832".  Die  Noriz  über  das  Alter  der 
Münze  von  1727  Jahren  führt  darauf,  dass  das  Verzeichnis  im  Jahre  1847  geschrieben  ist. 
Da  bei  dieser  Münze  sowohl,  wie  bei  No.  305,  als  Geschenkgeber  Juatizrat  Schweikart  und 
als  Fundstelle  die  Kircbgasse  angegeben  wird,  liegt  es  nahe,  in  beiden  dasselbe  Exemplar  zu 
erblicken  und  einen  Irrtum  nur  in  einem  der  Fundjahre  1832  bezw.  1S39  anzunehmen.  Eine 
Annal.  III,  2.  218  (28.  Mai  1841)  unter  mehreren  in  der  Nähe  von  Wiesbaden  gefundenen 
Bronzemünzen  erwähnte  silberne  von  Hadrian  dürfte  dagegen  von  unserer  Münze  um  so 
mehr  verschieden  sein,  als  sie  unter  den  durch  Ankauf  erworbeneu  Gegenständen  aufgezählt 
wird,  8.  unten  No.  312*. 


227 

316.  Grosserz:  [!MP]  CAES  T  AEL  HADR  ANTONiNVS  [AVG  PIVS  PPl  Kopf 
m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  im  Abschn.  [ROMA]  Umschrift  JR  ROT  Xllll  COS  Uli,  im 
Felde  S  — C  Roma  n.  1.  sitzend,  hält  eine  Lanze  und  stützt  den  linken  Arm  auf  einen 
Schild,  der  auf  einem  Schiffe  ruht.  Cohen  690  (i.  J.  151).  , Wiesbaden  beim  Neubau 
des  Saales  im  Garten  des  Adler  188ü".     Vgl.  Inr.  d.  M.  No.  60. 

317.  Denar:  ANTONINVS  AVG  PIVS  PP  TMl^fMll  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  S^- 
LVTI  AVG  COS  IUI  Salus  yor  einem  Altar  stehend,  füttert  eine  Schlange  und  hält 
ein  Scepter.  Cohen  74ü  (i.  J.  159).  „An  der  Hammermühle  1884".  Vgl.  Iny.  d.  M. 
No.  288. 

318.  Grosserz,  sehr  schön:  ANTONiNVS  AVG  PIVS  PP  TR  P  COS  lli  Büste  mit 
Lorbeer  n.  r.  Es.  Auf  einem  Tribunal  sitzen  Pius  und  Aurelius  Caesar,  unten  zu  beiden 
Seiten  ein  Soldat  stehend,  im  Absobn.  S  C  Cohen  764  (i.  J.  140—43).  „Gef.  beim 
Kartoffelausmachen  auf  einem  Acker  bei  Mosbach'-.  Vgl.  Inv.  1861  20.  Okt.  No.  227  • 
In  den  Mitteil,  an  die  Mitgl.  No.  2  1863  S.  41  wird  die  Münze  ohne  Angabe  des  Fund- 
ortes beschrieben. 

319.*  .,Aufih  eine  Münze  von  Antoninus  Pius...  wurde  bei  dieser  Gelegenheit  gefunden" 
(beim  Schlossbau  in  Wiesb.  1837).     Annal.  XVII,  142,  Anm,  1.^*') 

320.*  321.*  Von  zwei  Bronze-Münzen  (d.  h.  Mittelerzen)  und  1  Grosserz  des  Antoninus  Pius, 
we]<>he  nach  dem  Zcttol  von  Kihm's  Hand  (s.  oben  S.  213)  auf  dem  Neroberge  gefunden 
wurden,  ist  das  letztere  No.  323,  die  beiden  anderen  sind  nicht  näher  bestimmbar. 
Vgl.  Annal.  V,  3.  3.  9.  „In  diesem  Hauptgebäude  (der  Villa  auf  dem  Neroberg)  wurden 
3  Kupfermünzen  von  Antoninus  Pius  und  1  von  Hadrian  (oben  No.  306a)  gefunden.'' 

322.*  „Ein  Antoninus  Pius  von  Silber"  (also  Denar),  „gef,  bey  Mosbach"  nach  demselben 
Zettel  Kihm's,  ist  nicht  näher  bestimmbar.  Über  andere  in  demselben  Verzeichnis  von 
Kihm  dem  Pius  mit  Unrecht  zugeschriebene  Münzen  s.  oben  S.  213. 

Antoninus  Pius  und  Aurelius  Caesar: 

323.  Grosserz,  sehr  schön:  ANTONINVS  AVG  PIVS  PP  TR  P  COS  111  Kopf  mit 
Lorbeer  n.  r.  Es.  AVRELIVS  CAESAR  AVG  Pll  F  COS  Jugendliche  Büste 
mit    -Mantel    und  Panzer    n.  1.,    darunter    S  C     Cohen  34.     „Neroberg    bey  Wiesbaden 

1848\  (K.) 

Faustina  die  Ältere: 

324.  Mittelerz:  DIVA  FAVSTiNA  Büsten,  r.  Es.  AV[GVS]TA  Ceres  mit  Schleier  und 
Ährenkranz  n.  1.  stehend,  hält  zwei  Fackeln,  im  Felde  S— C  Cohen  92.  „Bey  Wies- 
baden". (K.) 

325.  Mittelerz:  [Di]VA  FAVSTINA  Büste  m.  Diadem  n.  r.  Es.  AVGVSTA  Vesta  mit 
Schieier  n.  1.  stehend,  hält  das  Palladium  und  eine  Fackel  oder  ein  Scepter,  im  Felde 
S— C  Cohen  111  oder  114.  „Wiesbaden,  gef.  am  Türmeben  vor  der  Artillerie-Kaserne 
1.  September  1859". 

326.  Denar:  DIVA  FAVSTINA  Kopf  n.  r.  Es.  AVGVSTA  Vesta  vor  einem  Altar 
stehend  n.  1.  hält  Schale  und  Palladium.  Cohen  116.  „An  der  Hammermühle  1884". 
Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  289. 

327.  Mitfelerz:  [DilVA  FAVST[i]NA  Büste  n.  r.  Es.  AVG[VSTA]  Stehende  weibliche 
Figur  n.  1.  hält  eine  Fackel  und  ein  Scepter  (?),  nicht  genau  zu  bestimmen.  „Gef.  bey 
Wiesbaden".  (K.) 

328.  MiHo-erz,  ähnlich:  Ebenfalls  nicht  genau  bestimmbar.  „Gef.  auf  dem  Neroberg  1848".  (K.) 

329.  Gro-serz,  stark  verschliffen:  DIVA  FAV[STINA]  Büste  n.  r.  Es.  [|]VNO  Jqdo  n.  1. 
stehead  mit  Schale  und  Scepter,  im  Felde  S  —  C  Cohen  210.  Wiesbaden,  „an  der  Ecke 
der  Kirchhofs-  und  Langgasee  beim  Abbruch  eines  Teiles  der  Heidenmauer  1870". 
Vgl.  Z.  K.  11713. 

330.  Grosserz:  Büste  mit  Schleier  n.  r.  Es.  ganz  zerfressen.  „Wiesbaden,  beim  Graben  der 
Wasserleitung  in  den  Wiesen  am  Schwalbacherweg,  August  1859". 


70 


')  Vgl.  auch  für  die.se  Münze  die  Bemerkung  in  Anm.  68. 


228 

Marc  Aurel: 

331.  Grosserz,  verschliffen:  IMP  CAES  M  AVREL  ANTONIN[VS  AVG  P]M  Kopf 
mit  Lorbeer  n.  r.  Rs.  [C0NC0R1D  AVGVSTOR  TR  P  ;^M  Die  beiden  Kaiser 
stehend  reichen  sich  die  Hände,  im  Abschn.  [COlS  lll<  im  Felde  S— C  Cohen  54 
(i.  J.  162).     „Gef.  in  der  Rasselt  bey  Bierstadt  1845".     ^K.) 

332.  Mittelerz:  [AVRELIVS  GlAESAR  AVG  Pll  F  Jucendücher  Kopf  des  Caesar  n.  r. 
Rs.  im  Felde  HONOS  IJmschrift  TR  POT...  COS  II  Stehender  Honos  n.  r.  mit 
Zweig  und  Füllhorn  (?)  zu  beiden  Seiten  S— 0  "Wohl  Cohen  239  (i.  J.  148).  „Gef. 
Gräber  bei  Rambach  1845". 

333.  Orosscrz:    M    ANTONINVS    AVG    TR    P  XXV     Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.     Rs.  |MP 

VI  COS  [III]  "Victoria  n.  r.  nohend,  lehnt  einen  Schild,  auf  dem  [VIC  GERM1  steht, 
an  einen  Baum,  im  Felde  S  — C  Cohen  269  {i.  J.  171).  „Gef.  Münzberg  im  Wiesbader 
Wald«.  (K.) 

334.  Mittelerz:  [M  ANTOJNINVS  AVG  TR  P  XXVI    Kopf  m.  Strahlen  n.  r.    Rs.  [|MP 

VII  COS  III  Behelmte  Roma  n.  !.  sitzend,  hält  eine  Lanze  und  eine  Viotoria,  unter 
ihr  ein  Schild,  im  Felde  S  — C     Cohen  282  f\.  J.  172).     ^Gef.  Spelzmühle".   (£.) 

335.  Grosserz,  Avers  sehr  gut  erhalten:  M  ANTONINVS  AVG  TR  P  XXVIII  Büste  m. 
Lorbeer  n.  r,  Rs.  [|]MfP  ...  1  COS  III  Jupiter  n.  l.  sitz,^nd  hält  Victoria  und  Scepter, 
im  Felde  S— C  Cohen  252  oder  311  (i.  J.  174).  „Wiesbaden,  Blücherstrasse,  Februar 
1893".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  490. 

336.  Mittelerz:  M  AVREL  ANTONINVS  AVG  TR  P  XXX!!  Kopf  m.  Strahlenkrone 
n.  r.  Rs.  [IMP]  Villi  C[OS  IUI  PP  Stehende  Fax  n.  1.  mit  Füllhorn  und  Ölzweig, 
im  Felde  S-C  Cohen  371  (i.  J.  178).  , Wiesbaden,  bei  deu  Frankengräbern  vor  dem 
nördlichen  Ende  der  Heidenmauer".     Vgl.  Annal.  XI7,  430. 

337.  Grosserz:  M  ANTONINVS  AVG  TR  P  XXIIII  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Rs.  [SA]- 
LVTI  AVG  COS  III  Stehende  Salus  n.  1.  mit  Scepter,  füttert  eine  um  einen  Altar 
gerollte  Schlange,  im  Felde  S— C  Cohen  547  (i.  .T,  170).  „Wiesbaden,  beim  I^'eubau 
des  „Einhorn"  März  1895".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  517. 

338.  Grosserz,  verschliffen:  AVRELIVS  CAES  AVG  PI!  F  Büste  mit  Mantel  und  Pa.azer 
n.  r.  Rs.  TR  POT  XIII  CO[S  II]  Beheinite  Virtus  n.  r.  hält  Lanze  und  Parrzonium, 
den  linken  Fuss  setzt  sie  auf  einen  Helm,  »m  Felde  S— C  ('•  J-  if>9)-  Fehlt  bei  Cohen 
IIP,  p.  74  (No.  748  hat  im  Averse  CAESAR).     rOef.  !>*^y  Wiesbaden  1S33».    (K.) 

339.  Grcsserz,  gut:  M  AVREL  ANTONINVS  AVG  AR[MENIACVS  PMJ  Kopf  mit 
Lorbeer  n.  r.  Rs.  TR  POT  XIX  IIMP  II  COS)  lil  Providentia  n.  1.  stehend  mit 
Scepter  und  Stäbchen,  zu  den  Füssen  eine  Kugel,  im  Felde  S— C  Cohen  803  (i.  J.  165). 
„Wiesbaden,  beim  Kanalbau  in  der  Gustav-Adolfstrasae,  Anfang  Juli  1895". 

340.  Gros.^erz:  M  AVREL  ANTONINVS  AVG  ARM  PARTH  MAX  Kopf  m.  Lorbeer 
n.  r.  Rs.  TR  POT  XX  IMP  IUI  COS  IM  Victoria  n.  r.  steheud.  hält  einen  Palm- 
zweig und  lehnt  einen  Schild,  aut  dem  pjSi  »tehti  an  einen  Baum,  im  Felde  S— 0 
Cohen  807  (i.  J.  166).     „Dotzheim,  Sauerborn".     Vgl.  Inv.  1376  No.  29. 

341.  Mittelerz:  M  ANTONINVS  AVG  [ARMENIACVSJ  PM  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r. 
Rs.  ITR]  P  XIX  IMP  II  CO[S  III]  S-C  Mars  mit  Hein  nackt  n.  r.  eilend,  trägt 
eine  Lanze  in  der  R.  und  ein  Tropaeum  auf  der  1.  Schulter.  Cohen  870  (i.  J.  165). 
„Qof.  bey  Mosbach".  (K.) 

Faustina  die  Jüngere: 

342.  Mittelerz:  FAVSTINA  AVGVSTA  Büsten,  r.  Rs.  AVGVSTl  Pll  FIL  Concordia 
n.  1.  stehöud,  mit  Schale  und  Füllhorn,  im  Felde  S-C  Cohen  23.  „Spelzmühle  bey 
Wiesbaden".  (K.) 

343.  Dieselbe  Münze.     „Dotzheim,  Dezember  1803".     Vgl.  Z.  K.  14506. 

344.*  ,?  Stina  August.  Rs.  st.  M.  F.  J.  L.  An  der  ArtiUene-Ka.serne  zu  Wiesbaden  selbst 
gefunden",  nach  handschriftlicher  Notiz  von  Bornho?-8t'8  No,  V  (s.  oben  Anm.  16).  Die 
Legende  war  offenbar  fFAVlSTINA  AVGVSTIA]  Rs.  lAVGVISTU  Pill  FIL  Also 
eiric  der  Münzen  bei  ('(.hen  1.')  — 32,  vielleicht  Silber,  da  S— C  nicht  erwähnt  wiid. 


229 

345.  Denar:   FAVSTINA   AVGVSTA     Büste   n.   r.     Bs.   DIANA    LVCIF     Diana  n.   r. 

stehend,   hält  eine   brennende    Fackel   mit   beiden   Händen.      Cohen   85.     nGef.   in   der 
Hasselt  im  Bierstädter  Walde  1845".  (K.) 

346.  Grossorz,  sehr  schlecht:  FAVSTINA  AVGVSTA  Büste  n.  r.  Es.  D[IANA  LVCI- 
FERA]  Diana  n.  r.  stehend,  hält  eine  Fackel  mit  beiden  Händen,  im  Felde  S  — C 
Cohen  88.     „Wiesbaden,  beim  Hausbau  in  der  Langgasse  1850".    (K.) 

347.  Mittelerz:  FAVSTINA  AVGVSTA  Büste  n.  r.  Rs.  {[VjNO  Juno  m.  Schleier 
n.  1.  stehend,  hält  Schale  und  Scepter,  zu  ihren  Füssen  ein  Pfau,  im  Felde  S  — C 
Cohen  123.     „Spelzmülile  bey  Wiesbaden".    (K.) 

348.  Mittelerz,  gut  erhalten:  [FAVJSTINA  AVG  PI!  AVG  FIL  Süßte  n.  r.  Rs.  VENVS 
Yenus  n.  1.  stehend,  hält  einen  Apfel  und  stützt  sich  mit  dem  linken  Arme  auf  eine 
Säule  (?),  im  Felde  S-C     Cohen  271.     .,Bey  Mosbach  1845".    (K.) 

349.  Mittelerz,  sehr  zerstört:  FAVSTINA  AVGV[STA]  Büste  n.  r.  Es.  Stehende  weibliche 
Figur  n.  1.  hält  eine  Schale  (?) ;  näher  nicht  bestimmbar.     „Bey  Wiesbaden".    (K.) 

350.  G-rosserz,  sehr  zerstört:  FAVSTINA  A[VGVSTA]  Büste  n.  r.  Es.  Stehende  weibl. 
Figur  n.  I. ;  nicht  nilhar  bestimmbar.  „Wiesbaden,  Luisenstrasse  neben  der  Keichs- 
bank  1894". 

Lucius  Verus: 

351.  Mittelerz:  IMP  CAES  [L  AIVREL  V[ERVS  AVG1  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es. 
CONCORD  [AVGVSTIOR  TR  P,  im  Abschn.  COS  II  L-  '^erus  und  M.  Aurel 
reichen  sich  die  Hände,  im  Felde  S-Q  Cohen  35  (i.  J.  161).  „Neroberg  bey  Wies- 
baden 18  48".    (K.) 

352.  Mittelerz:  L  VERVS  AVG  AfRMENIACVS]  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  [LIBE- 
RAL] AVG  TR  P  V  IMP  il  COS  il  Liberalitas  n.  I.  stehend,  hält  eine  Tessera 
und  ein  Füllhorn,  zwischen  S  — 0  Cohen  120  (i.  J.  165).  aSpelzmühle  bey  Wies- 
baden 1844".    (E.) 

353.  Groaserz,  gut  erhalten:  L  VERVS  AVG  ARM  PARTH  MAX  Kopf  m.  Lorbeer n.r. 
Rs.  TR-P0T-Vl  IMP  Ili  COS  II  Armenier  oder  Parther  n.  r.  sitzend  unter  einem 
Tropaeum,  hinter  ihm  Schild,  vor  ihm  Bogen  und  Köcher,  im  Felde  S  — C  Cohen  199  ff. 
(i.  J.  166).     „Wiesbaden  1853".    (K.) 

Lucilla : 

354.  Mittelerz:  LVCILLAE  A[VG]  ANTONILNIl  AVG  [F]  Büste  n.  r.  Es.  VENVS 
Venus  n.  1.  stehend,  hält  Apfel  und  Scepter.  Cohen  73.  „Wiesbaden,  Michelaberg 
28.  August  1876".     Vgl.  Annal.  XIV,  436. 

Commodus : 

355.  Mittelerz,  sehr  TersoliliS"en:    [M   CjOMMODVS  ANT[ ]     Kopf  m.  Strahlen  n.  r. 

Es.  Stehende  weibliche  Figur  n.  1.,  hält  Caduceua  und  Scepter,  zwischen  S~C    Näher 
nicht  bestimmbar.     „Wiesbaden".    (K.) 

356.  Grosserz:   [M  CiOMMODVS    ANT[ ]     Büste  mit  Lorbeer  n.  r.     Es.  Stehende 

weibliche  Figur  n.  1.,  hält  Füllhorn  und  Wage  (?),    Umschrift  ganz  verlöscht.      „Wies- 
baden, Xeroberg  1867".     Vgl.  Inv.  1867  Juli  No.  53. 

357.  Grosserz,  sehr  verschliffen:  [M  CIOMMODVS  A[NTONIN]VS  AV[G  . .  .  .]  Kopf 
mit  Lorbeer  n.  r.  Es.  Stehende  Figur  n.  1.  mit  Scepter  und  Schale,  zu  den  Füssen 
ein  Altar  (Salus?),  Näher  nicht  bestimmbar.  „Über  den  Mergelgruben  bei  der  Hammer- 
mühle  1883".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  275  und  Annal.  XVIII,  296. 

358.*  Denar:  Nicht  näher  bestimmbar.  .,Gef.  bei  der  Eisenbahn,  unweit  Mosbach".  Nach  P.  Bl. 
No.  G  1855  S.  193. 

Clodius  Albinus: 

C59.  Grosserz :  0  ^  CL  ''  SEPT  -  ALBI#^  |*AES  Kopf  n.  r.  Es.  Fortuna  n.  1.  sitzend, 
hält  Steuerruder  und  FüiUiorn,  untren  om  H.J.,  irn  Felde  S— C;  <^ie  Umschrift  ist  ver- 
wischt, war  aber  wohl:  [FORT  REDVCI  TR  POl  003  11]  '^■ohm  35,  „Villa 
am  Neroberg  1341".    (K.) 

15 


230 

Septimius  Severus: 

360.  Grosserz,  verschliffen:  L  SEPT  SEV  PERT  AVG  IMP  [III  oder  !||1]  Büste  mit 
Lorbeer  und  Panzer  n.  r.  Es.  Drei  weibliche  Figuren  n.  1.  stehend,  jede  mit  Füllhorn 
und  Wage,  zwischen  S  —  C  I^ic  ganz  verwischte  Umschrift  war  wohl  sicher  [MONET 
AVG  COS  II  PP]     Cohen  335  oder  338  (i.  J.  194).     ,Bey  Mosbach'^.    (K.) 

361.  Denar:  L  SEP  SEVERVS  [PER  AIVG  P  M  IMP  XI  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r. 
-Rä-  PAR  AR  AD  TR  P  VI  COS  11  PP  Viotoria  n.  1.  stehend,  mit  Kranz  und 
Palme.     Cohen  361  (i.  J.  198).     , Wiesbaden  und  Umgebung'-'.    (K.) 

362.  Denar,  sohlecht:  L  SEP  SEV  PERT Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Eg.  Sitzende  weib- 
liche Figur  n.  I.,  hält  eine  Victoria  (?)  und  eino  Lanze,  nicht  sicher  bestimmbar  (viel- 
leicht mit  ROMAE  AETERNAE  Cohen  614).     „Wiesbaden  und  Umgebung".    (K.) 

Julia  Domna: 

363.  Denar:  |VLIA  PIA  [FELIX]  AVG  Büste  n.  r.  E^.  DIANA  LVCIFERA  Diana 
n,  1.  stehend  mit  einer  Fackel  in  beiden  Händen.  Cohen  32.  „Bei  den  Ausgrabungen 
am  Landgraben  1844". 

364.  Donar,  gefüttert:  JVLIA  AVGVSTA  Büste  n.  r.  Es.  |[VNO]  Stehende  Juno  n.  1. 
mit  Schale  und  Scepter,  zu  ihren  Füssen  ein  Pfau.  Cohen  82.  „Gref.  an  der  Spelz- 
mühle  Oktober  1857". 

365.  Denar,  sehr  gut  erhalten:  JVLIA  AVGVSTA  Büste  n.  r.  Es.  PIETAS  PVBLICA 
Pietas  n.  1.  vor  einem  brennenden  Altar  stehend,  erhebt  beide  Hände.  Cohen  156. 
„Wiesbaden".    (K.) 

366.*  „1  Julia  Domna  in  Silber.  In  der  Nähe  von  Wiesbaden  gefunden",  nach  Vorst.-Sitz. 
vom  8.  Juli  1830  §  12.'^) 

Caracalia : 

367.  Denar:  ANTONINVS  PIVS  AVG  Jugendlicher  Köpf  mit  Lorbeer  n.  r.  Es.  PONTIF 
TR  P  X  COS  II  Nackter  Mars  mit  fliegendem  Mantel  n.  r.  eilend,  trügt  ein  Tropaeum 
auf  der  linken  Schulter  und  hält  eine  Lanze.  Cohen  431  (i.  J.  207).  „Gef.  Wies- 
baden 1859". 

36S.  „Eine  Silbermünze  von  Antonius  (sie!)  Caracalia,  ungefähr  50  Schritte  von  vorigem 
(einem  Bronzering)  entfernt  gefunden"  (in  der  Kirchgasse)  nach  P.  Bl.  No.  9  und  10 
1856  S.  292,  4.  Dieselbe  Mün2e  beschreibt  das  handschriftliche  Verzeichnis  der  von 
Lugenbühl  angekauften  Altertümer,  nach  welchem  der  Bericht  in  den  P.  Bl.  gemacht 
ist,  No.  4:  ,Eiue  Silbermünze  von  Antoninus  Caracalia,  die  liückseite  ein  laufender 
Löwe  mit  der  Umschrift....":  danach  kann  es  eine  der  Münzen  mit  [PM  TR  P  XVIII 
oder  XVIIII  COS  lill  PP]  sein.     Cohen  320  ff.  oder  367  ff. 

369.*  „Eine  Silbermünze  von  Antoninas  Pias  (Caracalia),  gaf.  bey  Wiesbaden"  nach  Protok. 
der  Vorst.-Sitz.  vom  12.  Januar  1826  §  6.     Vgl.  oben  Anm.  10. 

Plautilla: 

370.*  „Silbermünze  der  Plautilla,  gef.  am  Landgraben  bey  Mosbach  1854"  nach  P.  Bl.  1854 
No.  3  S.  86  und  Kihm:  XIX.  Verzeichnis  römischer  Münzen  No.  26.    Vgl.  Annal.  V,  3.  66. 

Geta: 

371.  Denar,  sehr  gut  erhalten:  L  SEPTIIVIIVS  GETA  CAES  Jugendliche  Büste  mit 
Mantel  n.  r.  iLi.  SPEI  PERPETVAE  Spea  n.  1.  halt  eine  Blume.  Cohen  192. 
„Gef.  am  Landgraben  bey  Mosbach  1844".  (K.) 

372.  Grossorz:  AVKAACGFI  TGTACA  Jugendlicher  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  ganz 
verrichliiren;  erkennbar  erscheint  noch  ein  achtsäuliger  Tempel  mit  Giebel  (Münze  einer 
griech.  Stadt,  wohl  Kleinasiens).     »Gef.  bey  Rambach,  April  1858"  (Rössel), 


^')  Die  Nummern  365  und  366*  dürften  koum  identisch  sein;  vgl.  Anm.  59;  die  Mög- 
lichkoit  kann  aber  nicht  abgeleugnet  werden. 


231 

Macriniis: 

373.  Mittelerz:  IMP  CAES  M  OPEL  SEV  MACRINVS  AVG  Büste  mit  Lorbeer, 
Panzer  und  Mantel  n.  r.  lU.  RONTIF  MAX  TR  P  II  COS  II  PP  Nackter  Jupiter 
n.  1.  stehend,    halt  Blitzstrahl    uud   Sceyter.     Cohen   91    (i.  J.  218).     „Wiesbaden".  (K.) 

Elagabalus: 

374.  Denar,  schlecht:  IMP  ANTONINVS  AVG  Büste  m.  Lorbeer,  Mantel  und  Panzern,  r. 
-S»- [LIBERTAS]  AVGVSTI  Liberias  n.l.  sitzend,  hält  Mütze  und  Scepter.  Cohen  101. 
„Bey  Wiesbaden*^.  (K.) 

375.  Denar,  gut  erhalten:  |MP  CAES  ANTONINVS  AVG  Büste  m.  Lorbeer  und 
Mantel  n.  r.  Rs.  MARS  VICTOR  Behelmter  nackter  Mars  mit  nachflatterndem 
Mantel  eilt  n.  r.  mit  Lanze  und  Tropaeum.  Coiion  109.  „In  der  Hasselt  bey  Bier- 
stadt".  (K.) 

376.  Denar,  gut  erhalten:  JMP  ANTONINVS  PIVS  AVG  Büste  mit  Lorbeer  n.  r. 
Bs.  VICTORIA  AVG  Aufschwebende  Victoria  mit  einem  kleinem  Schilde  zu  jeder 
Seite.     Cohen  300.     „An  der  Hammermühle  1884".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  290. 

Julia  Maesa: 

377.  Denar:  IVLIA  MAESA  AVG  Büste  n.  r.  Es.  PVDICITIA  Pudieitia  n.  1.  sitzend, 
hält  ein  Scepter  und  erfaast  mit  der  r.  Hand  ihren  Schleier.  Cohen  36.  „Gef.  Wies- 
baden in  der  warmen  Quelle  des  „Schwanen"   1870".     Vgl.  Iut.  1870,  No.  9. 

378.  Denar,  gut:  Av.  wie  bei  No.  377.  Es.  SAECVLI  FELICITAS  Felicitas  n.  1.  stehend, 
hält  Schale  und  Caduceus,  zu  ihren  Füssen  ein  flammender  Altar,  im  Felde  ein  Stern. 
Cohen  45.    „Wiesbaden  im  Kursaal-Weiher".    Vgl.  Mitteil.  No.  5  u.  6  1867,  S.  16  u.  27. 

Sevepus  Alexander: 

379.  Denar:  JMP  C  M  AVR  SEV  ALEXAND  AVG  Büste  m.  Lorbeer  und  Mantel  n.  r. 
■Rs-  PAX  AVG  Laufende  Fax  n.  1.,  hält  Ölzweig  und  Scepter.  Cohen  187.  „Wies- 
baden hinter  dem  Exerzierplatz  1855"  (nicht  ganz  richtig  beschrieben  in  P.  Bl.  No.  7 
1855,  S.  230). 

380.  Dieselbe  Münze.  „Gref.  Wiesbaden  am  alten  Kirchhof,  Januar  1884".  Vgl.  Inv.  d.  M. 
No.  279, 

381.  Denar,  gefüttert:  |MP  C  M  AVR  SEV  ALEXAND  AVG  Büste  m.  Lorbeer  und 
Mantel  n.  r.  Es.  PM  TR  P  VI  COS  II  PP  P»^  wie  No.  379  f.  Cohen  319  (i.  J. 
227).     „üef.  bey  Mosbach".  (K.) 

382.  Denar,  gut:  |MP  ALEXANDER  PIVS  AVG  Büste  m.  Lorbeer  und  Mantel  n.  r. 
Es.  PM  TR  P  X  COS  III  PP  Sol  m.  Strahlen  n.  1.  stehend,  hält  eine  Kugel. 
Cohen  411  (i.  J.  232).     „Bey  Wiesbaden  1848".  (K.) 

383.  Mittelerz,  ziemlich  gut:  IMP  CAES  M  AVR  SEV  ALEXANDER  AVG  Büste  m. 
Lorbeer  und  Mantel  n.  r.  Es.  [PONTIF  MAX]  TR  P  III  COS  PP  Weibliche 
Figur  n.  1.  sitzend  vor  einem  Altar,  hält  ein  Scepter,  im  Abaohn.  S  C  Cohen  475 
(i.  J.  224).     „Gef.  im  Höfchen  unterhalb  der  Platte".  (K.) 

384.*  „Ein  Alexander  Severus  Silber  (gef.)  bey  Mosbach"  Kihm  in  der  Aufzählung  von  28 
bei  den  Ausgrabungen  in  der  Umgebung  von  Wiesbaden  gefundenen  Münzen  s.  oben 
8.  213.     Nicht  näher  bestimmbar. 

385.*  „1  Alexander  Severus  Bronze  (d.  h.  Mittelerz)  (gef.)  im  Höfgen"  (sie).  Kihm  in  dem- 
selben Verzeichnis  nennt  unter  No.  13  und  14  je  einen  Alex,  Severus  von  Bronze;  die 
eine  der  Münzen  ist  jedenfalls  oben  No.  383,  die  andere  nicht  näher  bestimmbar.  Vgl. 
auch  Annal.  V,  3.  26. 

Julia  Mamaea: 

386.*  „Zuletzt  wurde  beim  Planiren  noch  eine  Erzmünze  der  Julia  Mamaea  gefimden". 
Annal.  V,  3.  57  (bei  Grabungen  in  der  Nähe  der  Infanterie-Kaserne  zu  Wiesbaden), 
jedenfalls  Grosserz,  da  nur  solche  in  der  Sammlung  vertreten  sind;  näher  aber  nicht 
bestimmbar. 


232 
Gordian : 

387.  Antoninian,  gut  erhalten:  IMP  CAES  M  ANT  GORDIANVS  AVG  Büste  mit 
Strahlenkrone  n.  r.  Rs.  VICTORIA  AVG  Victoria  n.  1.,  hält  Kranz  und  Palme. 
Cohen  357.     „In  der  Hasselt  bev  Bierstadt".    (K.) 

Philippus  I. 

388.  Antoninian,  gut  erhalten:  JMP  M  IVL  PHILIPP VS  AVG  Büste  m.  Strahlenkroae 
n,  r.  Es.  ADVENTVS  AVGG  Der  Kaiser  zu  Pferde  n.  1.  hält  eine  Lanze.  Cohen  3 
(i.  J.  244).     „Wiesbadens    (K.) 

389.*  „Süber:  |MP  IVL  PHILIPPVS  AVG  -R^-  Stehende  Ceres  AEQVITAS  AVGG" 
Nach  P.  Bl.  No.  9,  1859,  8.  226  und  Inv.  1859  vom  9.  Februar,  No.  249.  „Wiesbaden, 
Neroberg".  Die  Umschrifter!  scheinen  nicht  ganz  richtig  gelesen,  daher  nicht  näher 
bestimmbar. 

390.  Antoninian:  |MP  PHILIPPVS  AVG  Büste  m.  otrahlonkrone  n.  r.  Es.  ROMAE 
AETERNAE  Sitzende  Roma  n.  1.  vor  einem  Altar,  mit  Victoria  und  Scepter,  dabei 
ein  Schild.  Cohen  171.  „Wiesbaden,  Schützenhof,  Frühjahr  1367"  (im  Inv.  1867, 
No.  49   und  Antiquar.  Notizbuch  Mai  1867  ist  die  Münze  nicht  ganz  richtig  bestimmt). 

Philippus  n.: 

391.  Antoninian,  gut  erhalten:  IMP  M  IVL  PHILIPPVS  AVG  Büste  mit  Strahlen  und 
Mantel  n.  r.  Es.  AEQVITAS  AVG  Aequitas  n.  1.  stehend  mit  Wage  und  Füllhorn. 
Cohen  1.     „Wiesbaden,  Langgasse  in  der  Lade'schen  Hofapotheke  1883". 

Herennia  Etruscilla: 

392.  Antoninian:  HER  ETRVSGILLA  AVG  Büste  ra.  Diadem  n.  r.  Es.  PVDICITIA  AVG 
Sitzende  Pudicitia  n.  1.  hält  ein  Scepter  und  erfasst  ihren  Sohleier.  Cohen  19.  „Wies- 
baden, Frankengräber  am  Schiersteinerweg,  befand  sich  am  Ohrring  Inv.  No.  9311,  da- 
her noch  durchlöchert".     Vgl,  Inv.  d.  M.  No.  391.^*) 

Trebonianus  Gallus: 

393.  Antoninian,  etwas  verachliffen:  IMP  C  C  VIB  TREB  GALLVS  AVG  Büste  mit 
Strahlenkrone  n.  r.  Es.  |VNO  IVIA[RTI]ALIS  Juno  n.  1.  sitzend,  hält  2  Ähren  und 
ein  Scepter.     Cohen  46.     „Wiesbaden".    (K.) 

Gallienus : 

394.*  .  .  eine  Erzmünze  des  Gallienus  (Rev.  Liberalitas)  gefunden  „bei  den  Ausgrabungen 
rom.  Gebäude  am  Hollerborn  1826".  Nach  Annal.  I.  2  u.  3,  S.  145;  nicht  näher  be- 
stimmbar. 

395.*  „Römiflche  Münze  (sie!)  aus  der  Zeit  Galliens  wurden  vorlängst  in  don  benachbarten  Gärten 
(bei  der  alten  Burg  auf  dem  jetzigen  Markt)  ausgegraben"  nach  Zimmermann,  Wies- 
baden und  seine  Umgebungen  1826,  S.  42;  dieselben  können  sich  unter  den  mit  der 
Z.'schen  Münzsammlung  in  das  Museum  gekommenen  Gallienusmünzen  befinden,  s.  oben 
Anm.  4,  II. 

396.*  KleLnerz:  „Februar  wurde  auf  der  Stelle  des  fränkischen  Todtenfeldea,  verlängerte 
Schwalbacherstrasse  der  Artillerie- Kaserne  gegenüber  wieder  ein  Grab  gefunden,  dessen 
Inhalt  .  .  .  angekauft  wurde:  es  waren  .  .  .  eine  Münze  von  Licinius  Oallienua  (Klein- 
Bronze)  und  unkenntliches  Mittelerz".  Nach  Antiq.  Notizbuch  1868,  S.  6.  Näher  nicht 
bestimmbar. 


'*)  Die  Fundangabe  ist  nicht  ohne  Bedenken ;  denn  nach  Mitteil,  an  die  Mitgl.  No.  2 
1868,  S.  32  soll  „ein  Ohrgehäng  aus  drei  Gliedern,  im  letzten  Ring  eine  Perle  .  .  .  und  eine 
Münze  ün  Silber)  Av.  Etruscilla.  Es.  Sitzende  Pietas.  Umschrift  DVDICITIA  AVG"  «"8 
der  Sammlung  des  Herrn  N.  Lob  in  Bingen  in  das  Museum  gekommen  sein;  die  Zu- 
verlässigkeit dieser  Angabe  ist  wohl  unantastbar;  sollte  aber  der  Zufall  zweimal  genau 
dieselbe  Münze  unter  ganz  gleichen  Umständen  in  das  Museum  gebracht  haben? 


^Ö6 

Claudius  IT.: 

397.  Kleinerz:  DIVO  CLAVDIO     Kopf  mit  Strahlenkrone    n.  r.     F$.  CONSECRATIO 

Altar,   im  Abschn.?     Cotiom   50  (?)     „Gef.    bei  der  Ausgrabung   am  Landgraben   1844", 

Tetricus: 

398.  Kleinerz:  jMP  TETRICVS  PF  AVG  ßüate  mit  Strahlenkrone  und  Panzer  n.  r. 
jR-''-  Hl  LA  RITAS  AVGG  '^t3hende  Hilaritaa  n.  1.  mit  Füllhorn  und  Palme.  Cohen  54. 
„Wiesbaden  1848". 

399.  Kleinerz:  JMP  G  T[ET1RICVS  PF  AVG  Büate  mit  Strahlen  n.  r.  Es.  SALVS 
AVGG  Stehende  Salus  n.  1.,  fütrert  eine  um  einen  Altar  geringelte  Schlange. 
Cohen  154  oder  155.     , Wiesbaden"  (Sandberger). 

400.  Kleinerz,  geringster  Grösse  (wohl  barbarischer  Prägung):  Tetricus,  nicht  genauer  zu 
bestimmen.     „Wiesbaden"   1893.     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  505. 

Diocletian: 

401.  Mittelerz,  ziemlich  gut  erhalten:  |MP  DIOCLETIANVS  PF  AVG  Büste  m.  Lorbeer 
und  Mantel  n.  r.  Es.  GENIO  POPVLI  ROMANI  Genius  m.  Schale  und  Füllhorn 
n.  1.  stehend,  im  Felde  A  "nd  ein  Stern,  im  Abschn.  T  . . .  Nicht  genau  bestimmbar. 
, Wiesbaden,  Schützenhof  1867". 

Maximian: 

402.  Mittelerz:  |MP  MAXIMIANVS  PF  A[VG1  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  SALVIS 
AVGG  [ET  CAESIS  FEL  KART  Weibliche  Gestalt  n.  l,  stehend  hält  Früchte. 
Cohen  510.     „Wiesbaden,  Kapellenstrasse".     Vgl.  Inv.  d.   iL  No.  364. 

403.*  Bronze-Münze  von  Maximian  Hercul.  „Wiesbaden".  Nach  Inv.  1870,  No.  29.  Nicht 
naher  bestimmbar. 

Constantius  Chlorus: 

404.  Mittelerz,  etwas  verschliffen:  FL  VAL  GONSTANTIVS  NOB  CAES  Kopf  mit 
Lorbeer  n.  r.  Es.  HERCVLI  VICTGRI  Nackter  Hercules  n.  1.  stehend,  mit  Keule 
und  Löwenhaut,  im  Felde  S  — P  (?J  darüber  A     Cohen  150.     „Wiesbaden".    (K.) 

405.  Mittelerz:  GONSTANTIVS  NOB  GAES  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  SACRA 
MONETA  AVGG  ET  CAESS  [NOSTRJ  Moneta  n.  I.  stehend  mit  Wage  und 
Füllhorn,   im   Abschu.?     Cohen   264.      ^Wiesbaden,   im  Waisenhausgarten    1854".    (K.) 

Helena: 

406.  Kleinerz,  Quinar:  FL  |VL  HELENAE  AVG  Büste  mit  Diadem  und  Mantel  n.  r. 
-R»-  [PAX  PVIBLICA  i'ax  n.  1.  stehend,  hält  Zweig  und  Scepter,  im  Abschn.  TRS-  l?) 
Cohen  4.     „Wiesbaden".    {K.) 

Theodora: 

407.  Kleinerz,  Quinar:  [FL  MAX  THE01D0[RA]  AVG  Büste  m.  Lorbeer  n.  r.  Es. 
[PIETAS  REI]  PVBLICLAE]?  Stehende  Figur,  ähnlich  der  bei  Cohen  VII»,  p.  98 
abgebildeten;  obige  Bestimmung  scheint  nicht  ganz  sicher.  „Gef.  Wiesbaden,  Adelheid- 
strasse (bei  Zimmermeister  Garner)  in  einem  fränkischen  Grabe  1869".  Vgl.  Inv.  1869 
No.  28  =  Z.  K.  2780. 

Licinius  I.: 

408.  Kleinerz,  recht  gut  erhalten:  IMP  LICINIVS  PF  AVG  Büste  mit  Lorbeer,  Panzer 
und  Mantel  n.  r.  Es.  GENIO  POP  ROM  Genius  m.  Mauerkrone  n.  L  stehend,  zu 
beiden  Seiten  T— F,  im  Abschn.  PTR  Cohen  53.  „Gef.  Wiesbaden,  beim  Bau  des 
Schlossermeisters  Schweizer,  Saalgasse  No.  5,  1880".     Vgl.  Inv.  d.  M.  No.  59. 

409.  Mittelerz,  gut:  |MP  LIC  LICINIVS  PF  AVG  Büste  mit  Diadem  und  Panzer  n.  r. 
Ä-  lOVI  CONSERVATORI  AVGG  NN  Stehender  Jupiter  n.  1.,  hält  ein  Scepter 
und  eine  Victoria  auf  einer  Kugel,  zu  seinen  Füssen  ein  Adler  mit  Kranz  im  Schnabel, 
im  Abschn.  TS  •  ^     Cohen  123.     „Gef.  am  Landgraben  1853".    (K.) 


234 
Licinius  II.: 

410.  Kleinerz,  schlecht:  LICINIVS  !VN  NOB  C  Püste  m.  Strahlenkrone  u.  Mantel  n.  r. 
-R«-  [BEATA  TRANQVILLITAS]  Altar,  auf  dem  eine  Kugel  und  3  Sterne,  vorn 
VOTIS  XX  Im  Abschn.  sehr  wenig  erkennbar  AQ  (?)  Fehlt  bei  Cohen  VII*,  p.  213. 
„Wiesbaden,  Sohützenhof". 

Constantin  der  Grosse: 

411.  Kleinerz:  CONSTANTINVS  AVG     Büste   m.  Helm  u.  Panzer  n.  r.     Rs.  BEATA 

VO 
TRANQVILLITAS    Altar,  auf  welchem  eme  Kugel,  vorn  die  Inschrift  TIS    im   Ab- 
schnitt STR-     Cohen  20.     ,Gef.  Sauerborn  in  Dotzheim".     Vgl.  Inv.  1876,  No.  29. 

412.*  Kleinerz:  |MP  CONSTANTINVS  PF  AVG  Hs^  GENIO  POP  ROM  Nach 
P.  Bl.  No.  7  1855  S.  230.  „Gef.  "Wiesbaden  an  der  Schwalbacher  Chaussee".  Näher 
nicht  bestimmbar. 

413.  Kleinerz:  CONSTANTINVS  MAX  AVG  Büste  m.  Diadem  und  Mantel  n.  r.  Es. 
GLORIA  EXERCITVS  Zwei  Soldaten  mit  Schild  und  Lanze,  zwischen  ihnen  zwei 
Feldzeichen,  im  Abschn.  ///RS"  Cohen  254  oder  256/57  (?)  »Gef.  bei  der  Ausgrabung 
am  Landgraben  1844". 

414.  Kleinerz,  gut  erhalten:  ebenso,  im  Abschn.  TR  •  P  Cohen  254,  „Gef.  Wiesbaden, 
Ki-auzplatz  1841/42  bei  Schneider  Seel  im  Hof".    (K.) 

415.  Dieselbe  Münze,  im  Abschn.  RTP  (?)  „Wiesbaden  in  der  warmen  Quelle  des  Schwanen 
1870".     Vgl.  Inv.  1870,  No.  9. 

416.*  Kleinerz,  mit  GLORIA  EXERCITVS    Näher  nicht  bestimmbar.    Nach  P.  Bl.  No.  11 

1859    S.   285.     „Gef.    Wiesbaden    Römerstrasse    nach    Castell,    260'    entfernt   von    der 

Artillerie-Kaserne".") 
417.*  „Ein  Constantinus  aug.  mit  Gloria  exercitus.    Bei  Wiesbaden".    Nach  Vorst.-Sitz.  vom 

12.  Janaar  1826  §  6.     Vgl.  oben  Anm.  10  und  59. 
418.*  Kleinerz:  DN  CONSTANTINVS  AVG     üs.  wie  vorher.     Näher  nicht  bestimmbar. 

„Wiesbaden  gegenüber  dem  Mauritiusplatz,  auf  Walthers  Bauplatz  im  Schutt,  April  1869". 

Vgl.  Inv.  1869,  No.  3. 
419.  Kleinerz    Constantins    I.:      Rs.    GLORIA    EXERCITVS     Näher    nicht    bestimmbar. 

„Wiesbaden,  Poulet'sches  Haus  (Ecke  Marktstrasse  und  Kirchgasse)  29.  Mai  1888.     Vgl. 

Inv.  d.  M,  No.  457. 
420.*  Münze   von   Constantin  d.   Gr.:     Rs.    PROVIDENTIAE   AVGG     «Gef.   Wiesbaden, 

Mauritiusplatz".     Nach  Rössel:  Kirchliche  Denkmäler  von  Wiesbaden  S.  29. 
421.*  „Ein   Constantinus,    Kleinerz:    Rs.  Providentia  Augg,  ein  Thorban,    PTR"     Nach  Inv. 

1859  2.  März  No.  221.     Cohen  VII*,  p.  281.     „Wiesbaden  am  Kursaal". 
422.*  Kleinerz:  „CONSTANTINVS  AVG    Kopf  n.  1.     Rs.   SARMATIA  DEVICTA 

Victoria  n.  1.  schreitend,  im  Abschn.  STR"^    Cohen  487  (?)    „Wiesbaden  in  der  warmen 

Quelle  des  „Adler"   12.  Januar  1870-.     Nach  Rossel's  Verzeichnis  des  Fundes  No.  XI. 
423.  Kleinerz:   CONSTANTINVS    AVG     Kopf  n.   r.    Rs.   SARMATIA    DEVICTA 

Victoria  n.  r.,  im  Abschn.  PLC     Cohen  487/488  (?)     „Wiesbaden  am  Todtenhof".     Vgl. 

Inv.  1879,  No.  19  =  Z.  K.  426. 
424.*  „Kleinerz:  Brustbild  CONSTANTINVS  PF  AVG    Rs.  Der  Sonnengott,  die  Rechte 

ausgestreckt,  in  der  Linken  eine  Kugel,    zwischen  T— F     Umschrift  SOLI  INVICTO 

COMITI     Im  Abschn.  PTR"     Nach  Mitteil.  No.  2  1863  S.  47.     Vielleicht  Cohen  525. 

„Wiesbaden  bei  der  Artillerie-Kaserne". 


^^)  Kleinerze  mit  „gioria  exercitus"-Rever8,  bei  denen  aber  wegen  der  nicht  mehr  er- 
kennbaren Umschrift  des  Averses  nicht  mit  Sicherheit  zu  entscheiden  ist,  ob  sie  dem  Constantin 
oder  einem  seiner  Söhne  angehören,  sind  noch  an  folgenden  Stellen  gefunden:  1.  „Wiesbaden 
1859"  (ob  =  416*?j,  2.  Emserstrasse  11,  1880  (vgL  Inv.  d.  M.  No.  62),  3.  „im  Bering  des 
Castells  bei  den  Gräbern  in  Rambach  1845",  4.  CON VS  PF  AVG  -R«-  wahrschein- 
lich gioria  exercitus-Darstellung,  „gef.  im  Steinbruch  am  Bierstädter  Berg  1853". 


235 

424a.  Mittelerz:  ||VI[P  CONISTANTINVS  P  AVG  Büste  m.  Lorbeer,  Mantel  u.  Panzer  (?) 

n.  r.     Rs.  SOLI  INVICTO  COIVIITI     Sol  n.  1.  stehend,  zwischen  J-  f     Im  Abschn. 

PLN  (?)     Cohen  535.     „Wiesbaden  im  Dambachth-.il  IHeS"*. 
425.*  .Silber:  D  N  CONSTANTiNVS  PF  AVG    ^^V  VICTORIA  AVGG  etc."     ,Gef. 

"Wiesbaden  in  einem  Skelettgrabe  im  Hof  von  Nerostrasse  20,  August  1869  (neben  dem 

rechten  Handgelenk  der  Leiche)"  nafih   einer  briefiich>jn  Mitteilung  Dr.  Rosseis  an  den 

Vorstand  vom  23.  August  1869.    Ygl.  lav.  1869  Xo.  ^l .    Xüher  nicht  bestimmbar;  war 

aber  wohl  versilbertes  Klein^rz. 
426.  Kleinerz,  sehr  schlecht:  IMF  CONSTANTINVS  AVG     Büste  m.  Strahlenkrone  und 

Panzer  n.  1.    Es.  VICTORI^^  lil^'Ä^  ^M^MW  ^'^"O»  Victorien  setzen  einen 

Schild,   auf  welchem    VOT  PR  steht,    auf  einen  Altar.    Abscha.  zerstört;   nicht  genau 

bestimmbar.    ..Gof.  auf  dem  Pflaster  der  Römerstrasse  bei  der  Neumühle,  Septemb.  1859**. 
427.*  „Ein  kupferner  Constantin,  vor  dem  hie.sigen  Kursaal  gefunden",  nach  Verzeichnis  der 

,  .  .  eingekommenen   Beiträge    vom    28.   Juni    1822   No.    13,   s.  oben  S.  182.     Ist  doch 

wohl  Constantin  der  Grosse. 
428.*  .Auch  eine  Münze  .  .  .  von  Constantinus  Magnus  wurde  bei  dieser  Gelegenheit  {Schlosa- 

bau  in  Wiesbaden  1837)  gefunden".     Nach  Annal.  XVII,  142,  Anm.  1. 
429.*  Kleinbrorzo  von  Constantin  nach  Inv.  1876  No.  75  uud  Annal.  XIV,  436.     „Wiesbaden 

Mainzer  Landstrasse". 
430.*  Ein  Con^tantinua  an  der  ,SpelzMühI".    Nach  Kihm's  Verzeichnis  oben  S.  213,  18  (falls 

nicht  identisch  mit  No.  457). 
431.*  432.*  „Constantin  gef.    Steingass"    (1841).     S.  oben   Kihm'a  Notiz  Anm.    62;   dieselben 

dürfteu  mit   keiner   der    von   Kihm    mit   dem    Fundvermerk    „Wiesbaden"    versehenen 

Münzen  der  Constantinischen  Zeit  identisch  sein, 

Constantinopolis : 

433.  Kleinerz,  Quinar:  CONSTANTINOPOLIS  Büste  m.  Helm,  Kaisennantel  u.  Scepter 
n.  1.  Es.  Ohne  Umschrift,  Victoria  mit  dem  rechten  Fuss  auf  einem  Scbififsvorderteil 
stehend  und  auf  einen  Schild  sich  stützend,  im  Abschn.  ?  Cohen  VIP,  p.  326  No.  22. 
„Ausgrabung  am  Landgraben  1844." 

434.  Dieselbe  Münze.     Cohen  21,  im  Abschn.  TRP     ., Wiesbaden". 

435.  Dieselbe  Münze,  nur  Umschrift  CONSTANTlNOPOLI  (sie!),  im  Abschn.  ?  „Aus- 
grabung am  Landgraben  1844". 

Roma: 

436.  Kleinerz:  VRBS  ROMA  Büste  mit  Helm  und  Mantel  n,  1.  Es.  Wölfin,  Romulua  u. 
Eemus  säugend  n.  ].,  darüber  zwei  Sterne.  Im  Abschn.  P  CONST  Cohen  VIV, 
p.  330  No.  17.     „Ausgrabung  am  Landgraben  1844". 

Crispus : 

437.  Kleinerz:    CRISPVS    NOBIL   C     Büste    mit  Helm   und   Panzer  n.  1.     Es.   BEATA 

VO 
TRANQVILLITAS     Altar,  auf  dem  eine  Kugel,  vorn  die  Aufschr.  TIS,      im     Felde 

E(?)  — B     Im  Abschn.  PLÖN     Cohen  13.     „Wiesbaden,  Museumshof  1855".    (K.) 

438.  Kleinerz:  CRISPVS  NOBIL  C  Büste  mit  Helm  und  Panzer  n.  1.,  hält  Schild  und 
Lanze.    Es.  Ebenso  wie  437,  im  Abschn.  ebenfalls  PLÖN    Cohen  14.    „Wiesbaden".  (K.) 

4.39.  Klcinerz:  |VL  CRISPVS  NOB  CAES  Büste  m.  Lorbeer,  Mantel  und  Adlerscepter 
n.  r.     Es.  Ebeuso  wie  487,  im  Abschn.  -PTR     Cohen  19.     „Wiesbaden".    (K.) 

440.  Kleino.z:  CRISPVS  NOB  CAES  Büste  wie  439.  Es.  wie  437,  im  Felde  C— R 
Im  Abschn.  PLC     Fehlt  bei  Cohen.     „Wiesbaden".    (K.) 

441.  Kleinerz,  gut  erhalten:  |VL  CRISPVS  NOB  C  Kopf  m.  Lorbeer  n.  r.  Es.  ümschr, 
CAESARVM  NOSTRORVM,  im  Felde  in  einem  Kranze  VOT  im  Abschn.  >  SIS A 
Cohen  44.     „Wiesbaden".    (K.) 

442.  Kleinerz,  gut  erhalten:  CRISPVS  NOB  CAES  Büste  m.  Lorbeer  und  Panzer  n.  r. 
Es.  DOMINOR  NOSTROR  CAESS,  im  Felde  in  einem  Kranze  ^g'''  Im 
Abschn.  RT     Cohen  65.     „Wiesbaden". 


236 

443.  Kleinerz:  FL  IVL  CRISPVS  NOB  CAES  Büste  m.  Lorbeer  und  Panzer  n.  r.  Es. 
PROVIDENTLIA  .  . . .]  Thorbau  mit  zv'.v;  Thürmen,  zwischen  denen  ein  Stern,  Ab- 
schnitt PTiil!     „Wiesbaden,  Schützenbut',   A.pril  1S66''. 

Constantin  II.: 

444.  Kleinerz,  Tersch!i;Tr?ri:  CONSTANTiNVS  IVM  NOB  C  Kopf  mit  Lorbeer  n.  r. 
Es.  CAESARVM  NCSTRORViVI,  '-'  f'slJe  'R  einem  Kranze  VOT  jj^  Abschn. 
STR     Cohen  38.     ^Wiesbaden   im  Mjvöthal,   12'  t^l"'". 

445.*  „Kleinerz:  . . .  CONSTANTINVS  IVN  NOB  C  Kopf  mit  dem  Diadem  Rs.  GLORIA 

EXERC -  Kric.-^r  eine  Standarte  haltcn-i,  Im  Abschn.  SMRT"     Wohl  Cohen 

114  oder  llö  f?),  nach  Armal.  111,  3.   176.    .,"W'o^ba<l'?n.  beim  Planieren    eines  Weges". 

44Ö.  Kleinerz:  CONSTANTINVS  !VN  NOS  O  Bü- ■;.;•.  mit  Lorbeer  und  Panzer  n.  r. 
Es.  GLORIA  EXERCITVS  Zwei  Solu.!: «,n  scehenJ,  /.wisclien  ihnen  zwei  Feldzeichen, 
im  Abschn.  JR  •  P     Cohen  12-2.     ^Wiepbaden", 

447.  Kleinerz:  CONSTANTiNVS  IVN  NOB  C  ßüste  mit  Lorbeer  und  Mantel  n.  r. 
Eg.  PROVIDENTiAE  CAESS  Thor  mit  zwei  Thürmen,  zwischen  ihnen  ein  Stern, 
im  Abschn.  PLÖN     Cohen  164.     , Wiesbaden,  am  Landgraben  1860". 

Constans: 

448.  Kleinerz:    CONSTANS Büste   m.  Diadem  'und  Mantel  n.  r.     Es.  Typus    der 

gloria  oxercitus-Miinzen  mit  l  Feldzeichen,  Umschrift  zerstört,  im  Abschn.  SARL 
Cohen  VII',  p.  413  No.  öS  tf.  „Wiesbaden,  AJelheidstrayse,  beim  Hausbau  des  Zimmer- 
manns Gerner,  in  einem  fränkischen  Grabe",  zusammen  mit  No.  107.  449.  450.  460. 
Vgl.  Inv.1869  Xo.  29  =  Z.  K.  2780. 

449.  Kleinerz:  CONSTANS  P  F  AVG  Bfiste  wie  4-18.  Es.  Wahrscheinlich  ebenfalls 
gloria  exercitus-Typu8.     ^üof.  mit  Xo.  448". 

450.  Kleinerz:  [CONSTANS ''l  P  F  AVG  tiüste  wie  448.  Es.  Scheint  gloria  exercitus 
Typus,  aber  nicht  ganz  sicher.     „Gef.  mit  No.  448." 

451.*  „1  Constans  in  Kleinerz'-  nach  Prot,  lor  Yorst.-Sitz.  vom  8.  Juli  I8;i0  §  12.  „Gef.  in 
der  Nähe    'on  "Wiesbaden'. 

Constantius  IL: 

452.  Mittelerz:  D  N  CONSTANTIVS  P  F  AVG  B'iste  m.  Lorbeer,  Panzer  u.  Mantel 
n.  r.  Rs.  FEL  TEMP  REPARATIO  Constantius  n.  I.  in  einem  ScbiiTe  stehend, 
hält  eine  Victoria  und  ein  Labarum,  hinter  ihm  eine  sif-ende  Victoria,  das  Ruder 
haltend,  im  Abschn. -)♦(:  Dd     y?)     Cohen  .>2  ff.     „Wiesbaden  Schützenhof,  April  1866''. 

4.'.3.  Mittelcrz,  verschliffen:  Q  N   CONSTA AVG     Büste  m.  Helm  und  Mantel  n.  r. 

Jis".  Ähnlicl'.e  Darstellung  wie  hei  >o.  4.'i.  Umschrift  ganz  verwischt.  Wohl  Cohen 
No.  ü2  ff.     „Wiesbaden,  südlich  der  «nglischeu  Kirche  ISSO'-.     Vgl.  luv    d.  M.  No.  Gl. 

4J4.  Klcinerz:  D  N  CONSTANTIVS  PF  A[VG]  B^iäte  i.iit  Diadom  und  Mantel  n.  r. 
Es.  FEL  TEMP  REPARATIO  'O'^^^  teilweise  leii)ar;  Pr.öni:!  n.  r.  auf  eir.er  Kugel, 
Abschn.  zerstört.  Cohen  57.  „Wiesbaden,  Gräberfeld  an  der  Artillerie-Kaserne  1859, 
Grab  No.  1". 

455.  Kleiuerz:  Ebenso,  nur  Phönix  auf  dem  Scheiterhaufen.  Cohen  58.  „Gef.  mit  454  zu- 
sammen'", beide  schlecht  erhalten.  Vgl.  noch  P.  B!.  No.  11  1S59  S.  281  und  Inv.  1859 
19.  August  No.  446/47. 

456.  Kleinorz,  Quinar:   FL  IVL  C AVG      Büste  m.    Diadem    und  Panzer  n.  r.      E.<f. 

GLORIA  EXERCITVS  Zwischen  den  SoldatLa  ein  Feldzeichen,  im  Abschn.  TRP 
dahinter  Palme.  „Wiesbaden,  im  Garten  des  Hauses  F.  icdrichstrasse  38,  1S75.  Vgl. 
Annal.  XIV,  430  und  Tnv.   1875  No.  47  (,kann  auch  CoüstanB  sein). 

457.  Kleinerz:  .  .  .  CONSTANTJIVS  NOB  C  Büste  ait  Lorboor  und  Mantel  n.  r.  Es. 
Gloria  exercitus  mit  zwei  Feldzeichen,  im  Abschn.  TRP  *  Cohou  104  (?)  „An  der 
Spelzmühle".    (K.) 

4.=)S  Kleinerz,  durchlocht:  [FL!  IVL  CONSTANTIVS  NOB  iC]  Büste  m.  Lorbeer  und 
Mantel  n.  r.     Rs.  wie  457,  im  Abschn.   CONST     Cohon   104.     „Wiesbaden  1860". 


237 
459.  Mittelerz:    D  N  CONSTANTIVS   PF  AVG     Büste   mit    Diadem    und    Mantel  n.  r. 


(ohne  A  hinter  dem  Kopf)   Im  Felde  ^ 


U    Umschrift  SALVS  AVG  NOSTRI,  i 


im 

Abachn.  .  .  .  |R|  (?)  Cohen  176.  „Wiesbaden,  Hintergel)äude  der  Gasbeleuchtungs- 
gesellschaft, Friedrichstrasse,  in  einem  Grabe  zusammen  mit  den  S  Münzen  des  Mag- 
nentius...''  Vgl.  Mitteil.  No.  4  1865  S.  7. 
4G0.  Kleinerz,  Quinar:  CONSITANTIVS  PFl  AVG  Büste  m.  Lorbeer,  Panzer  u.  Mantel 
n.  r.  lis.  LVICTORIAEl  DD  AVLGG  Q  NN]  Zwei  Vietorien  sich  gegenüberstehend, 
halten  je  einen  Kranz  und  Palm;:weig,  im  Felde  |-R,  Abschn.  unleserlich.  Cohen  2!):^. 
„Wiesbaden  Adelheidstrasse,  zusammen  mit  448—450".  Vgl.  Inv.  1869  No.  28  =  Z.  K.27S0. 
Das  angebliche  Kleinerz  des  Constantius,  Inventar  1879  J^o.  19  =  Z.  K.  426,  ist 
vielmehr  Constantin  I.,  siehe  oben  No.  423. 

Magnentius : 

461.— 468.  Mittelerze  bezw.  Kleinerze  verschiedener  Grösse,  2  grösser,  6  kleiner:  D  N  MAG- 

NENTIVS  PF  AVG    Büste   mit  Paludament  n.  r.     Es.  Im  Felde  A)(^     Umschr. 

SALVS  DD  NN  AVG  ET  CAES,  im  Abschn.  bei  3  Stück  sicher  TRS,  bei 
einem  sicher  TRPi  hei  zwei  anderen  dasselbe  wahrscheinlich,  bei  zweien  ganz  un- 
leserlich.'^ Cohen  VIII\"p.  13  No.  31  und  32.  „Wiesbaden,  Hintergebäude  der  Gas- 
beleuchtungsgesellschaft, Friedrichstrasse,  in  einem  Grabe  zusammen  gef.  mit  No.  459". 

469.  Kleinerz,  sehr  schlecht:  Wahrscheinlich  Magnentiua  oder  Decentius,  näher  nicht  erkenn- 
bar.    „Wiesbaden,  Artillerie-Kaserne  1864". 

470.*  Kleinerz:  Näher]  nicht  bestimmbar;  nach  Kihm's  Verzeichnis  der  in  Wiesbaden  gef. 
Münzen,  siehe  oben  S.  202. 

Jovianus'*) : 

471.  Kleinerz:  D  N  lOVIANVS  PF  AVG  Büste  ra.  Diadem,  Panzer  und  Paludament 
n.  r.  Es.  in  einem  Kranze  VOTV  MVLT  X  Abschn.  zerstört,  Cohen  35.  „Wies- 
baden".   (K.) 

Valentinian  I.: 

472.  Kleinerz:  D  N  VALENTINIANVS  PF  AVG  Büste  m.  Diadem  und  Paludament 
n.  r.  Es.  GLORIA  ROMANORVM  Der  Kaiser  n.  r.  stehend,  hält  das  Labarura 
und  legt  die  Hand  auf  das  Haupt  eines  knieenden  Gefangenen.  Cohen  12.  „Wies- 
baden, Adlerquelle  1870". 

473.  Kleinerz:  Av.  wie  472.  Es.  SECVRITAS  REIPVBLICAE  Victoria  n.  1.  schreitend, 
hält  Kranz  und  Palme,  im  Felde  R-Q  Im  Abschn.  SISC  (?)  Cohen  37.  „Aus- 
grabung am  Landgraben  1844". 

Valens : 

474.  Kleinerz,  verschlifFen:  D  N  VALENS  PF  AVG  Büste  m.  Diadem  und  Paludament 
n.  r.  Es.  SECVRITAS  REIPVBLICAE  Victoria  n.  1.  schreitend  mit  Kranz  und 
Palmzweig.     Cohen  47.     „Wiesbaden".    (K.) 

Gratian: 

475.  Kleinerz:  [D  N  GRIATIANVS  AVGG  [AVG1  Büste  m.  Diadem  u.  Paludament 
n.  r.     Es.  [GLGRIIA    NOVI    ISAECVLIl     Der    Kaiser    von   vorn  hält  das  Labarum 


^*)  In  P.  Bl.  No.  15  u.  16  1861,  S.  462  wird  nach  Inv.  1860,  27.  November  No.  697 
eine  in  Wiesbaden  im  Garten  des  Herrn  v.  Gagern,  Schwalbacherstrasse  gefundene  Münze 
in  Kleinerz  beschrieben:  „Brustbild  des  Kaisers  mit  der  Umschrift ....  lANVS  AVG  •^^«■ 
ein  Geharnischter  stehend,  in  der  Rechten  das  Labarura,  von  der  Umschrift  liest  man  nur 
noch  .  , .  ANA  VIR"-  Die  hier  angenommene  Zuweisung  der  Münze  an  Julian  ist  wohl  .sicher 
verfehlt;  nach  der  Beschreibung  wird  sie  jetzt  nicht  mehr  zu  bestimmen  sein;  sie  ist  aber  vielleicht 
identisch  mit  No.  475  und  der  Revers  ANA  VIR   für   | GLGRIIA  NOVI  SlAECVLIJ  vericsen? 

16 


238 

und  stützt  sich  auf  einen  Schild,  der  Abschn.  schon  bei  der  Präge  vernichtet.     Cohen  13. 

^Wiesbaden  im  Garten  des  Herrn  von  Gagern,  Schwalbacherchaussc'e."     Vgl.  Anra.  74. 
47t1.  Dieselbe  Münze:  Im  Absclin.  CON     ., Wiesbaden,  Michelsberg,  14.  August  1870.     Vgl. 

Annal.  XIV  4:jr,  und  Inv.  Ifs7(5  No,  S9. 
477.  Mittelerz:  D  N  GRATIANVS  PF  AVG     Büste  m.  Diadem  u.  Paludament  n.  r.     Es. 

IREPARAITIO  REIPVB     Der  Kaiser  n.  1.  stehend,  mit  einer  Victoria  in  der  linken 

Hand,    hebt   mit   der  R.    eine    knieende   Gestalt   auf,    im  Abschn.    CON  (?)  oder  LON 

(.'ohen    .30.     .,Wiesbaden  ls48".    (K.) 
47s.  Ein   zweites   Exemplar    derselben    Münze:    „Wiesbaden,    Sonnenberger-Chaussee    18G1". 

Siehe  Mitteil.  No.  2  1863  S.  39  und  Inv.  1861,  19.  August  Xo.  196. 

Valentinian  II.: 

479.*  „Av.  D  N  VA VS    PF  AVG,    ™it  dem  Bildnisse    des  Kaisers.      Es.   Eine 

lebhaft  schreitende  Figur  reicht  einem  vor  ihr  sitzenden  Mann  die  Rechte:  REPARA  .... 
Im  Ausschn.  LVCR"  Nach  Inv.  1861  3).  November  No.  248.  Danach  muss  es 
Valentinian  II.  sein.  Es.  REPARA[TIO  REIPJ,  wohl  Cohen  VHP,  p.  142  No.  28, 
Mittelerz.     ,Gef.  Wiesbaden,  Kapellenstrasse". 

Theodosius  L: 

480.  Kleinerz:  D  N  THEODOSIVS  PF  AVG  Büste  mit  Diadem  und  Paludament  n.  r. 
Es.  CONCORDIA  AVGGG  Behelmte  Roma  sitzend,  hält  eine  Kugel  und  eine 
Lanze,  im  Abschn.  LVCP     Cohen  14  f.     ., Wiesbaden".    (K.) 

Jovinus: 

481.  Silber:  D  N  lOVINVS  PF  AVG  Büste  ra.  Diadem  u.  Paludament  n.  r.  Es.  VIC- 
TORIA AVGG  Behelmte  Roma  n.  1.  sitzend  mit  Kugel,  auf  der  eine  Victoria  steht, 
und  Lanze,  im  Abschn.  TRMA  Cohen  4.  .,Wiesbaden,  Schützenhof  1884".  Vgl.  Inv. 
d.  M.  No.  331. 

Justinianus: 

482.  Silber,  8  mm  Durchmesser:  D  N  IVSTINIAN  AVG  Büste  m.  Diadem  und  Kaiser- 
mantel n.  r.  Es.  Monogramm  des  Ostgothenkönigs  Theodahat  in  einem  Kranze.  Siehe 
Sabatier:  Descr.  g^ner.  des  monnaies  byzant.  I.  1862  p.  202,  pl.  XVIII,  7.  Geprägt 
.J34/36.  .,Gef.  in  fränkischen  Gräbern  am  Schiersteinerwege'*.  Vgl.  Mitteil.  No.  .">  u.  6 
1867  S.  11  und  S.  27.  Ein  zweites  Exemplar  dieser  Münze,  welches  ebenfalls  in  das 
Museum  gekommen  ist,  wurde  Herbst  1889  in  den  Frankengräbern  gegenüber  dem  Bahn- 
hofe von  Schierstein  gefunden. 

Ferner  an  unbestimmbaren^  Münzen: 

1  Denar,   „gef.  bei  Rambach". 

2  Denare,  wie  es  scheint  des  3.  Jahrhunderts,   „gef.  in  der  Lade'schen 
Hof- Apotheke"   1883. 

1  Gefütterter  Denar  (?),  ,gef.  Schiersteinerweg,  in  einem  Grabe  1853". 
1   Grosserz,  wie  es  scheint  des   2.  Jahrhunderts,    „gef.  beim  Kanalbau 

auf  dem  Saumarkt  1854".    (K.) 
1   Mittelerz,   ^^et  Neroberg  1860". 

1  Mittelerz  |  beide  vom  warmen  Wasser  ganz  zerfressen. 

1  halbiertes  sehr  kleines  Mittelerz  f  „Gef.  Wiesbaden,  S«iiwaiien-(Juelle  im70''. 

2  Kleinerze,   „gef.  bei  der  Ausgrabung  am  Landgraben   1844". 
1  Kleinerz,   „gef.  Neroberg  1872".     Vgl.  Inv.  1872  No.  38. 

1   Kloinerz  (vielleicht  Valentinian  I.),    „gef.  Poulet'sches  Haus".     Vgl. 

Inv.  d.  M.  No.  457. 
1    Khiinerz,  „gef.  beim  Neubau  des  Einhorn  1895".  Vgl.  Inv.  d.  .M.No.  510. 


239 


Die  bestimmbaren  375  Münzen  der  zweiten  Gruppe  verteilen  sich  auf  die 
verschiedenen  Zeitabschnitte  folgendermassen  :  es  stammen  aus  der  Zeit 

der  Republik 17 

davon  12  aus  dem  Funde  an  der  Ilaramermühle'') 

von  Augustus  bis  Nero 67 

davon  2  aus  dem  J"'unde  an  der  Hammermühle 
von  Galba  bis  Domitian     .     .     . 
davon  7  von  der  Hammermühle 
von  Nerva  bis  Hadrian      .     .     . 

von  Pius  bis  Albinus    .... 
(2  von  der  Hammermühle) 

von  Severus  bis  Gallieuus 


74  aus  27  Jahren 

47  4^ 

46  aus  55  Jahren 


84  (bezw.  70)  Stück 
aus  81   Jahren. 


121(bezw.ll4)Stück 
aus  69  Jahren. 


37 


<o 


(1  von  der  Hammermühle) 

von  Claudius  bis   Diocletian   und 

seine  Mitherrscher   .... 

der  Constantinischen  Dynastie    . 

der  späteren  Zeit  bis  Justinian   . 


83  Stück  aus 
130  Jahren. 


1 1  aus  37   Jahren 
64     „     55       „ 

12  „ca.l70     „ 


87  Stück  aus 
262  Jahren. 


Es  dürfte  nicht  überflüssig  sein,  die  Fundorte  der  in  diesem  Verzeichnisse 
enthaltenen  Münzen  übersichtlich  zusammenzustellen,  unter  jedesmaliger  Hinzu- 
fügung der  an  dem  betr.  Orte  gefundenen  Münzen;  für  die  Reihenfolge  ist  die 
alphabetische  Anordnung  gewählt,  wobei  aber  die  Unzuträglichkeit,  dass  nicht 
weit  voneinander  gefundene  Stücke  durch  zufällig  anders  lautende  Fundnotizen 
voneinander  getrennt  werden,  durch  entsprechende  Hinweise  möglichst  be- 
seitigt ist. 

Adamsthal  bei  AYiesbaden: 

Augustus  (153),  Vespasian  (201). 

Adelheidstrasse: 

Theodora  (407),  Constans  (448,  449,  450),  Constantius  II.  (460);  dieselben  gehören 
alle  zu  dem  Inhalt  eines  fränkischen  Grabes  und  sind  noch  mit  den  übrigen  Fundstücken 
desselben  vereinigt,  siehe  Z.  K.  2780. 

Adler-Quelle: 

Augustus  (135*,  140*),  Agrippa  (166),  Germanicus  (176,  177),  (Claudius  (185)?), 
Vespasian  (224),  Domitian  (246*  i.  J.  1861;  263,  264,  265  i.  J.  1870),  Xerva  (271), 
Trajan  (286),  Constantin  I.  (422*),  Yalentiniaa  I.  (472^.  Dieselben  sind  mit  Ausnahme 
des  einen  Domitian  sämtlich  im  Jahre  1870  beim  Reinigen  der  Quelle  zu  Tage  ge- 
fördert. Eine  Beschreibung  derselben  giebt  Rössel  auf  einem  Folioblatt;  er  konnte 
aber  nur  3  oder  4  davon  bestimmen,  und  sind  es  eben  diese  besser  erhaltenen  (135*, 
140*  und  142*),  welche  in  dem  die  übrigen  enthaltenden  Couvert  felilten,  also  offenbar 
der  Sammlung  eingeordnet  wurden.  Er  kannte  nur  11  Stück,  ebenso  viele  ein  Artikel 
im  Rhein.  Kurier  1870  No.  12  vom  14.  Januar,  während  die  nachweislich  später  ein- 
getragene Notiz  des  Inventars  1870  No.  2  13  Stück  nennt,  vgl.  Anm.  63.     Über  sonstige 


'*)  Die  von  dort  stammenden  Denare  sind,  weil  höchst  wahrscheinlich  zu  einem  Gesamt- 
funde gehörig,  bei  der  vergleichenden  Zusammenstellung  der  Zahl  der  aus  den  verschiedenen 
Zeitabschnitten  stammenden  Münzen  anders  zu  beurteilen  als  die  übrigen  Stücke. 

16* 


240 

Münzfunde  iu  Heilquellen  vgl.  die  Zusammenstellung  von  Such  i er  bei  G.  Wolff, 
Gro-skrotzenburg:  Münzen  S.  5  und  6  (^Zeitschr.  f.  Hess.  Gesch.  und  Landeskunde.  Neue 
Folge,  VIII.  Supplement  ls.'^2).  Münzen  aua  der  Schwefelquelle  von  Niedernau  verzeichnet 
Nestle,  Funde  antiker  Münzen  im  Königreich  Württemberg  1893,  S.  14  ff.  und  Xo.  111. 

Adler-Garten: 

Antoninus  Pius  (316). 

Artillerie-Caserne  (vgl.  auch  Caserne),  einschliesslich  „Rheinstrasse": 

M.  Antonius  (129),  Augustus  (145*,  1.52),  Agrippa  (167*=),  Tiberius  (174,  174a),  Ves- 
pasian  (212),  Domitian  (258*,  259*,  260*),  Xerva  (269*),  Trajan  (29,3,  298*),  Hadrian 
(308»),  Faustina  I.  (.•^25),  Faustina  II.  (344*),  Gallienus  (396*),  Constantin  (416*,  424*), 
Constantius  11.  (454,  455),  Magnentius  (469),  vgl.  auch  die  Verzeichnisse  oben  An- 
merkung 16.     Die  hier  gefundenen  Münzen  gehören  ausschliesslich  Gräberfunden  an. 

Aulenkaut  (auf  dem  Leberberg): 

Augustus  (137). 

Bierstadt  (Ausgrabung  bei  Bierstadt  1846): 

Vespasian  (206),  Trajan  (285),  Hadrian  (310,  zwischen  Dietenmühle  und  Bierstadt), 
Kleinerz  der  Constantinfer  (.\.nm.  73  Xo.  4)    .,Steinbruch  am  Bierstädter  Berg". 

Blücherstrasse: 

Marcus  (335). 

Caserne  (zweifelhaft,  ob  Artillerie-  oder  Infanterie-Caserne  gemeint  ist): 

Augustus  (157*),  Domitian  (239*),  Trajan  (281),  Mamacn  (386*,  Infanterie-(^asorne). 

Cursaal: 

Maesa  (378,  Cursaal -Weiher),  Constantin  I.  (421*,  427*). 

Dambachthal: 

Constantin  I.  (424a). 

Dotzheim  (.siehe  auch  Hollerborn): 

Marcus  (340),  Faustina  II.  (343),  Constantin  I.  (411). 

Dotzheimerweg  einschliesslich  Schiersteinerweg: 

Augustus  (134,  155,  156),  Nero  (186,  189),  Etruscilla  (392),  Justinian  (482),  stammen 
sämtlich  aus  Gräbern. 

Einhorn,  siehe  bei  Marktstrasse. 
Emserstrasse  (früher  Schwalbacherweg): 

Faustina  I.  (330),  Constantin  I.  (412*),  Kleinerz  der  Constnntiner  (Anm.  73  No.  2). 

Englische  Kirche,  siehe  auch  bei  Pletzmühle: 

Constantius  II.  (453). 

Exerzierplatz: 

Severus  Alexander  (379). 

Friedrichstrasse: 

Claudius  (183),  Vespasian  (220*),  Domitian  (247),  Constantius  II.  (456,  459),  Mag- 
nentius (461—468),  die  letzteren  gemeinsam  mit  Constantius  No.  459  in  einem  christ- 
lichen Grabe. 

Gustav- Adolfstrasse : 

.Marcus  (339j. 

Hammermühle: 

12  Denare  der  Republik  (113-120,  122,  123,  124,  126),  Augu.stus  (131),  Tiberius 
(172),    Calba  (196),    VitoUius  {197,    I98j,    YospaMan   (205,   208,    211,   213),    Pius  (317), 


241 

Fausfina  (326),  Commodus  (357),  Elagabalus  (376).  —  Diese  Münzen,  mit  Ausnahme 
des  Commodus  sämtlich  Denare,  sind  mit  derselben  Ausnahme  alle  im  März  18^<4  "-o- 
funden;  nach  dem  Fundbericht  Annal.  XVIII,  226  (vgl.  29S)  lagen  sie  ^ auf  einem  :iO  cm 
grossen  Fleck  im  Boden  zerstreut";  4  republikanische  und  1  des  Vespasian  (Cohen  :\bß] 
1  des  Titus  (Cohen  309),  2  des  Domitian  (Cohen  49  und  378),  die  zugleich  gefunden 
worden,  sind  nach  Mainz  in  Besitz  des  Herrn  Strei-ker  gekommen.  Gegen  den  Charakter 
als  Gesamtfund,  d.  h.  .,die  gleichzeitige  Yergrabung  und  Zusammengehörigkeif-  ist,  ab- 
gesehen von  der  starken  Vertretung  der  republik.  Münzen,  das  Fehlen  der  Münzen  von 
Trajan,  Hadrian,  Severu.s  und  Caracalla  von  Hettner  mit  Recht  geltend  gemacht 
worden  (VVestd.  Zeit^chr.  VII,  188S  p.  162).  Andererseits  ist  die  Annahme,  da8s  alle 
diese  Münzen  einzeln  verloren  gegangen  seien,  oder  verschiedenen  Gräbern  ent- 
stammten, abgesehen  von  den  immerhin  nicht  ganz  zuverlässigen  Angaben  der  Finder 
gerade  durch  die  grosse  Zahl  der  republikanischen  Denare  (16  republ.  und  16  Kaiser- 
denare), welche  sonst  in  unserer  Gegend  vergleichsweise  sehr  selten  gefunden  werden 
(vgl.  oben  S.  197),  sowie  durch  das  Vorhandensein  von  Galba's  und  Vitellius'  Denaren,  die 
ebenfalls  sonst  hier  nicht  allzu  häufig  begegnen,  nahezu  völlig  ausgeschlossen.  Da  nun 
die  wenigen  Stücke  der  späteren  Zeit  (Pius,  b'austina,  Elagabal)  zum  Teil  stärkere  oder 
wenigstens  ebenso  starke  Spuren  von  Abnutzung  zeigen  wie  die  Denare  des  Galba 
Vitellius  und  der  meisten  Vespasians,  was  sich  mit  der  Zugehörigkeit  zu  einem  Funde 
in  keiner  Weise  vereinen  lässt,  so  ist  es  sehr  wahrscheinlich,  dass  diese  späteren  zufällig 
in  die  Nähe  der  anderen  gelangt  sind,  sei  es,  dass  sie  einem  bei  Anlage  des  Massen- 
grabes im  Jahre  1793  zerstörten  dort  belegenen  römischen  Grabe  angehörten,  oder 
sonstwie  an  jener  Stelle  verloren  gegangen  waren. "^)  Die  älteren  Denare,  die  republi- 
kanischen bis  Domitian,  dürften  dagegen  einem  kleinen  Gesamtfund  angehören.  Da  die 
Denare  des  Domitian  noch  unter  Vespasian  in  den  Jahren  77  und  78  geprägt  sind,  so 
ist  die  jüngste  Münze  die  des  Titus  vom  J.  80.'')  Bei  der  geringen  Zahl  der  Münzen 
ist  daraus  freilich  kein  einigermassen  sicherer  Schluss  auf  die  Zeit  der  Vergrabung  zu 
ziehen;  sonst  könnte  man  an  die  dem  Chattenkriege  Domitians  vorangehenden  und  ihn 
begleitenden  Unruhen  i.  J.  82  als  Ursache  der  Vergrabung  denken. 

Hasselt  im  Bierstädter  Wald  (Ausgrabung  im  Jahre  1845): 

Marcus  (331),  Faustina  II.  (345),  Elagabalus  (^375),  Gordian  (387). 

Heidenmauer: 

Domitian  (240),  Faustina  I.  (329),  Marcus  (336j. 

Hinterhoben  (Flurname): 
Trajan  (295). 

Höfchen  (Ausgrabung  1846): 

Pius  (314,  315),  Severus  Alexander  (383,  385^^),  ausserdem  noch  7,  jetzt  nicht  mehr 
zu  identifizierende  verschliffene  Kupfermünzen,  siehe  Annal.  V,  3  S.  26. 

'^}  Immer  die  Zuverlässigkeit  der  Fundaugaben  vorausgesetzt.  Dass  übrigens  auch  sonst 
dort  römische  Münzen  gefunden  werden,  zeigt  das  Grosserz  des  Commodus  (357)  und  macht  auch 
der  Umstand,  dass  nicht  allzu  weit  davon  die  römische  Strasse  vorbeiführte,  und  dass  offenbar 
das  ganze  jetzige  Mühlenthal  schon  zur  Römerzeit  mehr  oder  weniger  stark  bebaut  war, 
wahrscheinlich. 

'')  Wie  schon  bemerkt,  zeigen  die  Denare  des  Galba,  Vitellius  und  Vespasian,  wenn  sie 
auch  die  Spuren  von  Benutzung  tragen,  ein  noch  recht  scharfes  Gepräge  (mit  Ausnahme  von 
No.  211):  von  den  nach  Mainz  gekommenen  vier  Denaren  der  Flavier  konnte  ich  durch 
freundliche  Vermittelung  des  Herrn  Stadtbibliothekars  Dr.  Velcke,  sowie  das  Entgegenkommen 
der  Besitzer  drei  vergleichen  (Titus  309,  Domitian  49  und  378);  dieselben  zeigen  gleichfalls 
ein  sehr  Irisches  Gepräge,  namenrlich  die  beiden  ersten,  welche  allerdings  durch  Zusammon- 
löten  zu  einem  Schmuckstück  etwas  gelitten  haben. 


242 

Hollerbopn  bei  Dotzheim  (Ausgrabung  1826): 
Augustus  (151*),  Gallienus  (394*;. 

Kapellenstrasse: 

Maximian  (402),  Valentinian  II.  (479*). 

Kirchgfasse  (vgl.  auch  Marktstrasse)'"): 

Augustus  (159*),  Germanicua  (175),  Hadnau  (305  und  Aum.  69),  Caracalla  (^368). 

Kirchhof,  alter  (1884): 

Severus  Alexander  (380). 

Kranzplatz  (Ausgrabung  1841  42): 
Nero  (188),  Constantin  I.  (414). 

Kupfermühle  bei  Wiesbaden: 

Vespasian  (207). 

Landgraben  bei  Mosbach,  siehe  unter  Mosbach. 
Langgasse: 

Aelius  Caesar  (313*),  Faustina  II.  (346),  Philippus  II.  (391,  Lade'sche  Apotheke),  ebenda 
noch  zwei  Stück  unbestimmte. 

Luisenstrasse: 

Naevia  (125),  Augustus  (141*— 144*),  Trajau  (287,  292»),  Faustina  II.  (350). 

Mainzer  Landstrasse: 

Constantin  I.  (429*). 

Markt : 

Gallienus  (395*). 

Marktstrasse,  einschliesslich   „Poulct'sches  Haus"  und   „Einhorn": 

Augustus  (139,  Ecke  der  Marktatrassc  und  Kirchgasse),  Titus  (226),  Ncrva  (273*), 
Trajan  (282),  Marcus  (337),  Constantin  I.  (419,  Ecke  der  Marktstrasse  und  Kirchgasse), 
1  unbestimmtes  Kleinerz  1895  (Einhorn,  Inv.  d.  M.  No.  519),  1  desgl.  (Inv.  d.  M.  No.  457). 

Mauritiusplatz : 

Claudius  (184),  Constantin  I.  (418*,  420*). 

Mauritiusstrasse:  s.  bei  Schwalbacherstrasse,  kleine. 
Metzgergasse: 

Trajan  (280). 

Michelsberg: 

Vespasian  (221*),  Lucilla  (354J,  Gratian  (476). 

Mosbach  (einschliesslich  Landgraben  bei  Mosbach,  Ausgrabungen  1844/45): 

Trajan  (284),  Hadrian  (300,  309*),  Pius  (318,  322*),  Marcus  (341),  Faustina  II.  (348), 
Commodus  (358*),  Severus  (360),  Domna  (363),  Plautilla  (370*),  Geta  (371),  Severus 
Alexander  (381,  384*),  Claudius  II.  (397),  Licinius  I.  (409),  Constantin  I.  (413,  433,  435, 
436),  Constantin  II.  (447),  Valentinian  I.  (473\  sowie  2  unbestimmbare  Kleincrze.  — 
Die  meisten  dieser  Münzen,  namentlich  fast  alle  Kleinerze,  befanden  sich  in  einem 
Papierumschlag  mit  dem  Vermerk:  .,gefunden  bei  den  Ausgrabungen  am  Landgraben 
1844"  unter  den  von  Kihm  ausgeschossenen  Münzen. 


^'')  Die  Beschreibung  eines  i.  J.  1892  oder  1893  in  der  Kirchgasse  gemachten  Gesamt- 
fundes, welclier  ausschliesslich  Kleinerze  des  Constantin  und  seiner  Söhne  enthielt,  muss,  zumal 
nur  ein  ganz  geringer  Teil  der  Münzen  in  «lie  Museumssammlung  gelangte,  einer  anderen  Stelle 
vorbehalten  bleiben. 


243 

Münzberg"  im  Wiesbadener  Wald  (Ausgrabung  1847): 
Hadrian  (30(j),  Marcus  (333). 

Museumshof,  vgl.  auch  bei  Pletzraühle: 

Domitian  (26'2),  C'rispus  (437). 

Neroberg  (Ausgrabung  1847  48): 

Agrippa  (KU),  Germanicus  (178),  Nero  (195*),  Vespa^iian  (222*,  sdiou  vor  1S22). 
Domitian  (244,  266,  267\  Hadrian  (306at,  Plus  (320*,  321*,  323^  Faustina  I.  (32S), 
L.  Verus  (351),  Commodus  (356),  Albinus  (359),  Philippus  I.  (389*,  i.  J.  1:^59),  unbe- 
stimmbar: ein  Mittelerz,  gef.  1S6U,  ein  Kleinerz,  gef.  1872  (Inv.  Is72  No.  38). 

Nerostrasse : 

Augustus  (150*),  Xemausus  (170*),  Constantin  I.  (,425*). 

Nerothal: 

Constantin  II.  (444). 
Neumühle,  Pflaster  der  Röraerstrasse: 

Constantin  I.  (426). 

Platter  Chaussee: 

Trajan  (299*). 

Pletzmühle,  im  Hof  der  (Ecke  der  jetzigen  Frankfurter-  und  Wilhelnistrassej : 

Nero  (192),    .innerhalb   des   römischen  Strassenkörpers";    an   der  Linie  dieser  nach 

CastelOIainz    führenden   Strasse    durch    das    Mühlenthal    liegen    auch    die    Fundstellen 

., Museumshof",  .,Englische  Kirche^  .,Mainzer  Landstrasse",  ., Verlängerte  Rheinstrasse-. 

Poulet'sches  Haus,  Ecke  Marktstrasse  und  Kirchgasse,   s.  bei  Markt  Strasse. 

Rambach  (Ausgrabungen  1846/47): 

Vespasian  (223),  Marcus  (332,  i.  J.  1845),  Geta  (372,  i.  J.  1858),  Kleinerz  der  Con- 
stautiner  (Anm.  73,  3),  ein  unbestimmbarer  Denar;  Annal.  V,  3  S.  45  wird  auch  erwälint: 
„ein  Denar  von  Otto  und  eine  vermutlich  celtische  Silbermünze-,  eine  Angabe,  welche 
sich  jetzt  nicht  mehr  kontrollieren  lässt.  Römische  Münzen  wurden  dort  in  der  That 
früher  öfter  gefunden,  eine  Anzahl  derselben,  z.  T.  aus  früher  Kaiserzeit,  befindet  sich 
in  der  Lugenbühl'schen  Sammlung  zu  Wiesbaden. 

Rheinstrasse,    verlängerte    (von    den    Bahnhöfen    bis    zur  Mainzerstrasse),    im 
übrigen  „Rheinstrasse",  siehe  bei  Artillerie-Caserne. 

Augustus  (138),  Titas  (227),  Domitian  (^257),  Nervs  (270).  Angeblich  wurden  diese 
vier  Münzen  aufeinanderliegend  gefunden. 

Rödern  (Ausgrabung  1844): 
Nemausus  (168). 

Saal,  neues  Schulhaus,  im,  s.  bei  Steingasse. 
Saalgasse: 

Agrippa  (162),  Nero  (Anm.  56»,  Vespasian  (ebenda),  Domitian  (219),  Licinius  I.  (108). 

Saumarkt,  Mitte  der  jetzigen  Hochstätte: 

Trajan  (296)  und  ein  unbestimmbares  Grosserz. 

Schiersteinerweg",  s.  bei  Dotzheiraerweg. 

Schlossbau,  vgl.  auch  Marktstrasse: 

Domitian  (268*),  Pius  (319*),  Constantin  (428*). 

Schulgasse: 

Germanicus  (zu  179). 


244 

Schützenhof  (meist  die  hinter  den  Gebäuden  liegenden  Terrassen): 

Trajan   i297),    Hadrian    (303*,    307,    31 1\    Philippus  l.  (390),    Diocietiaa  (401),  Lici- 
nius  II.  (410),  Crispus  '443),  Constantius  II.  (4.^2),  Joviiius  (4öl). 

Schwalbacherstrasse : 

Vespasian  ('2'J5),  Gratian  (475),  vgl.  auch  Aura.  74. 

Schwalbacherstrasse,  kleine: 

DomiHan  (236\  Hadrian  (304). 

Schwalbacherweg,  siehe  Emserstrasse. 

Schwanen-Quelle,  am  Kochbrunnen: 

Maesa  (377),  Constantin  I.  (415);  ausserdem  ein  unbestirambareä  MittoK-rz  und  ein 
desgleichen  halbiertes  Mittelerz  (sehr  klein),  alle  gefunden  1870.     Vgl.  Inv.  1870  Xo.  9. 

Sonnenbepg-erstrasse : 

Gratian  (478). 

Spelzmühle  (Ausgrabung  1845): 

Äugustus  {V.iS,  149),  Agrippa  (163,  164,  165),  Germanicus  (180*),  Vespasian  (209), 
Titas  (230),  Trajan  (283,  294\  Hadrian  (301),  Marcus  (334),  Faustina  IL  (342,  347), 
L.  Veru3  (352),  Domna  (364),  Constantin  I.  (430*),  Constantius  II.  (457). 

Steingasse,  einschliesslich  im  Saal  an  der  neuen  Schule: 

Xemausua  (Anm.  62),  Tiberius  (173),  Caligula  (182;,  Titus  (229*),  Trajan  (Anm.  62), 
Constantin  I.*(Anm.  62  und  No.  431*,  432*=). 

Totenhof,  neuer: 

Vespasian  (214),  Constantin  I.  (423). 

Waisenhausgarten  (jetzt  Accisehof  in  der  Neugasse): 

Constantius  Chlorua  (405). 

Walkmühle: 

Domitian  (261*). 

Die  einfache  Angabe  Wiesbaden  haben  folgende: 

7  Äugustus  (130,  132,  133,  146,  147,  148,  154),  1  Agrippa  (160),  2  Xemausus  (169, 
171*),  1  Caligula  (181),  6  Vespasian  (199,  204,  210*,  215*,  217,  218),  2  Titus  (228,231), 
3  Domitian  (232,  235*,  247a),  6  Trajan  (275,  276*,  277*,  278,  291,  291a),  1  Verus 
(353\  1  Commodus  (355),  1  Domna  (365),  1  Caracalla  (367),  1  Macrinus  (373),  1  Phi- 
lippus I.  (388),  1  Gallus  (393),  3  Tetricus  (.398,  399,  400),  1  Maximian  (403*),  1  Chlorus 
(404),  1  Helena  (406),  1  Constautinopolis  (434),  5  Crispus  (43S,  439,  440,  441,  442), 
2  Constantin  II.  '445*,  446),  1  Constantius  II.  (458),  1  Magnentius  (470*),  1  Jovian 
(471),  1   Valens  (474),  1  Gratian  (477j,  1  Theodoaius  (480). 

Bei  Wiesbaden: 

Claudia  (121),  2  unbestimmte  Konsularmünzen  (127*,  12S*),  Äugustus  (158*),  Nero 
(193*,  194*),  Domitian  (23S,  242,  Anm.  67),  Trajan  (288),  Hadrian  (312*),  Faustina  I, 
(324,  327),  Marcus  (338i,  Faustina  II.  (349),  Domna  (366*),  Caracalla  (369*),  Elagabalus 
(374),  .\lexander  (382),  Constantin  I.  (417),  Constans  (451*). 


Zu  berichtigen  ist  der  Satz  S.  190,  Zeile  16  f.  dahin,  dass  der  hand- 
schriftliche Katalog  der  Sammlung,  sowohl  der  Münzen  wie  der  übrigen  Alter- 
tümer, in  drei  Qaartbänden  sich  noch  jetzt  im  Vereins- Archiv  betindet. 

Nachzutragen  hinter  No,   171*: 
171a.  Dieselbe  Münze,    mit  noch  frischem  Gepräge.     ., Wiesbaden,   in   der  Rheinstrasse  1876 


in  der  kleinen  Urne  Z.  K.  3863".     Vgl.  Inv.   1876  No.  88. 


Zwei  Gesamtfunde  römischer  Münzen  aus  Heddern- 
heim  im  Museum  zu  Wiesbaden. 


Von 

Dr.  F.  Quilling. 


Seit  längerer  Zeit  mit  einer  Zuaammen.stelluDg')  sämtlicher  bis  jetzt  in 
Heddernheim  und  Umgebung  zu  Tage  gekommenen  römischen  Münzen  be- 
schäftigt, wurde  ich  vor  kurzem  auf  zwei  Gesamtfunde  von  solchen  aufmerksam, 
welche  —  beide  im  Jahre  1850  gehoben  —  sich  jetzt  in  dem  Museum  zu 
Wiesbaden  befinden.  Die  Existenz  des  einen  dieser  Funde  ergab  sich  aus  den 
Akten^)  des  Vereins  für  Xassauische  Altertumskunde  und  Geschichtsforschung, 
sowie  aus  Habeis  Manuskript^)  des  Jahresberichtes  1850  über  die  Thätigkeit 
dieses  Vereins,  welches  —  leider  niemals  zum  Druck  gekommen  —  mir  von 
Herrn  Kreisrichter  W.  Conrady  behufs  Einsichtnahme  freundlichst  zur  Ver- 
fügung gestellt  wurde.  Der  zweite  Fund  wird  noch  in  seinem  ursprünglichem 
Zustande  im  Museum  zu  Wiesbaden  aufbewahrt. 

Beide  Gesamtfunde,  die  einzigen  mir  aus  Heddernheim  bekannt  gewordenen, 
sind  bisher  noch  nicht  publiziert  und  sollen  im  Nachstehenden  auf  Grund  akten- 
mässiger  Belege  und  eigener  Bearbeitung  eingehend  beschrieben  und  be- 
sprochen werden. 


')  Dieselbe  hat  nunmehr  mit  einer  Gesamtzahl  von  über  2000  Stück  ihren  vorläufigen 
Absehluas  erreicht  und  wird  in  dem  für  1897  in  Aussicht  genommenen  zweiten  Hefte  der  vom 
Frankfurter  Verein  für  Geschiciite  und  Altertumskunde  herausgegebenen  .,Mitteilungen  über 
römische  Funde  in  Heddernheim"  veröffentlicht  werden.  Dass  von  diesen  2000  Münzen  nur 
bei  etwa  30  der  Fundort  näher  bekannt  ist,  dürfte  der  sprechendste  Beweis  für  die  Raub- 
grabungen sein,  welche  bedauerlicherweise  immer  noch  in  Heddernhe'm  und  Umgebung  statt- 
finden. 

-)  Den  Nachweis  beider  Funde  aus  diesen  Akten,  alle  daraus  geschöpften  Xotizen,  sowie 
eine  Reihe  wertvoller  Beobachtungen  über  den  ersten  Fund  verdanke  ich  der  Güte  des  Herrn 
Dr.  E.  Ritterling  zu  Wiesbaden. 

*)  Das  Manuskript  ist  nur  für  die  Geschichte  unseres  Fundes  von  Wert;  es  bricht  in- 
mitten der  Darlegung  und  zwar  gerade  da  ab,  wo  die  Aufzählung  der  einzelnen  Münzen 
hätte  beginnen  müssen. 


246 


I.    Der  erste  Fund. 

Der  erste  der  aogetuhrten  Kollektivfunde  ist  —  wie  erwähnt  —  leider  als 
solcher  nicht  mehr  vorhanden,  sondern  in  seinen  Einzelteilen  nur  noch  urkundlich 
zu  konstatieren;  über  seine  Geschichte  liess  sich  aus  den  Akren  und  dem  Habel- 
schen  Manuskript  folgendes  feststellen:  Im  Herbste  (wahrscheinlich November)  des 
Jahres  1850  wurde  „in  römischen  Ruinen  auf  dem  Heidenfelde  in  Heddernheim'^') 
ein  Gesamtfund  von  römischen  Silbermünzen  gehoben.  „Bei  dem  Nachsuchen 
nach  Bruchsteinen  entdeckte  man  dieselben  zusammenliegend  in  der  Mauer- 
blende eines  Kellers.  Das  römische  Gebäude,  zu  welchem  der  Keller  gehörte, 
bildete  das  Eck  der  Quintan-  und  oberen  prätorischen  Strasse,  begrenzt  vom 
Fornm  quintannm.  Es  w^aren  zusammen  gegen  360 — 370  Silbermünzen  gefunden 
worden,  von  denen  eine  Anzahl  noch  später  im  Schutte  entdeckt  ward,"^) 

Der  damalige  Bürgermeister  von  Heddernheim,  Nohstadt,  welcher  sich  zur 
Zeit  in  seiner  Eigenschaft  als  Geschworener  des  öfteren  in  Wiesbaden  aufhielt, 
machte  Archivar  Habel  unter  Vorzeigung  von  16  der  ausgegrabenen  Münzen 
Mitteilung  von  dem  gemachten  Funde  und  Habel  berichtete  darüber  in  eicem 
vom  29.  November  1850  datierten  —  leider  nicht  mehr  aufzufindenden  — 
Schreiben  an  den  Vorstand  seines  Vereins. 

Wenige  Tage  später  (am  2.  Dezember)  folgte  bereits  ein  zweites  Schreiben 
an  dieselbe  Adresse,  in  welchem  Habel  unter  Bezugnahme  auf  seinen  ersten 
Bericht  dessen  Mitteilungen  ergänzt  und  weiter  ausführt. 

Danach  hatte  ihm  Nohstadt  die  Versicherung  gegeben,  er  habe  dafür 
Sorge  getragen,  dass  kein  Stück  des  Fundes  veräussert  werde  und  die  Hoffnung 
ausgesprochen,  ihm  nächstens  selbst  die  Münzen  mitbringen  zu  können.  „Als 
ich  nun  gestern  (Sonntags)  Abend",  fährt  Habel  fort,  „sogleich  zu  Herrn 
Nohstadt  ging,  um  die  Münzen  nach  dessen  Zusage  in  Empfang  zu  nehmen", 
erklärte  dieser,  zu  seinem  grössten  Bedauern  seien  dieselben  inzwischen  „bereits 
an  einen  Juden  in  Frankfurt  um  die  Summe  von  127  H."  von  der  Eigentümerin 
verkauft  worden. 

Habel  stellt  deshalb  des  weitereu  in  seinem  Schreiben  bei  dem  Vorstande 
des  Vereines  für  Nassauische  Altertumskunde  und  Geschichtsforschung  den  An- 
trag, er  möge  auf  Grund  einer  Verordnung  vom  17.  Mai  1826,  betr.  ein  Aus- 
fuhrverbot von  Altertümern  ins  Ausland,  hiergegen  einschreiten  und  versuchen, 
die  veräusserten  Stücke  wiederzugewinnen. 


')  So  nach  den  Akten;  vgl.  Anm.  6. 

*)  So  —  genauer  —  nach  Habeis  ^fanuskript.  Fni  übrigen  stimmt  dasselbe  inhaltlicli 
durchgängig  mit  den  Wiesbadener  Akten  iiberein  und  wird  deshalb  nicht  jedesmal  besonders 
fitierl;  wo  sieh  abweirhende  oder,  wie  im  vorliegenden  Falle,  genauere  Angaben  als  in  den 
Akten  finden,  ist  dies  stets  angemerkt. 

In  der  Münzen- Fundkarte  von  Heddernheim  und  Umgebung,  welche  der  für  die 
, Mitteilungen  über  römische  Funde  in  Heddernheim'"  bestimmten  .\bhaiullung  beigegeben 
werden  soll,  wird  auch  die  Fundstelle  dieses  Fundes  verzeichnet  sein. 


247 

Diesem  Antrage  gab  der  Vorstand  auch  statt;  er  schrieb  noch  am  gleichen 
Tage*^),  da  er  Habeis  Mitteilung  erhalten  hatte,  am  2.  Dezember,  an  das 
Justizamt  zu  Höchst  und  ersuchte  um  Beschlagnahme  der  verkauften  Münzen 
und  Bestrafung  der  Verkäuferin.') 

Darauf  antwortet  das  Justizamt  in  einem  ebenfalls  vom  2.  Dezember 
datierten")  Schreiben,  es  sei  festgestellt,  dass  der  Finder  und  Verkäufer  der 
fraglichen  römischen  Münzen  ein  gewisser  Heinrich  Franz,  Sohn  der  Witwe 
Franz  in  Heddernheim  sei;  die  Käufer')  seien  angeblich  „N.  Oppenheimer'")  zu 
Frankfurt  auf  der  Zeil  vis-ä-vis  dem  Römischen  Kaiser  und  J.  Schmidt")  in 
der  Fahrgasse  daselbst  wohnhaft";  ersterer  solle  312—326,  letzterer  26  Stück 
gekauft  haben.  Im  übrigen  lehnt  das  Justizamt  jedes  Einschreiten  seinerseits 
ab,  da  die  angezogene  Ministerialverfügung  vom  17.  Mai  1826  im  vorliegenden 
Falle  nicht  anwendbar  sei. 

Daraufhin  reiste  Habel,  wie  er  in  einem  Briefe  vom  6.  Dezember  1850 
dem  Vorstande  mitteilt,  selbst  nach  Frankfurt  und  es  gelang  ihm  auch,  sämt- 
liche in  den  Besitz  des  Hofjuweliers  Oppenheimer  daselbst  gelangten  Silber- 
münzen (324  Stück)'-)  aus  dem  Heddernheimer  Gesamtfunde  um  150  fl.  zurück- 
zukaufen; über  den  von  Schmidt  erstandenen  Bruchteil  desselben  schweigt  er 
in  seinem  Schreiben")  vollständig;  wir  müssen  also  wohl  annehmen,  dass  eine 
Erwerbung  dieser  26  Stück  ihm  nicht  glückte,  indem  sie  entweder  bereits  in  dritte 
und  vierte  Hand  weiterverkauft  waren,  oder  von  dem  Käufer  selbst  (einem  Silber- 
arbeiter) behufs  Verarbeitung  oder  sonstiger  Verwertung  zurückbehalten  wurden,'*) 

Bezüglich  der  wiedergewonnenen  324  Stück  fragt  Habel  in  seinem  Schreiben 
an  den  Vorstand  an,  ob  derselbe  diesen  Kauf  genehmige,  beziehungsweise  bereit 
sei,  ihm  die  dafür  vorgelegte  Summe  zurückzuerstatten,  sonst  müsse  er  ander- 
weitig darüber  verfügen. 


*")  Das  Konzept  ist  nicht  datiert,  muss  aber,  wie  aus  dem  Datum  der  Antwort  —  wenn 
dieses  nicht  verschrieben  ist  —  hervorgeht,   noch  am  2.  Dezember  verfasst  sein. 

')  In  diesem  Schreiben  findet  sich  die  oben  mitgeteilte  Fundnotiz:  ^In  rüniischen  Ruinen 
auf  dem  Heidenfeld  in  Heddernheim". 

*)  Vgl.  Anm.  6. 

^)  In  den  Akten  heisst  es  irrtümlich  die  „Verkäufer". 

^"}  Xach  Ausweis  des  „Staats-  und  Adresshandbuches  der  Freien  Stadt  Frankfurt"  l^öO 
Seite  220  kann  nur  der  Juwelier  Simon  Daniel  Oppenheim  gemeint  sein,  dessen  Geschäft 
sich  Zeil  11  befand;  die  Angabe  der  Akten  ist  also  hier  unrichtig,  während  Habel  denselben  in 
seinen  Aufzeichnungen  (1.  Seite  . .  . .)  richtig  Oppenheim,  einmal  sogar  D.  Oppenheim  nennt. 

^^)  In  dieser  Persönlichkeit  ist  —  ebenfalls  nach  Ausweis  des  betr.  Frankfurter  Adress- 
buches —  zweifellos  der  Silberarbeiter  Job.  Martin  Schmidt,  Fabrgasse  llö  (Laden  126)  zu 
erkennen.  Derselbe  konnte  die  billig  erstandenen  Münzen  gewiss  leicht  und  einträglich  durch 
Fassung  zu  Broschen,  Manschettenknöpfen  u.  s.  w.  verwerten  und  dies  mag  mit  ein  Grund 
dafür  sein,  dass  Habeis  Bemühungen,  dieselben  wieder  zu  erlangen,  erfolglos  blieben. 

^^)  In  den  älteren  Akten  ist  stets  die  Zahl  ;i25,  in  den  späteren  die  Zahl  324  ange- 
geben; diese  Verschiedenheit  erklärt  sich  durch  folgenden  Passus  in  dem  Habel'scben  Manu- 
skript: „Es  glückte  mir,  sämmtliche  324  Münzen  (um  eine  hatte  sich  Herr  Oppenheim  ver- 
zählt), mit  einem  massigen  Nutzen  zurückzukaufen". 

'^)  Auch  in  dem  Manuskript  des  Jahresberichtes. 

1*)  Vgl.  Anm.  11. 


248 

Wie  sich  aus  der  Rechnungsablage  des  Vereins  für  Nass.  Altcrtumskuudo 
und  Geschichtsforschung  von  1850  ergiebt,  genehmigte  der  Vorstand  llabels 
Kauf  und  ersetzte  diesem  auch  den  dafür  gezahlten  Betrag;  es  findet  sich  in 
dieser  Rechnung  nämlich  der  Posten: 

325")  Silb.  Münzen  von  Oppenheimer  in  Frankfurt      .     .     150  fl.  24  kr. 
7         „  „  75     H-   Franz   in   Heddernheim     .     .         3  tl.  30  kr; 

Xicht  ganz  stimmen  damit  die  Notizen  eines  losen  Foliobogens,  welcher 
wörtlich  folgendermassen  —  von  Habel  —  beschrieben  ist: 

ad  Not.          Heddernh.  Silb.  Münzen  Erster  Ankauf  von  324 

zusammengefunden  Silberm.   1850  .  ,  .  Decbr. 

324  Stück       gek.    bey    D.    Oppenheim  von  Hofjuwelier  Oppen- 

7       „          —  von  Weck  in  Hedderh.  heim  in  Frankfurt. 

331  Stück 

das  zusammengefunden 

Die  Silberraünzen  fangen  an  mit 
und  endigen  — 

Es  sind  folgende  Kaiser  und  Kaiserinnen: 

stück 

Nero 4 

Aus  beiden  Aufzeichnungen,  nebeneinander  und  mit  dem  Manuskripte  des 
Jahresberichtes  zusammengehalten,  ergiebt  sich  Folgendes: 

1.  Der  Gesamtfund  bestand  im  ganzen  —  soweit  sich  nach  den  Akten 
feststellen  lässt  und  abgesehen  von  den  nachträglich  noch  im  Schutte 
gefundenen  Münzen  (vgl.  S.  246  oben)  —    aus  357  Stück  und  zwar: 

324  Stück,  die  Oppenheim  kaufte, 
26       „         „     Schmidt  kaufte, 
7       „  ,^     bei  Franz  in  Heddernheim  zurückblieben  oder 

an  einen  gewissen  Weck  daselbst  gelangten. 

357  Stück, 
welche  der  Verein  für  Nass.  Altertumskunde  und  Geschichtsforschung 
bis  auf  die    nicht   mehr  erreichbaren    26  Schmidt'schen   Exemplare 
erwarb. 

2.  Den  Inhalt  dieses  Ankaufes  beabsichtigte  Habel  gecau  zu  spezi- 
fizieren; es  geht  dies  sowohl  aus  der  Schlussnotiz  des  erwähnten  losen 
Foliobogens  hervor,  wie  aus  dem  Manuskript  des  Jahresberichtes; 
in  letzterem  nämlich  sind  hinter  der  Stelle,  wo  es  mit  der  Behand- 
lung des  Münzfundes  abbricht,  einige  Seiten  freigelassen,  während 
die  Paginierung  durchläuft.  Offenbar  also  wollte  Habel  später  hier 
ein  genaues  Verzeichnis  der  einzelnen  erworbenen  Münzen  einfügen. 
Leider  nahm  er  —  aus  welchen  Gründen,  wissen  wir  nicht  —  da- 
von Abstand  und  so  erfahren  wir  nur,  dass  die  früheste  in  dem 
Gesamtfunde  vertretene  Silbermünze  ein  Nero  war. 


249 

Es  ist  ein  besonders  glücklicher  Zufall,  dass  wir  trotzdem  in  der  Lage 
sind,  auch  die  weiteren  Bestandteile  des  Fundes  grösstenteils  heute  noch  zu 
konstatieren.  Herrn  Dr.  Ritterling  ist  es  nämlich  gelungen,  in  den  Akten 
des  Vereins  für  Xass.  Altertumskunde  und  Geschichtsforschung  folgende  darauf 
bezügliche  Blätter  zu  entdecken: 

1.  Ein  Blatt  in  Folio,  beschrieben  von  der  Hand  des  bis  1857  thätigen 
Konservators  Kihm.  Dasselbe  führt  unter  der  Überschrift  „XXI'^* 
Verzeichnis"'^)  eine  grosse  Anzahl  Denare  (332  Stück)  von  Nero 
bis  Gordianus  an.  Dieselbe  stimmt  genau  mit  der  Angabe  in  der 
Rechnung  des  Vereins  für  Nass.  Altertumskunde  und  Geschichts- 
forschung vom  Jahre  1850  und  bis  auf  ein  Stück  (vgl.  zur  Erklärung 
der  Differenz  Aum.   12)   auch  mit  der  HabeTschen  Notiz  auf  dem 


ächublad. 

Kapsel. 

XXI'es     Verzeichnis. 

b 

00 
00 

O 

u 

o 

'S 

-** 

N 

b 

'S 

Gold. 

17 
17 

1 
2 
3 
4 

5 
6 

7 

8 

9 

10 

12 
13 
14 
lö 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
2G 
27 
27 
28 
29 
30 

Nero 

Derselbe 





i 



6 

3 

2 

1 

1 

1 

1 

1 

15 

13 

3 

7 

1 

.')ö 

31 

5 

r, 

1 

8 
42 

28 
18 
35 
34 
2 

6 
1 
2 

1 

1 

1 

— 

18 
18 

Galba 

Derselbe 

18 

Otho ' 

18 

Derselbe 

IS 

Vitellius       

18 

'  Derselbe 

19 
19 

'  Vespasian 

Derselbe 

— 

19 

Derselbe ' 

28 

Titus 

Derselbe • 

G3 

Vespasian [ 

24 

Domitian 

24 

Derselbe 

24 

Derselbe 1 

24 

Derselbe      .     .          

28 

Xerva      ...          ' 

Traian ■ 

Derselbe ' 

_ 

Derselbe 

_ 

Hadrian ' 

_ 

Derselbe ■ 

^^ 

Sabina  dessen  Gemahlin 

Antoninus  Piua 

1  Gordianus     ......          .... 

— 

1  Julia  Soaemias  exor  Heleogabalus      .     . 
Caracalla 

Alexander  Aug 

1 

— 

250 

öfters    erwähnten    losen  Foliobogen.     Mit   dem    letzteren  hat   dieses 

Blatt    auch    noch    die    Bezeichnung    des    ersten    in    dem    Münzfunde 

vertretenen  Kaisers  als  Nero  gemeinsam. 
Es  kann  sonach  wohl  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  dieses  „XXr*  Ver- 
zeichnis"   (seine  Vorgänger    enthalten    ein  Gesamtinventar    der  Münzsammlung 
des  Vereins)  eben  die  332  Silbermünzen  aus  Heddernheim  aufführt,  aus  welchen 
sich  der  Gesamtfund  zusammensetzte. 

Dass  Kihra  von  dem  letzteren  Kenntnis  hatte,  und  dass  er  selbst 
ihn  der  Sammlung  einverleibte,  ergiebt  sich,  abgesehen  von  dem  XXI.  Ver- 
zeichnis, aus  einigen  wenigen  Bleistiftnotizen,  welche  er  eigenhändig  auf  einem 
Quartblatte  verzeichnet  hat.  Es  wird  daselbst,  in  13  Posten  geteilt,  der  Be- 
stand der  Sammlung  nach  den  Kategorien  „Grosserz,  Mittelerz,  Kleinerz,  Silber, 
Gold**  in  Zahlen  angegeben;  unterhalb  der  einzelnen  Schlusssummen  und  der 
Gesamtsumme  daraus  findet  sich  die  Bemerkung:  „1850  in  Heddernheim  gek. 
Davon  erhalten  Silbermünzen  332",  Diese  Zahl  ist  dann  zu  der  Summe  der 
Kategorie  „Silber"   und  der  Gesamtsumme  addiert. 

Daraus  geht  Folgendes  hervor:  Als  unser  Silberfund  dem  Verein  für  Xass. 
Altertumskunde  und  Geschichtsforschung  zuging,  hatte  Kihm  bereits  ein  aus- 
führliches (XX  Verzeichnisse)  und  ein  summarisches  (Bleistiftnotizen)  Inventar 
der  Münzsammlung  angefertigt;  an  beide  hängte  er  nun,  je  ihrer  Art  ent- 
sprechend, die  nötigen  Angaben  über  den  neuen  Zuwachs,  unseren  Münzfund, 
an.  So  entstand  das  „XXP®  Verzeichnis"'^)  und  die  Bemerkung^'):  „1850  in 
Heddernheim  gek.     Davon  erhalten  Silbermünzen  332". 

2.  Sieben    Bogen,   z.    T.  Briefpapier,    z,   T.   graues  Schreibpapier,    mit 

einem    detaillierten   Verzeichnis'*)    ausschliesslich    römischer   Denare. 

Ein  Vergleich  desselben  mit  der  Kihm' sehen  Aufstellung  ergiebt'^): 

Kihm:     Detaill.  Verz.: 

Gens  Cossutia —  1 

Xcro 9  9 

Galba 3  2 

Otho 2  1 

Vitellius 2 2 

zu  übertragen     .     .       16  15 

"'j  Dieses  Verzeichnis  legt  übrigens  die  Vermutung  nahe,  dass  Kihm  selbst  es  war, 
welcher  unseren  Münzfund  in  verschiedene  Kapseln  und  Schieblatlen  yerteilte  und  somit  in 
erster  Linie  Anlass  zu  seiner  Auflösung  gab. 

'")  Der  Wortlaut  dieser  Bemerkung  scheint  darauf  hinzuweisen,  dass  1850  noch  mehr 
Altertümer  —  vielleicht  ebenfalls  Münzen  —  in  Heddernheim  angekauft  wurden,  von  welchen 
Kihm  im  vorliegenden  Falle  nur  Silbermünzen  anführt. 

'*J  Wer  dasselbe  angefertigt  hat,  war  bis  jetzt  nicht  festzustellen. 
'■')  Dass  beide  Verzeichnisse  Irrtümer  enthalten,  indem  z.  B. 

in  beiden   eine  Münze   des  Vespasianus,  Titus  und  Domitianus  dem  Vespasianus, 
in  dem  Kihm'schen  einige  Titus-   und  Caracalla-Münzen   dem    Vespasianus    und 
Antoninus  Plus  zugeteilt  .sind, 
ist  hierbei  nicht  berürkai<ditigt.     Der  in    dem    det.  Verzeichnis   angegebene    „Kaiserdenar  von 
Domitian  oder  Trajan*^   ist  durcligänj;ig  für  let/.teren  in  Anspruch  genommen. 


251 

Kihm:     Detail).  Verz.: 

Übertrag     .     .  16  15 

Vespasianus SG  76 

Titus 8  10 

Domitianua 43  3B 

Nerva 8  7 

Traianus        88  Gl 

Iladrianus G9  CO 

Sablna 2  2 

Antoninus  Pius      ....  6  4 

Faustina  1 1  1 

Caracalla 1  2 

Julia  Soaemias       ....  1  1 

Alexander  Severus      ...  1  — 

Gordianus 2  — 

332  272 

Die  Zahlen  entsprechen  sich  wohl  im  allgemeinen,  aber  nicht  immer  genau; 
manchmal  weichen  sie  erheblich  voneinander  ab.  Allein  das  detaillierte  Ver- 
zeichnis ist  offenbar  —  schon  der  Handschrift  nach  —  ziemlich  viel  später 
angefertigt  als  das  Kihm'sche  und  da  nun  Kihm,  wie  wir  oben  gesehen  haben, 
unseren  Fund  der  Sammlung  einverleibt  und  dabei  vermutlich  (s.  Anm.  16) 
nicht  'als  ein  Ganzes  erhalten  hat,  so  ist  es  wahrscheinlich,  dass  nicht  alle 
Münzen  des  Fundes  mehr  zusammenlagen,  als  das  detaillierte  Verzeichnis  an- 
gefertigt   wurde.     Schon  daraus  erklären  sich  zum  grossen   Teile  die  Abweich- 


urgen  in  den  Zahlen  beider  Verzeichnisse.  Dazu  kommt,  dass  Kihm,  der  mit 
römischer  Numismatik  wohl  nicht  sehr  vertraut  war,  Münzen  des  Vespasianus 
dessen  Sohn  und  umgekehrt,  vielleicht  auch  solche  des  Caracalla  dem  Antoninus 
Pius  vindizierte  etc.;  auch  hierdurch  mögen  manche  Differenzen  entstanden  sein. 
Dass  indessen  trotz  der  hervorgehobenen  Verschiedenheiten  beide  Ver- 
zeichnisse die  gleiche  Sammlung  beschreiben,  beweisen  die  nachstehenden  Be- 
obachtungen: 

a)  Die    in    beiden   angeführten  Kaiser   sind  im  wesentlichen  dieselben. 

b)  Für  beide  ist  charakteristisch  das  Fehlen  aller  Denare  von  M.  Au- 
relius  an  bis  auf  Caracalla. 

Dafür  aber,    dass    diese  Sammlung   eben  unser  Heddernheimer  Münzfund 
ist,  sind  folgende  Thatsachen  entscheidend: 

a)  Das  Kihm'sche  Verzeichnis  enthält  332  Stück,  also  genau  die  Zahl 
von  Münzen,  welche  für  den  Münzfund  anderweitig  bekannt  ist. 

b)  Das  von  Habel  geplante  Verzeichnis  des  Münzfundes  beginnt: 

Nero 4  Stück 

ebenso  das  detaillierte  Verzeichnis 

Nero  Bs.  Jupiter  Custos   4  Stück. 
Nach  Masflgabe    der  vorstehenden  Deduktionen  haben  wir  also  sowohl  in 
dem  Kihm'schon,   wie  in  dem  detaillierten  Verzeichnis  eine  Zusammenstellung 


der  Einzelbestandteile  unseres  Heddernheimer  Fundes  zu  erkennen;  beide  nennen 
uns  fast  übereinstimmend  die  Namen  der  in  ihm  vertretenen  Kaiser;  ersteres 
bezeichnet  annähernd  richtig  die  Stückzahl  der  auf  die  einzelnen  Kaiser  ent- 
fallenden Münzen,  letzteres  enthält  nicht  den  ganzen  Fund,  ist  also  für  die 
Frage  der  Stückzahl  wertlos,  giebt  aber  dafür  eine  detaillierte  Beschreibung 
der  in  ihm  aufgenommenen  Denare. 

Ehe  ich  diese  Beschreibung  anschliesse,  ist  es  lehrreich,  die  Zusammen- 
setzung des  Gesamtfundes  auf  Grund  beider  Verzeichnisse  näher  ins  Auge  zu 
fassen;  sie  wird  am  anschaulichsten  durch  ein  einfaches  Schema: 

Kihm:     Detaill.  Verz.: 

Gens  Cossutia —  1 

Nero  -  Anton.  Pius   .     .    326  267 

Faustina  1 1  1 

Caracalla 1  2 

Julia  Soaemias       ....         1  1 

Alexander  Severus     ...  1  — 

Gordianus 2  — 

Ein  fortlaufendes  Ganzes,  wie  man  es  bei  einem  Gesamtmünzfunde  er- 
wartet, bildet  diese  Reihe  nicht.  Zunächst  fällt  der  an  erster  Stelle  genannte 
Familiendenar  aus  dem  Ganzen  vollständig  heraus;  er  gehört  in  das  Jahr  54 
V.  Chr.  und  liegt  somit  über  100  Jahre  hinter  der  ersten  Kaisermünze  zurück. 
Von  Nero  bis  Antoninus  Pius  folgt  sodann  eine  ununterbrochene  Kette  von 
Münzen,  die  letzte  gehört  dem  Jahre  139  n.  Chr.  an.  Darauf  folgt  ein  Sprung 
von  mindestens  2  Jahren,  denn  aus  dem  Kihm 'sehen  Verzeichnis  (das  detail- 
lierte beschreibt  den  Faustinadenar  nicht  eingehend)  erfahren  wir,  dass  die 
Faustinamünze  die  Umschrift  „Diva  Faustina"  trug,  somit  erst  nach  141  n.  Chr. 
geprägt  sein  kann.  Während  der  Zwischenraum  von  2  Jahren  im  grossen 
ganzen  nicht  viel  besagen  will,  folgt  nunmehr  ein  Sprung  von  ca.  70  Jahren, 
von  Faustina  I.  bis  auf  Caracalla. 

Man  wird  danach  zu  dem  Gedanken  geneigt  sein,  dass  der  wirkliche 
Münzfund  nur  aus  den  Münzen  des  Nero  bis  Antoninus  Pius  oder  bis  Faustina  I. 
bestanden  habe,  und  dass  die  ausserdem  aufgeführten  Stücke  s.  Z.  fälschlich 
als  zu  jenem  Funde  gehörig  bezeichnet  worden  seien. 

Prüfen  wir  diese  Frage  näher. 

Die  Stückzahl  des  Kihm 'sehen  Verzeichnisses  beträgt  von  Nero  bis 
Antoninus  Pius  326;  in  Wirklichkeit  wird  die  Zahl  etwas  geringer  gewesen 
sein  und  zwar  aus  folgendem  Grunde:  Da  das  detaillierte  Verzeichnis  später 
als  das  Kihra'sche  und  zu  einer  Zeit  angefertigt  worden  ist,  wo  der  Münzfund 
nicht  mehr  ganz  intakt  war,  so  ist  es  nur  natürlich,  dass  es  durchgehends, 
wenn  nicht  die  gleichen,  niedrigere  Ziffern  giebt  als  das  Kihra'sche.'^") 

Nur  in  einem  einzigen  Falle  ist  es  umgekehrt,  nämlich  bei  Caracalla; 
hier  zählt  das  detaillierte  Verzeichnis  2,  das  Kihra'sche  nur  1  Stück.  Hier 
muss  also  ein  Irrtum  untergelaufen  sein  und  zwar  besteht  derselbe  vermutlich 
darin,  dass  Kihm  einige  Caracaliamünzen  auf  Grund  ihrer  Aversuraschrift  dem 

'^"j  Bezüglich  der  Stückzahl  der  Vospaaianu.s-  und  Titua-Münzon  vgl.  Anm.  19  und  Seit«  2Ö1, 


253 

Antoninus  Pius  zuteilte,  welche  später  der  numismatisch  geübtere  Verfasser 
des  detaillierten  Verzeichnisses  richtig  bestimmte.  Wir  dürfen  nach  dem  Ge- 
sagten annehmen,  dass  von  den  Piusmünzen  des  Kihm'schen  Verzeichnisses 
mindestens  1,  wahrscheinlich  aber  2  oder  mehr  abzuziehen  und  dem  Caracalla 
zuzusprechen  sind.  Ziehen  wir  zwei  ab,  so  erhalten  wir  die  Zahl  324;  es  ist 
wohl  kein  Zufall,  dass  diese  Zahl  genau  übereinstimmt  mit  der  Summe  der 
Münzen,  welche  Habel  von  Oppenheim  kaufte  und  dass  die  8  übrigen,  welche 
aus  der  Reihe  herausfallen,  in  der  Zahl  den  nachträglich  von  Franz  in  Heddern- 
heim  erworbenen  entsprechen. 

Somit  ist  die  Vermutung  sehr  wahrscheinlich,  dass  der  wirkliche  Gesamt- 
fund, soweit  er  als  solcher  erhalten  blieb,  nur  aus  324  Stücken  bestand,  eben 
jenen,  welche  Habel  von  0.  kaufte,  und  dass  die  wenigen  nachträglich  er- 
worbenen Münzen  von  Franz  fälschlich  als  zu  dem  Funde  gehörig  ausgegeben 
und  infolge  dessen  mit  diesen  zusammen  von  Kihm  inventarisiert  wurden.  Ein 
nicht  dazu  gehöriges  Stück  muss  ja  auf  alle  Fälle  zu  dem  Funde  geraten  sein, 
denn  aus  Hab  eis  Notiz'-)  wissen  wir,  dass  derselbe  sich  thatsächlich  nur  auf 
331  Stück  belief,  indem  sich  0.  um  eines  verzählt  hatte;  trotzdem  aber  führt 
das  Kihm'sche  Verzeichnis  332  Stück  auf. 

Wir  werden  nach  diesen  Wahrscheinlichkeitsbeweisen  nicht  fehlgehen  in 
der  Annahme,  dass  der  im  Jahre  1850  in  Heddernheim  gehobene  Silbermünzen- 
fund,  soweit  er  in  das  Museum  nach  Wiesbaden  gelangte,  thatsächlich  nur  aus 
324  Stück  bestanden  habe,  welche  die  Kaiser  Nero  bis  Antoninus  Pius  incl. 
repräsentierten.  Dazu  wurden  nachträglich  auf  Grund  der  falschen  Angabe, 
sie  gehörten  zu  diesem  Funde,  noch  folgende  Stücke  angeschafft  und  demselben 
einverleibt: 

1  Faustina  I., 

3  Caracalla, 

1  Julia  Soaemias, 

1  Alexander  Severus, 

2  Gordianus. 

8  Stück.  * 

Wieso  der  einzige  Familiendenar  in  das  detaillierte  Verzeichnis  kommt,  ist 
ein  Rätsel.  Kihm  kennt  ihn  nicht;  noch  wichtiger  aber  ist  der  Umstand,  dass 
ihn  auch  der  numismatisch  weit  erfahrenere  Habel  nicht  als  Bestandteil  des 
Fundes  aufführt,  sondern  dessen  Beschreibung  ebenso  wie  Kihm  mit  Nero  beginnt. 

Ich  gebe  nunmehr  im  Folgenden  zunächst  den  Originaltext  des  detaillierten 
Verzeichnisses-')  wieder,  um  danach  auf  Grund  desselben  und  des  Kihm 'sehen 
Inventars  unter  Berücksichtigung  der  in  beiden  untergelaufenen  Irrtümer  den 
Bestand  unseres  Münzfundes  hinsichtlich  der  in  ihm  vertretenen  Kaisermünzen 
und  ihrer  Stückzahl  soweit  möglich  zu  rekonstruieren. 


")  Ich  habe  das  Verzeichnis  möglichst  nach  Cohen  vervollständigt.  Fehler  in  der  Be- 
stimmung von  Münzen  habe  ich  thunlichst  geändert  und  diese  Änderung  stets  angemerkt. 
Die  nachträglich  und  fälschlich  zu  dem  wirklichen  Bestände  des  Fundes  hinzugekommenen 
Stücke  sind  durch  Cursiv-Druck  kenntlich  gemacht. 


17 


254 


GentCoaautia 


Nero 


Gftlba 


Otho 
Vitellius 


Vespasianua 


BVLA     Geflügelter    Kopf  der   sterbenden 

Medusa  mit  Schlangen  im  Haar. 

]is.  VII  Bellerophon  auf  dein  Pegasus,  den 
Speer  werfend. 
Nero  Caesar  Auguätus. 

Rs.  Jupiter  Custoa  (sitzender  Jupiter). 
Imp.  Xero  Caes.  Aug.  P.  P. 

Es.  Jupiter  Custos  (sitzender  Jupiter). 
Nero  Caesar  Augustus. 

Es.  Salus  (sitzende  Salutis). 
Imp.  Nero  Caesar  Augustus. 

Rs.  Salus  (sitzende  Salutis). 
Imp.  S.  Galba  Caesar  Aug. 

Rs.  Victoria  P.  R.  (stehende  Victoria). 
Imp.  Ser.  Galba  Aug. 

Es.   S.   P.   Q.   R.  Ob.  C.  S.  (in  einem  Lor- 
beerkranz). 
S.  Otho  Caesar  Aug. 

Rs.  Fax   Orbis   Torrar  .  . .  (stehende  Pax). 
A.  Vitellius  Germ  .  .  .  Imp.  Tr.  P. 

Rs.  Conoordia  .  .  .  (sitzende  Concordia). 


Caesar  Vespasianus  Aug. 

Rs.  Annona  Aug.  (sitzende  weibliche  Figur). 
Imp.  Caes.  Vesp.  Aug.  P.  M. 

Rs.  Augur  Tr.  Pot.  (Priester-Geräte). 
Imp.  Caes.  Vesp.  Aug.  P.  M.  Cos.  IUI. 

Rs.  Augur  Tr.  Pot.  (Priester-Geräte). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Rs.  Cos.  iter.  Fort.  Red.  (stehende  Fortuna). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Rs.  Cos.  VII  (Adler  auf  Ära). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  aug.  (Kopf  rechts). 

Rs.  Cos.  VIII  (stehender  Mars  mit  Trophee). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  Aug. 

Rs.  .  .  .  (stehender  Mars  mit  Trophee). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  Aug.  (Kopf  links). 

Rs.  Cos.  VIII  (stehender  Mars  mit  Trophee; 
Ähre). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Rs.  Cos.  VIII  (zwei  gejochte  Ochsen). 
Divus  Augustus  Vespasianus. 

Rs.  Ex  S.  C.  (stehende  Victoria). 
Divus  Augustus  Vespasianus. 

Rs.  Ex  S.  C.  (quadriga). 
. . .  Caes.   Vesp.  Aug.  P.  M.  . . . 

Rs.    Fides    Publi.    (zwei    Hände    mit  Ähren, 
Mohn,  Caduceus). 
Caesar  Vespasianus  aug. 

Rs.  Imp.  . . .  (Kornmass  mit  .\hren). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Rs.  Judacft  (^itzpndc  Figur  vor  Trophee). 


Bahelon  I.  437.  1. 


Cohen'^  I.  2^^7.  119. 


C.  I.  2S8.   12.3. 


C.  I.  .300.  313  oder  319. 


C.  I.  300.  318. 


C.  I.  340.  328. 


Nicht  bei  Cohen. 


C.  I.  352.  3—5. 

Nicht  näher  bestimmbar, 
da  nicht  ersichtlich,  ob 
Concordia  Aug.  oder 
Concordia  P.  R,  etc. 

C.  I.  370.  28  oder  30. 

C.  I.  371.  43. 

C.  I.  371.  45. 

C.  I.  374.  84. 

C.  I.  377.  120-122. 

C.  I.  .377.  125. 

C.  I.  377.  125  oder  12ß. 

C.  I.  377.  127. 


Wohl  =  C.  I.  377.  135. 


C.  I.  378.  144. 


C.  I.  378.  146  oder  147. 


C.  I.  380.  1G4. 


C.    I.    383.   215   oder  21 G 

oder  3S4.  219. 
C.  I.  384.  22r>. 


255 


3 
1 


2 
1 
3 
1 
2 

2 

12 
1 
9 


Vespasianus     Irap.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Bs.  Pon.  -^[ax.  Tr.  P.  Cos.  V  (Caduceus). 
Imp.  Caesar  Vespasianus   aug. 

Es.    Pon.    Max.    Tr.    P.    Cos.    VI    (Victoria 
Navalis). 
Caesar  Imp.  Vespasian. 

Bd.    Pon.    Max.   Tr.    P.    Cos.    VII    (sitzende 
weibliche  Figur). 

Imp.  Caes.  Vesp.  aug.  Cens. 

lis.  Pontif.  Maxim,  (sitzende  Figur). 


Imp.  Caes.  Vesp.  aug.  Cens. 

Es.  Salus  aug.  (sitzende  Salus). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Es.  Tr.  Pot.  .  . .  Cos.  VIIH  (Caprioorn). 
Imp.  Caes.  Vesp.  Aug.  P.  M. 

Es.  Tri.  Pot.  (sitzende  Figur). 
Imp.  C.  Vesp.  Aug.  P.  M.  Cos.  Ulf. 

Es.  Tri.  Pot.  (sitzende  Figur). 
Imp.  Caes.  Vesp.  Aug.  P.  M. 

Es.   Tri  Pot.    II.    Cos.    III.    P.   P.    (sitzende 
Figur). 
Imp.  Caes.  Vesp.  Aug.  P.  M.  Cos.  IUI. 

Es.  Vesta  (stehende  Vesta). 
Imp.  Caes.   Vespasianus  Aug. 

Es.  Cos.  iter.  Fort.  Red.  (stehende  Fortuna). 
. .  .  Vespasianus  aug. 

Es.  Cos.  VI.  (stehender  Stier). 
Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Es.    Poa.    Max.  Tr.    P.    Cos.    VI.    (sitzende 
weibliche  Figur). 

Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 

Es.  Pon.  Max.  Tr.  P.  Cos («itzende  Figur). 

Imp.  Caes.  Vesp.  aug.  P.  M.  Cos.  IUI. 

Es.  Victoria  Augusta  (Victoria  vor  Trophee). 

Divus^augustus  Vespasianus. 

Es.  Zwei  Capricorne  mit  Schild  und  Kugel. 


Caesar  Vespasianus  aug. 

Es.  . .  .  (stehende  Figur). 
Imp.  Caes.  Vesp. 
!         Es.  Durchschlag. 
Vespasianus,     Imp.  Caesar  Vespasianus  aug. 
Titus  und     | 
Domitianus   1 


Titus 


Es.     ...  ar    Aug.    F.    Cos.  Caesar    aug.    F. 
...  (Die  Köpfe  des  Titus  und  Domitian). 

T.  Caesar  Vespasianus. 

Es.  Annona  Aug.  (sitzende  Figur). 


C.  I.  .30.').  .'562. 
C.  I.  39.5.  368. 

Wohl  =  C.  I.  :}9ß.  373  od. 
374  und  Aversumschrift 
falsch  gelesen. 

C.  I.  397.  387,  doch  in 
Silber,  wie  es  vielfach 
vorkommt,  z.  B.  zwei- 
mal in  der  stüdt.  Samm- 
lung zu  Frankfurt  a.  M. 

C.  I.  401.  431. 

C.  I.  411.  .'>.J4  oder  5r>r,. 

C.  I.  411.  ÖGI. 

C.  I.  411.  503. 

C.  I.  412.  .")66. 

C.  I.  413.  574. 
Nicht  bei  Cohen. 
Nicht  bei  Cohen. 

Nicht  näher  bestimmbar, 
da  die  weibl.  Fig.  un- 
genügend charakterisiert 
ist. 

Nicht  näher  bestimmbar. 

Augusta?  Nicht  näher  be- 
stimmbar. 

Es.  mir  für  Vespasian  nicht 
bekannt;  nicht  näher  be- 
stimmbar. 

Nicht  bestimmbar. 


C.  I.  424.  5. 

(Die  Zuteilung  an  A'es- 
pasianus  im  Original- 
verzeichnis ist  unrichtig). 

C.  I.  430.  17. 


256 


Titiis 


Doniitianus 


Caesar  Imp.  Vespasian. 

Rs.  Jovis  Custos  (stehcniler  Jupiter). 


T.  Imp.  Caesar  Vespasian. 

Rs.  Pontif.  Tr.  P.  Co9.  IUI.  ^sitzende  Figur). 
T.  Caes.  Imp.  Vesp.  Cens. 

Rs.  Salus  Aug.  v^itzende  Salus). 
Imp.  Titus  Caesar  Vespasian us  aug. 

Rs.  Tr.  P.  Villi.  Imp.  XIIII.  Cos.  VII.   P. 
P.  (Quadriga). 
Imp.  Titus  Caesar  Vespasian.  aug.  P.  M. 

Rs.  Tr.  P.  Villi,  [mp.  XV.  Cos.  VII.  P.  P. 
(Capricorn). 
Imp.  Titus  Caes.  Vespasian.  Aug.  P.  >I. 

Rs.  Tr.   P.   IX.   Imp.  XV.   Cos.  VIII.  P.  P. 
(  Deipbin  mit  Anker). 
Imp.  Titus  Caes.  Vespasian  aug.  P.  M. 

Rs.  Tr.  P.  IX.   Imp.   XV.  Cos.  VIII.   P.  P. 
(Delphin  auf  Dreifuss). 

Imp.  Titus  Caes.  Vespasian  aug.  P.  M. 

Rs.  Tr.  P.  IX.  Imp.  XV.  Cos.  VIII.  P.  P. 

Caesar  Aug.  F.  Domitianus. 

Rs.  Ceres  August,  (stehende  Ceres). 
Caesar  Aug.  F.  Domitianus. 

Rs.  Cos.  V,  (Kaiser  zu  Pferde). 
Caesar  Aug.  F.  Domitianus. 

Rs.  Cos.  V.  (Lupa;  unten  Lampe). 

Imp.  Caes.  Domit.  Aug.  Germ.  P.  M.  Tr.  P.  VI. 

Rs.    Imp.    XIII.    Cos.    XII.    Cens.  P.  P.  P. 
(stehende  Minerva). 
Imp.  Caes.  Domit.  Aug.  Germ.  P.  M.  Tr.  P.  VI. 

Rs (stehende  Minerva  anf  Schifif). 

Imp.  Caes.  Domit.  Aug.  Germ.  P.  M.  Tr.  P.  VII. 

Rs.  Imp.  XIIII.  Cos.  XIIII.  Cens.  P.  P.  P. 

Rs.    Imp.    XV.    Cos.    XIIII.    Cens.    P.    P.    P. 

(stehende  Minerva). 
Dieselbe  mit  Imp.  XVII. 
Dieselben  mit  Imp.  XXI. 
Imp.  Caes.  Domit.  aug.  germ.  P.  M.  Tr.  P. 

Rs.    Imp.    XXI.    Cos.    XV.    Cens.  P.   P.   P. 
(stehende  .Minerva  mit  fulmen). 

Imp.  Caes.  Domit.  aug.  germ.  P.  M.  Tr.  P.  II. 

Ra.  Ebenso  mit  Cos.  XVI. 
Dieselbe  mit  stehender  ^Minerva  mit  Schild  und 

Wurfspiess. 
Dicselijcn  mit  stehender  Minerva  mit  Ilasta. 


C.  I.  437.  106. 

X'ach  Aversumschrift  Titus 
und  nicht,  wie  im  Ori- 
ginalverzeichnis, Vespa- 
sianus  (etwa  C.  I.  384. 
222  oder  223). 

C.  I.  443.   162. 

Kennt  Cohen  nur  in  M.  B. 

C.  I.  452.  278. 

C.  I.  4.-» 3.  294. 

C.  I.  4:)4.  .309  oder  310. 

C.  I.  455.  321   oder  323. 
In    Cohen    hier    Druck- 
fehler: Cos.  IUI  anstatt 
Cos.  VIII. 

Xicht  näher  bestimmbar, 
da  Typenangabe  des  /("."J. 
fehlt. 

C.  I.  472.  30. 
C.  I.  474.  49. 
C.  I.  474.  .-)1. 


Nähere  Bestimmung  zum 
.  Teil  unmöglich    und    im 
allgemeinen  zwecklos. 


257 


Domitiunus 


1 
2 


Nerva 


Traianus 


Imp.  Caes.  Doniir.  au?,  germ.  P.  M.  Tr.  I'.  XF. 
lis.    Imp.  XXII.    Cos.  XVI.  Cens.   V.  P.  P. 
('stehende  Minerva  auf  Scliitf). 
Imp.  Caes.  Domit.  aujj.  germ.  P.  M.  Tr.  P.  XI. 
Bs.  Imp.   XXII.    Cos.  XVII.  Cena.  P.  P.  P. 
(stehende  Minerva). 
Imp.  Caes.  Domit.  aug.  germ.  P.  M.  Tr.  P.  XIIII. 
Bs.  Imp.  XXII.   Cos.  XVII.    Cens.  P.  P.  P. 
(Minerva  auf  Schiff'. 
Imp.  Caes.  Domit.  aug.  germ.  P.  M.  Tr.  P.  XV. 
Bs.  Imp.  XXII.    Cos.  XVII.   Cens.  P.  P.  P. 
(stehende  Minerva). 

Imp.  Caes.  Domit.  aug.  germ.  P.  M.  Tr.  P.  XVI. 
Bs.  Imp.  XXII.  Cos.  XVII.   Cens.  P.  P.  P. 

(Ära). 
Caesar  Divi  F.  Domitianua  Cos.  VII. 

Bs.  Princeps  Juventutis  (in  einem  Lorbeer- 
kranze Zie,:;e). 
Caesar  aug.  F.  Domitianus  Cos.  VI. 

Bs.   Princeps  Juventutis    (zwei    Hände     mit 
Standarte). 
Caesar  divi  f.  Domitianus  Cos.  VII. 
Bs.  Princeps  Juventutis.    (Ära.) 

Imp.  Caesar  Domitianus  au^.  Pon.  M. 

Bs.  Tr.  P.  Cos.  VII.  ...  P.  P.  (Göttertisch.) 


Imp.  Nerva  . . .  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  III.  P.  P. 

Es.  Aequitas  August,  (stehende  Aequitas). 
Imp.  Xerva  Caes.  Aug.  P.  M.  Tr.  Pot. 

Bs.   Cos.    III.    Pater   Patriae    (Pontifical-In- 
strumente). 
. . .  aes  Aug.  Imp.  Tr.  P.  Cos.  III.  P.  P. 

Bs.  Fortuna  august.  (stehende  Fortuna). 
Imp.  Xerva  Caes.  Aug.  Germ.  P.  M.  Tr.  P.  II. 

Bs.  Imp.  II.  Cos.  IUI.  F.  P.  (stehende  Figur 
mit  Waage). 
Imp.  Xerva  Caes.  Aug.  P.  M.  Tr.  P.   Cos.  III. 

P.  P. 

Bs.  Liberias  Publica  (stehende  Liberias). 

Imp.  Traiano  aug.  Ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P.  Cos. 
VL  P.  P. 

Bs.  Alim.  ital.  S.  P.  Q.  R.  Optimo  Principi 
(Provinz  Italien   mit  Füllhorn). 
Imp.  Traiano  aug.  Ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P. 
Bs.  Cos.  V.  P.  P.  S.  P.  Q.  R.  optimo  Princ. 
(sitzende  Figur  mit  Füllhorn). 
Imp.  Traiano  aug.  ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P. 
Bs.  Cos.  V.  P.  P.  S.  P.  Q.  R.  Optimo  Princ. 
(stehende  Victoria  auf  Rad). 


Nähere  Bestimmung  zum 

Teil    unmüglich    und  im 

allgemeinen  zwecklos. 


C.  I.  4"J6.  '.'06. 


C.  I.  .3U4.  390. 


C.  I.  504.  3i)3. 


C.  I.  504.  390  als  Avers 
C.  I.  504.  397  als  Bs. 
Xicht  bei  Cohen. 

Nicht  sicher  zu  identifi- 
zieren; vielleicht  =  C.  I. 
518.  575;  die  Aversum- 
schrift stimmt  in  keinem 
Falle. 

C.  II.  2.  6. 
C.  II.  6.  48. 


C.  IL  7.  66. 

C.    IL    9.    91    (Aversum- 
schrift verlesen). 

C.  IL   10.   113. 


C.  IL   18.  9. 


C.  IL  26.  73. 


\Volil  =  C.  IL  26.  76. 


258 


TraiaiiU3 


Imp.  Traiuno  aug.  Ger.  Dac.  P.  31.  Tr.  P. 
Hs.  Cos.  V.  P.  P.  S.  P  .Q.  R.  Optimo  Princ. 
(stehende  Figur  mit  Caduceus). 
Imp.  Traiano  aug.  ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P. 
Es.  Co3.  y.  P.  P.  S.  P.  Q.  R.  optimo  Princ. 
(stehende  Spes). 
Ebenso    (stehende    Figur    mit    Füllhorn    und 

Waage). 
Ebenso    (sitzende    Figur    mit    Füllhorn    und 

Waage). 
Ebenso  (stehende  Figur  mit  Kameel). 
Ebenso  iTrophee). 

Imp.    Traianus    Aug.    Ger.    Dac.    P.    M.  Tr.  P. 
Cos.  VI.  P.  P. 

Es.  Divus  Pater  Traian.    (sitzender  Traian). 

Imp.  Caes.  Xer.  Traian.  Optira.  Aug.  Ger.  Dac. 

Es.  Parthico  F.  M.  Tr.    P.    Cos.   VI.   P.    P. 

S.  P.  Q.  R.  Fort.  Red.    isitzende  Fortuna). 

Imp.  Caes.  Ner.  Traiano  optimo  aug.  ger.  Dac. 

Es.  Fort.  Red.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  VI.  P.  P. 

S.  P.  Q.  R.  (sitzende  Fortuna). 

Imp.  Caes.  Xer.  Traiano  Optimo  Aug.  Ger.  Dac. 

Es.  Fort.  Red.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  II.   P.  P. 

S.  P.  Q.  R.  (sitzende  Fortuna). 

Imp.  Caes.  Xer.  Traian.  Optim.  Aug.  Ger.  Dac. 
Parthico. 

Et.   Fort.  Red.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  VI.  P.  P. 

S.  P.  Q.  R.  'sitzende  Fortuna). 

Imp.  Caes.  Xer.  Traian.  Optim.  aug.  germ.  Dac. 

Es.  Parthico  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  V.  P.  P.  S. 

P.  Q.  R.   (stehende   Figur  mit  Caduceus 

und  Füllliorn). 

Traiano  aug.  ger.   Dac.  P.  M.  Tr.  P. 

Es.  Fax  Cos.  VI.  Imp.  Optimo  Princ. 
(stehende  Pax). 

Imp.  Caes.  Xerva  Traian.  aug.  germ. 

Es.  P.  M.   Tr.    P.    Cos.    II.    P.  P.    (sitzende 
Figur  auf  zwei  Füllhörnern). 
Dieselbe  Inschrift. 

Es.  P.  M.   Tr.  P.   Cos.  III.    P.  P.    (sitzende 
Victoria). 
Imp.  Xerva  Traian  aug.  germ. 

Es.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  IUI.  P.  P.  (Mars). 
Imp.  Caes.  Xerva  Traian.  Aug.  Germ. 

Es.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  IUI.  P.  P.  (stehender 
Hercules  . 

Imp.  Caes.  Xerva  Traian.  Aug.  Germ. 

Es.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  IUI.  P.  P.  (Victoria). 
Imp.  Caes.  Xerva  Traian.  aug.  germ. 

Es.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  IUI.  P.  P.  (stehende 
Victoria). 


C.   il.  l'T.  81. 


C.  II.  27.   S4. 


C.  II.  27.  85  in  Silber. 

C.  II.  27.  86. 

C.  II.  27.  89. 

C.  II.  28.  98— lUO. 

C.  II.  33.  140. 


C.  II.   34.   150. 


C.  II.  34.  152  oder  154. 


C.  II.  34.  152  oder  154 
(Cos.  II  wohl  verlesen 
für  Cos.  VI). 

Bei  Cohen  nur  ohne  den 
Zusatz  Parthico. 


C.  II.  39.  101  oder  192 
(Cos.  V  wohl  verlesen 
für  Cos.  VI). 

Sicher  verlesen  für  C.  II. 
39.  196. 

C.  II.  40.  206. 


C.  II.  42.  223  oder  224. 


C.    II.     42.     228    (Avera- 
legende  verlesen). 

C.  II.  43.  234  oder  236. 


C.    II.    43.   239  tf.     Xäher 
nicht  bestimmbar. 

C.  II.  43.  240  tr.    Genauer 
nicht  bestimmbar. 


259 


Tiaiunus 


Hudrianus 


Imp.  Caes.  Ner.  Traiano  optimo  aug.  ger.  Duo. 
R.,.  P.  M.  Tr.  P.  Co8.  VI.  P.  P.  S.  P.  Q.  R. 
(stellender  Mars). 
Imp.  Caes.  Xer.  Traiano  optimo    aug.  ger.  Dac. 
Rs.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  VI.  P.  P.  S.  P.  Q,  R. 
(stehender  Bonus  Eventus). 
Imp.  Caes.  Ner.  Traiano  optimo  aug.  Ger.  Dac. 
Bs.  P.  M.   Tr.  P.   Cos.  VI.   P.   P.  S.   P.  Q. 
R.   (stehende   Figur    mit     Füllhorn     und 
Caduoeus). 
Ebenso.     (Säule  mit  Traians  Statue). 
Imp.  Caes.  Xerva  Traian.  aug.  germ. 

Es.  Pont.  Max.  Tr.  Pot.  Cos.  II.  (sitzendeVesta). 
Imp.  Caes.  Xerva  Traian.  aug.  germ. 

Hs.  Pont.   Max.    Tr.   Pot.   Cos.  II.    (sitzende 
Figur  mit  Füllhorn  und  Patera). 
Imp.  Caes.  Xer.  Traian.  Optim.  aug,  Ger.  Dac. 
Parthico. 

Es.  Provid.  P.  M.  Tr.  P.   Cos.  VI.  P.  P.  S. 
P.  Q.  R.  (stehende  Providentia). 
Imp.    Traiano    Aug.    Ger.    Dac.    P.   M.    Tr.    P. 
Cos.  V.  P.  P. 

Es.  S.  P.  Q.  R.   Optimo   Principi   (stehende 
Figur  mit  Caduceus  vor  Altar). 
Imp.  Traiano  Aug.  Ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P.  Cos. 

V.  P.  P. 

Es.  ä.  P.   Q.  R.   Optimo  Principi   (stehende 

Moneta). 

Imp.  Traiano  aug.  ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  V. 

Es.    S.   P.  Q.   R.    optimo  Principi   (stehende 

Figur  zwischen  Prora  und  Modius). 

Imp.  Traiano  aug.  ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P.  Cos. 

VI.  P.  P. 

Es.  S.  P.  Q.  R.  Optimo  Principi  (Traian  zu 
Pferde). 
Imp.  Traiano  aug.  ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P. 
Es.  Cos.  V.  P.  P.  S.  P.  Q.  R.  Optimo  Princ. 
(stehende  Victoria). 
Imp.  Traiano  aug.  . . .  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  VI.  P.  P. 
Es.  S.  P.  Q.  R.    Optimo  Principi   (stehende 
Figur  mit  Globus). 
Kaiserdenar  von  Domitian  oder  Traian. 
Hadrianus  Aug.  Cos.  III.  P.  P. 

Es.  Aegyptos  (sitzende  Provinz  Aegypten). 

Imp.  Caes.  Traian.  Had  .  . . 

Es.  Concord.  Parth.  Divi  X.  Tr.  Xep.  P.  M. 

Tr.  P.  ...  (sitzende  Figur). 

Imp.    Caes.   Traian.    Hadrian.   opt.    aug.    germ. 

Es.  Concord.   Parthic.   Divi  Traian   Aug.    f. 

P.  M.  Tr.  P.  Cos.  P.  P.  ^sitzende  Figur). 

. .  .  Traian.  Hadrianus  aug. 

Es.  Concord.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  III.  (sitzende 
Concordia\ 


C.  II.  At).  27J    oder  •_'74, 


C.  II.   46.  276. 


C.  II.  47.  278  oder  27"J. 


C.  II.  47.  2^4. 
C.  II.  48.  288. 

C.  II.  4'J.  :;ü2  i'f) 


C.  II.  50.  315. 


C.  II.  60.  412. 


C.  II.  65.  462. 


C.  II.  65.  467. 


C.  II.  68.  498  in  Silber? 
Nicht  sicher  zu  identi- 
fizieren. 

Xicht  näher  bestimmbar. 


Xicht  näher  bestimmbar. 


C.    II.    114.   'J^J  II" 
Xäher  nicht  bestimmbar. 

C.  II.  125.  248. 


C.  II.  125.  250. 


C.  II.  125.  255. 


260 


Hailrianuä 


1 
o 

5 
1 

1 

1 

1 

1 


Iladrianuä  augustus  P.  P. 

R<!.  Cos.  III.  (stehende  Minerva). 
Hailrianus  augustus. 

J?.N.  Cos.  III.  (stehende  Diana). 
Hadrianua  Augustus. 

Rs.  Cos.  III.  (stehender  Bonus  Eventus). 
Imp.  Traiano  aiig.  ger.  Dac.  P.  M.  Tr.  P. 

Rs.  .  .  .  optimo  Principi  (stehende  Figur). 

Iladrianus  Augustus- 

R!<.  Cos.  III.  (sitzende  Roma  rechts). 
Hadrianus  Augustus. 

Rs.  Cos.  III.  (sitzende  Roma) 
Ebenso  (stehende  Roma). 
Ebenso  (stehende  Victoria). 
Ebenso    sitzende  Figur  vor  Modius  mit  Ähren). 
Hadrianus  August. 

lis.  Cos.  III.    stehende  Spes). 
Imp.  Caesar  Traian.  Hadrianus  aug. 

Rs.  Fei.  P.  R.  P.  M.  Tr.P.  Ccs.  III.  (sitz.  Figur) 
Hadrianus  Aug.  Cos.  lU.  P.  P.  ■ 

Rs.  Fortunae  Reduc.  (zwei  Figuren). 
Hadrianus  aug.  Cos  III.  P.  P. 

Rs.  Germania  (stehende  Germania). 
Hadrianus  Augustus. 

Rs.  Cos.  III.  ludulgentia  aug.  P.  P.  (sitzende 
Figur;. 
Imp.  Caes.  Traian.  Hadriano  aug.  Divi  Tra. 
Rs.  Justicia  Parth.  F.  Divi  Ner.  Nep.  P.  M. 
Tr.  P.  Cos.  (sitzende  Figur). 
Imp.  Caesar  Traian.  Hadrianus  aug. 

Ra.  Justizia  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  III. 
Imp.  Caesar  Traian.  Hadriano  aug. 

Rs.  Lib.  Pub.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  III.  (sitzende 
Figur). 
Hadrianus  aug.  Cos.  III.  P.  P. 
I         Rs.  Moneta  aug.  (stehende  Moneta). 
i   Imp.  Caes.  Traian.  Hadriano  aug  .  . . 

Rs.  l'ietas  Parth.  F.  Divi  Xer.    Xep.   P.  M. 
Tr.  P.  Cos.  {stellende  Pietas). 
Imp.  Caesar  Traian.  Hadrianus  aug. 
Rs.  Pietas  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  II. 
Iladrianus  aug.  Cos.  III.  P.  P. 

Rs.  Pietas  aug.  (stehende  Pietas). 
Imp.  Caesar  Traian.  Hadrianus  aug. 

Rs.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  III.  (stehender  Bonus 
Eventus). 
Eliciiäo  (stehende  Figur  mit  Waagei. 
Ebenso  (stehende  Victoria). 

Ebenso  (stehende  Figur  mit  Caduceus). 
Imp.  Ciies.  Traian.   Hadrianus  aug. 

Rs.  P.  .M.  Tr.  P.  Cos.  III.  'stehende  Fortuna}. 


C.  n.  131.  '295  tr.     Näher 

nicht  bestimmbar. 
C.  II.   133.  315. 

C.  II.  135.    335  oder  336. 

Nicht  näher  bestimmbar. 

Den    LTmschriften    nach 

sogar  Traianus. 
C.  II.  135.  337. 

C.  II.  135.  337  ff.     Näher 

nicht  bestimmbar. 
C.  II.  136.  349. 
C.  II.   136.  358. 
C.  II.   138.  379  (?) 
C.  II.  139.  390. 

C.  II.   158.  600. 

C.  II.  172.  788   oder  789. 

C.  II.  173.  802  ff.    Näher 

nicht  bestimmbar. 
C.  II.  177.  853.   854  oder 

857.  858. 

C.  II.   179.  874. 


WohI  =  C.lI.180.s77.(Cos. 
III  verlesen  für  Cos.  II). 
C.  II.   181.  003-905. 


C.  II.  186.    963    oder  965 

bis  967. 
C.  II.   191.  1023. 


C.  II.  191.  1027. 

C.  II.  191.  1028  ff.  Näher 

nicht  bestimmbar. 
C.  II.  197.  1093  (?). 


C.  II.   199.   1118-1120. 
C.  II.  200.  1129  ff.    Näher 

nicht  bestimmbar. 
C.  II.  201.  1143  i?). 
C.  II.  202.  1155  —  1157  (?). 


261 


Iladriimus    |   Iladriunus  au-^.  Cüs.  U\.  V.  1\ 

i         Ed.  Restitutori  Ilispaniao  (knioLMidc   l'roviiu 
vor  Hadrian). 
Hadrianus  aug.  Cos.  HI.  P.  P. 

Es.  Romulo  Conditori  (schreitender  Roniulus 
mit  Spolia  Optima). 
Imp.  Caesar  Traian.  Hadrianus  aug. 

Es.  Sal.  aug.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  III.  (sitzende 
Salus:. 
Hadrianus  Aug.  Cos.  II.  P.  P. 

Es.  Salus  Aug.  (stehende  Salus). 
Dieselbe  mit  Cos.  III. 
Hadrianus  aug.  Cos.  .  . .  P.  P. 

Es.  Tellus  Stabil,  (stehende  Figur). 
Hadrianus  augustus. 

Es.    Cos.    III.    Tranquillitas    aug.    (stehende 
Figur). 
Hadrianus  augustus. 

Es.  Cos.  III.  Tranquillitas  aug.  P.  P.  (stehende 
Figur). 
Hadrianus  aug.  Cos.  III.  P.  P. 

Es.  Victoria  aug.  (stehende  Victoria). 
Hadrianus  aug.  Cos.  III,  P.  P. 

Es.  Spes  aug.  (stehende  Spes). 
Hadrianus  augustus. 

Es.  Cos.  III.  (schreitende  Minerva). 
Imp.  Caes.  Traian.  Hadrianus  aug. 

Es.  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  III.  (stehende  Figur). 
Imp.  Caesar  Traian.  Hadrianus  aug. 

Es.  P.  31.  Tr.  P.  Cos.  III.  (stehende  Minerva). 
Ebenso  (sitzende  Romaj. 

Ebenso  (sitzende  Figur  mit  Victoria). 

Sabina  Sabina  augusta. 

Es.  Venere  Genetrici  (stehende  Venus). 
Antoninus       . . .  el  Caes.  Hadr.  Antoninus. 

Pius  Es.  aug.  Plus  P.  M.  Tr.  P.  Cos.  (zwei  Hände 

halten  Caduceus  und  Ähren). 
Antoninus  Aug.  Pius  P.  P. 

Es.    Tr.    P.    Cos.    II.    (stellende    Figur    mit 
Füllhorn  und  Zweig). 
Ebenso;    doch  Kopf  nach  links. 
Imp.  T.  Ael.  Caes.  Antoninus. 

Es.  Trib.  Pot.  Cos.  (stehende  Minerva). 
Faustina  I.     Abgegriffener  Denar. 
Caracalla       Antoninus  Pius  Aug. 

Es.  Pontif.  Tr.  P.  Cos.  III.  (stehender  Mars.) 
Antoninus  . . . 

Es.  ...  (Pontißcal-lnstrwnente'. 
Julia  Julia  Soaemias  aug. 

Soacmias  Es.    Venus    Caclcstis    [sitzende    Venus   mit 

Amor). 


C.  II.  'JI'J.  Vim.  ll'til  oder 
1270. 

C.  II.  215.  l:J1^5-l:il8. 


C.  II.  216.  1324  oder  1326. 

i:i27. 

C.  II.  216.  132M  ff.  Do(!h 
nicht    sicher    identifi- 
zierbar. 
C.  II.  224.   142.)— 1427. 

C.  II.  22,').   1437  — 1430. 


C.  II.  225.  144Ü  oder  226. 
1443. 

C.  II.  227.  1454-1456. 

Nicht  bei  Cohen . 


Mcht  genauer  bestimmbar. 


Desgl. 
Desgl. 

Nicht  mehr  sicher  zu  iden- 
tifizieren. 
Desgl. 
C.  II.  253.  73. 

C.  II.  27'J.  90  oder  ül. 


C.  II.  351.  831  (Aversum- 
schrift ungenau  gelesen ). 

Nicht  bei  Cohen. 
C.  II.  372.  1057. 


Nicht  zu  identifizieren; 
bei  1.  Eeverslegende 
ungenau  gelesen. 

C.  IV.  -JSO.  14. 


262 

Fassen  wir  nunmehr  noch  einmal  kurz  die  Unrichtigkeiten  zusammen, 
welche  sich  sowohl  für  das  Kihm'sche  wie  für  das  detaillierte  Verzeichnis 
ergeben  haben. 

1.  Beide  teilen  eine  Münze  dem  Vespasianus  zu,  welche  in  Wirklichkeit 
Yespasianus,  Titus  und  Domitianus  gehört. 

2.  Kihm  spricht  fälschlich  3,  das  detaillierte  Verzeichnis  1  Titusmünze 
dem  Vespasianus  zu. 

3.  Kihm  nimmt  zu  Unrecht  2  Münzen  für  Antoninus  Pius  in  Anspruch, 
welche  in  Wirklichkeit  Caracalla  zuzuweisen  sind. 

Das  heisst  also : 

1.  In  dem  Kihm'schen  Verzeichnis  sind  von  der  angegebenen  Stück- 
zahl abzuziehen  bei 

Vespasianus      .     .     4  Stück,  also  86 — 4  =  82 
Antoninus  Pius     .2       „       „       6 — 2  =    4 

Dagegen  sind  zuzufügen  bei 

Titus       ....     3  Stück,  also  8  +  3  =  11 
Caracalla     ...     2       „       „1  +  2=3 

2.  In  dem  detaillierten  Verzeichnis  ist  von  der  angegebenen  Stückzahl 
(die  ja  übrigens  wegen  der  UnvoUständigkeit  des  Verzeichnisses  kaum 
in  Betracht  kommt)  abzuziehen  bei 

Vespasianus     .     .     2  Stück,  also  76 — 2  =  74 

Dagegen  ist  zuzufügen  bei 

Titus       ...     1  Stück,  also  10+1  =  11 

3.  In  beiden  Verzeichnissen  ist  einzufügen: 

Vespasianus,   Titus   und  Domitianus  1   Stück. 

Führen  wir  diese  Abänderungen  aus,  so  erhalten  wir  ein  wenigstens  an- 
nähernd richtiges  Bild  von  dem  thatsächlichen  Bestände  unseres  Münzfundes  — 
und  zwar  gestaltet  sich  dasselbe  folgendermassen: 

Nero    .• 9  Stück 

Galba 3 

Otho 2 


V 


o 


n 


Vitellius 

Vespasianus 82  „ 

Vespasianus,  Titus  u.  Domitianus     .     .  1  „ 

Titus 11  „ 

Domitianus 43  „ 

Nerva 8  „ 

Traianus       88  „ 

lladrianus 69  „ 

Sabina 2  , 

Antoninus  Pius 4  „ 

324  Stück. 


in   dd3  Jahr    138 
n.  Chr., 


263 

Diese  324  Stück  also  sind  diejenigeD,  welche  Habel  von  Oppenheim 
kaufte,  sie  stellen  den  ganzen  Gesamtfund  dar  mit  Ausnahme  der  26  Münzen, 
welche  bei  dem  Silberarbeiter  Schmidt  in  Frankfurt  verblieben. 

Zu  diesen  324  Stück  kamen  nachträglich  unter  der  falschen  Behauptung 
der  Zugehörigkeit  noch  die  bereits  oben  (S.  253)  besprochenen  8  Stück 
der  späteren  Zeit  und  —  wohl  nur  durch  irgend  welches  Versehen  —  der 
Farailiendenar. 

Was  nun  schliesslich  die  Zeit  unseres  Fundes  betrifft,  so  gewähren  uns 
die  vier  Münzen  des  Antoninus  Pius  durch  ihre  gute  Datierbarkeit  vorzügliche 
Anhaltspunkte.     Es  sind  nämlich: 

Cohen  II.  279.  90  oder  91 

Cohen  II.  279.  90  oder  91,   doch  K.  u.  1. 

Cohen  IL  372.   1057       

Cohen  II.  351.  831 in  das  Jahr  139  n.  Chr. 

zu  setzen. 

Somit  gehören  sämtliche  Piusmünzen  des  Fundes  in  die  beiden  ersten 
Jahre  der  23  jährigen  Regierung  des  Kaisers.  Es  ist  einleuchtend,  dass  dies 
wohl  kein  Zufall  sein  kann,  und  dass  wir  mit  Recht  die  Vermutung  aussprechen 
dürfen,  der  vor  nunmehr  46  Jahren  gehobene  Schatzfund  stamme  aus  der  Zeit 
kurz  nach  dem  Jahre  139  unserer  Zeitrechnung. 


II.    Der  zweite  Fund. 

Auf  dem  zweiten  Blatte  des  mehrfach  erwähnten  losen  Foliobogens,  welcher 
den  Anfang  von  dem  Verzeichnis  des  besprochenen  Silbermünzenfundes  ent- 
hält, befindet  sich  —  offenbar  gleichzeitig  niedergeschrieben  und  zwar  am 
3.  Januar  ISöl,  wie  eine  Bemerkung  unten  zeigt  —  eine  weitere  Notiz,  deren 
Überschrift  folgendermassen  lautet: 

Ankauf  von  Alterthümern,  Münzen  etc. 
1850.  31.  Dezember  v.  H.  Hofjuwelier  Oppenheim 
(ä  60  fl.)  in  Frft. 

"Wir  haben  es  also  hier  zweifellos  mit  einem  Ankaufe  zu  thun,  welcher 
von  dem  früheren,  dem  des  Silbermünzenfundes,  zu  unterscheiden  ist;  denn 
jener  erfolgte  Anfang  Dezember  und  es  wurden  nicht  60,  sondern  150  fl. 
dafür  gezahlt. 

Als  Inhalt  dieses  neuen  Ankaufes  zählt  nun  Habel  weiterhin  auf: 

Lnter  A.  eine  ganze  Anzahl  uns  hier  nicht  interessierender  römischer 

Funde,  Anticaglien  etc.,  ferner  aber  unter 

^     B.  88.  römische  Bronze-Münzen  Mittelerz,   123  desgl.  kleinste 

(IV.)   aus  der  Zeit   des  Tetricus  und  der  XXX  Tyr.  (gef. 

zusammen  in  Heddernheim). 

Es  handelt  sich  demnach  in  diesem  Falle  um  einen  zweiten  Heddernheiraer 

Gesamtfund    römischer  Münzen    und    zwar    solcher    aus  verhältnismässig  später 

Zeit;    er    ist    gekauft  am  31.  Dezember  1850,    also  wahrscheinlich  kurz  vorher 


264 

gehoben  worden;  da  ihn  nun  Habel,  als  er  den  Silbermüazenfuud  von  Oppen- 
heim erwarb  (Anfang  Dezember  1850),  noch  nicht  in  dessen  Besitze  sah  — 
andernfalls  hätte  er  ihn  sieher  gleich  mitgekauft  —  so  dürfen  wir  wohl  an- 
nehmen, dass  dieser  Heddernheimer  Kollektivfund  römischer  Münzen  aus  der 
Zeit  des  Tetricus  und  der  30  Tyrannen  im  Laufe  des  Monats  Dezember  dem 
Erdreich  —  wo,  wissen  wir  leider  nicht  —  enthoben  wurde. 

Er  hatte  ein  glücklicheres  Geschick  als  sein  Vorgänger,  der  im  November 
desselben  Jahres  gemachte  Silbermünzenfund,  denn  er  wurde  nicht  wie  jener 
aufgelöst,  sondern  befindet  sich  noch  in  seinem  ursprünglichen  Bestände  im 
Museum  zu  Wiesbaden.  Aber  auch  hier  stehen  wir  wieder  vor  einem  Rätsel; 
denn  dieser  Bestand  beläuft  sich  nicht  auf  die  von  Habel  angegebene  Zahl 
von  123  Kleinerzen,  sondern  die  Summe  seines  Inhaltes  beträgt  fast  das  Zehn- 
fache dieser  Ziffer. 

Wie  diese  ausserordentliche  Differenz  zu  erklären  ist, 'weiss  ich  nicht; 
man  kann  nur  annehmen,  dass  sich,  ähnlich  wie  bei  dem  Silbermünzenfund, 
nachträglich  noch  —  nachdem  Habel  abgegangen  war  —  zahlreiche  zuge- 
hörige Stücke  zu  den  123  hinzugefunden  haben,  welche  im  Museum  einfach 
zu  letzteren  gelegt  wurden  unter  Beifügung  der  Provenienzangabe  „Heddern- 
heim"  für  die  Gesamtheit. 

Irgend  welche  Notiz  hierüber  ist  uns  indessen  nicht  erhalten. 
Der  Fund    besteht    im   ganzen    aus    1178  Stücken,    welche   sich    auf  9 
Kaiser  von  Traiauus  Decius  bis  Quintillus  folgendermassen  verteilen: 

Traianus  Decius       1  Stück 

Gallienus 7       „ 

Postumus 2       „ 

Laelianus 1        „ 

Yictorinus 108        „ 

Tetricus  1 707        „ 

Tetricus  II 316 

Tetricus  I.  oder  II.  (unbestimmbar)     .       11        „ 

Claudius  II.  Gothicus 23       „ 

Quintillus 2       „ 

1178  Stück. 

Von  diesen  1178  Stück  gehören  also  über  1000  den  beiden  Tetricus  an. 
Einen  Unterschied  in  der  Erhaltung  der  einzelnen  Münzen  mit  Rücksicht  darauf, 
ob  sie  längere  oder  kurze  Zeit  im  Kurse  waren,  konnte  ich  nicht  wahrnehmen, 
im  Gegenteil  machten  mir  die  Gepräge  in  dieser  Hinsicht  einen  ziemlich  gleich- 
artigen Eindruck;  stempelfrische  Exemplare  sind  nicht  darunter. 

Ich  lasse  nunmehr  zunächst  eine  eingehende  Beschreibung"')  sämtlicher 
Stücke,  soweit  möglich  nach  Cohen,  Med.  imp.  2.  Aufl.  folgen,  deren  syste- 
matische Anordnung  keiner  besondeien  Erläuterung  bedarf: 

*-)  Von  einer  Veröffentlichung  dieses  ausfiihrliclien  Verzeichnisses,  welches  ich  selbst 
bearbeitet  habe,  glaubte  ich  um  so  weniger  Abstand  nehmen  zu  sollen,  als  ich  gerade  bei 
Benutzung  der  bisher  über  ähnliche  Mün^sohatzfundo  publizierten  Litteratur  vielfach  mit  Un- 
genauigkeit  und   Unvollstäiidigkcit  der  betr.  Verzeichnisse  zu  kämpfen  hatte. 


265 


Kaiser. 


Reversumschrift. 


Traianus 

Decius 
Gallienus 


Uberitas  Aug. 


Apollini  Cons.  Aug. 


Postumus 

Laelianus 
Victorinusl. 


»» 


Fides  militura 
Jovi  propugnat. 

Provid.  Aug. 
Seourit.  Perpet. 

(Pax  Aug.?) 


Pax  Aug. 
Virtus  equit. 
Victoria  Aug. 


luvictus 


Pax  Aug. 


Pietas  Aug. 


M  — 

;3    r! 


Beschreibung. 


U 
1 


13 
6 


Cohen  V.  370.  246. 
Cohen  V.  382.  382. 
Cohen  V.  425.  8-39. 
Cohen  V.  434.  961. 


Cohen  V,  196.  10.').  S.  (=  Silber),  plattiert. 

Coh. V.  3.')4. 73.  K.  B.  (=  Kleinbronze).  Cberprägung  .,und 
zwar  sind  beide  Seiten  mit  demselben  Stempel  iiber- 
prägt  oder  vielmehr  die  Hälfte  der  Münze  ist  nach  der 
ersten  Prägung  noch  einmal  zwischen  die  Stempel 
geraten  und  hat  einen  neuen  Schlag  erhalten;  man 
sieht  über  dem  Kopfe  noch  einmal  die  untere  Hälfte 
des  Kopfes  und  den  Schluss  der  Schrift  IGAL* 
LIENVS  AlVG;  auf  der  Rs.  ist  nichts  Einzelnes 
zu  erkennen".-') 

K.  B. 
K.  B. 
K.  B. 
K.  B. 

LGALLIEINVS  AV[G1  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.    J?ä. 
AVG  .  Piix   mit   Zweig   und    Querscepter  n.  1. 
K.  B. 

Noch  erkennbar:  GALL[IENVS  AVGl  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  B.s.  . .  .  V  .  .  .  Nach  1.  stehende  Figur. 
K.  B. 

Cohen  VI.  38.  215.    Billon. 

Cohen  VI.  62.  441.    K.  B. 

Cohen  VI.  66.  4.    K.  B. 

Einseitige  Prägung:  IMP.  C.  VICTORINVS  P.  F. 
AVG.     K-  io  Strahlenkrone  n.  r.    K.  B. 

Einseitige  Prägung:  .  . .  VICTORILNVS]  . . .  [A  VlG. 
Kopf  in  Strahlenkrone  n.  r.    K.  B. 

Cohen  VI.  73.  49.    K.  B. 

Cohen  VI.  73.  49;  doch  Aversumschrift  endigt  mit 
AV  anstatt  AVG.    K.  B. 

Wahrscheinlich  Cohen  VI.  73.  49;  doch  von  Avers- 
umschrift nur  ...  [VIGITORINVS  P.  F.  AVG. 
erhalten.    K.  B, 

[IMP.]  0.  VICLTORIINVS  .  .  .  K-  i«  Strahlenkrone 
n.  r.  Bs.  LINVICTIVS.  Sol  die  R.  erhebend 
mit  Peitsche  in  d.  L  n.  1.  eilend.  Vor  ihm  Stern. 
Wohl  Cohen  VI.  73.  49.  K.  B.  Barbarische 
Prägung. 

Cohen  W.  77.  79.    K.  B. 

Höchstwahrscheinlich:  Cohen  VI.  77.  79;  doch  Anfang 
der  Aversumschrift  nicht,  höchstens  ...  VIC- 
TORINVS P.  F.   AVG.  erhalten.    K.  B. 

IMP.  0.  VICTORINVS  P.  F.  AVG.  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  B.S.  P[AX;  Spuren  sichtbar]  AVG. 
Pax  mit  Zweig  und  Scepter  n.  1.  K.  B.  Nielit 
bei  Cohen. 

Cohen  VI.  78.  90.    K.  B. 


-^)  Die  Bestimmung  dieser  Münze  verdanke  ich  der  Güte  des  Herrn  Prof.  B.  Pick  in  Gotha. 


266 


Kaiser. 


Reversumschrift.      =■§ 


Bcächreibunar. 


Victorinusl. 


»» 


Tetricus  I. 


Provid.  Sm%. 
Providentia  Au?. 


Salus  Aug. 


Salus  Au?,  oder 


Augg. 


Virtus  Aug. 


Comes  Aug. 


C'onies  Aug.  oder 


Aug.  N. 


Felicitas  publica 


12 


3 

13 

4 


23 

l 


1 

1 

1 

28 
1 

12 
1 
1 


Cohen  VI.  79.  100.    K.  B. 

Cohen  VI.  79.  101.    K.  B. 

Höchstwahrscheinlich  Cohen  VI.  79.  101;  doch  von 
Aversumschrift  nur  ...  VICTORINVS  P.  F. 
AVG.  oder  noch  weniger  erhalten.    K.  B. 

Cohen  VI.  81.  112.    K.  B. 

Cohen  VI.  81.  118.     K.  B. 

Höchstwahrscheinlich  Cohen  VI.  81.  US,  doch  von 
Aversumschrift  nur  ...  [VICITORINVS  P.  F. 
AVG.  o'iß''  noch  weniger  erhalten.    K.  B. 

[IMIP.  C.  VICTORINVS  P.  F  [AVGl  K.  in 
Strahlenkrone  n.  r.  Rs.  SLALVSl  AVLGl  Salus 
n.  1.,  um  Altar  gewundene  Schlange  fütternd,  1. 
Anker  (NB!)  haltend.    K.  B.    Nicht  bei  Cohen. 

IMP.  C.  VICTORllNVS.)  Kopf  in  Strahlenkrone 
n.  r.  m.  S[AL1VS  IAV]G.  Salus  n.  1.,  Schlange 
(um  Altar  gewunden)  fütternd,  mit  Scepter?    K.  B. 

I!  VI[CT0R1NV1S  II  AVG.  Kopf  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Ui.  ZALVS  [AV  od.  AVGIG  Salus  n.  1., 
um  Atlar  gewundene  Schlange  fütternd,  und  mit 
Anker.    K.  B.     Äusserst  rohe,  barbarische  Prägung. 

Cohen  VI.  83.  131.    K.  B. 

...  VICTOfRINVSl  ...     K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
^<^-    ...  IPVBILICA.      Weibl.    Figur   mit   Palme 
und  Füllhorn  n.  1.    K.  B.     Nicht  bei  Cohen. 

[IMP.  0.  PJIAV.  VICTORINVS.  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Us.  ...  u  TR  'Aod.  R?)  S.  Weibl. 
Figur  mit  ?  (Schale  ?)  und  Füllhorn  vor  Altar  n.  1. 
K.  B.     Nicht  bei  Cohen. 

Einseitige  Prägung:  |MP  TLETRICVS]  ...  AVG. 
K.  in  Strahlenkrone  n.  r.    K.  B. 

Einseitige  Prägung:  ...  LTET1RICVS  P.  F.  AVG. 
K.  in  Strahlenkrone  n.  r.    K.   B. 

Einseitige  Prägung:  ...  ITEITRICVS  P.  F.  AVG. 
K.  in  Strahlenkrone  n.  r.    K.  B. 

Cohen  VI.  93.  17.     K.  B. 

Cohen  VI.    93.  17.,    doch    endigt    die   Aversumschrift 

mit  AV  anstatt  mit  AVG.    K.  B. 
Cohen  VI.  93.  17.  oder  18.    K.  B. 
Cohen  W.  93.  18.    K.  B. 

IMLPl.  TETIRICJVS  P.  F.  AVG.  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Rs.  COMIES]  .  .  .  Victoria  m.  Kranz  und 
Palme  n.  1.  Durch  einen  Stempelfehler  scheint  es, 
als  stünde  sie  auf  einem  querliegenden  Gegenstand, 
etwa  einem  Schififshinterteil.  K.  B. 
[IMIP.  C.  TETRICVS  P.  F.  .  .  K.  in  Strahlen- 
kronen.  r.  Ii^s.  FELIICITAS  PVBLICIA.  (Um- 
schrift beginnt  rechts  oben,  anstatt  links  unten"). 
Felicitas  mit  Caduccus  und  Füllhorn  u.  r.  K.  B. 
X  i  eil  t  bei  Collen. 


267 


Kaiser. 


Beschreibung. 


TetPicus  I. 


Fides  railitum 


Hilaritas  Aug. 


Hilaritas  Augg. 


Hilaritas  Aug.  oder 
Augg. 


Hilaritas  Aug.  oder 


Augg. 


8 


1 


1 


1 


26 
9 


1 


8 


7  I  Cohen  VI.  06.  :i7.    K.  B. 

1  ;  Cohen  VI.  96.  37.  Umschr.  des  lis.  nicht  mehr  erkennbar. 
K.  B. 

Sohluss  der  Aversumschrift:  .  . ,  TETRICVS  P.  F. 
AVG.     Also  =  Cohen  VI.  96.   :',7.  od.  41.    K.   B. 

Sohluss  der  ATersumschrift:  ...  TETRICVS  AVG. 
Also  =  Cohen  VI.  96.  39.  40  oder  4:i    K.  B. 

Cohen  VI.  96.  43.    K.  B. 

IMP  TETRIC[VS1  ...  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
h'a.  F[IDE1S  MILITVM  (Sehr  undeutlich.;  Fides 
mit  2  Feldzeichen.    K.  B. 

IM  (=  IVI)  P [AVJG     Kopf  in  Strahlenkrone 

n.  r.    ^5.  F[IDES  MILITVM]     Fides  mit  2  Feld- 
zeichen n.  1.  stehend.    K.  B. 

IM  TETIL  (oder  V)  P  oder  DjICVS  0.  A.  P.  A. 
(sie!  II)  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  lis.  Weibl.  Figur 
mit  zwei  Feldzeichen  im  Typus  der  fides  militum. 
Keine  ümschr.    K.  B.    Rohe,  barbar.  Xachprägung, 

Cohen  VI.  97.  49.    K.  B. 

IMP.  0.  TETRICVS  P.  A.  ^sic!)  K.  in  Strahlen- 
krönen,  r.  I>s.  HILAR.  AVG.  Hilaritas  mit  Palme 
und  Füllhorn  n.   1.    K.  B.     Sehr   barbar.  Prägung. 

Cohen  VI.  97.  54.    K.  B. 

Typus  Cohen  VI.  97.  54.  55.  Da  Anfang  der  Avers- 
umschrift unvollständig,  ist  genauere  Bestimmung 
nicht  möglich.    K.  B. 

Cohen  VI.  97.  55.    K.  B. 

Äv.  Umschrift  unkenntlich.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
^«-  [HI]L[ARITIA2  AVOO.  Hilaritas  mit  (wie 
ein  Scepter  gebildeterj  Palme  und  Füllhorn  n.  1. 
K.  B.     Barbarische  Prägung. 

.  . .  TETRICVS  P.  F.  AVG.  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  i?s.  HCl  ...  AVGG.  Hilaritas  mit  Palme 
und  Füllhorn  n.  1.    K.  B.     Sehr   barbar.   Prägung. 

Typus  Cohen  VI.  97.  49.  od.  54.  flF.     Da  Sohluss    der 


Reversum Schrift  verstümmelt,  Genaueres  nicht  fest- 
zustellen.   K.  B. 
Die  Aversumschrift  lautet  bei : 

4  Stück  =  IMP.  TETRICVS  P.  F.  AVG. 

1       „      =  ...  LTJETRICVS  (Sehr  barbar. 
Prägung!) 

3      „  nicht  mehr  genügend  erkennbar. 

8  Stück. 
K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Rs.  [HILlARITAS  [AVG 
oder  AVGG]-  Hilaritas  mit  Palme  und  Füllhorn 
n.  1.  stehend.  Mehr  nicht  erkennbar.  K.  B. 
[IM]P.  C.  [TIETRICVS.  P.  1.  A.  <>ic:)  K.  in 
Strahleukrone  n.  r.  Jis.  HIL  .  .  .  (-»mM.  Hilaritas 
mit  Kranz  und  Scepter  n.  1.  K.  B.  Sehr  barba- 
rische  Prägung. 


268 


Kaiser. 


Reversumschrift. 


Beschreibung:. 


Tetricus  I. 


Hilaritas  Aug.  oder 


Invictus 


Laetih  Aug. 


Laetitia  Aug. 


Laetitia  August  oder 


Ausrast!. 


Laetitia  Aug.  X. 

28 

Laetitia  Augg. 

47 

» 

28 

, 

•j 

ff 

1 

Laetitia  Aug.  oder    53 
Aug.  X.  oder  Augg. 


K.  ß. 


. .  .  TETRICVS K.  in  Strahlenkrone  n.  r.    Es. 

...ARTAS  :??)...  Weibl.  Fig.  im  Typus  der 
Fides  milirum  (mit  2  Feldzeichen)  oder  wohl  eher 
Hilaritas  (mit  2  Palmen  oder  Palme  und  Füllhorn) 
n.  1.  stehend.    K.  B. 

Cohen  VI.  08.  BO.    K.  B. 

...[TIETRICVS  AVG.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
lis.  INLVICTVSJ  Sol,  die  R.  erhebend,  ra.  Peit- 
sche n.  1.    K.  B. 

IMP.  C.  TETRICVS  P.  F.  AVG.  K.  in  Strahlen- 
kröne  n.  r.  h's.  LAETIT.  AVG.  Laetitia  mit 
Kranz  und  Anker  n.  1.    K.  B.    Nicht  bei  Cohen. 

Cohen  VL  99.  70.     K.  B. 

IMP.  0.  TETRICVS  P.  F.  A.  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  ii'5.  LAETITIA  AVG.  Laetitia  mit 
Kranz  und  Anker  n.  1.    K.  B. 

IMP.  C.  TE[TRICVS1  .  .  .  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
^'>--  LAETITIA  AVGVST  oder  AVGVSTI. 
(Lesung  unsicher!;  Laetitia  mit  Kranz  und  Anker 
n.  I.    K.  B. 

Cohen  VL  99.  75. 
Cohen  VL  99.  71. 
Cohen  VL  99.  7L  oder  72. 
Cohen  VL  99.  72. 
.  .  .  TETRICVS  ...     K.   in  Strahlenkrone  n.  r.     Fs. 
LAETITIA    AVGG.      Laetitia    mit    Kranz    und 
Anker  n.  1.    K.  B. 
[IlMP.  TE[TRICVS1...    K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
Rs.  LAETITLIAl  AGG.  'sie!)    Laetitia  m.  Kranz 
und  Anker  n.  1.    K.  B. 
Cohen  VL  99.  70—72  oder  75.  K.  B.  und  zwar: 

25  mit  Aversschrift:  |MP.  TETRICVS  P. 
F.  AVG. 
3  mit  Aversschrift:  |MP.  C.  TETRICVS 

P.  F.  AVG. 
25  bei    denen     dieser    Unterschied     wegen 
schlechter  Erhaltung  nicht  mehr  zu  kon- 
statieren ist. 

. . .  [2VOmiT3T.  O.  *=1MI    K.  in  Strahlenkrone  n.  1. 

-?«'».     LAETITIA    AIVG    oder     VGGl      Laetitia 

mit   Kranz    und    Anker    n.    1.    K.    B.      Nicht    bei 

Cohen. 
. .  .  TETRICVS  P.  F.  AVG.    Kopf  in  Strahlenkrone 

n.  r.    Es.  LAETIITIAl  . .  .    Laetitia  mit  Kranz  (?) 

und  Anker  n.  1.    K.  B. 
IMP.  TETRICVS  P.  AVG.    Kopf  in  Strahlenkrone 

n.    r.     Rs.    LAET...A    CO    CT.      Laetitia    mit 

Kranz  und  Anker  n.  1.    K.  B. 


269 


Kaiser. 


Reversumgobrift. 


:3   tj 


Beschreibung. 


Tetrieus  I.      Laecitia  Au?,  oder       1 


Aujj.  N.  oder  Augg.  i 


Moneta  Aui 


Pax  Aug. 


llOl' 


I    1 


.  .  .  TETR    R  sehr  schlecht)  |CVS  P.  F.  AIVC.  ^sic!) 

K.  in  Straliienkrone  n.  r.     J;s.  LAETICV  Laetitia 

mit  Kranz  uml  Anker  n.  1.    K.  ß. 
.  .  .  M.  C.  TETRICVS  ...     K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 

-fi"*-  LD  .  .  .  (Laetitia  ...?).     N.  1.    stehende   weihl. 

Figur.    Mehr  nicht  erkennbar.    K.  B.    Barbarische 

Prägung. 

IMP.  TETRICV2  P.  AVG.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
J^s.    [MONIETA   AVG.     Weibl.    Figur  n.   1.,    die 
L.    (ohne    Attribut)    vorstreckend,    r.    mit    Scepter 
K.  B 
Cohen  VI.  102.  dö.    K.  B. 

Typus  Cohen  VI.  102.    95  ff.    und  zwar    zumeist  (fast 
sämtlich)   =  Cohen   ibid.  it.").    oder  99,    soweit  sich 
erkennen  lässt.    K.  B. 
Cohen  VI.  102.  96.  | 
Cohen  VI.   102.  98.      K.  B. 
Cohen  VI.   102.  99.  ) 

...AVG.     Kopf  in    Strahlenkrone   n.  r.     Es.  PAIX 
AVIG.     Weibl,  Figur   mit  Kranz  und  Anker  n.  1. 
stehend.    K.  B.     Nicht  bei  Cohen, 
IMP.  TETRICVS  P.  F.  AVG.     K.  in  Strahlenkrone 
n-  r-     LPIAX    AVIGl     Pax  mit  Zweig  und  Quor- 
scepter  n.  1.    K.  B.    Barbar.  Prägung.    Nicht  bei 
Cohen. 
IMP.  0.  TETRICVS  P,  AVG.    K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.    Bs.  PAX  AVG.    Pax  mit  Zweig  u.  Scepter 
n.  1.    K.  B.     Nicht  bei  Cohen. 
IMP    (geprägt  IIVIP)   C.  TETLRICVSl   P.  I.  (sie!) 
AVG.     K.  in  Straliienkrone  n.  r,    Ba.  PAX  AVG. 
Pax   mit  Zweig   und  Scepter    n.  1.     K.  B.     Nicht 
bei  Cohen. 
IMP.     C.    TETRICVS    P.    F.      (damit   Schluss    der 
Legende,    ungewöhnlich    grosse    Buchstaben).     K. 
in  Strahlenkrone  n.  r.     lis.  PAX  AVG.     Pax  mit 
Zweig  und  Scepter  n.  1.    K.  B.    Nicht  bei  Cohen. 
...  [TEITRICVS    (damit    schliesat    die    vollständige 
Legende).    K.  in  Strahlenkrone    n.    r.     Jis.    |P]AX 
[AIVG.    Pax  mit  Zweig  (?)  und  Scepter  n.  1.    K.  B. 
Nicht  bei  Cohen. 
C LTEJTRCIVS(sic!)p.  F.  AVG.  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.     Ks.  PAX  AVG.     Pax  mit  Zweig  und 
Scepter  n.  1.    K.  B.     Niclit  bei  Cohen. 
IMP.   TETRICVS  (Jamit  Legende  vollständig).     K. 
in  Straliienkrone  n.  r.     Bs.  PAX  AVG.    Pax  mit 
Zweig  und  Scepter  n.  1.    K.   B.    Nicht  b  e  i  Cohe  n. 
IMP.  C.  TETRICVS   P.   F.  AVG.     K-  in  straliien- 
krone n.  r.    J!.s.  PAX  W  G  (^ic!)    Pax  mit  Kranz 
und  Anker  n.  1.     K.  B.     Nicht  bei  Coiion. 


18 


270 


1 "?  -• 

Kai  sei.  Reversumsclirift.     [äi,^ 


Beschreibung. 


Tetrieus  I. 


Pax  Aug. 


Pftx  Aiigg. 


riMIP.  P.  C.  TETRICVS  P.  ^^ic!)  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Es.  PAX  AVG.  Laetitia  mit  Kranz 
und  Anker  n.  1.    K.  B.     Nicht  bei  Collen. 

...[TETRIICVSP.  F.  AVG.  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Bs.  [PAlX  AVG.  Pax  mit  Zweig  und 
Scepter  n.  1.  stehend.    K.  B. 

....[TETRIC1V[S1    P.  F.    AVG.     K.  in  Strahlen- 
krone   n.  r.     lis.    [PAIX    AVG.     Pax  mit  Zweig 
und  Scepter  n.  1.  stehend.    K.  B. 
[TETJRICVS  ...     K.  in  Strahlenkrone  n.  r.   Es. 
I  PAX  1  AVG.    Pax  mit  Zweig  und  Scepter  n.  l.  K.  B. 

[IMIP  TETRICVS  P.  (sie!)  K.  in  Strablenkrone 
n.  r.  Es.  [PAIX  AVG.  Pax  mit  Zweig  und 
Scepter  n.  l.    K.  B. 

IMP.  TETRICVS  AVG.  K-  in  Strahlenkrone  n.  r. 
Es.  PAVX  (si^^O  AVG.  Pax  mit  Zweig  und 
Scepter  n.  1.    K.  B. 

IMP.  TETRICVS  A  (sicI).  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
■ß»-  ...  AVG  Pax  mit  [Zweig]  und  Querscepter 
n.  1.  stehend.     K.  B. 

...[TIETRICVS  AVG.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
Es.  OV[A]  XAS  backte,  n.  1.  weit  ausschreitende 
Figur,  1.  Anker  mit  der  Spitze  n.  oben  (oder  Lanze 
desgl.,  in  der  ausgestreckten  R.   ?    haltend.    K.  B. 


Nicht  bei  Cohen. 


Barbarische  Prägung. 


[IMPl  C.  [TETRICVS  P.  F.  A]VG.  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Es.  OVA  [XAS]  Nach  1.  weit  aus- 
schreitende nackte  Figur,  1.  Anker  (oder  Lanze?) 
mit  Spitze  nach  oben,  in  der  ausgestreckten  R. 
Zweig  (?)  haltend.  K.  B.  Nicht  bei  Cohen.  Bar- 
barische Prägung. 

. .  .  [TIETRICVS    P K.    in  Strablenkrone   n.  r. 

Hs.  [PAX]  AVGG.     Pax  mit  Zweig  und  Scepter 
n.  1.    K.  B. 

...TETRICVS  P.  F.  (damit  Schluss  der  Legende). 
K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Es.  [PA]X  AVGG. 
Pax  mit  Zweig  und  Scepter  n.  1.  K.  B.  Nicht 
bei  Cohen. 

IMP.  C.  [TETRJICVS  P.  F.  AVG.  K.  in  Strablen- 
krone n.  r.  Es.  PAX  [AVIGG.  Pax  mit  Zweig  (?) 
und  Anker  n.  1.  Neben  letzterem  r.,  aus  der  Mitte 
herauswachsend,  kleiner  Gegenstand,  ähnlich  einem 
SchifFsvorderteil  mit  Ruder.  K.  B.  Nicht  bei 
Cohen. 

1     IMP.    C.    TETRI  II    A.  (sie!)     K.    in  Strahlenkrone 

I         n.  r.  Es.  PAX  A  .  .  G     Pax  mit  Zweig  und  Quer- 

'         scepter  n.  l.    K.  B. 

l     IMP.  C.  TETRICViSl  ...    K.  in  Straldenkrone  n.  r. 

■'''''•  . . .  AVGG.  P"x  m.  Zweig  u.  Scepter  n.  1.  K.  B. 


271 


Beschreibung. 


Pietas  Aug. 


Prine.  iuvent. 


Provi.  Aug. 


Provid.  Aug. 


IMP.  C.  TETRICVS  P.  F.  AVG.  ^sei  es,  dasa  die 
Umschrift  ganz  oder  in  .>i(;hor  ergänzbaren  Teilen 
erhalten  ist).  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Rs.  PAX 
AV[G  o^ier  GG.l  (ebenso  wie  bei  Avers).  Pa.x  mit 
Zweig  und  Scepter  n.  1.    K.  B. 

IMP.  TETRICVS  P.  F.  AVG.  (nach  sicher  er- 
gänzbaren Resten).  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Rs. 
PAX  AV[G  oder  GG.J  desgl.  Pax  mit  Zweig 
und  Scepter  n.  1.    K.  B. 

[IlMP.  0.  TETRICVS  ...  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
Rs-  [PIAX....  ^^^  ^^^  Zweig  und  Scepter  n.  1. 
K.  B. 

...VTRICVCO  (sie!)..,  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
i?s.  [p]XX  .  .  .  ^^^  '"'*  Scepter  und  Zweig  n.  r. 
K.  B.     Sehr  barbarische  Prägung. 

IMP.  C.  TETRICVS  P.  F.  AVG.  K.  in  Strahlcn- 
krone  n.  r.  Es.  P[AX1  .  .  .  Pax  mit  Zweig  und 
Querscepter  n.  1.    K.  B. 

Av.  Sinnlose  Umschrift,  aus  senkrechten  Strichen  be- 
stehend, Rs.  LI  IS  Weibliche  Figur  mit  Zweig 
und  Scepter  n.  1.  stehend.  K.  B.  Sehr  barbarische 
Prägung. 

IMP.  TETRICVS  P.  F.  AG  (sie!  die  letzten  4 
Buchstaben  sehr  undeutlich.)  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Rs.  ...  V  XAS  (sie!  das  X  sehr  undeutlich). 
Pax  mit  Zweig,  die  L.  in  die  Hüfte  stützend,  n.  1. 
K.  B.     Barbarische  Prägung. 

IMP.  C.  TETRICVS  P.  AV.  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Rs.  PIETA  [^ie  geringen  sichtbaren  Fuss- 
spuren  der  Buchstaben  scheinen  so  ergänzt  werden 
zu  müssen  S]  AVG.  Weibliche  Figur  mit  Kugel 
[Schachtel?]  und  Scepter  n.  1.    K.  B. 

Cohen  VI.  105.  131.  Doch  |MP.  Q.  TETRICVS  etc. 
nicht  IMP.  TETRICVS  u-  s.  w.    K.  B. 

Typus  =  Cohen  VI.  105.  131,  doch  da  Aversumschrift 
unvollständig,  nicht  zu  entscheiden,  ob  nicht  viel- 
leicht |MP.  C.  TETRICVS...    K.  B. 

IMP.    TETRI[CVS1  ...     K.    in    Strahlenkrone   n.  r. 
Rs.  PROVI.  AVG.    Providentia  mit  Stab  und  Füll- 
horn n.  1.    K.  B.     Nicht  bei  Cohen. 

...[TET]RICVS  P.  F.  A.  (sie!)  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Ri.  IPRQVIID.  AV[G.]  Providentia 
mit  Stab  und  Füllhorn  n.  1.  K.  B. 
MP.  C.  TETRIlCVSi...  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Rs.  IPROVIID...  Providentia  mit  Stab 
n.  1.  stehend.  Die  Figur  ist  nur  zur  oberen  Hälfte 
sichtbar,  indem  die  Rückseite  der  (sehr  dünnen, 
blechartigen)  Münze  durch  Ausrutsehen  des  Revers- 
stempels verprägt  ist.    K.  B.  (guter  Stil). 


1     I 


272 


Kaiser. 


Reversumschrift. 


Besclireibung. 


Tetricus  I.  Provid.  Aug. 


Salus  Aus. 


Salus  Augg. 


1 ! 


11 
11 


,  ..  TETRICVS  IIICI  (sie!)  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
-R*'-  N.DI/A.  uPI[^]  (siel  nur  die  untere  Hälfte 
des  O  '"^  Stempel).  Providentia  mit  Stab  und 
Füllhorn  n.  1.;  vor  ihr  Stern.  K.  B.  Sehr  bar- 
barische Prägung. 

IMP.  C.  TETRICVS  P.  F.  AVG.  K'.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Rs.  SALVS  AVG.  Salus  stehend 
n.  1.,  um  Altar  gewundene  Schlange  fütternd  und 
Scepter  haltend.  K.  B.  Nicht  bei  Cohen. 
TETRICVS  (oder  nur  Schluss  des  Wortes)  P.  F. 
AVG.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Es.  SALVS 
AVG.  Salus,  um  Altar  gewundene  Schlange  füt- 
ternd, steht  mit  Scepter  n.  1.  K.  B.  Nicht  bei 
Cohen. 

[IMIP.  TETRICVS  P.  F.  ALVG.I  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Es.  .  , .  AVG.  Salus,  Sehlange  füt- 
ternd und  mit  S<!epter  n.  1.    K.   B. 

IMP.  C.  TETRICVS  AG  (sie!)  K.  in  Strahlen, 
kröne  n.  r.  Es.  SALAS  (sie!)  AVG.  Salus  n.  1., 
um  Altar  sich  windende  Schlange  fütternd,  links 
Anker    (I)    lialtend.    K.    B.     Barbarische    Prägung. 

IMP.  C.  TLETRICVSI...  K-  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Es.  Umschrift  unsicher:  SALIVS  AIVG.  (''?) 
Weibl.  Figur  mit  Scliale  (Schlange  fütternd':')  und 
Scepter  (oder  Anker)  n.  1.  stehend.  K.  B.  Bar- 
barische Prägung. 

INP.  (^ic-!)  C.  TETCIICVS!  («ic!) ...  K.  in  Strahlen- 
kröne  n.  r.  Ji's.  SALLVS  AIVIGJ.  Sulus  mit 
Schlange  in  beiden  Händen,  {'^'ij  Barbarische,  sehr 
undeutliche  Prägung.    K.  B. 

Cohen  VI.   108.   ir)3.  \ 

Cohen  VI.  lOs.  l.-,4.   i   K.  B. 

Cohen  VI.  108.  155.  ' 

. .  .  [TIETRICVS  P.  F.  .  .  .  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
-'''*'•  . .  .  [AIVGG.  Salus  n.  1.,  um  Altar  gewundene 
Schlange  futternd  und  mit  Scepter.    K.  B. 


1     IMP.  PETRICIVSI  <sic!i 


K.    in   Strahlenkronc 


I  "•  '•■  ^•^•-  LSAILIVS  AVGGI  Salus  n.  1.  stehend, 
um  Altar  gewundene  Schlange  fütternd  und  Anker 
iialtond.    K.  B.    Barbarische  Prilgung.     Nicht  bei 

I  Cohen. 
1  P.  I.  C.  TETRICVS  P.  F.  AG.  (sie!)  K.  in 
Strahlenkrone  n.  r.  Es.  [SALVIS  AVGG.  Salus 
n.  1.,  um  Altar  gewundene  Sclilange  fütternd,  die 
L.  auf  Anker  stützend.  K.  13. 
IMP.  TETRICVS  P.  F.  AVG.  K'.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Es.  SALVS  AVGG  siel)  Salus  n.  1. 
stehend,  um  Altar  gewundene  Schlange  fütternd 
und  Socpter  haltend.    K.   15.     Nirht  bei  Cohen. 


273 


Kaiser, 


Reversumschrift. 


1 

c; 

-7 

rrt 

^Si 

N 

Beschreibung. 


Tetricus  I. 


» 


»» 


Salus  Au;i,^g. 


Salus  Aus-,  oder 


Augjj. 


Spcs  Au^ 


Spes  Augg, 


Spcs  Aug.  ud.  Augg. 


Spes  publica 


1  IMP.  C.  TETaiC[VS  P.  F.  AVIG.  K.  in  Stmhlen- 
krone  n.  r.  lU.  SALVS  AVGG.  -^alus  n.  I., 
um  Altar  gewundene  S<hlani,'e  fütternd  und  mit 
Anker.    K.  B.     Sehr  barbarische  Prägung. 

1  IJ...AVG.  I.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  IIa.  |SAI- 
LVS  AVGG.  >*'ach  1.  stehende  weibl.  Fii,'ur,  die 
R.  (Ohne  Attribut)  vorstreckend,  1.  mirScepter.  K.  B, 
Sehr  barbarische  Prägung. 
Salus,  um  Altar  gewundene  Schlange  fütternd,  mit 
Anker  n.  1.     Aversumschrift  bei: 

1  St.  =|MP.  C.  TETRICVS...  | 

2  n    =  IMP.  TETRICVS  P.  F.  AVG.    K.  B. 
-*    .    =...[TET1RICVS  P.  F.  AVG.  ' 

K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 

IMP.  TIETRICIVS  P.  AVG.  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  iv\.  LSIAILVSI...  Salus  mit  Schale  und 
Scepter  n.  1.  stehend;  vor  ihr  Altar,  um  den  Schlange 
gew^unden?    K.  B. 

IMP.  C.  TETRICVS  P.  .  .  .  K-  in  Strahlenkrone 
n.  r.  -Rs.  0[OVAI  [aiVLAlSl  Salus  mit  Anker 
n.  r.  stehend.  Schale  über  Altar  (ohne  Schlange) 
haltend.    K.  B      Sehr    rohe,    barbarische    Prägung. 

IIMJP.  TETPIOVS  (sie!)...  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  iLs.  8V[J]AS  im  Rund  der  Umschrift  ver- 
teilt, also  AVG  oder  AVGG.  vergessen.  Salus 
n.  1.,  um  Altar  gewundene  Schlange  fütternd  und 
mit  Scepter.  K.  B. 

Cohen  VI.  108.  1,J8.  (1  barbarisch.)     K.  V-. 

Cohen  VI.  108.  160.,  doch  nicht  ,P.  B.  Q.^  sondern 
K.  B. 

3     Cohen  \^.   108.  162.    K.  B. 

1  Spestypus,  doch  in  Umschrift  SPES  vergessen  und 
nur  (ganz  umlaufend)  AVGG.  Cremeint  Cohen  VI. 
100.  163.  nach  Umschrift  des  Avers.  Barbarische 
Prägung.     K.  B. 

Cohen  VI.  108.  158.  oder  109.  163.    K.  B. 

P.  C.  TETRICVS  P.  F.  A  (sie!)  K.  in  Strahlcn- 
krone  n.  1.  Rs.  SPIESI  .  .  .  Spes  mit  Blume, 
Gewand  hebend,  n.  1.    K.   B. 

.  . .   P.    F.    AVG.       K.    in    Strahlenkrone    n.    r.      lis. 
[SIPIEIS...     Spes   mit  Blume,   Gewand   hebend, 
n.  1.    K.  B. 
20  j  Cohen  VI.   109.   170.  . 

7|  Cohen  VI.  109.  170  oder  173.       K.  B. 

Cohen  VI.  109.  172.  ' 

IMP.  C.  TETRLIOVS...  K.  in  Strahlenkrone 
n.  r.  B.S.  [PVBLIICA,  ganz  am  Rand  verteilt, 
also  SPES  vollständig  vergessen.    Spes  mit  Blume, 


Gewand  liebend,  n.  1.    K.  B. 


Barbarische  Prägun?. 


274 


Kaiser. 


Reversumsclirift. 


Beschreibung. 


Tetricus  I. 


Spes  publica 


Victoria  Aug. 


Victoria  Aug.  oder 
Augg. 


Virtus  Aug. 


Viftus  Augg. 


»» 


»I 


Virtus  Augus. 


2 

10 
6 


4 
9 


K.  B. 


1 


...ITETJRICLVS]...  AVG.  K.  in  Strublenkrone 
n.  r.  Bs.  ;|2E*^[8]  Spes  mit  Blume,  Gewaud 
hebend,  n.  1.    K.  B.     Sehr  barbarisch. 

Cohen  VI.  111.  184.  ) 

Cohen  VI.  111.  185.  1 

Da  Reversumschrift  unvollständig,  nicht  sicher.  Avcrs- 
umschriit:  IMP.  C.  TETRICVS.  P.  F.  AVG. 
Wohl  =  Cohen  VI.  111.  185.    K.  B. 

Cohen  VI.   112.  199.  \ 

Cohen  VI.   112.   199  oder  200.  I 

Cohen  VI.  112.  200,  doch  Aversumschrift  endigt  iu 
A  anstatt  in  AVG. 

IMP.    TETRICVS  ...     K.    in    Strahlenkrone    n.    r. 
'     j         Es.  LVIRTIVS  AVG.    ^lars  mit  Schild  und  Lanze 

I         n.  1.  =  Cohen  VI.   112.  200.     K.  B. 
17  I   Cohen  VI.  113.  207.     K.  ß. 
1  ;   Cohen  VI.  113.  207.     Doch    Aversumschrit't    hat  AV. 
statt  AVG.     K.  B. 

Cohen  VI.  113.  207.,  doch  schlieast  die  Umschrift  des 
Avers    mit    R.  AVG.  anstatt   R.  R.  AVG.    K-  B- 

IMP.  TETRICLVSI...  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
Es.  Umschrift  nicht  erkennbar,  Typus  Cohen  VI. 
113.  207.    K.  B. 

...  [TIETRICIVS]...  K-  in  Strahlenkrone  n.  r. 
Es.  Umschrift  nicht  sichtbar.  Typus  Cohen  VI. 
113.  207.    K.  B. 

Cohen  VI.  113.  207,  doch  Büste  n.  r.  K.  ß.  ]S^icht 
bei  Cohen. 

IMP.  TETRICVS  P.  F.  AVG.  K-  in  Strahlen- 
kröne  n.  r.  Es.  =  Cohen  VI.  113.  207.  K.  ß. 
Nicht  bei  Cohen. 

IMP.  C.  TETRICVS.  P.  F.  AV  ^^ic!)  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Es.  VIRTIVSI  AVGG.  Virtus,  1. 
auf  Schild  gestützt,  mit  Lanze  n.  I.    K.  B. 

. .  .  [TETIRICVS  P.  AVVG.  (sie!)  K.  in  Strahlen- 
kröne  n.  r.  Es.  [VlIRTVS  .  .  .  Mars,  auf  Schild 
gestützt  und  mit  Lanze,  n.  r.  stehend.    K.  B. 

IMP.  TETRICVS  P.  F.  A.  K-  in  Strahlenkrone 
n.  r.  Es.  VIRITVSI  AVGG.  Virtus  oder  Krieger 
mit  2  Lanzen  (in  jeder  Hand  eine)  n.  1.  schreitend. 
K.  B.     Barbarische  Prägung. 

Sehr  barbarische  Xaohprägung  von  Cohen  VI.  113. 
207.  IMP.  [TETIRICVS.  K.  in  Strahlonkrone 
n.  r.  Es.  [VIRITVS  AUGG.  Virtus  mit  Schild 
und  Lanze  n.  1.    K.  B. 

. .  .  TETRICVS  I .  .  .  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Es. 
LVIIRTVS  lAIVGVS  su-'.)  Krieger,  auf  Schild 
gestützt  und  mit  Lanze,  n.  1.  stellend.  K.  B.  Bar- 
barische Prägung. 


1 


1 


1 


1 


275 


Kaiser. 


Reversumschrift. 


;3  es 
5   " 


Beschreibung. 


Tetricus  I.         Hilaritas  Aug.? 


Laetitia  Aug.V 


PflX   .\ug'.? 


Salus  Aug.  oder 
Augg.V 


Spps  publica? 


. . .  [TETRIICVS  DI.  AVGV  (sie!).    K.  in  Strahlen- 
krone   n.    r.      Et.    Sinnlo«(e    Umschrift:    FIIPO 
"Weibl.    b'igur    im    Hilaritastypus    (mit    Palme    und 
Füllhorn)  n.  1.    K.  B.     Barbarische  Prägung. 

.  .  .  TETRICVS.  P.  I.  F.  AVG.  fsic!)  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Jis.  ...AVG.  Laetitia  mit  | Kranz] 
und  Anker  n.  1.    K.   B, 

.  .  .  [TETRIIOVS.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Bs. 
. , .  XI  Laetitia  mit?  und  .\nker  n.  1.  stehend. 
K.  B.     Barbarische  Prägung. 

M.  G.  TETRIC[VS1  ...  K-  in  Strahlenkrone  n.  r. 
/.'».  PAV  sie!)  (soll  wohl  heissen  Pax?)  /\Q  fsio! 
=  Aug?)  Weibl.  Figur  mit  Schale  und  Scepter  in 
Vorderansicht.  K.  B.  Nicht  bei  Cohen.  Bar- 
barische Prägung. 

MP.  (8icO  TIETRICVIS  P.  F.  AVG.  K.  in  Strahlen- 
krone n.  r.  Bs.  Von  Umschrift  nur  unsichere 
Spuren:  , . .  ^'  .  . .  Keinesfalls  scheint  sie  dem  Ty- 
pus (^Pax  mit  Zweig  und  Scepter  n.  1.)  entsprochen 
zu  haben.    K.  B. 

. .  .  [TEITRICVS  AVG.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r. 
^«-  ...  AVG.  Pax  (?)  mit  Zweig  (?)  und  Quer- 
scepter  (?)  n.  1.  stehend.    K.  B. 

. .  .  ITETlRICVS  .  .  .  noch  in  schwaclien  Spuren 
sichtbar.  K.  in  Strahlenkrone  n.  r.  Es